Wie sich eine Rentnerin auf Ostern vorbereitet

Wie sich eine Rentnerin auf Ostern vorbereitet

Heute ist Montag und der Großeinkauf hat sich erledigt. Für zwei Wochen reichen die Lebensmittel ganz bestimmt. Vielleicht noch länger, wenn ich die Osterleckereien nicht vorzeitig vernichte. Und auch die große Flasche Eierlikör darf auf keinen Fall angebrochen werden! Oha, da kommen schwere Tage auf mich zu. Ich müsste sowieso dringend nun aber auch wirklich endlich abnehmen, denn meine Füße……Na gut, Ostern ist Ostern. Natürlich ist das eine Ausrede. Ich weiß. Aber nach Ostern kaufe ich nichts mehr mit Zucker. Das verspreche ich mir und werde rot. Allerdings ist das Leckermäulchen noch ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Fand Frau Steinzeitfrau süße Beeren, hat sie alle auf einmal gegessen. Das war damals so. So las ich es in der „Kurzen Geschichte der Menschheit“. Vielleicht hat sie auch ein paar getrocknet, aber wahrscheinlich hat sie sie nicht lange aufgehoben, denke ich vergnügt, während ich meine Marzipanvorräte im Arbeitszimmer vor mir selbst verstecke

Immerhin wird übermorgen meine Biokiste geliefert. Also Gesundes habe ich dann auch genug im Haus.

Mein Kühlschrank hat zwar seit gestern kein Licht mehr, aber er kühlt noch hervorragend. Nun ist er voll und ich bin erschöpft, aber zufrieden. Morgen erledige ich die Osterpost und ein Geburtstag will auch gewürdigt werden. Und dann habe ich wieder frei und kann tun und lassen, was ich will.

Ich freue mich schon auf die gemütlichen Tage im April. Ein neuer Stephen King (Später) und eine neue Juli Zeh (Über Menschen) warten schon sehnsüchtig auf mich. Ein ungelesenes Sachbuch von Katja Gloger/Georg Mascolo (Der Ausbruch) über die Pandemie steht auch im Regal. Ich wollte mir keine Bücher mehr kaufen, aber siehe Süßigkeiten! Jeder Anlass bietet Anlass zum Bucherwerb und es gibt schlimmere Sünden.

Doch ja, ich werde auch einen Sohn mit Familie besuchen. Wir haben uns mit Selbsttests eingedeckt und hoffen auf Gartenwetter. Er meinte gestern am Telefon, er könne sich ja einen Motorradhelm aufsetzen und mich dann herzlich umarmen. Nette Idee, ich sehe schon vor mir, wie sich seine Freundin und Schwiegermutter gut behelmt in die Umarmungsschlange einreihen. Frohe Ostern dann, denke ich und schmunzle ein wenig vor mich hin.

Mein anderer Sohn rief mich gestern auch an und ich lachte häufig über Dinge, über die ich früher vielleicht nicht laut gelacht hätte. „Ach“, erklärte ich mein seltsames Verhalten, “ alleine lachen geht nicht so gut. Am Telefon geht das besser.“ Das sah er ein, denn auch die Lachmuskeln müssen trainiert werden. Er erzählte, dass seine Freundin in Quarantäne musste und er gleich mit. Aber beide sind negativ getestet. Darüber lachte ich nicht und dachte nur: Glück gehabt!

Bitter

Das, was logisch ist

passt nicht ins Bild

das, was getan werden muss

passt nicht in die Stimmung.

😢

Wir wissen es besser

und probieren trotzdem aus

und setzen auf die Vernunft.

😅

Einst beklatscht und gelobt

werden die Helden wieder vergessen

denn wir wissen

die machen das schon.

💐

Und wir wollen doch mal sehen

ob die Fachleute recht haben.

😳

Oh, hatten sie.

Homo sapiens

Homo sapiens hat schon immer die Umwelt verändert und ausgerottet, was ihm nicht passte. Und er wurde mit der landwirtschaftlichen Revolution vor etwa zehntausend Jahren Opfer der Luxusfalle, in der wir heute noch leben. Das schrieb Yuval Noah Harari in seinem Buch: Die kurze Geschichte der Menschheit. Pantheon 2015

Aha, denke ich, kein Wunder, das alles, wir sind ja immer noch Homo sapiens (lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“). Menschengemachte Umweltkatastrophen sind nicht neu. Tier-und Pflanzenarten verschwanden schon immer, sobald Homo sapiens auftauchte. Die Gegenwart ist also keine Ausnahme, sondern nur die logische Fortsetzung unserer Geschichte. Wir werden allerdings immer besser darin, denn der Fortschritt macht keine Pause.

Und mit der Luxusfalle sind wir in guter Gesellschaft. Auch die ist nicht neu. Wenn wir über Luxus (Üppigkeit, Ausschweifung, Verschwendung) verfügen, empfinden wir Freude. Aber nicht lange, denn Luxus wird schnell alltäglich und dann wollen wir mehr davon. Wir merken nicht, wie uns der Luxus in Wirklichkeit immer weiter einschränkt. Na ja, wir merken es manchmal schon, nämlich dann, wenn wir unzufrieden oder krank werden. Der technische Fortschritt hat uns keine Zeit und Ruhe geschenkt, sondern er ist ein purer Zeitfresser. Je mehr technische Geräte wir im Haus haben, umso weniger Zeit für Muße steht uns zur Verfügungen. Wenn wir modern, aufgeschlossen und jung bleiben wollen, tun wir gut daran, den technischen Fortschritt fröhlich mitzumachen. Wenn wir nicht mithalten können oder wollen, werden wir schnell abgehängt und nicht mehr ernst genommen. Ich als Rentnerin leiste es mir, nicht alles zu besitzen, was es gibt und mich mit alten Geräten zufrieden zu geben. Das stößt aber auf Unverständnis und ein mildes Lächeln bei den Kindern und anderen, die es wichtig finden, fortschrittlich zu sein.

Reisen war früher ein Luxus, den nicht jeder haben konnte. Wollten wir aber. Und je mehr (technisch) möglich wurde, umso größer wurden die Begehrlichkeiten. Ich spreche jetzt mal ganz allgemein und wir wissen, dass es Ausnahmen gibt. Reisen sind bei vielen also kein Luxus mehr, sondern ein Menschenrecht. Jedenfalls bei uns Wohlhabenden. Wir können und wollen uns nicht einschränken. Wir wollen Luxus-Glück erleben. Das Dumme ist nur, dass wir immer weiter, höher oder sogar tiefer müssen, um dieses Glücksgefühl erneut erleben zu können. Und ich wette, dass die meisten Reisenden mehr denn je unter Stress und Zeitmangel leiden. Und die Einheimischen verdienen zwar Geld, aber leiden auch, ich habe auf Föhr gelebt, ich weiß, wovon ich spreche.

Wir stumpfen ab. Was das erste Mal befriedigend war, ist es beim zweiten Mal oft nicht mehr. Es müssen also immer neue Ziele gesucht werden. Letztendlich landen wir auf Kreuzfahrtschiffen, die immer „größer und besser“ werden, um attraktiv zu bleiben. Insofern ist es zu verstehen, warum so viele Menschen auf das Reisen nicht verzichten können, auch wenn alle wissen, dass die Mobilität uns allen nicht gut tut. Sie zerstört die Umwelt und jetzt trägt sie auch noch dazu bei, dass es der Pandemie so richtig gut geht. Homo sapiens kann nicht anders.

„Und nun?“, denke ich bei meiner Lektüre. „Was mache ich nun damit?“ Aufgeben? Mit einem Achselzucken weitermachen, weil ich sowieso nichts ändern kann?

Ich stelle mir gerade die Frage, ob ich dieses Buch nicht lieber weglegen will. Nein, sagt meine Vernunft, da stehen noch viele schlaue Sachen drin und witzig geschrieben ist es ja auch. Weltuntergangstimmung erzeugt es bei mir nicht, sondern ein Verständnis unserer heutigen Situation. Homo sapiens ist eben moralisch gesehen auch nicht besser als das Virus.

Krause Gedanken

Krause Gedanken

Manchmal ist es richtig, das Spiel zu kennen und die Regeln einzuhalten. Zum Beispiel im Straßenverkehr bin ich darauf angewiesen, dass wir alle das gleiche Spiel spielen. Wir müssen uns darauf verlassen können, sonst wird es gefährlich. Den Gedanken kannte ich schon, bevor ich mir das Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit – Wikipedia vornahm. Und gerade lese ich es ein zweites Mal und denke krause Gedanken. In meinem Hirn geht es in etwa so zu:

Alles nur erfunden. Geld gibt es nur in unserer Vorstellung, Aktien auch. Verkehrsregeln, Gesetze und sportliche Wettkämpfe sind Erfindungen. Genauso die Nationalstaaten und Religionen. Mode existiert nur, wenn wir mitspielen. Verliebt, verlobt, verheiratet: ein beliebtes Gesellschaftsspiel hierzulande. Wir spielen es mit, weil wir denken, es muss so sein, weil es eben so ist. Erziehung, Ordnung, Status, Sparbücher, Gesundheit, Geschlechterkampf, Kultur, Versicherungen, Menschenrechte: Erfindungen, die nicht gemeingültig sind, auch wenn wir das denken. Sie wirken nur, wenn wir daran glauben. Bei mir funktionieren zum Beispiel Statussymbole oft nicht, weil ich die Marken meist nicht kenne und ich gar nicht weiß, wie teuer die Kleidung, Reisen und Autos sind. Darum kann ich dieses Spiel mit den Reichen nicht mitspielen. Allerdings schließe ich mich anderen Menschen an, denen es auch egal ist. Und natürlich erfinden wir unsere eigenen Statussymbole, sonst würde wir uns ja gar nicht erkennen.

Worauf bauen wir unser Leben auf? Auf Mythen und Geschichten, die es nur gibt, weil wir sie uns mithilfe unseres Sprachvermögens ausdenken können und daran glauben, dass sie wahr sind. Neue entstehen, alte werden vergessen. Spielregeln werden angepasst. Ich entscheide, wo ich mitspiele und welche Regeln ich anerkenne, weil ich glaube, dass es die richtigen sind. Gesellschaft besteht also aus unterschiedlichen „Glaubensgemeinschaften“ mit ihren eigenen Spielregeln. Es gibt kein absolutes Richtig oder Falsch.

Manchmal treffe ich auf „fremden Glaubensgemeinschaften“. Sie erweitern meinen Horizont oder auch nicht. Sie machen zumindest mein Leben bunter. Allerdings bin ich verunsichert, wenn ich die entsprechenden Regeln nicht kenne und kann mich oft nicht adäquat benehmen. Das ist zwar peinlich, aber nicht so schlimm, wenn ich daran denke: Alles nur ein Spiel!

Es gibt „Glaubensgemeinschaften“, denen gehe ich aus dem Weg. Die sind mir so fremd, dass es keine Berührungspunkte gibt.

Ist ja irgendwie alles nichts Neues, auch für mich nicht. Wer denkt, dass mein Text heute aber doch sehr unausgegoren ist, hat wohl recht. Ich stelle also für heute das Denken ein und wünsche Euch lieber einen schönen Sonntag!

Was gibt es Neues?

Die Balearen gelten aktuell als ziemlich coronasicher- und rüsten sich für die ersten Touristen. Auch Griechenland macht sich bereit. Reiseveranstalter und Hoteliers scharren mit den Hufen, und viele sehnsuchtsvolle Deutsche auch.

Ja, super denke ich und gucke sehnsuchtsvoll ( Die Autokorrektur macht daraus: einsichtsvoll. Manchmal ist sie ziemlich schlau!😁) aus dem Fenster. Ist doch logisch, dass wir jetzt alle wieder verreisen. Schließlich ist bald Ostern!

Neu ist das, was ich heute in der Zeitung lese, nicht gerade. Ich konsumierte gestern nämlich etliche Nachrichtensendungen und Maischberger. Wenn ich mich richtig erinnere, sprach sich die Schriftstellerin Nele Pollatschek dafür aus, lieber die Realitäten von Frauen zu ändern, statt die Gleichberechtigung in der Sprache herstellen zu wollen. Frauen sollten besser arbeiten können. Also, ihnen sollte ein Verhalten möglich gemacht werden, so wie Männer mit Kindern sich sowieso schon verhalten. Und dann meinte sie, eine gute Lösung wäre es, nicht mehr DER oder DIE zu sagen, sondern das „DAS“ zu benutzen. Also „Das Bundeskanzler“ für alle (m,w,d). Das finde ich witzig. Das Professor, das Schriftsteller, das Erzieher, das Verkäufer, das Autohändler, das Lehrer. Ich lache und denke, Gendersternchen finde ich auch nicht gerade emanzipatorisch. Für mich als Schreibende ist die Idee ziemlich verunsichernd und störend, auch wenn es in den Nachrichten neuerdings mitgesprochen wird. Egal, es gibt dringendere Fragen, die beantwortet werden müssen. Aber was lese ich denn jetzt gerade? Ein Kommentator spricht von Spitzbübinnen-und buben, die es überall gibt. Spitzbübinnen! Wäre Spitzmädels nicht eher das richtige Wort?

Ich will mich lieber nicht lustig machen. Wie in der Rassismusdebatte glaube ich den Betroffenen, durch welche Wörter und Sprachregelungen sie sich diskriminiert fühlen. Die Frage der Geschlechtsidentität ist ein neuer Aspekt in meinem Leben. Ich informiere mich und halte fest: Es gibt viel mehr als nur zwei Geschlechtsidentitäten! Nicht alle Menschen sind Männer oder Frauen. Diese Personen bezeichnen sich zum Beispiel als nicht-binär oder genderqueer. Es gibt noch eine Menge zu lernen! Ich als (eindeutige) Frau habe mich nie diskriminiert gefühlt, wenn von Lehrern und Lehrerinnen die Rede war. Meinetwegen auch LehrerInnen oder Lehrer*innen. Aber es werden hier viele andere Menschen nicht mit angesprochen. Um das zu ändern, schlägt Frau Polatschek eben das „Das“ vor. Das würde alle einbeziehen. Irgendwie doch bedenkenswert, denke ich.

Weiter mit meiner Morgenzeitung. In der „Fundgrube“ wird unter der Rubrik Veranstaltungen eine sehr gut erhaltene Schlafcouch angeboten. Was für Veranstaltungen könnten denn auf einer Schlafcouch stattfinden?…..😳……..☺️ Ich lache mich schlapp und finde das gar nicht so verkehrt. Couch kann ja in Coronazeiten schon ziemlich spannend sein. Ich brauche aber keine neue Schlafcouch und lese weiter.

Kind hängt mit Kopf im Stuhl fest.

In Dresden ist ein Mädchen beim Spielen mit dem Kopf in einem Stuhl stecken geblieben und musste von der Feuerwehr gerettet werden. Die Siebenjährige hing zwischen Lehne und Sitzfläche fest und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien, wie die Feuerwehr gestern mitteilte. Die Einsatzkräfte beruhigten erst das Mädchen und griffen dann zur Bohrmaschine, um die Befestigung der Lehne aufzubohren. Das Kind blieb unverletzt.

Elbe-Jeetzel-Zeitung, 11.03.21, letzte Seite

Nun fühle ich mich über die vergangenen Dramen gut informiert und bin froh, dass in Dresden alles gut gegangen ist. Ich freue mich auf morgen! Dann gibt es wieder eine neue Zeitung.

Für heute wurde Sturm angesagt. Der Wind frischt auf. Noch ist es nicht so schlimm wie angekündigt. Kann aber noch werden. Allen Betroffenen wünsche ich: Kommt gut durch das Wetter heute!

Ein Kommentator spricht von Spitzbübinnen -und buben, die es überall gibt.

Nicht teilbar

Als ich mein Rezept abholte, befand sich ein Zettelchen auf diesem. Mein Hausarzt erinnert mich daran, dass mir 2021 ein Gesundheitscheck zusteht und er rät mir, diesen auch in Anspruch zu nehmen. Ich soll mir morgens Blut abnehmen lassen und dann einen Termin für die umfassende Untersuchung absprechen.

Das ist blöd, weil ich jeden Morgen denke: Mache ich morgen! Und dann habe ich für kurze Zeit ein schlechtes Gewissen.

Zur Beruhigung verabrede ich erst einmal einen Zahnärztinnentermin (heute zum Frauentag muss dieses Wort jetzt sein😉). Ende März guckt sie mir in den Mund und mein Gewissen wendet sich anderen Dingen zu.

Ich habe noch mehr Baustellen. Fachärzt*innen sind nicht so mein Ding. Blut lasse ich mir wegen Faulheit auch heute nicht abnehmen. Schlechtes Gewissen bringt mich dazu, mit der Praxis meiner Frauenärztin zu telefonieren. „Meine Güte, Sie waren ja schon lange nicht mehr hier“, sagt die nette Sprechstundenmitarbeiterin. Ich frage nach und erfahre, dass ich zuletzt 2015 dort gewesen sei.

Mein Gewissen fällt in sich zusammen. Hat ja doch keinen Zweck. Ich erinnere mich noch so gut an die letzte Untersuchung und lebte ganz zufrieden mit dem Gedanken, dass alles in Ordnung sei. Leute, wie schnell doch die Zeit vergeht! Ich bin erschüttert. Furchtbar!

Eigentlich müsste ich auch noch zur Orthopädin und eine Terminabsprache beim Augenarzt brauche ich auch, damit ich ihn zum Herbst wahrnehmen kann. Irgendwie werde ich nie fertig mit der Gesundheit und es wird nicht besser. Die Dermatologin wäre auch dran und einen Rheumatologen haben wir hier nicht, aber der wäre wichtig. Oder die eben. Ich sollte meine Hände auch einmal von einem Fachmann oder einer Fachfrau ansehen lassen. Die soll es ja geben, habe ich mal gelesen. Nur eben nicht hier.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir einen Arzt oder eine Ärztin wünschen, der oder die alles kann. Ich bin eine ganze Frau und nicht teilbar.