Genug geleistet?

Genug geleistet?

Was? Noch nicht mal zwei Wochen? Erstaunt blicke ich auf den Kalender. Gefühlt ist Silvester schon viel länger her. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade eine Menge planen, bedenken und tun muss. Dabei ist es objektiv gar nicht so viel. Früher hätte ich das alles so nebenbei gemanagt, ohne lange darüber nachzudenken.

Ich weiß gar nicht, wie ich das in meinem früheren Leben alles leisten konnte, damals, als die Kinder noch klein waren und ich täglich jede Menge zu organisieren und zu tun hatte. Wie habe ich bloß Familie, Beruf, Haushalt, Freundschaften und eigene Hobbys unter einen Hut gebracht?

Vielleicht war ich dazu imstande, weil meine Familie noch um mich herum wuselte. Natürlich war ich auch jünger und gesünder. Meistens jedenfalls.

Ich spielte mit meinen Kindern, brachte sie saubergewaschen und gekämmt ins Bett, las ihnen vor, bastelte und malte mit ihnen, ging mit ihnen in die Natur, auf Spielplätze oder schickte sie zu Freunden, organisierte Geburtstage und Weihnachtsfeste, wusch ihre Wäsche und sortierte sie in ihre Schränke, also die Wäsche, nicht die Kinder, ich backte und kochte und so weiter und so fort.  Einmal habe ich sogar in den Ferien mit allen Dorfkindern und unserem Hund zwei Wochen lang einen Kinderzirkus auf die Beine gestellt. An die Vorstellung auf dem Dorfplatz erinnere ich mich noch sehr gut. War erfolgreich und lustig! Ich begleitete meine Jungs durch die Schulzeit und kümmerte mich ab und zu um kulturelle Impulse, was auf dem platten Land ja nicht immer einfach ist. Wir zogen mehrmals um und kauften schließlich ein Haus. Das brachte immer wieder Unruhe, viel Arbeit und Neuanfänge in unser Leben.

Ich las auch selbst damals viel, besuchte Volkshochschulkurse und nahm an Fortbildungen teil. Ich malte, strickte, stickte und bastelte und hatte immer irgend ein Projekt in Arbeit. Ja, nicht alle wurden fertig und manche bleiben im Alltag stecken, aber ich machte immerhin. Ich absolvierte eine zweite Ausbildung und stieg doch in meinen Beruf als Lehrerin wieder ein. Eigentlich fing ich dort von vorne an, denn die Arbeit in einer Förderschule war etwas Neues für mich. Ich versorgte Tiere und den Haushalt. Ich kümmerte mich um Freundschaften und arbeitete mich an meiner Liebesbeziehung ab.

Während ich das jetzt schreibe, denke ich, ja, ich habe immer viel getan und gewollt und geschafft. Auch wenn ich es damals nicht so empfand: meine Familie hatte es gut mit mir. Nun sagt mir mein innerer Kritiker, ich solle nicht so aufgeblasen daherreden, ich hätte ganz schön viel Mist gebaut. Meine Kinder und mein Mann haben schwer unter mir gelitten. Ja, stimmt, manchmal war es so, aber sehr oft eben auch nicht! Merkt Ihr, wie gut ich meinen Vorsatz für das neue Jahr heute umsetze? Muss ich mich doch gleich mal selbst loben!

Damals hatte ich oft den Eindruck, dass mein Mann den Großteil der Arbeit leistete und ich nur angehängt war. Heute sehe ich das anders. Wir haben uns die Aufgaben aufgeteilt. Mein Mann war universell begabt und konnte eigentlich fast alles. Insbesondere im handwerklichen und gärtnerischen Bereich war er unersättlich am Tüfteln und Bauen und Gestalten. Seine Ergebnisse waren offensichtlich, meine Beiträge  häufig nicht so deutlich sichtbar. Nur wenn sie plötzlich wegfielen, dann merkte man schon etwas. Heute bin ich stolz auf das, was ich zum Familienleben beitrug.

Ein großer Umbruch in meinem Leben war die Entscheidung, auszuziehen, nachdem unsere Kinder erwachsen waren. Damals noch in der Hoffnung, dass mein Mann und ich mit getrennten Wohnungen wieder zueinander finden könnten. Hat nicht geklappt und die Scheidung setzte einen Schlusspunkt. Nein, stimmt nicht. So ganz Schluss war ja bis zu seinem Tode nie.

Was hartnäckig blieb, war der Gedanke, dass ich nicht genug bin und leiste. Ganz tief in mir entfaltet er seine Kraft immer noch im Unterbewusstsein. Ich rede, schreibe und denke laut dagegen an. Dabei entdeckte ich mein Mitgefühl. Und zwar mein Mitgefühl für mich selbst.

Ich durchlebte wie wir alle traurige und schwere Zeiten und bin an ihnen gewachsen. Ich kriegte es in den letzten Jahren gut hin, weil ich mir viel Zeit für mich nahm. Dass ich nicht mehr erwerbstätig bin, ist eine gute Voraussetzung dafür! Ich konnte mir die Zeit nehmen, die ich brauchte, um meine Kraftreserven wieder aufzufüllen. Wieviel Energie es kostet, Trauer zu spüren und zu halten, habe ich z. B. heute gerade noch einmal bemerkt, als ich in unserem Haus nachsah, ob der „Entrümpler“ es tatsächlich leergeräumt hat. Hat er. Alles weg und ich wurde so traurig und kraftlos, dass ich mich bei mir Zuhause sofort hinlegte und fest einschlief. Ist der Tagesschlaf jetzt verlorene Zeit? Nein, ich denke nicht. Er war notwendig und gut für mich.

Ich vergaß auch in schweren Zeiten nicht, das Schöne (wieder) zu spüren. Ich bin so aktiv und leistungsfähig, wie ich es gerade sein kann, sogar ziemlich erfolgreich, finde ich. Das Haus ist leer und wird voraussichtlich im Februar neue Besitzer haben. Ein guter Preis ist erzielt. Meine Knie-OP Anfang Februar ist geplant und ich weiß genau, wann ich was erledigen muss. Ich habe eine weitere Reise mit meinen „Mädels“ nach Dänemark gebucht. Ich treibe Sport in Maßen und nach Lust und Laune. Es wird im März wieder einen Philosophie-Kursus in der Volkshochschule geben. Qigong läuft auch weiter und im September bin ich für eine Jahresgruppe angemeldet, in der wir in regelmäßigen Abständen unsere Lebensfragen „aufstellen“ können. Die „Schreibwerkstatt“ existiert noch und wir werden künftig nach einem Lehrbuch arbeiten. Ich durchlebe ab und zu kleinere Panikattacken, die lästig und anstrengend sind, aber nicht mehr so bedrohlich. Ich spüre sie und weiß, sie werden bald aufhören und damit besiege ich sie. Mein Auto ist durch den TÜV gekommen. Und einen neuen Teppich habe ich mir für die Essecke auch geleistet. Ich weiß nur noch nicht, ob ich den nun wirklich gut finde, aber auch diese Frage werde ich mir eines Tages noch beantworten. Muss ja nicht sofort sein.

Es gibt also überhaupt keinen Grund, daran zu glauben, dass ich mehr leisten könnte, wenn ich nur wollte. Dieser Satz stand übrigens oft in meinen Zeugnissen, fällt mir gerade ein. Nun will ich endlich aufhören, mir selbst eine so negative „Kopfnote“ auszustellen.

Also, Ihr Lieben, glaubt einer alten, lebenserfahrenen Frau: Wenn Ihr denkt, Ihr seid nicht aktiv und gut genug, sind das Gedanken, die gut überdacht und wahrscheinlich neu gedacht werden sollten. Meistens stimmen sie nicht, wie Ihr an meinem Beispiel sehen könnt. Und meinen inneren Kritiker, der deutlich macht, dass er diese Weisheit ganz und gar nicht mit mir teilt, den schicke ich jetzt in den Garten. Da kann er sich dann schnell mal selbst doof finden!

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!

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17. Dezember

17. Dezember

Meine Güte, eben stand ich noch durchnässt und verfroren am Föhrer Strand und begrüßte das neue Jahr. Es sollte ein gutes werden, das hatte ich mir vorgenommen.

Und plötzlich ist bald Weihnachten und ich muss ich mir schon wieder Gedanken darüber machen, was ich Silvester mache.

Früher war es einfacher. Als Kind konnte ich mich darauf verlassen, dass meine Familie zusammenkommt und bei Feuerzangenbowle bis Mitternacht und darüber hinaus immer fröhlicher wurde. Wir Kinder schmückten das Wohnzimmer mit Papierschlangen, blieben natürlich wach und feierten, so gut wir konnten. Alle hatten Papphüte auf und meine Großmutter brachte immer Tischfeuerwerke und andere Dummheiten mit. Was für ein Vergnügen, wenn eine schwarze Wurst nach dem Anzünden immer größer und größer wurde und gar nicht aufhören wollte zu wachsen. Knallbonbons liebte ich sehr, denn da waren kleine Plastikteile drin, die als Glücksbringer bei uns Kindern heiß begehrt waren. Mein Bruder vergnügte sich den ganzen Abend im Badezimmer mit seinen Piepmanscher, die er einzeln mit einer kleinen Kanone abfeuerte. Es gab Würstchen im Schlafrock und andere Leckereien. Lustige Musik aus dem Radio unterstrich die fröhliche Silvesterstimmung. Mein Opa fand jedes Jahr, dass dies nun wirklich der schönste Tag in seinem Leben war und er froh sei, dass er das noch erleben durfte. Das Feuerwerk und die Knallerei um Mitternacht liebte ich sehr. Jetzt weiß ich, dass es für die Erwachsenen nicht so einfach war, denn Kriegserinnerungen wurden geweckt. Sie ließen es sich aber nicht anmerken, damit wir Kinder unseren Spaß unbelastet genießen konnten.

Als ich dann kein Kind mehr, sondern eine junge Erwachsene war, hatte ich meine Clique und Silvester waren wir immer zusammen. Mal in Hamburg, mal in Dänemark und einmal mit Schneekatastrophe in Kappeln. Aber immer ohne Hüte, was eigentlich schade war. Dafür war die Stimmung ausgelassen und die Feiern uferten auch manchmal etwas aus. Wir waren eben jung!

Später hatte ich meine eigenen Familie und meistens feierten wir alleine oder mit Freunden. Die Jahrtausendwende verbrachten wir auf Föhr, wo wir jahrelang gelebt hatten, bevor wir auf das Festland zogen. Die grandiose Party auf dem Sandwall mit Lifemusik am Meer werde ich nie vergessen.

Noch später, als die Kinder abgenabelt waren, feierten mein Mann und ich mit anderen Paaren im kleinen Kreis oder wir blieben alleine. Das war dann gemütlich, aber nicht sonderlich spektakulär.

Im Scheidungsjahr blieb ich alleine Zuhause und sah mir die ersten Staffeln von „Mord mit Aussicht“ an. Ich konnte den Gedanken kaum ertragen, dass mein Mann mit der anderen Frau feiert und glücklich ist. Sein Glück machte mich tiefunglücklich. Um Mitternacht stand ich heulend auf der Straße und sah dem Feuerwerk zu. Auch dieses Silvester werde ich nie vergessen! So eine Heulsuse bin ich heute zum Glück nicht mehr.

Die nächsten Jahre verbrachte ich den Jahreswechsel hin und wieder alleine auf Föhr, wobei auf dem Sandwall ja immer viele Leute um mich waren, mit denen ich auf das jeweilige neue Jahr anstoßen konnte. Manchmal traf ich alte Bekannte und dann war die Freude groß.

Einige Jahre feierte ich mit Freundinnen in Lüchow. Wir aßen und spielten. Die Stimmung war gut, aber irgendwie nicht so richtig silvestertauglich, fand ich.

Im letzten Jahr war ich also mit drei lieben Leuten  wieder auf Föhr. Das Feiern war auch bei Dauerregen wunderschön. Der Jahreswechsel am Strand hat immer etwas ganz besonderes, egal wie das Wetter ist.

Jetzt ist also bald Weihnachten und ich weiß immer noch nicht, wie ich Silvester verbringe. Vielleicht bleibe ich alleine Zuhause und stoße um Mitternacht mit mir selber an. Dieser Moment ist in meinem ganzen Leben immer besonders emotional und wichtig gewesen, egal, in welcher Form ich den Jahreswechsel verbrachte. Vielleicht liegt das an meinen schönen Kindheitserinnerungen!

 

 

Inklusion oder Kooperation?

Hier könnt Ihr etwas über meine Gedanken zur Inklusion und Kooperation lesen……

Handigoknown

Viele Jahre war ich Klassenlehrerin an einer Förderschule Geistige Entwicklung. Mit einem gut differenzierten Unterricht sollten und sollen, denn die Schule gibt es ja immer noch, die SchülerInnen so gut wie möglich gefördert werden.

Ja aber, werden viele fragen, warum muss es überhaupt Förderschulen geben und warum sondert man Kinder mit besonderem Förderbedarf aus? Im Laufe meiner Berufsjahre setzte sich unser Kollegium natürlich auch mit den Themen Integration, Inklusion und Kooperation auseinander.

Wir fragten uns, ob eine Inklusion  für alle unsere Schüler möglich und sinnvoll wäre. Es gab durchaus gute Argumente, sich gegen Inklusion auszusprechen und eine Beschulung an einer Förderschule zu bevorzugen.

Um die Isolation unserer Schülerschaft aufzubrechen, wagten wir den Versuch einer Kooperationsklasse in einer Grundschule und ich durfte die Klassenlehrerin der ersten Klasse werden.

Kooperation bedeutete enge Zusammenarbeit mit einer anderen ersten Klasse der Grundschule. Das hieß getrennte Klassenräume, aber möglichst viel gemeinsamer Unterricht in den…

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Sommerfreiheit

Sommerfreiheit

Nächste Woche beginnen in Niedersachsen die Sommerferien. Ich weiß noch genau, wie ich mich vor ein paar Jahren um diese Zeit als Klassenlehrerin in einer Förderschule geistige Entwicklung fühlte:

Die Zeugnisse lagen fertig in der Schublade, Klassenfahrten sowie die Entlassfeier hatten die letzten Kraftreserven des Lehrkörpers aufgezehrt, das Schulgebäude verwandelte sich in einen Backofen und die Insassen waren urlaubsreif, alle miteinander. Die Klassenräume mussten ausgeräumt werden, damit die Fußböden in den Ferienwochen extra gepflegt werden konnten und an Unterricht war nicht mehr zu denken. An heißen Tagen, und ich erinnere mich fast nur an solche, wurden die Schüler draußen verpflegt, umhegt und mit dem Gartenschlauch gewässert, bis die Busse sie um 15.00 Uhr abholten und ich nur noch zum Auto kriechen konnte, um nach Hause zu fahren.

Der letzte Schultag mit einem großen Frühstück, der feierlichen Vergabe der Zeugnisse und einem letzten Aufräumen der Klassenräume wurde von allen heiß ersehnt.

Unsere SchülerInnen umarmten uns an diesem Tag noch schnell und herzlich(!), bevor es zum gemeinsamen Abschied in die Aula ging. Einige Eltern brachten Blumen und Pralinen  für uns vorbei und bedankten sich für das erfolgreiche Schuljahr(!). Ich konnte mein Glück kaum fassen, wenn wir uns dann tatsächlich alle versammelten, unser Abschiedslied sangen und die Schulleiterin endlich, endlich um 10.30 Uhr den Startschuss gab: jubelnd setzte sich die Schülerschaft in Richtung Ausgang in Bewegung, stieg gut gelaunt in die Busse und Autos der Eltern, winkte uns Erwachsenen noch einmal zu und verschwand. Ruhe, Stille………

Vergessen waren die Kämpfe mit den Pubertieren und die ärgerlichen Elternabende mit ärgerlichen Eltern. Freudentränen vergießend lagen sich die Klassenteams in den Armen um dann gemeinsam ins Lehrerzimmer zu tanzen und mit allen Kollegen und Kolleginnen (etwa 60!) und einem Gläschen Sekt das Schuljahr zu verabschieden und auf die SOMMERFREIHEIT anzustoßen.

Zuhause landete ich nicht himmelhoch jauchzend, sondern ziemlich betrübt. Das Gefühl, etwas angestellt oder vergessen zu haben, beeinträchtigte für ein oder zwei Tage meinen Ferienbeginn. Die Anspannung fiel ab und dann verordnete ich mir ein paar Wochen privates Glück. Ohne Vorbereitung und Gedanken an das, was das neue Schuljahr wohl bringen würde.

Aber eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben. Das mache ich morgen oder so. Denn ich will darüber berichten, wie ich mich wieder in Urlaubsstimmung versetzen möchte, auch wenn ich Rentnerin bin und immer frei habe.

Fasching

Fasching

Wenn ich mich vor dem Schlafengehen durch die Fernsehprogramme zappe, hänge ich manchmal etwas fassungslos bei den Dritten fest. Bis mir einfällt, dass ich Karneval im Fernsehen als Kind geliebt habe. Rosenmontagszüge war immer mein Highlight. Mitten am Tag durfte ich den ganzen Nachmittag fernsehen. Lustige Leute auf der Straße gab es so in Hamburg nicht. Das waren fremde Welten.

Aber auch wir im Norden feierten im Sportverein und in der Schule Fasching. Ich mochte mich zu jeder Jahreszeit zu und zu gerne verkleiden. Besonders aber, wenn es alle anderen auch taten.

Später gab es so schöne Feste im Freundeskreis und an der Uni. Wie konnte ich feiern und tanzen und lachen und schmusen und das Leben einfach nur herrlich finden.

Noch später feierte ich als Lehrerin Fasching in der Schule. Zuletzt vor drei Jahren. Irgendwie ist mir die Faschingslaune privat abhanden gekommen. Vielleicht ist das schade.

Einige Fotos dazu habe ich gefunden

Allen, die Spaß daran haben, wünsche ich eine schöne verrückte Zeit  und erholt Euch vom Alltag!

 

Weihnachten

Weihnachten

Ich will jetzt erst einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei meinen VerfolgerInnen zu bedanken. Es macht mir großen Spaß zu sehen, wie die Zahl sehr schön langsam, aber stetig wächst. Manchmal stelle ich es mir bildlich vor. Zwei Grundschulklassen könnten mit Euch schon gefüllt werden….

Mein 50. Verfolger ist  IMPRESSIONS OF LIFE. Das muss gefeiert werden. Darum durfte sich IMPRESSIONS OF LIFE das Thema für meinen nächsten Beitrag ausdenken. „Vielleicht Weihnachten?“, lautete die Antwort. Also gut, dann lege ich mal los:

Weihnachten

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Also, Weihnachten…..hm, wie fange ich jetzt an? Ist doch schwieriger, als ich eben noch dachte. Also, Weihnachten…

Immer wieder bin ich erstaunt, wie schnell doch die Zeit vergeht. Mir scheint, sie rennt Jahr für Jahr schneller. Kaum ist Weihnachten vorbei und die Deko weggeräumt, muss ich sie auch schon wieder hervorholen.

Ich habe jetzt 63 Weihnachten hinter mich gebracht. Sehr unterschiedliche, natürlich.

Als Kind war die Vorweihnachtszeit wunderbar, spannend, Verzauberung pur.

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Mein Bruder und ich (Schwesterchen kam erst viele Jahre später) durften uns jedes Jahr aussuchen, ob wir ins Weihnachtsmärchen oder auf den Hamburger Dom gehen wollten. Für beides reichte das Geld nicht. Zur vorweihnachtlichen Tradition gehörten auch die Ausflüge in die Innenstadt, um die Weihnachtsbeleuchtung und Schaufenster zu bestaunen. Wunderbar erschienen mir damals die Märchenfiguren in den Auslagen der Kaufhäuser, die sich wie durch Zauberhand bewegten. Ich drückte mir die kleine Nase an den Schaufenstern wirklich platt.

Vier kleine Päckchen hingen am Adventskranz, für jeden Sonntag eins. Der Inhalt durfte sofort verzehrt werden, noch am Frühstückstisch. Schokolade war etwas ganz besonderes! An meine Adventskalender, so herrlich mit Silber und Glitter verziert, kann ich mich auch noch gut erinnern. Diese kleinen, liebevollen Bildchen verzückten mich richtig! Ein Engel im Schnee! Ein Lebkuchen! Ein Vogel im Schnee! Ein Stern! Ein Schlitten im Schnee! Ein Nikolausstiefel mit Tannenzweig, Apfel und Nüssen! Ein Weihnachtsmann! Maria und Josef mit dem Christkind! Jetzt ist endlich der 24. Dezember!

Unvorstellbar große Kinder-Gefühle: sehnlichste Weihnachtswünsche und die Vorfreude auf den Heiligabend. So erinnere ich es jedenfalls heute.

Und wenn es endlich so weit war, wenn sich die Eltern genug gestritten hatten, die Oma angekommen war, das Kaffeetrinken hinter uns lag und der Kinderfunk sein Kinderprogramm beendete, durften wir endlich ins Weihnachtszimmer. Geschenke! Bunte Teller! Weihnachtsbaum! Geschenke, Geschenke…..Aber zuerst mussten wir uns vor den Baum stellen und Gedichte aufsagen, Lieder singen  oder flöten. Auch im hohen Alter von 12 tat ich das noch, da war aber die Aufregung nicht mehr ganz so groß…..

Dann konnten endlich die Geschenke geschenkt und ausgepackt werden und dann wurde gespielt, gespielt, gespielt. An viele Geschenke erinnere ich mich heute noch.

Überhaupt habe ich viele glückliche Erinnerungen an die Weihnachten meiner Kindheit. Ich denke, darum mag ich sie auch heute noch ganz gerne, die Adventszeit.

Das war allerdings nicht immer so. Es gab etliche Jahre, in denen ich heilfroh war, wenn Weihnachten hinter mir lag. In denen ich mit dieser angeblich schönsten Zeit nichts anfangen konnte. Ich war so traurig darüber, dass Weihnachten immer schwieriger für uns wurde. Ich konnte nicht einsehen, dass eine Familie, die in Schwierigkeiten steckte, Weihnachten nicht romantisch friedlich unter dem Weihnachtsbaum sitzen konnte.

Meine zwei Kinder, mein Mann und ich feierten viele Feste zu viert und es entstand eine neue Tradition. Aber immer mit Weihnachtsbaum und Geschenken. Ich hoffe, meine Kinder erinnern sich gerne an ihre Weihnachten zurück.

Na ja, und alles änderte sich für uns alle nach der Scheidung vor ein paar Jahren noch einmal ziemlich brutal. „Plötzlich“ zu dritt war zuerst nicht einfach. Aber wir haben uns Weihnachten wieder neu erobert. Wir machten es uns gemütlich. Mit Weihnachtsbaum und Geschenken.

Jedes Jahr war und wird anders. Meine eigene Familie findet wieder zusammen. Jedes Jahr kommt etwas dazu und bleibt etwas weg. Ich habe keine festen Vorstellungen mehr und lasse mich ein auf das, was kommt. Ein guter Weg, finde ich.

In diesem Jahr gehe ich entspannt in den Advent. Ich schmücke meine Wohnung, freue mich auf gewisse Weihnachtsfilme, die zu meiner Tradition gehören. Ich werde backen und Weihnachtsbücher lesen und vielleicht sogar ein wenig basteln, wenn ich dazu komme. Zauberhaft ist diese Zeit nicht mehr, natürlich, aber gefühlig, das ist sie schon. 007-23

Wie im Unterricht einmal ein ganzes Land verschwand

Wie im Unterricht einmal ein ganzes Land verschwand

Als Klassenlehrerin einer vierten Klasse in einer Förderschule für Geistige Entwicklung absolvierte ich zusammen mit meiner Pädagogischen Mitarbeiterin eine Weiterbildung im Verein für Entwicklungstherapie und Entwicklungspädagogik  (ETEP) http://www.etep.org/

Im Unterricht sollte hauptsächlich die soziale Kompetenz gestärkt und gefördert werden.  Die SchülerInnen erarbeiteten sich zusammen mit meiner Kollegin und mir kurz formulierte Lernziele in den Bereichen Kognition, Kommunikation, Sozialisation und Verhalten, die sich nach ihren individuellen Entwicklungsständen richteten. Die Lernziele schrieben wir auf kleine Kärtchen und visualisierten sie für Nichtleser. Diese Lernzielkarten wurden auf ihren Arbeitsplätzen befestigt.

Hier ein Beispiel:

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Regelmäßig besprachen wir, ob die Ziele erreicht wurden. Wenn ja, wurden neue Lernziele entwickelt. Diese Methode hatte erstaunliche Erfolge. Lesen, Schreiben und Rechnen wurden dabei wie nebenbei gelernt und geübt.

Nun will ich Euch davon erzählen, wie ein ganzes Land im Unterricht vernichtet wurde.

Die SchülerInnen gestalteten zwei Wochen vor der Prüfung an der Tafel ihr Märchenland. Sie nannten es Lemuri. Märchenfiguren wurden angemalt oder selbst entworfen und  laminiert.  Fotos von den SchülerInnen wurden ebenfalls laminiert und so konnten sie sich mit märchenhaften Aufgaben in Lemuri einbringen. Jeder suchte sich einen besonderen Freund und Helfer aus. Die Geschichten dazu erfanden wir gemeinsam. Unsere fünf Jungs bildeten eine Bande in Lemuri: „Die Wilden Kerle“. Die drei Mädchen zogen zu den Prinzessinnen auf das Schloss.

Ich hatte für die Prüfung eine sehr gut durchdachte Vorbereitung in der Schublade liegen. Zwei Tage zuvor geschah aber folgendes:

Die Wilden Kerle drehten plötzlich durch. Wir konnten sie nicht mehr aufhalten. Menschen und Tiere wurden getötet, Gebiete vernichtet und verbrannt. Die Mädchen zogen sich weinend zurück. Ein Kleiner Wilder Kerl rief empört:“ Wir machen ja alles kaputt. Hört auf!“ Aber die anderen hörten nicht auf und machten weiter, rissen alles ab und wischten Lemuri von der Tafel.

Dann waren alle erschöpft. Meine Kollegin ging mit den Prinzessinnen und dem Kleinen Wilden Kerl vor die Tür um sie zu trösten. Ich bleib mit den wild gewordenen Kerlen im Klassenraum. Trotz regierte die Welt. Das haben sie nun davon, die doofen anderen. Selbst Schuld! Die Starken sind die Bestimmer! So ging es eine Weile, bis der Schreck und die Trauer ihren Raum fanden. Jetzt gab es auch bei den Wilden Kerlen Tränen und sie stellten die Frage:“ Was machen wir nun?“

Diese Frage stellten meine Kollegin und ich uns auch. Als sehr hilfreich erwies sich, dass nachmittags sowieso eine Supervision anstand. Wir bekamen ein großes Lob für unsere gute therapeutische Arbeit. Die Erklärung: Hier hat sich eine große aufgestaute Wut Luft gemacht. Die Schüler waren sich ihrer Situation bewusst, nicht so zu sein wie die anderen. Gerade für die fitteren  Schüler bedeutete es eine große Kränkung, die Förderschule besuchen zu müssen. Sie konnten in der vierten Klasse noch nicht richtig lesen und schreiben und so vieles andere nicht, was die SchülerInnnen der Regelklassen scheinbar mühelos beherrschten. Sie waren trotz Kooperation und Integration Außenseiter. Prima, dass sie einmal die Gelegenheit hatten, die Welt, so wie sie ist, auszulöschen.

Gut, das sahen wir ein. Aber was machten wir nun mit der Prüfung? Die Vorbereitung dafür konnte ich ja in die Tonne klopfen. Lemuri gab es nicht mehr. Ich baute  die Unterrichtseinheit in einer Nachtschicht  um. Die Lernziele bleiben zum Glück die gleichen, aber die Geschichte und die Aufgaben änderten sich.

Ich konnte den Verlauf der Stunde nicht genau planen und musste mich auf die Phantasie der SchülerInnnen verlassen. Wir setzten uns am nächsten Tag „planlos“ zusammen und ganz gespannt schauten die Prüfer zu. Die SchülerInnen berieten, was zu tun sei. Erst einmal erweckten sie alle Personen wieder zum Leben, denn zaubern konnten sie ja noch. Dann hatten sie die Idee, dass sich jeder und jede ein neues Land zaubern durfte. Das taten sie an der Tafel und alle Figuren bekamen eine neue Heimat. Es gab ein großes Lemuri mit dem Schloss und die Wilden Kerle hatten jeder eine kleine Insel für sich mit Fähren oder Zugbrücken. Man beschloss, sich ab und zu auf Lemuri zu treffen. Die Drachen wurden für diese Zeit gezähmt und die Wilden Kerle versprachen, sich an die Regeln, die jetzt neu aufgestellt wurden, zu halten. Jeder sollte die Freiheit haben, sich jederzeit zurückziehen zu können.

Diese Prüfungsstunde war ein voller Erfolg mit tausend Sternchen. Für uns alle. Ich meine, das Bedürfnis, sich in der Gemeinschaft auch abgrenzen zu dürfen, kann nicht deutlicher ausgedrückt werden.

Ach, wenn es doch draußen in der realen Welt auch so einfach wäre!

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