Totensonntag

Totensonntag

Wenn ich Euch alle einladen könnte

meine lieben Verstorbenen

was gäbe das für ein Hallo

mein Haus wäre voll

wir würden uns umarmen

und fröhlich durcheinander reden

lachen und laut sein

und finden

niemals war der Tag

so schön wie heute.

🍂

Wo kommen denn diese Gedanken her?

🍂

Niemals stellte ich mir vor

ich würde mit den Toten feiern

vielleicht sind es die Umstände

die mich dazu bringen

und die Gedanken tiefer

und seltsamer werden zu lassen.

🍂

Ich verschließe die Tränen

und sehe den Himmel

wo der Sturm die Wolken treibt.

🍂

Meine Gedanken

sind bei Euch

und ich weiß

ich werde

eines Tages

folgen.

🍂

Doch jetzt stelle ich

eine Kerze auf

und atme tief ein

und aus.

🍂

Ja!

Solange ich träume

Solange ich träume

Jede Menge Leute

um mich herum

Umarmungen

Lachen

Tanz und Musik

Jungsein

Spaziergänge Hand in Hand

Singen

Reden

Zukunft planen

und die Liebe

ja, die Liebe.

💃💖💃💖💃

Ich wache auf

und es ist wie gestern

und ich bin froh

dass ich so temperamentvoll

träumen kann!

😁💖😁💖😁

Ich ahne

auch der Traum

ist real irgendwie

insofern bin ich zufrieden

mit dem Jetzt

und meiner Phantasie.

😄💝😢💝😂

Und so vieles

was der Traum mir zeigt

habe ich gehabt

das ist sicher

und solange ich

so schön träume

bin ich bereit

für die

so genannte Wirklichkeit!

💚💛💙💜❤️🧡

Mach mal!

Mach mal!

🤓Nun mach doch mal!

😫Was denn?

🤓Leg los!

😫Womit denn?

🤓Sei witzig!

😫Wieso denn?

🤓Sei kreativ!

😫Warum denn?

🤓Es gibt doch noch andere Themen!

😫Welche denn?

🤓Kannst ja schon mal an Weihnachten denken!

😫Was bringt das denn?

🤓Oder lade Leute ein.

😫?

🤓Oder miete dir ein Ferienhaus!

😫?

🤓Oder geh mal wieder feiern!

😫?

🤓Oder kauf dir was!

😫Was denn?

🤓Oder plane eine Silvesterreise!

😫?

🤓Oder sei einfach nicht so eine Schlaftablette!

😳Wie meinst du das?

🤓Mach doch mal was!

😫Was denn?

🤓Geh doch wieder an ein Buchprojekt!

😫Welches denn?

🤓Weihnachtsgeschichten!

😫Fällt mir nichts zu ein!

🤓Du hast doch schon was!

😫Was denn?

🤓Adventskalender im Blog?!

🥳Das ist ja eine gute Idee! Ich gehe sofort an die Vorbereitungen! Dankeschön für den Tipp! Könnte klappen! 💃Trallallallla lalla!

🤓Motivieren wird auch immer beschwerlicher🥱! Da ist demnächst eine Gehaltszulage fällig.

Anker-Bilder

Wenn mich etwas oder jemand aus der Fassung bringt, liegt die Verantwortung dafür häufig bei mir selbst. Ich verliere meinen Standpunkt und mein Selbstbewusstsein will weg. Wie schön wäre es, könnte ich dem anderen die Verantwortung für meine schlechte Verfassung zuschieben. Ersatzgefühle rumoren. Unruhe und Lähmung, Fluchttrieb und „Kopf in den Sand stecken wollen“ gleichzeitig. Wie anstrengend. Ermüdend. Nutzlos.

Es dauert meist eine Weile, bis ich wieder bei mir bin. Wenn der Bauchdruck weg ist und die Gedanken nicht mehr kreisen, sondern fließen, dann ist es wieder gut und ich fühle mich in meiner Fassung wohl.

Mir hilft das Fotografieren, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, mich in die Gegenwart zu verankern sozusagen. Und darum nenne ich sie meine Anker-Bilder. Sie helfen mir, meine Fassung aufzupolieren und damit das Selbstbewusstsein zu stärken. Guter Trick, oder?

Also hier die Fotos zum Thema: Der Herbst ist da und ich bin es auch wieder!

Wird wieder!

Mein Inneres Kind verlangt nach Trinkschokolade, macht es sich gemütlich und sagt: „Erzähle mir von früher!“ Und ich fange an:

„Das reicht für heute,“ sagt das Kind und weiß, es wird wieder! Es vertraut auf meine guten Ideen! Und heute genießen wir den verregneten Sonntag auf dem Sofa. Energie sammeln, Ihr wisst schon!

Kleines Mädchen

Ach, du arme Kleine. Komm her, ich nehme dich in den Arm. Ich bin für dich da. Du bist hier sicher. Guck mal, wie gemütlich wir es haben. Du darfst im Garten spielen. Du darfst laufen und hüpfen und fröhlich sein. Ja, sing nur so laut du kannst. Natürlich, auch weinen ist erlaubt. Du darfst deinen Willen wollen. Du darfst ausprobieren, was zu dir passt. Hier hast du Malstifte, Knete, Tusche, eine Schere und Buntpapier.

Ja, du darfst jetzt auch zornig sein. Es wird nichts passieren. Ich halte dich und liebe dich. Du hattest soviel Grund, wütend zu sein. Angst zu haben war angebracht. Du wurdest nicht gesehen. Es war dir nicht erlaubt, du zu sein und zu fühlen, was du fühlst. Wie schrecklich sind sie mit dir umgegangen. Ja, du wurdest verschickt. So hieß das damals. Ein kleines Mädchen wurde verschickt wie ein Paket. Es war zu dünn. Zu dünn!

Und dann hast du nichts mehr gefühlt und schnell vergessen. Wie Blitzlichter tauchen Erinnerungen auf. Jetzt, nach so vielen Jahren. Essen müssen bis zum Kotzen. Und dann gleich noch mal. Still sein. Nicht auffallen. Im Bett liegen wie ein Brett. Heimweh nicht erlaubt. Weinen nicht erlaubt. Lachen wahrscheinlich auch nicht. Ach, die Mutter fehlt und der Vater und die Oma und der kleine Bruder. „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen von der Mutter kurz vor dem Schlafen. Wird es das noch einmal für dich geben? Jetzt, im großen Schlafsaal vergisst du dein Zuhause fast, denn du musst aufpassen, darfst dich nicht bewegen, mit dem Gesicht zur Wand! Wer nicht schläft, fliegt raus. Wer weint, darf das auf der Bank vor dem Schlafsaal tun. Bloß nicht ins Bett machen. Toilettengang nicht erlaubt. Krank werden, das geht. Krankenstation mit liebevoller Schwester. Kuschel dich ins Bett, meine Kleine. Auszeit vom Schrecken da draußen am Meer.

Komm her meine Kleine. Die Verletzungen kann ich nicht heilen. Das bleibt. Ich sehe dich, wie du dich zusammen kauerst und ganz klein machst. Gefühle gibt es nicht mehr. Sie nicht zu fühlen rettet Leben. Komm her, meine Kleine. Du bist jetzt hier und du bleibst bei mir. Ich konnte dich früher nicht sehen, denn ich hatte so viel zu tun und auch große Angst. Aber jetzt ist es Zeit und ich habe die Kraft, den Schrecken mit dir zu teilen.

Und vielleicht wird es besser. Vielleicht kann ich mich in Zukunft öffnen und Nähe leichter ertragen. Dabei hilfst du mir, meine Kleine. Aber erst einmal ruhen wir uns aus. Ich bin für dich da und heute gibt es Schokolade, soviel du willst. Dann bleibe ich eben dick, das ist gerade nicht so schlimm. Denn dicker sollte ich ja werden, damals. Das Ziel ist also erreicht.

Du lachst. Wie schön, meine Kleine. Geh in den Garten und lege dich in die Sonne. Und heute Nacht gucken wir Sterne! Du wirst sehen, wie die glitzern und funkeln! Komm her meine Kleine, wir hören Musik und wir wissen, der Schrecken ist vorbei. Er kommt auch nicht wieder, dafür sorge ich, denn ich bin eine starke Frau.

Gestern lernte ich das kleine Mädchen in einer Aufstellung kennen, welches noch in mir steckt. Gut versteckt hatte sie doch großen Einfluss auf mein Leben. Ich bin, wie ich bin, weil es sie gab und ich sie nicht sah. Jetzt kann ich mir vieles besser erklären und das entlastet mich. Auch wenn so tiefe Verletzungen nicht geheilt werden können, kann ich doch einiges für das kleine Mädchen in mir tun.

Und ich bin nicht alleine! https://www.op-marburg.de/Marburg/Das-stille-Leid-der-Verschickungskinder

Das kleine Chaos

Das kleine Chaos

„Unordnung! Hier herrscht Unordnung, Chaos und Anarchie. Nicht überall, aber doch vorhanden. Das muss weg. Das geht so nicht. Das stört. Also los, beweg dich!“, schimpft der innere Antreiber.

Ich nehme meinen Fotoapparat und knipse drauflos. Klick….klick…..klick. Ich hatte vor ein paar Tagen ja schon damit angefangen. Sicher finde ich noch mehr Motive. Der Antreiber weiß nicht, was das soll. Er will, das ich aufräume und nicht, dass ich mein Chaos noch dokumentiere und lieb habe. Und veröffentlichen darf ich die Bilder auf keinen Fall! Was sollen denn die Leute denken?

Ich will nicht aufräumen. Die Chaos-Inseln zeigen Persönlichkeit. Der innere Kritiker zuckt zusammen? „Was, Persönlichkeit? Du bist ja nicht mehr bei Sinnen! Räum das weg, bevor Besuch kommt!“ Der Antreiber nickt und streng guckt das schlechte Gewissen um die Ecke.

Ich knipse weiter und finde, dass einiges tatsächlich zu persönlich ist, um es ins Netz zu stellen. Zum Beispiel das bewohnte Sofa, welches nach einem wundervollen Sonntag-Fernsehabend mit Tatort und „Freude schöner Götterfunken“ (https://www.zdf.de/kultur/musik-und-theater/berlin-feiert-beethoven-100.html) wirklich nicht schön aussieht. Das räume ich gleich auf. Und die Schubladen gehen auch niemanden etwas an. Darum sind es ja Schubladen, damit man sie zumachen kann, oder? Aber ein paar Bilder zeige ich. Mutig werde ich es wagen. Was kann denn schon passieren?

„Alles Mögliche!“, zetert die Furcht. „Oh nein, das geht nicht gut!“, sorgt sich die Bewertung. „Klar, das darf sein!“, grinst die Kreativität. Die Gelassenheit nimmt es gelassen und ich mache das jetzt einfach!

Habt Ihr auch ähnliche Ecken? Hört auf sie zu verstecken! Zeigt sie mir! Stehen wir zu unseren Persönlichkeiten und zur Ansatz-Anarchie!

Nun werde ich aber gleich aufräumen und das Chaos ordnen. Vielleicht kommt ja heute doch noch die Ordnungsliebe vorbei und schimpft mich aus!

September

September
Septemberwochen
bleiben still 
sie füllen sich mit Erinnerungen
und die Sehnsucht
noch einmal neben Dir zu gehen
kommt und geht.

Ich schaue mich um
und webe die Vergangenheit 
in meine Gegenwart mit ein
ich lebe
im Sommer
der zu Ende geht
und sehe die Sterne funkeln.

Ein Teil von Dir
blieb 
bei unseren Kindern
und mir.

Wenn diese Septemberwochen
erst einmal vorüber sind
werde ich verstehen
dass ich nicht so wichtig bin
und ich höre auf
mich als Mittelpunkt zu sehen
um den sich alles dreht.

Grenzen setzen

Grenzen setzen

Die anderen, die so sauer auf mich sind, zeigen mir das indirekt. Sie wissen, was mich ärgert. Ich weiß, wenn ich auf die kleinen Nadelstiche einsteige, habe ich verloren. Also ducke ich mich weg, bleibe bei meinen Angelegenheiten und lasse die ärgerlichen Gedanken weiterziehen. Mal sehen, wie viele Wochen mir das gelingen wird. Reagiere ich doch noch oder wird es den anderen Leuten zu langweilig? Wenn nicht noch Schlimmeres  nachkommt, halte ich das gut aus. Ich festige meine Grenzen und fühle mich sicher. Das müssen die anderen nicht unbedingt merken, wenn sie mir nicht zu nahe kommen. Es fühlt sich gut an, erwachsen zu sein. Und wenn man mit 68 damit anfängt, mit guten Gefühlen auch gegen den Willen der anderen für sich zu sorgen, erst recht.

Schade eigentlich, dass ich nicht konkreter werden möchte.

Im Vergleich zu den Sorgen und Nöten dieser Welt ist das hier Pillepalle. Mit diesem Gedanken gehe ich wohlgemut in die Küche und backe nach ewig langer Zeit mal wieder einen Kuchen. Ob das überhaupt ein akzeptabler Kuchen wird? Wenn nicht, gehe ich morgen ganz schnell zum Bäcker, bevor der Besuch kommt. Überhaupt wird sich mein Besuch beim Kuchen sowieso zurückhalten, denn alle ernähren sich bewusst und nehmen pausenlos ab. Im Gegensatz zu mir. Ich nehme nicht ab, allerdings auch nicht zu. Das ist ja schon mal ganz gut. Alle haben gesagt, wir sorgen gemeinsam für unser Essen. Vermutlich will das Jungvolk sich einen Döner holen, denn der hiesige Döner ist angeblich der beste der Welt. Aber es kann nicht schaden, trotzdem einen Kuchen vorrätig zu haben. Ich bin ja schließlich die Mutter!

Auch im Familienverband sind die Grenzen wichtig. Ich musste erst mühsam lernen, mich abzugrenzen und trotzdem guten Kontakt aufzubauen und zu halten. Das kannte ich nicht. Darin war ich unsicher. Ich war nicht in der Lage meinen Kindern zu vermitteln, wie man seine Grenzen schützen kann. Heute sind wir alle sensibler geworden. Wir sagen Bescheid, wenn Grenzen überschritten werden. Passiert ja ab und zu und ist nicht schlimm.

Ich lernte, dass Grenzen setzen nichts mit Kontaktabbruch oder Liebesverlust zu tun hat. Mit dieser Konsequenz bin ich aufgewachsen, weil meine Eltern den Umgang mit Grenzen nicht kannten. Grenzenlos sollte das Leben zwischen Eltern und Kindern verlaufen. Entweder keine Grenzen oder keinen Kontakt, das war ihre Einstellung. Darum habe ich bis heute auch so großen Respekt davor, meine Grenzen zu erkennen und sie mit gutem Gewissen zu verteidigen.

Mir ist es gelungen, mich zu meinen Kindern abzugrenzen und ihre Grenzen anzuerkennen, ohne Liebesverlust zu befürchten. Das ging nicht von heute auf morgen. Nein, ein jahrelanger, manchmal schmerzhafter Prozess war dazu notwendig, der auch noch nicht abgeschlossen ist. Das ist klar. Ich bin gespannt, denn für uns alle ist das unkomplizierte Zusammensein für ein paar Stunden keine Selbstverständlichkeit. Wir üben noch, die Balance zwischen Nähe und Abstand zu finden.

Ich freue mich darauf!

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