Nachklang

Nachdem ich dem Laptop gezeigt habe, wer hier das Sagen hat, kann ich Euch jetzt endlich meine 298 Urlaubsfotos zeigen.

Die Woche in Nordjütland bleibt in bester Erinnerung, weil: tolles Ferienhaus, fröhliche Gemeinschaft zu dritt im Wechsel mit dem Alleinsein, Strand und Meer ganz wunderbar, barfuß im Sand, barfuß am Wasser spazieren gehen, meine täglichen 5 km geschafft, Fahrrad fahren, Kühe gesichtet, keine Nachrichten und kein Fernsehen, kein Internet, viel Landschaft, viel Wetter in beide Richtungen, Spiele gespielt, Bücher gelesen, Quatschen und Stille, aufgehoben sein in einer schwierigen Woche, kochen und essen, Mondaufgang über dem Meer am letzten Abend, dänischer Kuchen und das tägliche Auffüllen der Naschtüte.

Doof ist: ich kann mit dem Abnehmen gleich mal wieder von vorne anfangen, wegen Naschtüte!

 

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Nichts geht mehr

Nichts geht mehr

Nun will ich Euch meine 298 Fotos vom Urlaub zeigen. Mein Laptop hat aber keine Lust und stürzt lieber ab. Das hat es (oder er?) schon vor dem Urlaub getan. Gestern gings dann wieder und heute rührt sich gar nichts mehr.

Nun schreibe ich mit dem Tablet. Notlösung. Um mich zurück zu melden. Keine Fotos heute und über das Meer schreibe ich jetzt auch nicht.

Kennt Ihr das? Man macht Pläne und die Technik hat was ganz anders vor? Das Tablet ist auch etwas spröde. Also, ich verabschiede mich jetzt lieber an dieser Stelle und wende mich wieder  meinem Laptop zu. Vielleicht muss es (oder er?) zum Doktor.

Wie war die Woche in Dänemark doch erholsam, so ganz ohne Internet!

 

 

 

 

 

 

Ich bin dann mal weg

Ich bin dann mal weg

Heute pack ich. Heute räume ich mein Haus auf. Heute mache ich Kartoffelsalat. Heute tanke ich mein Auto voll. Ach ne, das ist ja schon erledigt. Aber ich putze seine Scheiben. Klarer Durchblick ist gewünscht.

Denn: Morgen fahre ich. Ich fahre nach Hamburg 😳. Doch, doch, das schaffe ich. Fahrpraxis wieder auffrischen! Muss sein.

Dann steige ich um und werde von Freunden nach Hou bei Hals gebracht. Dänemark. Ostsee! Haus mit Meerblick! Und drei Terrassen. Für jeden von uns eine, wenn wir mal Ruhe brauchen oder so.

Die Wettervorhersage ändert sich täglich. Gestern waren noch sieben Tage leichter Regen und Wind angesagt, heute nicht. Prima!

Ich verbringe zur Abwechslung meine Auszeit nicht alleine oder mit anderen Frauen, sondern zusammen mit einem Paar. Ich bin gespannt. Doch, doch, das wird ein toller Urlaub. Wir kennen uns schon so lange. Die beiden sind fast Familie. Ich freue mich.

Mein Laptop bleibt hier.

Es weint. Aber das muss mal sein. Wir sind schon so abhängig voneinander.

Es wird mir hoffentlich gut tun, eine Woche im Hier und Jetzt zu leben. Analog. Ganz und gar real. Ohne Internet.

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Darum sage ich jetzt schon mal „Tschüss!“ Vielleicht werdet Ihr mir fehlen, aber da müssen wir jetzt durch!

Ist ja nicht für lange!

September

September

Der September wird vermutlich ein schwieriger Monat bleiben. Vor einem Jahr erlitt mein (geschiedener) Mann einen Hirninfarkt und verstarb. Nun nähert sich sein Todestag das erste Mal.

In der Hitze der letzten Tage schien es mir, als ob die Zeit sich zäh verzerrt und ich mich kaum rühren kann. Viel nahm ich mir vor, um es dann über den Haufen zu werfen. Abends die guten Vorsätze, die dann doch am nächsten Tag nicht eingehalten wurden. Keine Lust, zu warm, macht alleine keinen Spaß und so weiter und so fort. Nein, ich habe nicht den ganzen Tag auf dem Sofa gesessen und getrauert, das nicht. Aber ich habe meine Routine vor mich hin gelebt. Und viel gelesen! Ich bin abgetaucht in fremde Welten. Ich führte ein Einsiedlerrentnerinnendasein mit Unterbrechungen.

Eine wichtige Freundschaft ist mir vor ein paar Wochen weggebrochen und der Bruch wird nicht zu kitten sein. Nein, es ist nicht so furchtbar schlimm. Unfassbar allerdings, wie ich mal wieder nichts gemerkt habe. Oder doch, aber lieber nicht so richtig und dann aus allen Wolken zu fallen, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Das Thema wiederholt sich. Im Nachhinein zeigt sich, dass meine Intuition sehr gut funktioniert. Aber: sie lieber als Spinnerei abzutun und sie beiseite zu schieben, das hilft beim Aufschieben der Tatsachen. Bis dann doch alles ans Licht kommt, irgendwie.

Wenn ich darüber nachdenke, zieht sich diese Eigenschaft durch mein ganzes Leben. Ich lasse mich gerne hinters Licht führen. Ich folge eher meinen Wünschen und Vorstellungen und biege mir meine Wahrnehmungen zurecht. Ich narre mich selbst und die anderen sind manchmal ganz froh, dass ich es ihnen so leicht mache. Oder liegt es daran, dass ich Menschen, die mir nahe stehen, anders haben möchte, als sie sind? Dass sie unehrlich reagieren, weil sie wissen, dass ich in manchen Dingen keine Kompromisse mache? Egal. Wichtig ist, dass ich sehr oft spüre, wenn etwas nicht so ist, wie es scheint, ich mir aber selbst nicht glaube.

Wäre noch zu ergründen, warum ich so gestrickt bin. Hat wahrscheinlich damit zu tun, dass ich als Kind meinen eigenen Wahrnehmungen nicht trauen durfte und lieber den Wünschen der Eltern folgen sollte. Als gehorsame Tochter sozusagen blind zu werden gegen eigene Gefühle und Einsichten, so wie es die Eltern und Großeltern vorlebten. Nachkriegsgeneration eben.

Gut, das habe ich also  nicht zum ersten Mal durchschaut und kann wissen, dass es mein Bauchgefühl ehrlich mit mir meint.

Zurück zum September und zu meinem Mann. Ich sortiere Erinnerungen. Warum war es oft so schwer? Warum fühlte ich mich immer mal wieder belogen und betrogen? Ich stelle fest, dass ich daran zur Hälfte beteiligt gewesen bin. Genau zu fünfzig Prozent. Ich traute meiner Intuition nicht. Ich hätte uns wahrscheinlich viel erspart, wenn ich das frühzeitig getan hätte. Vielleicht wären wir glücklicher miteinander gewesen. Wer weiß? Trotzdem: mein Mann und ich liebten uns, so gut wir es konnten. Das sagt mir mein Bauchgefühl.

Unsere Kinder haben es nicht immer so gut gehabt, wie ich es gewollt hätte. Auch da habe ich mir manchmal die Wahrheit zurechtgebogen und nicht gesehen, wie es ihnen wirklich ging. Heute bin ich in der Lage, mich mit diesem Thema Schritt für Schritt auseinanderzusetzen. Schuldgefühle nützen nichts, sie verbiegen die Realität nur. Wir haben als Familie gute Zeiten gelebt und schlechte Zeiten. So ist das eben. Unsere Elternliebe war die Grundlage und ich denke, das spüren unsere Kinder auch. Sie verhalten sich so und ich bin wirklich sehr stolz auf sie.

Welche Konsequenzen ziehe ich nun aus den gewonnenen Erkenntnissen? Ich halte Abstand zu Menschen, vermisse aber auch ihre Nähe. Ich bin unruhig, weil ich weiß, ich will noch etwas ändern. Mein schönes Reihenhaus gibt mir Halt und Sicherheit, isoliert mich aber auch ein wenig. Nein, es ist nicht die Wohnung. Natürlich bin ich es selbst.

September. Ein schwieriger Monat? Nein, ich bin es selbst, der es nicht so gut geht.  Dafür kann der Monat nichts.

Es ist kein Zufall, dass ich am nächsten Samstag mit früheren Freunden nach Dänemark ans Meer fahre. Wir hatten uns aus den Augen verloren und uns auf der Beerdigung das erste Mal seit langer Zeit wiedergesehen. Wir verbrachten damals zu viert mit unseren Kindern eine sehr intensive Zeit miteinander. Nun werden wir eine Woche lang zu dritt sein und ich freue mich trotzdem. Ich fühle mich den beiden sehr verbunden und bin froh darüber, dass wir uns wieder gefunden haben, dass ich bald Gesellschaft habe und nicht den ganzen September über alleine bin. Das hat mir mein Bauchgefühl empfohlen und ich habe dafür gesorgt, dass es klappt.

Na bitte, geht doch. Ob ich allerdings gleich an denn See fahre, um einmal rauszukommen, weiß ich nicht. Routine wäre das Schwimmbad. Aber auch dazu verspüre ich gerade wenig Lust. Also erlaube ich mir, mich treiben zu lassen.

September eben.

 

 

 

Meine innere Stimme und ich

Meine innere Stimme und ich

Meine innere Stimme flüsterte mir schon lange zu: „Dein Fahrrad muss in die Werkstatt, ehe du deinen Fahrradträger ausprobierst. Der Mantel hinten hat gar kein Profil mehr, die linke Handbremse funktioniert nicht und überhaupt sollte es mal zur Inspektion.“ Ich hörte nicht auf sie und probierte zwar meinen Fahrradträger nicht aus, radelte aber  von zu Hause aus meine Touren. Meine innere Stimme fordert ja ein Mindestmaß an Bewegung ein. Sie fordert noch mehr Sport, aber für mehr bin ich zu schlapp. Aber das ist ein anderes Thema.

Vorgestern war es dann soweit. Pfffff….Luft raus. Hinten. Platt. Zum Glück war ich schon wieder in der Stadt. Ich brauchte nur ein halbe Stunde zu schieben. Hätte schlimmer kommen können.

Zu Hause pumpte ich den Reifen erst einmal auf und hoffte, dass es ein Versehen war und er gar nicht kaputt ist. War er aber doch. Mist. Ich rief die Werkstatt meines Vertrauens an und ja, das Fahrrad kann abgeholt werden. Damit sparte ich mir die Aufregung mit der Erstbenutzung meines eigenen Fahrradträgers. So bin ich, obwohl mir meine innere Stimme rät, doch endlich mutiger zu werden.

Als gestern mein Fahrrad im Transporter verschwand, musste ich mich sehr zusammenreißen, ihm nicht nachzuwinken.

Ich weiß nicht, wann ich es abholen kann. Es fehlt mir so.

Was lernte ich daraus? Nichts. Meine innere Stimme hat mich nicht richtig im Griff. Sie sagt mir täglich , endlich nach einem Klempner zu suchen, der mir meinen Wasserhahn repariert. Er fällt ab und zu ab, aber ich kann ihn immer wieder aufsetzen und alles ist gut. Hat keine Eile.

Meine Geschirrspülmaschine kann ich nicht nutzen, weil ein Schlauch ersetzt werden muss und meine innere Stimme macht mir zwar ein schlechtes Gewissen, aber ich kann doch auch mit Hand abwaschen, oder?

Ein Zugband meines Außenrollos wird bald reißen. Meine innere Stimme mahnt und ich ignoriere sie. Ich weiß noch nicht einmal, wenn ich für diese Reparatur holen könnte. Der Hausmeisterdienst, den ich beauftragen wollte, hat abgewunken. Keine Zeit für mich!

Natürlich könnte ich meinen Vermieter fragen. Aber ich möchte das alleine hinkriegen. Ich denke, ich warte erst einmal ab. Meine innere Stimme ist sauer und um sie zu beschwichtigen, bessere ich die abgesprungene Farbe am Treppengeländer aus.

Immerhin.

 

 

Positives Gegengewicht

Nur immer positiv bleiben. Schöne Gedanken in die Welt schicken. Das kleine Glück genießen. Fröhlich in die Zukunft sehen. Dankbar sein. Mit Globuli die Schmerzen in den Griff kriegen. Mit gesunder Ernährung die Krankheit besiegen. Mich eingebunden fühlen im Großen und Ganzen. Das Leben in jeder Sekunde auskosten und genießen bis zum Abwinken. Negative Gedanken ausblenden.

Das alles fällt mir immer schwerer.

Vielleicht auf Nachrichten verzichten? Keine Zeitung mehr? Radio ausschalten?

Gelingt dann das Verdrängen besser? Vielleicht. Ist aber nicht so wahnsinnig sinnvoll.

Also schnappe ich mit meinen Fotoapparat und schaffe mir ein kleines positives Gegengewicht. Für den Augenblick hilft es.

Nicht wirklich. Aber ein wenig.

 

 

Fast ein Jahr

Fast ein Jahr

Im September vor einem Jahr ist mein geschiedener Mann gestorben und ich denke zur Zeit oft daran zurück. Ich erinnere mich ganz genau an den August 18. Das letzte Mal etwas zusammen unternommen. Das letzte Mal gemeinsam den Sohn besucht. Das letzte Mal gestritten. Das letzte Mal versöhnliche, liebevolle Worte am Telefon. Damals haben wir natürlich nicht gewusst, dass alles das letzte Mal sein würde.

Ich schmiedete damals genau wie in diesem Jahr Pläne für meine Knie-OP und freute mich auf einen Dänemark-Urlaub, bevor die schrecklichen Ereignisse alles andere in den Hintergrund schoben. Vielleicht fühle ich mich darum im Moment so erschöpft. Ich mag mich kaum rühren. Innerlich, meine ich, äußerlich schon. Äußerlich geht alles immer weiter. Es triggert also mal wieder.

Manchmal bin ich sehr traurig. Das Entsetzen, welches  mich im letzten Jahr lähmte, ist gewichen. Zum Glück.

Ich fühle es so, als ob ein Teil von ihm noch bei uns ist. Ich spüre ihn und ich weiß, meinen Söhnen geht es ähnlich. Nicht immerzu, aber immer mal wieder. Wir wollen nicht untersuchen, woher dieses Gefühl kommt. Wir leben es einfach.

Ein Sohn hat sein Werkzeug, sein Motorrad und seine Kater übernommen. Er machte einen Motorradführerschein und fährt nun mit der geerbten Maschine spazieren. Mich überkommen ganz seltsame Gefühle, wenn er hier landet und ich so viele Ähnlichkeiten mit seinem Vater entdecke.

Der andere Sohn hat sich seine Plattensammlung und Musikanlage ausgesucht. Er erzählt, dass er neuerdings Geräte auseinanderschraubt, um das Innenleben zu studieren. Das hat sein Vater gemacht und darum konnte er auch fast alles reparieren.

Ich habe neben etlichen Erinnerungsstücken seine Gartendekoration und Topfpflanzen in mein Haus geholt. In diesem Jahr spüre ich ein ganz neue Liebe für meinen kleinen Garten und denke manchmal, dass das ein Geschenk meines Mannes ist. Er war eine leidenschaftlicher Gärtner. Ich hoffe so sehr, dass ich seine Pflanzen lange erhalten kann.IMG_3290Und heute ist unser Hochzeitstag. Wir heirateten am 08.08.88.

Gestern entdeckte ich, dass mein „Berliner Sohn“ in einer speziellen Sendung über den Tod unsere Geschichte erzählte. Es ist gut, dass ich das erst jetzt hörte. Ich tauchte noch einmal tief in das Geschehen ein und weinte ein wenig vor mich hin. Aber ich musste auch lachen. Es war ein Geschenk, dass ich ihm zuhören konnte. Es war schön zu wissen, dass ich vieles ganz ähnlich erlebte wie er, obwohl ich eine ganz andere Perspektive hatte.

Ich war so gerührt und so stolz auf unser Kind: https://www.podcast.de/episode/388974323/Die+Ratsherren+%2342+–+Ein+Spezial+zum+Tod/