Sauber!

Sauber!

„Ach, natürlich stelle ich mir einen Weihnachtsbaum auf! Nur weil ich alleine bin, verzichte ich doch nicht auf meinen Christbaum!“ Das erzählte mir gestern eine Frau, die bald Neunzig wird. Ich denke an sie und will das auch: In diesem Jahr mal wieder einen kleinen Weihnachtsbaum schmücken. Vielleicht sogar entgegen unserer Familientradition schon ein paar Tage vor dem Heiligabend? Wenn schon alles anders ist, warum nicht auch das? Also Weihnachtsbaum und kein großes Familientreffen. Pandemie- Weihnachten sind doof, ich mache es mir trotzdem schön. Das beschließe ich ich, bevor ich mich an meine Tagesplanung mache.

Heute ist Samstag. Also, das hat jetzt nichts mit meinen Weihnachtsbaumgedanken zu tun. Außer, dass ich ihn gerade gedacht habe. Als ich noch berufstätige Mutter und Ehefrau war, war Samstags mein Putztag. Mein Mann kaufte ein und reparierte, was zu reparieren war und ich wischte die Böden. Samstagsritual.

Heute habe ich Lust und Laune, meinem früheren Samstagsbodensäuberungsritual zu folgen. Einkaufen muss ich nicht mehr, kochen auch nicht, weil alles gestern schon erledigt. Raus will ich auch nicht, weil kalt und grau und windig. Sport treiben auch nicht. Oder doch! Jetzt sind Staubsauger und Wischmop meine neuen Sportgeräte. Blitzschnell ist alles gesaugt und gewischt. Sogar den Keller habe ich entstaubt, denn nächste Woche kommt der Heizungsmensch zur jährlichen Kontrolle.

Ein frisch gewischter Boden ist super! Auch wenn noch nicht Weihnachten ist, trägt es doch zum großen Wohlbefinden bei. Ich bin tiefenentspannt und freue mich über mein gutes Gewissen. Allerdings, wenn alles so furchtbar sauber ist, stört mich jedes Stäubchen und Krümelchen, die ich auf dem Boden entdecke😳. Ich muss mich sehr zusammennehmen, um diese kleinen Schlingel nicht per Hand zu entfernen. Gut ist, dass diese Macke bald wieder verschwindet😂! Dann sammelt sich der Staub nämlich so ganz allmählich überall wieder an und irritiert mich bis zum nächsten Bodenputzkampftag nicht im geringsten!💪

Erstaunlich

Vom verstorbenen (geschiedenen) Ehemann erbte ich ein paar Pflanzen. Zwei Jahre hielt dieser Gliederkaktus bei mir aus. Dann war ich eines Tages zu ungeschickt und er löste sich von seinen Wurzeln. Ich steckte ihn wieder in die Erde. Wurzellos hält er sich am Leben und setzt sogar Knospen an.
Einen kleinen Ableger steckte ich in ein Wasserglas. Er bildete keine Wurzeln und so kam er nach ein paar Wochen zurück in die Erde. Er belohnt mich mit Knospen, die sich bald entfalten werden.
Ich freue mich so sehr, dass er in mehreren Teilen meine Ungeschicklichkeit überlebt.
Auch die Baby-Sukkulenten meines Mannes sind erwachsen geworden. Ich holte sie gerade aus dem Garten und nun überwintern sie drinnen und können raus gucken.
Meine Margerite möchte lieber draußen bleiben und rein gucken.
Ich staune und freue mich über meine Pflanzen, die den November einfach ignorieren.

Erinnerungen stoppen Trübsal

Nein, die Entwicklung überrascht mich nicht wirklich. Ich war den ganzen Sommer über vorsichtig, darum ändert sich für mich nicht allzu viel. Ich bin in der guten Lage, Rentnerin zu sein, eine große Wohnung und genug Geld zu haben, um es mir schön zu machen. Einsamer wird es gerade wieder, aber damit bin ich nicht allein und schon fühle ich mich besser.

Wie unsere Regierung handelt und was sie anordnet, finde ich nicht immer optimal. Aber ich habe mich entschlossen, die Pandemie ernst zu nehmen und mich an die Regeln zu halten. Das ist meine freie Entscheidung. Weitere Gedanken dazu werde ich hier nicht näher ausführen. Ich bin keine Wissenschaftlerin und sogar die wissen nicht, was wirklich am besten für alle ist. Die Meinungen gehen auseinander und das ist auch gut so. Wenn wir vernünftig streiten und die Vielfalt der Meinungen anerkennen, dann kann es gelingen. Aber eigentlich bin ich nicht so optimistisch gestimmt, wenn ich mir, wie gestern geschehen, den Umgang im Parlament anschaue, wo einer Partei der Respekt ausgegangen ist. Und ich befürchte…..ach ja, dazu wollte ich mich hier ja nicht äußern.

Ich bleibe lieber privat und will mich nicht von der Pandemie und ihren Folgen unterkriegen lassen, wobei mir bewusst ist, dass ich privilegiert bin und darüber bin ich dankbar.

Eine meiner Strategien gegen Trübsal ist die Erinnerung an schöne Zeiten. Heute öffne ich für Euch die Glastür meines Schrank-Museums der Erinnerungen.

Hier stehen echter Sand aus der Sahara und ein paar Kleinigkeiten aus Afrika herum. Mit den Erinnerungen an die Abenteuer dort vor vierzig Jahren könnte ich einen neuen Blog füllen.

Der kitschige Löwe steht für einige von mir besuchte Vorstellungen der Musicals „König der Löwen“ in Hamburg. Ich lege mir immer noch ab und zu die CD ein, höre die Musik und fühle mich dabei sehr gefühlig. Dieses Lied wünschte ich mir für die Trauerfeier meines Vaters:
https://www.youtube.com/watch?v=9NDIEylLUqw
Mir fällt gerade ein, dass mir mein Sohn Weihnachten 2019 einen Gutschein für eine weitere Vorstellung geschenkt hat. Wir wollten alle hin, aber dann kam Corona. Irgendwann werden wir es nachholen. Das Musical mag kitschig sein und einige finden es rassistisch, aber mir geht es direkt ins Herz. Und das bleibt auch so. So.
Und die Regenbogenkerze? Die erinnert mich an das Silvester 2019/2020.https://frauholle52site.wordpress.com/2020/01/03/ruem-haart-klar-kiming/
Damals dachte ich, es geht alles immer so weiter. 😂

Wäsche und Moral

Ach wie ist das schön

heute lässt sich die Sonne seh´n

schnell die Wäsche draußen aufgehängt

zeitlich ist das doch sehr gedrängt

denn die Tage werden kürzer.

💥💥💥

Ich sehe der Wäsche beim Trocknen zu

wie ich es immer gerne tu´

und als wäre nichts gewesen

nehme ich mir dabei Zeit zum Lesen

denn ich will verstehen

warum die Menschen nicht so sind

wie ich sie gerne hätte.

💥💥💥

Die Kunst kein Egoist* zu sein

finde ich doch wirklich fein

und schnell will ich mir erlauben

etwas von Prechts Wissen abzustauben

und ich lerne

so richtig gerne

warum jeder Mensch** meint, er habe recht

das ist nicht schlecht

denn immer zeigt sich zuerst das Gefühl

und der Verstand veranstaltet ein großes Gewühl

um passende Argumente zu finden

um die dann an das Gefühl zu binden

und das ist dann die Moral.

💥💥💥

Ihr denkt:

Das klingt noch recht unausgegoren

der Durchblick ist noch nicht geboren.

🤓

Ihr habt recht und ich muss zugeben

ich habe erst bis Seite 123 gelesen

und jetzt mache ich mich auf die Socken

denn meine Wäsche ist nun trocken.

😂😂😂

*Egoist: gemeint sind alle: männlich, weiblich, divers, groß, klein, dick, dünn, jung, alt, gestreift, kariert…..

**Mensch: gemeint sind auch alle: männlich, weiblich, divers, groß, klein, dick, dünn, jung, alt, gestreift, kariert…..

So geht das nicht

Es regnet. Keine Gartenarbeit heute. Was dann? Weihnachtskisten misten! Das ist schon lange dran.

Auf dem Dachboden…..
…stehen drei Weihnachtskisten oder so.

Die packe ich jetzt schnell aus und werfe weg. Das Zeug brauche ich nicht mehr. Meine beliebtesten Dekoteile stehen sowieso woanders.

Früher mochte ich es, meine/unsere Wohnung weihnachtlich zu schmücken. Je mehr Dekoration und Glitzer, desto besser. Sogar die Fenster wurden nicht verschont. In den letzten Jahren änderte sich das. Ich stellte ein paar Teile auf, Adventskranz dazu und fertig. Also kann ich jetzt blitzschnell die Weihnachtkisten ausmisten. Wäre doch gelacht!

😳

Nein, so geht das nicht.

Weihnachtskisten sind pure Erinnerungsbewahrerinnen. Auch wenn ich viele dieser Dinge nie mehr (ge)brauchen werde, will ich mich nicht trennen.

Meine Engel bleiben. Alle!!!!!
Und die selbst gebastelten Baumhänger sowieso. Mein Mann sägte, ich malte. Irgendwo muss sich doch noch so ein Zirkus verstecken?
Nein, bleibt! Selbst gemacht!
Puppe, Teddy, Weihnachtsmaus. Die Kinder liebten sie……Nein. Aber ich bin 68, ich brauche das nicht mehr! Trotzdem, nein.
Bibi Bohne!!! Da bist du ja. Du bleibst. Auch wenn du vom vielen Hören abgenudelt bist.
Von denen könnte ich mich trennen. Vielleicht. Oder? Zum Basteln oder so?
???

Ich gebe es auf. So wird das nichts. Ich setze mich jetzt an den PC und vergesse das Ausmisten. Jetzt sieht es da oben schlimmer aus, als vorher. Kein Durchkommen mehr.

Ich hätte nicht gedacht, dass gerade in den Weihnachtskisten so viele Erinnerungen lauern, die mich handlungsunfähig werden lassen.

Hilfe!

😭

Nachtrag: Fast alles wieder eingepackt! Dafür aber ordentlich! Ist ja auch schon was.👍

Das kleine Chaos

Das kleine Chaos

„Unordnung! Hier herrscht Unordnung, Chaos und Anarchie. Nicht überall, aber doch vorhanden. Das muss weg. Das geht so nicht. Das stört. Also los, beweg dich!“, schimpft der innere Antreiber.

Ich nehme meinen Fotoapparat und knipse drauflos. Klick….klick…..klick. Ich hatte vor ein paar Tagen ja schon damit angefangen. Sicher finde ich noch mehr Motive. Der Antreiber weiß nicht, was das soll. Er will, das ich aufräume und nicht, dass ich mein Chaos noch dokumentiere und lieb habe. Und veröffentlichen darf ich die Bilder auf keinen Fall! Was sollen denn die Leute denken?

Ich will nicht aufräumen. Die Chaos-Inseln zeigen Persönlichkeit. Der innere Kritiker zuckt zusammen? „Was, Persönlichkeit? Du bist ja nicht mehr bei Sinnen! Räum das weg, bevor Besuch kommt!“ Der Antreiber nickt und streng guckt das schlechte Gewissen um die Ecke.

Ich knipse weiter und finde, dass einiges tatsächlich zu persönlich ist, um es ins Netz zu stellen. Zum Beispiel das bewohnte Sofa, welches nach einem wundervollen Sonntag-Fernsehabend mit Tatort und „Freude schöner Götterfunken“ (https://www.zdf.de/kultur/musik-und-theater/berlin-feiert-beethoven-100.html) wirklich nicht schön aussieht. Das räume ich gleich auf. Und die Schubladen gehen auch niemanden etwas an. Darum sind es ja Schubladen, damit man sie zumachen kann, oder? Aber ein paar Bilder zeige ich. Mutig werde ich es wagen. Was kann denn schon passieren?

„Alles Mögliche!“, zetert die Furcht. „Oh nein, das geht nicht gut!“, sorgt sich die Bewertung. „Klar, das darf sein!“, grinst die Kreativität. Die Gelassenheit nimmt es gelassen und ich mache das jetzt einfach!

Habt Ihr auch ähnliche Ecken? Hört auf sie zu verstecken! Zeigt sie mir! Stehen wir zu unseren Persönlichkeiten und zur Ansatz-Anarchie!

Nun werde ich aber gleich aufräumen und das Chaos ordnen. Vielleicht kommt ja heute doch noch die Ordnungsliebe vorbei und schimpft mich aus!