Wie ich es gerne hätte

Wie ich es gerne hätte

Wie ich es gerne hätte

so ist es nicht

wie ich es gerne wollte

will es nicht.

 

Unbekannte Bilder schieben sich in den Vordergrund

fügen sich zusammen

lassen mich fallen

und fangen mich auf

so fremd sind sie nicht

nur nicht wahrgenommen.

 

Noch ist es Zeit

mich zu fügen und

demütig zur Kenntnis zu nehmen

dass es weh tut

und trotzdem heilt.

 

Meine alten Bilder

gebe ich weiter

damit die anderen sehen

wie es war und was ist

auch sie werden wachsen

wenn sie erkennen

so wie sie es gerne hätten

so ist es nicht.

 

Wir erfreuen uns an der

wahren Collage unserer Bilder

und Gefühle.

 

Alles ist so

wie es ist.

Neuer Ordner

Aber niemals immer gleich.

 

 

 

 

Neue Wege

Neue Wege

Hin- und hergerissen zwischen Unglauben, Scham und Erleichterung frage ich mich, ob ich es nicht hätte besser machen können. Ob ich nicht lieber andere Entscheidungen hätte treffen sollen. Ob ich mein Leben verschwendet habe. Ob ich jetzt noch einen anderen Weg einschlagen kann und will. Die Fragen rauben mir nicht den Schlaf, denn die Antworten sind denkbar einfach. Ich hätte andere Entscheidungen treffen können, tat es aber nicht. Ich ging genau diesen Weg. Mein Leben habe ich gelebt und keine Sekunde davon war verschwendet. Eine führte zur anderen bis hierher.

Im blicke mich um und sehe, was ich getan habe. Ich bin nicht stolz darauf.  Doch, ich bin stolz auf alles Positive, das ich in die Welt setzte. Nein, ich will es üben, stolz darauf zu sein. Das ist nicht leicht, weil ich mir selbst nicht so recht glaube. Es fällt mir schwer, Mitgefühl mit mir selbst zu haben. Doch ich will meine Einstellung zu mir und meiner Geschichte verändern. Ich übernehme die Verantwortung für alles, auch die schlimmen Dinge. Sie gehören dazu und machen mich aus. Nun wird es Zeit, neue Wege auszuprobieren. Ich nehme mir vor, an der nächsten Kreuzung nicht mehr einfach geradeaus weiter zu gehen. Ich will den Blick öffnen und die Weite wahrnehmen.

Ich stelle fest: so neu ist das gar nicht. Ich kam schon längst vom Weg ab. Ich bin abgebogen, habe im Kreisverkehr nach schöneren Zielen gesucht und bin manchmal auf den gewohnten Weg zurückgekehrt. Aber nur für eine kurze Strecke. Dann gefiel mir die Landschaft nicht mehr und ich suchte nach neuen Aussichten.

Prima. Optimistisch liste ich auf, was es jetzt schon zu sehen gibt:

  • die Familie rückt zusammen
  • mentaler und realer Ballast wird entsorgt
  • der Ballast, der noch nicht entsorgt ist, wird akzeptiert
  • mutig plane ich Neues und Unbekanntes
  • der Entschluss, Neues und Unbekanntes auch wirklich anzugehen, wird gestärkt
  • ich weiß, dass ich wahrscheinlich alte Muster mit einem neuen Partner leben würde, darum bin ich zufrieden mit meiner Entscheidung, nicht zu suchen
  • vielleicht wird sich eine Liebe finden, wenn ich meine neuen Wege weit genug gegangen bin
  • vielleicht auch nicht, dafür wird es andere Schätze zu entdecken geben
  • vielleicht werde ich meine Sichtbarkeit eines Tages so richtig genießen
  • ich habe gehört, wie positiv ich auf andere Menschen wirke, wenn ich lache und albern bin
  • also wird mich mein Humor begleiten, egal, was passiert!

Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ab und zu. Würde mich freuen!

 

 

Doppelbotschaften

Doppelbotschaften

Geh weg – und bleib hier.

Bleib hier – und mache dich unsichtbar.

Lass mich – aber kümmre dich um mich.

Kümmere dich um mich – und bleibe fern.

Halte mich nicht – und lass mich nicht gehen.

Lasse mich nicht gehen – und laufe mir nicht nach.

Lass mich nicht allein – und lass mich los.

Liebe mich – und lass mich zufrieden.

Lass mich zufrieden – und hilf mir.

Sei da – aber nicht zu nah.

Komm mir nicht zu nah – und umarme mich.

Sei schlau – aber nicht so schlau wie ich.

Sei selbstständig – und sei so wie ich.

Sei so wie ich –  und sei ganz du selbst.

Sei ganz du selbst – und sei so, wie ich dich brauche.

Sei natürlich – und sei ganz Frau.

Sei ganz Frau – aber nicht zu sehr.

Ich will dich – und ich will dich nicht.

Was tun?

Tiefe Sehnsucht

Tiefe Sehnsucht

Bilder der Vergangenheit

zeigen sich und bleiben.

Ich habe Heimweh

und weiß nicht warum

eine tiefe Sehnsucht

mich so traurig macht.

 

Nie mehr, nie mehr!

flüstert sie und mein Herz wird schwer.

 

Ich vermisse

mein Eingebundensein von damals.

Meine Familie,

meine Freunde,

meinen Beruf

und meine Tiere,

die mich begleitet haben.

 

Ich vermisse die Zweisamkeit.

Das tägliche Zusammenleben

und überhaupt alles.

Oder nur das Gute.

 

Ich vermisse meine Jugend

und meine Gesundheit.

 

Wenn ich daran denke,

was ich in zehn Jahren vermissen könnte,

von dem, was ich heute habe,

möchte ich die Zeit festsetzen.

Sie soll nicht weiter vergehen.

Nie mehr, nie mehr wird es so sein wie früher.

Nie mehr so werden wie jetzt.

 

Wenn ich mich weiter dem Selbstmitleid überlasse,

verliere ich mich im Morast.

 

Ich mobilisiere

meine schlummernden Kräfte

und die Dankbarkeit bietet mir Schutz.

Tröstet mich über die Trauer hinweg.

Es war, wie es war

und freue dich, dass es gewesen.

Es ist, wie es ist.

Mal so und mal so!

Sei froh.

Und wie es wird, kann keiner wissen.

Das musst du verstehen

und dich nicht schon im Voraus sehnen

nach vergangenen Tagen.

 

Mein Verstand weiß genau, wie wahr das ist,

aber mein Herz macht gerade nicht mit.

Es will jetzt nicht vernünftig sein.

 

Na schön, heute darf es seinen Willen haben.

Der Verstand zieht sich zurück

und macht ein Nickerchen.

 

Aber dann ist auch bald gut.

Ich werde dafür sorgen,

dass beide schnell wieder im Einklang sind

mit dem Jetzt.

Denn es gibt viel zu tun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bettgesellschaft

🛌

👹 Hallo, hallo! Hier ist dein schlechtes Gewissen!

🛌 ……….

👹 Hallooooo! Nicht schlafen! Zuhören!

🛌 Hä?

👹 Hör mir gefälligst zu. Es kommt nicht infrage, dass du jetzt friedlich schläfst!

🛌 Was?

👹 Du hast dir noch keine neue Lesebrille besorgt.

🛌 Doch, habe ich bestellt. Lass mich schlafen!

👹 Du gibst zu viel Geld aus.

🛌 Wenn du meinst. Gute Nacht!

👹 Du hast noch nicht alles für deine Knie-OP getan!

🛌 Doch, ich habe Termine gemacht und kann im Moment nicht mehr tun.

👹 Du hast nicht genug Kniegymnastik gemacht.

🛌 Hä?

👹 Du hast dich heute nicht genug bewegt.

🛌 Es ist Mitternacht. Ich will jetzt schlafen.

👹 Du hast dich nicht genug bewegt! Du bewegst dich nie. Du hast wieder zugenommen.

🛌 Stöhn.

👹 Du isst zu viel. Du guckst zu viel in die Glotze. Du musst mehr im Garten arbeiten.

🛌 Es ist dunkel. Ich muss jetzt schlafen.

👹 Du hast noch keinen Handwerker gesucht, der dir die Spüle repariert.

🛌 Mach ich Montag.

👹 Du hast deinen Urlaub noch nicht vorbereitet.

🛌 Ist noch Wochen hin.

👹 Du weißt noch nicht, was du mitnimmst.

🛌 Ist noch Wochen hin.

👹 Immer bist du so larifari.

🛌 Lächerlich.

👹 Deine Kinder lieben dich nicht.

🛌 Hä?

👹 Du bist ihnen keine gute Mutter gewesen.

🛌 …….

👹 Hör mir gefälligst zu, wenn ich mit dir spreche! Du hast alles falsch gemacht und willst jetzt friedlich schlafen?

🛌 …………

👹 Du warst auch keine gute Ehefrau. Kein Wunder, dass er es nicht mit dir aushielt.

🛌 Stimmt. Nun lass mal gut sein.

👹 Und damals in Afrika hast du dich ganz schlecht benommen.

🛌 Wie kommst du jetzt darauf?

👹 Du warst eine miserable Tochter. Und jetzt sind deine Eltern tot.

🛌 Ja.

👹 Und du willst friedlich schlafen, wo du doch an allem schuld bist.

🛌 Jetzt reichts mir. Und außerdem bin ich immer noch eine Frau.

👹 Kann ich nicht abstreiten. Obwohl etwas mehr Weiblichkeit dir auch ganz gut täte. Aber die Botschaft stimmt. Und auf die kommt es an. Angekommen?

🛌 Sei endlich ruhig und verpiss dich.

👹 Das könnte dir so passen. Ohne mich bist du aufgeschmissen und wüsstest du gar nicht, was für ein schlechter Mensch du bist. 

🛌 Komm doch morgen wieder.

👹 Du warst eine miese Lehrerin.

🛌 Meine Güte. Ich bin müde.

👹 Kann ich mir vorstellen. Erst alles vermasseln und dann schlafen wollen.

🛌 Was willst du eigentlich von mir?

👹 Du sollst ein besserer Mensch werden. Und dünner werden. Und fleißiger werden. Und freundlicher. Und kommunikativer.

🛌 JETZT?

👹 ?

🛌 Soll ich das jetzt alles erledigen? Soll ich sofort alles besser machen? Jetzt in diesem Moment? Soll ich aufstehen, dünner werden und aufräumen? Hilfst du mir, mein Leben rückgängig zu machen? Gibst du mir eine Maschine, damit ich eine Zeitreise antreten und somit eine bessere Tochter, Ehefrau, Mutter und Lehrerin werden kann???!!!

👹 Meine Güte, was bist du denn so aggressiv?

🛌 Gib jetzt Ruhe, ich will schlafen.

👹 Aber…

🛌 NEIN‼

👹 OK. Ok.

 

 

 

Radeln und denken

Radeln und denken

Wolken! Keine Sonne! Ich will mich heute wirklich mal bewegen. Also rauf auf das Fahrrad und los. Dänische Kronen von der Sparkasse holen. Ja, ich weiß, der „spontane Urlaub“ mit Freunden aus früherer Zeit ist noch lange hin. Aber das Ferienhaus (mit Seeblick!!!!) ist gebucht und bezahlt, also kann ich mir auch mein Urlaubsgeld schon mal zurechtlegen. Das bringt mich in Ferienlaune. Nun ist es auch schon wieder zwei Wochen her, dass sich „mein Rudel“ am See um mich versammelt hat. Söhne finden den Ausdruck Rudel in ihrem Zusammenhang doof. Aber ich bin die älteste, ich darf doofe Sachen denken und sagen. War richtig schön mit meinem Rudel! Grillen, quatschen, schwimmen. Mit dem Gewitter war die Party am See vorbei und wir trafen uns bei mir Zuhause wieder. Um den Esstisch gequetscht die Reste zu vertilgen, das hatte auch was. Schwupps. Vorbei. Alle weg.

Prima, hat gleich geklappt mit den Kronen und ich radle mit meinem gefüllten Portmonee  durch die Felder. Stoppelfelder. Herbststimmung. Kann das sein? Ist doch noch Juli! Zwei Störche staksen über die Wiese. Regen ist seit Tagen angesagt. Die Wolken hängen tief. Aber es regnet nicht. Auch seit Tagen. Huch?! Ein Hase sitzt am Wegesrand und mümmelt vor sich hin. Wir gucken uns kurz in die Augen und erschrecken beide. Er hopst weg. Ich kann nicht mehr hopsen. Schade eigentlich. Schwalben schweben tief. Ein Trecker staubt mich ein. Frechheit. Letztes Wochenende war echt viel los. Warum verteilt sich das nicht besser? Oh, schon wieder ein Trecker von vorne. Will ich mal lieber an die Seite fahren. Der ist stärker. Ein Sohn besuchte Freunde im Landkreis und schlief bei Muttern. Also bei mir. Zweimal gemütlich frühstücken! Wie ungewohnt. Und wie schnell die Zeit wieder verging. Na ja, ich hatte ja selbst eine Menge vor. Samstag mit Freundin am und im See und Sonntagabend war auch nett. I. aus der Schreibwerkstatt lud mich spontan auf ihren Balkon ein. Wie die erzählen kann und was sie schon alles erlebt hat! Sie ist noch mal 20 Jahre älter als ich. Das Zuhören war wie eine Reise in die Vergangenheit. Sonnenuntergang mit Weißwein auf dem Balkon. Herrlich. Und Zuhause dann als krönenden Wochenendabschluss noch „Easy Rider“ im Fernsehen. Schon wieder eine Zeitreise. Aber diesmal meine eigene. Ich fühlte fünfzig Jahre alte Gefühle und wenn die wunderbare Musik kam, stellte ich den Fernseher lauter. Was hatte ich damals für Flausen im Kopf! Ich wollte auch Easy Rider sein. Also, natürlich wollte ich nicht erschossen oder erschlagen werden. Aber ich fand den Typen in seinen Lederhosen so toll. Und Jack Nicholson war noch so jung in dem Film.  Ach, ich mache noch einen kleinen Umweg und genieße es, dass es nicht so heiß ist. Ich habe mich wirklich viel zu wenig bewegt in den letzten Tagen. Dafür umso mehr gegessen und gleich auch wieder zugenommen. Was kein Wunder ist. Aber schade. Der uralte Film ist noch immer aktuell und das finde ich erschreckend. Nein, ich will nicht daran denken. An diesen „Politiker“ erst recht nicht. Ist einfach zu furchtbar, was der sich leisten darf und wahrscheinlich wieder gewählt werden wird. Nein, ich will daran jetzt wirklich nicht denken, zumal diese Art „Politiker“ aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen überall auf der Welt auftauchen. Dagegen muss ich doch was tun können. Aber was? Meine Güte. Natürlich kann ich daran nichts ändern, weiß ich doch. Und dass die Birke dahinten abgestorben ist, will ich jetzt auch gar nicht sehen. Und Greta segelt in die USA und schont die Umwelt. Absurd irgendwie, oder? Und jetzt komme ich an meiner kleinen Lieblingskuhherde vorbei. Vier Kälbchen sind neu dabei. Süß und sie wissen ja nicht, wozu sie geboren wurden. Auf jeden Fall haben die es hier richtig gut auf ihrer Wiese. So, gleich bin ich Zuhause. Werde wohl noch den Rasen mähen und den Garten etwas zurechtstutzen. Ich komme mir ja schon wie Dornröschen vor. Ob nicht vielleicht doch noch mal ein Prinz vorbei reitet und mich rettet? Wohl kaum. Und wovor überhaupt? Ach so, ja, ich weiß schon.

 

Liebe

Liebe

Wenn zwei sich finden

verschmelzen die Grenzen.

Ich und du

sind eins.

Dachte ich.

 

Ich suchte dich

und fand die Leere.

Zu viel „Grenzenlos“ lässt die Liebe nicht zu.

 

Allein.

Grenzen geschützt.

Nie wieder Verlust riskieren.

Nähe ausgeschlossen.

Oder?

 

Ich habe gehört,

dass die Liebe helfen kann

Türen zu öffnen,

die abschließbar sind.

Ich halte Ausschau

und finde den Frieden.

Wo ich dachte, es gäbe sie nicht,

spielt die Liebe schon längst mit mir.