Plan wirkungslos

Gestern wollte ich mit dem Rad neue Wege finden. Ich habe sie nicht gefunden. Oder doch, ich fand sie, aber sie führten mich nicht an mein geplantes Ziel. Ich fuhr kreuz und quer und fand doch nicht den Deichverteidigungsweg, den ich in so schöner Erinnerung hatte. Ich wusste gar nicht, dass es so viele kleine Wasserwege gibt, die mir brückenlos den Weg versperrten. Oder stillgelegte Eisenbahnbrücken, die mit dem Rad und meinen Arthrosehänden unüberwindbar waren. Und wie oft erblickte ich auf der anderen Seite des Flusses den Weg, den ich wollte und der doch so unerreichbar war. Ich musste häufig umkehren, so dass ich am Ende die Orientierung völlig verlor. Zum Glück gibt es Wegweiser an Straßen, denen ich ungläubig, aber erfolgreich folgte. Ich war nicht weit weg von zu Hause, aber lange unterwegs. Und es hat Spaß gemacht. Ich habe mich direkt verreist gefühlt. Mir waren die Wege ja eigentlich von damals, als es noch die langen Sonntagspaziergänge mit meinem Mann gab, bekannt. Aber jetzt wirkten sie fremd und abenteuerlich.

Das nächste Mal probiere ich, etwas weiter zu kommen. Vielleicht sogar bis nach Dannenberg. Aber heute setze ich erst einmal meine Tulpenzwiebeln. Dieses Jahr kommen auch ein paar in den Vorgarten. Dann haben wir im Frühling alles etwas davon.

Im Sonnenlicht glitzerten die Tautropfen und die fliegenden Spinnweben. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist doch gut, dass ich den gewollten Weg nicht fand! Denn dann hätte ich diesen hier versäumt.

Unzufrieden mit der Gesamtsituation

Heute ist es mir zu warm und zu sonnig draußen. Die Temperaturen fühlen sich falsch an. Ich bin unzufrieden mit mir und der Welt. Ich will am liebsten kistenweise Schokolade und Kuchen in mich rein tun. Die Vernunft schüttelt streng den Kopf und schickt mich in den Keller, damit ich die Wäsche in die Maschine stopfe. Diese kann dann später im Garten trocknen. Nachher soll ich Salat essen und mich bewegen. Herumliegen ist heute nicht.

Gestern war besser: herbstlich im Herbst und somit stimmig. Regen und Wind erlaubten mir, mich auf das Wohnsofa zu verkrümeln und den Weltschmerz wegzulesen. Für ein paar Fotos genügte der Blick aus dem Fenster.

Gänse überflogen meine kleine Stadt den ganzen Tag über. Ich bekam Sehnsucht nach Gruppenzugehörigkeit und Fernweh und wollte Gans sein. Oder Schaf. Ging natürlich nicht und darum blieb ich Mensch und bestieg mein Fahrrad, als die Abenddämmerung einbrach. Der Wind hatte nachgelassen und es regnete nicht mehr. Eine Völkerwanderung schien eingesetzt zu haben. Unten die Schnecken, Leute, Hunde und oben die Gänse.

Zum Glück bezieht sich gerade der Himmel, wird grau und spiegelt meine schlechte Laune. Die Sonne ist beleidigt. So geht Herbst und meine Stimmung hellt sich auf! Obwohl meine Wäsche nun draußen nicht mehr trocknen wird. Auch blöd.

Eins ist sicher

Unsicherheiten aushalten. Gut, das übe ich gerade. Nicht so gut geht es mir im Moment damit. Aber immerhin weiß ich, warum ich mich so schwammig fühle. Und ich weiß, was dagegen hilft. Bewegung in der frischen Luft! Ich steige auf das Fahrrad und bewege mich heute einmal nicht durch die freie Natur, sondern durch mein kleines Städtchen. Mal sehen, wohin der Weg mich führt.

Na gut, das ist eher Stadtrand. Schon geht es mir ein wenig besser. Ich vermisse das erste Mal in diesem Jahr meine Handschuhe, als ich mich in die Innenstadt begebe. Es ist doch herbstlich kalt geworden.

Ohne Plan fahre ich irgendwie irgendwohin und lande am Friedhof. Das ist ja super und wird meine Stimmung gleich aufhellen. Zuletzt war ich mit meinem Mann vor vielen Jahren hier. Ich denke an ihn und irgend etwas treibt mich an, mein Fahrrad abzustellen und über den Friedhof zu schlendern. Nachdenklich stimmen mich die Geburts- und Todesdaten. Viele Menschen durften nicht so lange leben wie ich.

Ich entdecke bekannte Namen, natürlich, Kleinstadt eben. Mir wird ganz schwindelig vom Grabschmuck. Auf vielen Gräbern befinden sich Engel, Fotos, Spielzeug, Fußball-Fan-Artikel und anderes. Ich fotografiere das lieber nicht, denn ich will nicht zu sehr in das Private der anderen Leute eindringen.

Ich entdecke noch ein paar Schmetterlinge und so manche Kuriosität, die mich schmunzeln lässt. Ein paar Vögel zwitschern und mir scheint alles ziemlich lebendig hier. Mir wird wieder einmal bewusst, dass es niemals Sicherheit geben wird. Nur dass ich eines Tages sterben werde, daran führt kein Weg vorbei. Ich bin dankbar für meine Lebenszeit und alles, was mich so umtreibt, scheint mir gerade relativ geringfügig zu sein. Das ist gut.

Und jetzt Schluss mit den bedeutungsschweren Gedanken. Ich fahre auf dem Heimweg durch eine Straße der lebendigen Erinnerungen. Hier wohnten wir in zwei verschiedenen Häusern. Einmal zur Miete und dann im Eigenheim. Heute lebe ich am anderen Ende der Stadt.
Als ich zu Hause ankomme, sitzt dieser Riesenvogel auf dem Schornstein gegenüber. So etwas gab es hier auch noch nie. Alles ist ungewiss, aber etwas passiert immer. Spannend, oder? Mal sehen, wie es weitergeht.

Anker-Bilder

Wenn mich etwas oder jemand aus der Fassung bringt, liegt die Verantwortung dafür häufig bei mir selbst. Ich verliere meinen Standpunkt und mein Selbstbewusstsein will weg. Wie schön wäre es, könnte ich dem anderen die Verantwortung für meine schlechte Verfassung zuschieben. Ersatzgefühle rumoren. Unruhe und Lähmung, Fluchttrieb und „Kopf in den Sand stecken wollen“ gleichzeitig. Wie anstrengend. Ermüdend. Nutzlos.

Es dauert meist eine Weile, bis ich wieder bei mir bin. Wenn der Bauchdruck weg ist und die Gedanken nicht mehr kreisen, sondern fließen, dann ist es wieder gut und ich fühle mich in meiner Fassung wohl.

Mir hilft das Fotografieren, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, mich in die Gegenwart zu verankern sozusagen. Und darum nenne ich sie meine Anker-Bilder. Sie helfen mir, meine Fassung aufzupolieren und damit das Selbstbewusstsein zu stärken. Guter Trick, oder?

Also hier die Fotos zum Thema: Der Herbst ist da und ich bin es auch wieder!

Arendsee

„Oh, schon wieder letzter September-Tag“, dachte ich gestern und beschloss, ihn mit einem kleinen Ausflug zu würdigen. Gedacht, getan. Ich bockte mein Fahrrad auf und fuhr mit dem Auto zum nahe gelegenen Arendsee (https://de.wikipedia.org/wiki/Arendsee_(See)).

Zu Fuß kann ich ihn wohl nicht mehr umrunden, aber mit dem Fahrrad schon. Ich radelte fröhlich durch die beginnende Herbstlandschaft und dachte an vergangene Zeiten. Doch ja, der Herbst machte sich bemerkbar, aber der Sommer war noch nicht so ganz verschwunden. Ich war lange nicht mehr hier und freute mich, dass es die Gänse immer noch gab. Na ja, es werden nicht dieselben sein, ich weiß. Und lange werden auch diese nicht mehr hier verweilen, denn Weihnachten…..Och nö, daran wollte ich jetzt nicht denken.

Mich faszinieren immer wieder die abgeschlossenen Türen mitten in der Landschaft. Ich wundere mich darüber. Würde ich meinen Steg freigeben, wenn ich hier ein Sommerhaus hätte? Vielleicht.

Es war eine schöne Tour und gerade als ich dachte, ich hätte wohl die Hälfte geschafft, war ich schon wieder an der Treppe, die ich nehmen musste, um zum Auto zu gelangen. Huch, schon rum? Ich hatte den Eindruck, ich bin fast immer geradeaus gefahren, aber auf dem Rad verliert man schnell den Überblick.

Und heute ist der 1. Oktober. Der Sommer ist vorbei. Ich bereite mich mental darauf vor, mich von meinen Blumen im Garten so allmählich verabschieden zu müssen. Das freut mich nicht. Ist aber trotzdem so.

Nachtrag: Als ich eben durch den Garten und Vorgarten spazierte sah ich: es ist noch eine Menge los! Ich verordne mir folgendes Rezept zum 1. Oktober: Nicht so oft an später denken, sondern den Augenblick genießen!

Wird wieder!

Mein Inneres Kind verlangt nach Trinkschokolade, macht es sich gemütlich und sagt: „Erzähle mir von früher!“ Und ich fange an:

„Das reicht für heute,“ sagt das Kind und weiß, es wird wieder! Es vertraut auf meine guten Ideen! Und heute genießen wir den verregneten Sonntag auf dem Sofa. Energie sammeln, Ihr wisst schon!

Schön ist die Welt?

Schön ist die Welt?

Schön ist die Welt, darum Leute lasst uns reisen, wohl in die weite Welt, wohl in die weite Welt. Nö, mache ich nicht. Erstens ist die Welt gerade nicht so richtig schön..❓…na gut, das will ich so nicht sagen und denken. Traumhafte Landschaften warten auf mich. Sie wollen gesehen werden…❓…..Ach so, nein, den Landschaften ist es wahrscheinlich egal, ob ich komme oder nicht, sie wollen ihre Ruhe.

Ich werde zu Hause bleiben. Meine Pflanzen betüddeln und den neuen Sichtschutzzaun genießen. Ich habe jetzt auch draußen eine ordentliche Privatsphäre. Hören ja, aber sehen..😁..damit ist jetzt Schluss. Das gefällt nicht jedem, aber mir.😎

Wisst Ihr noch, dass ich mir vor über einem Jahr einen Kupplungsträger gekauft hatte? https://frauholle52site.wordpress.com/2019/06/15/radius-erweitern/ Schon die Anschaffung regte mich furchtbar auf. Und wie ich nun einmal bin, brachte ich das Ding mitsamt Nummernschild in meinen Schuppen und da blieb es dann auch die ganze Zeit über liegen. Immerhin sah ich es mir ab und zu zweifelnd an.😬 Alles, was mit Technik und stecken und Steckern zu tun hat, macht mir Angst und beim Auto erst recht. Unfassbar blöd, aber nicht zu ändern.😳

Dann vergaß ich diese Angelegenheit.😅

Bis ich Freitag einen Entschluss fasste und meinen mich besuchenden Sohn und seine Freundin bat, mir den Kupplungshänger oder Fahrradträger oder wie immer das auch heißt, anzubringen. Am Auto! Ruckzuck war das getan und ich befestigte mein Fahrrad selbst und ganz alleine💪 und fuhr eine Proberunde. Mein Besuch sagte mir, dass mein Fahrradträger links blinkt, wenn das Auto rechts anzeigt und umgekehrt. Zügig steckten die beiden den Stecker um und alles hatte seine Richtigkeit.👍

Und weil ich nicht wieder ein Jahr warten wollte, machte ich mich Samstag mit Auto und Fahrrad und Fotoapparat auf den Weg!!!!!🥁🏆

Ich parkte in Gartow und fuhr mit dem Rad zum Ruhe Forst. Dann noch weiter fast bis zur Elbe und zurück. Und schnell noch um den See geradelt und frohgemut das Rad wieder ans Auto gedockt. Reibungslos. 💪💪💪

Und ich schmetterte das Lied auf dem Rückweg von der schönen Welt in die Gegend, denn da, wo ich war, war sie wirklich schön, die Welt. 🌞