Zeitreisen

Zeitreisen

Gestern startete ich meine eigene Zeitreise: am 16. Juni 2022 verbrachte ich den Abend auf dem Sofa und ließ mich zurück in die Zukunft beamen. Dabei erinnerte ich mich an die Zeit, in der ich die Filme zum ersten Mal sah und später dann häufig mit den Kindern, wobei ich von Dr. Emmett Browns Hampelei immer so sehr beansprucht wurde, dass ich für technische Details keine Zeit mehr hatte. Das war gestern anders. Weil ich jetzt auch mehr Technik kann als damals, gab es doch viel Lustiges zu verstehen. Ich kenne die Filme fast auswendig, aber gestern entdeckte ich noch viel Neues und ich kicherte fröhlich vor mich hin.

Ich fand es gar köstlich, wie man sich 1989 das Jahr 2015 vorstellte (2. Teil). Ich weiß noch, dass mir in dieser Zeit, nämlich 1989, 2015 noch unvorstellbar futuristisch schien. Und Internet hatten wir damals noch nicht und als ich Kind war (in den Fünfzigern), kamen gerade die ersten Fernseher nach Deutschland und ich stand staunend vor dem Schaufenster und konnte es gar nicht glauben, dieses Wunderwerk. Ich schweife ab, aber so war es gestern auf dem Sofa: Ich reiste zurück in meine Vergangenheit und sah von dort aus das zukünftige Heute.

Ich liebe diese Filme. Wie dort mit Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit gespielt wird, ist doch immer wieder schön. Auch wenn ich noch immer nicht so recht weiß, was ein DeLorean DMC-12 eigentlich ist😉. Ich denke, ich habe noch nie einen gesehen.

Falls Ihr Euch weiter ins Thema vertiefen wollt, hier gibt es viele interessante Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Zur%C3%BCck_in_die_Zukunft

Das Beitragsbild ist von Gerd Altmann auf Pixabay

Leben rückwärts verstehen

Leben rückwärts verstehen

Beim ersten Lesen war ich verwirrt, beim zweiten verstehe ich und lasse mich auf die Idee, ein Leben rückwärts zu erzählen, gerne ein. Carl Frode Tiller aus Norwegen schrieb hier einen sehr außergewöhnlichen und lesenswerten Roman.

Der Ich-Erzähler Terje erinnert sich an viele Stationen seines Lebens, als er im Sterben liegt. Dabei stellt er Gedanken, Erleben und Handeln auf eine Ebene. Sehr interessant, das einmal selbst auszuprobieren: Was denke ich, während ich etwas sage? Bei Terje gibt es viele Widersprüche. Er ist berechnend und manipuliert seine Mitmenschen. Er ist nicht sehr sympathisch, dieser Mann, aber menschlich, das schon.

Jetzt, wo ich das Konzept der Geschichte verstehe und mich nicht mehr so darauf konzentrieren muss, kann ich die Feinheiten und Zwischentöne der einzelnen Episoden besser erfassen. Und da kommt noch einiges zutage, was ich völlig vergessen habe. Ich entwickle zunehmend Mitgefühl für Terje und seine Familie. Alles hängt mit allem zusammen und ein Leben ist wohl manchmal nur rückwärts zu verstehen….

https://tausendléxi.de/der-beginn-von-carl-frode-tiller

Frühsommer

Frühsommer

Und ruckzuck ist es sommerlich und der Mohn klatscht sein Rot in den Juni. Die Feiertage sind geschafft und im Landkreis war jede Menge los. Kulturelle Landpartie, Ihr erinnert Euch? In diesem Jahr hatte ich so überhaupt keine Lust, mich in den Trubel zu werfen. Ich bereue es nicht, alles verpasst zu haben. Mir war einfach nicht danach und diese Tatsache akzeptiere ich mit einem erstaunlich guten Gewissen. Ich kann nicht mehr so gut gehen und das Stehen tut mir nach einer kurzen Zeit weh. Vielleicht liegt es daran. Vielleicht ist mir aber einfach nicht nach Menschenmassen und in Feierlaune bin ich auch nicht wirklich.

Egal, ist jetzt vorbei. Nun kann ich endlich, endlich beginnen, den Urlaub in Dänemark vorzubereiten. Das Auto ist in der Werkstatt mit den nettesten Mitarbeitern, die ich kenne, zum Durchchecken angemeldet, die Versicherung über eine zusätzliche Fahrerin informiert und ich habe die dänischen Verkehrsregeln studiert. Packen hat noch keinen Sinn, leider, denn es ist ja noch ein paar Wochen hin bis dahin! Muss ich mich also weiter gedulden und die Zeit nutzen, um Mut zu sammeln und mich mental auf das Autofahren auf Autobahnen und anderswo Weitweg vorzubereiten.

Vorher sind noch ein paar Geburtstage zu beachten, meiner auch. Von meinen Kindern habe ich mir ihre Zeit für den Urlaub gewünscht. Und weil ich den großen Tag mit der bösen Sieben noch zu Hause bin, will ich ihn doch nicht so ganz ohne alles verbringen. Ein paar Gäste für ein Stündlein zum Abendbrot, ist ja ein Montag, alle anderen müssen noch arbeiten. Das muss jetzt schon gut durchdacht werden. Ist aber auch noch ein paar Wochen hin und ich kann jetzt noch nichts weiter tun, nur denken.

Also schwinge ich weiter in der Zeit und mache mal dies und mal das und manchmal auch gar nichts.

Ich vertiefe mich in meinen „Fernsehzeiten“ gerade einmal wieder in die schwedische Serie „Patchworkfamilie“ (https://www.netflix.com/de/title/80141270). Entspannt und voller Mitgefühl kann ich den lustigen, chaotischen und traurigen Ereignissen, den Sympathischen und Unsympathischen, den Alten und Jungen und ganz besonders gerne einem wunderbaren Therapeutenpaar, in das ich geradezu vernarrt bin, zusehen. Ich versetze mich in so viele Rollen hinein und stelle fest, ich gehöre mittlerweile zur ältesten Generation, was ja so neu auch wieder nicht ist. Die Alten setzen sich im Film mit ihrem Alter, ihren Aufgaben, mit der Einsamkeit und der Liebe, mit Krankheiten und dem Tod auseinander. Und es zeigt sich, dass es einer Mutter ganz besonders schwerfällt, ihren längst schon erwachsenen Sohn aus seiner Kinder-Rolle zu entlassen. Oh ja. Ich habe das besser gemacht, stelle ich zufrieden fest. Ich fühle mich dieser Mutter in ihrer gefühlten Einsamkeit ziemlich nah, insbesondere in einer Folge, in der es um ihren 70. Geburtstag geht. Sie ist und hat es schwer, hat Schmerzen und sie wird geliebt, auch wenn sie nervt. Irgendwie nerven fast alle (Erwachsenen) in dieser Serie auf die eine oder andere Art, finde ich. Ist nicht einfach, ihr Zusammenleben und trotzdem raufen sie sich immer wieder zusammen, denn sie „gehören zum gleichen Rudel“.

Das finde ich so schön. Bei mir ist es anders, ich lebe ohne Gruppe allein vor mich hin………….na ja, stimmt nicht, mein Rudel ist eigentlich nur etwas kleiner und weiter verbreitet, aber ich habe eins. Und zwei Familien tun sich zusammen, wenn mein Sohn bald heiratet. Das wahre Leben kann auch ganz spannend sein. Eben!

Ist Euch schon aufgefallen, wie schnell die Zeit vergeht? Ja? Ach so, dann erzähle ich Euch ja nichts Neues. Man muss echt aufpassen, nicht mitzurennen und den Moment zu würdigen. Ist auch nicht so einfach, denn ein Moment ist schnell vorbei und schon muss man sich auf einen neuen einstellen😉. Und jetzt wird es Zeit, raus zu gehen und den Frühsommer zu umarmen.

Alles so, wie es soll

Während ich meine politischen Einstellungen neu sortiere, ich mir gut erklären kann, wieso wir Menschen in der Lage sind, schlimme Zeiten, Tankrabatt, Fußball und Schützenfeste unter einen Hut zu bringen, mich mit Alter und Tod auseinandersetze, neue Erkenntnisse bezüglich meiner Rolle in der Jugendzeit einsortiere und überhaupt von mir und der Welt noch unbekannte Gedanken denke, die Wäsche in der Sonne trocknet, ich für das lange Wochenende einkaufe, mich auf Spargel und Erdbeeren freue und im Schatten gemütlich ein Buch lese (Judith Hermann: Daheim (https://www.swr.de/swr2/literatur/judith-hermann-daheim-100.html), macht der Garten sich prächtig und spendet Seelenfrieden.

Und das Küchenhuhn freut sich über die abgebrochene Blume im Schnapsglas.

Hier ist alles so, wie es soll. Ich will gerade nichts ändern. Und in der Welt draußen machen sowieso alle, was sie wollen. Da kann ich nichts machen. Schade eigentlich. Ich habe so viele gute Ideen, wie ich den Weltfrieden herstellen und die Umwelt retten könnte. 😉

Vom Altern und Mohn

Mir fällt es nicht leicht zu verstehen, dass mein körperliches Altern kein persönliches Versagen ist. Manche haben Glück und sind gesund und manche nicht. Und viele sind überhaupt nicht so alt geworden wie ich. Die Liste der Verstorbenen, die ich zu Lebzeiten kannte, wird länger. Mein Jahrgang ist immer häufiger in den Todesanzeigen vertreten. Ich weiß, das ist der Lauf der Welt und meine Eltern und Großeltern haben mir das damals mit den gleichen Worten erzählt. Aber erst jetzt glaube und fühle ich es und das ist nicht immer schön.

Ich sehe das so: wir werden geboren, leben und sterben. Wir lernen, entwickeln uns und jeder Schritt erweitert das Bewusstsein. 2016 schrieb ich dazu diesen Text, der mir gerade in den Sinn kommt: https://frauholle52site.wordpress.com/2016/09/25/jahreszeiten/.

Der Gedanke, dass ich so ganz allmählich in meinen Winter übertrete, ist nicht abwegig. Vor fünf Jahren, als ich den oben erwähnten Text schrieb, erlebte ich mich noch im goldenen Herbst. Jetzt ist später und der Winter zumindest in Sicht. Und somit verstehe ich, warum ich gerade so viel herumdenke und plötzlich neue Blickwinkel sichtbar werden. Manchmal bin ich traurig, dass ich ohne Partner an meiner Seite in die letzte Jahreszeit des Lebens gehe. Das ist leider so, hat aber nicht nur Nachteile. Ich kann das ja auch ganz gut alleine: meine Grenzen erweitern, dankbar sein für mein Leben und mich öffnen für das, was ist und was kommt. Wahrscheinlich ist mein Status kein Zufall, sondern mein Bestes.

Und weil ich aktuell ja noch viel tun und machen und denken kann, will ich Euch zeigen, was ist, nämlich fast kein Frühling mehr. Der Mai verabschiedet sich und der Mohn blüht in den Feldern, an den Straßen und in meinem kleinen Garten. Störche sind unterwegs, Vögel zwitschern oder jagen, je nachdem, was sie sind, der Kuckuck versucht melodisch zu klingen und Kühe sind sehr zärtlich miteinander, wenn man sie lässt.

Mein Buchtipp: Mona Jaeger, Der Lauf des Lebens, Geschichten vom Menschsein http://buecherecke8.blogspot.com/2017/02/der-lauf-des-lebens-mona-jaeger.html

Alternative Realitäten

Kürzlich sah ich eine Serie, in der die Protagonisten in alternative Realitäten reisen konnten: https://www.moviepilot.de/serie/hatte-ich-dich-nie-getroffen. Ich mochte diese philosophische Betrachtungsweise der unterschiedlichen Universen, in denen das „Was wäre , wenn….?“ immer wieder neu erlebt wurde.

Wir leben ja alle in unserer eigenen Realität. Jeder Mensch schafft sich sein Universum und es ist fraglich, ob wir uns je wirklich begegnen können. Früher dachte ich das, heute bin ich mir nicht mehr so sicher.

Meine eigene Realität verändert sich ständig. Manchmal spiele ich mit ihr. Das verschafft mir Bewegungsfreiheit und Stabilität.

Serienmarathon

Serienmarathon

Mit meinen Gedanken bin ich in Dänemark. In meinen Träumen bin ich dorthin ausgewandert. In der Realität wird das nie passieren, aber immer wieder kam mir in den Sinn, dass ich mir wenigstens die dänische Serie „Rita“ als Ersatz dafür doch noch einmal ansehen könnte. ( https://www.dwdl.de/wocheinserie/78981/rita_diese_lehrerin_sollten_sie_kennenlernen/)

Gedacht und passiert. Ich stecke mitten im Serienmarathon und kann nicht genug bekommen von der dänischen Pädagogik und Lebensart. Auch wenn mir Ritas ewige Raucherei auf den Keks geht, alles andere finde ich spannend, liebenswert und manchmal auch sehr lustig.

Ich war auch Lehrerin. Natürlich bin so ganz anders als diese Frau. Aber einige ihrer Eigenschaften, Sehnsüchte und Haltungen finde ich doch in mir wieder. Darum denke ich: Wenn mein Leben eine Serie wäre, kämen mit den richtigen Einstellungen und einer guten Schnitttechnik mindestens 20 erfolgreiche Staffeln dabei heraus.

Ich mag diese Idee und bin zufrieden. Auch wenn es jetzt ruhiger um mich herum ist, ein turbulentes soziales Leben habe ich gehabt! Und es wird ja auch noch ein paar neue Folgen geben……

Nachmittags im Garten

Vorgestern regnete es und im Garten freuten sich alle darüber. Ich setze mich gestern dazu und weil es so heiß war, stand ich für viele Fotos gar nicht erst auf. 😎Und dann las ich von den Verlassenen (https://www.deutschlandfunkkultur.de/roman-postapokalypse-aus-den-usa-100.html). Menschen verschwinden auf der ganzen Welt. Unter anderem auch Putin. Den Gedanken finde ich klasse. Allerdings fürchte ich, dass sich immer schnell jemand gefunden hätte, der ihn ersetzt. Dabei fällt mir ein, dass ich diese Geschichte auch als DVD habe. Muss ich mir mal wieder ansehen. Mit Netflix komme ich ja zu nichts anderem mehr.😉

Und nun meine Fotos aus dem Garten und jetzt muss ich mich sputen! Habe was vor!