Was mir wichtig ist

Was mir wichtig ist

……wähle ich als Überschrift. Aber bevor ich dazu komme, will ich schnell noch über meine wichtigsten Leseerlebnisse der letzten Tage berichten.

Also: Den zweiten Roman um Olive Kitteridge (https://www.spiegel.de/kultur/literatur/die-langen-abende-von-elizabeth-strout-die-schon-wieder-rezension-a-94b1fcbe-ccaa-4864-955e-ab744fd4f3f1) habe ich gestern wieder einmal beendet. Immer wieder nehme ich mir dieses Buch vor, und immer wieder gibt es neue Aha- Erlebnisse. Dieses Mal fielen mir Ähnlichkeiten in Bezug auf unsere erwachsenen Kinder auf. Olive findet sich mit der distanzierten Haltung ihres Sohnes, der weit weggezogen ist und den sie selten sieht, ab. Sie beginnt ihr frühere Mutterrolle zu reflektieren und schmerzhaft ist die Einsicht, oft „eine schlechte Mutter gewesen zu sein“. Olive erkennt, dass Kinder, die sich möglichst weit entfernen, den Abstand zu den Eltern brauchen, weil sie sich sonst nicht genug abgrenzen können. Sie weiß, wie sehr sie ihren Sohn immer geliebt hat und sie ahnt, dass auch er sie liebt. Als sie älter und gebrechlicher wird, kümmert er sich rührend um sie und sorgt dafür, dass sie einen Platz im Altenheim erhält. Sehr innig wird sein Verhältnis zur Mutter trotzdem nicht und sie akzeptiert ihn so, wie er ist. Damit geht es ihr und ihm immer besser. Sie kümmert sich um ihr eigenes Leben und freundet sich mit einer Mitbewohnerin an. An dem Punkt bin ich auch, noch nicht so alt wie Olive, aber ich gab meine Söhne frei. Ich dachte, das wäre mir schon vor Jahren gelungen, aber erst jetzt fühle ich mich auch selbst befreit. Mal sehen, wie es weitergeht mit meinen Kindern und mir. Meine Mutterliebe bleibt, vielleicht wächst sie sogar, ohne sie einzuschränken.

Ich wollte ein ganz anderes Thema hier angehen . Aber wenn ich auf Olive Kitteridge zu sprechen komme, kann ich schlecht aufhören. Und dann noch dies: Ich begann den Roman „Zur See“ von Dörte Hansen (https://www.ndr.de/kultur/buch/buchdesmonats/Zur-See-Doerte-Hansen-schreibt-vom-Verschwinden-an-der-Nordsee,hansen544.html). Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk vom Nahdransohn! Sofort wurde ich innerlich nach Föhr gebeamt, wo ich zehn Jahre lang wohnte und meine Familie gründete. Ich war keine Einheimische, aber immerhin Zugezogene und den Gedankengang führe ich jetzt nicht weiter aus…..Auf jeden Fall habe ich selten einen Roman gelesen, der mein Kopfkino so sehr anspringen ließ, wie dieser. Innere Bilder der Föhrer Landschaften überlagerten fast den Text. Sehnsucht und Heimweh zwicken mich bis jetzt.

Und wo ich schon mal dabei bin: Vor ein paar Tagen las ich ein Märchen von Hans Christian Andersen: Der Tannenbaum (https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tannenbaum). Kannte ich natürlich auch schon, aber jetzt berührte es mich sehr. Ich kenne das Sehnen nach dem Später. Schnell wachsen, damit ich vermeintlich bessere Zeiten erreichen kann. Und dabei vergesse ich das Hier und Jetzt, wie es so schön heißt. Ich denke, ich habe viele Glücksmomente versäumt, weil ich so sehr mit Problemen und der Vergangenheit/Zukunft beschäftigt war. Aber vielleicht ist das einfach sowieso so: Viele Situationen konnte und kann ich im Nachhinein viel besser würdigen und nach-genießen, als in den jeweiligen Momenten. Die meisten habe ich vielleicht auch einfach vergessen. Manche sind mit Fotos festgehalten. Das hilft.

So, und weil wir schon mal dabei sind: Ich gucke weiterhin gerne Serien, die ich schon kenne. Jetzt aktuell: „Beforeigners“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Beforeigners) Ich finde die Idee, sich auszudenken, was passiert, wenn Menschen nicht nur aus verschieden Kulturen, sondern auch aus sehr unterschiedlichen Zeiten, zusammentreffen und eine neue Gesellschaft bilden müssen, einfach genial. Hier sehr nordisch und gut umgesetzt.

Mein Thema (Was mir wichtig ist), welches ich heute hier ausphilosophieren wollte, verschiebe ich auf morgen oder so. Ich habe mir für heute noch vorgenommen, nach einem Ferienhaus in Dänemark Ausschau zu halten, damit wie „Mädels“ im Mai auch loskommen. Das will ich jetzt sofort tun. Die Zeit ist vorangeschritten und meine Aufmerksamkeitsspanne irgendwie auch. 😆

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Vom Untergang, gute Nachrichten und ein Serientipp

Vom Untergang, gute Nachrichten und ein Serientipp

Der Zauber des Untergangs, also des Sonnenuntergangs gestern, versöhnten mich für ein paar Minuten mit allem was war, ist und kommt.

Und dazu endlich einmal kein Kriegsgetöse in den Nachrichten.

Ich gucke gerne Serien. „Gestern waren wir noch Kinder“ hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Gute Geschichte, prima umgesetzt und bis zu den letzten Minuten spannend. Kein Mensch ist nur Täter oder nur Opfer. Niemand ist nur gut oder nur böse und alles hängt mit allem zusammen. So gruselig diese Erkenntnisse sich auch anfühlen, sie sind wahr. Finde ich jedenfalls und hoffe auf eine zweite Staffel.

https://www.zdf.de/serien/gestern-waren-wir-noch-kinder

16. Dezember ❄🌟⛄❄🌟💫❄🥁💫🌟❄🥁💫❄⛄❄

Väterchen Frost schaut kurz herein und findet es viel zu warm auf dem Tisch. „Rudolf, komm mit raus!“, sagt er. Nö, ich bin zwar ein winterfestes Wesen, aber eben auch ein Stubentier und für Zimmerkalender zuständig. Auch die Adventsbegleiter*innen haben keine Motivation, Herrn Frost zu begleiten. Bei uns ist es eben zu und zu gemütlich.

Wir bleiben lieber auf dem warmen Tisch. Frau Holle will uns sowieso gleich wegräumen, weil sie Sonntag Besuch zum Kaffeetrinken erwartet. Dann sind wir überflüssig und haben frei.

„Ich denke, ich mache auch schon mal den Dekobaum fertig“, sinniert sie vor sich hin. Oh nein! Sie will alte Traditionen verlassen. Weihnachtsbäume werden doch erst am Heiligabend geschmückt. Das war schon immer so und muss so sein. Echt jetzt! Und plötzlich will sie das schon zum vierten Advent tun? Ich schreie sie an und was denkt sie sich eigentlich. „Ach, Rudolf, halt dein Maul“, sagt sie. Zu mir darf sie das, denn ich habe ja eins. Sie meint, dass es doch sowieso alles anders ist gerade und warum soll sie nicht auch Gesetze brechen und außerdem ist dies gar kein richtiger Weihnachtsbaum, sondern ein Dekoteil. Das kann sie schmücken. Wie sie will. Und wann sie will. Und überhaupt soll ich mich auf meine eigenen Angelegenheiten konzentrieren und sie zufrieden lassen. Herr Frost ist ganz erschrocken über unseren Disput und ihm wird etwas mulmig. Er verzieht sich lieber wieder nach draußen und Frau Holle gleich mit. Sie muss ihre Medizin holen.

Und ich erhole mich vom Schrecken. Der Herzensengel sagt: „Lass sie doch, wenn sie Freude daran hat.“ Ich werde es mir überlegen. Tschüss!

Frau Holles Serientipp: Witzig und erfrischend. Guckt sie schon zum zweiten Mal und erholt sich vom amerikanischen weihnachtlichen Einheitsbrei.

🌟❄🍄🌟9. Dezember❄🌲🍄🌟❄

Das ist ja herrlich! Der Schlechte-Laune-Kater traut sich heute endlich aus dem Haus. „Rudolf, du machst zu viel Krach“, faucht er mich an und will wissen, warum. Na, weil Advent ist, darum. Da findet er keinen Zusammenhang und er ärgert sich. Weihnachten mag er nicht und Geburtstag auch nicht und feiern erst recht nicht. Aber heute locken wir ihn mit dem Versprechen, dass Frau Holle noch viel schlechtere Laune hat als er. Das motiviert ihn zu bleiben, denn zwei mit schlechter Laune sind optimal, findet er. „Kleines Gegengewicht gegen zuckersüße Weihnachtsstimmung, da krieg ich ja sonst Diabetes von“, kommentiert er seinen Gefühlszustand.

Frau Holle erscheint. Schlechte Laune, wie gesagt. Sie war beim Discounter und wollte Gesundes einkaufen. Wie durch Zauberhand füllte sich der Einkaufswagen mit lecker Süßkram. Für alle, für Adventskaffee. Für Weihnachtspäckchen. Für sie.

Na ja, es eine ganze Tasche voll, das kann sie unmöglich alles auf einmal essen. Das ist schon mal gut.

Gestern Abend fand sie vor ihrer Kellertür (Ablageort für den Postboten) zufällig ein Nikolaus-Paket. Wie lange es schon dort lag, weiß sie nicht. Liebevoll gepackt von Verwandten. Am Telefon bedankte sie sich überschwänglich und voller Freude und warum hat sie nun schlechte Laune? Weil sie abends zu viel genascht hat und ihre Gelenke so schmerzten in der Nacht und der Blutzucker ist gestiegen von „Optimal“ auf „Vorsicht! “ und das war sicher der Zucker und das ist so blöd weil sie so gerne Schokolade isst und auch schon wieder Bäuchlein hat und überhaupt diese Nascherei….Der Schlechte-Laune -Kater freut sich über Frau Holles Meckerei und fragt, warum sie nicht nur ein ganz klein wenig nascht und das andere aufhebt. „Lustig“, sagt Frau Holle. Sie kann ihre Naschsucht nicht in den Griff kriegen, wenn etwas im Haus ist. Klar, im Paket war mehr drin als sie essen konnte, ist also noch was übrig, und tagsüber beherrscht sie sich ganz gut. Aber wenn es draußen dunkel ist und die Kerze an ist und sie auf dem Sofa hängt, dann geht es los mit dem Unheil.

Oho, da muss ich mir aber noch etwas ausdenken. Es ist so viel Süßes im Haus und Kuchen und Stollen und so, dass es richtig gefährlich ist. Frau Holles Laune bessert sich sofort und sie bittet mich, ihr das Naschen zu verbieten.

Dann verabschiedet sie sich und putzt. Heute ist Freitag und zum Wochenende soll es extra-gemütlich sein. Und vielleicht kommt ihr Nahdran-Sohn mit Freundin. Diese hat sich ein nigelnagelneues Auto gekauft. Das wollen sie feiern. Gut, dass Frau Holle so viel Kuchen im Haus hat und Pralinen und Kringel und so. Der Weihnachtsteller wird gut gefüllt sein, auch wenn der Besuch lieber eigentlich nichts Süßes will. Er muss, denn schließlich ist Advent.

Und hier noch ein paar Fotos von gestern Abend, als es draußen so schön war und kalt:

PS: Filmtipp aus dem Hause Holle: https://www.netflix.com/de/title/81486214 ( Lieferung vor Weihnachten). Hat sie total gerne gesehen!💝

Zufrieden

Mein Auto muss demnächst zum TÜV. Und weil es bald wieder frostig werden soll, kam es heute in die Waschanlage. Jetzt glänzt und funkelt mein kleiner Roter🚗 und ich bin zufrieden mit mir.

Meine Kinder bekommen zu Weihnachten etwas Selbstgemachtes🎁. Und beim Selbstmachen fühle ich mich ihnen so nah und Frieden zieht in mein Haus. Ich übernehme Verantwortung für mich und überlasse den Kindern die ihrige. Ich schlafe wieder gut 🛌und ich bin zufrieden mit mir.

Ich schenke mir in diesem Jahr erstmalig zum Advent eine schöne Christrose für meinen Eingangsbereich. Ich gehe ja meistens hinten raus, wenn ich raus gehe, aber ich kann sie von drinnen durch das Fenster der Haustür sehen, wenn ich mich im Haus bewege. Und immer, wenn ich die Blume sehe, freue ich mich.💝 Eine gute Idee zur Selbstfürsorge war das mal wieder.

Weil mein Inneres Kind gerade die Oberhand hat, bekommt es gleich Spinat, Kartoffelbrei und Rührei zu essen. Nichts zum Kauen, aber alles so lecker. Das Kind liebte dieses Essen schon immer. Sogar, als es wirklich ein Kind war. Und die Alte freut sich gerade auch darauf. 🥘

Zwei Filme guckte ich den letzten Tagen, die mich glücklich machten. Sie berühren meine Themen…….

……und erfreuen meine Phantasie!

Es gibt Filme, die erweitern meinen Horizont, holen mich aus meinen gelegentlichen Einsamkeitsgefühlen, lassen meine Emotionen fließen und ergänzen mein reales Leben. Ich mochte das schon immer, aber jetzt genieße ich es so sehr, dass mit meinen DVD´s und dem Streamen unabhängig bin und selbst aussuchen kann, was gerade passt. Dabei halte ich die Balance zwischen Selbsttun, Bewegung, Rausgehen, realen Begegnungen und dem Versinken in andere Welten mit dem Lesen, Hören und Gucken. Alles hat seine Zeit und ich lobe mich an dieser Stelle einmal selbst dafür, dass ich meine Zeit so gut strukturiere.

Meine körperlichen Einschränkungen schränken mich tatsächlich immer mehr ein. Damit bin ich nicht zufrieden. Mein Radius wird kleiner, ich unternehme wenig und die Kultur im Landkreis kommt viel zu kurz. Es gibt so viele schöne Veranstaltungen. Früher gäbe es für mich kein Halten mehr, aber heute ist es einfach beschwerlich geworden, zumal ich im Dunkeln kein Auto mehr fahre. Mal sehen, ob mich im nächsten Jahr die eine oder andere Operation wieder ein wenig instandsetzen kann.

Doch heute lade ich die Zufriedenheit ein zu bleiben und zu wachsen. Vielleicht kann ich etwas davon an meine Umgebung weitergeben.

🌲Rudolf

Was? Ist schon so weit? Schon geknipst? Sehe ich gut aus?

Frau Holle macht das schon wieder nicht richtig. Der 1. Dezember, für den ich zuständig bin, ist ja noch gar nicht heute. Diese Ungeduld macht mich fertig. Frau Holle sagt: „Ach Rudolf, nun bist du schon mal da und dann können wir uns doch heute startklar machen!“ Dafür, dass Frau Holle bis eben noch nicht wusste, ob sie überhaupt einen Adventskalender in ihrem Blog gestalten will, ist sie ganz schön forsch, die alte Dame. Und sie weiß ab jetzt, dass sie das will, auch wenn die anderen Adventskalender immer noch sehr lesenswert sind. Sie stöbert manchmal darin und schmunzelt über ihre Einfälle. „Habe ich die wirklich selbst ausgedacht?“, fragt sie sich und ist zufrieden mit sich und ihrer Vergangenheit. In großen Teilen zumindest.

Ich gebe natürlich zu, das Stehen ist anstrengend und später darf ich nur einen Schritt pro Tag absolvieren. Unterforderung! Ich bin völlig überqualifiziert für so etwas. Ich bleibe trotzdem in diesem Job, denn Frau Holle hat so viel Freude an dem Quatsch.

„Na ja, Quatsch“, insistiert Frau Holle und schält sich eine Apfelsine. Oder Orange. Oder was das auch immer ist. Es duftet weihnachtlich. „Quatsch bist du auf keinen Fall und mein Inneres Kind braucht das. In diesem Jahr mehr denn je.“ Ich wusste gar nicht, dass sie zu zweit ist. Da wäre sie ja ein Fall für Kranitz (https://www.ardmediathek.de/sendung/kranitz-bei-trennung-geld-zurueck/staffel-2/Y3JpZDovL25kci5kZS80NzI3/2). Kennt Ihr nicht? Ach so, Frau Holle sieht ja so gerne Filme und Serien und bei dieser sitzt sie mit einem Dauergrinsen auf dem Sofa. Frau Holle sagt: „Gar nicht! Ich brauche doch keine Paartherapie. Mein Inneres Kind und ich kommen ganz herrlich miteinander aus!“ Na also und so sieht es hier auch aus. Wie im Kinderzimmer.

Aber das macht nichts, hat Frau Holles Therapeutin gesagt. Stört ja auch keinen.

Frau Holle befindet sich gerade in einer Transformation. Sie will ändern, sich und anders. Neues Bett ist bestellt. Braucht sie unbedingt, sagt sie und lässt sich nicht davon abbringen. Außerdem will sie Verantwortung abgeben. Das muss sie mir erklären, denn es ist schlimm, wenn man Verantwortung abgibt. „Nein“, sagt sie. „Ich will die Verantwortung teilen. Und manches müssen jetzt meine Kinder selbst machen. Da habe ich sowieso keinen Einfluss drauf. Und sie sind erwachsen und können das. Ich halte die Ungewissheit aus und es wird schon so kommen, wie es soll.“ Fast völlig entlastet sei sie jetzt, meint sie und beschließt, heute drinnen zu bleiben und an ihrem Fotobuch für die Kinder weiter zu basteln. Die Zeit wird ja bald knapp bis Weihnachten und da sollten Geschenke rechtzeitig fertig werden. Sie steigt die Treppe hinauf ins Arbeitszimmer und ich warte geduldig, bis ich arbeiten darf.

Draußen und drinnen ist es schon ganz schön. Ohne Sonne heute natürlich, aber das ist nicht zu ändern. Tschüß!

Von der Vergänglichkeit und seltsamen Gelüsten

Von der Vergänglichkeit und seltsamen Gelüsten

„Ewigkeitssonntag“? Mit dem Begriff Ewigkeit kann ich wenig anfangen. Kein Anfang, kein Ende, keine Zeit? Klingt für mich erst einmal ein wenig beängstigend. Auch keine Struktur? Gar nichts? Da habe ich keine Lust drauf.

„Totensonntag“ liegt mir näher. Ist also heute und ich denke an die Gestorbenen und an meine Vergänglichkeit. Und auch an mein Leben, wie es sich bis jetzt so lebte. Ist schon eine ziemlich lange Geschichte. Also, für mich, nicht für das große Ganze.

Lustigerweise habe ich seit ein paar Tagen große Lust, mich mit neuen Möbeln einzudecken. Die waren mir eigentlich nie so wichtig. Ich behielt, was ich hatte oder kaufte, was günstig war und einigermaßen zu mir passte. Aber jetzt will ich plötzlich ein neues Bett und einen neuen Kleiderschrank und für das Badezimmer auch etwas Schickes, was das offene Regal ersetzt.

Ein neues Auto könnte auch passen, aber das wäre ja wirklich höchst wunderlich, wo ich doch so selten fahre.

Was ist denn das? Warum gerade jetzt dieses Streben nach Konsum? Weil die Inflation das Ersparte schmelzen lässt? Weil ich mich plötzlich für meine Einrichtung ein wenig schäme? Weil so vieles auszusortieren wäre und mir das Entsorgen Angst macht? Weil es mir nicht so gut geht? Weil ich trotzig bin und denke, dass sich Neuanschaffungen noch lohnen? Weil ich so vieles nicht mehr tue, was ich eigentlich gerne mache? Da meldet sich eine innere Stimme und sagt: Ja, das war vor 30 Jahren! Das geht eben heute nicht mehr. Brauche ich Trost? Oder will ich es mir einfach nur schön machen?

Mal sehen, ich behalte das im Auge und wenn ich im nächsten Jahr noch denke, dass ich mich neu einrichten möchte: Dann lege ich los!

Gestern sah ich diesen Film und dachte: Endlich wird sich in einem Spielfilm realistisch mit Altern und Krankheit auseinandergesetzt. Nichts wird beschönigt und trotzdem steckt so viel Hoffnung in der Geschichte. Ich bin dankbar, dass es mir immer noch so gut geht und nehme mir vor, mich und meine (neuen?) Seltsamkeiten zu akzeptieren. Bis jetzt ist mir das Leben doch ganz gut gelungen. Dann werde ich doch auch mit dem eigenen Altern fertig. https://www.ardmediathek.de/video/film-im-ndr/ein-grosses-versprechen/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9lN2M4MWI4NC1lMGFmLTQxY2ItYTNiZS0xMTZjMTgxZjUyNWU

November gucken

November gucken

„Komm, wir gucken November!“, denkt sie und geht zum Fenster. Fenstergucken macht sie ganz gern. Aber wer ist hier wir? Ihr Fotoapparat und sie in diesem Fall.

Seltsam, diese Mischung aus früher Dunkelheit, Herbstgefühl und dem letzten Sommerblumengruß. Es wird kalt und sie nimmt ihre Heizung in Betrieb. Nützt ja nichts, frieren will sie nun auch wieder nicht.

Sie denkt daran, dass bald die Vorweihnachtszeit beginnt. Dann will sie umdekorieren und es sich geborgen machen.

Vielleicht wird es schön.

„Früher war mehr Lametta“, denkt sie und will doch lieber nach vorne gucken. Niemand wird ihr verbieten, das Lametta aus der Kiste zu holen und in die Weihnachtsstube zu werfen.

Und vielleicht bloggt sie wieder einen Adventskalender. Mit Fröschen oder ohne, mal sehen…..

PS: Und dann sieht sie einen Film, der ihr Herz wärmt und die Seele weckt. Für trübe Tage genau das Richtige, denkt sie und weint in ihr Taschentuch. Sie fühlt das Leben und die Hoffnung. (https://www.arte.tv/de/videos/073003-000-A/pride/)

Wendland

Oh, im Wendland wird ein Krimi gedreht. Oh, wir kommen ins Fernsehen! Vielleicht saßen ganz viele Lüchow-Dannenberger gestern so wie ich an ihren Geräten. Immerhin….ein Wendlandkrimi, der Wendland heißt und sich mit den Geistern der Vergangenheit auseinandersetzt. Womit auch sonst. Gegenwart ist ja nicht mehr interessant, seit es keine Castortransporte nach Gorleben gibt, oder?

Ich für meinen Teil werde mir die weiteren Folgen nicht anschauen. Und wenn Ihr Euch ein Bild davon machen wollt, mit welchen Klischees ich mich manchmal herumplagen muss und wie es im Wendland nicht ist, schaut es Euch gerne an: ZDF Mediathek: Stiller und die Geister der Vergangenheit.

Mal abgesehen davon, dass mich die Geschichte ein wenig langweilte und ich sowieso davon abgelenkt war, welche Drehorte ich kannte und welche nicht (diese lagen auch gar nicht im Landkreis), ärgerte es mich, dass alle Orte in einen Topf geworfen wurden. Die Dömitzer Brücke gleich neben Dannenberg? Ich weiß ja, dass der gezeigte Weg, auf dem fleißig geradelt wurde, ins Nichts führt. Hitzacker beim Bahnhof Dannenberg? Gartow in Hitzacker? Die Nemitzer Heide bei Dannenberg? Und diese Leute! Und überhaupt, Gorleben und kein anderes Thema hier? Einwohner*innen sind Künstler, Schäfer oder wenigstens alternativ im Lebensstil? Und dieser Kommissar….nein, nicht mein Fall.

Ja, ich weiß, ein Krimi ist kein Dokumentarfilm. Vielleicht ist das so mit allen Krimis, die in bestimmten Regionen spielen. Zusammengewürfelte Landschaften und Orte fallen wahrscheinlich nur den Ansässigen auf. Und nun hat es eben mal wieder das Wendland getroffen.

Und jetzt vergesse ich das Fernsehen und gehe wählen. Später werde ich ein wenig Wendland auf dem Rad genießen! Die Sonne scheint und mal sehen, was der Sonntag sonst noch bringt. Tatort am Abend wahrscheinlich…..spielt auch in Niedersachsen, glaube ich.

Ausklang

Allmählich geht es wieder. Die Emotionen beruhigen sich und mein Alltag nimmt mich mit offenen Armen wieder auf. Meine Güte.

Ich suche Socken und Jeans im Schrank. Heute brauche ich die Dinger und sie verstecken sich ganz hinten. Es gibt kein Entkommen, ich finde sie und aus ist es mit ihrer Sommerpause. Herbstlich ist es geworden und beim Radeln wären eigentlich schon die Handschuhe sinnvoll. Aber wo stecken die denn bloß? Im Koffer mit Wintersachen auf dem Boden. Keine Lust, da hoch zu steigen und eigentlich müsste ich dort sowieso erst einmal aufräumen, um an den Koffer zu gelangen. Schrecklich. Ich bleibe lieber unten und faule vor mich hin. Ist ja schließlich Wochenende, oder?

Vor einer Woche, am Hochzeitstag, hatten wir wirklich Glück mit dem Spätsommer. Gutes Timing! Gerade sind neue Fotos bei mir gelandet. Die Versuchung ist groß. Soll ich noch einmal? Ja, ich will:

Ein letztes Bild von mir als Bräutigammutter (WP will Königinmutter daraus machen😂) und dann ist aber auch gut.

Früh wird es dunkel und Netflix passt jetzt prima in meine Abende. Gestern sah ich die letzten Folgen von „Black Mirror“ und es gruselte mich sehr! Mir gefällt diese Serie und über einige Folgen denke ich noch immer nach. (https://de.wikipedia.org/wiki/Black_Mirror_(Fernsehserie)/Episo) Ich empfehle das gerne weiter für Menschen mit starken Nerven. Nun erhole ich mich, indem ich mich noch einmal in „The Crown“ vertiefe (https://de.wikipedia.org/wiki/The_Crown_(Fernsehserie)). Anlass gibt es ja. Mir sind Königshäuser und Adelsfamilien egal, auch wenn ich Regine heiße, aber Elisabeth II und ihre Familie begleiten mich trotzdem durch mein ganzes Leben. Da gibt es kein Entkommen.

Geplant war ein Wochenende mit Familienaufstellungen. Darauf hatte ich mich innerlich vorbereitet. Es gab leider zu wenig Anmeldungen und so fällt das kurzfristig aus. Es fühlt sich an wie Ferien und ich nutze die freien Tage, mich noch weiter zu erden und mein zukünftiges Leben zu planen. Oder wenigstens die nächsten Wochen: Notwendiges wird angegangen und Schönes eingefügt.

Und dann muss ich doch auch noch nach meinen Hauswichteln gucken, ob die überhaupt noch da sind. Im Laden schreit mich der Lebkuchen an und die angeblich schönste Zeit des Jahres steht angeblich auch schon vor der Tür.

Entschuldigt, ich konnte mir das nicht verkneifen. Nö, wir verabschieden jetzt gemütlich den Sommer und genießen den Herbst, wie es sich gehört. Und das andere kommt dann sowieso auf uns zu, wie auch immer.