Unmöglich

Ich miste aus und vieles kann weg. Nachdem ich es etliche Jahre nicht fertig brachte, ist heute der Schuhkarton mit den Pixi-Büchern dran. Ihr kennt diese kleinen quadratischen Bilderbüchlein? Meine Kinder liebten sie.

Nein, nein, ich mache den Karton nicht auf. Auf keinen Fall. In die Tonne damit! Gleich wird das Altpapier eingesammelt. Was weg ist, ist weg.

Unmöglich. Das geht so nicht. Ich muss noch einmal raus und den Karton wieder in die Stube holen. Ich nehme jedes einzelne Büchlein in die Hand. Die meisten wandern wieder in ihre Schachtel, aber diese hier nicht:

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Sie wecken alte Gefühle und Erinnerungen.

Wie oft wurden sie „vorgelesen“? Jedes Wort musste stimmen, denn meine Söhne waren schlau. Sie bemerkten die kleinsten Nachlässigkeiten sofort und protestierten. Sie „lasen“ sich die Büchlein auch gegenseitig vor und wahrscheinlich kennen sie die Texte heute noch.

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Natürlich behalte ich diese fünf Büchlein. Sie bekommen einen Ehrenplatz in meinem Kinderbuchregal, wo „Jim Knopf“, „Mary Poppins“, „Die Borger“, „Das doppelte Lottchen“, „Die Brüder Löwenherz“, „Ronja Räubertochter“ und viele andere vor sich hinstauben.

Ich bringe es einfach nicht fertig, sie zu entsorgen.

 

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Sonntagsspaziergang

Sonntagsspaziergang

Ein erster langer Sonntagsspaziergang nach meiner Operation.

Mit Gehilfen zwar, aber immerhin.

Der Himmel bedeckt sich, der Wind hat eine Pause eingelegt.

Im Park herrscht reges Leben.

Ich denke an unsere Familienzeit.

Auch wir mit Kindern und Hund unterwegs, wann immer es ging.

Manchmal kamen auch die Katzen mit.

Später machten mein Mann und ich uns sonntags zu zweit auf den Weg,

zu Fuß oder mit dem Rad und manchmal mit dem Auto.

Das war schön.

Das fehlt mir.

Nach der Scheidung gab es ein Jahr,

in dem wir uns sonntags wieder trafen .

Und wir hatten uns so viel zu erzählen.

Wir waren uns sehr nah.

Bis er sagte, er macht Urlaub mit der anderen Frau.

Rein freundschaftlich, versteht sich.

Das ertrug ich nicht und zog mich zurück aus unserer neuen Sonntagszweisamkeit.

Ich war nicht in der Lage, eine andere Entscheidung zu treffen.

Leider.

Mit den Kindern trafen wir uns trotzdem noch.

Freundschaftlich, versteht sich.

Als Familie dachte ich.

Ich freute mich immer darauf.

Vor einem halben Jahr ist er gestorben.

Und ich vermisse ihn und unsere Sonntage.

Diese Gedanken lasse ich heute zu.

Sie müssen sein.

Ich höre die Frühlingsvögel

und bin dankbar, das ich lebe.

Jeden Tag ein wenig mehr

Jeden Tag ein wenig mehr

„Ach wissen Sie“, sagte die Physiotherapeutin im Krankenhaus, „alle jammern, dass die Zeit so schnell vergeht. Da werden Sie doch über vier Wochen nicht erschrocken sein!“

Stimmt. Morgen sind es vier Wochen und dann können die Gehstützen allmählich ausgeschlichen werden. Ich darf sogar heute schon im Haus ein paar Schritte alleine machen. Also einen gefüllten Suppenteller von der Küche zum Esstisch transportieren und so. Das ist eine Erleichterung und ich habe heute morgen gleich mal meinen Kaffeebecher von der Küche zum Bett transportiert. Mit Treppe! Und dann fuhr ich zum Einkaufen, trug eine mittelschwere Tasche ins Haus und pflanzte ein Stiefmütterchen in meine Motivschale mit Schäfer und Schafen vor meiner Haustür. Damit aus einer Weihnachtsherde ein Frühlingsstillleben wird. Ist es geworden, aber mein rechtes Knie meckert. Gut, lasse ich es lieber wieder etwas langsamer angehen. Mit Sofaliegen und „Rote Rosen“ im Fernsehen. Dient der Entspannung, Erbauung und meistens döse ich ein wenig weg dabei. Ich habe heute Nacht schlecht bis kaum geschlafen, insofern wird das Mittagsschläfchen ein Genuss.

Jeden Tag erobere ich mir mein altes Leben ein bisschen mehr zurück. Nur besser, weil zumindest ein Knie höchstwahrscheinlich bald nicht mehr wehtun wird. Aktuell schaffe ich es zu Fuß zur Sparkasse und zur Krankengymnastik. Mit dem Auto zum Einkaufen, Qigong und in die Schreibwerkstatt. Zur Philosophie werde ich abgeholt. Alles ganz wunderbar!

Prima finde ich auch, dass sich meine Angstattacken zurückgezogen haben. Ich kann mich wieder auf Menschen einlassen. Und wenn ich daran denke, wie ich mich ganz alleine, ziemlich ruhig und gelassen in die Klinik eingecheckt habe, möchte ich mich an dieser Stelle einmal selbst loben. Das Gespräch mit dem Narkosearzt war sogar ausgesprochen witzig und am Tag der Operation habe ich mich mit Hilfe der Beruhigungstablette ganz gut geschlagen. Die bekam ich allerdings viel zu früh, so dass ich schon wieder bei Sinnen war, als ich in den OP-Saal geschoben wurde. Während der Vorbereitung scherzten die Schwestern und Ärzte mit mir, um mich abzulenken. Ich hörte gut zu und dann war ich weg. Das Aufwachen gefühlte zwei Sekunden später passierte blitzschnell und schon wurde ich wieder aus dem Keller geschoben, aber nicht ohne dass ich mich mit einem „Bis zum nächsten Knie“, verabschiedete.

Die ersten Tage danach waren nicht so witzig und wenn man gar nicht aufstehen darf, ist das schon lästig. Aber auch das ging vorbei und wie war das schön, wieder allein ins Bad schleichen zu können, ohne nach einer Schwester zu klingeln! Und dann Zuhause erst! Meine erste Dusche nach vierzehn Tagen! Ein Genuss und die Morgentoilette wurde immer unkomplizierter!

Ich weiß jetzt, wie sehr ich mich auf meine Leute verlassen kann. Hilfe bekam ich von allen Seiten, Besuche, Mails und Telefonanrufe auch. Ich lebe alleine, bin aber in Notzeiten gut aufgehoben. Diese Erfahrung machte ich, als mein Mann starb und die machte ich auch jetzt wieder. Es ist ein schönes Gefühl, dass es genug Menschen gibt, die für mich da sind, wenn ich auf Hilfe angewiesen bin und Zuspruch mir guttut. Die anderen lasse ich ziehen, auch aus meinen Gedanken.

Gut, nun sind die vier Wochen also bald vorbei und ich freue mich so auf das Staubsaugen, Bodenwischen und Fensterputzen! Aber heute noch nicht. Heute werde ich höchstens ein bisschen Kniegymnastik treiben und mich dabei mit dem letzten Eberhofer-Krimi beschäftigen, sobald das „Rote Rosen Dösen“ beendet ist.

Ich danke Euch an dieser Stelle noch einmal für Eure Anteilnahme und guten Wünsche. Auch die aus dem Internet bau(t)en mich auf!

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Was ist der Mensch?

Was ist der Mensch?

Gestern fanden die Hobby-Philosophen nach einer langen Pause in der Volkshochschule wieder zusammen. Lustigerweise begannen wir mit der Frage: Was ist der Mensch? Das passt ja nun ganz wunderbar zu meinen Proseminaren I, in denen ich der Frage nachging, wer ich bin. Und weil ich ja ein Mensch bin, ähneln sich die Themen schon sehr.

Ja klar, gestern ging es viel gehaltvoller und wissenschaftlicher zu und uns rauchten die Köpfe. Ich habe aber festgestellt, dass ich in meinen nicht so ernst gemeinten Texten doch nicht ganz falsch lag. Ich überlege sogar, ob ich sie das nächste Mal zur Einstimmung vorlesen will. Als kleines Gegengewicht zur Ernsthaftigkeit sozusagen. Ob ich mich traue, weiß ich heute noch nicht. Ob es passen würde, erst recht nicht.

Ja, was ist der Mensch? Ist er tatsächlich nur das, was er zeigt? Steckt hinter der Fassade nichts? Diese These wird vertreten. Und kann der Mensch sich nur erkennen, wenn er durch andere gespiegelt wird? Ist es sinnvoll, mich hinzusetzen und darüber nachzudenken, wer ich bin? Käme ich zu brauchbaren Ergebnissen? Könnte ich mich selbst reflektieren, wenn ich ganz alleine auf einer Insel leben würde? Oder geht das besser im Zusammensein mit intimen Partnern oder Freunden?

Ich stelle fest, dass ich immer wieder eine andere bin. Bei den einen bin und fühle ich mich so und bei anderen bin und fühle ich mich anders. Bei einigen bin ich verunsichert, bei anderen nicht. Welche ist als also die wahre Regine und gibt es die überhaupt?

Ich lebe alleine und denke, ich habe zu mir selbst gefunden und weiß jetzt ziemlich genau, wer oder was ich bin. Das ist vielleicht ein Trugschluss. Ich fand heraus, was ich gerne tue und mit welchen Menschen ich mich umgeben möchte. Ich sortierte Erinnerungen und habe meinen Besitz auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. Ich kenne meine negativen Seiten und meinen guten beginne ich zu vertrauen. Aber alle stehen irgendwie mit anderen Menschen im Zusammenhang. Ich habe ein Selbstbild und strebe danach, mir Menschen zu suchen, die sich ein ähnliches Bild von mir machen. Mit den anderen komme ich nicht gut zurecht.

Wie sähe es aus, wenn ich ganz alleine auf der Welt wäre? Könnte ich dann die Frage tatsächlich beantworten, wer ich wirklich bin? Und würde ich es jemals herausfinden? Und wenn ja, wie lange? Muss ich nicht lebenslang dieser Frage nachgehen, weil ich mich pausenlos verändere?

Ach wie schön, dass wir Philosophen wieder zusammengefunden haben. Wir werden  keine allgemeingültigen Antworten finden, uns werden aber immer neue Fragen einfallen. Ich bin gespannt!

 

Proseminar I, zweiter Teil

Damen und Herren, ich begrüße Sie zum Proseminar I „Wer bin ich?“ Beim ersten Treffen haben wir uns mit dem Körper beschäftigt. Gibt es noch Fragen dazu?

Nein, es gibt keine Alternative. Erst wenn wir akzeptieren, dass wir unser Körper sind und ihn nicht haben, kommen wir weiter. Wenn wir ihn hätten, könnten wir ihn bei Nichtgefallen ja leicht umtauschen.

Nein, Schönheitsoperationen meine ich nicht damit, die sind kein Umtausch, der eigentliche Körper bleibt in seiner Mehrheit ja erhalten.

Gut, dann kommen wir heute zu unserem Geist, den wir ja nicht einfach nur haben, sondern wir sind unser Geist. Viele Menschen glauben, sie sind zusätzlich noch Seele. Oder haben sie eine Seele? Die Seele kann in dieser Vorstellung ja bekanntlich weiterziehen. Sie existiert unabhängig vom Körper und Geist. Also, in diesem Fall haben wir eine Seele.

Ich möchte mich hier aber auf unseren Geist beschränken, der ist keine Glaubenssache, sondern eine bewiesene Tatsache. Alle Lebewesen besitzen ihn. Entschuldigung, falsches Wort. Der Geist ist nicht zu trennen vom Körper. Insofern sind alle Lebewesen Körper und Geist.

Wo sind denn meine Aufzeichnungen? Bitte entschuldigen sie, ich muss sie suchen gehen. Sie können sich bis dahin mit Ihrem Nachbarn darüber austauschen, wo Sie ihren Geist vermuten. Wie bitte? Ja, natürlich, mit den Nachbarinnen auch! Ja, ich weiß, ich sollte das immer erwähnen.

So, da bin ich wieder. Ich habe die Aufzeichnungen offensichtlich zu Hause vergessen. Darum erzähle ich Ihnen, was ich behalten habe. Ich hoffe, mein Gedächtnis lässt mich nicht in Stich.

Also, wenden wir uns der Frage zu, was gehört zum Geist? Ich denke, es sind im Wesentlichen die Emotionen, Vernunft, Sprache, Träume, Lebenskraft, Kreativität, das Gedächtnis, Fühlen, Denken sowie der Verstand. Fällt Ihnen noch etwas ein? Strengen Sie Ihren Geist doch ruhig zur Abwechslung einmal an, meine Damen und Herren! Geist will trainiert werden, sonst verkümmert er.

Sie meinen, die Liebe hätte ich vergessen? Meine Güte, Liebe ist eine Emotion, oder? Sie meinen, die Sprache gehört nicht zum Geist? Gut, sie ist eine Vermittlerin zwischen Geist und Körper, sie braucht beides und verbindet beides. Ach ja, das sagte ich schon. Ähnlich ist es mit zum Beispiel auch mit der Kreativität. Sie ist in der Lage, geistige Ideen sichtbar zu machen. Denken Sie bitte an alle Kunst, die es gibt! Ach, was rede ich denn da? Alles, was Menschen erschaffen, hat seine Quelle im Geist. Ist das nicht ganz wunderbar? Gut, nicht immer. Aber das wäre ein Thema für Moral und Ethik. Beide Gebiete sind geistliche Errungenschaften. Oder geistige? Egal, wir wissen, der Körper kennt keine Moral, oder?

Hier wird nun ganz deutlich, dass Geist und Körper nicht ohne einander existieren können. Gefühle und so weiter entstehen im Hirn oder so. Ich habe meine Aufzeichnungen leider nicht dabei und kann nur ungefähr die Richtung angeben. Nervenzellen spielen eine große Rolle und elektrische Impulse und Synapsen. Bitte recherchieren Sie das Zuhause und bringen Sie Ihre Ausarbeitungen das nächst Mal mit.

Damit schließen wir für heute. Mein Körper will sich in die Sonne legen und mein Geist hat sich etwas zu sehr angestrengt. Er muss jetzt ruhen. Ich danke Ihnen und kommen Sie gut nach Hause!

 

Ich bin so kreativ!

Ich bin so kreativ!

Aus der Not heraus erfinde ich neue Sportarten:

Treppenlangsamsteigen

Beinhochlegen

Kniewippen

Thrombosestrumpfhochziehen

Wäschebeutelweitwurf

Wäschebeutelhochwurf

Badezimmerimeinbeinstandputzen

Thrombosewettspritzen

Yoga auf dem Stuhl, ach ne, das kannte ich ja schon

Küchenarbeitimsitzen

Tanzenimgeiste

Arbeitdelegieren und sportlich so lange zuschauen, wie möglich, darin werde ich immer besser!

Sofalangsitzen

Terrassenlangsitzen

Krückenumwerfen

Staubfluseneinsammeln

Zehengymnastik mit Musik

 

 

 

 

 

 

 

 

Proseminar I

Ich begrüße Sie herzlich zum Proseminar „Wer bin ich“, in dem wir uns gemeinsam auf die Schliche kommen wollen. Zuerst bedenken Sie doch bitte kurz die Frage: Was hat mich hergeführt? War es Ihr Körper oder Ihr Geist?

Natürlich beide zusammen, denn sonst wären Sie nicht hier. Noch ist es technisch nicht möglich, den Geist in die Vorlesung zu schicken, während der Körper die Küche aufräumt. Oder den Körper zu schicken, während sich der Geist im Internet vergnügt. Obwohl das Beispiel nicht gut gewählt ist, denn wie soll der Geist ins Internet gelangen, ohne dass der Körper ihm das ermöglicht? Mir fällt nichts ein, was der Geist machen könnte ohne Hilfestellung des Körpers. Meine Damen und Herren, das wäre jetzt Ihre Hausaufgabe: Wie kann ich den Geist dazu bewegen, aktiv zu sein, ohne den Körper in Anspruch zu nehmen? Ich bin gespannt auf Ihre Ergebnisse.

Wenn ich es so recht bedenke, kann der Körper selbständig ohne den Geist auch nicht viel bewirken, oder? Ach ja, hier sind wir wieder bei der Ausgangsfrage angelangt. Wir kommen zum Schluss, dass der Körper hilflos ist ohne Geist und umgekehrt. Insofern erübrigt sich die Hausaufgabe, streichen Sie dass.

Wer bin ich also? Ich bin mein Körper und mein Geist. Viele sagen ja, sie haben einen Körper. Das ist ein Trugschluss. Sie sind Ihr Körper. Einen Teil tragen Sie außen vor sich her. Meistens kaschieren und verkleiden Sie sich mit Kleidung. Wie bitte? Sie meinen, Sie kaschieren nicht, sondern brauchen die Kleidung, um sich zu wärmen? Ja, dann frage ich Sie, warum tragen Sie nicht einfach praktisch aufgeschnittene Säcke? Na also,  Sie sind Ihre Kleidung fast genauso wie Ihr Körper. Sie drücken sich damit aus und zeigen, wer Sie sein wollen. Hier folgt nun Ihre Hausaufgabe: Erscheinen Sie bitte zum nächsten Mal in einer Kleidung, die Sie nie tragen möchten. Mal sehen, was Ihr Geist dazu sagt.

Also, Sie sind sichtbarer Körper und unsichtbarer Körper. Alles was in Ihnen ist, sehen und zeigen Sie in der Regel nicht. Sie wissen gar nicht, wie Sie drinnen aussehen. Und was Sie enthalten, wollen Sie gar nicht so genau wissen. Oder doch? Nein, bitte jetzt keine Zwischenfragen! Notieren Sie bitte alle Bestandteile, die Sie in sich vermuten und fragen Sie sich, ob Sie akzeptieren, dass Sie all das sind. Nein, nicht Zuhause, das machen Sie jetzt…….

Fertig? Prima. Sie sind all das! Hätten Sie das gedacht? Mich überrascht das jedes Mal wieder. Damit komme ich also zum Punkt Krankheiten. Die meisten sagen, sie haben eine Krankheit. Nein, meine Damen und Herren, sie haben sie nicht, Sie sind sie. Weil Sie ja keinen Körper haben, sondern…..Wie bitte? Sie sind nicht einverstanden? Das ist Ihr Problem. Also, Sie haben kein Problem, sondern Sie sind das Problem. Bitte verlassen Sie mein Proseminar! Danke.

Nun zum Geist. Viele sagen auch Seele dazu und glauben, diese existiert auch ohne Körper. Viele denken sogar, dass die Seele wandert, nachdem der Körper aufgegeben hat. Darüber diskutieren wir das nächste Mal, heute lassen wir es so stehen. Sie können sich ja gerne Zuhause einmal überlegen, wie Sie sich das mit der Seele vorstellen und vielleicht malen Sie ein Bild dazu.

Also, wer bin ich? Der Körper ist leichter zu fassen als der Geist. Darum beschränken wir uns heute auf den Körper. Sie mögen in der Regel ihren Körper nicht. Sie finden ihn hässlich, zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein undsoweiterundsofort. Wir machen jetzt eine lustige Übung: Bitte skizzieren Sie sich und markieren alle Stellen, die sie nicht mögen. Anschließend teilen wir uns in Kleingruppen und stellen uns die Zeichnungen vor. Wie bitte? Sie wollen das nicht? Dann kriegen Sie Ihren Schein nicht und das Examen rückt in weite Ferne! Also, geht doch.

Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Nun wissen wir alle über uns Bescheid. Wir mögen uns nicht. Ich habe niemanden gefunden, der diese Übung macht und keine Stellen markiert hat. Meiner Erfahrung nach markieren Männer etwas weniger, als Frauen. Frauen lieben diese Übung geradezu, denn nichts ist ihnen vertrauter, als sich ihren Makeln zu widmen. Ganze Industrien leben davon! Überlegen Sie einmal, wie  sich unsere Welt verändern würde, wenn alle mit sich zufrieden wären. Ganze Industrien würden in die Pleite gehen. Darum hat die Wirtschaft jetzt auch die Männer und ihre Makel entdeckt.

Also, noch mal zur Ausgangsfrage: Wer bin ich? Wir haben festgestellt, dass wir aus Körper und Geist bestehen. Beide hängen zusammen, solange wir leben. Da wir nun alle an den Körpern etwas auszusetzen haben, wie mag es dann mit dem Geist aussehen? Ich stelle fest, solange Sie Ihren körperlichen Anteil nicht mögen, hat Ihr Geist es schwer.

Ich schließe hiermit das Proseminar und entlasse Sie mit der Frage: Wie war ich heute? Ich bitte um positive Bestätigung, denn diese tut meinem Geist gut.

Ich danke Ihnen.