Kopf frei

Kopf frei

Ich lese „Kopf frei“ von Volker Busch (Home – Kopf Frei von Prof. Dr. Volker Busch (kopf-frei.info)) und bin sehr stolz auf mich. Und weil ich sowieso schon alles so mache, wie der Herr Busch empfiehlt, werde ich das Buch weitergeben und in den Bücherschrank stellen. Vielleicht findet es jemanden, der es gut gebrauchen kann.

Ich werde weiterhin mit großer Freude durch die Natur radeln oder auf meiner Terrasse sitzen, die Gedanken schweifen lassen und vor mich hinträumen, während ich den Blüten zusehe, wie sie sich hübsch machen. Für meinen Eindruck, dass ich so zu den besten Ideen komme, gibt es nun eine wissenschaftliche Bestätigung und das ist doch toll! Vielleicht gibt es Studien, die das Gegenteil belegen, aber die würden mein lieb gewonnenes Faulenzen und „mich treiben lassen“ nicht beeinflussen.

Zeitreisen und anderes

Es gibt so Tage, da wache ich schon vor sechs Uhr auf und kann nicht wieder einschlafen. So einen erlebe ich heute. Jetzt ist alles schon am frühen Vormittag erledigt, was zu erledigen ist. Zeitung ist gelesen, Sport ist erledigt, Essen ist gekocht, Badezimmer, Wohnzimmer, Küche und Gästklo sind sauber, Wäsche ist einsortiert und raus gehe ich nicht, denn es regnet und weht ungemütlich durch die Gegend. Was soll sie jetzt tun, die liebe Rentnerin ohne Verpflichtungen?

Fernsehen und Netflix gucken geht noch nicht. Das hält man ja nicht den ganzen Tag durch! Wobei ich gerade eine Serie gucke (Dark (Fernsehserie) – Wikipedia), zu der man ein eigenes Studium gebrauchen könnte. Vier Semester mindestens! Und dann könnte man eine Doktorarbeit über alle angerissenen Themen schreiben. Es geht um Zeitreisen und die Reisenden werden immer mehr. Also, ein Zeitreisender mischt mehrmals mit, immer im unterschiedlichen Alter und da ist es gar nicht so einfach, der Handlung zu folgen, die ja immer unglaublicher und verdrehter wird, dabei aber wohl logisch bleibt und viele Fragen aufwirft, die nur mit sehr viel philosophischer Lust zu beantworten sind. Philosophie mag ich und darum mag ich die Zeitreisen und überhaupt die ganze Serie (bis auf die manchmal recht penetrante „Filmmusik“). Gestern allerdings spielten auch noch Parallelwelten eine Rolle und ich bezweifle, ob ich heute Abend die Übersicht behalten werde.

Hier seht Ihr die wichtigsten Protagonisten (Wikipedia). Das sind ja schon viele, aber wenn einige von denen dreifach und vierfach mitspielen, muss man doch sehr aufpassen…..

Aber nein, jetzt gucke ich noch nicht. Tagsüber fernsehen will ich nicht. Wo würde das denn hinführen😬? Nur noch Netflix leben, oder was? Ja, ja, Sohn, Du hast mich angefixt! Wenn Du das liest, lieben Gruß und danke schön!😉

Gleich werde ich lesen, nämlich den neuen Eberhofer „Rehragout- Rendezvous“ (meine Güte, habe ich das jetzt richtig geschrieben?), der mal wieder super-lustig ist. Dieser Handlung kann ich leicht folgen, denn die Protagonisten vervielfachen sich nicht. Und die Oma kocht nicht mehr!

Ich könnte die freie Zeit auch noch einmal für meine Silvester-Planung nutzen. Habe ich gestern versucht und bin kläglich gescheitert😳. In Nordfriesland besuchte ich ja 2019 ein wunderbares Silvesterseminar, aber das gibt es nicht mehr. Andere Veranstaltungen gefallen mir nicht ( Kleines „Cave-Syndrom“?). Doch, eine Reise nach Schweden hätte ich gerne gebucht! Ein Schreibseminar mit Lagerfeuerromantik. Leider schreiben die nur abends, nachdem sie tagsüber durch herrliche Landschaften gewandert sind. Und wandern kann ich nicht. Das ist traurig. Ich verzichte auf so viel, weil der Körper nicht mehr so mitmacht! Das ist richtig doof, aber nicht zu ändern. Es sei denn, ich finde so eine Zeitmaschine, mit er ich 33 Jahre zurück reisen könnte. Das wäre toll! Aber mein jüngeres ICH würde ja gar nicht nachvollziehen können, wie es ist, nicht mehr stundenlang wandern zu können. Es würde mich einfach nicht verstehen, wenn ich erzähle, wie blöd das ist. Denn es weiß noch nichts von mir und meiner weiteren Geschichte. Ich weiß von meinem jüngeren ICH natürlich mehr, denn sie ist ja ich. Alles klar soweit? Egal, ich kann ja sowieso nicht zeitreisen.

Und heute morgen fiel mir beim Zeitungslesen auf, dass im Regionalteil allen Menschen ab 70(!) zum Geburtstag gratuliert wird. Nächstes Jahr bin ich also auch dran und so alt bin ich dann doch schon und das ist doch erwähnenswert.😆

Nun ist gleich Mittag und ich weiß, was ich tun kann: Suppe kochen! Mit Würstchen. Und dann werde ich weiter sehen! Irgendwas ist ja immer.

PS: Finde den logischen Fehler im Text, lieber Leser und liebe Leserin!😂

Heute denke ich…..

Der Garten wird stiller. Noch blüht es und eine selbst aufgezogene Lupine überrascht mich mit einer Knospe. Eigentlich soll sie erst im nächsten Jahr…..Egal, sie tut, was sie will und ich freue mich.

Mittags, wenn es wärmer wird, flattern noch ein paar Schmetterlinge herum und der Igel trappelt weiterhin zwischen 17.00 und 18.00 Uhr an meiner Terrasse vorbei. Er hat es eilig und schaut nicht nach links und erst recht nicht nach rechts. Gut so.

Die Wahl habe ich weitgehend erledigt. Heute bringe ich den letzten Brief ins Rathaus. Meine Meinung habe ich mir gebildet. Ein Triell sowie eine Wahlkampfsendung mit Fraktionsvorsitzenden (mehr schaue ich mir nicht an…gähn) haben mich nicht zum Wechsel animiert. Ich denke, niemand ist wirklich auf das vorbereitet, was auf uns zukommt. Die echten Themen werden, wenn überhaupt, nur mit Allgemeinplätzen abgefertigt und ich kann es kaum noch ertragen. Dabei fällt mir ein: Wahlwerbung….schlimm, schlimm. Trotzdem muss ich manchmal lachen. Allerdings halte ich mich aus der politischen Arbeit ja heraus und weiß es auch nicht viel besser. Ich weiß nur, unser Leben wird sich ändern (müssen).

Ich lese gerade ein Buch über toxische Beziehungen, weil ich dachte, es taugt etwas. Dieses taugt wenig, aber ich werde weiter forschen. Der Begriff ist in Deutschland ja noch ziemlich neu. Wenn wir vor 20 Jahren schon soweit gewesen wären, hätte ich mich nicht so aufgerieben. Aber, egal, ich fühle mich unglaublich entlastet, weil ich mir keine Vorwürfe mehr mache. Manche trennen sich nach zwei Jahren und sind völlig erschöpft, ich hielt eben fast 30 Jahre durch. Jetzt habe ich mich weitgehend von meiner Co-Abhängigkeit gelöst und mein Familiensystem hat sich positiv verändert. Das alleine zählt. Eine Rückschau ist für mich wichtig, aber nur, um zu verstehen.

Ich vertiefe ich mich mit großem Vergnügen die Buchreihe: Sörensen ermittelt von Sven Stricker | Rowohlt

Den Film zum ersten Band empfehle ich gerne weiter. Sörensen hat Angst – WikipediaFilme

Ich finde mich in der Angststörung der Hauptfigur so wunderbar wieder. Es ist anstrengend, sich mit so etwas herumschlagen zu müssen, aber nicht aussichtslos. Plötzlich scheint mir alles ein wenig leichter zu sein, denn ich finde Humor ist auch in schwierigen Zeiten durchaus angebracht. Sörensen macht das gut. Und ich kann über manche Eigenart von mir, die ich eigentlich doof finde, schmunzeln und denke: „So ist es eben.“

Und jetzt werde ich auf das Fahrrad steigen. Ich darf nicht vergessen, mir Strümpfe anzuziehen, denn es ist frisch da draußen in der Landschaft. Macht es gut und genießt Euch mit allen Ecken und Kanten, die Ihr vielleicht habt. Ich fange sofort damit an! Oh je,das habe ich mir schon so oft vorgenommen. Ist gar nicht so einfach!

Lesetag

Urlaub bedeutet Freiheit. Nun, die habe ich als Rentnerin ja sowieso, aber zum Urlaubsgefühl gehört es, jederzeit das tun und lassen zu können, was ich will. Ja, stimmt, das kann ich als Rentnerin meistens immer jederzeit. Ich merke schon, es ist gar nicht so einfach, die Ferien zu Hause zu absolvieren.

Ich werde heute schon vormittags lesen. Und zwar im Garten, nicht, wie sonst, auf der Terrasse. Ich stelle meinen Campingstuhl auf, der mich normalerweise zum See begleitet, damit ich es genau dort bequem habe, wo ich sitzen möchte. Meist etwas abseits und im Schatten. Ferienstuhl also.

Sieht doch schon gut aus. Die Aussicht ist auch ganz schön, finde ich.

Das Meer denke ich mir aus. Nebenan klötert sowieso ziemlich penetrant ein Wasserlauf, den werde ich heute nicht als störend wahrnehmen, sondern als Wellengeplätscher umdeuten. Meine Phantasie wird das schon hinkriegen.

Zum Schluss noch die passende Lektüre und los geht es mit dem Erholung!

Das ist übrigens eine wunderbare Geschichte, die ich nur empfehlen kann. Als Roman und als Miniserie!
Olive Kitteridge Trailer (HD) Frances Mcdormand – Bing video

Und später werde ich im Garten picknicken und noch später den Sonnenuntergang genießen!

Und Ihr so? Auch im Urlaub? 😎

Daheim

Daheim

Ich lese gerade den Roman „Daheim“ von Judith Hermann (|Rezension| Daheim – Judith Hermann • Literatour.blog) und fühle mich verstanden und seelenverwandt. Besser kann ich es gerade nicht ausdrücken. Ich lebe natürlich ein ganz anderes Leben als die Protagonistin, aber ich finde mich sofort in der Geschichte wieder. Am liebsten würde ich ins Buch kriechen. Ich sage nur: Nordsee! Aber das geht ja nicht. Ich bleibe ich und hier. Gut, dass es den Roman gibt, so kann ich lesend am fremden Frauenleben teilnehmen, das mir doch so bekannt und nahe scheint.

Meine kleine Angst und ich

Meine kleine Angst und ich

Über ein Jahr nur „ICH ALLEIN ZU HAUS“ hinterlässt Spuren. Sobald ich unter Leute will, meldet sich freudig meine kleine Angst zurück. Noch ist sie schüchtern, aber trotzig macht sie mir klar, dass sie unbedingt dabei sein muss, wenn schon mal was los ist in meiner Rentnerinnen-Corona-Dümpelei!

Ich begrüße sie, weise ihr ihren Platz zu und treffe ab und zu Menschen und Ärzte.

Heute sind der Hausarzt und der große Gesundheitsscheck Teil I dran. Dazu muss ich den Wecker stellen (!) und kurz nach acht (!) los.

Mein Termin für ein Vorgespräch, den ich vor zwei Wochen telefonisch vereinbart hatte, befindet sich nicht im System der Praxis, was mich kalt lässt. Ich will gleich einen neuen verabreden und wieder nach Hause eilen. Aber so schnell lassen sie mich nicht gehen. Ein kurzes Gespräch mit dem Arzt wird eingeschoben und danach eine Menge Blut abgenommen. Zwischendurch hört mein Blutfluss auf, was mir noch nie passierte. Nichts will durch die Kanüle. Ich finde das lustig und schiebe es meinem Alter zu. Die Arzthelferin schiebt es sich selber zu und probiert weiter, bis der rote Saft wieder fließt.

Dann will sie meinen Blutdruck messen. Ich will das nicht und lieber mein eigenes Blutmessgerät mit den Werten der letzten Tage vorzeigen. Aber das wiederum will sie nicht und so wird gemessen. Meine Güte! Natürlich ist mein Blutdruck viel, viel höher als der, den mein eigenes Messgerät vorweisen kann. Die Arzthelferin trägt beide Werte ein und ich meine zu erkennen, wie sie sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Ich denke, meine kleine Angstattacke ist hier sehr gut ablesbar. Zuhause werden meine Werte übrigens wieder völlig in Ordnung sein. Also gut, schnell noch Pipi abgeben und dann nichts wie weg. Aber ich will noch probieren, ob ich einen Impftermin ergattern kann. Nein, kann ich nicht. Ich komme nicht einmal auf die Warteliste. Die ist nämlich lang und muss erst abgearbeitet werden. Im Juni soll ich anrufen, denn dann gibt es eine neue Liste. Ich kann mich auch ans Impfzentrum wenden, sobald ich eine Impfeinladung erhalte. NEIN! WILL ICH NICHT! Ich müsste nach Uelzen fahren. 40 Kilometer hin und 40 Kilometer zurück! Die Bilder der Impfzentren sind purer Horror für mich und eine große Freude für meine kleine Angststörung. Ja, das versteht die Frau hinter dem Tresen und dann erzählt sie noch einmal von der unermesslich langen Warteliste. Vorletzte Woche hat die Praxis 6 Dosen erhalten und letzte Woche 25.

Kann also dauern das Ganze! Ich bleibe weiter geduldig. Kommt ja jetzt auf ein paar Monate mehr oder weniger auch nicht mehr an, oder? Und wer weiß, vielleicht mache ich mich ja doch noch auf ins Impfzentrum nach Uelzen, sobald ich eine Einladung und dann einen Termin erhalte. Meine kleine Angst reibt sich schon die Hände.

Ich verlasse die Praxis und besteige mein Fahrrad, das schon sehnsüchtig auf mich wartet. Glücklich und zufrieden drehe ich meine übliche Runde. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Schafe tun gar nichts und meine Lieblingskuhherde liegt noch faul herum. Ja, es ist immer noch früh und der ganze Tag liegt noch vor mir.

Und jetzt wärmt die Sonne das Land. Ich bereite mein Essen zu und kann dann gleich meinen Leseplatz auf der Terrasse einnehmen. Gestern begann ich meinen neuen Stephen King (Neuer Thriller von Stephen King: Der junge Geisterseher – taz.de) und kann es gar nicht erwarten, weiter zu lesen. Fragt mich bitte nicht, warum sich Angststörung und Stephen King miteinander vertragen. Ich weiß es nicht, aber sie tun es bestens! Und wenn ich lese, dass King 2018 den „PEN America Literary Service Award für sein Wirken, gegen jedwede Art von Unterdrückung aufzubegehren und die Humanität zu verteidigen,“ erhielt, muss ich dann doch schmunzeln. Sein Ruf ist bei vielen Leuten ja ein ganz anderer.

Heute habe ich das Gefühl, richtig viel geleistet zu haben. Morgen ist frei, Donnerstag ist Einkaufstag und Freitag wieder Video-Konferenz mit dem Lesebeirat der Zeitungsredaktion. Meine kleine, winzige Angststörung findet es prima, dass sie mich bald wieder ärgern kann, auch wenn ich nach außen hin weitgehend gelassen bleibe. Mein Blutdruck verbündet sich doch immer wieder mit ihr, darauf kann sie sich verlassen! 😂

Sachbuch aktuell

Ich weiß so wenig und vieles hat mich nicht interessiert. Bis es dann interessant wurde. Und nun vertiefe ich mich in ein Buch, welches alles zusammenfasst, was wichtig ist, um zu verstehen. Zahlreiche Fakten beruhigen nicht, aber sie informieren und helfen, das Zeitgeschehen einzuordnen und mir eine fundierte Meinung zu bilden. Geschichte erklärt die Gegenwart. Mir geht es gut mit der Zusammenfassung des Unglaublichen, das gar nicht so überraschend ist, wie ich dachte. Ich bekomme Einblicke in Entscheidungsprozesse, die mir bisher unbekannt waren. Ich kann vieles immer noch nicht nachvollziehen, aber Politiker und Politikerinnen sind Menschen und von daher verstehe ich zumindest. Und ich hoffe, dass die Vernunft sich überall durchsetzen wird. Vielleicht auch nicht, dann wird uns die Entwicklung schon zur Vernunft bringen. Und ich bin froh, nur ein winzig kleines Rädchen im Getriebe zu sein und nichts für andere entscheiden zu müssen.

Meine Situation verändert sich nicht. Aber die Erkenntnis, wie groß das Ganze ist und dass ich mit meiner Einstellung bisher (für mich) ganz richtig lag, festigt mein Glauben an meine Urteilskraft.

Ich empfehle: Katja Gloger und Georg Mascolo: Ausbruch (Ausbruch | Lesejury)

Menschen

Ich habe wenig Zeit! Ich muss schnell das Nötigste erledigen und dann will ich unbedingt weiterlesen. Bin so gespannt auf all das Überraschende, was da noch kommen mag. Schwarzweiß kann ich vergessen, es gibt so viele Grautöne. Daran lasse ich mich gerne erinnern. Widersprüche werden nicht gelöst, sondern ausgehalten. Und wir machen trotzdem weiter, auch wenn es nicht einfach ist. Grenzen lösen sich auf. Zwischentöne lockern das Denken. Es gibt alles überall und immer. Und eine Hündin kann auch Jochen heißen, das geht!

Ich habe die halbe Nacht gelesen und erst ein halbes Buch geschafft. Und darum habe ich jetzt keine Zeit mehr! Tschüss!

Ach so. Das Buch heißt: „Über Menschen“ und ist von Juli Zeh (WDR 3 Buchkritik: Juli Zeh – Über Menschen – Bücher – Kultur – WDR). Mein Ostergeschenk an mich selbst. Da kann es draußen noch so kalt und stürmisch sein. Und sogar der Schnee wird akzeptiert und toleriert, denn ich lese und lese und werde auf jeder Seite mit meinen eigenen Denkschablonen konfrontiert. Meine Güte, ich bin auch so eine, die ein ganz klein wenig festgefahren ist.

Homo sapiens

Homo sapiens hat schon immer die Umwelt verändert und ausgerottet, was ihm nicht passte. Und er wurde mit der landwirtschaftlichen Revolution vor etwa zehntausend Jahren Opfer der Luxusfalle, in der wir heute noch leben. Das schrieb Yuval Noah Harari in seinem Buch: Die kurze Geschichte der Menschheit. Pantheon 2015

Aha, denke ich, kein Wunder, das alles, wir sind ja immer noch Homo sapiens (lateinisch für „verstehender, verständiger“ oder „weiser, gescheiter, kluger, vernünftiger Mensch“). Menschengemachte Umweltkatastrophen sind nicht neu. Tier-und Pflanzenarten verschwanden schon immer, sobald Homo sapiens auftauchte. Die Gegenwart ist also keine Ausnahme, sondern nur die logische Fortsetzung unserer Geschichte. Wir werden allerdings immer besser darin, denn der Fortschritt macht keine Pause.

Und mit der Luxusfalle sind wir in guter Gesellschaft. Auch die ist nicht neu. Wenn wir über Luxus (Üppigkeit, Ausschweifung, Verschwendung) verfügen, empfinden wir Freude. Aber nicht lange, denn Luxus wird schnell alltäglich und dann wollen wir mehr davon. Wir merken nicht, wie uns der Luxus in Wirklichkeit immer weiter einschränkt. Na ja, wir merken es manchmal schon, nämlich dann, wenn wir unzufrieden oder krank werden. Der technische Fortschritt hat uns keine Zeit und Ruhe geschenkt, sondern er ist ein purer Zeitfresser. Je mehr technische Geräte wir im Haus haben, umso weniger Zeit für Muße steht uns zur Verfügungen. Wenn wir modern, aufgeschlossen und jung bleiben wollen, tun wir gut daran, den technischen Fortschritt fröhlich mitzumachen. Wenn wir nicht mithalten können oder wollen, werden wir schnell abgehängt und nicht mehr ernst genommen. Ich als Rentnerin leiste es mir, nicht alles zu besitzen, was es gibt und mich mit alten Geräten zufrieden zu geben. Das stößt aber auf Unverständnis und ein mildes Lächeln bei den Kindern und anderen, die es wichtig finden, fortschrittlich zu sein.

Reisen war früher ein Luxus, den nicht jeder haben konnte. Wollten wir aber. Und je mehr (technisch) möglich wurde, umso größer wurden die Begehrlichkeiten. Ich spreche jetzt mal ganz allgemein und wir wissen, dass es Ausnahmen gibt. Reisen sind bei vielen also kein Luxus mehr, sondern ein Menschenrecht. Jedenfalls bei uns Wohlhabenden. Wir können und wollen uns nicht einschränken. Wir wollen Luxus-Glück erleben. Das Dumme ist nur, dass wir immer weiter, höher oder sogar tiefer müssen, um dieses Glücksgefühl erneut erleben zu können. Und ich wette, dass die meisten Reisenden mehr denn je unter Stress und Zeitmangel leiden. Und die Einheimischen verdienen zwar Geld, aber leiden auch, ich habe auf Föhr gelebt, ich weiß, wovon ich spreche.

Wir stumpfen ab. Was das erste Mal befriedigend war, ist es beim zweiten Mal oft nicht mehr. Es müssen also immer neue Ziele gesucht werden. Letztendlich landen wir auf Kreuzfahrtschiffen, die immer „größer und besser“ werden, um attraktiv zu bleiben. Insofern ist es zu verstehen, warum so viele Menschen auf das Reisen nicht verzichten können, auch wenn alle wissen, dass die Mobilität uns allen nicht gut tut. Sie zerstört die Umwelt und jetzt trägt sie auch noch dazu bei, dass es der Pandemie so richtig gut geht. Homo sapiens kann nicht anders.

„Und nun?“, denke ich bei meiner Lektüre. „Was mache ich nun damit?“ Aufgeben? Mit einem Achselzucken weitermachen, weil ich sowieso nichts ändern kann?

Ich stelle mir gerade die Frage, ob ich dieses Buch nicht lieber weglegen will. Nein, sagt meine Vernunft, da stehen noch viele schlaue Sachen drin und witzig geschrieben ist es ja auch. Weltuntergangstimmung erzeugt es bei mir nicht, sondern ein Verständnis unserer heutigen Situation. Homo sapiens ist eben moralisch gesehen auch nicht besser als das Virus.

Zufrieden ist das kleine Glück

Zufrieden ist das kleine Glück

Zufrieden klappe ich das Buch „Mut und Menschlichkeit. Als Arzt weltweit in Grenzsituationen“ von T. Stöbe zu. ( Tankred Stöbe – Wikipedia ) Zufrieden und dankbar, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Ich wusste es, aber jetzt im Alter und nach dieser Lektüre fühle ich es auch. Ich lebe im Schlaraffenland.

Ich bin ein Nachkriegskind, habe das Elend der Nazizeit und des Krieges nicht direkt erlebt, sondern die Traumata meiner Eltern und Großeltern „nur“ geerbt. Ja sicher, war und ist schwierig, aber nicht mit dem zu vergleichen, was so viele Menschen weltweit erleiden müssen. Ich trage mein Päckchen, habe aber das große Glück, vieles aufarbeiten zu können. Als meine Kinder noch Kinder waren, verdienten wir wenig Geld, aber wir wurden immer satt und hatten ein gutes Leben.

Ich lege das Buch auf den Stapel der Bücher, die ich weitergeben möchte. Nichts ist selbstverständlich, denke ich. Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie, werden die Unterschiede von reich zu arm und bitterarm noch einmal deutlich. Nichts von dem, was ich besitze, ist selbstverständlich: Rente, Wohnung, Heizung, Strom, Essen, Wasser, Frieden, Krankenhäuser, Ärzte, Freiheit, Leben. Ich habe das alles, ich vertraue darauf, dass es bleibt, ich weiß und fühle dennoch: alles kann sich ändern. Man kann zu diesem Thema, wenn man will, die Mini-Serie „Years and Years“ ansehen (Years and Years: Britische Drama-Serie – ZDFmediathek). Auch wenn sie eine Fiktion ist, die gesellschaftliche Entwicklung könnte dahin gehen. Und ich könnte das noch erleben. Also, nichts war, ist und bleibt selbstverständlich.

Ich bin dankbar dafür, dass es Menschen wie Tankred Stöbe gibt, die über ihre Arbeit berichten. Stöbe beschreibt kurz, verständlich und objektiv die politischen Entwicklungen und die Aufgaben in seinen jeweiligen Einsatzgebieten. Sehr persönlich schreibt er dann über seine Arbeit. Er erzählt von einigen Menschen, denen er helfen konnte und von einigen, für die es keine Hilfe mehr gab. Er verliert trotz seiner schweren Arbeit nicht den Humor, der auch im Buch neben all dem Schweren nicht zu kurz kommt.

Also, nichts ist selbstverständlich. Ich bin dankbar, dass ich es so gut habe und dass meine Kinder gesund und meistens auch munter sind.

Es ist nicht immer so einfach zu wissen, was weltweit passiert. Manchmal wäre es wohl ganz schön, auf einer kleinen Insel zu leben und von draußen nichts mehr zu sehen und zu hören. Aber das Draußen gehört doch auch in meine Welt. Und damit es mir trotzdem gut gehen kann in meinem Luxusleben, setze ich im Alltag meine „Anker“. Ich habe kein schlechtes Gewissen, aber ich weiß und fühle: Alles was ich habe ist nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk. Und damit schließe ich und zeige Euch ein paar letzte Schneefotos. Denn es wird wärmer und der Frühling ist auch nicht mehr weit. Ich lasse die Leute reden vom Osterurlaub und der Normalität, die ihnen jetzt aber nun endlich zusteht. Nein, denke ich, mir steht gar nichts zu. Ich habe bisher nur großes Glück gehabt. Und mit diesem Gedanken lade ich die Zufriedenheit ein, bei mir zu bleiben.