Fast Mittsommer 🌞

Sehr früh am Morgen ist es draußen am schönsten. Ich radle los und treffe die Berufstätigen, die zur Arbeit eilen. Alle grüßen fröhlich und die Tierwelt ist auch putzmunter. Vögel zwitschern, der Kuckuck ist noch im Lande und meldet sich. Überall wird fleißig Futter gesucht und in Lüchow wird fleißig Kunst ausgestellt. Die Luft perlt wie Sekt und ich tanke Frische, denn schon bald wird es drückend heiß werden. Dann mache ich zu Hause die Schotten dicht.

Sommer

Vergangenheit und Zukunft sind nur Gedanken und Gefühle, der Moment lässt sich nicht festhalten. Es gibt nichts, was ich dagegen tun kann. Ich kann mich aber hingeben und fühlen, dass ich hier bin. Jetzt.

Tagesbeginn

Ein Sonntagmorgen im Juni mit Sonne und Glockengeläut versetzt mich in Urlaubsstimmung. Dabei bin ich nicht weg, sondern zu Hause. Meinen Vorsatz, Mohn und Co nicht schon wieder zu fotografieren, lasse ich sausen. Zu schön ist es bei meinen Blumen und es herrscht dort ein großes Gesumme und Gebrumme. Ich fotografiere also und bringe ein paar Bienen gut ins Bild. Aber leider, leider, bin ich zu voreilig und lösche sie alle auf der Speicherkarte und dabei übersehe ich, dass es nur ein Foto von vielen auf meinen PC schaffte. Ich ärgere mich nicht, also fast gar nicht, denn das bringt ja nichts, das Ärgern über meine Schusseligkeit. Ich gehe also wieder raus und die zweite Ladung ist nicht gelöscht, zeigt aber überwiegend nur die Blumen, denn die können im Gegensatz zum Insektenvolk nicht weg. Die Bienen sind nach Hause geflogen, es ist ihnen wohl zu warm geworden oder sie wollen mich ein wenig necken. Und die Glocken bimmeln auch nicht mehr. Sonntag ist aber immer noch und ich weiß noch nicht, was ich mit ihm anfangen werde. Der Tagesbeginn hatte ja schon viel Schönes zu bieten, mal sehen, was noch kommt. 🌞

So oder so, frau schlägt sich durch

So oder so, frau schlägt sich durch

Im Traum war schon Hochzeit und ich habe die Zeremonie auf dem Standesamt verpasst, weil mir niemand Bescheid sagte und ich weinte sehr, weil mein Sohn jetzt anders heißt und niemand tröstete mich auf der Feier, man ließ mich weinen, weil es ja doch nur Theater war. Ich wollte mich den Menschen anschließen und lustig tanzen, musste aber laufen, um eine Toilette zu suchen. Und ich fand eine und nutzte sie. Und musste immer noch und suchte weiter, lief durch endlose Gänge, bis ich die Übersicht verlor. Ich wachte auf und musste mich sehr beeilen, um rechtzeitig zur eigenen Toilette zu gelangen.

Meine Güte, alles drin im Traum. Meine Sorge, vergessen zu werden, die ich schon aus der Kinderzeit kenne. Der ewige Kampf mit dem Loslassen, die Trauer um vergangenes Familienleben, die Unsicherheit, ob ich alleine zurechtkomme und dann natürlich das Toilettenproblem. Je älter ich werde, umso wichtiger wird es, immer zu wissen, wo es eine gibt.

Es war kein schöner Traum. Er wirkte lange nach. Und gestern kam, was ich bestellte: ein Fascinator für mein Bräutigam-Mutter-Outfit. Ich kannte das Wort bis vor kurzem gar nicht und nun besitze ich so einen leichten Kopfschmuck für Frauen (https://de.wikipedia.org/wiki/Fascinator). Ich trage keine Hüte oder so etwas und ob ich mir das Ding in der Öffentlichkeit dann tatsächlich aufsetzen werde, ist noch höchst fraglich. Ganz niedlich ist es ja und meiner Meinung nach passt es zu den übrigen Kleidungsstücken. Aber werde ich mutig genug sein, so vor dem Standesamt mitten in der großen, großen Stadt zu erscheinen? Und niemand sonst trägt etwas auf dem Kopf? Nur ich? Stoff für neue Albträume. Ja, so bin ich.

Ich erinnere mich gerade, wie ich in Douala nicht wusste, ob ich mir die Brosche rechts oder links anstecken sollte und sich ein afrikanischer Freund ausschütten wollte vor Lachen. Es wäre doch völlig egal, wie und wo ich mir Schmuck anlege, es täte doch keinem weh. Einfach machen, sagte er, einfach machen. So ist es vielleicht ja auch mit Federn auf dem Kopf. Sie tun nicht weh und vielleicht lachen mich ja doch alle aus. Merkt ihr, oder? Ich kann nicht aus meiner Haut.🤦‍♀️

Meine Knie jedenfalls tun jetzt beide weh und ich ermahne mich jeden Tag, mir nicht auszumalen, wie die Schmerzen immer schlimmer werden, bis ich mich im Urlaub gar nicht mehr bewegen kann. Ich will mich auf das Hier und Jetzt konzentrieren und hier und jetzt ist es noch nicht so furchtbar schlimm. Nur lästig.

Und dann ärgere ich mich über meine Zeitung, in der alte Menschen traditionell als Oma und Opa betitelt werden. Ich fand das schon immer respektlos. Zum Glück bin ich im Lesebeirat und habe mein Thema für das nächste Mal gefunden.

Außerdem juckt es mich an einer Stelle am Rücken, wo ich mich nicht kratzen kann. Auch das noch. Leute, Leute, was bin ich heute doch wieder so negativ. Dabei verdränge ich noch alle Themen, die mit Pandemie, Klima und Krieg zu tun haben. Das ist harte Arbeit, das kann ich Euch sagen!

Also jetzt aber schnell positiv denken: Sommer, Sonne, Mohn, gute Bücher, prima Serien, Wochenende, Badesee vielleicht, Vorfreude und ich habe meinen Wochenendeinkauf und die nötigsten Haushaltsangelegenheiten erledigt. Außerdem war der Nachthimmel gestern so wunderschön, dass ich gar nicht genug davon bekam. Ich fotografierte ohne Stativ und Sinn und Verstand. Kann vielleicht als Fotokunst durchgehen. Wahrscheinlich nicht. Macht trotzdem Spaß, ein paar Ergebnisse zu veröffentlichen. Tut ja keinem weh, hoffe ich.

Ich gönnte mir eine Gartenliege, extra hoch, und muss sie nur noch zusammenbasteln und aufstellen (lassen). Dann habe ich eine Art Bett im Garten und der Frühsommer lädt mit seinen milden Temperaturen dazu ein, die Nächte dort zu verbringen.

Das ist doch wirklich ein erfreuliches Schlusswort und damit schicke ich meine Samstagsgrüße in die Welt!💝💞💖🙋‍♀️

Pfingsten 22

Für mich, eine zeittreibende Rentnerin, sind Sonn-und Feiertage wie immer, nur ohne Morgenzeitung. Insofern ist auch Pfingsten keine herausragende Zeit, sie bedeutet allerdings zwei (!) Tage ohne meine morgendliche Bettlektüre. Gut so, mache ich eben eine längere Pause vom Weltgeschehen und rede mir ein, das sich alles ganz wunderbar fügen wird.

Ich bin eingeladen und ziehe nachher mein neues Sommerkleid an. Mal sehen, wie es sich trägt. Gekauft habe ich es für das dänische Meer und den Strand, wo ich es mir überstreifen werde, sobald ich aus dem Wasser steige. Was ich wahrscheinlich ab und zu tun muss, weil Ebbe eben so ist, wie sie ist: kein Wasser vorhanden.

Manchmal ist es ein wenig anstrengend, im Hier und Jetzt zu bleiben, wenn ich mich auf etwas freue. Aber nur in diesem Moment bin ich tatsächlich hier bei mir, alles andere ist gewesen oder kommt noch. Das eine kann ich nicht mehr ändern, das andere nicht wissen. Wobei das mit der Vergangenheit ja auch so ein Ding ist: Ich weiß ja gar nicht, wie sie wa(h)r, ich erinnere sie nur. Und Erinnerungen sind subjektiv und höchst flexibel. Ist doch alles ganz schön kompliziert mit dem Menschsein!

Mit dem Fotoapparat halte ich Optik in kleinen Ausschnitten fest. Ich suchte aus, wie ich sie sehen will. Gestern nämlich so: Meine Lieblingskuherde hat Nachwuchs, der leider liegen bleibt. Felder brüten in der Nachmittagshitze und Menschen haben überall ihre Finger im Spiel.

Ich wünsche Euch frohe Pfingsten mit vielen entspannten Momenten und dann später mit einer schönen Erinnerung an diese Tage!

Alles so, wie es soll

Während ich meine politischen Einstellungen neu sortiere, ich mir gut erklären kann, wieso wir Menschen in der Lage sind, schlimme Zeiten, Tankrabatt, Fußball und Schützenfeste unter einen Hut zu bringen, mich mit Alter und Tod auseinandersetze, neue Erkenntnisse bezüglich meiner Rolle in der Jugendzeit einsortiere und überhaupt von mir und der Welt noch unbekannte Gedanken denke, die Wäsche in der Sonne trocknet, ich für das lange Wochenende einkaufe, mich auf Spargel und Erdbeeren freue und im Schatten gemütlich ein Buch lese (Judith Hermann: Daheim (https://www.swr.de/swr2/literatur/judith-hermann-daheim-100.html), macht der Garten sich prächtig und spendet Seelenfrieden.

Und das Küchenhuhn freut sich über die abgebrochene Blume im Schnapsglas.

Hier ist alles so, wie es soll. Ich will gerade nichts ändern. Und in der Welt draußen machen sowieso alle, was sie wollen. Da kann ich nichts machen. Schade eigentlich. Ich habe so viele gute Ideen, wie ich den Weltfrieden herstellen und die Umwelt retten könnte. 😉

Vom Altern und Mohn

Mir fällt es nicht leicht zu verstehen, dass mein körperliches Altern kein persönliches Versagen ist. Manche haben Glück und sind gesund und manche nicht. Und viele sind überhaupt nicht so alt geworden wie ich. Die Liste der Verstorbenen, die ich zu Lebzeiten kannte, wird länger. Mein Jahrgang ist immer häufiger in den Todesanzeigen vertreten. Ich weiß, das ist der Lauf der Welt und meine Eltern und Großeltern haben mir das damals mit den gleichen Worten erzählt. Aber erst jetzt glaube und fühle ich es und das ist nicht immer schön.

Ich sehe das so: wir werden geboren, leben und sterben. Wir lernen, entwickeln uns und jeder Schritt erweitert das Bewusstsein. 2016 schrieb ich dazu diesen Text, der mir gerade in den Sinn kommt: https://frauholle52site.wordpress.com/2016/09/25/jahreszeiten/.

Der Gedanke, dass ich so ganz allmählich in meinen Winter übertrete, ist nicht abwegig. Vor fünf Jahren, als ich den oben erwähnten Text schrieb, erlebte ich mich noch im goldenen Herbst. Jetzt ist später und der Winter zumindest in Sicht. Und somit verstehe ich, warum ich gerade so viel herumdenke und plötzlich neue Blickwinkel sichtbar werden. Manchmal bin ich traurig, dass ich ohne Partner an meiner Seite in die letzte Jahreszeit des Lebens gehe. Das ist leider so, hat aber nicht nur Nachteile. Ich kann das ja auch ganz gut alleine: meine Grenzen erweitern, dankbar sein für mein Leben und mich öffnen für das, was ist und was kommt. Wahrscheinlich ist mein Status kein Zufall, sondern mein Bestes.

Und weil ich aktuell ja noch viel tun und machen und denken kann, will ich Euch zeigen, was ist, nämlich fast kein Frühling mehr. Der Mai verabschiedet sich und der Mohn blüht in den Feldern, an den Straßen und in meinem kleinen Garten. Störche sind unterwegs, Vögel zwitschern oder jagen, je nachdem, was sie sind, der Kuckuck versucht melodisch zu klingen und Kühe sind sehr zärtlich miteinander, wenn man sie lässt.

Mein Buchtipp: Mona Jaeger, Der Lauf des Lebens, Geschichten vom Menschsein http://buecherecke8.blogspot.com/2017/02/der-lauf-des-lebens-mona-jaeger.html