Sonntag

Ich fahre endlich wieder mit dem Rad! Landschaft, wohin das Auge blickt. Hört Ihr die Stille? Nein? Ach so, was da so knarrt, ist mein Lenker. Muss ich nachher bearbeiten. Das ist ja nicht auszuhalten!

Während ich ganz allein und hier bleiben muss, dürfen andere Gruppenreisen buchen.

Ich fahre nach Hause und repariere meinen Lenker. Dann setze ich mich mit Tee in den Garten und lese „Die Pest“. Nichts, was wir gerade erleben, ist neu. Mit dieser Erkenntnis esse ich meinen Sonntagskuchen und genieße diesen wunderbaren Nachmittag.

So, liebe Leute, das Wochenende hätten wir mal wieder geschafft. Hoffentlich habt Ihr es auch gut gehabt!

Viel passiert

Mein Badezimmer und die Gästetoilette glänzen und strahlen mich aufgeräumt an. Ich überlege, wie ich meine Wohnung am besten so wunderbar sauber halte. Soll ich meine Nachbarin fragen, ob ich bei ihr wohnen darf? 😉

Ach nein, jetzt ist aber gut. Ich putze ja nicht andauernd, es passiert ja sonst noch sehr viel Spannendes:

16. Februar: Wenn ich aus dem Schlafzimmerfenster spähe, entdecke ich, dass die Sonne sich immer später bettgehfertig macht.
17. Februar: Die Sonne verändert also ihren Stand und zaubert die ersten „Frühlingsschattenspiele“ ins Wohnzimmer.
18. Februar: Meine gefegte Schneewehe verzieht sich.

Im Garten ist auch nicht mehr viel davon übrig.

19. Februar: Ich sitze auf der Terrasse und sonne mich. Manchmal lohnt sich ein Himmelsblick. Und auch sonst können wir uns auf den Frühling einstellen, oder? 🌞

Zufrieden ist das kleine Glück

Zufrieden ist das kleine Glück

Zufrieden klappe ich das Buch „Mut und Menschlichkeit. Als Arzt weltweit in Grenzsituationen“ von T. Stöbe zu. ( Tankred Stöbe – Wikipedia ) Zufrieden und dankbar, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Ich wusste es, aber jetzt im Alter und nach dieser Lektüre fühle ich es auch. Ich lebe im Schlaraffenland.

Ich bin ein Nachkriegskind, habe das Elend der Nazizeit und des Krieges nicht direkt erlebt, sondern die Traumata meiner Eltern und Großeltern „nur“ geerbt. Ja sicher, war und ist schwierig, aber nicht mit dem zu vergleichen, was so viele Menschen weltweit erleiden müssen. Ich trage mein Päckchen, habe aber das große Glück, vieles aufarbeiten zu können. Als meine Kinder noch Kinder waren, verdienten wir wenig Geld, aber wir wurden immer satt und hatten ein gutes Leben.

Ich lege das Buch auf den Stapel der Bücher, die ich weitergeben möchte. Nichts ist selbstverständlich, denke ich. Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie, werden die Unterschiede von reich zu arm und bitterarm noch einmal deutlich. Nichts von dem, was ich besitze, ist selbstverständlich: Rente, Wohnung, Heizung, Strom, Essen, Wasser, Frieden, Krankenhäuser, Ärzte, Freiheit, Leben. Ich habe das alles, ich vertraue darauf, dass es bleibt, ich weiß und fühle dennoch: alles kann sich ändern. Man kann zu diesem Thema, wenn man will, die Mini-Serie „Years and Years“ ansehen (Years and Years: Britische Drama-Serie – ZDFmediathek). Auch wenn sie eine Fiktion ist, die gesellschaftliche Entwicklung könnte dahin gehen. Und ich könnte das noch erleben. Also, nichts war, ist und bleibt selbstverständlich.

Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen wie Tankred Stöbe gibt, die über ihre Arbeit berichten. Stöbe beschreibt kurz, verständlich und objektiv die politischen Entwicklungen und die Aufgaben in seinen jeweiligen Einsatzgebieten. Sehr persönlich schreibt er dann über seine Arbeit. Er erzählt von einigen Menschen, denen er helfen konnte und von einigen, für die es keine Hilfe mehr gab. Er verliert trotz seiner schweren Arbeit nicht den Humor, der auch im Buch neben all dem Schweren nicht zu kurz kommt.

Also, nichts ist selbstverständlich. Ich bin dankbar, dass ich es so gut habe und dass meine Kinder gesund und meistens auch munter sind.

Es ist nicht immer so einfach zu wissen, was weltweit passiert. Manchmal wäre es wohl ganz schön, auf einer kleinen Insel zu leben und von draußen nichts mehr zu sehen und zu hören. Aber das Draußen gehört doch auch in meine Welt. Und damit es mir trotzdem gut gehen kann in meinem Luxusleben, setze ich im Alltag meine „Anker“. Ich habe kein schlechtes Gewissen, aber ich weiß und fühle: Alles was ich habe ist nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk. Und damit schließe ich und zeige Euch ein paar letzte Schneefotos. Denn es wird wärmer und der Frühling ist auch nicht mehr weit. Ich lasse die Leute reden vom Osterurlaub und der Normalität, die ihnen jetzt aber nun endlich zusteht. Nein, denke ich, mir steht gar nichts zu. Ich habe bisher nur großes Glück gehabt. Und mit diesem Gedanken lade ich die Zufriedenheit ein, bei mir zu bleiben.

Nanu, geht doch👍!

Wie absurd, denke ich, wenn mich Nachrichten von draußen erreichen. Ich komme kaum noch mit und frage mich: Liegt es an mir oder an denen. Ich finde ja, dass ich nicht bekloppt bin, also müssen die es sein. Thema beendet.

Gestern, der Himmel war blau und die Sonne strahlte übers ganze Gesicht, wollte ich spazieren gehen. Ich nahm meine Mütze, die schon seit Jahren hier herumliegt und ich ja keine Mützen mag, also, ich nahm gestern meine Mütze und setzte sie auf. Jacke, Schal, Handschuh, Stiefel, Fotoapparat (der kleine) und natürlich Taschentücher nicht vergessen. Was für ein Geplünn.

Ich marschierte los und die Sonne schien mir auf den Kopf. Unter der schwarzen Mütze wurde mir doch sehr warm und so setzte ich sie ab und wieder auf, wenn ich Schattenwelten betrat. So ging es weiter, immer weiter. Ich vergaß, dass ich eigentlich so lange Wege nicht mehr gut schaffe, und erwanderte meinen kurzen Fahrradrundweg, den ich, wie der Name schon andeutet, gerne mit dem Fahrrad fahre, wenn kein Schnee liegt, was ja meistens der Fall ist. Sehr erstaunt stellte ich fest: Geht doch besser als erwartet. Ich erkundete meinen Radrundweg zu Fuß und erkannte: Die Jeetzel sieht verfroren zugefroren aus. Das hat jetzt Nachrichtenwert, weil ein solches Ereignis selten stattfindet.

Ich freute mich, das das Gehen so gut ging. Gehen im Schnee ist wie Gehen im Sand. Und im Sand, am liebsten am Meer, geht das Gehen einfacher als auf dem Pflaster. Ach ja, und ich hatte morgens meine Tablette genommen, weil die Schmerzen so schmerzten. Und nach knapp zwei Stunden hatte ich die Strecke tatsächlich fast geschafft. Meine Füße und mein Knie taten erst auf den letzten Metern so richtig weh. Egal, da musste ich jetzt durch. Am besten an etwas anders denken. Das tat ich und kam wohlbehalten, glücklich und stolz zu Hause an.

Und gleich gehe ich wieder los. Mit Mütze auf dem Kopf und Tablette im Bauch. Die ist jetzt das kleinere Übel. Der Valentinstag ist mir übrigens völlig egal. Ich finde ihn absurd und darum ist das Thema abgehakt. Sollte er Euch aber erfreuen, jeder Mensch ist ja anders, wünsche ich Euch Romantik satt. Allen anderen: Habt einen schönen sonnigen Sonntag!

Doch ganz schön

Als es dunkel wurde, begann der Schnee zu glitzern und zu funkeln. Ich wunderte mich sehr und war hingerissen von dieser Schönheit. Ein Sparziergang war nun fällig, denn das Winterwetter schien jetzt doch ganz schön zu sein. Ich zog mich warm an und stapfte los, nämlich hinten raus durch den Garten. Dort war ich schon lange nicht mehr. Schneegestöber hat mich weitgehend im Haus gehalten und Schneeschieben war nur vorne dran. Also ging ich hinten raus und ehe ich mich versah, versank ich im Carport in einer Schneewehe so hoch wie meine Beine lang sind. Also fast! Meine Güte, dachte ich, das muss weg, bevor es noch höher wird. Oder Tauwetter einsetzt, denn wenn das hier erst eishart geworden ist, komme ich wochenlang nicht weg mit dem Auto. Ich will nicht Autofahren, aber spätestens nächste Woche muss ich zum Einkaufen. Leider gibt es im Landkreis keinen Lieferdienst, so wie in Berlin. Mein Sohn erzählte mir von seinem Lieferdienst und ich dachte, das will ich auch. Kein Lieferdienst in der Provinz. Nur Paketdienst. Aber jetzt komme ich von der Glitzerwelt ab, von der ich ja eigentlich berichten wollte.

Vor der Arbeit aber wollte ich Vergnügen und so schlitterte ich meinen kleinen Rundweg entlang. Das Weihnachtshaus war noch voll beleuchtet, was im Schnee ja toll aussah, aber mir wurde trotzdem nicht weihnachtlich zumute, obwohl die Kirchenglocken bimmelten. Nein, Weihnachten ist vorbei! Aber Schnee ist trotzdem schön. Tausend Milliarden Diamanten schienen einfach nur so herumzuliegen. Damit wäre die Krise finanzierbar, dachte ich, wenn der Schein nur nicht trügen würde. Der zauberhafte Eindruck war trotzdem wahr.

Wieder zu Hause angekommen, schippte ich meine Schneewehe aus dem Carport und atmete heftig. Das ist auch Sport, dachte ich. Und zu guter Letzt versuchte ich im Garten das glitzernde Gefunkel festzuhalten, was natürlich nur unzureichend gelang. Schnell ging es wieder in die gute Stube und ich fand sie in diesem Augenblick besonders gemütlich.