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Ich sitze hier im letzten Winkel meiner Wohnung. Ich habe alles abgedunkelt. Ich zucke zusammen. Es klingelt. Ich halte den Atem an. Hoffentlich ist das bald vorbei! Ich mache nicht auf. Es klingelt. Mir bricht der Schweiß aus. Ich wage nicht, den Fernseher anzumachen. Ich rühre mich nicht.😵 Ich habe Angst.

Es ist gerade mal 18.39 Uhr und meine Süßigkeiten sind an die kleinen, süßen, furchtbaren Geister, Hexen und Monster verteilt. Heute waren echt viele da. Gruppenweise und schrecklich, schrecklich verkleidet. „Süßes oder Saures!“ konnten die meisten sagen. Aber auf meine launigen Kommentare ging kaum eines ein. Sie guckten mich nur mit großen Augen an. Keine Minen wurden verzogen. Nur ihre Beutel und Taschen hielten sie mir hin. Ich denke, sie waren erschrocken über sich selbst. Ich auch. Kann ich nicht einfach mal den Mund halten? Einfach nur die Süßigkeiten verteilen, ohne gleich ein Spiel daraus machen zu wollen? Eben stand einer ganz allein vor der Tür. Der war gesprächiger. Und dieser Bursche hat meine vier letzten Bonsche gekriegt. Nun habe ich nur noch Äpfel. Und die wage ich nicht anzubieten. Obwohl es ja „Süßes oder Saures“ heißt. Aber nein. Gespenster vertragen keine Vitamine.

ARGH 😳. Es klingelt. Pst! Ich halte den Atem an. Ich hab´nichts mehr. Hoffentlich gehen die gleich weiter.😱😱😱 Mein Herz klopft. Warum habe ich nicht genug Süßes eingekauft gestern? Hilfe, jetzt klingelt auch noch das Telefon. Ich muss rangehen. Ich schleiche die Treppe runter und flüstere in den Apparat. Oh oh, es ist erst 19.00 Uhr. Es klingelt. Ich verstumme dumm und starre…….

Nachher werde ich erleichtert sein. Das Herzrasen wird aufhören. Dann kann ich aufatmen. Und dann gucke ich  „Frau Müller muss weg!“ und freue mich, dass ich keine Lehrerin mehr bin.

 

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Misi geht es gut

Misi geht es gut

Hallo Leute, ich bin jetzt wieder reingezogen! Frau Holle lässt mich aber raus, wenn ich es will. Heute will ich. Ich mache einen Ausflug zur Vordertür hinaus. Vorne bin ich äußerst selten. Hier wachsen noch Blumen im Kasten. Warum stehen die eigentlich vor der Tür?  Und warum steht der Kasten so gerade? Wie langweilig! Frau Holle schiebt den Kasten schief.

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Sieht doch gleich viel besser aus. Ich bin begeistert. Frau Holle guckt skeptisch. Ich gucke schnell mal nach, ob es noch leckere Fliegen und Mücken hier gibt. Nein, sind alle ausgeflogen. Dann ereilt mich eine große Überraschung.

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Xaver sitzt hier rum und hütet die Vordertür. Ihr erinnert Euch? Xaver war mein Bewährungshelfer, der mich im  Juli  darin unterstützte, einfach mal das Froschmaul zu halten. Dazu wurde ich verdonnert. Ich hatte ganz vergessen, dass er jetzt auch hier wohnt. Vorne ist eben zu weit weg von hinten, da begegnet Frosch sich nicht allzu häufig. Also, ich hin zum Xaver und wir begrüßen uns überschwänglich. Damals fand ich ihn nur nervig, aber da stand er ja auch hoch oben über mir. Nun begegnen wir uns auf Augenhöhe. Er hat den Arbeitsplatz gewechselt, ist kein Bewährungshelfer mehr, sondern Haustürbegrüßer.

Wir führen Fachgespräche und vergleichen unsere Jobs. Xaver will noch nicht rein, er will draußen bleiben bis die Starre einsetzt. So behält er den Überblick, was bei Frau Holle passiert. Also, wann die Post kommt, wann wer wie vorbei geht und wer rein will. Frau Holle kommt auch manchmal raus und putzt die Fassade und den Vordergarten. „Aber nicht sehr gründlich“, meint mein Kollege. „Sie müsste etwas gründlicher sein!“ Das finde ich auch und wir verabschieden uns. Ich muss mich mehrmals gegen die Tür werfen, damit Frau Holle mich wieder rein lässt.

Frau Holle will ihre Kleidung um-und aussortieren. Sie murmelt: „Kann weg, kann weg, kann weg, kann weg, bleibt da, kann weg.“ Der Stapel mit der aussortierten Kleidung wird immer höher. Der Schrank wird übersichtlicher. Dann sortiert meine gute Frau Holle den Stapel und das meiste landet wieder im Kleiderschrank. „Kann ich doch noch gebrauchen. Ist noch gut genug, bleibt da, kann nicht weg, brauche ich noch“, sagt sie und nimmt ihre drei Teile, die nun doch tatsächlich weg können und verschwindet.

Ich bleibe allein im Haus. Ich mache es mir auf der Fensterbank gemütlich. Kälte, du kannst gerne kommen! Aber du musst leider draußen bleiben.

Und Ihr so?  Wintersachen schon im Schrank und seid Ihr auch froh darüber, dass es abends schon so früh dunkel wird? Ich ja. Heute wird es besonders fein, denn sobald es dunkel geworden ist, kommen lauter kleine Gespenster, klingeln und wollen Süßes. Ist mir ein Rätsel, was das soll, aber Frau Holle lächelt vor sich hin und findet die Gespensterchen einfach nur niedlich. Sie hat sich gestern sehr zusammengerissen und die Süßigkeiten, die sie heute verteilen will, nicht selbst gegessen. Na ja. Xaver verrate ich nichts, der soll sich heute Abend ruhig ordentlich erschrecken. Haustürbegrüßer haben es eben auch nicht immer leicht!

Gute Aussichten: 9

Zeilenende startete ein neues Fotoprojekt: Ein Jahr lang begleitet er ein Motiv mit der Kamera und an jedem letzten Sonntag im Monat gibt es ein Bild davon auf dem Blog. Ich mache das auch! Wer sonst noch mitmacht, findest Du  hier

29.10.2017: Heute ist es kalt und stürmisch. Vorsorglich räumte ich alles, was wegfliegen könnte, zusammen. Sogar Herr Krone hat sich unter den Tisch verkrochen. Meine Terrasse lädt heute nicht zum Verweilen ein, auch wenn die Sonne scheint.

Eine Freundin machte mich darauf aufmerksam, dass mein Sanddorn kein Sanddorn ist, sondern ein Weißdorn. Darum schmecken die Beeren auch nicht wie Sanddorn. Aha.

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So sah es im September hier aus:

Schnell erledigt!

Oh! Post! Richtige Post im Briefkasten. Wie schön. Ach Du Schreck…Was will denn die Deutsche Rentenversicherung von mir? Ich bin doch schon so lange in Rente. Gibt es eine außerplanmäßige Rentenerhöhung. Das wäre ja ganz wunderbar, aber nicht wahrscheinlich. Ich warte auf meine Angstattacken. Die kommen nicht und seelenruhig öffne ich den Brief von der Deutschen Rentenversicherung. Äh….ach ja, richtig. Ich bin in Rente wegen voller Erwerbsminderung. Bald habe ich die Altersgrenze erreicht. Bald bekomme ich meine Regelaltersrente (§ 115 Abs. 3 SGB VI). Ach so.

Nun werde ich gebeten, die in der Anlage gestellten Fragen zu beantworten und diese Erklärung umgehend zurücksenden. Aha. Meine Angstattacken versäumen ihren Auftritt. Da ich gerade nichts weiter zu tun habe, setze ich mich an den Schreibtisch und bearbeite die Fragebogen. Meistens kann ich NEIN ankreuzen. Das ist einfach und geht schnell.

Was soll das denn? Ich denke, die haben meine Biographie schon im System? War doch schon alles abgearbeitet. Nun wollen sie wissen, ob ich Zeiten der Berufsausbildung (auch ohne Abschluss) zurückgelegt habe, für die Beiträge gezahlt wurden. Wann und wieviel Geld habe ich verdient? Meine Güte, das ist doch schon e.w.i.g her. Woher soll ich das heute noch wissen? Alle Kopien sollen beglaubigt werden.

Ich sitze da und denke. Soll ich einfach NEIN ankreuzen? Aber ich habe ja eine Ausbildung gemacht. Damals habe ich ziemlich geackert, um mein Referendariat heil zu überstehen.

Ich nehme mir meinen Ordner „Sozialversicherungen“ vor. Alle Angstattacken bleiben verschollen. Ich vermisse sie fast schon. Quatsch, sollen sie doch wegbleiben. Ich komme auch so wunderbar zurecht. Lösungen finden sich immer. Huch! Was ist das denn? Die richtige und gesuchte Bescheinigung über Beiträge zur Rentenversicherung (bitte gut aufheben) fällt mir fast sofort in die Hände. Puh.

Dann denke ich nach. Ich soll meinen Arbeitsvertrag beilegen. Habe ich so etwas bekommen? Und wo ist überhaupt der Ordner mit den Zeugnissen und Abschlüssen? Dies wäre das richte Stichwort für die eine große Angstattacke gewesen, aber sie erscheint nicht. Der wird schon irgendwo sein. Aber wo? Ich habe gedacht, ich brauche ihn nie wieder. Ich steige auf den Boden und krame im Karton mit den alten Ordnern. Die meisten können weg, finde ich heute. So viele Weiterbildungen habe ich gemacht? Habe ich fast schon vergessen. Ganz unten liegt der gesuchte Gegenstand und mit einem Griff habe ich die benötigten Papiere gefunden. Meine Güte, wie habe ich sie schön einsortiert!

Ich lache mich schlapp. Ja, ich wurde einmal für eine kurze Zeit verbeamtet. Richtig festlich war das damals. Referendarin im Schuldienst war eine ernste Sache. Ich kopiere einige Papiere und werde sie nicht beglaubigen lassen. Wenn die Deutsche Rentenversicherung darauf besteht, wird sie sich melden.

Was steht denn da noch in dem Anschreiben? Es wird darauf hingewiesen, dass die Berechnung der Regelaltersrente nicht unbedingt zu einer Erhöhung des bisherigen Zahlbetrages führt.

Das ist schade. Hoffentlich wird es nicht weniger……Ach du liebe Angstattacke, jetzt kannst du auch wegbleiben, ich bin bisher gut ohne Dich zurechtgekommen. Murrend verzieht sie sich in den Garten.

 

Lektion 2: Lob abgeben

Lektion 2: Lob abgeben

Liebes Auditorium, schön, dass Ihr Euch hier wieder versammelt habt. Ich danke Euch für die vielen Kommentare zur Lektion 1. Ihr habt Euch großartig geschlagen und so viel Selbstlob gab es auf dem Regenbogen noch nie! Er fing richtig an zu glühen und er sprühte pure Lebensfreude in die Welt! Weiter so, Ihr Lieben!

Damit beende ich meine 2. Lektion. Lob abgeben, also unsere Mitmenschen loben, das können wir ja alle ganz gut. Ihr seid mit Eurer Wertschätzung, Eurem Fleiß, Eurem Ideenreichtum und Mitmenschlichkeit einfach großartig! 💖

Oder war das jetzt zu viel? Die Grenze zwischen Lob und Schleimspur ist oft fließend. Damit ich nicht ausrutsche sage ich jetzt nur: Ich freue mich, dass so viele Menschen mutig waren und sich die Zeit genommen haben, sich schriftlich selbst zu loben! Und ich habe auch noch ein paar Lobe (kann man das so sagen?) abbekommen. Danke!💖

 

Für R.

Gestern bekam ich am Telefon ein herzerwärmendes Kompliment und weil ich zur Zeit übe, Wertschätzung anzunehmen, konnte ich es genießen ohne wenn und aber. Die bösen Gesellen blieben still.

Ich danke Dir R. aus S.!

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Vollversammlung im Oktober

Vollversammlung im Oktober

Selbstbewusstsein: Ich begrüße Euch zur Oktober-Vollversammlung. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und munter.

Schweinehund: Ja, geht so. Der Antreiber ist mir aber ganz schön lästig. Der kann weg.

Antreiber: Also bitte, ohne mich würde sie eingehen. Ist so schon schlimm genug mit ihrer Faulheit. Der Schweinehund sollte eingeschläfert werden.

Schweinehund: Was fällt dir denn ein?

Selbstbewusstsein: Das geht jetzt wirklich zu weit.

Antreiber: Entschuldigung. Ich wollte sagen, der Schweinehund könnte sich vielleicht  Urlaub nehmen und in den Garten gehen.

Selbstbewusstsein: Gibt es sonst noch etwas zu besprechen? Scheint ja alles gut zu laufen.

Angst: Sie gibt zu viel Geld aus. Wir werden bald furchtbar arm sein. Wir werden nichts mehr zu essen haben. Wir werden bei Wasser und Brot das Leben fristen müssen.

Geiz: Sie sollte das Geld besser zusammenhalten. Wozu eine neue Jacke, wenn sie schon drei hat?

Vernunft: Ja, stimmt eigentlich. Drei Jacken hängen im Schrank. Davon sind zwei schon furchtbar alt und eine wird nie getragen.

Kritiker: Die ist aber auch viel zu blau!

Lebensfreude: Sie hat sich in die neue Jacke verliebt! Sie wollte mal wieder so richtig schön aussehen.

Kritiker: Das wird sowieso nichts mehr, da helfen auch keine Jacken und Schuhe. Sie ist alt, die Knie sind kaputt, sie hat dünne Haare, sie ist dick. Furchtbar.

Nörgler: Genau!

Liebe: Einspruch!

Selbstbewusstsein: Stattgegeben. Abwertungen sind nicht mehr erlaubt.

Liebestöter: Was soll man denn bei der noch aufwerten?

Kritiker, Nörgler und Zweifellachen

Selbstbewusstsein: RAUS!

Die bösen Gesellen verlassen die Versammlung und treffen sich murrend im Garten.

Vernunft: Dann die geplante Silvesterreise! Viel zu teuer.

Lebensfreude: Aber richtig wichtig!

Inneres Kind: Ich freue mich so!

Vernunft: Ja, aber…..

Liebe: Sie hat auf ihre Wünsche gehört und sich einen erfüllt. Das verschafft mir mehr Platz und ich mache mich bereit zu wachsen.

Angst: Ja, aber das Geld braucht sie doch später!

Selbstbewusstsein: Wie geht es ihr?

Sorge: Richtig gut. Sie hört Musik. Sie ist zufrieden. Sie spürt uns. Sie nimmt meine Unterstützung immer besser an.

Selbstbewusstsein: Das höre ich gerne. Wir bleiben am Ball!

Sorge: Ja, unbedingt. Sie weiß übrigens, dass sie auf ihr Geld achten muss.

Geiz: Dafür werde ich schon sorgen!

Sorge: Nein, halte dich etwas zurück. Sie muss auch gegenwärtig Geld für sich ausgeben dürfen. Sie lebt jetzt und ist noch einigermaßen fit.

Inneres Kind: Ich bin ihr so dankbar, dass ich mich wieder so lebendig fühlen kann. Sie sorgt so gut für mich.

Sorge: grinst

Selbstbewusstsein: Schön, dann ist alles im grünen Bereich. Ich danke euch und schlage vor, dass wir uns im November wieder treffen. Eine Arbeitsgruppe wird die Zeit bis dahin nutzen und erarbeiten, welche Aufgaben in diesem Jahr noch zu bewältigen sind.

Liebe: Ich übernehme den Vorsitz.

Lebensfreude, Vernunft und Sorge melden sich an.

Inneres Kind: Ich will auch!

Selbstbewusstsein: Nein, du gehst jetzt spielen und schreiben!