Heute lese ich Männergeschichten

Ich komme wieder zum Lesen und bin froh darüber, ab und zu in andere Welten abzutauchen. Das ist das richtige Wort, denn in folgende zwei Romane bin ich fast verschwunden und wäre am liebsten dort geblieben. Ging aber nicht, weil jedes Buch eine letzte Seite hat. Zum Glück stehen sie dann in meinem Wohnzimmer und ich kann sie jederzeit wieder zur Hand nehmen.

Die „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen, Penguin 2018, habe ich durch. Der Klappentext fasst zusammen:

Ingwer Feddersen erkennt das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, nicht wieder: keine Schule mehr, kein Bäcker und kein Kaufmann. Keine Störche auf dem Dach der Kirche, auf den Feldern keine Kühe, nur noch Mais und Wind. Als wäre eine ganze Welt versunken. Aber im Gasthof steht noch immer Sönke Feddersen, de Ole, stur wie ein Findling  hinter seinem Tresen. Und Ingwer, de Jung, der vor vierzig Jahren weggezogen, kehrt zurück. Er hat in seinem Dorf noch etwas gutzumachen.

Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und Neubeginn.“

Genau meine Themen! Der Roman ist in Nordfriesland angesiedelt. Ich habe lange dort gelebt und wurde von der ersten Seite an in meine ehemalige Wahlheimat versetzt. Ich fühlte mich sofort bei Ingwer, Hauke, Bente, Sönke, Oke, Marret, Ella, Akke, Barne, Beele, Inken, den Ketelsens, Knudsens, Nissens und Feddersens zu Hause. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle diese Namen im Roman vorkommen, in meiner Erinnerung haben sie sich aber festgesetzt. Die Geschichte könnte  übrigens auch hier in Niedersachsen genauso passiert sein und vielleicht auch weiter südlich. Die Landschaften, die Dörfer und die Menschen haben sich hier wie dort verändert. Diese Wandlung hat Dörte Hansen wunderbar beschrieben.

Ich bekam beim Lesen eine leichte Sehnsucht nach meiner Kindheit und weiß, so wird es nie wieder werden. So schön die Landschaft um mich herum auch sein mag, es ging doch ganz viel verloren. Allerdings zeigt der Roman auch, dass die Vergangenheit in einer wunderschönen Landschaft überhaupt nicht romantischer und wunderbarer war, als die Gegenwart. Nur anders.

Liebevoll erzählt Dörte Hansen von den Menschen, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben, so ausgefallen ihre Charaktere auch sein mögen. Ich las diesen Roman genau so gerne wie das „Alte Land“.

Und jetzt lese ich gerade mit höchstem Vergnügen, auch wenn die Thematik gar nicht lustig ist, den Roman „Neujahr“ von Juli Zeh, Luchterhand 2018.

„Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung ankämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, in dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt im Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater- in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon.

Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal in Femés. Damals hat sich etwas Schreckliches zugetragen- etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwohin den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.“ (Klappentext)

Ich kam damals mit meinen Rollen als Familienernährerin, Ehefrau und Mutter genauso wenig klar wie Henning. Das hätte ich natürlich niemals zugegeben, denn als emanzipierte Frau sollte es leicht und selbstverständlich sein, alles unter einen Hut zu bringen. Darum kann ich Hennings Überforderung so gut nachvollziehen und auch seinen Kampf gegen die Angstattacken. Ich kenne diese Selbstvorwürfe und auch den Willen, sich endlich zusammenzureißen und liebenswerter zu werden. Und das Scheitern. Ja, das Scheitern habe ich ganz ähnlich so erfahren wie Henning. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte endet und zwinge mich, nicht auf die letzte Seite zu schauen.

Bemerkenswert finde ich, dass es in beiden Romanen um Männer geht, die voller Selbstzweifel darum kämpfen, ihre Fassade zu wahren und trotzdem nicht mit einem „weiter so“ weitermachen können. Für mich lösen sich beim Lesen die Grenzen zwischen weiblich und männlich auf. Das finde ich interessant, denn mein Männerbild, welches mich bisher prägte, hat mit der Realität wenig zu tun. Diese Tatsache stellte ich in den letzten Wochen fest, als ich meinen Mann und meine Söhne von ganz unbekannten und neuen Seiten kennenlernte.

Wie schön, dass meine Lektüre oft so gut zu meinen Lernprozessen passt!

PS: Falls es sich hier um eine Werbung für zwei Bücher handeln sollte, kennzeichne ich meine hier dargestellte Begeisterung ausdrücklich als Werbung.

 

 

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Ich sah und lese

Ich sah und lese

Vor einigen Tagen sah ich: 11.22.63, Serie in acht Episoden, von Stephen King und J.J. Abrams

Heute lese ich: Der Anschlag, Stephen King, 2011

Klappentext: Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren. Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten Highschool- Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe des Lebens wird- eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen- mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet……

Stephen Kings neuer großer Roman „Der Anschlag“ ist eine Tour de Force, die ihresgleichen sucht- voller spannender Action, tiefer Einsichten und großer Gefühle.“

„Das ist vertane Zeit, sich mit etwas auseinanderzusetzen, was niemals eintreffen kann.“ Das sagte mir jemand, dem ich ganz begeistert von dieser Serie und dem Buch erzählte. Nein, für mich ist und war es keine vertane Zeit! Auf keinen Fall. Ich denke ab und zu gerne Unmögliches: Was wäre, wenn….? Was würde passieren, wenn ich mit einer Zeitreise die Vergangenheit ändern könnte. Lassen sich schlimme Ereignisse verhindern? Und wäre dann alles gut oder zöge eine solche Veränderung neue, andere Grausamkeiten nach sich? Wie würden sich kleinste Veränderungen der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirken? Und wie wäre es, wenn ich zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her springen könnte? Wenn bei jeder Reise in die Vergangenheit die Veränderungen wieder rückgängig gemacht würden und ich immer wieder neu daran arbeiten könnte, Ereignisse so zu verbessern, dass sich das positiv auf die Geschichte auswirkt? Für mich ist das eine lustvolle Zeit, mich an solche Denkmodelle zu wagen. Ich finde sie spannend, auch wenn es wahrscheinlich immer unmöglich sein wird, in die Vergangenheit zu reisen. Mir wird in dieser Auseinandersetzung einmal wieder bewusst, dass mein Handeln Einfluss auf Gegenwart und Zukunft hat. Immer wieder gibt es Alternativen, immer wieder entscheide ich neu und habe so einen Anteil an der Gestaltung (meiner) heutigen und zukünftigen Welt.

Ich freue mich, dass es Künstler gibt, die sich mit dem Thema Zeitreisen beschäftigen und mir interessante Stunden schenken, in denen ich meine eigenen Gedanken beim Ansehen oder Lesen der Handlung schweifen lassen kann. Und noch besser ist es, wenn es zum Roman einen Film (eine Serie) gibt, den ich gleichermassen genießen kann. Das eine ist nicht besser als das andere, sie ergänzen einander. Beides fasziniert mich auf seine Art. Wobei der Roman mit seinen 1048 Seiten natürlich viel tiefer ins Thema einsteigen kann. Die Serie konzentriert sich auf einen Handlungsstrang, im Roman gibt es davon sehr viele. Besonders begeistern mich die Anspielungen auf Kings früheren Romane, deren Geschichten hier mit einer ganz neuen Perspektive „zitiert“ werden. Außerdem berührt mich im „Anschlag“ Kings Humor, der mir immer wieder unverhofft begegnet und mich zum Schmunzeln bringt. Na ja, und Spannung ist natürlich auch jede Menge und lehrreich ist das Ganze noch dazu, finde ich.

Jetzt, wo ich viele Stunden mit dem „Anschlag“ verbringe, denke ich auch immer wieder an die Serie. Meiner Meinung nach sind die Schauplätze hier optimal visualisiert worden und die Besetzung so perfekt, dass fast alle Personen sehr gut „in den Roman“ passen. Ich stelle mir beim Lesen keine anderen Gesichter vor. Außerdem höre ich in der Serie (Abspann!) die passende wunderbare Musik, die im Roman immer wieder beschrieben wird. Doch ja, ich kann beides empfehlen für Leute, die Stephen King und Zeitreisen mögen….

 

Was für ein Buch!

Was für ein Buch!

Yuval Noah Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit. München, 2013

“ Krone der Schöpfung oder Schrecken des Ökosystem?

Wie haben wir, Homo sapiens, es geschafft, den Kampf der sechs menschlichen Spezies ums Überleben für uns zu entscheiden? Warum ließen unsere Vorfahren, die einst Jäger und Sammler waren, sich nieder und betrieben Ackerbau und gründeten Städte und Königreiche? Warum begannen wir, an Götter zu glauben, an Nationen, an Menschenrechte? Warum setzen wir Vertrauen in Geld, Bücher und Gesetze und unterwerfen uns der Bürokratie, Zeitplänen und dem Konsum? Und hat uns all dies im Lauf der Jahrtausende glücklicher gemacht? Yuval Noah Harari entwirft mit seinem international gefeierten Bestseller das große Panorama unserer eigenen Geschichte- und stellt die Frage, wohin wir von hier aus gehen wollen.

Vor 100 000 Jahren war Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das unauffällig in einem abgelegenen Winkel des afrikanischen Kontinents lebte. Unsere Vorfahren teilten sich den Planeten mit mindestens fünf weiteren menschlichen Spezies, und die Rolle, die sie im Ökosystem spielten, war nicht größer als die von Gorillas, Libellen und Quallen.

Vor 70 000 Jahren dann vollzog sich ein mysteriöser und rascher Wandel mit dem Homo sapiens, und es war vor allem die Beschaffenheit seines Gehirns, seine Sprache und seine einzigartige Fähigkeit zur Kooperation, die ihn zum Beherrscher und zur Bedrohung des Planeten werden ließen.

Bis heute hat sich diese Vorherrschaft stetig zugespitzt: Der Mensch hat die Fähigkeit zu schöpferischen und zerstörerischem Handeln wie kein anderes Lebewesen. Und die Menschheit steht jetzt an einem Punkt, an dem er entscheiden muss, welchen Weg sie von hier aus gehen will.

Gerade zu meisterhaft versteht es Harari, große historische Ereignisse mit der Macht von Ideen zu verknüpfen (NEUE ZÜRICHER ZEITUNG).

Spektakuläre Panoramen, plötzliche Sturzflüge in Details und unkonventionelle Interpretationen…..Der unwiderstehliche Reiz liegt in der Coolness des Universalhistorikers (DEUTSCHFUNK KULTUR).

Kenntnisreich und witzig erzählt (FOCUS).“   

Yuval Noah Harari schreibt präzise, klug- und vor allem so, dass man gar nicht aufhören will zu lesen. Dieses Buch lässt Hirne wachsen (ZEIT WISSEN). 

( Klappentext hinten und vorne)

Ich weiß nicht, ob mein Hirn gewachsen ist. Ich weiß aber, dass ich nicht aufhören kann zu lesen. Das Buch hat auf mich eine unglaubliche Sogwirkung. Ich sitze im Garten unter meinem Flieder und tauche ein in Welten und Zeiten und lache laut, wenn mal wieder so witzige Beispiele  kommen. Die kognitive Revolution, die landwirtschaftliche Revolution, die Vereinigung der Menschheit und die wissenschaftliche Revolution ziehen an mir vorbei und 10 000 Jahre sind irgendwie ein Katzensprung der Geschichte. Meine kleine Lebensspanne ist lächerlich kurz und das Große und Ganze geht seinen Weg, den es gehen muss. Ich überlege, mit welchen Mythen und ausgedachten Geschichten ich aufgewachsen bin und nichts ist mehr selbstverständlich. Vielleicht sogar auch gar nicht so wichtig. Also für das Große und Ganze. Für mich und meine Zeit natürlich schon. Und dabei bin ich erst auf Seite 269, das ist etwas mehr als die Hälfte des Buches. Schnell beende ich jetzt hier meine  Schreiberei und gehe unter meinen Fliederbaum und versinke wieder in die Universalgeschichte, die mir bisher eigentlich nicht so wichtig schien. Jetzt bin ich entzückt davon und gewinne auch geistig neue Perspektiven. Dazu muss ich noch nicht einmal meine Lesestuhl in den Garten schieben….

Mit einem Zitat möchte ich Euch Lust auf dieses Buch machen. Wirklich, es ist eine Lust, es zu lesen. Wenn man Lust zum Lesen hat jedenfalls.

„Eines der ehernen Gesetze der Geschichte lautet, dass ein Luxus schnell zur Notwendigkeit wird und neue Zwänge schafft. Sobald wir uns an einen Luxus gewöhnt haben, verkommt er zur Selbstverständlichkeit. Erst wollen wir nicht ohne ihn leben, und irgendwann können wir nicht mehr. Nehmen wir ein Beispiel, das Ihnen bekannt vorkommen könnte. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahllose Maschinen erfunden, die uns das Leben erleichtern sollen: Waschmaschinen, Staubsauger, Geschirrspülmaschinen, Telefone, Mobiltelefone, Computer, E-Mail. Früher hat es viel Zeit gekostet, einen Brief zu schreiben, einen Umschlag zu kaufen, ihn zur Post zu bringen und abzuschicken. Die Antwort ließ Tage und Wochen auf sich warten. Heute können wir innerhalb einer halben Minute eine E-Mail schreiben und sofort eine Antwort bekommen. Haben wir jetzt mehr Zeit für uns selbst?

Im Gegenteil. In Zeiten der Schneckenpost haben wir nur Briefe geschrieben, wenn wir wirklich etwas mitzuteilen hatten………wir haben sorgfältig über den Inhalt nachgedacht und an Formulierungen gefeilt. Als Antwort haben wir einen genauso durchdachten Brief erwartet. Pro Monat haben wir eine Handvoll Briefe geschrieben…..Heute bekommen wir pro Tag Dutzende Mails, die alle umgehend beantwortet werden wollen. Mit dem Versuch, Zeit zu sparen, haben wir lediglich die Schlagzahl erhöht und unser Leben noch hektischer gemacht…….

Aus der Geschichte der Luxusfallen können wir eine wichtige Lektion lernen. Bei dem Versuch, winzige Fortschritte zu erringen, setzen wir immense Energien frei und bewirken Veränderungen, die niemand vorhersehen konnte und die auch niemand in dieser Form wollte. Niemand konnte die landwirtschaftliche Revolution vorhersehen und niemand wollte sie. Eine Abfolge winziger Entscheidungen, mit denen sich die Menschen den Magen füllen und ein bisschen Sicherheit gewinnen wollten, summierten sich so lange, bis die alten Wildbeuter unter sengender Sonne Wassereimer schleppten.“ (S. 114/115, Die Luxusfalle)

Altes Land

Altes Land

Heute lese ich nur mit den nötigsten Unterbrechungen:

Dörte Hansen, Altes Land, 2015

“ Polacken, schimpft Ida Eckhoff, Bäuerin im Alten Land, als im Frühjahr 1945 Flüchtlinge aus Ostpreußen auf ihrem Hof stehen. Hildegard von Kamcke und ihre kleine Tochter Vera müssen in die Knechtekammer, auf Idas weißer Hochzeitsbank dürfen sie nicht sitzen. Aber Hildegard hat für die Opferrolle kein Talent. Sie zieht weiter nach Hamburg und lässt ihr Kind zurück. Vera erbt das große kalte Haus und scheint es doch nie zu besitzen. Sie fürchtet sich vor ihm, lässt es verfallen. Bis mehr als sechzig Jahre später wieder zwei Flüchtlinge vor der Tür stehen: Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn. Anne kommt nicht mehr zurecht mit ihrem Leben im szenigen Hamburg-Ottensen. Sie hasst ihren Job als Flötenlehrerin. Als ihr Mann sich dann auch noch in eine Andere verliebt, haut sie ab.

Vera, die raubeinige Zahnärztin, und Anne, die verkrachte Musikerin, haben mehr gemeinsam als sie ahnen. Beide fühlen sich nirgends zugehörig, beide kämpfen mit ihrer Vergangenheit, die alle Frauen in ihrer Familie hat erstarren lassen. Als sie beginnen, das Haus zu renovieren, geraten die Dinge in Bewegung.

Mit scharfen Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschenderweise finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie“ (Klappentext)

Dieses Buch lese ich immer wieder gerne. Ich tauche ein und erst wieder auf, wenn die letzte Seite gelesen ist. Schade. Ich könnte noch 1000 Seiten mehr davon gebrauchen. Der Roman spielt im Alten Land und in Hamburg. Als geborene Hamburgerin fühle mich sofort Zuhause. Nicht zuletzt, weil sich die Geschichte auch genauso auf Föhr (letzte Wahlheimat) und erst recht im Wendland (jetzige Heimat) abspielen könnte. Hier sind wir Menschen tatsächlich so, wie sie im „Alten Land“ liebevoll und manchmal lustig, aber immer treffend, beschrieben werden.

Der Roman hat 286 Seiten, die es alle in sich haben! Dörte Hansen versteht es meisterhaft, kurz und knapp so viele Informationen über ihre Figuren preiszugeben, dass ich mir deren Vergangenheit und Gegenwart leicht ausmalen kann. Landschaften und das menschliche Miteinander kann ich förmlich vor mir sehen und spüren. Es ist fast, als wäre ich Teil der Handlung. Ernste Themen und witzige Situationen stehen nebeneinander und berühren mich fast auf jeder Seite. Entweder ich muss schmunzeln oder erst einmal aus dem Fenster schauen und meinen Gefühlen nachspüren, bis ich weiter lese. Gestern Abend zum Beispiel, als ich vom Osterfeuer las, bekam ich großes Heimweh nach meinem alten Leben mit meiner Familie auf dem Land :

“ Es wurde kalt, die Leute drängten sich ans Feuer, „und nachher stinkt man wieder wie ein Räucheraal“, seufzte Brittas Schwiegermutter, es schien sie nicht zu stören.

Kinder marodierten in großen Banden hin und her, sie stocherten mit langen Stöcken in der Glut, drückten den Eltern das verkohlte Stockbrot in die Hand und wollten Geld für Pommes.

Die Erwachsenen verloren die Übersicht ein bisschen, sie tranken kaltes Bier und heißen Apfelpunsch im Wechsel. Alle kannten alle und redeten mit allen, Anne lernte Namen und Gesichter und vergaß sie alle wieder.“ (Seite 252)

Ja, so hatte ich das damals auch beim ersten Osterfeuer im Dorf erlebt, als wir gerade mit unseren kleinen Kindern hingezogen waren. Mein Mann und ich bekamen Gläser in die Hand gedrückt, weil wir selbst keine mitgebracht hatten, und uns wurde etwas eingeschenkt und angestoßen und Namen wurden ausgetauscht und dann kamen schon die nächsten mit einem Drink. Unsere Kinder waren mit den anderen Kindern und dem Feuer beschäftigt und ich verlor ein wenig die Übersicht. Das Eierverstecken im Garten am nächsten Tag war schwierig und die Vögel zwitscherten viel zu laut….. Manchmal möchte ich…..aber egal, es ist wie es ist und die Vergangenheit bleibt Erinnerung. Schön, wenn man sie sich bewahrt und dabei dürfen gerne ein paar Tränchen verdrückt werden. So ergeht es mir beim Lesen, ich komme mit meinen Gedanken immer wieder auf mein eigenes Leben und auf das meiner Eltern und Großeltern zurück.

Ein wunderbares Buch! Alle Dorf-und Stadtbewohner bekommen ihr Fett weg: die Eingeborenen und die Zugezogenen, die ehrgeizigen Vollwerteltern, die wortkargen Landwirte und erst recht die Biobauern. Die Mütter, Väter, Söhne und Töchter. Alle eben, so wie sie zusammen leben, mit ihren unterschiedlichen Schicksalen und Charakteren.

Ich wünschte, ich könnte meine Familie, Freunde, Nachbarschaft und mich auch so liebevoll skizzieren, dann sähe ich uns vielleicht plötzlich mit anderen Augen!

 

 

Ganz wunderbar!

Ganz wunderbar!

Meine Güte, was für ein Tag! Das ist gelogen….eigentlich sind es zwei Tage. Oder drei?

Ich lese gerade „Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus einer Welt im Wandel“ von Ranga Yogeshwar.

“ Dieses Buch kommt zur rechten Zeit. Wir befinden uns inmitten eines epochalen Wandels:  Die digitale Revolution, Fortschritte in der Gentechnik oder der Entwicklung der künstlichen Intelligenz greifen in fundamentaler Weise in unser Leben ein verändern ganze Branchen, aber auch Lebensmodelle und ganz konkret unseren Alltag. Das Smartphone ist erst zehn Jahre alt, aber hat von Amazon bis WhatsApp, von Airbnb bis Uber unser Leben umgekrempelt. Und was mag da noch alles kommen, und wie rasch?  Viele fürchten sich vor einer Welt, die so anders sein wird als alles, was wir kennen.

Yogeshwar stellt die aktuellen und zukünftigen Umbrüche auf verständliche Weise in ihrer ganzen Breite dar: von der Digitalisierung bis zur Gentechnik, von der Totalüberwachung bis zum (Alb)Traum vom ewigen Leben. Er berichtet von seinen Besuchen in einem Klon-Labor in Südkorea, im Forschungslabor für künstliche Intelligenz in Schweden und in der Ruine eines Atomkraftwerks in Japan. Er schildert seine Fahrt im Prototyp eines autonomen Fahrzeugs, testet im Selbstversuch, wie man mit einem „infizierten“ Handy abgehört werden kann und erinnert sich an seine Kindheit in Indien, dem Subkontinent, auf dem Vergangenheit und Zukunft eine spannende Symbiose eingegangen sind.

Yogeshwar ordnet die gegenwärtigen Entwicklungen auch in die Menschheitsgeschichte ein, die immer eine Geschichte des Fortschritts war. Entscheidend wird sein, das ruft er uns zu, dass wir die Chancen, die mit dem Wandel auch verbunden sind, wahrnehmen und die Gestaltung der Zukunft nicht anderen überlassen, sondern selbst in die Hand nehmen“

Zu allererst frage ich mich, wie kann ein Mensch nur so intelligent sein, so viel wissen, so viele Sprachen sprechen, so viel reisen, so interessant schreiben, so realistisch, optimistisch und sympathisch sein? Wie kann einer so gut erklären, dass auch ich das verstehe? Unglaublich.

Gedanklich bin ich gerade sehr in meine und die deutsche Geschichte eingetaucht und irgendwie auch noch nicht wieder ganz aufgetaucht. Nun, so dachte ich, will ich doch mal sehen, dass ich in die Gegenwart zurückkomme und nehme mir das Buch von Yogeshwar vor. Ich habe es noch nicht durch, aber ich bin für aktuelle Entwicklungen wacher geworden. Nachrichten sehe ich gerade mit anderen Augen. Ich scheine plötzlich mehr und besser zu verstehen. Und ich fühle ganz intensiv die „Wunder“, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich fühle die Weite des Weltalls, wobei mir etwas schwindelig wird, und die Unwahrscheinlichkeit der Erde. Alle Entwicklung scheint mir wunderbar, zauberhaft und überhaupt nicht selbstverständlich. Was für ein Wunder, dass ich lebe.

Ich lese von der Technik und was alles möglich sein wird. So weit sind wir von Real Humans , der dänischen Serie, die ich 2013 das erste Mal gesehen habe, gar nicht mehr entfernt. Was ist menschlich? Diese Frage muss vielleicht bald neu gestellt und beantwortet werden.

Ich weigere mich, zu viel Technik in mein Haus zu lassen. Lampen schalte ich noch selbst an und die Kühlschranktür öffne ich alleine, wenn ich wissen will, ob ich Milch brauche. Ihr wisst, was ich meine! Aber wenn ich genau hinsehe, umgibt mich doch schon ziemlich viel Digitalität. Meine Heizungsanlage bewältigt zum Beispiel ihre Aufgaben ohne mein Zutun. Ventile an den Heizkörpern arbeiten selbständig und tyrannisieren mich manchmal. Ab und zu fallen sie ab und ich sehne mich nach den guten alten Entscheidungen, ob ich 1, 2, 3 oder sogar 5 einstellen will. Bald wird auch mein Telefon digital, aber das wisst Ihr ja schon.

Mein Laptop ärgert mich und jetzt bin ich fast davon überzeugt, es macht das mit Absicht. Und jetzt komme ich auf meinen ersten Satz zurück. Seit drei Tagen arbeitet mein PC mal zuverlässig und prima (wie jetzt, allerdings spinnt meine Maus plötzlich und lässt sich kaum bändigen), und manchmal macht er nur noch Quatsch oder gar nichts mehr. Ich versuche ihn wieder in Gang zu bringen und dann arbeitet er, also mein PC, viele Stunden selbständig und ich sehe nur die Ladeanzeige ( blauer kreisender Kreis). Ich sitze natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern beschäftige mich mit anderen, analogen Dingen, aber gedanklich bin ich bei ihm oder ihr, meiner Maschine. Ich habe das Gefühl, sie macht, was sie will und ich durchschaue nichts mehr.

Übrigens finde ich auch die Korrekturen bei WordPress ziemlich eigenständig. Manchmal denke ich, ich sollte alle Korrekturvorschläge einfach mal übernehmen Ladeanzeige wird dann zur Todesanzeige, Leuchtmittel zum Zuchtmittel und Ranga zum Tanga. Aber hier habe ich noch das Sagen! Meisten jedenfalls! Manchmal finde ich beim Durchlesen ganze Satzteile nicht da vor, wo ich meinte sie geschrieben zu haben. Geht Euch das auch so? Oder spielt nur mein PC so lustige Streiche?

Meine Güte, was für ein Tag! Heute machte auch mein Handy schlapp. Es wollte nicht so wie ich und plötzlich ging doch wieder alles reibungslos. Meine Schreibtischlampe streikte und ein Leuchtmittel im Flur blieb dunkel. Sie haben sich verschworen!

Ach könnte doch Ranga kurz vorbeikommen und mir meine kleine Welt erklären! Dann wäre ich wieder Herrin im Haus!

Erst putzen, dann Stephen King

Putzen wird völlig überbewertet. Ich mache das nicht gern. Mir tun dabei die Hände so weh und überhaupt: irgendwann hört die Staubschicht auf zu wachsen und wenn man alles schön zufrieden lässt, fällt sie gar nicht auf. So war es zumindest bis zu meiner Augen-OP. Ohne grauen Star sieht das schon wieder ganz anders aus. 😳

Jetzt, wo die Sonne so schön in meine Wohnung scheint…..ja, putzen ist nötig. Vielleicht bringt mich ein drohender angekündigter Übernachtungsbesuch auf Trapp. Gestern waren Fenster (mit Gardinenwaschen!), Türen, Heizungen und mein Briefkasten dran, heute morgen alle Böden. Ich hasse Bodenwischen. 😬

Der Nachteil beim vorgezogenen Frühjahrsputz ist ja, dass ich am liebsten nichts mehr anfassen und über dem Boden schweben möchte. Außerdem finde ich immer mehr, das zu putzen und zu säubern ist. Wenn ich damit durch bin, sind wieder die Fenster dran. Mit dem Putzen wird man also nie fertig und kann es vielleicht auch wirklich sein lassen! 😅

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Ich wollte mir und allen anderen nur beweisen, wie fleißig ich war, dass ich mich bewegt und etwas nützliches getan habe (ja, ich weiß, das muss ich gar nicht, trotzdem….). Darum ist mein Gewissen rein, wenn ich gleich auf meiner allerliebsten Terrasse in der Sonne Platz und ein Buch zur Hand nehmen werde, auf das ich mich wirklich freue, weil ich es schon kenne und weiß, wie gut ich mich beim Lesen fühle. Außerdem lerne ich jedesmal dazu.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben, 2000

„Während der Genesung nach einem schweren Unfall schreibt Stephen King seine Memoiren- Leben und Schreiben sind eins. Ein unverzichtbarer Ratgeber für alle angehenden Schriftsteller und eine Fundgrube für alle, die mehr über den König des Horror-Genres erfahren wollen. Ein kluges und zugleich packendes Buch über gelebte Literatur.“

“ Lange Zeit ist Stephen King einer der meistgelesenen Schriftsteller unserer Zeit, mit der eigenen Biografie eher zurückhaltend umgegangen. In diesem Buch gibt er erstmals ausführlich Einblick in seine Lebensgeschichte und seinen Werdegang als Buchautor. King versenkt sich und seine Leser in das „neblige Land der Kindheit“, das viele seiner Romane inspiriert hat, und in die Ängste und Sehnsüchte des jungen Mannes, der sich am Rande einer reichen Gesellschaft durchkämpfen musste. Er schildert seine große Liebe zu seiner Frau Tabitha und die Nöte seiner kleinen Familie und erzählt von den ersten Schreibversuchen, dem plötzlichen Erfolg und dem schwierigen Umgang mit dem Ruhm. Und natürlich schreibt King über das Schreiben: was es für ihn bedeutet, wie seine Werke entstehen und welche Autoren und Ereignisse ihn und sein Werk geprägt haben.“   (Klappentexte außen und innen)

Ich mag Stephen King und seine Romane. Ich würde ihn zu gerne einmal kennenlernen. Darum lese ich dieses Buch vom Leben und Schreiben mit besonderem Vergnügen. Wahrscheinlich ist es aber auch für diejenigen interessant, die seine Werke ablehnen, aber mehr über das Schreiben erfahren wollen.

 

 

13. Dezember

13. Dezember

Heute haben Xaver und ich endlich mal Zeit nur für uns selbst. Frau Holle ist auf ihr Fahrrad gestiegen und strampelt gegen Wind und Wetter an. Sie will nicht mit dem Auto fahren, damit sie mal an die frische Luft kommt. Sagt sie. In Wirklichkeit kann sie nicht einparken und lässt darum das Auto lieber stehen.

Draußen ist es so gruselig, dass nicht mal Hunde und Katzen raus gehen. Aber Frau Holle will sich unbedingt in der frischen Luft bewegen😂 😂😂. Sie muss zum Zahnarzt. Keine Ahnung, was das ist. Frösche haben im allgemeinen keine Zähne. Im  Internet finde ich zu diesem Thema Wissenswertes, was auch Xaver zum Staunen bringt. Dort heißt es: „Während manche Frösche nur Fruchtfliegen und andere Kleininsekten fressen, essen andere alles, was in ihren Mund passt. Frösche sind Fleischfresser, einige Arten ernähren sich noch zusätzlich von pflanzlicher Nahrung.
Die meisten Frösche besitzen keine Zähne, dafür haben sie aber am Oberkiefer eine Reihe zahnähnlicher Grate (ein Grat ist die obere scharfe Kante, z.B. eines Berges), mit denen sie ihre Beute festhalten, um sie anschließend in den Mund befördern zu können. Zum gleichen Zweck besitzen sie einige kleine Fangzähne, die verhindern, dass die Beute entkommt, bevor der Frosch sie verschlucken kann. Deswegen verschlucken sie ihre Beute lebend.“

Ich wusste gar nicht, dass das so kompliziert ist. Ich fresse einfach immer alles, was in meinen Mund passt oder reinfliegt. Xaver sucht seine Graten und findet nichts.

Wir probieren, ob die Rosinen, die wir in der Backkiste finden, in unseren Mund passen. Sie passen. Wir probieren weiter mit den Clementinen aus der Obstschale, da wird es schon enger und Xaver droht zu ersticken. Er hat keine Lust mehr auf Experimente. Ich schon, denn ich bin ein harter Kerl und nehme mir eine Banane. Ob die in meinen Mund passt? „Guck mal Xaver, ich bin jetzt ein Breitmaulfrosch!“, kann ich gerade noch mühsam sagen, bevor ich eine Kiefersperre bekomme und nur noch ein „Ehehe eee ee eheehhee!“ von mir geben kann. Xaver befreit mich mit aller Kraft von der verqueren Banane. Er muss dabei so lachen, dass er ab und zu mal umfällt. Jetzt habe ich auch die Schnauze voll und wir gehen lesen.

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Mein liebstes Buch ist: „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ von Sven Nordqvist. Hinten steht: „Tagelang ist es so kalt, dass der alte Pettersson und sein Kater Findus ihre Nasen nicht vor die Tür stecken mögen (was ja gut zum heutigen Wetter passt, wo außer Frau Holle kein Wesen draußen ist), und gerade als es ein bisschen wärmer wird, verstaucht der Alte sich seinen Fuß. Dabei ist morgen Heiligabend. Wie sollen die beiden jetzt zu einem Weihnachtsbaum kommen? Und wie zu Stockfisch, Fleischklößchen und Pfefferkuchen? Eine schöne Bescherung!“

Ich  kann mich gar nicht satt sehen an den Bildern. Ich finde Findus so toll und überlege, ob ich mir zu Weihnachten nicht auch so eine schöne Hose wünschen soll. Findus ist wie ich, nur eben Kater. Wir sind seelenverwandt. Und der alte Pettersson ist wie Frau Holle, nur eben Mann. Wenn Frau Holle mal keine Lust zum Aufräumen hat, sagt sie oft: „Nun sieht es hier bald aus, wie beim alten Pettersson!“ Gemütlich eben. Und jetzt, wo hier so viele Gestalten Weihnachtsstimmung im Haus verbreiten, ist es wirklich genau so, wie beim alten Pettersson im Buch.

Frau Holle mag die Bücher von Findus immer noch sehr gerne haben. Jetzt liest sie uns jeden Abend aus diesem Buch vor:IMG_1581“ Man soll nie zuviel versprechen. Sonst geht es einem am Ende wie dem alten Pettersson. Seit der seinem Kater nämlich vom Weihnachtsmann erzählt hat, hat Findus nur noch einen Wunsch: dass der Weihnachtsmann auch zu ihm kommt. Klar, dass Pettersson ihn nicht enttäuschen möchte. Im Tischlerschuppen geht es denn auch hoch her in den nächsten Tagen. Da wird gezeichnet, gesägt, gehämmert und gebohrt. Dass trotzdem alles ganz anders kommt, als Pettersson geplant hat, kann nur daran liegen, dass manchmal Dinge geschehen, die man einfach nicht erklären kann…..“

Ich finde das so toll. Hier im Haus gibt es ja jede Menge Weihnachtsmänner und draußen auch, aber ob der richtige Weihnachtsmann auch zu Fröschen kommt? Wenn sie sich Hosen anziehen vielleicht? Ich will Frau Holle nachher mal fragen. „Aber schie hat ja keinen Tischlerschuppen“, sagt Xaver. Da ist was wahres dran.

Ich habe noch ein gutes Buch vom Weihnachtsmann:

IMG_1507„12 Geschenke für den Weihnachtsmann“ von Mauri Kunnas.

„Schenken ist das Schönste an Weihnachten, meint Kalle, ein kleiner Wichteljunge- wenn es auch nicht immer ganz leicht ist, das richtige Geschenk zu finden. Was soll er zum Beispiel dem Weihnachtsmann schenken? Kalle überlegt und überlegt, und Stummel, sein Hund, hilft ihm dabei; schließlich ist in zwölf Tagen Weihnachten. Da hat Kalle auf einmal eine Idee, und was für eine….“

Xaver und ich lachen uns schlapp, was dem Kalle alles einfällt und wie alles schief geht und der Weihnachtsmann trotzdem an den Geschenken seinen Spaß hat. Ich finde den Kalle so toll. Er ist wie ich, nur eben Wichtel. Ich muss unsere beiden Wichtel von gestern mal fragen, ob sie Kalle kennen. Und dann muss ich mir überlegen, was ich Frau Holle schenken soll. Die ist wie Weihnachtsmann, nur eben Frau.

Oh, jetzt kommt sie schon wieder durch die Tür herein. Zerzaust und nass und mit roten Bäckchen. Sie freut sich, dass wir so schön brav waren und lesen. Na ja, von unseren Experimenten muss sie ja nichts erfahren. „Nächsten Dienstag muss ich wieder hin“, sagt sie. „Heute wurde nur geröntgt und nächste Woche wird besprochen, wie meine Zähne behandelt werden sollen. Hoffentlich kriege ich Weihnachten keine Zahnschmerzen!“

Gut, dass Frösche keine Zähne haben!