Gemütlich

Gemütlich

Gestern schien die Sonne, es war warm und gemütlich auf meiner Terrasse. Heute regnet und schneit es, je nachdem. Jetzt ist es drinnen gemütlicher. Ich habe geputzt und einen Kuchen gebacken. Alle Einkäufe sind erledigt und morgen kommt Besuch. Mit Schlafen und so. Zwei gemütliche Tage auf jeden Fall. Draußen oder drinnen.

Ich wünsche Euch frohe und friedliche Ostern! Macht es Euch gemütlich!

Advertisements

Warten auf Frühling

Warten auf Frühling

Hallo Leute, Frau Holle schleppt schon wieder an. Eben steht sie vor ihrem Einkauf und schnaubt: „Kein Eierlikör!“ Sie ist extra los, um für ihr neuestes Projekt einzukaufen. Sie will einen Eierlikörkuchen backen. Und nun hat sie alles und noch viel mehr, aber keinen Eierlikör. Sie sagt: „Ich werde alt.“

Ich weiß auch nicht, was los ist. Im Haus tummeln sich schon wieder ein paar Gestalten und einige haben lange Ohren. Das dicke Osterhuhn (keine Ohren!) kennt Ihr ja schon. Aber mit dem habe ich keinen Spaß. Es ist einfach nur dick und da. Frau Holle hat Ostereier aus Schokolade gekauft und die aus Marzipan schon wieder zu früh gegessen. Darum muss sie Nachschub besorgen und kann dann den Eierlikör gleich mitbringen. Sie seufzt und fragt sich, warum sie immer so schwach wird, wenn Marzipan im Hause ist. Weiß ich auch nicht, mich kann sie damit jagen. Ich sehne mich nach frischen Fliegen!

Ich warte auf den Frühling. Ich will auf Brautschau gehen. Angeblich sind meine Kollegen schon aus der Winterstarre erwacht . Aber ich glaube das nicht. Da hat sich nur jemand wieder etwas ausgedacht.

Aber bald, bald wird es wärmer und dann gehe ich wieder arbeiten, in die Männergruppe und zur April-Frosch-Single-Party in den Teich. Das wird toll und ich pflege  schon mal täglich meine Froschhaut mit der neuesten Männercreme „Grün und Glitschig für den modebewussten Frosch“ .

Und jetzt zeige ich Euch noch ein paar Fotos, die ich gestern mitten in der Nacht geschossen habe, als ich nicht schlafen konnte, weil die Creme „Grün und Glitschig für den modebewussten Frosch“ so gebrannt hat.

 

Und Ihr so? Alles gut? Schnee schon weg und Fenster geputzt?

Ganz wunderbar!

Ganz wunderbar!

Meine Güte, was für ein Tag! Das ist gelogen….eigentlich sind es zwei Tage. Oder drei?

Ich lese gerade „Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus einer Welt im Wandel“ von Ranga Yogeshwar.

“ Dieses Buch kommt zur rechten Zeit. Wir befinden uns inmitten eines epochalen Wandels:  Die digitale Revolution, Fortschritte in der Gentechnik oder der Entwicklung der künstlichen Intelligenz greifen in fundamentaler Weise in unser Leben ein verändern ganze Branchen, aber auch Lebensmodelle und ganz konkret unseren Alltag. Das Smartphone ist erst zehn Jahre alt, aber hat von Amazon bis WhatsApp, von Airbnb bis Uber unser Leben umgekrempelt. Und was mag da noch alles kommen, und wie rasch?  Viele fürchten sich vor einer Welt, die so anders sein wird als alles, was wir kennen.

Yogeshwar stellt die aktuellen und zukünftigen Umbrüche auf verständliche Weise in ihrer ganzen Breite dar: von der Digitalisierung bis zur Gentechnik, von der Totalüberwachung bis zum (Alb)Traum vom ewigen Leben. Er berichtet von seinen Besuchen in einem Klon-Labor in Südkorea, im Forschungslabor für künstliche Intelligenz in Schweden und in der Ruine eines Atomkraftwerks in Japan. Er schildert seine Fahrt im Prototyp eines autonomen Fahrzeugs, testet im Selbstversuch, wie man mit einem „infizierten“ Handy abgehört werden kann und erinnert sich an seine Kindheit in Indien, dem Subkontinent, auf dem Vergangenheit und Zukunft eine spannende Symbiose eingegangen sind.

Yogeshwar ordnet die gegenwärtigen Entwicklungen auch in die Menschheitsgeschichte ein, die immer eine Geschichte des Fortschritts war. Entscheidend wird sein, das ruft er uns zu, dass wir die Chancen, die mit dem Wandel auch verbunden sind, wahrnehmen und die Gestaltung der Zukunft nicht anderen überlassen, sondern selbst in die Hand nehmen“

Zu allererst frage ich mich, wie kann ein Mensch nur so intelligent sein, so viel wissen, so viele Sprachen sprechen, so viel reisen, so interessant schreiben, so realistisch, optimistisch und sympathisch sein? Wie kann einer so gut erklären, dass auch ich das verstehe? Unglaublich.

Gedanklich bin ich gerade sehr in meine und die deutsche Geschichte eingetaucht und irgendwie auch noch nicht wieder ganz aufgetaucht. Nun, so dachte ich, will ich doch mal sehen, dass ich in die Gegenwart zurückkomme und nehme mir das Buch von Yogeshwar vor. Ich habe es noch nicht durch, aber ich bin für aktuelle Entwicklungen wacher geworden. Nachrichten sehe ich gerade mit anderen Augen. Ich scheine plötzlich mehr und besser zu verstehen. Und ich fühle ganz intensiv die „Wunder“, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich fühle die Weite des Weltalls, wobei mir etwas schwindelig wird, und die Unwahrscheinlichkeit der Erde. Alle Entwicklung scheint mir wunderbar, zauberhaft und überhaupt nicht selbstverständlich. Was für ein Wunder, dass ich lebe.

Ich lese von der Technik und was alles möglich sein wird. So weit sind wir von Real Humans , der dänischen Serie, die ich 2013 das erste Mal gesehen habe, gar nicht mehr entfernt. Was ist menschlich? Diese Frage muss vielleicht bald neu gestellt und beantwortet werden.

Ich weigere mich, zu viel Technik in mein Haus zu lassen. Lampen schalte ich noch selbst an und die Kühlschranktür öffne ich alleine, wenn ich wissen will, ob ich Milch brauche. Ihr wisst, was ich meine! Aber wenn ich genau hinsehe, umgibt mich doch schon ziemlich viel Digitalität. Meine Heizungsanlage bewältigt zum Beispiel ihre Aufgaben ohne mein Zutun. Ventile an den Heizkörpern arbeiten selbständig und tyrannisieren mich manchmal. Ab und zu fallen sie ab und ich sehne mich nach den guten alten Entscheidungen, ob ich 1, 2, 3 oder sogar 5 einstellen will. Bald wird auch mein Telefon digital, aber das wisst Ihr ja schon.

Mein Laptop ärgert mich und jetzt bin ich fast davon überzeugt, es macht das mit Absicht. Und jetzt komme ich auf meinen ersten Satz zurück. Seit drei Tagen arbeitet mein PC mal zuverlässig und prima (wie jetzt, allerdings spinnt meine Maus plötzlich und lässt sich kaum bändigen), und manchmal macht er nur noch Quatsch oder gar nichts mehr. Ich versuche ihn wieder in Gang zu bringen und dann arbeitet er, also mein PC, viele Stunden selbständig und ich sehe nur die Ladeanzeige ( blauer kreisender Kreis). Ich sitze natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern beschäftige mich mit anderen, analogen Dingen, aber gedanklich bin ich bei ihm oder ihr, meiner Maschine. Ich habe das Gefühl, sie macht, was sie will und ich durchschaue nichts mehr.

Übrigens finde ich auch die Korrekturen bei WordPress ziemlich eigenständig. Manchmal denke ich, ich sollte alle Korrekturvorschläge einfach mal übernehmen Ladeanzeige wird dann zur Todesanzeige, Leuchtmittel zum Zuchtmittel und Ranga zum Tanga. Aber hier habe ich noch das Sagen! Meisten jedenfalls! Manchmal finde ich beim Durchlesen ganze Satzteile nicht da vor, wo ich meinte sie geschrieben zu haben. Geht Euch das auch so? Oder spielt nur mein PC so lustige Streiche?

Meine Güte, was für ein Tag! Heute machte auch mein Handy schlapp. Es wollte nicht so wie ich und plötzlich ging doch wieder alles reibungslos. Meine Schreibtischlampe streikte und ein Leuchtmittel im Flur blieb dunkel. Sie haben sich verschworen!

Ach könnte doch Ranga kurz vorbeikommen und mir meine kleine Welt erklären! Dann wäre ich wieder Herrin im Haus!

Schweres Erbe für immer?

Unsere Hausaufgabe in der Schreibwerkstatt:
Über sogenannte (negative) Glaubenssätze aus unserer Familie/Kindheit/Jugend schreiben, die unser Leben beeinträchtigt haben.

Mein Leben wurde durch das dritte Reich, die Nachkriegszeit, unverarbeitete traumatische Erlebnisse der Großeltern und Eltern, ihre nicht eingestandene Schuld und Angst, Lebenslügen und Familiengeheimnisse geprägt. Wie sehr, stellte sich erst heraus, als meine Eltern im Alter dement wurden und ihre eigenen Tabus vergaßen.

Ich fühlte mich immer irgendwie falsch, Schuldgefühle und unbestimmte Ängste begleiteten mich bis heute und natürlich wäre alles anders gekommen, wenn Deutschland eine andere Geschichte hätte. Hat es aber nicht und auch meine Familiengeschichte kann nicht verändert werden. In Therapien und Familienaufstellungen erkannte und begriff ich mein Erbe. Mich tröstet sehr, dass wir in meiner Generation fast alle mehr oder weniger davon betroffen sind und ich gar keine (kranke) Ausnahme bin. Ich bin also nicht falsch, sondern in bester Gesellschaft. Es freut mich, dass gerade jetzt die Ku´damm Filme im Fernsehen ausgestrahlt wurden und werden. Auch wenn ich sie recht kitschig finde, kommen mir so viele Erinnerungen an meine Kindheit in den Sinn. Ich stelle fest, dass meine Familie fast nichts von dem ausließ, was in den Filmen eine Rolle spielt.

Meine Eltern waren Kinder ihrer Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, sie taten das, was sie konnten. Mehr ging für sie nicht. Wir haben unsere Kämpfe und schmerzhaften Kontaktabbrüche gehabt. Es war nicht leicht. Aber das ist vorbei. Ich werde bald 66, bin seit fünf Jahren geschieden, meine Kinder führen ein selbständiges gutes Leben und sind gesund. Jetzt kann ich mich von fast allen Botschaften meiner Kindheit trennen. Ich erkenne mein Selbst und sortiere mich neu. Ich richte mir mein Leben alleine ein. So wie ich mein Zuhause gestalte, bin ich dabei, neue positive Gedanken zu denken und die schädlichen zumindest zu erkennen.

Seit ein paar Jahren sind meine Eltern tot. Ich habe keine Lust mehr, mich auf die Botschaften zu konzentrieren, die mein Leben negativ beeinflusst haben. Ich söhnte mich aus und bin heute in der Lage, liebevoll an meine Mutter und meinen Vater zu denken. Manchmal fehlen sie mir. Manchmal fühle ich mich ihnen sogar so verbunden, wie es mir zu ihren Lebzeiten nicht möglich war. Ich bin erwachsen geworden.

 

Ich freue mich so, oder?

Ich freue mich so, oder?

Ich warte auf den Postboten. Er soll mir ein Paket bringen, das für meine Umstellung ins schnelle Internet morgen wichtig ist. Wenn es heute nicht kommt, ist es blöd. Dann muss ich wieder anrufen.

Und wenn es kommt, ist auch blöd, dann muss ich morgen sehen, wie ich zurecht komme. Und wenn ich einen Zahlendreher in meiner angegebenen Handynummer habe, wird mich der Techniker nicht erreichen und ich weiß nicht, ob und wann umgestellt wurde. Und vielleicht vergessen die, dass ich ein Jahr lang viel weniger Geld zahlen muss.

Und wenn ich das richtige Einstöpseln nicht hinkriege, wisst Ihr, warum ich keine neuen Beiträge ins Netz stelle. Es geht dann einfach nicht…..

STOPP! So geht es aber auch nicht. Ich will doch ohne Katastrophen auskommen.

Gedankenänderung: Das wird richtig Spaß machen! Ich freue mich darauf! Das Paket kommt gleich, die Bedienungsanleitung werde ich verstehen und morgen bin ich intelligent und schaffe das. Natürlich habe ich die richtige Handynummer angegeben und meine neue Telefonrechnung wird auch stimmen. Und nach Ablauf der Vertragszeit (oder wie das heißt) kümmere ich mich um einen günstigeren Anbieter und dann wird alles gut.

Ich bin Meisterin darin, mir alles mögliche auszudenken. Alles (?), was schiefgehen kann, kommt mir automatisch in den Sinn. Wer ist dafür verantwortlich? Der innere Miesmacher? Der Liebestöter? Der Zweifler? Oder diese schlimmen Gesellen alle zusammen? Ich habe sie in den Garten geschickt. Trotzdem scheinen sie immer noch aktiv zu sein. Sie beeinflussen meine Gedanken und  tricksen mein Selbstbewusstsein immer mal wieder aus. Dann kichern sie und reiben sich die Hände.

Das kann ich doch ändern, oder? Ich* bin dafür verantwortlich, was ich denke. Und nach dem Denken kommt das Fühlen. Oder ist es umgekehrt? Fühle ich zuerst und denke dann? Kann ich das Fühlen auch bewusst beeinflussen? Darauf will ich heute einmal achten.

*Ich…..🤔 Ein großes Wort. Wer ist „Ich“? Gehören die bösen Gesellen nicht auch dazu? Meine Güte, Fragen über Fragen. Aber jetzt klingelt die Post und hat kein Paket für mich. Mist…..Muss ich anrufen……Darauf freue ich mich, denn das wird ein nettes Gespräch und vielleicht verschiebt sich die Umstellung ein wenig…..

Relikt

Relikt

Ich weiß nicht genau, woher sie kommt und warum sie so hartnäckig ist: meine Angststörung. Wer auch eine hat(te), weiß wovon ich rede. Für die anderen ist mein Erleben schwer nachvollziehbar. Manche schütteln zumindest innerlich den Kopf. Das kann ich gut verstehen.

Ich war meiner Angststörung viele Jahre ausgesetzt und ich habe hart daran gearbeitet, mich nicht mehr zu sehr von ihr beeinflussen zu lassen. Ich erholte mich weitgehend  und nahm mein Leben wieder in meine eigenen Hände.

Die Angst ist aber noch aktiv. Sie begleitet und sie ärgert mich. Manchmal denke ich, dass sie verschwunden ist. Aber sie ist auf der Hut und versucht immer wieder ihr Glück, wenn ich gerade nicht mehr an sie denke und fröhlich vor mich hin lebe. Heute erkenne ich sie und weiß sie einzuordnen. Sie hat keine große Macht mehr, ist aber lästig und nicht immer hilfreich.

Ich will endlich in den Handyladen und meine Card aufladen. Eine halbe Stunde bevor ich losgehe, stellt sich innere Hitze ein und ich werde unruhig. Ich nehme das wahr und denke, so ein Quatsch, ich will doch nur in einen Laden! Ich mache das und äußerlich wird man mir wenig anmerken. Innerlich stehe ich unter Hochspannung. Und Zuhause bin ich für ein paar Stunden ziemlich müde. Daran merke ich, dass sie wieder gut gearbeitet hat, meine Angststörung.

Ich bin zum Geburtstag eingeladen und eine Stunde, bevor ich losfahren will, stellt sich die innere und äußere Hitze ein und ich werde nervös. Ich weiß genau, was ich anziehen will und das Geschenk ist auch schon fertig verpackt. Ich weiß, wohin ich fahren muss und ich weiß, dass ich viele nette Leute treffen werde, die ich zum Teil lange nicht gesehen habe. Ich weiß, ich bin nicht schlimmer als die anderen und sehe auch nicht so gräßlich aus, wie ich mich gerade fühle. Ich weiß, dass ich mich amüsieren werde. Ich weiß, dass das ein guter Tag wird. Trotzdem bin ich unruhig, fahrig und innerlich feuert die Angst ordentlich ein. Mein Körper rät mir, Zuhause zu bleiben. Ich fühle mich kränklich. Ich konzentriere mich darauf, loszugehen und mich der Situation auszusetzen. Die ersten fünfzehn Minuten sind schrecklich. Ich spule Begrüßungen ab und weiche Umarmungen so gut wie möglich aus, obwohl ich viele Leute eigentlich gerne abknutschen möchte, weil ich sie so gerne mag. Aber in der ersten Viertelstunde ist das nicht möglich. Ich kann nicht sitzen bleiben, ich gehe aus dem Raum. Ich komme wieder rein, setze mich und halte durch. Und plötzlich ist alles gut. Ich esse und trinke, ich erzähle und höre, ich nehme Menschen in den Arm und lasse mich berühren. Ich lache und bin dabei. Aber zu Hause bin ich völlig erschöpft und weiß, die Angst hat wieder gut gearbeitet.

Ich sitze im kleinen Theater neben einem lieben Menschen in der ersten Reihe und gleich soll es losgehen mit dem Programm. Ich konzentriere mich sehr darauf, sitzen zu bleiben, die innere Hitze auszuhalten im Vertrauen darauf, dass man sie mir nicht ansehen wird. Ich sitze zwar am Rand, aber die Menschen hinter mir, so dicht gedrängt, kann ich kaum aushalten. Nach einer viertel Stunde bin ich wieder dabei. Es geht mir gut. Ich lache und klatsche und genieße es, mich heute Abend vom Sofa getrennt zu haben.

Ich will bei der Telekom anrufen, mein Vertrag muss geändert werden. Eine halbe Stunde vorher…..Ihr wisst schon. Ich rufe an und die Angst feuert ordentlich ein. Wozu macht sie das? Das Gespräch ist sehr erbaulich, ich kriege alles, was ich will und sogar viel günstiger als gedacht und Samstag soll die Umstellung stattfinden. Ganz wunderbar und nach dem Gespräch bin ich erschöpft und weiß, die Angst war da, aber nur kurz diesmal.

Samstag soll ich dann meinen neuen Router einrichten, mein Telefon einstöpseln und meine Geräte auf das neue W-LAN einstellen (oder wie dieser Vorgang auch immer heißt). Meine Nerven signalisieren heute schon, dass ich das nicht schaffen werde. Die Angst sammelt schon mal Feuerholz…….

Ich weiß nicht, was die Angststörung mir sagen will. Sie ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Sie macht heute keinen Sinn mehr. Ich begebe mich nicht in Gefahr, mein Körper reagiert trotzdem so, als ob es ratsam wäre, zu fliehen. Wegrennen, so weit ich komme. Oder erstarrt Zuhause zu bleiben. Allein kann mir nichts passieren. Allein kann ich nichts falsch machen, und wenn doch, dann merkt es wenigstens keiner.

Die gute Nachricht ist, dass ich doch schon eine Menge ohne Angst erledige. Es wird immer besser, weil ich nicht aufgebe. Weil ich selbst erkenne, wie absurd manche Gedanken sind, die mir Angst machen. Weil ich die ängstliche Regine gedanklich in den Arm nehmen kann.

Trotzdem: Ich will sie ganz loswerden, die Angststörung. Kann sie jemand von Euch gebrauchen?

 

 

 

Mann sein

Hallo Leute, wir haben Besuch vom dicken Osterhuhn.

DSC_0043

Es ist plötzlich da und hinter den Sonnenkugeln kaum zu entdecken. Frau Holle runzelt die Stirn. Sie holt ihren Kalender und vertieft sich darin. Sie brummelt Wörter, die sich anhören wie oh,oh, kann nicht sein, meine Güte, ach herrje und schon Ostern? Dann guckt sie mich mit großen Augen an und sagt: „Misi, in drei Wochen ist Ostern!“ Ich weiß nicht, was sie meint, aber das Osterhuhn hat wahrscheinlich etwas damit zu tun.

Ich langweile mich. Ich rutsche auf dem Bauch durch das Zimmer und suche Staubläuse. Dann gucke ich aus dem Fenster. Es ist draußen immer noch kalt, aber nicht mehr so doll. Frau Holle wagt sich schon wieder vor die Tür. Ich lieber noch nicht. Aber lange halte ich es auch nicht mehr aus. Der Frühling kribbelt und krabbelt im Bauch und ich brauche dringend eine Frau. Ein richtiger Mann ist erst ein richtiger Mann, wenn er eine Frau hat. Sobald die anderen aus der Starre kommen, suche ich mir eine.

Handyfrosch schüttelt den Kopf und sagt: „Darauf brauchst Du nicht zu warten! Im Handy sind auch Frauen!“ Er hat im Telefon Frauen? Er zeigt sie mir. Na ja, das sind keine richtigen Frauen, sondern Menschen. Handyfrosch erklärt: „Die suchen alle einen Mann. Weil sie ohne Mann keine richtigen Frauen sind.“ Ach so, das ist also bei den Menschen genau wie bei uns Fröschen? Frau Holle sitzt auf dem Sofa und tippt ihren Zeigefinger an die Stirn. Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber wahrscheinlich nichts Gutes!

Handyfrosch zeigt mir jetzt ganz viele Männer, die Frauen suchen. Na bitte, da kommen wir der Sache schon näher. „Gibt es so etwas für Frösche?“, frage ich. „Es gibt noch kein Dating Portal für Frösche, aber ich kann eins machen. Das nenne ich dann Parship for frogs. Alle zwei Sekunden verliebt man sich hier!“ Meine Güte, der ist ja heute richtig gesprächig.

Er tippt auf dem Handy herum und ein paar Stunden später bin ich sein erster Kunde und muss 1000 Fliegen bezahlen. Handyfrosch macht ein Foto und stellt es ins Netz.

IMG_1829
Frosch will endlich Mann sein und sucht anschmiegsame Frau. Gerne auch mit Kaulquappen.

Das mit den Kaulquappen finde ich nicht so gut, aber Handyfrosch sagt, das muss man schreiben, weil sich sonst keine Mädels melden. Die Kaulquappen kann ich dann ja in die Wüste schicken, wenn sie mich nerven.

Also, ich weiß nicht. In der Männergruppe käme das wohl nicht so gut an!