Kurz vor 66

Kurz vor 66

Selbstbewusstsein: Willkommen zur Vollversammlung kurz vor 66!

Inneres Kind: Was das denn?

Vernunft: Sie wird bald 66!

Inneres Kind: Nein, 6!

Vernunft: Nein 66!

Inneres Kind: Ich nicht, ich bleibe 6! (lacht und klatscht in die Hände)

Selbstbewusstsein: Wir anderen werden bald 66. Wie sind wir aufgestellt?

Miesmacher: Zu alt. Da kann sie bald einpacken. Lohnt sich nicht mehr.

Neugier: Ich bin hellwach und auf dem Sprung.

Abenteuerlust: Ich eher nicht. Es ist nichts mehr los.

Antreiber: Sie tut nichts mehr. Sie muss doch das Leben bis ins Kleinste ausschöpfen. Sie muss raus. Sie muss zu Fuß durch Afrika!

Vernunft: Zu Fuß?

Liebestöter: Ich bin sehr zufrieden. Es ist gut, dass sie keinen richtig an sich ran lässt. Ich bin froh, dass sie keinen hat, dem sie wichtig ist.

Liebe: Also hör´mal! Was fällt dir denn ein?

Liebestöter: Keiner mag sie und das ist auch gut so. Sie ist einfach nicht liebenswert genug. Ist doch klar, dass sie es nicht geschafft hat, ihre Familie zu halten. Ich sag nur: geschieden! Das sagt doch schon alles.

Kritiker: Außerdem tut sie nichts. Rein gar nichts. Und was sie tut, kann man vergessen. Egal, ob sie es tut oder nicht. Sie tut es nie gut und ausdauernd genug.

Nörgler: Sie ist eine alte, kranke geschiedene Frau. Keine gute Lebensbilanz!

Liebe: Einspruch!

Selbstbewusstsein: Stattgegeben! Sie ist o.k., so, wie sie ist. Das ist doch wohl klar. Wir konzentrieren uns auf das Gute.

Nörgler: Mir fällt da so gar nichts ein!

Kreativität: Ich bepflanze den Ideengarten täglich. Er ist in letzter Zeit viel größer und bunter geworden!

Zweifler: Das wüsste ich aber!

Kreativität: Das weißt du genau! Mit deinem eisigen Blick frierst du die Ideen gerne ein. Das ist anstrengend.

Zweifler: Dazu bin ich da. Das muss so!

Selbstbewusstsein: Nein. Das muss und soll nicht so sein. Liebestöter, Nörgler, Antreiber und Zweifler, ich will Euch nicht mehr hier haben! Meine Geduld ist am Ende! Ihr geht jetzt raus in den Garten und kommt erst wieder rein, wenn ihr euch nützliche Aufgaben gesucht habt. Nützlich für uns, versteht ihr? Also raus jetzt!

Die bösen Gesellen verlassen schimpfend das Haus und bauen sich eine Hütte im Garten, wo sie trotzig aus dem Fenster schauen.

Liebe: Die Angst macht mir auch noch zu schaffen. Sobald ich mich zeige,  befeuern die Attacken den Ofen.

Selbstbewusstsein: Was soll das?

Angst: Ich will sie vor Nähe schützen. Die verträgt sie nicht. Allein ist sie sicher.

Liebe: Sie sehnt sich aber nach Berührungen.

Angst: Die sind nicht gut für sie.

Selbstbewusstsein: Das kannst du nicht alleine bestimmen!

Abenteuerlust: Da komme ich wieder ins Spiel! Die Angst behindert mich!

Kreativität: Mich schränkt sie ein.

Liebe: Mich wehrt sie ab.

Inneres Kind: Mich will sie nicht haben und ich will sie nicht haben und wozu brauchen wir die überhaupt?

Selbstbewusstsein: Wir brauchen die Angst. Aber nicht so. Sie darf nicht mehr so viel allein bestimmen und soll sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wir müssen daran arbeiten, dass sich Liebe und Lebenslust  ungehindert entfalten können.

Inneres Kind: Ich will feiern und knutschen und springen und singen.

Vernunft: Mit Maßen.

Lebenslust: Könnte ruhig ein bisschen mehr von allem sein!

Kreativität: Ich freue mich.

Abenteuerlust: Ich will wachsen. Ich will raus.

Angst: Das treibt mir schon wieder die Schweißperlen auf die Stirn.

Selbstbewusstsein: Ja, aber damit müssen wir jetzt umgehen und trotzdem losziehen. Nicht alles auf einmal und in kleinen Schritten.

Miesepeter: Dieses Ergebnis ist lächerlich! Ich dachte, wir sind schon weiter! Kleine Schritte, wenn ich das schon höre…..

Alle: RAUS!

Selbstbewusstsein: Gibt es Pläne für die zweite Jahreshälfte?

Vernunft: Dgtgästeefde, Dktrefaffesjz, Ododll, Misighft, ghjmädlldänmus, hegstphildwe.

Abenteuerlust: Ein bisschen wenig, aber besser, als gar nichts.

Lebensfreude: lädt sich kichernd mit quirliger sprudelnder Energie auf

Selbstbewusstsein: Gibt es Vorsätze?

Inneres Kind:  Lust und gute Laune.

Kreativität: Platz und Bewegung.

Liebe: Augen auf !

Vernunft: ein wenig Sport, ein wenig abnehmen, weiterhin ein gutes Auskommen mit den Schmerzen und der Arthrose, leben, lesen, Garten und Fahrrad und Leute.

Selbstbewusstsein: Prima, dann wünsche ich allen ein gutes Gelingen!

 

 

 

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Gedanken fließen…..

Gedanken fließen…..

Vor ein paar Tagen schrieb ich, angeregt von meiner Lektüre über Zeitreisen, in unserem Gemeinschaftsblog diesen Text:

Ja, wenn nicht……..

Wenn es dort keine Arbeit für mich gegeben hätte….

Wenn ich damals nicht geblieben wäre…..

Wenn ich nicht in die Teestube gegangen wäre….

Wenn ich etwas anderes gemacht hätte……

Wenn ich nicht anschließend noch in die Disko gegangen wäre……

Wenn ich zu müde gewesen wäre……..

Wenn ich nicht genau da gestanden hätte…..

Wenn ich nicht so guter Laune gewesen wäre……

Wenn ich ihn nicht so interessant gefunden hätte……

Und wenn ich mich nicht so verliebt hätte…..

Ja, wenn alles anders gewesen wäre, gäbe es meine Kinder heute nicht.

Zum Glück war es so, wie es war.

Und wenn meine Eltern nicht…….

…..und Großeltern auch nicht……

…..und alle vor mir nicht…..

Dann wäre ich gar nicht da und hätte nicht in die Teestube gehen können.

Schrecklicher Gedanke.

Zum Glück war alles so, wie es war. (25. Mai 2018)

Ich muss die ganze Zeit daran denken, dass dieser Text nur die halbe Wahrheit beschreibt. Es gibt ja noch die zweite Seite. Wenn der Vater meiner Kinder nicht….und so weiter. Mir wird ganz schwindelig bei dem Gedanken, dass wir unsere Existenz einer endlosen Reihe von Zufällen zu verdanken haben. Scheinbar unbedeutende Ereignisse, winzige Entscheidungen, kleine Richtungsänderungen führen manchmal zu Ergebnissen großer Tragweite. In diesem Falle sind es meine Kinder, die leben, weil von unendlich vielen Menschen so und nicht anders entschieden wurde.

Ich mache mir keine Gedanken darüber, ob eine höhere Macht ihre Hand im Spiel hat oder ob unsere Schicksale vorgegeben sind. Auch wenn alles, also das gesamte Leben auf unserem Planeten, nur zufällig wäre, ist jedes einzelne Leben, das entsteht, ein großes Wunder. Ich brauche keinen Sinn im Großen, mir reicht mein kleiner Sinn meines Lebens, den ich mir selbst gebe.

Jede meiner Entscheidungen hat mich bis hierhin geprägt. Es ist sinnlos zu fragen, ob ich etwas anders oder besser hätte machen können. Trotzdem wäre es interessant, meinen Lebenslauf gedanklich zu verändern. Was wäre wenn ich statt in die Teestube in eine andere Kneipe gegangen wäre? Hätte ich meinen späteren Mann trotzdem an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit kennengelernt, weil er eben mein Lebensmensch ist, wie ich es empfinde, oder hätte ich mich in einen anderen verliebt und damit ein anderes Leben mit anderen Kindern gelebt? Oder wäre ich ledig geblieben? Oder hätte ich gar keine Kinder gehabt? Oder wäre ich schon längst gestorben, weil ich von einem Auto überfahren worden wäre, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort war?

Es ist so, wie es ist und es wird, wie es wird, weil ich meine Vergangenheit nicht verändern kann. Meine Zukunft schon, aber die kann ich weitgehend nicht planen, oder? Ich kann oft nicht voraussehen, welche Konsequenzen meine Handlungen und Entscheidungen haben werden. Sie sind ja nicht nur von mir abhängig, sondern von unendlich vielen Faktoren, die ich nicht kennen und beeinflussen kann.

Was kann ich also tun? Auch der Moment lässt sich nicht fassen. Kaum bemerke ich ihn, ist er schon vorbei. Ich kann Schritt für Schritt weitergehen und meinem Bauchgefühl folgen. Kinder kriegen kann ich nicht mehr. Aber die Lebenswege meiner Kinder wohlwollend aus der Ferne oder Nähe beobachten, je nachdem, und ich kann für sie da sein, wenn sie es denn wollen. Ich kann Überraschungen willkommen heißen und offen sein für vieles, was mir begegnet. Ich brauche mich nicht mehr so ernst nehmen und kann spielerisch an die Dinge herangehen. Ich brauche mir keinen Druck zu machen, irgend etwas passiert immer. Und wenn gar nichts passiert, mache ich eben selbst etwas.

Und irgendwann endet mein Weg.

 

Vergeblich 2

Vergeblich 2

😀  War das nicht toll?🎶🎇

😡   Na ja.

😁  Habe ich das nicht gut gemacht?🎉🎉🎉

😡  Na ja.

😅  Eingeparkt wie ´ne Eins!🎈🎇🎂

😡 Keine Kunst bei drei nebeneinanderliegenden freien Parkplätzen einen zu treffen.

😊  Du bist aber auch ein Miesepeter heute!

😬  ……

😁  Und dann im Krankenhaus! Alles richtig gemacht und ich brauchte überhaupt nicht zu warten.🕑🥂

😡  Das war ja nun wirklich nicht dein Verdienst…

😅  Und dann das lange Stillliegen mit Notrufknopf in der Hand. Ich habe überhaupt nicht mit den Zehen gewackelt!🥁👍👍👍

😠  Na ja….

😊  Und dann war alles schnell vorbei und ich bin überhaupt nicht umgefallen vor Schreck. 🍀🍾🥁🎶💃

😡 …..⚡

😊 Und dann bin ich wie eine Eins wieder nach Hause gefahren!🚂 ach ne….🚗

😡………🌩🌩🌩

🤔 Bist du sauer?

😡  Jaaa! Du machst immer so ein Theater vorher.

😨  Immer?

😢  Ja, fast. Ich habe die Schnauze voll davon.

😲 ……

Vergeblich

Vergeblich

 😳  Oweh, gleich muss ich zum MRT.

😀  Gaaanz ruhig, ist nicht schlimm.

 😳  Oweh, gleich muss ich zum MRT und wenn ich nun keinen Parkplatz finde?

😂   ?????

  😳  Oweh…

😀  Jetzt ist aber mal Schluss. Freue dich doch lieber auf das Kino heute Abend. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri soll doch ganz großartig sein.

 😳  Oweh, gleich….

😀  Und denk doch mal an gestern. Diese tolle Diskussion um das Haben oder Sein oder umgekehrt.

 😳  Ja, tolle Weltuntergangsstimmung gestern! Die Atomkriegsuhr steht 2 Minuten vor Zwölf und überhaupt kam so gar nichts positives. Oweh.

😀   Ja, stimmt. Aber denk doch an Samstag.

😳 ?

😀  Na, das Seminar zum Thema Selbstliebe!

 😳 Ja, hoffentlich kommt dann der Durchbruch.

🤔Mensch, du bist aber auch mies drauf! Dann denk doch an deinen neuen Rasenmäher.

 😳  Och nö.

😀  Dann denk doch, was du diese Woche schon alles geschafft hast: Schuppen aufgeräumt, Boden aufgeräumt, Keller aufgeräumt und geputzt. Auto durch die Waschanlage. Terrasse gestaltet. Bücher gelesen….

 😳  Na prima, und heute tun mir meine Fingergelenke so weh und überhaupt sieht das ja keiner und Bücher lese ich doch immer.

😀  Dann denk doch an die Reise, die du bald machst und an Pfingsten mit viel Besuch und an das Wochenendseminar im Juni und an den Sommer!

 😳  Oweh, aber erst muss ich zum MRT!

😡  Na, dann jammer doch rum……. Jetzt habe ich auch schlechte Laune! Mist.

Ich freue mich so, oder?

Ich freue mich so, oder?

Ich warte auf den Postboten. Er soll mir ein Paket bringen, das für meine Umstellung ins schnelle Internet morgen wichtig ist. Wenn es heute nicht kommt, ist es blöd. Dann muss ich wieder anrufen.

Und wenn es kommt, ist auch blöd, dann muss ich morgen sehen, wie ich zurecht komme. Und wenn ich einen Zahlendreher in meiner angegebenen Handynummer habe, wird mich der Techniker nicht erreichen und ich weiß nicht, ob und wann umgestellt wurde. Und vielleicht vergessen die, dass ich ein Jahr lang viel weniger Geld zahlen muss.

Und wenn ich das richtige Einstöpseln nicht hinkriege, wisst Ihr, warum ich keine neuen Beiträge ins Netz stelle. Es geht dann einfach nicht…..

STOPP! So geht es aber auch nicht. Ich will doch ohne Katastrophen auskommen.

Gedankenänderung: Das wird richtig Spaß machen! Ich freue mich darauf! Das Paket kommt gleich, die Bedienungsanleitung werde ich verstehen und morgen bin ich intelligent und schaffe das. Natürlich habe ich die richtige Handynummer angegeben und meine neue Telefonrechnung wird auch stimmen. Und nach Ablauf der Vertragszeit (oder wie das heißt) kümmere ich mich um einen günstigeren Anbieter und dann wird alles gut.

Ich bin Meisterin darin, mir alles mögliche auszudenken. Alles (?), was schiefgehen kann, kommt mir automatisch in den Sinn. Wer ist dafür verantwortlich? Der innere Miesmacher? Der Liebestöter? Der Zweifler? Oder diese schlimmen Gesellen alle zusammen? Ich habe sie in den Garten geschickt. Trotzdem scheinen sie immer noch aktiv zu sein. Sie beeinflussen meine Gedanken und  tricksen mein Selbstbewusstsein immer mal wieder aus. Dann kichern sie und reiben sich die Hände.

Das kann ich doch ändern, oder? Ich* bin dafür verantwortlich, was ich denke. Und nach dem Denken kommt das Fühlen. Oder ist es umgekehrt? Fühle ich zuerst und denke dann? Kann ich das Fühlen auch bewusst beeinflussen? Darauf will ich heute einmal achten.

*Ich…..🤔 Ein großes Wort. Wer ist „Ich“? Gehören die bösen Gesellen nicht auch dazu? Meine Güte, Fragen über Fragen. Aber jetzt klingelt die Post und hat kein Paket für mich. Mist…..Muss ich anrufen……Darauf freue ich mich, denn das wird ein nettes Gespräch und vielleicht verschiebt sich die Umstellung ein wenig…..

Relikt

Relikt

Ich weiß nicht genau, woher sie kommt und warum sie so hartnäckig ist: meine Angststörung. Wer auch eine hat(te), weiß wovon ich rede. Für die anderen ist mein Erleben schwer nachvollziehbar. Manche schütteln zumindest innerlich den Kopf. Das kann ich gut verstehen.

Ich war meiner Angststörung viele Jahre ausgesetzt und ich habe hart daran gearbeitet, mich nicht mehr zu sehr von ihr beeinflussen zu lassen. Ich erholte mich weitgehend  und nahm mein Leben wieder in meine eigenen Hände.

Die Angst ist aber noch aktiv. Sie begleitet und sie ärgert mich. Manchmal denke ich, dass sie verschwunden ist. Aber sie ist auf der Hut und versucht immer wieder ihr Glück, wenn ich gerade nicht mehr an sie denke und fröhlich vor mich hin lebe. Heute erkenne ich sie und weiß sie einzuordnen. Sie hat keine große Macht mehr, ist aber lästig und nicht immer hilfreich.

Ich will endlich in den Handyladen und meine Card aufladen. Eine halbe Stunde bevor ich losgehe, stellt sich innere Hitze ein und ich werde unruhig. Ich nehme das wahr und denke, so ein Quatsch, ich will doch nur in einen Laden! Ich mache das und äußerlich wird man mir wenig anmerken. Innerlich stehe ich unter Hochspannung. Und Zuhause bin ich für ein paar Stunden ziemlich müde. Daran merke ich, dass sie wieder gut gearbeitet hat, meine Angststörung.

Ich bin zum Geburtstag eingeladen und eine Stunde, bevor ich losfahren will, stellt sich die innere und äußere Hitze ein und ich werde nervös. Ich weiß genau, was ich anziehen will und das Geschenk ist auch schon fertig verpackt. Ich weiß, wohin ich fahren muss und ich weiß, dass ich viele nette Leute treffen werde, die ich zum Teil lange nicht gesehen habe. Ich weiß, ich bin nicht schlimmer als die anderen und sehe auch nicht so gräßlich aus, wie ich mich gerade fühle. Ich weiß, dass ich mich amüsieren werde. Ich weiß, dass das ein guter Tag wird. Trotzdem bin ich unruhig, fahrig und innerlich feuert die Angst ordentlich ein. Mein Körper rät mir, Zuhause zu bleiben. Ich fühle mich kränklich. Ich konzentriere mich darauf, loszugehen und mich der Situation auszusetzen. Die ersten fünfzehn Minuten sind schrecklich. Ich spule Begrüßungen ab und weiche Umarmungen so gut wie möglich aus, obwohl ich viele Leute eigentlich gerne abknutschen möchte, weil ich sie so gerne mag. Aber in der ersten Viertelstunde ist das nicht möglich. Ich kann nicht sitzen bleiben, ich gehe aus dem Raum. Ich komme wieder rein, setze mich und halte durch. Und plötzlich ist alles gut. Ich esse und trinke, ich erzähle und höre, ich nehme Menschen in den Arm und lasse mich berühren. Ich lache und bin dabei. Aber zu Hause bin ich völlig erschöpft und weiß, die Angst hat wieder gut gearbeitet.

Ich sitze im kleinen Theater neben einem lieben Menschen in der ersten Reihe und gleich soll es losgehen mit dem Programm. Ich konzentriere mich sehr darauf, sitzen zu bleiben, die innere Hitze auszuhalten im Vertrauen darauf, dass man sie mir nicht ansehen wird. Ich sitze zwar am Rand, aber die Menschen hinter mir, so dicht gedrängt, kann ich kaum aushalten. Nach einer viertel Stunde bin ich wieder dabei. Es geht mir gut. Ich lache und klatsche und genieße es, mich heute Abend vom Sofa getrennt zu haben.

Ich will bei der Telekom anrufen, mein Vertrag muss geändert werden. Eine halbe Stunde vorher…..Ihr wisst schon. Ich rufe an und die Angst feuert ordentlich ein. Wozu macht sie das? Das Gespräch ist sehr erbaulich, ich kriege alles, was ich will und sogar viel günstiger als gedacht und Samstag soll die Umstellung stattfinden. Ganz wunderbar und nach dem Gespräch bin ich erschöpft und weiß, die Angst war da, aber nur kurz diesmal.

Samstag soll ich dann meinen neuen Router einrichten, mein Telefon einstöpseln und meine Geräte auf das neue W-LAN einstellen (oder wie dieser Vorgang auch immer heißt). Meine Nerven signalisieren heute schon, dass ich das nicht schaffen werde. Die Angst sammelt schon mal Feuerholz…….

Ich weiß nicht, was die Angststörung mir sagen will. Sie ist ein Relikt aus vergangenen Tagen. Sie macht heute keinen Sinn mehr. Ich begebe mich nicht in Gefahr, mein Körper reagiert trotzdem so, als ob es ratsam wäre, zu fliehen. Wegrennen, so weit ich komme. Oder erstarrt Zuhause zu bleiben. Allein kann mir nichts passieren. Allein kann ich nichts falsch machen, und wenn doch, dann merkt es wenigstens keiner.

Die gute Nachricht ist, dass ich doch schon eine Menge ohne Angst erledige. Es wird immer besser, weil ich nicht aufgebe. Weil ich selbst erkenne, wie absurd manche Gedanken sind, die mir Angst machen. Weil ich die ängstliche Regine gedanklich in den Arm nehmen kann.

Trotzdem: Ich will sie ganz loswerden, die Angststörung. Kann sie jemand von Euch gebrauchen?

 

 

 

Was die Achtsamkeit braucht

Was die Achtsamkeit braucht

Kritiker und Nörgler: nehmen die Achtsamkeit in ihre Mitte und schubsen sie hin und her. Als das Innere Kind vorbeikommt, lassen sie davon ab und tun freundlich.

Inneres Kind: Hallo, meine liebste Achtsamkeit, ich habe dich schon gesucht. Kommst du mit die Freude finden?

Achtsamkeit: Nein, heute habe ich keine Lust. Ich fühle mich so kraftlos.

Inneres Kind: Warum?

Achtsamkeit: Der Nörgler und der Kritiker lassen mich nicht zufrieden. Ich fühle mich so allein und die Arbeit fällt mir schwer.

Inneres Kind: Hast Du keine Freunde, die dir helfen?

Kritiker und Nörgler grinsen.

Achtsamkeit: Doch. Die Freude, Lebenslust, alle Sinne und die Liebe sind ja da, wenn ich sie brauche. Und du hilfst mir auch ganz oft. Aber ich fühle mich trotzdem überlastet. Die Ansprüche sind so hoch. Ich soll immer anwesend und für alle da sein.

Inneres Kind: Hast du nie Pause?

Achtsamkeit: Nein, aber ich nehme sie mir trotzdem. Ich kann nicht immerzu aufpassen.

Kritiker: Ach ne, die liebe Achtsamkeit stöhnt mal wieder und macht ihre Arbeit nicht. Darum geht es uns auch so schlecht.

Inneres Kind: Du bist gemein. Die Achtsamkeit muss sich doch auch mal ausruhen dürfen, sonst geht sie kaputt.

Nörgler: Ach was, alles geht den Bach runter. Du bist einfach nicht da, wenn man dich braucht. Du bist zu faul und unfähig. Man sollte dich rausschmeißen.

Kritiker: Du bist einfach nicht gut genug.

Achtsamkeit: Ich weiß gar nicht, warum ich mir das anhöre. Mein Boss ist die Seele und die ist ganz zufrieden mit mir.

Kritiker: Seele ist gerade nicht hier und hat sowieso keine Ahnung. Du bist zu klein und zu schwach und weißt überhaupt nichts.

Inneres Kind: Höre nicht auf die bösen Gesellen! Ich mag dich sehr. Du bist meine beste Freundin.

Achtsamkeit: Ja, natürlich. Ich brauche langfristig aber mehr Unterstützung. Mir fehlt der Zorn.

Inneres Kind: (wird blass) Nein, den bitte nicht.

Achtsamkeit: Der Zorn könnte mir helfen, die bösen Gesellen in den Garten zu schicken. Sie behindern mich, wo sie nur können. Mit ihrer Unzufriedenheit machen sie mich krank. Außerdem kann der Zorn erkennen, wenn etwas falsch läuft und ich mehr aufpassen muss. Wo steckt er eigentlich, ich habe ihn ein halbes Leben nicht gesehen.

Inneres Kind: Der wurde zum Glück vor langer Zeit  im Keller eingesperrt, ganz hinten.

Achtsamkeit: Warum das denn?

Inneres Kind: Er hat mit Angst gemacht.

Achtsamkeit: Ach so, jetzt verstehe ich, warum ich mich oft so schwach fühle. Ich kann nur gute Arbeit  leisten, wenn sie mich alle unterstützen. Wenn der Zorn frei wäre, hätte ich mehr Kraft für die wichtigen Dinge.

Inneres Kind: Nein, das will ich nicht!

Nörgler: Das fehlte noch.

Kritiker: Nein, liebes Kind, wir beschützen dich vor den dummen Ideen der Achtsamkeit.

Achtsamkeit: Ich werde nachher mal mit der Seele und dem Selbstbewusstsein sprechen. Vielleicht wissen die gar nichts vom Zorn im Keller. Er wäre ein wichtiger Unterstützer meiner Arbeit.

Inneres Kind: Das verstehe ich nicht.

Achtsamkeit: Nein, das musst du auch nicht, du bist ein Kind. Und nun komm, wir wollen mal sehen, was wir Schönes entdecken.

 Veröffentlicht am 02.02.2018 im Gemeinschaftsprojekt  „Herz & Verstand“.