Und dann kam Mia

Und dann kam Mia

Ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin. Ich muss mich ändern. Ich bin nicht gut genug, weil ich zu dick bin. Ja, den Gedanken kenne ich nur zu gut, und auch die Bulimia nervosa ist mir von früher bekannt. Ich bin bisher nicht auf die Idee gekommen, dass mir ein negatives inneres Kind diese Gedanken einflüstern könnte. Bis eben, als ich von Mia bei impressions of life las. Ja, so könnte es sein und würde viel erklären…..

impressions of life

Die Psychologie sagt, in uns selbst, unterhalb unseres Bewusstseins, können wir die Psyche in verschieden Persönlichkeitsanteile unterteilen. So wird viel vom inneren Kind gesprochen, der den kindlichen Anteil der Psyche ein Leben lang in uns ausmacht, neben dem erwachsenen Anteil. Dieser Anteil des Kindes ist sehr wichtig, nicht immer der Grund für das Handeln der Person, aber vielleicht mitbestimmend!

Das innere Kind spiegelt unser Gefühlsleben wieder, das in der Kindheit entstand. Positiv wie auch negativ, also gibt es auch quasi zwei innere Kinder. Sie sind individuell, wie jeder Mensch in sich. Ich möchte nicht länger auf die einzelnen inneren Kinder eingehen, aber um meinen folgenden Eintrag zu verstehen, kam Mia aus einem Teil des inneren negativen Kindes daher, viele Psychologen würden Mia als ein Teil eines Schattenkindes (mit dem negativen Glaubenssatz „Ich bin zu dick““Ich bin es nicht wert“) sehen! Manche auch nicht. Es ist nur eine Sichtweise, keine Schuldzuweisung an die…

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Heute lese ich……

Heute lese ich……

Walter Kohl, Leben oder gelebt werden, Schritte auf dem Weg zur Versöhnung, München 2011

Die Herausforderung: Leben, statt gelebt zu werden. Viele Jahre lang lebte Walter Kohl ein Leben im Schatten eines übermächtigen Namens – als „Sohn vom Kohl“. Die Belastungen der CDU-Parteispendenaffäre und der Freitod seiner Mutter für ihn schließlich zur existenziellen Prüfung. Doch er entdeckt einen Weg, um die Herausforderung seines Lebens zu meistern: Durch einen Prozess bewusster Versöhnung schließt er Frieden mit der eigenen Vergangenheit, mit den Eltern und mit sich selbst. So öffnet sich für ihn ein neuer Weg zu Selbstbestimmung und persönlicher Erfüllung.

Kanzlersohn zu sein, ist ein Schicksal der besonderen Art. Es bedeutet, in einem extremen Spannungsfeld zwischen Selbst- und Fremdbestimmung zu existieren. Doch es gelingt Walter Kohl, die tiefste Krise seines Lebens in den Impuls zu einer vollständigen inneren Neuorientierung zu verwandeln: Er entdeckt die Kraft der Versöhnung als zentrale Heilkraft seines Lebens.

Dieses Buch zeigt: Sobald wir uns dem Leben, das uns gegeben ist, vorbehaltlos stellen, sobald wir selbst die Verantwortung übernehmen und unserer inneren Stimme folgen, treten wir aus der Rolle des Opfers heraus und werden frei, zu leben – statt gelebt zu werden.

Mich interessierte das Buch überhaupt nicht, bis ich es kürzlich kaufte, weil es so günstig war und man muss ja mal über den Tellerrand gucken und Kohl ist zwar blöd, aber interessant könnte es trotzdem sein, etwas über sein Privatleben zu erfahren.

Damit habe ich genau das getan, worunter Walter Kohl lange gelitten und was sein Leben bestimmte: für mich war er der „Sohn vom Kohl“, mich interessierte er als Person gar nicht, ich wollte etwas vom Vater erfahren, durch die Brille seines Sohnes sozusagen.

Schon mit den ersten Sätzen änderte sich meine Einstellung zum Glück und mir wurde mal wieder bewusst, wie gern auch ich Menschen in Schubladen packen möchte.

Walter Kohl beginnt seine Geschichte mit der einfachen Frage seines fünfjährigen Sohnes: „Papa, ist das Leben schön?“ Zu diesem Zeitpunkt, wenige Tage nachdem seine Mutter, Hannelore Kohl, starb, fühlte sich auch Walters Leben wie tot an. Die Frage brachte ihn aus der Fassung und er beschloss, einen Weg aus dem „Gelebtwerden“ hin zum Leben zu suchen.

Walter Kohl beschreibt eindrucksvoll, wie er sich schon als Kind zunehmend in die Opferrolle begab, warum er schon als Dreizehnjähriger die Verantwortung für das Glück seiner Mutter übernahm  und wie sehr er sich dabei von seinen wahren Gefühlen entfernte. Er verinnerlichte die Botschaft seines Vaters „Du musst stehen“  und richtete sich in einem Leben nach dem Motto  „Aushalten. Durchhalten. Maul halten.“ ein. Dann beschreibt er seinen Weg zu einem selbstbestimmten Leben und wie ihm die Versöhnung mit seinen Eltern gelang. Dabei gibt es keine Heilsversprechen und Empfehlungen, keine Dogmen und Glaubensbekenntnisse. Walter Kohl beschreibt seinen persönlichen Weg ohne erhobenen Zeigefinger.

Er bleibt immer respektvoll gegenüber jedem Menschen über die er schreibt. Er erklärt die Handlungen und Denkweisen seiner Eltern ohne anzuklagen. Sehr sachlich, aber trotzdem einfühlsam, analysiert und beschreibt Walter seine Geschichte und die seiner Eltern. Es enthüllt keine Sensationen. Er zeigt, wie sehr sich das politische Amt seines Vaters und die neuere Geschichte der BRD auf seine Entwicklung auswirkten.

Walter Kohl ist Jahrgang 1963 und damit elf Jahre jünger als ich. Ich sehe bei aller Unterschiedlichkeit auch Parallelen zu mir und meiner eigenen Familiengeschichte. Wie sehr der Nationalsozialismus und der Krieg meine Eltern und damit unser Familienleben prägten. Wie sich die Erziehungsstile ähnelten und wie sehr auch ich mich von meinen Gefühlen abspalten musste, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ja, ich habe es ähnlich empfunden wie Walter Kohl: sich mit der Vergangenheit zu versöhnen ist heilsam und öffnet erst den Weg zur Selbstbestimmung.

Ich kann mich an die vielen politischen Ereignisse, die er beschreibt, noch sehr gut erinnern. Das Buch beinhaltet ein Stückchen meiner eigenen Geschichte und das erhöht das Lesevergnügen. Ich war irgendwie dabei! Damals habe ich mir über die Familie Kohl nie Gedanken gemacht. „Birne“gehörte einfach zu meinen Feindbildern und damit hatte es sich. Ich bin froh, dass dieses Buch bei mir gelandet ist. Es passt gerade so gut zu meiner gegenwärtigen Zeit, dass ich fast denke, es hat mich gefunden und nicht umgekehrt.

Es beteiligen sich bei „Heute lese ich …“ auch:

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie

und Mein Name sei Mama

und Veronika von vrojongliert
und Tarlucy

Misi hat gute Laune

Misi hat gute Laune

Hallo Leute, bald ist es soweit. Ich werde arbeiten, Frösche treffen, Partys feiern und zur Männergruppe gehen. Frau Holle und ich sitzen auf der Terrasse und plaudern über den Frühling. Frau Holle zeigt mir ihren Topf. Sie sagt: „Guck mal Misi, welche Freude es macht, das zu sehen.“

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Ich sehe nichts. Worüber freut sie sich nun schon wieder? Na ja, ist auch egal. Sie ist eben so und ich muss sie so nehmen, wie sie ist, weil sie ja doch nicht so werden will, wie ich sie gerne haben möchte. Ich will ihr eine kleine Freude machen und sage: „Toll.“

Sie hat gute Laune, die Gute. Ich auch. Mein Praktikum am Gartentor von der Frau ist ein voller Erfolg. Frau Holle und ich überlegen, wie wir den Beruf, den ich gerade lerne, nennen wollen. Ich muss ja antworten können, wenn mich jemand fragt: „Und, was machst Du so?“ Jetzt bin ich viel mehr als nur Frosch. Aber was? Rumhänger oder Anhänger? Frau Holle gibt sich große Mühe, nicht zu lachen. Ich sehe es ihr aber an, wie sie nach Fassung ringt. Sie sagt: „Wir müssen überlegen, welche Funktion du hast, mein lieber Misi.“ Ich halte böse Geister ab. Ich bringe Farbe ins Leben. Ich bewache den Garten. Ich zeige mich. Ich bringe  Fröhlichkeit. Ich bin ein erfreulicher Moment. Freudenbringer? Torwächter? Frau Holle findet beides etwas hochgestochen. Also, wir kommen in der Frage nicht weiter. Uns fällt nichts ein. Euch vielleicht?

Frau Holle strahlt. „Misi, ich habe gestern meine ersten Störche in diesem Jahr gesehen! Ich freue mich so.“ Mein Magen wird schwer. Habe ich Steine gefressen? Nein, es waren nur ein paar harmlose Mücken. Ich kann nicht mehr schlucken. Ich schnappe nach Luft. Ich werde gelb. Ich kann nicht aufstehen. Meine Beinknochen sind weg. Mir wird schwindelig. Ich lasse mich auf den Rücken fallen. Wahrscheinlich werde ich gleich sterben. Ich schließe die Augen. Ich werde mich nie mehr bewegen.

Frau Holle nimmt mich behutsam auf ihre Hand. Ich sehe nur noch ihre riesigen, besorgten  Augen über mir. Liebevoll gibt sie mir ein Küsschen auf die Nase. Was ist los? Mühsam setze ich mich auf, springe auf den Tisch zurück und sage mit belegter, aber fester Stimme: „Wie  ist das Wetter doch herrlich heute.“ Frau Holle meint, ich hätte wohl eben eine kleine Angstattacke gehabt. So ein Quatsch. Ich bin ein Mann! Und wovor sollte ich auch Angst haben.

Märzelbe

Märzelbe

Gestern gab es jede Menge Grund zur Freude. Sonne, Vogelgezwitscher, Gänse, Möwen, Schiffe, die ersten zwei Störche in diesem Jahr, Stille und schöne Gespräche, Nähe, eine Bank mit Aussicht und jede Menge Elbwasser. Einige Momente konnte ich einfangen, andere bleiben nur Erinnerung ohne Beleg.

Freude

Freude

Freude – Wikipedia

Freude ist der Gemütszustand oder die primäre Emotion, die als Reaktion auf eine angenehme Situation oder die Erinnerung an eine solche entsteht.

Ich überlege, wie sich meine Freude anfühlt. Intensiv empfinde ich sie kaum. Das Auf und Ab der großen Gefühle habe ich hinter mir gelassen. Jetzt ist Ruhe eingekehrt. Diese stille Zufriedenheit kannte ich früher nicht. Ich brauchte Drama, um etwas zu fühlen. Großes Leid und große Freud wechselten sich ab. Zwischendurch ruhte ich mich in der Erschöpfung aus. Das machte es mir schwer, Nähe zu meinen Liebsten und zu mir selbst zu finden.

Heute regt das Leben nicht mehr so auf. Das Gefühl der Freude hat sich gewandelt und zeigt sich hauptsächlich in der Zufriedenheit. Ist das genug? Sollte ich nicht mal wieder im Glücksgefühl schweben? Ist Glücksgefühl eigentlich das gleiche wie Freude?

Ich weiß eher, worüber ich mich freue, als dass ich es fühle. Oder ist mir das Gefühl der echten Freude einfach nur unbekannt? Die kleine Freude, die sich vielleicht wie ein sanftes Wohlfühlen der Dankbarkeit annähert? Warte ich auf die Achterbahn, an die ich mich doch nur mit Schrecken erinnere?

Wenn ich mich konzentriere, mich dabei an schöne Dinge erinnere oder an Zukünftiges denke und in meinen Bauch spüre, fühle ich manchmal ein leises Kribbeln und Schäumen. Immer häufiger wache ich nach einem Traum mit einem unbekannten Gefühl, das an ein Giggeln erinnert, auf und denke,  dass sich so die echte Freude anfühlen könnte. Sie ist nicht spektakulär, sondern sie kugelt einfach und leise durch mein Leben. Wahrscheinlich kann dieses Gefühl riesig werden, wenn etwas außergewöhnlich Schönes passiert. Ein neues Verliebtsein oder Enkelkinder vielleicht.

Ich heiße die leise Freude willkommen. Sich freuen hat viel mit genießen, stolz, gespannt, flexibel, zufrieden und dankbar sein zu tun. Die Freude bringt kleine Geschenke, die ich Glücksgefühle nenne. Ein kleines Aufblitzen, wenn ich sehe, was aus meinen vielen Zwiebeln wird, die ich im Herbst gesetzt habe. Ich freue mich über mein neues, rotes Fahrrad mit dem bequemen Sattel. Wenn ich mit ihm unterwegs bin, genieße ich die Natur und bin dankbar, nicht in einer Großstadt zu leben. Ich freue mich über meinen Blog und über das Lesen in Euren Gedankenwelten, das ganz neue Aspekte in mein Leben brachte. Im April werde ich ein Wochenende in der Volkshochschule das Malen mit Kreide lernen und üben. Noch kann ich so etwas mit meinen Fingern wagen, die immer steifer werden. Noch geht es (hoffentlich) und das ist ein Grund zur Freude. Im Mai werde ich mit vier Frauen eine Woche in Dänemark am Meer verbringen. Ein spannendes Experiment und ein Grund zur Vorfreude. Die neu gefundene Nähe zu meinen Kindern, Freunden, Freundinnen und zu mir selbst erfüllen mich mit einem sicheren liebevollen Gefühl, welches mir bisher unbekannt war und das ich Freude nennen will. Oder ist das Liebe? Diese Gefühle kann ich nicht genau voneinander abgrenzen.

Ich bin dankbar und spüre ein wohliges Gefühl, wenn ich an mein Leben denke. Es ist nicht alles gelungen. Es gab viel Kummer, Angst und Sorgen, aber alles Schlimme hielt ich aus. Ich habe es bisher gut oder weniger gut gemeistert und ich weiß, dass ich mit kleinen Einschränkungen so lebe, wie ich es will. Ich übe es, die volle Verantwortung für mich und mein Tun zu übernehmen. Im Guten und im Schlechten. Das ist nicht einfach, stärkt aber das Gefühl der Freude an der Gegenwart. Auch der Vorfreude auf alles, was noch kommen mag. Die ist so wichtig, bei aller Sorge um die Zukunft, die ich spüre, wenn ich z.B. an das Alter denke oder Nachrichten höre. Ich will trotzdem bei meiner eigenen Freude bleiben, die kann mir keiner und nichts nehmen, solange es geht. Und dann sehe ich weiter……