Abgehängt

Gleich werde ich für ein paar Stunden vom Strom getrennt. Meine Netzanschlussnutzung wird wegen dringender Arbeiten unterbrochen. Und falls Probleme bei der Wiedereinschaltung auftreten, soll ich eine kostenfreie Störungsnummer anrufen.

Und das am Freitag.😳

Meine Güte, was alles nicht mehr geht, wenn der Strom ausfällt.

Nicht mal der Staubsauger. Erst recht nicht die Kaffeemaschine. Mein neuer DVD-Player, mein PC, Warmwasser, Herd, Backofen, Heizung (na gut, die brauche ich gerade nicht), Rasenmäher, bei der Klospülung bin ich nicht sicher, Kühlschrank, Fernseher, Radio, Kopfhörer, Gefrierschrank, Föhn, Telefon, Lampen und Warmwasser……😳

Ich muss schnell noch duschen! Tschüß!

Technik

Ach herrje

das tut mir weh

DVD-Player ist hin

ich sehr traurig bin

kann meine Serie nicht zu Ende sehn

mir kommen schon die Trän.

😭

Schnell kaufe ich mir einen neuen

und lass den erst mal stehn.

😬

Kabel und Technik sind mir heuer

immer noch nicht so recht geheuer.

😳

Einfach Stecker reinstecken

damit kannst du ihn wecken

sagt Sohn am Telefon

ach, was weiß der denn schon

und bei dieser Hitze

wo ich beim Sitzen schon schwitze

der macht wohl Witze!

😂

So stand DVD-Player stumm

im Schrank herum

bis ich heute morgen

erkenne, das kann ich besorgen

und ruckzuck Stecker rein

das ist jetzt wirklich fein

leichter als gedacht

habe ich das ganz allein

unfallfrei fertig gebracht.

💪💪💪

Nun ist erst einmal genug getan

die Einstellungen kommen morgen dran.

😅

 

 

Verschickt

Zufällig sah ich folgende Reportage:

https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videos/exclusiv-im-ersten-gequaelt-erniedrigt-drangsaliert-video-102.html)

Ich war wie vom Donner gerührt. Als Kind wurde ich gleich zweimal nach Wyk auf Föhr verschickt. Ich war fünf und acht Jahre alt und kann mich kaum daran erinnern. Aber als ich sah, wie zwei Männer und eine Frau meiner Generation über ihre Zeit im Kinderkurheim in Wyk sprachen, erkannte ich ihr Leid und plötzlich wusste ich, ich hatte genau das auch erlebt. Es muss furchtbar für die kleine Regine gewesen sein. Ich dachte bisher: Ich wurde verschickt und hatte furchtbares Heimweh, weil ich eben eine Heulsuse war. Dass es wirklich für uns Kinder schrecklich gewesen sein muss, diese Idee kam mir gar nicht. Ich war das Problem. Die Erwachsenen meinten es gut mit uns.

Erst als ich sah, wie andere sich an ihr Leid erinnerten, dass es eine Initiative der „Kur-Kinder“ gibt, die sich um Aufklärung bemüht, gestand ich mir zu, das Leid der kleinen Regine anzuerkennen. Ich dachte an das kleine Kind, welches ihre Gefühle abspaltete, um die Zeit im Kurheim zu überstehen und schnell das meiste vergaß. Und wenn ich mich an Ungeheuerliches erinnerte, machte ich das ohne Emotionen. Jetzt ahne ich, wie schlimm es wirklich war. Ich weiß, dass diese beiden „Kuren“ unbewusste Auswirkungen auf mein weiteres Leben hatten. Eine Tür ging auf und ich will noch gar nicht wissen, was dahinter liegt. Erst einmal spüre ich die Schmerzen der Kleinen und weine mit ihr. Nicht immerzu, aber ab und zu.

Ich kann es nicht fassen, dass ich meine Erinnerungen so perfekt löschte, so dass ich jahrelang in der Lage war, in diesem Heim als Lehrerin zu arbeiten, ohne mich groß an die Ereignisse zu erinnern, die ich dort als kleines, wehrloses Kind durchlitt. Ich war hier zur Kur, habe brav zugenommen und hatte Heimweh. Fertig.

Gibt es unter Euch auch „Verschickungskinder?“

 

 

Gedanken einer Daheimgebliebenen

Gedanken einer Daheimgebliebenen

Freitag:  34 Grad

Alle sind am Meer. Nur ich nicht. Ich arme Wurst sitze hier und schwitze und das Zimmer ist abgedunkelt. Ich habe keine Lust zu gar nichts und keine Power. Ich kann nicht den ganzen Tag lesen. Also starre ich Löcher in die Luft. Mein DVD-Player gab gestern den Geist auf. Kein Zeitvertreib mit Filmen für mich. Ich weine in mein Taschentuch. Ich will ans Meer, aber da sind ja schon alle anderen und außerdem habe ich kein Wohnmobil. Und eine Ferienwohnung auch nicht. Und Gesellschaft erst recht nicht. Kein Meer für mich. Ist doch doof so etwas.

Es ist so ruhig hier. Stimmt, die Nachbarschaft links ist natürlich am Meer. Die Nachbarschaft rechts ist sogar in Dänemark am Meer. 😭 Wie schön für alle!

Ruhe und Stille im Garten den ganzen Tag über, auch am Wochenende! Das ist doch schon mal eine gute Voraussetzung für Urlaubsgefühle, denn normalerweise tobt ja hier das Leben (ohne mich). Aha, Stimmung steigt und ich nehme mir vor, mich ab morgen wie im Urlaub zu fühlen.

Samstag: 36 Grad

Ja, so mache ich das dann auch. Ich stehe um 5.30 Uhr auf und setze mich ins Auto. Sonnenaufgang unterwegs, Nebelschwaden auf den Wiesen und der See ist blitzblank geputzt. Die Sonne beginnt ihren Tageslauf, aber noch ist es schattig. Keinen Menschenseele zu sehen. Die Camper in ihren Wohnmobilen halten die Türen geschlossen. Ich marschiere los und will den See umrunden. Wenn ich wieder hier ankomme, werde ich mich ins kühle Nass begeben!!!!!! Der Gedanke treibt mich an. Es ist schon warm und Schweiß fließt. Ist in Ordnung, denn das sieht ja niemand. Mir kommt eine Radfahrerin in kurzen rosa Höschen entgegen, jung, gut geschminkt und frisiert. Wo die wohl herkommt? Sie fährt einhändig und starrt auf ihr Handy. Mich sieht sie lieber nicht.

Ich entdecke am Wegesrand  fein säuberlich aufgereiht bemalte Steine. Ein Schild klärt mich auf. Kinder malten und hoffen, dass viele Steine mitgenommen und anderswo niedergelegt werden. Ich suche mir vier aus. Drei nehme ich mit nach Hause und einen lege ich am gegenüberliegenden Ufer ab.

IMG_4082Diese Steine werden für ein paar Tage bei mir bleiben und dann verteile ich sie (vielleicht) in die Landschaft. Sie passen gut zu mir: Mond und Sterne liebe ich, dicke Dame sieht mir ähnlich und zum Regenbogen muss ich ja nichts erklären.

Ich wackle also mit den Steinen in meiner Tasche weiter um den See. Schwalben segeln durch die Lüfte, Kraniche rufen, Stare versammeln sich und Spatzen picken im Rasen herum.  Kühe rennen und bleiben stehen und gucken und die Weite macht mich froh. Der Gedanke an das Schwimmen treibt mich an. Schmerzen werden ignoriert und die Radfahrerin kommt mir schon wieder entgegen. Sie guckt aufs Handy und mich sieht sie schon wieder nicht. Blödes Weib!

Die ersten Hundebesitzer machen die Runde, grüßen freundlich, lassen ihre Viecher baden und werfen Stöckchen. Ich erreiche mein Auto, trinke die Wasserflasche leer und hole meine Badetasche. Die ersten Wohnmobillisten sitzen vor ihren mobilen Ferienwohnungen und trinken Kaffee. Sie gucken und ich gucke zurück. Die haben es gut, denke ich und will das auch! Ich rufe mich zur Ordnung und nehme mir vor, nicht immer alles zu wollen, was andere haben. Ist doch blöd, so etwas.

Im See ist noch niemand. Ich habe ihn für mich alleine. Das ist dich ganz prima, das haben die anderen nicht. Blitzschnell stehe ich im Badeanzug und wage mich ins Wasser. HERRLICH!!!!!!!!!!!!!!! Das erste Untertauchen ist das Schönste, was mir an heißen Tagen passieren kann. Kleine, silberne Fische springen aus dem Wasser, baden in der Luft und tauchen wieder unter. Wie ist das niedlich! Sie glitzern in der Sonne. RadfahrerInnen erreichen das Ufer, ziehen sich um und leisten mir Gesellschaft. Die haben es gut, denke ich, die können den See mit dem Rad erreichen. Aber dann höre ich auf, andere Leute zu beneiden, und lasse mich treiben.

Sehr viel später fahre ich nach Hause und fühle mich verreist. Ich denke mir einfach aus, ich sei im Urlaub. Es ist 10.08 Uhr und auf meiner Terrasse ist es noch kühl. Ich mache mir Kaffee und lese die Zeitung, bis es zu heiß wird. Dann gehe ich rein und verdunkle meine Wohnung.

Und jetzt wird mir die Zeit lang…….Ich sitze und schwitze und hoffe, Euch geht es gut. Wahrscheinlich seid Ihr alle am Meer😉.

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Neue Wege

Gestern wollte ich neue Wege erkunden und dazu noch am Wasser sein. Ich radelte fünf Kilometer zur nächsten winzigen Kleinstadt, die ich zwar kannte, aber lange nicht mehr besuchte. Dort gibt es einen wunderbaren kleinen Spazierweg am Flüsschen. Ich radelte bis ans Ende und schob mein Rad zurück. So gab ich meinen Gehmuskeln die Gelegenheit, mal wieder ein wenig zu arbeiten, was ja auch wichtig ist. Und weil alles so schön war, bemerkte ich meine Schmerzen in den Gelenken so gut wie kaum. Es war früh und es war kühl. Herrlich!

Dann radelte ich nach Hause und dachte, außer Landschaft und Schwan sei ja nun wieder nicht sonderlich viel passiert. Ich war zufrieden, weil, wenn nichts passiert, ist es friedlich. Und das kann ich gut gebrauchen. Frieden, Bewegung, Frischluft und Aussichten. „Das ist doch ein gutes Leben“, dachte ich, holte mir ein Buch und suchte meinen Leseplatz im Garten auf. In Romanen passiert ja immer etwas und das ist schön.

Später ist mir endlich auch selbst noch etwas passiert! Ich feilte auf der Terrasse meine Nägel. Meine gläserne Nagelfeile leistete gute Arbeit, bis sie mir aus der Hand rutschte und zerbrach. Peng!

Nun muss ich mir eine neue kaufen. Und wenn das erledigt ist, werde ich das ruhige Leben fortsetzen, genießen und hoffen, dass nicht wieder so viel passiert!

PS: Und jetzt grüße ich R., die sicher weiß, wo ich gestern gewesen bin! Und dann setze ich mich ins Auto, fahre zum See, schwimme eine Runde und werde den Resttag auf dem Sofa verbringen, während draußen die Hitze alles lahmlegen wird. Also, mich zumindest. Kommt alle gut durch diese Welle!

 

Sprachlos

Sprachlos

Dazu fällt mir fast nichts mehr ein, außer: Mir fehlt der Glaube, dass es so viele Leute geben soll, die nicht an Covid-19 glauben.  Ich denke eher, dass viele von ihnen genau wissen, wie sie die Pandemie für ihre Zwecke nutzen können. Das ist beängstigend.

https://www.merkur.de/politik/coronavirus-berlin-baden-wuerttemberg-demo-protest-leugner-rechte-querdenker-711-500000-teilnehmer-samstag-polizei-zr-90016113.html

Abschied

Abschied

Ein Verwandter ist nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Wir verbrachten die Kindheit zusammen und hatten als Erwachsene wenig miteinander zu tun. Auf zwei Familientreffen der letzten Jahre war er dabei und wir haben uns gefreut, uns zu sehen. „Bis bald mal!“, verabschiedeten wir uns und haben unseren Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Ich hörte von seiner Krankheit, rief ihn aber nicht an.

Und nun ist er tot. Nicht mehr da. Ich bin traurig. Er war einige Jahre jünger als ich. Mein kleiner Verwandter, der letzten Endes 2 Meter groß wurde und uns alle überragte. „Wie ist die Luft da oben?“, bekam er oft zu hören und ich konnte mir beim letzten Treffen ein „Was bist Du groß geworden!“, nicht verkneifen. Da war er immerhin schon Ende Fünfzig.

Mir fällt ein, dass ich die Älteste meiner Generation in der Familie bin. Mir wurde spaßeshalber prophezeit, dass ich als nächste mit dem Sterben dran sei, nachdem aus unserer Elterngeneration keine(r) mehr da war. Ich verbat mir diesen Witz.

Ich bin traurig und nachdenklich. Kann das noch lange gut gehen mit mir? Jedes Zipperlein beunruhigt mich, bis ich mich zur Ordnung rufe. Ich will keine Hypochondrie  entwickeln. Ich lenke mich ab und es gelingt mir ganz gut, die Unruhe unter Kontrolle zu bringen. Krankheit und Tot gehören zum Leben, schon klar. Aber im Moment macht mich diese Tatsache wütend. Und traurig. Und ein wenig ängstlich.

Ich zünde eine Kerze an und denke an den, der gestorben ist. Bei der Trauerfeier werde ich nicht dabei sein, meine Gedanken aber schon.

Tschüß, Großer! Ich vergesse Dich nicht!

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Eine kurze Mitteilung und eine Geschichte

Eine kurze Mitteilung und eine Geschichte

8.51 Uhr und ich habe schon eingekauft! Das reicht bis zum nächsten Freitag. Da der angekündigte Besuch schon gestern hier erschien und ich in einem geputzten Haus sitze und der Garten alleine zurechtkommt, habe ich den ganzen Freitag frei. Den Vormittag werde ich auf der Terrasse sitzen und lesen und dann gehe ich rein und mache die Schotten dicht. Es wird warm werden. Nachmittags fahre ich mit dem Rad.

Und ich pflege mein Halskratzen und die Schnupfnase. Es wird nur eine kleiner Sommerschnupfen sein.

Und jetzt nutze ich die Gelegenheit, Euch eine kleine Geschichte aus Litauen zu erzählen, die wir am Sonntag (Familienaufstellung) gehört haben.

Ich denke darüber nach. Für mich ist sie stimmig.

 

Der Kranich und seine Kinder

Die Kraniche flogen über das Meer.

Da wurde ein Kranichjunges müde und sagte zum Altvogel

„Vater, trage mich!

Wenn du alt bist, werde ich dich auch tragen.“

„Nein, was du sagst, ist verkehrt“, antwortete der alte Kranich.

So flogen sie weiter.

Da wurde das zweite Kranich junge müde und bat den Altvogel auch,

es zu tragen, damit es wieder zu Kräften käme:

„Ich werde dich später tragen, wenn du alt bist!“

Doch auch ihm antwortete der Vater: „Was du sagst, ist verkehrt!“

Etwas später bat das dritte Kranichjunge:

„Väterchen, trage mich,

denn später werde ich auch meine Kinder tragen.“

„Sieh da“, sprach der Altvogel, „du sagst das Richtige!“

Und er nahm das Kranichjunge auf seinen Rücken.

Lasst uns Drogen nehmen und rumfahr´n! Und wo ist der Elch geblieben?

Lasst uns Drogen nehmen und rumfahr´n! Und wo ist der Elch geblieben?
Die 90-iger Jahre verbrachte ich mit der Aufzucht meiner Brut. Darum verpasste ich die  Raves .
Staunend und mit großem Vergnügen sehe ich mir den Film Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt an. Ich lache mich schlapp! Herrlich!!! Wunderbare Schauspieler sind in skurrile Rollen geschlüpft. Ich liebe Norddeutsch!

Ich kann fast nichts davon machen, was ich im Film sehe. Körperlich schon mal gar nicht. Aber auch die Zeiten sind anders. Unbeschwert feiern, reisen, knutschen und so manch anderes sind gerade nicht machbar. Übrigens konnte ich mich noch nie in Menschenmassen aufhalten. Riesenfeten und große Konzerte waren leider auch in Vor-Coronazeiten nichts für mich.

Aber ich kann auf dem Sofa sitzen, mich in den Film beamen und mich rühren lassen. Mental mitmachen und all das Verrückte auf mich wirken lassen. Ich kann über die Situationskomik lachen, bis der Bauch wackelt. Und mit meinem neuen Kopfhörer ist sogar die Musik ein Hochgenuss.

Eigentlich wollte ich heute etwas ganz anderes in meinen Blog stellen. Aber der Film kam mir dazwischen. Ich kannte ihn schon und werde ihn mir ganz bestimmt noch einmal ansehen. Ich bekomme vor lauter Lachen vieles gar nicht mit, es gibt also immer wieder Neues zu entdecken.

Unbeschwert ist einfach klasse!

Ach so ja, hier der Link, falls Ihr Lust habt, eine lustige und trotzdem anrührende Zeitreise anzutreten:

https://www.arte.tv/de/videos/064364-000-A/magical-mystery-oder-die-rueckkehr-des-karl-schmidt/

Arte schreibt:

Unter dem verheißungsvollen Namen „Magical Mystery“ will ein Berliner Techno-Label auf Rave-Tournee gehen. Für Fahrer Karl Schmidt alias Charly, selbst einst ein aufstrebender Künstler der Szene, bedeutet die Tour ein Neuanfang … – Techno-Roadmovie (2016) und kleine Zeitreise in die 90er Jahre nach Sven Regeners Roman „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“ (2013).
„Wie bei den Beatles – nur auf Rave.“ So erklären es Ferdi und Raimund ihrem alten Kumpel Charly. In Anlehnung an die „Magical Mystery Tour“ ihrer Vorbilder planen die beiden für ihr Berliner Techno-Label BummBumm Records eine Bus-Tour quer durch Deutschland. Eine Kampfansage an die zunehmende Kommerzialisierung ihrer Musik. Charly soll als Fahrer und für die Organisation mitkommen, doch er ist skeptisch. „Ist das nicht irgendwie in die Hose gegangen bei den Beatles?“ Es geht hier nicht um eine Pop-Band. Die Raves, die Ziel der „Magical Mystery“-Crew sind, leben von durchfeierten Nächten, Alkohol und Drogen. Und das jeden Abend aufs Neue? Charly kennt die Schattenseiten der Berliner Techno-Szene nur zu gut: Seit er vor fünf Jahren nach einem Partyrausch wegen eines Nervenzusammenbruchs in der Psychiatrie landete, lebt er zurückgezogen in einer Entzugs-WG in Hamburg. Dort gibt es für ihn nur noch Kaffee und Zigaretten. Sozialarbeiter Werner guckt ihn schief an, wenn er sich einen großen Eisbecher gönnt – Charly hat die Eintönigkeit und Überwachung satt. Weil er endlich wieder selbst die Verantwortung für sein Leben übernehmen will, willigt er schließlich doch ein, ein Teil von „Magical Mystery“ zu werden. Er begibt sich zurück in die Techno-Szene, an der er schon einmal fast zugrunde gegangen wäre. Hat er sich selbst wirklich im Griff? Zum Glück ist da auch die verständnisvolle Rosa, eine der DJs, die ihm zur Seite steht.
  • Charly Hübner (Karl Schmidt), Detlev Buck (Ferdi), Bjarne Mädel (Werner), Annika Meier (Rosa), Marc Hosemann (Raimund), Michael Brandt (Klaus-Dieter)
  • Autor: Sven Regener
  • Regie: Arne Feldhusen

  • Land : Deutschland
  • Jahr : 2016
  • Herkunft : WDR
    Verfügbar in der Arte-Mediathek bis zum 21.07.20

 

Leben genießen

Leben genießen

Jemand sprach mit mir darüber, wie schnell die Zeit vergeht und wie alt wir schon sind. „Sterben wird realistisch. Darum muss man jede Minute genießen!“, wurde ich ermuntert. Ich sagte:“ Das ist aber furchtbar anstrengend!“ Wir lachten und verabschiedeten uns.

Genießen als Dauerzustand wäre mir tatsächlich zu anstrengend. Ich kenne das nicht. Ich empfinde ab und zu kleine und etwas größere Glücksgefühle. Ich freue mich auf oder über etwas. Mir schmeckt das Essen und mein Herz wird berührt, wenn ich mit anderen Menschen zusammen etwas erlebe. Ich liebe Bücher, Filme und Musik. Und mit dem neuen Kopfhörer werde ich von Tönen in einer Weise berührt, die ich so bisher nur in einer Oper oder einem Konzert erlebte. Ich halte mich in der Natur auf und Gefühle kommen an die Oberfläche: Dankbarkeit, Trauer, Freude, Sehnsucht, Erinnerungen, und ja, kurze Genussmomente, wenn ich realisiere, wie schön es hier draußen ist.

Ich kann nicht den ganzen über Tag genießen. Dann würde ich nichts anderes mehr schaffen. Aber ich entwickle ein anderes Bewusstsein. Wie habe ich es gut, das alles noch erleben zu dürfen. Je älter ich werde, umso mehr Menschen kenne ich, die schwer erkrankt oder auch schon gestorben sind. Der Tod ist real und damit lebe ich bewusster. Der Gedanke daran, dass mein Leben eines Tages zu Ende sein wird, erschreckt mich immer noch, aber immerhin lasse ich ihn zu. Und dann lasse ich ihn wieder ziehen.

Ich will meine Lebenszeit nicht nur genießen, ich will sie mit Gedanken und Taten füllen. Aber das auch nicht andauernd. Ich liebe es, mich einfach nur so hinzusetzen und zu gucken. Diese Momente genieße ich wirklich.