Nebelkalt

Mein Wunsch nach Möbeln ist geklärt. Ich brauche ein schönes, neues Bett. Aus Gründen.

Und morgen kommen meine Söhne und wir werden gecoacht, was die Idee meines Ältesten war. Ist ganz gut, wenn eine Außenstehende einmal kurz auf unser System guckt.

Ich bin gespannt, erwartungsvoll und auch ein wenig ängstlich. Vieles ist nicht so leicht im Leben. Für Mütter nicht und Kinder haben es auch schwer.

Hoffentlich geht alles gut mit Weitwegsohns An-und Abreise. Züge aus der Hauptstadt haben ja gerade massive Probleme.

Und jetzt werde ich ein wenig putzen und räumen und vorkochen.

Und weil es draußen so anders ist als meistens, hier ein paar Novemberfotos aus dem Garten:

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Zauber

Es wurde bitterkalt in der Nacht und jemand schien Sternenstaub ausgestreut zu haben. Es glitzerte und funkelte und prächtig gab sich der Sternenhimmel. Ich spazierte durch die verzauberte Nachbarschaft und war glücklich für einen Moment.

Festhalten kann ich das nicht, aber ich versuche es doch immer wieder. Hier meine Ausbeute von gestern und denkt Euch den wahren Glanz dazu!

Und dann dachte ich mir aus, dass meine Eltern und mein Exmann in Frieden bei mir sind. Passt: Morgen ist Totensonntag. Ein stiller Tag für mich, aber auch ein tröstlicher. Sie sind ja nicht so ganz verloren, solange sich noch jemand an sie erinnert.

Montag mal wieder…

Die Kontaktversuche mit meinen Geschwistern ist gescheitert. Sie haben genug zu tun und für die große Schwester keine Zeit oder kein Bedarf. Das ist in Ordnung. Nein, nicht ganz, aber ich kann nichts daran ändern.

Auch sonst ist nicht viel los mit mir und anderen. Das ist auch in Ordnung, denn meine Freundinnen und meine Kinder sind ja nicht wirklich weg. Und ich scheine gerade nicht so gesellig zu sein.

Wahrscheinlich wird nichts und niemand mir das Gefühl der Nichtzugehörigkeit nehmen können. Es ist einfach zu tief in mir verwurzelt, dieser Glauben, dass ich falsch bin. Viele meiner Generation kennen das.

Was bleibt? Mein gutes Verhältnis zu mir wird weiter ausgebaut. Ich lebe den Tag, so wie er kommt und achte darauf, viel draußen zu sein, solange die Sonne scheint. Ich schmücke mich mit Ketten und besorge mir Weihnachtliches. Was, verrate ich nicht, weil es einfach zu bekloppt ist, eigentlich. Ich werde mein Wohnzimmer aber zauberhaft gestalten und den Weihnachtsbaum schon früh aufstellen, so wie es die meisten mittlerweile tun. Traditionell schmückte ich ihn erst am Heiligabend, aber ich verlasse die Tradition und werden den Großteil der Adventszeit unterm Weihnachtsbaum verbringen. Jeden Tag wird neue Deko an ihn gehängt und mein inneres Kind jubelt und übt schon mal Weihnachtslieder.

Noch ist es nicht ganz soweit mit der Weihnachtszeit. Ich räume die Terrasse auf und freue mich über ihre herbstliche Sauberkeit.

Und dann wird die Wäsche aufgehängt.

Und dann setze ich mich und gucke in den Himmel, wo sich ein kleiner Regenbogen versteckt, obwohl es gar nicht regnet.

Und dann bleibe ich sitzen und lese ein neues Buch. Es heißt Wunderwerk Erde. So tolle Fotografien gibt es dort zu sehen! Christian Klepp hat im Fernsehen einmal gesagt, dass er schon mal 5 Jahre für ein Foto braucht, bis es so gelingt, wie er es sich vorstellt. Ich brauche nicht mal fünf Minuten für meine Bilder, aber die sind natürlich auch nicht vergleichbar. https://www.lesejury.de/christian-klepp/buecher/wunderwerk-erde/9783841908155

Und wenn ich fertig bin mit dem Lesen und Gucken und Staunen drehe ich noch eine Runde mit dem Rad und dann wird es auch schon dunkel.

Dann geht es rein und das ist auch gemütlich. Und ganz egal, ob ich dazu gehöre oder nicht ganz richtig bin, ich bin jedenfalls irgendwas und das die ganz Zeit. So. Und alles andere wird sich ergeben.

Einsicht und Aussicht

Die Einsicht, dass auch meine Kinder in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen sind, ist schmerzhaft. Ich dachte, es wäre nicht so gewesen, denn ich weiß, wie sehr ich meine Kinder liebte und liebe. Mein Mann und ich haben es anders gemacht als unsere Eltern. Aber es war nicht genug, auch wenn wir unser Bestes geben wollten.

In einer toxischen Beziehung kann das Familiensystem nicht funktionieren. Damals habe ich nichts über toxische Beziehungen gewusst, vielleicht gab es den Begriff auch noch gar nicht. Wir waren nicht glücklich miteinander und wollten das ändern. Doch sogar in den diversen Paarberatungen und Therapien durchschauten die Therapeuten und Therapeutinnen nicht, dass unsere Beziehung keine gesunde war, sondern darauf beruhte, dass ein Narzisst und eine Co-Narzisstin miteinander verbunden waren. Verbunden ist hier im Sinne von abhängig zu verstehen. Diese Verbindung hätte aufgelöst werden müssen. Aber davon war nicht die Rede, wir wollten die Familie zusammenhalten und das ging nur mit Veränderungen, und zwar hauptsächlich mit meiner. Ich lebte im Glauben, dass unsere Söhne mit ihrem Vater eng verbunden waren und ich die Harmonie mit meiner Unzufriedenheit, meinen ewigen Forderungen, meinen regelmäßigen Ausbrüchen und meinem weinerlichen Charakter störte. Vereinfacht ausgedrückt, aber nicht falsch.

Heute weiß ich, wie sehr die Kinder unter unserem Familiensystem gelitten haben. Wenn wir darüber sprechen, sehe ich es ihnen auch an. Und das tut weh.

Nach der Scheidung ahnte ich immer noch nicht, was passiert ist. Erst nach und nach konnte ich die Ursachen der Distanz zwischen meinen Kindern und mir erkennen. Mein Mann ist vor ein paar Jahren gestorben und das Verhältnis zu meinen Söhnen veränderte sich so allmählich zum Guten. Beide leben in glücklichen Beziehungen (wage ich mal zu behaupten) und meine Mutter-Rolle veränderte sich rasant.

Dass wir aktuell miteinander intensiv ins Gespräch kommen, zeigt mir zum Glück, dass trotz der großen Schwierigkeiten auch vieles gelungen ist. „Irgendwas ist da, aber eigentlich ist doch alles gut,“ sagte mir ein Sohn, bevor wir uns ziemlich fest drückten.

Was wirklich schwer zu tragen ist, ist der Gedanke, dass ich nachträglich nichts verändern kann. Ich kann mein Leben nicht noch einmal von vorne beginnen und es meinen Kindern so schön machen, wie sie es verdienen.

Und damit komme ich zu meinen Eltern, denen es wahrscheinlich so ähnlich ergangen ist. Mein Vater hat mir, kurz bevor seine Demenz ausbrach, gesagt, dass ihm so vieles leid tue, was er mir angetan hat. Der eine Satz hat ausgereicht, dass ich mich auf den Weg machen konnte, mich innerlich mit meinen Eltern zu versöhnen. Ob sie sich genauso fühlten wie ich heute, als ihnen klar wurde, dass sie ihre Liebe im Umgang mit uns Kindern nicht so umsetzen konnten, wie sie eigentlich wollten? Leider kann ich sie das nicht mehr fragen, aber ich kann nachspüren und auf irgend eine Weise scheine ich mentalen Kontakt zu meinen Eltern zu haben. Zumindest in meiner Gefühlswelt ist es so und das reicht ja auch aus. „Ja“, meinen sie. „Auch für uns war es schwer. Aber du, Tochter, bist doch trotzdem gut gelungen.“

Dass es so viele Generationen braucht, um die schädlichen Familienmuster zu durchbrechen, ist doch sehr anstrengend, oder?

Als ich gestern auf der Terrasse mein Gesicht in die Sonne hielt und darüber sinnierte, sah ich Schmetterlinge flattern. Dass sie echt waren, beweisen mir meine Fotos und abends gab es einen herrlichen Sonnenuntergang mit Gänsen zu beobachten. „Ist doch alles gar nicht so schlimm“, sagte eine innere Stimme und ich glaubte ihr.

Dünnhäutig

So, nun ist es passiert. Ich habe mich fluchtartig entfernt. Eigentlich wollte ich mich beim QiGong entspannen und freute mich darauf. Als ich den Übungsraum betrat, schien eine heftige Impfdebatte im Gange zu sein. Heute hielt ich es nicht aus, gelassen und im Raum zu bleiben. Schneller als ich denken konnte, war ich wieder draußen.

So spontane emotionale Reaktionen passieren mir nur noch selten, aber heute kam mir zu viel negative Energie von innen und von außen zusammen. Ich wollte mich einfach nicht zusammenreißen.

Eine Teilnehmerin machte sich vor ein paar Wochen heftig lustig darüber, weil ich im Gebäude eine Maske trug. Darum fühle ich mich seit einiger Zeit schon leicht angespannt in dieser Gruppe, in der ich sowieso schon mit meiner Einstellung zur sogenannten Schulmedizin, der ich viel verdanke, so ziemlich alleine bin. Aber bis jetzt war ich gut in der Lage, tolerant zu sein, die Andersdenkenden anders denken zu lassen, meine Meinung zu sagen oder bei mir zu behalten, je nachdem, und mich dabei wohl zu fühlen.

Heute war ich zu empfindlich. Heute hielt ich es nicht aus. Meine Güte.

Jetzt sitze ich hier und denke, dass es doch richtig war, mich zu entziehen. Ich wollte nicht so tun, als ob ich mich wohl fühle, ich wollte meine Gedanken nicht aussprechen, ich wollte auch nichts über die Corona – Maßnahmen hören, und ich war mir sicher, dass es mir nicht gelingen würde, entspannt meine Übungen durchzuführen.

Oh oh oh.

Nächste Woche werde ich es neu angehen mit dem QiGong in der Gruppe. Ist ja schließlich schon bezahlt.

Um jetzt wieder in die positive Energie zu kommen, schüttle ich mich kräftig, richte mir mein Krönchen und zeige Euch ein bisschen Herbst aus dem Wendland.

Machen und denken

Machen und denken

Stöbern im eigenen Blog ist manchmal überraschend. Oder beschämend. Oder erkenntnisreich. Oder lustig.

Schon 2016 war ich unzufrieden mit dem Alleineleben und fragte mich ganz öffentlich, ob es nicht Zeit wäre, mich nach anderen Wohnformen umzuschauen. Jetzt haben wir 2022 (gefühlt bin ich irgendwie noch bei 2020) und ich frage mich das immer noch. Ja, ich will mir eine Wohnfamilie suchen und nein, ich will das doch lieber nicht.

So wird das nichts mit den Veränderungen!

Nachdem ich mir den Film „Pride“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Pride_(Film)) angesehen habe, war ich so aufgeweicht, dass ich sofort Schritte unternahm, mit meinen Geschwistern per Mail den Kontakt aufzunehmen. Wir haben seit Jahren keinen mehr und ich fühle mich damit entwurzelt. Ich nahm also Kontakt auf und bekam ziemlich schnell eine eindeutig abschlägige Antwort. Ich war nicht traurig, sondern eher erleichtert. Klare Kante ist besser als gar keine Reaktion, wie im zweiten Fall.

Morgen starte ich einen Versuch und biete im Mehrgenerationenhaus einen wöchentlichen Gesprächskreis an.

„Wir wollen reden… und ein wenig Philosophie in den Alltag holen, indem wir über unsere Gedanken und Meinungen zu vorher festgesetzten Themen sprechen.“ So habe ich das angekündigt und ein paar Themenvorschläge gemacht. Philosophie bedeutet übersetzt „Liebe zum Wissen“ und es werden grundlegende Fragen des Lebens behandelt und versucht, die Welt zu verstehen sowie die menschliche Existenz zu deuten. Viele Menschen denken (auf das eigene Leben bezogen) darüber nach. Darüber möchte ich mich mit anderen austauschen und über unsere Denkweisen, Lebensauffassungen, Urteile und Vorurteile sprechen.

Keine Ahnung, ob das funktioniert. Versuch macht kluch. Ein wenig aufgeregt bin ich schon. Kann ich überhaupt noch eine Gruppe anleiten? Das wollte ich ja nie wieder machen, aber jetzt bin ich ganz zuversichtlich und will es wagen. Es kann ja auch nichts passieren, eigentlich. Und alles ist besser, als sich nicht zu bewegen, oder?

Und jetzt noch ein paar Fotos vom Sonntag, die ich in einer Gartenkolonie geschossen habe. Menschenwelten und ihre Abgrenzungen…

Rundgang am Sonntag

Es ist Sonntag und ich will mich zu Fuß durch Lüchow bewegen. Das habe ich lange nicht mehr gemacht. Ich fahre ja eher mit dem Rad, ist entspannter für mich, weil nicht so schmerzhaft. Aber wenn ich so wenig gehe, wird es auch nicht besser mit mir.

Also hopp hopp hopp die neuen Schuhe angezogen, den kleinen Fotoapparat geschnappt, die „Touristenbrille“ aufgesetzt und los marschiert. Erstaunlich, was ich alles entdecke, wenn ich so tue, als sei ich nicht von hier. Und gehen entschleunigt wirklich ganz wunderbar, zumal ich eine von der langsamen Sorte geworden bin. Früher….ach, egal.

Stolz und zufrieden erreiche ich nach 85 Minuten mein Heim und ja, mir tut alles und viel weh. Aber immerhin kann ich noch……

November gucken

November gucken

„Komm, wir gucken November!“, denkt sie und geht zum Fenster. Fenstergucken macht sie ganz gern. Aber wer ist hier wir? Ihr Fotoapparat und sie in diesem Fall.

Seltsam, diese Mischung aus früher Dunkelheit, Herbstgefühl und dem letzten Sommerblumengruß. Es wird kalt und sie nimmt ihre Heizung in Betrieb. Nützt ja nichts, frieren will sie nun auch wieder nicht.

Sie denkt daran, dass bald die Vorweihnachtszeit beginnt. Dann will sie umdekorieren und es sich geborgen machen.

Vielleicht wird es schön.

„Früher war mehr Lametta“, denkt sie und will doch lieber nach vorne gucken. Niemand wird ihr verbieten, das Lametta aus der Kiste zu holen und in die Weihnachtsstube zu werfen.

Und vielleicht bloggt sie wieder einen Adventskalender. Mit Fröschen oder ohne, mal sehen…..

PS: Und dann sieht sie einen Film, der ihr Herz wärmt und die Seele weckt. Für trübe Tage genau das Richtige, denkt sie und weint in ihr Taschentuch. Sie fühlt das Leben und die Hoffnung. (https://www.arte.tv/de/videos/073003-000-A/pride/)