Das blühende Leben

Mein Weg führt mich von Geburt an ins Ungewisse und sicher in den Tod. Ja.
Mit dieser Gewissheit in diesem Moment fällt es mir leicht, mich gelassen darauf einzulassen, nicht zu wissen, was kommt. Zu sehen, was ist, ist schon eine große Aufgabe. Ab und zu zurückzublicken und zu erkennen, wie lang dieser Weg schon war, erfüllt mich mit Freude, denn es gibt so viel am Wegesrand zu entdecken.

Es denkt

Oh nein

ein Sturm zieht auf

sagt der Wetterbericht

wie ungemütlich

ist es jetzt schon

und doch so warm

da draußen

und mein Orthopäde

will keine Menschen

die sich impfen ließen

in seine Praxis lassen

wegen der Gefahr

die von ihnen

ausgeht

und Weihnachtsgeschenke

sollen jetzt besorgt werden

denn es könnte sein

dass es später

nichts mehr

zu kaufen gibt

und alles wird teurer

Gas und Ölpreise explodieren

China liefert nicht

was uns wichtig ist

und Corona

gibt es ja auch noch

irgendwie

und Lindner

platzt bald vor Tatkraft

und nehmen Leute mit Einschränkungen

an Busreisen teil

und soll ich so etwas Silvester wagen

vielleicht finde ich

noch jemanden

der mitkommt

das wäre lustiger

ob die Feier eine öffentlich Veranstaltung ist

oder intern für uns

die ja schon im Bus zusammen sitzen

mit Masken und so

dass konnten sie mir noch nicht sagen

und ich kann

mich

mal wieder

nicht entschließen

aber wahrscheinlich

mache ich das

die ersten zwei Plätze

sind schon weg

ich will mal

wieder was erleben

und so bin ich aufgewachsen

Wir Wunderkinder (1/2) – ZDFmediathek

Wir Wunderkinder (2/2) – ZDFmediathek

waren auch

schwere Zeiten

und jetzt

ist meine Wäsche fertig

und wird in den

Wind gehängt

und dann

denke

ich

mal

eine Weile

an gar nichts!

Planlos

Ich überlege hin

und

überlege her

was denn wohl das beste

wär

und komme zu keinem

Ergebnis

denn es scheint

als säßen

zwei Seelen

in meiner Brust.

Kaum sagt die eine was

quatscht die andere dazwischen

und

ich entscheide

nichts!

🍂

Dann mache ich

eben

planlos

weiter

gegenwärtig

geht es mir

ja

gut.

🍂

Positiv

Da geht noch was

dachte ich

beim Aufwachen.

💛

Aber was

geht denn noch?

🧡

Weiß ich nicht

hoffe ich

glaube ich

möchte ich.

❤️

Ich schütze

das kleine Gedankenkind

bis ich ahne

was

und dass

da tatsächlich

doch noch was geht!

💚💙💜

Dann aber

geht es

kraftvoll los

mit dem Tun!

Was soll das denn?

Was soll das denn?

Heute beginnt wieder das Familienaufstellen. Seit ein paar Tagen arbeitet es schon kräftig in mir. Vergessenes kommt an die Oberfläche. Ich kenne das schon. Träume weisen mich auf meine Themen und Baustellen hin. Gestern allerdings geriet mir im Wachzustand meine Unterschrift völlig durcheinander und heraus kam eine Mischung von Geburts- und Nachnamen, der über 30 Jahre zu mir gehört und mich mit meinen Kindern verbindet. 😂 Ist das nun eine fiese Mischung oder ein Zeichen dafür, dass sich innere Widersprüche auflösen? Mal sehen…..

Balance

Ich finde es schön💛

*💚**********🧡*****💙**********💛*********❤️******mehr Farben zu sehen

dem Fühlen und Denken

*******💛*****💙*****🧡******💚******💙***einen guten Platz zu schenken

und beide jeden Tag neu❤️

***********🧡*********💛********❤️*****hin und her zu schieben🧡

bis mir meine Welt

***💛*********❤️*****💚*************💙*****💚****für diesen Moment

gefällt💚💛

***********❤️******💙**********💚******und dabei das Drumherum

nicht wirklich so ganz

**********💙******💚*******💛********💚*****❤️*********zu verlieren.

💙

Ambivalenz

Ich schwanke zwischen der Traurigkeit über mein Alleinsein und dem Glück darüber. Ich bin mir selbst genug und vermisse Gemeinsamkeit. Und diese Ambivalenz hindert mich daran, etwas gegen die gefühlte Einsamkeit zu tun. Ich weiß ja genau, was ich dagegen machen könnte und wenn ich dann Konkretes plane, merke ich, dass ich doch nichts verändern möchte. Das Ganze wird anstrengend, wenn ich beide Gefühle zufriedenstellen will. Was ja gar nicht geht, weil sie nicht zusammenzubringen sind. Meine Erfahrung erinnert mich daran, dass es mir bisher immer gelungen ist, aus diesem Dilemma herauszukommen. Ich brauche nur abzuwarten und meiner inneren Stimme zu folgen, die mir ganz vergnügt mitteilt, dass alles gut ist, wie es ist. Ich werde es schon merken, wenn Veränderungen angebracht sind! Und dann geht es ja auch meist ziemlich schnell damit. Also nehme ich es hin, mal wieder in einer ambivalenten Phase zu stecken und will diese nicht so wichtig nehmen.

Außerdem hatte ich Samstag Besuch und heute mit einer lieben Freundin telefoniert.

Am besten ist es, mitsamt meiner Ambivalenz etwas zu unternehmen. Heute war es eine mehrstündige Fahrradtour mit einer selten genutzten Kamera, die aus dem Nachlass meines Mannes stammt (FinePix S2980) und die eine Panoramafunktion hat. Fotografieren hilft ja immer.

Ich dachte darüber nach, warum ich zeitweise so unzufrieden bin und kam zu dem Schluss: Die Urlaubszeit hat etwas damit zu tun. Ich vermisse das Zusammensein mit meiner Familie, die ich so nicht mehr haben kann, wie ich es möchte. Und das Zusammensein mit Freundinnen kann das nicht ersetzen. Und weil auch noch die Pandemie und die Sichtbarkeit der Klimakatastrophe dazukommen, habe ich einfach keine Lust, mehr Geselligkeit zu suchen und zu genießen, als es jetzt der Fall ist. Pandemie und andere Umweltkatastrophen kann ich nicht beeinflussen, sie beeinflussen aber mich. Jetzt brauche ich viel Kraft, um selbst klar zu kommen. Vielleicht will mir meine Ambivalenz gerade das mitteilen? Vielleicht auch nicht.

Kennt Ihr solche Phasen?

Und jetzt gerade in diesem Moment bin ich eindeutig zufrieden mit mir und weiß, ich bin viel allein, aber ich werde es ändern, sobald es mir zu viel wird! Und die Ambivalenz gibt Ruhe und erholt sich.

Die Mittlere

Nicht schön, diese Hitze. Der ganze Sommer soll so werden und juchee: SonnenanbeterInnen können sich freuen und das kühle Nass genießen. So steht es in der Zeitung. Na gut, für mich ist das anders. Ich leide und jetzt höre ich auf vom Wetter zu schreiben.

Ich verbringe die Tage in der etwas kühleren Wohnung und auch dort mag ich mich kaum bewegen. Also nehme ich mir die Zeit und lese mal wieder in alten Tagebüchern.

Ich staune über das lebensfrohe Mädchen von 1968. Was waren das für Zeiten! Ausführliche Briefe wurden geschrieben (und aufbewahrt), Telegramme aufgesetzt, wenn etwas Wichtiges passierte, Ferngespräche führten wir nur abends und selten. Ich sparte viele Wochen für ein Kleid für 15 DM. Ich besuchte eine reine Mädchenschule und hatte viel Spaß mit meinen Freundinnen. Eisbahn, Schwimmbad, Sportverein, Theater, Kino und Tanzstunde! Die Bravo wurde gelesen und Dr. Sommer ausführlich diskutiert. Winnetou war unser Held und meine erste große Liebe. Also, eigentlich war es Pierre Brice, aber der nur als Winnetou. Hitparaden protokollierte ich jeden Sonntag und Platten konnte ich mir selten leisten. Ich nahm folgende Botschaft ernst: Mädchen sollten warten, sich aufheben, bis ein Mann sie „erweckt“. Und ich wartete! Ich wartete auf Anrufe und mochte mich nicht von zu Hause fortbewegen, wenn ein Junge versprochen hat, sich zu melden. Wie war das aufregend! Und manchmal auch enttäuschend. Es gab Papierkleider zu kaufen und daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Ich hatte große Angst vor einem Krieg und vor der Umweltverschmutzung. Ich notierte alle Bücher, die ich gerade las. Ich hatte fast immer ein Buch vor der Nase und meine Familie wunderte sich über ihr verträumtes Reginchen.

Und dann begann mein Elend mit den schlechten Schulleistungen und dem gesteigerten Interesse an einer Parnersuche. Meine Eltern brachten beides zusammen. Sie wollten verhindern, dass ich mir einen Freund anlachte, der mich ja doch nur von schulischen Belangen ablenken würde. Denn lernen sollte ich, nicht lieben. Oft bekam ich zu hören: „Komm ja nicht mit einem Kind nach Haus!“ Das war das Schlimmste, was sie sich vorstellen konnten. Man darf jetzt nicht vergessen, dass ich erst mit 21 volljährig wurde und bis dahin meine Eltern bestimmen konnten, wie ich ihrer Meinung nach zu leben hatte. Ich sollte mein Abi machen, dann studieren und mir dann einen Akademiker zum Heiraten suchen. So war ihr Plan. Ich sollte es ja mal besser haben als sie.

Mein Tagebuch, welches ich bis 1974 führte, beweist, dass meine Kindheit relativ unbeschwert, meine Jugend aber richtig schwer war. Ich sollte am liebsten überhaupt keine Jungen und Männer kennenlernen, aber das konnten meine Eltern natürlich nicht verhindern. Jeder, der mir zu nahe kam, wurde von ihnen heftig kritisiert. Keiner war gut genug für mich. Meine Eltern zwangen mich, mit meinen ersten „Freunden“ Schluss zu machen. Meine Mutter wurde „krank“, sobald ich meinen Willen und mein Wollen durchsetzte. Verliebtsein bedeutete für mich größtmöglichen Stress mit den Eltern. Gewalt kam ins Spiel und ich war mir dessen gar nicht bewusst. Ich fühlte mich einfach nur schuldig. Mein Umgang mit mir gestaltete sich immer seltsamer, weil ich meine Bedürfnisse mit denen meiner Eltern in Einklang bringen wollte. Ich war zwar trotzig, aber ich konnte mich nicht wirklich wehren. Ständig hatte ich das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, wenn ich das tat, was in mir lag: feiern, tanzen, verlieben, mich ausprobieren, fröhlich sein, Erfahrungen machen, Sexualität ausleben.

Ich lese das Tagebuch nicht zu Ende. Ich packe es wieder in seine Kiste. Mein inneres Kind ist weitgehend in Ordnung, ich sorge schon seit vielen Jahren für meine Innere Mittlere Frau. Ich weiß, dass sie nicht böse und unvernünftig war. Sie hat so sehr gekämpft und wurde dabei immer unscheinbarer. Sie hat sich trotzdem nie so ganz verloren. Auf eine eigene Art blieb sie stark und hielt stand. Ich weiß, warum sie so geworden ist, wie sie wurde. Ich habe Mitgefühl und ich höre auf, ihr Vorwürfe zu machen. Sie hat getan, was sie konnte. Manchmal stelle ich mir vor, wie das Innere Kind und die Frau, die ich heute bin, die Mittlere in die Arme nehmen, sie weinen lassen, sie trösten und ihr Mut zusprechen.

Ich konnte mich aus dem Korsett meiner Erziehung lange nicht befreien. Das richtige Loslösen geschah sehr, sehr spät und sogar mein eigenes Familienleben litt noch unter dem elterlichen Einfluss.

Das alles ist lange her. Den Vorsatz, es mit meinen Kindern ganz anders zu machen, hielt ich nicht immer ein. Aber vieles ist mir doch gut gelungen.

Meine Eltern sind beide tot. Ich weiß, wie sehr sie von ihrer eigenen Jugend und dem Krieg traumatisiert waren. Ich weiß, dass sie mich geliebt hatten. Ich denke, dass sie nicht wussten, was sie mir damals antaten. Sie lernten aus ihren Erfahrungen und meine Geschwister wuchsen schon wieder ganz anders auf. Sie konnten ihre Jugend relativ unbeschwert ausleben.

Manchmal bin ich wütend auf meinen Vater und meine Mutter. Aber ich bin im Reinen mit meiner Lebensgeschichte. Und so fühle ich mich meinen Eltern heute eng verbunden. Ich lernte, die Verantwortung für mein Lebensglück in eigene Hände zu nehmen. Was für eine Entlastung! Meine Mittlere hat sich schon ganz gut erholt.