Zimmerreisen 8: P wie Petronella und Puppenspiel

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches immer wieder Erinnerungen weckt, egal welcher Buchstabe gerade bearbeitet wird. Das Regelwerk findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/07/23/einladung-zu-den-zimmerreisen-08-2021/ Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Vorwort:

In Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, sammelte ich Bilderbücher. Sie waren derer viele und eins der liebsten war “ Tomi Ungerers Märchenbuch“, Diogenes Verlag, 1975. Wie es sich in jenen dunklen Tagen gehörte, fand ich die Geschichte von Petronella (Jay Williams) emanzipatorisch beispielgebend. Denn hier rettet eine Prinzessin einen Prinzen, der vom bösen Zauberer gefangengehalten wird. Mutig absolviert sie die drei Aufgaben, die zur Rettung nötig sind. Nach einer aufregenden Flucht, denn der Zauberer gibt nicht auf und verfolgt das Paar, erfährt sie so allerlei Überraschendes und sie findet die Liebe ihres Lebens. Spoileralarm: Der Prinz ist es nicht.

Hauptteil:

In meinem Regal steht ein Foto aus längst vergangenen Tagen. Sie sind so lange her, dass es manchmal schwer fällt, zu glauben, dass sie keine Märchenerzählung meines Erinnerungsvermögens sind. Nein, das Fotos beweist einen gewissen Wahrheitsgehalt.

Und hier fängt die Geschichte von „Petronella“ und dem Puppenspiel an. Alles begann 1984 und ich war 32.

Wir waren zu dritt und mochten uns sehr. Gemeinsam verbrachten wir unsere Zeit mit Yoga, Basteln, kleinen Auszeiten und Strandbesuchen. Schließlich lebten wir auf Föhr und Föhr verbindet. Oder so ähnlich.

Eines Tages planten wir etwas Großes! Etwas Unerhörtes, etwas nie Dagewesenes. Wir wollten ein Puppentheater! Nicht irgendeines, sondern ein ganz und gar Selbstgemachtes. Mit Feuereifer verfolgten wir unsere Idee und setzten sie schließlich auch um.

Zuerst suchten wir die Geschichte aus. Was wollten wir spielen? Ich kramte Tomi Ungerers Märchebuch hervor und wir fanden, „Petronella“ sei geeignet. Sie spiegelte den Zeitgeist wieder, war lustig und passte zu uns. Wir wollten alle ein klein wenig Petronella sein. Und weil wir das so schön fanden, nannten wir unser noch nicht existierendes Puppentheater „Petronella“.

Ich schrieb das Drehbuch, welches noch in meinem Erinnerungskoffer liegt. Ja, ich hatte Talent, stelle ich heute fest. Gemeinsam bastelten wir die Handpuppen. Die Köpfe aus Fimo, die Kleider selbst genäht und bestickt. Zwischendurch übten wir unsere Texte und lachten uns schlapp. Und dann wurde die Bühne geplant und unsere Freunde boten ihre Hilfe an. Aber nein, wir wollten alles alleine machen. Schließlich hießen wir „Petronalla“ und wir konnten das selbst! Ja, nun, die Bühne sah etwas windschief aus. Aber das kaschierten wir später mit Luftballons. Die Kulissen entsprachen unseren Vorstellungen und schließlich war alles fertig.

Eine von uns war Inhaberin der Insel-Teestube und so war klar, wo die Premiere stattfinden sollte. Wir luden alle ein, die wir kannten und alle kamen.

Das Fotos zeigt uns kurz vor Beginn der ersten Vorstellung. Oh, wie war das aufregend! So viele Leute drängten sich, tranken Bier und Wein, plauderten und waren uns freundlich gesinnt. Und weil Puppenspielerinnen während der Aufführung ja selbst nicht zu sehen sind und sich unser Lampenfieber darum in Grenzen hielt, gelang die Märchenaufführung so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das Publikum blieb bis zum Schluss des einstündigen Spektakels aufmerksam, lachte an den richtigen Stellen und manchmal auch dann, wo Lachen und Gejohle von uns nicht geplant war. Manchmal mussten wir mitlachen und das gehörte irgendwie dazu. Der Schluss-Applaus wurde bis zu Festland gehört.

Nachwort:

Und weil wir leider auseinander gegangen sind, spielen wir nicht bis heute. Ich bin gerade sehr gerührt, während ich dies schreibe. Und auch ein wenig sentimental.

„Petronella“ gab noch einige Vorstellungen. Dann wurde mein Bauch zu dick, denn ich war schwanger. Wir spielten nicht mehr zusammen, aber eine von uns übernahm die Bühne und tingelte durch die Kinderheime. Sie bastelte sich selbst ihre Puppen mit Köpfen aus Pappmaschee, so dass diese größer und auch in den letzten Reihen sichtbarer wurden.

Leider habe ich keine Fotos von unseren ersten Puppen. Wir teilten diese später, als ich die Insel verließ, auf und das hätten wir nicht tun sollen. Meine haben die vielen Umzüge nicht überlebt.

Mein Freund hat auf der Premiere ein paar Dias aufgenommen, die nicht so gut geworden sind. Ich zeige Euch trotzdem einige davon, denn sie sind besser als nichts und sie zeigen: Ich habe das nicht geträumt! Das war einmal!

Zimmerreisen 7: O wie Ohrringe

Zimmerreisen 7: O wie Ohrringe

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches immer wieder Erinnerungen weckt, egal welcher Buchstabe gerade bearbeitet wird. Das Regelwerk findet Ihr hier:https://puzzleblume.wordpress.com/2021/06/25/einladung-zu-den-zimmerreisen-07-2021/ Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Ohrringe und Ohrstecker besitze ich viele. Hier seht Ihr eine kleine Auswahl meiner Sammlung. Ein Paar ist geerbt und wertvoll, die anderen glitzern und glänzen billig herum.

Ich schmückte mich gerne mit ihnen. Ausgehen, arbeiteten gehen und überhaupt: Glitzern am Kopf war angesagt.

Diese, also eigentlich waren es ja zwei, einer ist weg, trug ich gerne, als ich Studentin war. Sie passten gut zum Parka, zu Pumphosen, zu Latzhosen und zu meinem Hennahaar. Fand ich.
Diese, also auch als Paar, ich habe gerade aber nur einen gefunden, erstand ich in Irland, als ich mit Kommilitonen dort herumreiste, mit Zelten, viel Regen und einer Lungenentzündung. Nein, nicht ich wurde krank, eine Mitreisende hat es erwischt und dann war zwei Wochen „Bed and Breakfast“ angesagt und unsere Urlaubskassen meuterten.
Diese hat mir mein Mann geschenkt. Damals, als wir frisch verliebt waren. Ich trug sie monatelang jeden Tag. Das war ein Gefunkel, wenn die Sonne schien! Und sie schien ja immer, denn ich war verliebt und glücklich und umarmte die ganze Welt.
Und diese trug ich fast 25 Jahre später frisch getrennt in Hamburg, als ich mit Freunden Silvester im Tanzlokal feierte. Nein, feiern war es eigentlich nicht. Eigentlich war ich so traurig und hatte Sehnsucht. Ich konnte es nicht fassen, dass mein Mann nicht bei mir war.
Und diese kaufte ich, als ich mich in einer Reha erholen sollte und nicht konnte. Nach meinem Auszug von zu Hause erwischte mich die Angststörung, die mich zwar schon lange vorher begleitete, aber ich hatte sie einfach nicht bemerkt. Bis ich dann eines Tages in meiner neuen Wohnung im Bett lag und beschloss, nicht aufzustehen, sondern mich krankschreiben zu lassen. Ich konnte mich einfach nicht mehr zusammenreißen. Das Leben und alles andere machten mir Angst. Sogar die Weihnachtsbäckerei. Dann wurde ich zur Reha geschickt. Dort war es ziemlich schrecklich, aber ein paar schöne Erinnerungen gibt es auch. Und die Ohrringe trage ich heute noch gerne. Sie erinnern mich daran, dass ich diese blöden Angstgefühle nie ganz loswerde, aber ich mittlerweile gut mit ihnen leben kann.
Und diese kaufte ich mir 2019 für ein Silvesterseminar in Nordfriesland. Mit ihnen kam ich glänzend ins neue Jahr und wusste noch nicht, dass sich bald so vieles ändern würde.

Zur Zeit trage ich meist kleine Ohrstecker, denn wenn es so warm ist, kann ich kein Gebammel am Ohrläppchen ertragen. Das war früher auch mal anders!😆

Zimmerreisen 7: N wie Negativ

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches mich immer wieder zu mir selbst führt. Das Regelwerk findet Ihr hier:https://puzzleblume.wordpress.com/2021/06/25/einladung-zu-den-zimmerreisen-07-2021/ Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

„Nun sei doch nicht immer so negativ!“, höre ich manchmal, wenn ich über die Zukunft spreche. Oder über meine Kindheit. Oder über meine Sorgen. Ich zuckte dann zusammen und überlegte, was ich denn nun wieder falsch gemacht habe. Positiv soll ich sein. Positiv denken und sprechen. Das würde besser passen.

Heute ist aber leider nicht P dran, sondern N. Also bleibe ich beim Negativ und gucke mich um. Daraus könnte ich etwas machen, denke ich, N wie Negativ. Mal sehen, was mir dazu einfällt:

Man darf das nicht so genau nehmen. Ein negatives Foto wäre etwas anderes, aber ich stelle folgende Regel auf: Im Regenbogen reicht es, ein Foto so zu bearbeiten, dass die Farben umgekehrt werden, um es negativ zu benennen. Und das habe ich eben mit meinen Spontanfotos getan. Und siehe da: Negativ gefällt mir auch ganz gut. Na ja, Lila überwiegt und das ist nicht gerade meine Lieblingsfarbe, aber sie ist nun einmal da, weil ich Grün so gerne fotografiere. Im Sommer gibt es sehr viel davon, wenn ich aus dem Fenster schaue. So nehme ich das Lila hin und sehe das nicht so negativ.

Und weil mich meine negative Welt gerade nicht weiter bringt, kehre ich die Farben eben wieder um. Nun wird Positiv doch noch gewürdigt.

Positiv finde ich auch schön. Ohne das Negativ würde das Positiv nicht so strahlen. Nichts ist eindeutig. Jedes hat zwei (oder mehr) Seiten. Es kommt auf den Blickwinkel an. Oder auf die Interpretation. Oder die Einstellung. Nur negativ ist doof. Aber nur positiv geht auch nicht. Beides miteinander zu verbinden ist manchmal angebracht. Sichtweisen sind unterschiedlich und das soll so sein. Ist doch gut, sich mit beiden Seiten auseinanderzusetzen.

Wenn demnächst jemand findet, ich sei mal wieder zu negativ, dann werde ich nicht mehr zusammenzucken. Dann werde ich an meine schlauen Gedanken vom 1. Juli 2021 denken und mich darüber freuen, dass mich heute eine verfrühte Geburtstagskarte erreichte, die auch im Negativ wahr bleibt. Nur die Farben sind anders, der Inhalt ist identisch. Manchmal ist es auch im wirklichen Leben so. Und damit endet meine negative Zimmerreise doch sehr konstruktiv, oder?

Zimmerreisen 6: M wie Misi

Zimmerreisen 6: M wie Misi

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches mich immer wieder in meine eigene Vergangenheit führt. Das Regelwerk findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 06/2021 | Puzzleblume ❀ (wordpress.com) Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Der Misi hängt seit einigen Jahren im Garten ab. Hier ein aktuelles Foto:

Misi ist ein Gartenhänger und gehört meiner Nachbarin. Ich entdeckte ihn im Juli 2016 zum ersten Mal. Ich fand den Frosch so witzig, dass ich ihn gleich knipste. Das Foto wollte ich in den Blog meiner Schwester stellen, die mir damals erlaubte, dort ein paar Gastbeiträge zu schreiben, um das Bloggen auszuprobieren. Aber daraus wurde nichts. Also aus dem leisen Foto, meine ich. Das Bloggen ausprobieren gelang ja richtig gut. Ich bin bis heute dabei. Also heute probiere ich nicht mehr, heute mache ich. Aber nun zurück zu Misi. Er gab sich nicht zufrieden damit, still zu sein. Nein, das war nicht seine Art. Er wollte mitreden. Mitreden oder gar nichts. Also ließ ich ihn am 5. August mitreden: Misi meldet sich – Gertrud Trenkelbach Blog (wordpress.com) Er bezog sich auf einen Beitrag von mir über Glücksmomente. Damals war noch ein Foto dabei. Na ja, egal. Im August 2016 eröffnete ich meinen eigenen Blog und nahm Misi mit : Misi meldet sich (1) – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com).

Misi zog dann schnell bei mir zu Hause ein. Er nannte mich Frau Holle und beides gefiel mit gut: Frau Holle zu sein und mit einem Frosch zusammen zu wohnen. Misi entwickelte sich. Ein Nurmeckerfrosch wurde zu einem einigermaßen sozialen Wesen.

Misi begleitete Frau Holle ins Schwimmbad oder zum QiGong. Er sang im Chor und trat in eine Männergruppe ein. Er gab überall seinen Senf dazu und das war für Frau Holle nicht immer schön. Die beiden ergänzten sich trotzdem und es gab viel zu Lachen. Allerdings erlitt der arme Frosch auch heftige Angstattacken (Storch!) und musste zum Doktor Schreckweg in Therapie. Und einmal ist er im ersten Schnee fast erfroren, weil er nicht auf Frau Holle hören wollte. Misi lernte das Fotografieren und betätigte sich künstlerisch. Er besuchte andere Blogs und erlebte Abenteuer, das glaubt Ihr nicht. Eines Tages war er sogar ganz verschwunden und Frau Holle hatte große Angst um ihren kleinen Frosch. Aber alles ging gut aus. Na ja, bis auf das wochenlange Sprechverbot natürlich. Misi gestaltete einen Weihnachtskalender, er verliebte sich mehrmals und bekam furchtbar viele Kinder. Eins von denen war anders und blieb, während seine Geschwister das Weite suchten. Das Vatersein (alleinerziehend!) gestaltete sich für Misi ziemlich anstrengend, aber Frau Holle unterstützte ihn, wo sie nur konnte. Schließlich hatten auch ihre Kinder das Weite gesucht. Sie wusste also Bescheid.

Ja, so, war das mit Misi. Leider verschwand er, als Corona kam. Er zog in die Freiheit und ich hatte andere Probleme. Wenn Ihr neugierig seid, könnt Ihr in der Kategorie misi stöbern. Ich mache das manchmal selbst und finde, dass Misi und Frau Holle ein vergnügliches Team waren.

Der kleine Gartenhänger ist real und immer noch bei mir. Meine Nachbarin lässt ihn in meine Richtung gucken. Ich denke gerne an die Zeit mit Misi zurück. Er gab meinem Inneren Kind eine Stimme. Und jetzt verspüre ich gerade eine unbändige Lust, den kleinen Kerl wieder bei mir aufzunehmen. Mal sehen, ob er nicht doch noch zurück kommt. Ich könnte ihn manchmal gut gebrauchen.

Zimmerreisen 6: L wie Liste

Zimmerreisen 6: L wie Liste

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches mich immer wieder in meine eigene Vergangenheit führt. Das Regelwerk findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 06/2021 | Puzzleblume ❀ (wordpress.com) Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Ich gucke mich um und finde wenig in meiner Wohnung mit L, das mich interessiert. Aber mir fallen so viele L-Wörter ein. Darum gibt es heute eine Zimmerreisen-Liste von mir!

Nachnamefangt mit L an
Geburtsname fängt mit L an
WohnortLüchow
BerufLehrerin, na ja, heute nicht mehr, aber so ganz werde ich das nicht los.
LiebeDie Liebe lässt sich nicht festhalten und will in Bewegung bleiben. Sie ist immer bei mir, auch wenn sie sich nicht ständig zeigt. Die Liebe braucht ihre Freiheit, sonst geht sie ein.
LebenspartnerHabe ich gehabt. Heute fehlt er mir als Vater unserer Kinder. Und wenn ich reise, vermisse ich ihn sehr. Reisen mit einem Liebsten sind durch nichts zu ersetzen.
LieblingsessenAls Kind gab ich Spinat mit Rührei an, wenn es um ein Lieblingsessen ging. Heute esse ich vieles gerne, aber täglich meinen Gewürzquark. Ich könnte mich von Schokolade, Kuchen und Lakritze ernähren, aber das ist ja ungesund. Leider.
LieblingsfarbeBlau und Glitzer. Ich weiß, Glitzer ist keine Farbe, aber alles, was glitzert, mag ich sehr. Ob ich einmal eine Elster war? Oder im nächsten Leben eine werde?
LieblingsbuchMeist das, welches ich gerade lese. Aktuell: „Die Verlassenen“ von Tom Perrotta. Ist sehr spannend und empfehlenswert!!!!
LieblingsfilmAktuell: Gundermann, Fraktus, Magical Mystery, 25 km, Wege des Herrn, Die Erbschaft…..
LieblingsmenschenMeine Kinder und ihre Lebenspartnerinnen, meine Freundinnen, ich.
LoslassenDas ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Allerdings ist es so: Je besser mir das Loslassen gelingt, umso besser geht es mir!
LernenGeht zum Glück immer. Als Rentnerin genieße ich das Lernen ohne Zensuren und Prüfungsdruck. Ich lerne das, was mir wichtig scheint. Allerdings habe ich auch viel von dem vergessen, was ich früher wusste. Das ist in Ordnung, ich muss ja schließlich Platz für Neues schaffen. Ich achte darauf, dass das Wissen wächst und die Seele sich entfalten kann. Beides kann zusammengehen, kann sich aber auch unterscheiden.
LachenKam im letzten Jahr etwas kurz. Ich lache gerne! Am liebsten in der Gemeinschaft.
LamettaFrüher war mehr! Mochte ich immer sehr…..
Lesen (Bücher)Ist ein großer Bestandteil meines Lebens. Ich dachte, das wäre bei jedem so. Ich habe aber festgestellt: es gibt viele Menschen, die ganz wunderbar ohne auskommen.
LeerlaufIst mir willkommen und ich fülle ihn nicht mit dem Smartphone. In der Leerlauf-Zeit genießen meine Gedanken und inneren Bilder ihre Freiheit.
LustLebenskraft!
LederIch besaß Lederhose, Lederjacke und einen sexy Lederrock. Heute sind meine Schuhe und Taschen noch aus Leder. Reine Gewohnheit und kann neu gedacht werden.
laufenKonnte ich noch nie richtig gut und seit einigen Jahren gar nicht mehr. Zum Glück geht Gehen noch.
lästernMacht(e) mir leider mehr Spaß, als es sollte. Habe ich mir weitgehend abgewöhnt, oder?
leidenIn jungen Jahren fand ich das laute Leiden schick. Ich dachte, wer leidet, wird geliebt und getröstet. Ist leider nicht so.😂
Und es gibt das wahre Leiden. Das kenne ich auch, weil es zum Leben gehört.
LobLoben kann ich. Also, die anderen loben. Selbstlob ist schon schwerer. Gehört sich irgendwie nicht. Selbstlob stinkt, haben wir als Kinder gesagt. Das stimmt nicht! Niemals! Und jetzt versuchen wir es mal alle mit einem ordentlichen Selbstlob. Also, ich….äh, ich, also ich bin……ist das schwer! 😳
ListeIch mag Listen!
Lack„Alles im Lack“ ist eine Redensart, die ich nicht verstehe. Gestern habe ich meine Holzbank lackiert. Sie ist jetzt im Lack und kann wieder im Garten stehen. Das ist eine Tatsache, die ich verstehe. Und nun kann ich das Eigenlob nachholen: Ich habe gut lackiert!
LebenDas Leben ist kurz und lang zugleich. Die größte Strecke liegt hinter mir. Im Rückblick hielten sich das Gute und das Schlimme die Waage. Mal überwog das eine, mal das andere. Beides ist wichtig für mich gewesen. Und so sehe ich auch die Gegenwart: Alles ist drin und ich halte das Gleichgewicht. Ich nenne diesen Zustand Zufriedenheit.

Diese Zimmerreise ist eine Kurzreise ins ICH geworden. Aber sie begann immerhin im Zimmer vor meinem PC!

Lecker! Lebensfroh! Liebevoll! Lebendig!

Zimmerreisen 5: K wie Kleider

Im Januar 2019 schrieb ich über die Kleider meines Lebens. Diesen Beitrag hole ich nun aus der Versenkung und aktualisiere ihn ein wenig, denn er passt perfekt zu den „Zimmerreisen 5“. Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches mich immer wieder in meine eigene Vergangenheit führt. Das Regelwerk findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 05/2021 | Puzzleblume ❀ (wordpress.com)  Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Gegenwärtig trage ich selten Kleider in der Öffentlichkeit. Aber früher schon. Obwohl meine Beine….na ja. Trotzdem hielten sie mich in meiner Jugend nicht davon ab, Minis zu tragen! Meine Mutter nähte mir, als ich etwa 14 Jahre alt war, aus einem feinen Blümchenbaumwollstoff ein Mini-Hosenrockkleid. Sie kaufte mir einen silbernen Kettengürtel dazu. Den konnte ich um meine damals noch schlanke Taille ketten und ich fand mich super-schön. Dazu ein gelber Strohschlapphut aufgesetzt….. perfekt! Dieses Kleid trug ich, bis es auseinanderfiel und am Po durchgescheuert war.

Für meine Jugendweihe suchte ich mir ein braunes, knielanges Hängerkleid mit Pailletten an der Passe aus. Nein, ich fand es nicht schön, aber für das Geld, welches mir zur Verfügung stand, war es das beste, was ich kriegen konnte. Er glitzerte immerhin oben herum. Das war damals sensationell. Heute könnte ich mich in Glitzerstoffe von oben bis unten einhüllen, damals gab es das noch nicht oder doch, aber diese Kleider waren unerschwinglich für mich. Ich kaufte also das blöde braune Kleid und hatte auch gleich etwas für das Theater und die Oper. Kulturring der Jugend! Fünf Theatervorstellungen und eine Oper pro Halbjahr! Wundervolle Jugendzeit. Ach ja. Ich fürchte, dieses Kleid trug ich auch auf meinem Abtanzball. Ich weiß es nicht mehr genau. Ich erinnere mich aber, dass ich keinen Partner hatte und ein Mauerblümchendasein fristete. Traurig, traurig.

Als ich etwa neunzehn war, kaufte ich mir ein knallrotes, glänzendes Minikleid mit Flügelärmeln und Tellerrock. Wunderschön und ich dachte mir gar nichts dabei, dass es so rot war und ging damit aus. Ich hatte sogar gute Chancen und wurde zum Tanzen aufgefordert. Das war damals in meinen Kreisen so. Schließlich gingen wir Mädels zum Tanzen, damit wir aufgefordert wurden und vielleicht sogar das Lebensglück in Form eines festen Freundes fanden. Ich fand keinen, aber immerhin wurde ich aufgefordert.

Ein wirklich kurzes Volantkleid zog ich mit Anfang zwanzig im Sommer kaum noch aus. Es war blau mit weißen Punkten. Kombiniert mit weißen Plastikkugelohrringen und einer riesigen Sonnenbrille mit weißem Rand war es einfach unwiderstehlich und ich gleich mit, fand ich. Einmal zog ich es zum Fasching an und meine Güte, da ging die Post ab.

Ich kann mich an ein Maxikleid erinnern. Toll, toll ein langes Kleid mitten am Tag zu tragen erzeugte schon ein kleines Prinzessinnengefühl. Dieses war schwarz mit tausend kleinen Blümchen darauf. Also das Kleid, nicht das Gefühl! Schick auch zu Feten und „Insterburg und Co“  in der Hamburger Uni-Mensa erlebte ich in eben diesem Kleid. Nein, was haben wir gelacht und bei „Otto“ war ich auch, aber da hatte ich etwas anderes an.

So, was gibt es noch für Lebenskleider? Mein Hochzeitskleid war ein billiges Schwangerschaftskleidchen, denn ich war zum zweiten Mal unübersehbar schwanger. Knielang-dunkelblau mit kleinen Blümchen drauf und super billig. Also nichts Besonderes und wir wollten es ja auch heimlich tun, das Heiraten. Nur ein paar Verwandte und Freunde im kleinen Kreis. Unser dreijähriger Sohn war natürlich dabei und fand es putzig, dass er plötzlich einen neuen Nachnamen bekam. Die Hochzeiten am 08.08.88 blieben in Wyk auf Föhr allerdings nicht geheim. Eine große Menschenmenge füllte den Marktplatz um die Superbrautpaare am Superdatum zu beobachten, wie sie das Standesamt verließen. Nun gut, wir waren natürlich nicht wie ein Hochzeitspaar gekleidet, aber das Glück muss man uns angesehen haben. Ach ja.

Als junge Frau und Mutter trug ich im Sommer eine ganze Reihe von Kleidern. Wadenlang und schwingend um die Beine. Irgendwann passte ich nicht mehr hinein in meine Lieblingskleider. Sie waren wohl eingelaufen im Laufe der Jahre, was wirklich schade war.

Ich besorgte mir zum Abiball meines ältesten Sohnes ein festliches langes Abendkleid. Es war günstig zu haben und ich sah ungewohnt vornehm aus. Der Rock war eng bis unten, dort glockte es um meine Fesseln und Schuhe. Mein Mann gestand mir einige Jahre später, dass ihn das Kleid mit seiner Stofffarbe an eine Leberwurstpelle (die golden-weiße) erinnert hätte. Ich weinte und warf es gleich in den Altkleidercontainer. Ich brauchte es sowieso nicht mehr. Ich kriegte den Reißverschluss nicht mehr zu.

Zu meinem sechzigsten Geburtstag kaufte ich mir noch einmal ein neues Kleid. Lang, eng, weiß und mit Blumen bedruckt. Kein festliches Kleid, aber ein bequemes. Manchmal trage ich es im Sommer heute noch, aber nur Zuhause. Ich mag mich in Hosen lieber leiden. Allerdings ertappe ich mich häufig dabei, wie ich mir fremde Kleider anschaue und auch mal wieder eines haben möchte. Ich muss nur noch herausfinden, welches in mein momentanes Leben passt!

Zimmerreisen 5: J wie Jeetzel

Zimmerreisen 5: J wie Jeetzel

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Es führt mich immer wieder in meine Vergangenheit und ich bin selbst erstaunt, dass ich soviel erlebt habe. Das Regelwerk findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 05/2021 | Puzzleblume ❀ (wordpress.com)  Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Weil die Jeetzel ein Fluss ist, habe ich sie natürlich nicht direkt im Zimmer. Aber das ist nicht schlimm, denn die Jeetzel gehört zur näheren Umgebung und ich sehe sie fast jeden Tag. Sie gehört sozusagen zum erweiterten Wohnzimmer meiner täglichen Radrunde. Passt also zum Thema!

Das Fließgewässer Jeetzel entspringt als Jeetze in der südwestlichen Altmark im Norden Sachsen-Anhalts. Zum Flussystem gehören 79 weitere Fließgewässer. In Salzwedel heißt der Fluss noch Jeetze, ein paar Kilometer weiter, also hier im Wendland, wird der er dann Jeetzel genannt. Er fließt durch ehemals vermoorte Niederungsgebiete weiter nordwärts, parallel zum Drawehn-Höhenzug, durch die Städte WustrowLüchow und Dannenberg, um bei Hitzacker in die Elbe zu münden. Und wenn Ihr mehr wissen wollt, gibt es hier mehr zu lesen: Jeetzel – Wikipedia

Mit der Jeetzel verbinde ich viele Erinnerungen an meine Familienzeit. Als wir nach Lüchow zogen, waren die Kinder noch klein und ich denke an zahlreiche Spaziergänge auf dem Deich mit Entenfüttern, Nutrias und Schwäne beobachten, ja sogar an das Schlittschuhlaufen. Meine Güte, wie war ich als Mutter noch jung und fit! Ich werde nie vergessen, wie ich in einem besonders kalten Winter mit Schlittschuhen auf der Jeetzel in Richtung Wustrow unterwegs war. So still die Natur, keine Menschenseele weit und breit! Ich wollte weiter gleiten, immer weiter bis nach Wustrow und zurück. Ich war so glücklich! Bis mir einfiel, dass mich niemand finden würde, falls ich hinfallen und hilflos liegenbleiben sollte. Schließlich war das Eis nicht glatt, sondern hubbelig. Außerdem lagen Äste und Blätter auf dem Eis. Die reinsten Stolperfallen! So bin ich: ich beraube mich manchmal selbst, nehme mir mein Vergnügen, weil mir alles mögliche einfällt, was passieren könnte. Diese Eigenschaft hat sich zur Zeit noch verstärkt, weil ich selten meine Komfortzone verlasse und natürlich auch, weil ich körperlich mittlerweile ein wenig gehandikapt bin. Egal, also damals war ich schon ziemlich weit gekommen bis mich der Gedanke an die Einsamkeit stoppte. Ich kehrte vorsichtshalber um, denn mich hätte tatsächlich niemand gefunden, wenn etwas passiert wäre. Ich wäre erfroren und später ertrunken. Falls Ihr Euch über diese Geschichte wundert: Handys gab es noch nicht!

Ich erinnere mich an Silvester, als wir alle vier auf einer Jeetzel-Brücke das neue Jahr mit Blick auf das Feuerwerk aus Lüchow und den umliegenden Dörfern begrüßten. Ich erinnere mich an etliche Momente an der Jeetzel, an schöne und traurige. Doch ja, dieses Flüsschen ist schmal und nicht das Meer, aber immerhin Fließwasser, welches nie dasselbe ist und darum auch jederzeit anders aussieht.

Und wenn Ihr noch nicht genug von der Jeetzel habt, hier noch ein etwas seltsames Lied, aber immerhin mit Jeetzelblick!😂

Zimmerreisen 4: I wie Inchies

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/04/09/einladung-zu-den-zimmerreisen-04-2021/ Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Ich bin keine Künstlerin, aber ich male und bastle gern. Ich nenne das jetzt mal Wohnzimmerkunst, weil es so gut zu den Zimmerreisen passt. Ich probiere gerne etwas Neues aus, um es dann auch häufig schnell wieder sein zu lassen. Aber was getan wird, bleibt.

Alles schon gemacht: Scherenschnitte, Collagen, Malen nach Musik, Malen auf Packpapier, Seidenmalerei, Fensterbilder, Pappmaschee, Puppen, sticken, stricken, häkeln, Schmuck, Laubsägearbeiten, Zentangle, Photographieren, digitale Bildbearbeitung, Zeichnen mit Bleistift, Zeichnen mit Buntstift, Malen mit allen möglichen Farben und Inchies.

Wenn Ihr wissen wollt, was Inchies sind, könnt Ihr hier nachlesen: Inchies – eine Anleitung mit Ideen und Inspirationen – Caromite

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für kleinteiliges Arbeiten. Als ich von den Inchies erfuhr, war ich also Feuer und Flamme. Diese briefmarkengroßen Dinger können überall hergestellt werden. Sie sind also hervorragend dazu geeignet, sich auf Reisen zu beschäftigen, wenn gerade nichts anderes anliegt.

Die ersten Inchies meines Lebens stellte ich in Berlin her. Es war Weihnachten und ich besuchte für ein paar Tage meinen Sohn. Die Stadt war neu für mich. Wir erkundeten das Museum für Naturkunde (Startseite | Museum für Naturkunde (museumfuernaturkunde.berlin)), wo ich aus dem Staunen nicht herauskam. Wir erlebten eine vergnügliche Zeit im Improvisationstheater (Improvisationstheater | ImproBerlin Theater) und wir aßen Pizza. Wir fuhren andauernd mit der Bahn und ich bewunderte meinen Sohn, wie gut er sich im Gewimmel zurechtfand. Dabei konnte ich das in jungen Jahren in Hamburg doch genauso. Aber in Berlin verlor ich den Überblick und ließ mich willenlos überallhin mitschleppen. Ich hatte genug damit zu tun, die vielen Eindrücke zu verkraften. Wenn wir nicht unterwegs waren, erholten wir uns. Er entschwand im PC und ich fing mit meinen Inchies an.

Zuhause stellte ich sie dann fertig und klebte 5 mal 5 Inchies auf eine quadratische „Leinwand auf Pappe“. Ich fand das witzig.
Dies ist eine Erinnerung an einen Urlaub in Husum. Ich verkleinerte Fotos und machte Inchies aus ihnen.
Und hier sehen wir Erinnerungen an einen langen Urlaub auf Föhr. Ein alter Seidenschal musste daran glauben und wurde zum ewigen Untergrund. Die Pappe beklebte ich mit den Überresten eines Glitzerschals.
Inchies aus Stoff wurden zu einer vorweihnachtliche Beschäftigung. Dieses Jahr werde ich nie vergessen. Es war ein besonders trauriges, was man den Inchies aber nicht ansieht.
Das Bild stellte ich während meiner Reha her. Das ruhige Arbeiten in meinem Zimmer gehört zu den schöneren Erinnerungen an diese schreckliche Zeit.
Da ich mit meiner Fingerarthrose keinen Schmuck und keine Stickereien mehr herstellen kann, war ich froh, Perlen und Pailletten doch noch verwenden zu können.

Eigentlich hatte ich vor, 25 Bilder mit je 25 Inchies an die Wand zu hängen. Aber nach 15 Artefakten verließ mich die Lust und so ist das „Gesamtkunstwerk“ (noch) unvollendet.

Ich verspüre gerade eine klitzekleine Lust, mich doch mal wieder mit Inchies zu befassen und mit 10 neuen Bildern die Gruppe zu vervollständigen. Zimmerreisen sind doch manchmal ziemlich nützlich!😂

Zimmerreisen 4: H wie Hamburg und Heimat

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/04/09/einladung-zu-den-zimmerreisen-04-2021/ Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Meine Lieblingsnachbarin schenkte mir diesen Becher. Sie wusste, dass ich gebürtige Hamburgerin bin und dachte, ich würde mich freuen. Sie hatte recht, ich freute mich sehr. Und jetzt gibt er mir die Gelegenheit, heute gedanklich nach Hamburg und in die Vergangenheit zu reisen. Eine Zeit-Zimmerreise mal wieder!

Ich lebte gerne in Hamburg und konnte mir nichts anderes vorstellen. Hafen, Hagenbeck, Charlotte-Paulsen-Gymnasium, Flughafen, Krankenhaus Heidberg wo ich geboren wurde und viele Jahrzehnte später mein (geschiedener) Mann starb, frische Scholle, Ohnsorg Theater im Fernsehen, Neuwerk, Kulturring der Jugend mit zwölf Vorstellungen jährlich in vielen Theatern der Stadt nach Wahl, S-Bahn, U-Bahn, Eisbahn, Nachtbus, Elbe, Planten un Blomen, Schulauer Fährhaus, Mönkebergstraße, Grünspan, Pöseldorf, Top Ten, Knust, Onkel Pö, Hamburger Deern mit dem Tüddelband (https://www.youtube.com/watch?v=9KxYRvDYGJA), Musik und Tanz und überhaupt die ganze Hamburger Szene damals mit Udo und Achim, Abaton und die Rocky Horror Picture Show (https://www.youtube.com/watch?v=ZCZDWZFtyWY), Uni, Mensa, Barmbek, Bramfeld und Lapskaus. Ach, mir fällt noch so viel mehr ein. Kindheit, Jugend, Schulzeit, Studienzeit und dann war ich erwachsen, jung, mit meinem Freund und Hund zusammenlebend, glücklich mit meiner Clique und alles änderte sich nach meiner Afrikareise.

Das war witzig. Ich kam zurück und meldete mich beim Arbeitsamt. Ich wollte als Lehrerin in Afrika arbeiten.😂 Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf: „In Afrika haben wir nichts. Aber auf Föhr könnten Sie anfangen. Befristet für zwei Jahre als Lehrerin in einem Kinderkurheim. Das ist ein Pilotprojekt und heißt kurbegleitender Unterricht.“

So verschlug es mich also nach Wyk auf Föhr. Aus zwei Jahren wurden zehn und wenn ich in meinen Hamburg-Becher schaue, sehe ich einen Hinweis auf meine zweite Heimat. Dort verliebte ich mich, bekam zwei Söhne und heiratete am 08.08.88. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

Heute werde ich sentimental, wenn ich Filme aus Hamburg sehe und diesen wunderbaren Hamburger Dialekt höre. Ich reiste bis zum Pandemiebeginn regelmäßig in meine Heimatstadt. Sie ist ja nicht allzu weit weg von hier. Ich guckte mir den „König der Löwen“ an, besuchte meine Eltern, zwei Klassentreffen, Freundinnen und Freunde. Ich ging in die Oper und hielt mich im Hafen auf, der sich so sehr verändert hat. Aber die Landungsbrücken stehen zum Glück immer noch. Es gibt so viel Neues und Hamburg ist natürlich nicht mehr das, was es einmal war. Aber ich spiele ab und zu mit dem Gedanken, wieder dorthin zu ziehen. Ein paar Freunde von damals leben noch dort und ihnen fühle ich mich so sehr verbunden. Auf der anderen Seite bin ich mir ganz und gar nicht sicher, ob ich den Lärm und den Trubel in der großen Stadt noch aushalte. Wahrscheinlich nicht. Ich bin dort immer ziemlich schnell überfordert von all den Eindrücken und Menschenmassen. Also bleibe ich erst einmal im beschaulichen, übersichtlichen Wendland mit viel Landschaft und Himmel. Das ist schließlich meine dritte Heimat. Die Zimmerreise 4 mit H ist jetzt beendet und ich sage tschüss! In Hamburg sagt man das so! (https://www.youtube.com/watch?v=gJukOaYaGjg)

Zimmerreisen 3: G wie Glitzerschal und Gemeinschaft

Zimmerreisen 3: G wie Glitzerschal und Gemeinschaft

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021 Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Als ich mich trennte und eine eigene Wohnung bezog, dachte ich: Alleine zu wohnen ist völlig sinnlos. Ohne die Gemeinschaft der Familie zu leben schien mir auf Dauer unerträglich zu sein. Nun bin ich bald zehn Jahre hier für mich und seit einem Jahr nun auch weitgehend wirklich allein.

Sinnlos empfinde ich mein Leben nicht mehr, im Gegenteil, es hat an Tiefe gewonnen.

Aber Gemeinschaft fehlt mir natürlich sehr. Und jetzt will ich vom Glitzerschal erzählen, der mich gerne an ein wunderschönes Gemeinschaftserlebnis erinnert.

Ich meldete mich 2019 für eine Silvesterveranstaltung in der Nordseeakademie Leck an. Und weil ich immer noch mit leichten Panikattacken zu kämpfen hatte, war der Trip gefühlt fast so aufregend wie meine Afrikareise. Könnt Ihr gerne glauben! Gedanken an das Autofahren und an fremde Leute trieben mir die Schweißtropfen auf die Stirn. Ich war jedoch fest entschlossen und dachte lange über meine Garderobe nach. Es gab keinen Dresscode. Das war schlimm. Wer wird kommen? Wie ziehen die sich an? Werde ich mit meiner Kleidung negativ auffallen? Werde ich das alles überhaupt schaffen? Diese Fragen blieben unbeantwortet. Also entschied ich mich, am Silvesterabend und zum Neujahrskonzert vernünftig schick angezogen zu sein. Es sollte nicht zu festlich aber auch nicht zu leger ausfallen. Schwierig, schwierig. Damals schrieb ich folgenden Text, den ich dann auch tatsächlich auf der Silvesterfeier vortrug: Der Schlüssel zum Glück – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com)

Neues kaufen wollte ich nicht. Im Kleiderschrank sind ein paar Teile, die recht festlich tun, aber auch alltagstauglich sind. Für alle Fälle, also falls die anderen Abendgarderobe bevorzugen würden, kaufte ich mir einen Glitzerschal. Mit dem könnte ich mich verkleiden, dachte ich. Bling-Bling-Ohrringe würde ich auf alle Fälle anlegen. Und so war ich denn gut gerüstet und fiel kleidungsmäßig nicht aus dem Rahmen. Und das festliche Silvesteressen begann ich mit dem Glitzerschal. Den legte ich aber schnell ab, denn der kratzte ganz fürchterlich.

Es war eine andere Welt damals mit Problemen, die mir heute unwichtig scheinen. Dass es meine letzte gesellige Veranstaltung für ewig lange Zeit bleiben würde, auf die Idee kam ich damals nicht. Im Gegenteil, das Ganze hatte mich angefixt. Ich war mir sicher, dass ich im Laufe des Jahres noch viel mehr Abenteuer in Gesellschaft erleben werde. Dafür wollte ich schon sorgen. „Leben, ich komme!“, dachte ich.

Vielleicht wollt Ihr etwas über mein Silvester in Leck lesen. Dann klickt hier: Rüm haart, klar kiming – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com)

Mein Glitzerschal hängt übrigens an einer Schlafzimmerwand herum. Wenn ich mich für das Bett fertig mache, genieße ich ab und zu sein Funkeln und wünsche mir lebhafte Gemeinschaftsträume. Manchmal gelingt das ganz gut.