Blockaden

Blockaden

Manchmal brauche ich Hilfe, um alte Schmerzen zu verstehen und aufzulösen. Die habe ich gestern bekommen.

Klare Gedanken und Gefühle lösen Blockaden auf, die ich seit Jahren schütze, pflege und hege. Weil ich nicht hinsehen wollte. Weil ich es nicht wahrhaben wollte. Weil es weh tat.

Jetzt erkenne ich den Sinn und den Unsinn meiner Handlungen. Jetzt sehe ich, wie sehr ich mich immer wieder in Frage stelle und mich gedanklich selbst niederschlage.

Ich fühlte mich bis zu seinem Tode als seine Ehefrau und war ihm im Herzen sehr nah, obwohl gerade dies nicht sein durfte, denn wir waren ja geschieden und nur noch durch die Kinder und ein gemeinsames Haus verbunden. War es Abhängigkeit, Dummheit, Faulheit, Nichtloslassenkönnen, Stalking, Nichtwahrhabenwollen oder gar Liebesunfähigkeit, die mich so fühlen ließen?

Ich wollte es mir verbieten. Ich wollte nicht so fühlen, wie ich eben fühlte. Und konnte doch nichts dagegen tun. Obwohl alles dagegen sprach und er längst schon eine Geliebte hatte für einige Zeit.

Nun ist er gestorben und ich fühlte es immer noch und das durfte doch nicht sein. Ich musste ihn endlich loslassen, mich mit den Tatsachen abfinden. Und immer wieder passierte etwas in den letzten Wochen, dass mich zwang, hinzusehen.

Seit gestern weiß und fühle ich: Ich habe ihn geliebt und liebe ihn immer noch. Ich darf die Liebe fühlen, muss sie mir nicht mehr ausreden. Ich darf ihn lieben, egal was passiert ist. Es ist in Ordnung, dass ich mich getrennt habe und scheiden ließ, weil ich ein Zusammenleben nicht mehr aushielt. Und ich darf ihn trotzdem lieben. Ich darf auch an seine Liebe zu mir glauben. Er war ja immer irgendwie da, auch wenn er zeitweilig weg war.

Es ist gut so.

Gestern war ich endlich in der Lage, ein Familienfoto von uns vieren aufzustellen. Ich darf meine Liebe fühlen und ihn wieder sichtbar machen.

Gut, dass ich mich von ihm liebevoll verabschiedet habe.

Dass das Loslassen meiner negativen Gefühle mit dieser Erkenntnis möglich wird, ist eine große Überraschung. Ich hätte weiter gegen meine Liebe angekämpft. Das brauche ich nicht mehr und alles wird leichter. Auch die Trauer.

 

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Alte Schmerzen

Alte Schmerzen

Alles anders

irgendwie

und doch bekannt

nicht zu fassen

nicht zu klären

alte schmerzen brennen neu

und sie wollen sich nicht lösen

es soll nicht so sein

wie es war

und  wie es ist.

 

Ich mag nicht mehr

Gedanken blockieren

bilder drücken nieder

sinnlos.

 

Und immer wieder

wenn ich denke

es ist vorbei

passiert etwas

daran komme ich nicht vorbei

ich muss hinsehen

um dann zu fallen

grundlos.

 

So wird es bleiben

bis ich  loslasse

und alles so sein lasse

wie es war

und wie es ist.

 

Kalenderweisheitguterrat

wütend knalle ich die Türen

baue mir ein nest aus warmen decken

kann mich nicht ausstehen

weiß, ich bin im unrecht

doch ich will es nicht einsehen

weil ich befürchte

den halt zu verlieren

nach dem loslassen.

 

Nicht aktuell, aber ich kann mich noch sehr gut in diese Stimmungslage hineinversetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitternachtsgedanken

verschlungen

Lebenswege treffen sich

verbinden sich

verschlingen sich

brauchen sich

wollen sich

wollen sich nicht

müssen aber

 so ungewiss

es wird nichts ausgesprochen

nur ausgedacht

nur einer weiß

oder auch nicht

und jemand will nichts wissen

nur hoffen

aber auch das nicht offen

und jemand bleibt

bis einer geht

 dann ist es zeit

sich zu lösen

das verschlungene aufzudröseln

zu erkennen

es sind nur gedanken

die giftig sind

es ist möglich

sie aufzulösen

und frei zu sein.

 

 

Selbstbestimmt

Selbstbestimmt

Wird mein heutiges Sein von meinen Erinnerungen beeinflusst?

Mit dieser Frage schlage ich mich gerade herum. Ich weiß nicht, was Erinnerungen sind. Wahrscheinlich gibt es schlaue Bücher und Doktorarbeiten darüber, aber damit will ich mich jetzt nicht verwirren. Ich will selbst darüber nachdenken.

Mein Körper und meine Seele speichern Erinnerungen. Ich habe viel mehr davon, als ich weiß. Ich spüre sie viel häufiger, als mir bewusst wird.

Ich weiß, dass meine Erinnerungen meist nicht das wiedergeben, was tatsächlich geschehen ist. Erinnerungen sind nicht absolut, sondern ändern sich ständig, ohne dass ich es bemerke. Ich denke, meine Erinnerungen sind wahr, aber das stimmt nicht. Wenn ich mit Menschen Erinnerungen austausche, erzählen wir uns oft völlig unterschiedliche Geschichten. Ich kann mich sogar an einiges überhaupt nicht mehr erinnern.

Welcher Teil in mir verwaltet meine Erinnerungen? Wieso kommen sie mir in den Sinn und warum bleiben so viele im Hintergrund?

Warum kann ich mich besser an peinliche Situationen und an mein Unvermögen erinnern, als an meine „guten Taten“ und Erfolge? Ich kann viele meiner ehemaligen Fehlhandlungen heute noch gefühlsmäßig nachvollziehen, während es mir schwerfällt, Glücksmomente nachträglich zu spüren. Leistungen kann ich aufzählen, aber ich traue meinen Erinnerungen nicht. Ich spüre die Erfolge, also auch die Erinnerung an diese, nicht, die Misserfolge aber schon. Einige davon, die eine lange Zeit zurückliegen, können mir heute noch die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Insofern steuern meine Erinnerungen mein heutiges Sein. Ich denke, ich bin, was ich erinnere. Darauf bauen meine aktuellen Gedanken und Gefühle auf. Welcher Teil in mir zwingt mich eigentlich dazu, das negative Zeugs  immer wieder hervorzuheben und mich damit in meiner nicht gerade guten Selbsteinschätzung zu bestätigen?

Muss das so bleiben?

Nein. Gedanken und Erinnerungen kann ich teilweise steuern. Wenn ich bei den Erinnerungen ansetze, werden meine Gedanken davon beeinflusst.

Lassen sich die guten Erinnerungen hervorholen? Wie kriege ich mich dazu, die negativen Erinnerungen nicht mehr zu denken? Wenn ich es genau überlege, wird es viel mehr gute und glückliche Momente gegeben haben, als schlechte. Die Erinnerungen daran sollten wachsen und es zulassen, dass  sich Emotionen mit ihnen verknüpfen.

Das wäre ein selbstbestimmtes Erinnern, oder?

Na also, geht doch. Als nächstes werde ich mich darin bestärken, dass meine guten Leistungen genau so wahr sind wie meine Misserfolge.  Dann kann ich zufrieden mit meiner Vergangenheit zuversichtlich in die Zukunft blicken. Und vor allen Dingen selbstbewusst die Gegenwart erleben.

Sind das dann manipulierte Erinnerungen?  Ach, egal! Hauptsache es hilft!!!!

Wird schon!

Wird schon!

Kennt Ihr das auch? Man hat etwas lange verdrängt und plötzlich kommt es auf einen zu und man will es sofort erledigen, aber das geht nicht, weil Informationen fehlen und man sich absprechen muss, was schwierig ist, weil Gefühle den Verstand überschwemmen und man höllisch aufpassen muss, sich nicht zu verlieren, sondern vernünftig und ruhig zu bleiben? Es muss erledigt werden, weil sonst die Hütte brennt. Es muss rechtzeitig angeschoben werden, damit man nicht in finanzielle Not gerät.

Im Moment sehe ich keine Lösung, nur Altlasten, die uns im Wege sind. Altlasten, die ich nicht mehr vermutet und wohl auch verdrängt habe. Nun stehen sie da und scheinen sehr bedrohlich zu werden. Sie scheinen mich unter sich begraben zu wollen.

Dabei hätte ich es natürlich wissen müssen.

Alles, was einfach schien, wird plötzlich schwer. Ich will sofort etwas tun, komme aber nicht weiter. Es ist ungewiss, ob ich es schaffen werde. Was berechenbar schien, wird plötzlich völlig unberechenbar. Das innere Kind weint, weil die Große so ratlos und ängstlich ist und an nichts anderes mehr denken kann.

Vielleicht sind das alles auch nur meine eigenen Ängste, die mir das Schwarzsehen unterjubeln. Es kann sein, dass ich mich zu sehr in das Gefühlschaos der anderen hineinziehen lasse. Wahrscheinlich sind meine Grenzen gerade einmal wieder brüchig geworden.

Vielleicht könnte mich der Optimismus wieder auf die Füße stellen. Vielleicht kann die Geduld mir einen Tee kochen und ein weiches Kissen aufschütteln. Vielleicht kann mir die Zuversicht ein helles Licht ins Fenster stellen und die Freude mich in die Arme nehmen, weil ich in nächster Zeit so viel Schönes vorhabe. Das Selbstbewusstsein kann beginnen, die Grenzen wieder herzurichten. Das innere Kind sollte spielen gehen und die Große sich wieder sicher fühlen.

Ich hole tief Luft und die Vernunft sagt: „Wird schon!“

 

Verletzte Seelen

Verletzte Seelen

Verletzte Seelen heilen nicht.

Es wird nicht alles gut.

Sie zerbrechen nicht an ihren Schmerzen.

Sie wandeln sie in Härte.

Dann überleben sie.

💔   💔   💔

Verletzte Seelen können lieben.

Die Liebe fühlt sich schutzlos an.

Besser ist der bekannte Schmerz,

der den schützenden Abstand hält.

Verletzung und Liebe werden eins.

💔   💥   💔

Verletzte Seelen weinen nicht.

 Tränen verwandeln sich in Wut.

Trauer und Angst dürfen nicht sein,

denn daran können verletzte Seelen sterben.

Darum hinterlassen sie manchmal

verbrannte Erde.

💔   🔥   💔

Verletzte Seelen öffnen sich,

wenn man sie zufrieden lässt.

Dann kehrt in gemeinsamer Arbeit

Frieden ein.

💖    🌷   💖

So einfach!

So einfach!

Inneres Kind: Oh, da ist eine Einladung für ein Nachbarschaftsfest im Haus 87. Und jeder bringt was mit! (hüpf….hüpf…hüpf). Das wird gut. Ich freue mich!

Vernunft: Sie sollte sich jetzt gleich in die Liste eintragen.

Heulsuse: Oje oje ojeoje. Was soll sie bloß mitbringen?

Inneres Kind: Einen großen Berg Schokoeis!

Vernunft: Nein, sie macht einen Kartoffelsalat. Den kann sie.

Zauderer: Sie kann doch fast gar nichts schmecken. Wie soll das gehen?

Vernunft: Geht schon. Nach Gefühl!

Zauderer: Es ist auch viel zu heiß, mittags im Garten zu sitzen!

Miesmacher: Wer will sie schon schwitzen sehen?

Liebestöter: Sie geht da nicht hin, das ist klar. Was soll sie da?

Inneres Kind: Spaß haben. Reden. Essen. Trinken. Erzählen. Zuhören. Dabei sein. Sich gut fühlen. Lachen.

Nörgler: Mit den Leuten kann sie doch  unmöglich nett zusammen sein. Die sind doch alle doof.

Liebestöter: Und keiner will sie dabei haben, das ist doch klar.

Heulsuse: Sie ist so arm dran. Keiner mag sie. Alle feiern, nur sie nicht!

Vernunft: Aber ihr tut doch gerade alles dafür, dass sie sich selbst ausschließt. Sie hat eine Einladung bekommen!

Heulsuse: Ja, aber nur aus Mitleid.

Angst: Sie muss da ganz alleine hin. Alle anderen sind zu zweit, sie ist ganz alleine und das sehen dann alle. (Panikattacken machen sich startklar)

Vernunft: So kommen wir nicht weiter! Ich hole jetzt das Selbstbewusstsein.

Selbstbewusstsein: hört sich die Geschichte an und denkt nach.

Inneres Kind: Sie soll da trotzdem hin! Wenn sie hingeht, ist sie doch nicht mehr allein.

Heulsuse: Was soll sie denn sagen?

Inneres Kind: Guten Tag, herzlichen Dank für die Einladung und hier ist der Kartoffelsalat.

Heulsuse: Und dann?

Inneres Kind: Setzt sie sich hin und macht ein freundliches Gesicht.

Heulsuse: Ja aber worüber soll sie denn reden?

Vernunft: Das können wir doch jetzt noch gar nicht planen. Sie hat ja den Verstand dabei.

Humor: Hallo? Ich bin auch noch da!

Angst: Nein, sie bleibt Zuhause und liest.

Inneres Kind: Das ist langweilig. Ich will feiern! (Stampft mit dem Fuß auf).

Selbstbewusstsein: Selbstverständlich geht sie hin. Also: Action!

Sie nimmt sich einen Stift, geht zum Haus Nr. 87 und trägt sich in die Liste ein.

So einfach ist das!