Eilmeldung

Eben habe ich sie fast direkt vor meiner Haustür gesichtet:

„Das könnten unsere Kirchdachstörche sein!“, dachte ich so vor mich hin und machte auf dem Rückweg einen kleinen Schlenker an der Kirche vorbei. Und tatsächlich: Sie sind es!

Ich weiß gar nicht, wohin mit meiner Rührung und Freude!

Kommt schnell zum mentalen Gruppenkuscheln!

Und morgen gehe ich mit Misi zu Dr. Schreckweg. Wir müssen uns etwas ausdenken für den kleinen Kerl.

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Heute lese ich……

Heute lese ich……

Meine Thema ist zur Zeit der Perspektivwechsel. Ach ja, ich besitze ein Buch, das sich leicht und schnell lesen läßt, das eine einzige Frau aus 23 unterschiedlichen Perspektiven beschreibt und welches ich immer wieder gerne lese.

Harald Martenstein: Gefühlte Nähe. Roman in 23 Paarungen,  München 2010

Harald Martenstein erzählt in „Gefühlte Nähe“ von den Lieben und den Liebhabern einer Frau, von den verschiedenen Spielarten der Zuneigung, vom Wunsch nach Nähe und Distanz, von der ganzen Bandbreite der Gefühle.

N. ist, als wir sie kennenlernen, eine Schülerin, die für ihren Lehrer schwärmt. Sie ist eigensinnig und ambitioniert, macht ihren Weg in der Welt der Medien. Hilft es ihr, dass sie auch schön ist, wird sie glücklicher, weil sie klug ist?

N. ist auf der Suche, hat romantische Liebschaften, auch sie träumt davon, einmal vor dem Haus am See zu sitzen. Aber sie lässt sich nicht so einfach einbinden in eine Beziehung, da wird es ihr schnell zu eng. Dieser Eigensinn hat seinen Preis, biete N. aber auch die Chance, weiter nach dem Richtigen zu suchen.

Dabei lernen wir diese Frau durch die Augen der 23 Männer ihres Lebens kennen, die großspurig, skrupellos, sensibel, nachtragend, manchmal auch liebevoll und großherzig sind. Die Geschichten und Situationen ergänzen sich, zeigen Verhaltensmuster, sind komisch oder herzzerreißend, ergeben eine Sittengeschichte im Privaten- aber sie sind vor allem eins: genau beobachtet.“

„Gefühlte Nähe“ ist eher eine Kurzgeschichtensammlung als ein Roman. Er liest sich wunderbar leicht und regt zum Schmunzeln an. Er beleuchtet das Paarungsverhalten der letzten 50 Jahre in den unterschiedlichsten Spielarten, die mir alle sehr bekannt vorkommen.

Dabei kommt N. , die eigentliche Hauptfigur, nicht selbst zu Wort. Wir kennen im Gegensatz zu ihren 23 Männern nicht einmal ihren vollständigen Namen. Ich finde die Idee, einen Menschen und seine Entwicklung aus der Sicht anderer Personen zu beschreiben, genial. Es weckt mein Interesse. Ich freue mich, wenn ich Verknüpfungen der einzelnen Geschichten untereinander entdecke und möchte mir am liebsten Notizen darüber machen. Ich habe auch die Idee, die Geschichte N. erzählen zu lassen.  Vielleicht mache ich das eines Tages.

Ich kann nicht wissen, wer N. wirklich ist. Ich kann es nur vermuten. So ist es ja auch im realen Leben. Ich kann nicht wissen, wie es in anderen Menschen aussieht. Ich kann  nur interpretieren. Wie ich andere Menschen erfahre, hängt von meiner inneren Einstellung ab. Das wird mir auch diesmal beim Lesen wieder deutlich.

Ich mache mir natürlich trotzdem ein Bild von N. . Sie scheint eine attraktive und sexuell sehr aktive  Frau zu sein, die hochgradig bindungsgestört ist. Sie ist eine Frau, die jemanden sucht, der alles für sie tut und nichts zurückhaben will. Sie erwartet, dass ihr Partner alles verzeiht, wohingegen sie gar nichts zu verzeihen gedenkt. Die mit ihrem Prinzessinnen-Syndrom Nähe und Distanz gleichzeitig einfordert. So meint es Leo zumindest (ab S.64) und ich folge dieser Einschätzung. Ihre Partner leiden mehr oder weniger unter ihren Launen, Allüren, Zickigkeiten, unverhofften Meinungsänderungen, Unpünktlichkeiten und dem Hang zur Untreue. Bis auf einen, der sie jahrelang aus der Ferne liebt und mit der gefühlten Nähe zu ihr vollkommen zufrieden ist. Aber der ……na ja.

Ich frage mich, warum die 23 Herren so fasziniert von ihr sind. Zugegeben, viele Männer in „Gefühlte Nähe“ sind nicht viel besser als N. . Um die meisten würde ich heute einen großen Bogen machen….

Aber ich lese gerne über diese Männerwelten. Ich amüsiere mich und nehme das ganze nicht allzu ernst.

Hier eine kleine Kostprobe, in der es um das Fremdgehen geht (S. 76):

„Er hielt sich für einen durchschnittlichen Gatten, weder nahm er jede Chance wahr, noch war er ein Heiliger. Anders ging es doch überhaupt nicht. Wer an die Dinge des Lebens nicht mit einem gewissen Quantum an Realismus herangeht, kann einem nur leid tun, da helfen wohl nur Antidepressiva. Nicht schön, das alles, aber der Mensch, sagte sich Vollmann, ist nicht auf seelisch-moralische Schönheit hin konstruiert, sondern er ist aufs Überleben der Gattung programmiert, mit allen hormonellen Konsequenzen, die so etwas mit sich bringt. Er wünschte, er könnte mit Monika darüber reden, ganz ruhig. Das wünschte er wirklich. Oder vielleicht nicht einmal reden, sondern diese Sache ganz einfach, beiderseitig und ohne Gerede, akzeptieren, wie man eine gelegentliche Influenza am besten einfach akzeptiert, alles andere ist doch Blödsinn. Er litt, wenn er litt, dann unter dem Zwang, eine Person, die er schätzte, die er respektierte und mit der er gerne den Rest seines Lebens verbringen wollte, anlügen zu müssen. Er hatte deswegen ein schlechtes Gewissen, das ja. Aber er fühlte sich nicht schuldig, das nein.“   

Ich könnte mich beömmeln…….Aber es gab Zeiten, da habe ich dieser Argumentation geglaubt. Zum Glück bin ich lernfähig.

Es beteiligen sich bei „Heute lese ich …“ auch:

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie

und Mein Name sei Mama

und Veronika von vrojongliert
und Tarlucy

So wie es ist

So wie es ist

Manchmal oder gerade deswegen passiert es auch im Frühling: ich vermisse die Geborgenheit einer Familie. Ich bin traurig darüber, nirgends wirklich dazuzugehören. Ich habe keine Lust mehr, geschieden zu sein. Ich vermisse Nähe, Geborgenheit und Berührungen. Ich möchte gemeinsam, nicht einsam. Ich will keine alleinstehende ältliche Frau ohne Familienanhang sein.

Wenn ich mich diesen Gedanken hingebe, wird es schlimm.

Ich sage mir dann, es sind nur Gedanken. Ich lasse die Emotionen vorbeiziehen . Es ist so wie es ist und vielleicht ist es auch ganz anders. Es kommt auf die Wahrnehmung an. Die einsamen Momente gehen vorbei. Ich nehme meinen Fotoapparat und los geht es in die Natur. Ich lenke mich ab, ich finde schöne  Momente und halte sie fest. Ich gehöre zum Großen und Ganzen, ich bin ein Teil meiner Zeit und meiner Umgebung. Meine Gedanken und Taten nehmen Einfluss. Ich kann gelassen bleiben, auch wenn ich alleine bin.

Dann geht es mir wieder gut. Dann genieße ich mein Zusammensein mit Freundinnen. Dann melden sich die Kinder und es gibt Pläne für Besuche. Dann kann ich mich auf den Urlaub mit den vier mutigen anderen Frauen in Dänemark freuen. Dann gibt es Gesellschaft genug. Und jetzt genieße ich mein Alleinsein mitten im Frühling.

So, und jetzt zeige ich  Euch meine Mutmachfotos vom Wochenende:

Gute Aussichten 2

Zeilenende startete ein neues Fotoprojekt: Ein Jahr lang begleitet er ein Motiv mit der Kamera und an jedem letzten Sonntag im Monat gibt es ein Bild davon auf dem Blog. Ich mache das auch!

Andere Teilnehmende sind:

Agnes dokumentiert die Baustelle der Groth-Gruppe am Berliner Mauerpark

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

26.03. 2017: Was? Schon wieder? Meine Güte, wie die Zeit vergeht!

Inzwischen nehme ich meinen Lieblingsleseplatz auf der Terrasse wieder ein, wenn das Wetter es zulässt. Hier ist der Lesegenuss am größten. Ich habe schon immer am liebsten draußen gelesen. Am aller-aller-allerliebsten am Strand, aber Terrasse im Wendland geht auch. Die Sonne scheint. Die Vögel zwitschern und singen und toben und ziehen Regenwürmer lang und sammeln Moos und sind guter Dinge. Manchmal prügeln sie sich auch. Es ist Frühling und sie sind so beschäftigt, dass sie mich gar nicht wahrnehmen. Ich lese, denke, gucke und höre den Vögeln und den Nachbarn zu. Manchmal fährt ein Auto vorbei. Der erste Rasenmäher war auch schon wieder aktiv.

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26. März 2017
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26. Februar 2017

Froschwelt

Froschwelt

Hallo Leute, Herr Dr. Schreckweg sagt, ich soll nicht so viel denken. Ich soll etwas tun. Frau Holle findet, ich soll mal wieder malen und Euch zeigen, wie meine Welt aussieht. Die Menschen sagen dazu „Froschperspektive“. Lustig. Ich staune, dass Frau Holles Welt ganz anders aussieht, obwohl es doch ihr Haus ist und wir zur Zeit beide hier wohnen. Na ja, man muss ja nicht alles wissen.

Ich will Fotos machen. Frau Holle findet das toll und zeigt mir ihre von vorgestern. Sie gibt mir einen kleinen Apparat, der ist trotzdem für Froschfinger schwer zu halten. Ich mache 7 695 Fotos im ganzen Haus und morgen geht es nach draußen. Frau Holle sagt, alles können wir hier nicht zeigen, dann ist der Regenbogen zu schnell voll und sie muss sich etwas neues ausdenken. Dazu hat sie keine Lust. Aber einige authentische  und wahre Froschperspektivbilder darf ich veröffentlichen. Ich knutsche Frau Holles Nase und vergesse fast meine Angst vor meinem Symbol. Ich freue mich so!

Gartengestalten

Gartengestalten

Wie Misi eben schon schrieb, wollte ich gestern andere „Gartenfrösche“ suchen und finden. Ich dachte, es gibt jede Menge davon in meiner kleinen Stadt. Wie viele ich tatsächlich fand, könnt Ihr gleich sehen.

Gestalten in Gärten zu suchen, sie zu finden und zu fotografieren war spannend, lustig und ein wenig gefährlich, wenn man mit dem roten Rad unterwegs ist und nicht mehr auf den Straßenverkehr achtet. Ich habe nicht alles fotografiert und ich will nicht alles zeigen, was ich abgespeichert habe. Aber einen kleinen Eindruck kann ich vermitteln, was sich so tut in den Gärten meiner kleinen Stadt.

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Was habe ich nur angerichtet? Ich werde nie mehr einfach nur spazieren gehen können. Der Suchtfaktor ist groß!

Und was habt Ihr draußen rumstehen?

Burnout

Burnout

Hallo Leute, vorgestern pflückte mich Frau Holle vom Gartentor, weil ich eine Stunde wie tot gelb herumhing. Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder zurechtfand. Frau Holle sagte, ich hätte vielleicht einen Burnout und müsse professionelle Hilfe annehmen. Keine Ahnung, was das bedeutete. Aber es ging mir nicht gut. Ich wollte nur noch ins Terrarium und nichts mehr sehen und hören. Schon gar keine Gartentore.

Frau Holle machte mich gestern  mit meinem neuen Therapeuten bekannt. Herr Dr. Schreckweg (so heißt er wirklich! Frau Holle meint, sie braucht unbedingt eine Frauenärztin, die Frau Dr. Bauchweg heißt, sie ist immer so lustig.)

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Hier sieht man mich mit Herrn Dr. Schreckweg in meiner ersten Therapiestunde

 

Also Leute, so eine Therapie ist ja interessant. Herr Dr. Schreckweg freut sich, dass ihn immer mehr Männer besuchen. Auch Männern geht es manchmal schlecht in der Psyche, sagt er. Das brauchen sie nicht hinzunehmen, sie können etwas dagegen tun. Also nicht nur mit Sport, Härte oder Angeben, sondern in der Therapie können sie herausfinden, was mit ihnen los ist. Es kann ihnen wieder besser gehen. Ich staunte.

Herr Dr. Schreckweg schrieb mich erstmal mal krank.  Dann soll ich mich eingliedern und jeden Tag erst mal 10 Minuten abhängen. Jetzt soll ich mich schonen und viel schlafen. Er meint, ich hätte tatsächlich einen Burnout, wäre also ausgebrannt. Ach du meine Güte, Feuer in mir? Nein, ich sei nur überfordert. Wahrscheinlich fehlt mir die Wintererstarrung. Ich habe zu viel zu schnell erlebt. Und wahrscheinlich hätten sich meine Eltern nicht genug um mich gekümmert und mich nicht so recht geliebt. Das kann ich unterschreiben. Bei 8 000 Geschwistern bleibt nicht viel Elternliebe für das einzelne Froschei.

„Aber was ist mit den Störchen?“, frage ich ganz erschöpft. „Die wollen mich doch fressen.“ Herr Dr. Schreckweg sieht mich sehr einfühlsam an und sagt: „Das stimmt leider. Irgendwann müssen wir alle sterben und das wollen wir nicht wahrhaben und darum hast du  jetzt Angst vor dem Storch. Das ist nur ein Symbol.“ Ich verstehe das nicht, gebe aber Ruhe. Ich glaube fast, Frau Holle hat recht, wenn sie sagt, auch Männer können Angst haben. Die Männergruppe wird staunen, wenn ich das erzähle! Ich will mich jetzt aber schonen und mich meiner Angst stellen. Erst mal ein Foto vom Storch ansehen, ohne gelb und starr zu werden.

Frau Holle zeigt mir Fotos vom Storch, die sie heute geschossen hat.

Also, erst mal Fotos von seinem Haus. Es ist noch leer. Zum Glück. So kann ich mich erst einmal vorsichtig an mein Symbol herantasten. Jeden Tag drei Minuten……

Frau Holle sagt, ich soll sie nachher  begleiten. Sie will meine Kollegen suchen. Gartenfrösche, mit denen ich eine Selbsthilfegruppe gründen könnte. Ja, das fehlte noch. Ich soll mit ihrem bekloppten roten Rad mitfahren? Also so viel Burnout kann es gar nicht geben, dass ich das mache. Ein wenig Würde will ich mir doch erhalten!

Also Leute, ich verabschiede mich jetzt, ich muss zur Therapie!