Aussteigen bitte

Der Einstieg zum aktuellen Ausstieg aus dem alten Ausstieg ist die Fortsetzung der Dauerwelle ohne nennenswerten Lernerfolg. Ich mache da nicht mit. Ich weigere mich aus dem Ausstieg auszusteigen und bleibe da, wo ich bin. Stur verweigere ich mich meiner eigenen Sehnsucht nach schnellen Veränderungen und folge der Geduld. Auch die hat einiges zu bieten.

Ich werde mir ansehen, wie sich der Einstieg in den Ausstieg so macht und welchen Zahlenfolgen wir noch schön geredet folgen wollen. Dabei denke ich: Wahlkampf eben.

Phantasie

Bekannte Wege sind gesperrt

wir kommen nicht weiter

und nicht weg.

In dieser ganzen Gemütlichkeit

verändert sich ein Teil der Wirklichkeit.

Ich entdecke manch

unscheinbaren

versteckten

vergessenen

Ausweg

auf dem ich das Erleben

neu finden kann.

Dann wird die Welt

wieder weit.

Und wenn das Unmögliche

wieder möglich wird

bin ich bereit

dem Ersehnten

freudig zu begegnen.

23. Februar 2021

23. Februar 2021

Ich träumte das erste Mal ganz intensiv von der Pandemie. Ich beteiligte mich mit vielen anderen an einer Schulung. Wir wurden in Gruppen aufgeteilt und sollten von unseren Erfahrungen und Gefühlen sprechen. Ich konnte das ganz gut und blieb sachlich, bis das Wort „Weihnachten“ fiel. Da brach ich in Tränen aus und konnte nicht aufhören zu weinen. Beim Aufwachen wunderte ich mich über diese Traurigkeit, die ich jetzt, Stunden danach, immer noch spüre.

Gestern wurde ich von meiner berufstätigen Nachbarin gefragt, wie es mir geht.

„Ich wohne!“

„Und sonst so? Lebst Du auch?“

„Ich lebe fröhlich vor mich hin! Ist etwas eintönig. Aber das Wohnen verlagert sich ja jetzt nach draußen!“

Abends wohnte ich immer noch auf der Terrasse. Spatzen flogen in meinen Efeu. Wollen die Nester bauen? Ich stellte mich mit dem Fotoapparat an die Hecke und sie flogen davon, kamen wieder, flogen davon, kamen wieder und wir beäugten uns eine Weile. Nein, dachte ich, Nester werden sie wohl nicht bauen, aber sie schlafen hier! Als es so kalt war, bot mein Efeu ihnen einen windgeschützten Schlafplatz und sie blieben dabei. Witzig! Und sie finden mich wohl auch ganz drollig. Meine Fotos sind fast alle nichts geworden. Das Gegenlicht brachte nicht die erwünschten Ergebnisse.

Einen ersten Frühlingsstrauß habe ich mir auch ins Zimmer gestellt. Ich genieße die Tage, die länger werden. Trotzdem finde ich, dass mit der plötzlichen Wärme im Februar etwas nicht stimmt. Mir fehlt das gemächliche Frühlingserwachen!

Zimmerreisen 2: D

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/01/08/zimmerreisen-01-2021/ Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) für den Tipp und puzzleblume für die Anregung.

Der Buchstabe D ist heute gefragt. Deko bietet sich an, erinnert aber an die Andenken. Also Deko nicht. Ich gucke mich um. D….D….D….Decke! Dackel! Dübel! Deufel…nein, falsches Wort! Dach. Dame. Dannenberg. Daten. Dauerauftrag. Dauerwelle. Das ist alles dämlich.

Ich nehme meine Digitalen Video-Discs, abgekürzt DVDs.

Ich streame nicht. Ich gucke Fernsehen. Dort finde ich einigen Schrott, aber auch wahre Perlen. Was mir besonders gefällt, kaufe ich und stelle es ins Regal. Einige DVDs übernahm ich von meinem verstorbenen Mann, der noch viel mehr davon hatte, als ich je besitzen werde. DVDs erfüllen einen ähnlichen Zweck wie die Bücher. Jederzeit zugreifen zu können ist super, besonders in Zeiten der Pandemie, wo das Wohnen die Hauptbeschäftigung ist.

Ich mag Filme mit Tiefgang und Humor. Ich mag besonders skandinavische Serien. Mit ihnen kann ich meine Sehnsuchtsorte bereisen. Aber es gibt noch viel mehr fremde Orte zu entdecken. Ich tauche in Märchen und im Horror ein. Ich mag Familienserien. Mit ihnen lebe ich eine Zeitlang fremde Familiengeschichten. Meine Familiengeschichte gäbe auch genug Stoff für eine Serie mit 20 Staffeln her. Aber muss ja nicht sein.

Bilder sagen mehr als Worte. Darum oute ich mich und zeige einen Großteil meiner Sammlung, „Die Wege des Herrn“, „Years and Years“ und „Wie im Himmel“ fehlen. Die guckt gerade mein Sohn.

Mich beschleicht das Gefühl, ich könnte das Thema verfehlt haben. Aber Filme sind ja auch Kunst, mehr oder weniger jedenfalls. Sie regen an, die Phantasie reisen zu lassen. Und DVDs tun das in meinem eigenen Zimmer. Gut, dann veröffentliche ich diesen Beitrag jetzt und dann geht es raus in die Sonne!

Viel passiert

Mein Badezimmer und die Gästetoilette glänzen und strahlen mich aufgeräumt an. Ich überlege, wie ich meine Wohnung am besten so wunderbar sauber halte. Soll ich meine Nachbarin fragen, ob ich bei ihr wohnen darf? 😉

Ach nein, jetzt ist aber gut. Ich putze ja nicht andauernd, es passiert ja sonst noch sehr viel Spannendes:

16. Februar: Wenn ich aus dem Schlafzimmerfenster spähe, entdecke ich, dass die Sonne sich immer später bettgehfertig macht.
17. Februar: Die Sonne verändert also ihren Stand und zaubert die ersten „Frühlingsschattenspiele“ ins Wohnzimmer.
18. Februar: Meine gefegte Schneewehe verzieht sich.

Im Garten ist auch nicht mehr viel davon übrig.

19. Februar: Ich sitze auf der Terrasse und sonne mich. Manchmal lohnt sich ein Himmelsblick. Und auch sonst können wir uns auf den Frühling einstellen, oder? 🌞

Nie fertig

Es fing gestern an. Der Schnee verschwand und übrig blieb das Streugut. Das sah vorne nicht schön aus. Also fegte ich ihn zusammen. Hat ja auch den Vorteil, dass ich die Steinchen nicht ins Haus trage. Die Fußmatten sahen schrecklich aus. Ich stopfte sie in die Waschmaschine. Die Türen wirkten auch irgendwie gräulich. Schnell Eimer und Lappen geholt und alle Türen abgeseift! Autsch, meine Hände taten weh. Wischen mögen sie gar nicht. Die Sonne kam heraus und es wurde warm draußen. Schnell räumte ich noch die Terrasse auf und fegte die Blätter im Carport zusammen. Irgendwie fühlte sich das Ganze nur halbfertig an und so arbeitete ich mich mit dem Staubsauger im Hause ab. Und dabei fiel mir auf, dass ich lange nicht staubgewischt habe, was wohl daran lag, dass kein Besuch mehr kommt. Also widmete ich mich dem Staub und stellte fest, dass die Fußböden schon lange nicht mehr gewischt wurden. Mit dieser Erkenntnis sank ich auf das Sofa, denn die Sonne machte mir klar, dass die Fenster auch schon wieder dran waren. Ich drehte mich frustriert um und machte ein Nickerchen.

Heute stand ich vor der Frage: Einkaufen oder nicht? Die leckeren Sachen waren weggegessen, aber es wäre noch genug vorhanden, um das Wochenende zu überstehen. Nö, dachte ich, ich will Kekse und Schokolade und darum fuhr ich mit dem Rad zum Supermarkt. Es kam mir vor, als hätte ich schon wochenlang nicht mehr auf dem Rad gesessen. Es waren aber nur ein paar Tage mit Schnee, Eis und Matsch. Glücklich kehrte ich mit meiner Beute ins Haus zurück, verstaute alles fein säuberlich und sinnierte, wo nun überall die bösen Viren dran sein könnten. Wenn ich erst darüber nachdenke, werden es scheinbar immer mehr, die nur darauf warten, mich anzuspringen. Also Hände waschen und das Elend vergessen. Lieber holte ich Wischmop und Eimer hervor und legte los. Alle Böden!!! Und jetzt sitze ich hier und warte darauf, dass sie schön trocknen. Später werde ich in den Keller steigen und dort wischen. Wenn schon, denn schon!

Blöde ist nur, je mehr ich putze, umso mehr Baustellen fallen mir ein. Der Dachboden. Die Schränke. Die Küchenschränke. Die Kacheln im Badezimmer. Der Kühlschrank! Und eigentlich müsste dringend renoviert werden. Und der Garten wartet auch auf mich. Das scheint sich ja zu einem großen Frühjahrsputz zu entwickeln. Wo kommt das denn her? Vielleicht ist der extreme Wetterumschwung schuld?

Meine Arthrose schmerzt und überlasten will ich mich nicht. Renovieren vergesse ich lieber ganz schnell.

Das Putzen ist wie das wahre Leben. Je gründlicher ich das mache, umso mehr stechen die unaufgeräumten und staubigen Ecken hervor. Sie schreien geradezu nach Aufmerksamkeit. Und so kommt mir der Berg der Dinge, die noch zu tun sind, viel höher vor (was er ja auch ist), als das Wenige, was schon erledigt wurde. Und es steht fest: Fertig werde ich niemals! Nach dem Wischen ist vor dem Wischen. Auch das noch.

Wenn ich darüber nachdenke, was mir alles weh tut und welche Krankheiten ich haben könnte, wird das von Sekunde zu Sekunde auch immer mehr. Wenn ich dem nachgebe, vergesse ich das Leben.

Wenn ich darüber nachdenke, was ich im Leben alles nicht geleistet habe, vergesse ich die Tatsache, dass ich viel ausprobiert, getan und gemacht habe. Eigentlich pausenlos.

Wenn ich hier sitze und vom Putzen ins Philosophieren komme, ist der Boden längst getrocknet und ich könnte in den Keller steigen. Blöd ist nur, jetzt habe ich so gar keine Lust mehr dazu.

Doch ganz schön

Als es dunkel wurde, begann der Schnee zu glitzern und zu funkeln. Ich wunderte mich sehr und war hingerissen von dieser Schönheit. Ein Sparziergang war nun fällig, denn das Winterwetter schien jetzt doch ganz schön zu sein. Ich zog mich warm an und stapfte los, nämlich hinten raus durch den Garten. Dort war ich schon lange nicht mehr. Schneegestöber hat mich weitgehend im Haus gehalten und Schneeschieben war nur vorne dran. Also ging ich hinten raus und ehe ich mich versah, versank ich im Carport in einer Schneewehe so hoch wie meine Beine lang sind. Also fast! Meine Güte, dachte ich, das muss weg, bevor es noch höher wird. Oder Tauwetter einsetzt, denn wenn das hier erst eishart geworden ist, komme ich wochenlang nicht weg mit dem Auto. Ich will nicht Autofahren, aber spätestens nächste Woche muss ich zum Einkaufen. Leider gibt es im Landkreis keinen Lieferdienst, so wie in Berlin. Mein Sohn erzählte mir von seinem Lieferdienst und ich dachte, das will ich auch. Kein Lieferdienst in der Provinz. Nur Paketdienst. Aber jetzt komme ich von der Glitzerwelt ab, von der ich ja eigentlich berichten wollte.

Vor der Arbeit aber wollte ich Vergnügen und so schlitterte ich meinen kleinen Rundweg entlang. Das Weihnachtshaus war noch voll beleuchtet, was im Schnee ja toll aussah, aber mir wurde trotzdem nicht weihnachtlich zumute, obwohl die Kirchenglocken bimmelten. Nein, Weihnachten ist vorbei! Aber Schnee ist trotzdem schön. Tausend Milliarden Diamanten schienen einfach nur so herumzuliegen. Damit wäre die Krise finanzierbar, dachte ich, wenn der Schein nur nicht trügen würde. Der zauberhafte Eindruck war trotzdem wahr.

Wieder zu Hause angekommen, schippte ich meine Schneewehe aus dem Carport und atmete heftig. Das ist auch Sport, dachte ich. Und zu guter Letzt versuchte ich im Garten das glitzernde Gefunkel festzuhalten, was natürlich nur unzureichend gelang. Schnell ging es wieder in die gute Stube und ich fand sie in diesem Augenblick besonders gemütlich.