Bindungsstörung

Bindungsstörung

Hallo Leute, ich mache mir große Sorgen um Zwetschge. 1 857 Kinder sind etwas geworden, nämlich ordentliche, abgenabelte Frösche. Eins tanzt aus der Reihe, nämlich Zwetschge und es wird immer schlimmer.

Er versuchte es jeden Tag, sich von Iris und mir zu lösen. Er schwamm los und kehrte sofort wieder um. Er schwamm los und wir feuerten ihn an und lobten ihn mit voller Kraft und er kehrte sofort wieder um, sobald er uns nicht mehr hörte. Er schwamm los und wir versteckten uns und er brüllte wie am Spieß, wenn er uns nicht mehr sah.

Iris konnte das nicht mehr ertragen und sagte, das ist nicht normal. Ihre Nerven seien zu schwach und sie muss jetzt erst einmal Urlaub machen. Schließlich muss sie bei Kräften sein, wenn die Erstarrung wieder losgeht. Und weg war sie.

Und ich sitze da mit Zwetschge und weiß nicht weiter. Der Junge lässt mich nicht aus den Augen. Zum Glück empfängt mich Doktor Schreckweg, mein Therapeut. Nicht wegen mir, sondern wegen Zwetschges Brüllerei, wenn er alleine ist.

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Zwetschge weigert sich, mit dem Doktor zu reden und sitzt weiter weg. Der Herr Doktor hat so etwas noch nie erlebt und weiß auch nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Er sagt: „Am besten kümmert sich die Mutter darum, denn Mütter wissen so was.“ „Nein“, sage ich und erzähle, dass Iris Urlaub macht. Der Doktor macht große Augen. Er sagt: „Mein lieber Herr Misi, dann haben Sie ein Problem. Es handelt sich hier um eine akute Bindungsstörung.“ Wieso Bindungsstörung? Zwetschge will sich doch binden. „Ach so, ja, ja….“, überlegt der Schreckweg und verabschiedet sich dann freundlich von mir. Ich glaube, dem sollte ich mal eine Fortbildung empfehlen.

Ratlos hüpfe ich mit Zwetschge zu Frau Holle und erzähle ihr das Problem. Frau Holle guckt sich meinen Sohn an und der guckt zurück. Mit seinen großen Augen wirkt er ja noch recht kindlich. Frau Holle sagt: „Wahrscheinlich braucht der Kleine mehr Zeit als seine Geschwister. Er muss noch nachreifen. Er bleibt erst einmal bei mir.“ Frau Holle meint, einer mehr oder weniger macht ja nun auch nichts mehr aus. Ihr Haus scheint sich zu einer Froschherberge zu entwickeln. Das hat sie so nicht geplant, aber das Leben ist eben eine Pralinenschachtel, sagt sie, man weiß nie, wie sie schmecken und bald ist die Schachtel leer. Ich weiß nicht, was sie meint.

Zwetschge soll sich jetzt ganz vorsichtig und mit viel Bedacht von mir lösen. Wir peilen  für den Anfang zehn Minuten am Tag an. Er erledigt sein Amt als Haustürfrosch schon ganz ordentlich, während ich meiner Arbeit als Zaunhänger nachgehe. Er hält schon drei volle Minuten durch, bevor er nach mir brüllt. Ich brülle zurück, damit er mich wenigstens hören kann. Manchmal schafft er dann noch ein oder zwei Minuten, bevor er an den Zaun eilt und sich neben mich setzt. Frau Holle sagt: „Wir müssen Geduld haben, wird schon!“

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Besuch

Besuch

Hallo Leute, manchmal ist es nicht einfach mit den Weibern. Meine Frau Holle jammert, meine Iris ist streng und dann kommt auch noch Rosalind aus Österreich angereist und schimpft. Das Heinzelmädchen hat Urlaub von Frau Vro und den anderen, um sich mal selbst zu finden. Aber zuerst schimpft sie mit mir. Und Iris gleich mit, denn ich soll nicht mehr an andere Frosch-Mädchen denken, sondern nur noch an Iris. Das soll man, wenn Frosch-Mann Kinder hat.

Ja, meine Güte, ich mach ja schon. Iris ist wahrscheinlich die Beste. Aber ich kann doch nichts für meine Gefühle und außerdem ist es hart, wenn Frosch nicht mehr Frosch sein soll, sondern MannvonIris. Dafür hat Rosalind kein Verständnis und sie schimpft weiter. Iris weint.

Dann kommt unsere Zwetschge angeschwommen und man sieht, er wird bald ein richtiger kleiner Frosch werden. Er ist der einzige, der sich von unserer Brut noch bei seinen Eltern blicken lässt. Rosalind meckert nicht mehr mit mir, sondern bekommt Wasser in die Augen. Sie klopft mir liebevoll und anerkennend auf die Schulter, gibt Iris einen dicken Kuss und nimmt Kaulquappe Zwetschge auf den Arm. Sie gurrt und macht und tut. Dann wundert sie sich, warum er Zwetschge heißt. „Zwetschgen sind doch Pflaumen und keine Frösche, oder?“, fragt sie. Ja schon, aber Frau Vro sagt immer Zwutschkerl zu ihm und das kann ich mir nicht merken.

Iris und Rosalind ziehen sich mit Zwetschge zurück und ich bleibe da und schäme mich ein bisschen, ein Frosch zu sein. Weiber können Frösche nicht verstehen, wenn sie richtige Männer sind. Aber schön, dass Rosalind mal wieder bei uns ist. Ich werde ihr nachher ein paar Häppchen machen und sie fragen, wie es den anderen so geht und ihr sagen, sie soll schön grüßen. Rosalind will morgen auch schon wieder weiter, was Frau Holle traurig findet, weil sie doch extra das Haus geputzt hat, damit sich Rosalind gut erholen kann.

Ach die Frau Holle, sie jammert nur noch. Zu heiß, zu heiß, zu heiß und das Abnehmen fällt so schwer, weil sie sich nicht mehr bewegen kann, weil es so heiß ist. Sie steigt gerade zu mir in den Teich und fragt, ob wir nachher hier alle eine Abschiedsparty machen wollen. „Bis zum Hals im Wasser kann ich es gut aushalten und Rosalind kann ja am Rand sitzen und ihre Füße ins Wasser tauchen, damit sie es auch schön kühl hat“, sagt Frau Holle.

Gut, so machen wir das. Hauptsache Rosalind hört auf zu schimpfen!

So, meine Lieben, nun schicke ich Euch noch ein schönes Abkühlbild von mir!

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Zehn Tage

Zehn Tage

Hallo Leute! Geht es Euch gut? Frau Holle nicht, die hat Kniekummer und Heulendeselend. Darum kann ich mich jetzt aber nicht kümmern, denn ich habe Froschvaterblues und sie werden so schnell groß, die Kleinen.

Ihr wisst ja hoffentlich noch, dass meine Frau Iris und ich es geschafft haben, 1 861 Eier gemeinschaftlich in die Welt zu setzen! Ich liebte diese Eier, sie waren so friedlich und ich hatte genug Zeit, heimlich von anderen Froschmädels zu träumen. Iris durfte natürlich davon nichts merken, denn sie besteht auf einer exklusiven Beziehung. Als ich zustimmte, wusste ich noch nicht, was mir jetzt entgeht!

Ich hatte Zeit, im Internet nachzusehen, ob sich unsere Kinder normal entwickeln und das taten sie. Unsere Eier verhielten sich prächtig und hatten keine Widerworte. Aber nach zehn Tagen fing das Elend an. Die Kaulquappen schlüpften und waren die ersten Minuten so friedlich, dass ich mich entspannte und mich unter meine Kinder mischte, um mit ihnen zu spielen. Zuerst schien das auch zu klappen, aber dann, als sich alle 1 859 genug ausgeruht hatten (zwei Eier waren leider leer), begannen sie zu plappern und zu nörgeln und abzuhauen. Wir verloren den Überblick und keins unserer Kinder interessiert sich mehr für uns. Das hätte ich nicht gedacht und Frau Holle sagt, das ist bei Menschen auch so, nur brauchen die länger. Das sei das Los aller Eltern und man muss loslassen können, sonst gedeihen die Kinder nicht so gut.

Zehn Tage Elternglück für Frösche und dann die eigene Brut loslassen? Das finde ich nicht so schön, aber Iris scheint es gelassen zu nehmen. Sie guckt sich die kleinen Dinger aus der Ferne an und freut sich, dass sie so selbständig sind und sie als Mutter wieder ihre eigenen Interessen haben kann.

Oh, allerdings ist eine der Kaulquappen doch sehr anhänglich und kommt immer wieder zu mir zurück. Ich nehme sie in den Arm, gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und denke, wie gut es ist, dass ich dies nicht bei allen 1 859 machen muss!

Völlig durchgeknallt, oder was?

Völlig durchgeknallt, oder was?

„Frau Holle, ich freue mich so, dass die Störche in diesem Sommer woanders sind und nicht hier!“

„Humor ist für besorgte Bürger die Basis des Zusammenlebens“, murmelt sie.

„Wie findest du denn das Wetter heute?“

„Konsum ist irgendwie völlig unabdingbar.“

„Frau Holle, was wollen Frauen?“

„Emanzipation  ist ganz objektiv mein Trost und mein Halt.“

„Frau Holle, du bist eine doofe Tante!“

„Unser Schulsystem ist stückweise eine Frage des Anstands“

Frau Holle ist wohl völlig durchgeknallt. Ich verstehe kein Wort und will meine alte Frau Holle wiederhaben. Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und sie sieht mich an. „Ach, Misi, du bist es! Wie geht es Dir? Misi, erst hatte ich solche Schmerzen im Kopf, dass ich nicht mal mehr heulen konnte und dann kriege ich einen Moral-o-maten ( hier und guck mal hier! ) geschenkt. Das ist höhere Fügung! Oder was denkst du?“ Ich weiß so was doch nicht. Ich muss mich von meinen Eiern und meiner Frau erholen und wollte ein vernünftiges Gespräch mit einer eierlosen, vernünftigen Frau haben.

Frau Holle legt ihren Moral-o-Maten zur Seite und erzählt, dass sie Guru werden will. Im Alter noch etwas neues  anfangen ist doch ganz wunderbar und hier steckt ihr Talent. Sie muss viel lernen und üben. Morgen geht sie zu einem philosophischen Seminar und da will sie positiv auffallen. „Vielleicht findet sich ja doch noch ein Mann für mich“, sagt sie und knallt ihre Hand vor den Mund und guckt mich erschrocken mit großen Augen an.

Sie will mit mir üben und ich soll was sagen.

„Frau Holle, wieviele Jungen und wie viele Mädchen stecken in meinen Eiern?“

Frau Holle klappt in ihrem Büchlein und sagt: „Gerechtigkeit ist in diesem Sinne eine Schwäche!“

„Frau Holle, gibt es bald Weltfrieden?“

Klapp…..klapp….klapp. „Selbstlosigkeit ist theoretisch besser als Sex.“

Ja, aber nur sehr theoretisch! Ich finde das umgekehrt und habe auch keine Lust mehr, mich mit ihr zu unterhalten. Die Philosophen werden sich morgen freuen, wenn Frau Holle solche Sachen sagt. Sie werden grübeln, was das soll. Sie werden begeistert sein, wie schlau Frau Holle geworden ist. Ihre Köpfe werden rauchen. Ich schüttel meinen und verlasse Frau Holle. Also so was,….ist besser als Sex. Was für einen Quatsch die Frau doch redet. Hoffentlich wechselt sie bald wieder ihren Beruf!

 

Misi hat noch nie…..

Misi hat noch nie…..

Hallo Leute, die Frau vom Gartenzaun gibt mir Hitzefrei. Sie sagt, sie kann mir nicht zumuten, bei der Hitze abzuhängen und ich soll im Herbst wiederkommen. Frau Holle verzichtet großzügig darauf, von mir verabschiedet zu werden, wenn sie ihr Territorium verlässt und freudig begrüsst zu werden, wenn sie wiederkommt. Sie findet es eigentlich auch angenehmer so, denn manchmal hat sie sich über meine Witze erschrocken und sie ist ganz froh, auch mal wieder im Garten unbeobachtet zu sein.

Ich habe auch keine Zeit mehr zum Abhängen, denn Iris, meine Liebste, belegt mich voll und ganz. Es ist gar nicht so einfach mit den Weibern. Die Männergruppe weiß ein Lied davon zu quaken. Frosch hat keine Ruhe mehr, sobald er an eine Frau fest gebunden ist. Sie will immer erzählen und knutschen und was erleben und neue Handtaschen. Na gut, das war jetzt gelogen, was soll eine Fröschin mit einer Handtasche anfangen? Trotzdem, allein die Romantik macht mir schon schwer zu schaffen und dann will Iris auch noch Eier mit mir legen und ich soll….Ich weiß nicht so recht, was.

Ich frage Frau Holle, wie das geht mit der Liebe. Frau Holle erzählt von Herzklopfen, Küssen in Vollmondnächten, Regenbogen biegen, Rosenduft und Kerzenschein. Sie sagt: „Es ist so schön, wenn der Mann beim Spazierengehen den Arm um die Frau legt, stehen bleibt und ihr die Haare aus dem Gesicht streicht, sie ganz sanft küsst und dann leise sagt, dass sie das Beste ist, was ihm je passierte. Und Blumen soll er ihr schenken und manchmal einen Ring!“ Frau Holle seufzt und will wieder jung sein und so etwas selbst erleben. Ich kann aber damit nichts anfangen, ich kann Iris nicht die Haare aus dem Gesicht streichen, weil sie keine hat. Und wie geht das mit dem Nachwuchs? Ich frage also nach und will wissen, wie das bei Fröschen ist. „Weiß ich doch nicht!“, sagt sie etwas unwirsch.

Sie ist aber schlau und guckt gleich im Internet nach. Und zeigt es mir. Ich schicke die Frau raus, denn da muss ich jetzt alleine durch. Meine Güte Leute, was kommt denn da auf mich zu? Ob ich das kann? Ich rufe gleich einen Kumpel mit Erfahrung an, denn irgendwie ist mir doch manches noch unklar geblieben.

Was, ich soll das lieber mit Iris besprechen? Geht nicht! Ich blamiere mich doch bis auf meine Froschknochen, wenn Iris erfährt, dass ich noch Jungfrosch bin und noch nie……Nein, das geht nicht. Auf keinen Fall. Ist alles so schon schwer genug!

Misi allein zu Haus

Misi allein zu Haus

Hallo Leute, ich bin so allein. Frau Holle ist ohne mich weg. Sie sagte: „Misi, sei nicht traurig! Ich schicke jeden Tag ein paar Fotos auf den Regenbogen. Dann weißt Du, wie es mir geht und dann kannst du an mich denken und ich bringe dir was schönes mit.“ Sie schleppte ihre Koffer und Taschen und Butterbrote zum Auto und fast hätte sie einen Möbelwagen gebraucht.

Nun gucke ich jeden Tag hier rein und es scheint meiner Alten ja gut zu gehen.

Und ich blieb auch nicht lange allein, denn jemand kam, um das Haus zu hüten, die Blumen zu gießen und zu wohnen. Den kenne ich zwar, aber nicht so gut und ich weiß nicht, was er von sprechenden Fröschen hält. Oder sprechender Gartendeko, wie Frau Holle mich neuerdings nennt. Also bleibe ich lieber draußen, hänge übern Gartenzaun und passe auf, dass Jemand schön die Blumen zufrieden lässt und keinen Sonnenbrand kriegt. Scheint ganz nett zu sein und ein Mann im Haus ist eine feine Abwechslung. Aus der Ferne jedenfalls.

Wenn ich mit der Arbeit fertig bin, treffe ich meine froschgrüne, feinglitschige Iris. Sie will mich und ich will sie und der Himmel hängt voller Geigen. Sogar die Störche scheinen friedlich und liebevoll geworden zu sein. So lange sie mich nicht sehen. Die Frühlingsdüfte sind betörend und meine kleine Iris kann die Sache mit den gemeinsamen Eiern gar nicht vergessen. Da bin ich aber vorsichtig und warte bis Frau Holle wieder kommt. Die muss mir das dann mal in Ruhe erklären, wie das so geht mit dem Nachwuchs machen. Den Jemand will ich nicht fragen. Obwohl: ein Gespräch von Mann zu Frosch ist wahrscheinlich ergiebiger für mich. Frau Holle fängt vielleicht wieder mit der Romantik an und das verstehe ich ja immer nicht.

Na, mal sehen, wie es kommt. Jetzt muss ich los, Iris soll ein paar nette Fliegenhäppchen von mir bekommen und dann schwimmen wir Herzen in den See! Bis zum Sonnenuntergang und dann……der Gentlefrosch genießt und schweigt! Tschüß!

 

Iris

Iris

Hallo Leute, was ist das denn für ein Wetter? Mal brennt die Sonne so heiß auf meinen Zaun, dass ich fast zum Bratfrosch werde, mal ist es zum Erstarren kalt und heute hatte der Wind so gute Laune, dass er mich vom Zaun fetzen wollte. Das wurde mir zu dumm und ich klopfte sacht bei Frau Holle an und bat um Einlass.

Frau Holle rollt sich nur noch vom Sofa, wenn sie der Hunger plagt oder was anderes, das aus ihr raus muss. Schnell liegt sie wieder auf dem Rücken und liest von vergangenen Zeiten*. Manchmal seufzt sie tief und manchmal murmelt sie: „Ach so war das! Ich verstehe.“ Sie ist ganz ätherisch geworden, gar nicht mehr von dieser Welt. Ich quake halblaut vor mich hin und rutsche auf dem Bauch durch das Zimmer. Das merkt sie noch nicht einmal und ich finde es öde hier. Warum fragt sie nicht endlich! Also fahre ich  stärkere Geschütze auf. Ich rülpse langanhaltend wie ein rostiger Rasenmäher. Sie schaut mich mit großen Augen an und legt ihr Buch endlich weg. Ich will wissen, was da drin steht, aber sie sagt, das verstehe ich sowieso nicht und ich soll lieber erzählen, was die Liebe macht. Endlich! Aber erst macht sie sich einen Kakao und ich kriege Minzwasser mit Schnittlauchröllchen.

Ich erzähle Frau Holle vom schönsten EndlichIstFrühlingsFest (EIFF) aller Zeiten. Dort traf ich meine frisch erwachte und putzmuntere Männergruppe, die vor Übermut und Kraft ganz außer sich war. Lustig war´s und das Wettrülpsen habe ich gewonnen. Dafür musste ich allen einen Waldundwiesenschnaps ausgeben und dann wurde es erst richtig bunt. Und dann traf mich der Blitz mit lautem Krachen. Die schönsten Froschaugen blickten mir mitten ins Gesicht und ein wunderbar breitmäuliger Kussmund forderte mich zum Tanz.

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Meine Froschschenkel wurden weich und ich bleich. „Frau Holle, die schönste Jungfröschin weit und breit“, sage ich und werde dunkelgrün. „Ach, wie schön, mein Misi. Als ich jung war, fragte mich auch einmal der schönste Menschenmann, den ich je gesehen hatte, ob ….ach, das ist Ewigkeiten her. Erzähl weiter, Frosch!“ Ich erzähle ihr vom Gang der Dinge und wie wunderschön ich auch mit weichen Beinen tanzen konnte. Wie anschmiegsam sie in meinen Armen hing und die gesamte Männergruppe ganz neidisch wurde.

Sie heißt Iris und sie will Froscheier mit mir.

„Meine Güte“, sagt Frau Holle, „die geht aber rann! Bei uns musste früher der Mann fragen, bei Euch ist das wohl umgekehrt?“ Ja klar, wenn´s richtig läuft, fragt die Frau den schönsten Frosch und der bin ich. Jedenfalls sagt Iris das. Sie meinte, sie hätte mich schon mal gesehen, aber da durfte ich nichts sagen, weil mir sonst der Tod drohte. „Ich konnte dich nie und nimmer vergessen und träumte den ganzen Winter von dir“, sagte sie und küsste mich mitten auf mein Maul.

Peng. Ich lag erst mal flach auf der Tanzfläche und konnte es nicht fassen.

Frau Holle schlürft den letzten Rest aus ihrem Becher und fragt, ob ich sie wieder sehe. Na klar! Sie besucht mich morgen und will mir beim Gartenzaunhängen Gesellschaft leisten. Dann will sie Pläne machen, wo wir die Eier ablegen. Aber das geht mir eigentlich zu schnell. Das findet Frau Holle auch. „Man muss sich etwas Zeit lassen, ehe man sich bindet und gucken, ob sich nicht was Bess’res findet.“ Entgeistert gucke ich sie an und sie prustet los: „Spaß! Misi, ich wünsche Dir viel Glück und jetzt muss ich weiter lesen.“ „Willst du nicht auch mal einen fragen, ob er Babys mit dir will?“, will ich noch wissen. Da guckt sie aber mal entgeistert und ich platze los: „Spaß! Ich weiß doch, du bist zu alt dafür.“ „Genau, mein Misi, so ist es und jetzt will ich vom Kapitalismus lesen.“

Ich frage gar nicht erst, was das ist. Ich will mir nicht wieder sagen lassen, dass ich das nicht verstehe und überhaupt interessiert mich das sowieso nicht. Der Wind hat nachgelassen und ich werde ein wenig am Zaun abhängen, denn schließlich ist heute der Tag der Arbeit!

*Eine kurze Geschichte der Menschheit, Ihr wisst schon!