Früher war besser…

Früher war besser…

Aus unserem NDR 2:

https://www.ndr.de/ndr2/wir_sind_die_freeses/Frueher-war-besser,audio303944.html

https://www.ndr.de/ndr2/wir_sind_die_freeses/1979,audio303814.html

Heute lese ich…

Heute lese ich…

Viveca Lärn, Weihnachten auf Saltön, 2003

Endlich ist es soweit. Die Adventslektüre beginne ich mit meinen Lieblingen auf Saltön. Ihr erinnert Euch an den „Sommer auf Saltön“? Jetzt geht es weiter, und wie!

Kabbe, der Wirt vom „Kleinen Hund“, will sich umbringen, muss aber erst einmal das Weihnachtsgeschäft abwarten. Sara hat sich vom alten Mac Fie getrennt und eröffnet mit Lotten, Kabbes Ex, ein Reformhaus. Mac Fie hat Liebeskummer. Die dicke Emily eröffnet in Göteborg ihr Cafe´“Zuckerkuchen“ und nimmt dabei ab. Sie besitzt ein kleines Puppenhaus samt Puppenfamilie. Damit ist viel zu beschäftigt, um sich groß um ihren Liebhaberpolizisten Christer zu kümmen. Dieser schenkt ihr ein Boot und weiß eigentlich auch nicht, was sie in der Stadt damit soll. Johanna kommt mit Blomgren nicht so recht weiter. Ihr Sohn Magnus lebt mit dem Lottomillionär Hans Jörgen zusammen. Paula Blomgren, die Tochter von Emily und Blomgren, missioniert in Afrika und ist schwanger. Emilys alter Vater, Doktor Schenker, setzt sich mit seiner älteren Geliebten Magdalena Manson ab und keiner weiß, wo die beiden stecken. Der Mann mir der Baskenmütze ist weiterhin an Zeitungen mit unbekleideten Mädchen und an allem, was in Blomgrens Zigarrenladen passiert, interessiert. Tommy Olsson, Großstadtjournalist und trockener Alkoholiker, sucht auf Saltön nach menschlichem Material für seine Wochenzeitung und die alte Greta, ehemaligen Bedienerin auf den Amerikadampfern, rettet Kabbe das Leben. Es ist jede Menge los auf der kleinen Schäreninsel und Weihnachten steht vor der Tür. Und  Single-Weihnachten ist ein völlig überschätztes Phänomen. Und was hat es bloß mit der jährlichen Erscheinung am Heiligen Abend auf sich?

Zur Zeit gehe ich abends wieder sehr, sehr gerne ins Bett, denn dort warten die Saltöner auf mich.  Eine Geschichte über das Leben mit allen seinen Facetten. Ein herrlich unbeschwertes Buch mit nachdenklichen, traurigen und vielen lustigen Momenten, welches ich immer wieder gerne lese.

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Weihnachten

Weihnachten

Ich will jetzt erst einmal die Gelegenheit nutzen, mich bei meinen VerfolgerInnen zu bedanken. Es macht mir großen Spaß zu sehen, wie die Zahl sehr schön langsam, aber stetig wächst. Manchmal stelle ich es mir bildlich vor. Zwei Grundschulklassen könnten mit Euch schon gefüllt werden….

Mein 50. Verfolger ist  IMPRESSIONS OF LIFE. Das muss gefeiert werden. Darum durfte sich IMPRESSIONS OF LIFE das Thema für meinen nächsten Beitrag ausdenken. „Vielleicht Weihnachten?“, lautete die Antwort. Also gut, dann lege ich mal los:

Weihnachten

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Also, Weihnachten…..hm, wie fange ich jetzt an? Ist doch schwieriger, als ich eben noch dachte. Also, Weihnachten…

Immer wieder bin ich erstaunt, wie schnell doch die Zeit vergeht. Mir scheint, sie rennt Jahr für Jahr schneller. Kaum ist Weihnachten vorbei und die Deko weggeräumt, muss ich sie auch schon wieder hervorholen.

Ich habe jetzt 63 Weihnachten hinter mich gebracht. Sehr unterschiedliche, natürlich.

Als Kind war die Vorweihnachtszeit wunderbar, spannend, Verzauberung pur.

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Mein Bruder und ich (Schwesterchen kam erst viele Jahre später) durften uns jedes Jahr aussuchen, ob wir ins Weihnachtsmärchen oder auf den Hamburger Dom gehen wollten. Für beides reichte das Geld nicht. Zur vorweihnachtlichen Tradition gehörten auch die Ausflüge in die Innenstadt, um die Weihnachtsbeleuchtung und Schaufenster zu bestaunen. Wunderbar erschienen mir damals die Märchenfiguren in den Auslagen der Kaufhäuser, die sich wie durch Zauberhand bewegten. Ich drückte mir die kleine Nase an den Schaufenstern wirklich platt.

Vier kleine Päckchen hingen am Adventskranz, für jeden Sonntag eins. Der Inhalt durfte sofort verzehrt werden, noch am Frühstückstisch. Schokolade war etwas ganz besonderes! An meine Adventskalender, so herrlich mit Silber und Glitter verziert, kann ich mich auch noch gut erinnern. Diese kleinen, liebevollen Bildchen verzückten mich richtig! Ein Engel im Schnee! Ein Lebkuchen! Ein Vogel im Schnee! Ein Stern! Ein Schlitten im Schnee! Ein Nikolausstiefel mit Tannenzweig, Apfel und Nüssen! Ein Weihnachtsmann! Maria und Josef mit dem Christkind! Jetzt ist endlich der 24. Dezember!

Unvorstellbar große Kinder-Gefühle: sehnlichste Weihnachtswünsche und die Vorfreude auf den Heiligabend. So erinnere ich es jedenfalls heute.

Und wenn es endlich so weit war, wenn sich die Eltern genug gestritten hatten, die Oma angekommen war, das Kaffeetrinken hinter uns lag und der Kinderfunk sein Kinderprogramm beendete, durften wir endlich ins Weihnachtszimmer. Geschenke! Bunte Teller! Weihnachtsbaum! Geschenke, Geschenke…..Aber zuerst mussten wir uns vor den Baum stellen und Gedichte aufsagen, Lieder singen  oder flöten. Auch im hohen Alter von 12 tat ich das noch, da war aber die Aufregung nicht mehr ganz so groß…..

Dann konnten endlich die Geschenke geschenkt und ausgepackt werden und dann wurde gespielt, gespielt, gespielt. An viele Geschenke erinnere ich mich heute noch.

Überhaupt habe ich viele glückliche Erinnerungen an die Weihnachten meiner Kindheit. Ich denke, darum mag ich sie auch heute noch ganz gerne, die Adventszeit.

Das war allerdings nicht immer so. Es gab etliche Jahre, in denen ich heilfroh war, wenn Weihnachten hinter mir lag. In denen ich mit dieser angeblich schönsten Zeit nichts anfangen konnte. Ich war so traurig darüber, dass Weihnachten immer schwieriger für uns wurde. Ich konnte nicht einsehen, dass eine Familie, die in Schwierigkeiten steckte, Weihnachten nicht romantisch friedlich unter dem Weihnachtsbaum sitzen konnte.

Meine zwei Kinder, mein Mann und ich feierten viele Feste zu viert und es entstand eine neue Tradition. Aber immer mit Weihnachtsbaum und Geschenken. Ich hoffe, meine Kinder erinnern sich gerne an ihre Weihnachten zurück.

Na ja, und alles änderte sich für uns alle nach der Scheidung vor ein paar Jahren noch einmal ziemlich brutal. „Plötzlich“ zu dritt war zuerst nicht einfach. Aber wir haben uns Weihnachten wieder neu erobert. Wir machten es uns gemütlich. Mit Weihnachtsbaum und Geschenken.

Jedes Jahr war und wird anders. Meine eigene Familie findet wieder zusammen. Jedes Jahr kommt etwas dazu und bleibt etwas weg. Ich habe keine festen Vorstellungen mehr und lasse mich ein auf das, was kommt. Ein guter Weg, finde ich.

In diesem Jahr gehe ich entspannt in den Advent. Ich schmücke meine Wohnung, freue mich auf gewisse Weihnachtsfilme, die zu meiner Tradition gehören. Ich werde backen und Weihnachtsbücher lesen und vielleicht sogar ein wenig basteln, wenn ich dazu komme. Zauberhaft ist diese Zeit nicht mehr, natürlich, aber gefühlig, das ist sie schon. 007-23

Heute lese ich……

Heute lese ich……

Elisabeth Strout, Die Unvollkommenheit der Liebe, 2016

„Als die Schriftstellerin Lucy Barton längere Zeit im Krankenhaus verbringen muss, erhält sie Besuch von ihrer Mutter, die sie jahrelang nicht mehr gesehen hat. Zunächst ist sie überglücklich. Doch mit den Gesprächen werden Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend wach, die sie längst hinter sich gelassen zu haben glaubte……

Der neue Roman von Elisabeth Strout ist ein psychologisches Meisterstück, zutiefst menschlich und berührend. Er erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg geht, eine Geschichte über Mütter und Töchter und eine Geschichte über die Liebe, die, so groß sie auch sein mag, immer nur unvollkommen sein kann.“

Ich bin tief beeindruckt von diesem Roman. Ich komme nur langsam voran, weil ich mich ständig dabei ertappe, wie ich Löcher in die Luft starre und meine Gedanken schweifen lasse, statt zu lesen. Ich kann mich an keinen Roman erinnern, an dem es mir ähnlich erging. In jedem Absatz stecken so viele Informationen, Weisheiten  und Fragen, die ich erst einmal begreifen und einordnen muss. Trotzdem liest sich das Buch leicht. Humoristische Einlagen wiegen das Schwere immer wieder auf. Zum Beispiel, wenn die Krankenschwestern von Lucy und ihrer Mutter „Reiswaffel“ oder „Zahnweh“ genannt werden, kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Wie Mutter und Tochter immer wieder mit Allgemeinplätzen in die Gegenwart zurückfinden, wie sich trotz aller Distanz auch eine eigene Art der Nähe aufbaut, gefällt mir sehr. Zu lesen, wie Liebe sich äußern kann, wie viele Gesichter sie hat, ist beeindruckend. Ich stelle mir die Frage, wie oft ich in meinem eigenen Leben die Liebe gar nicht gesehen und erkannt habe, weil ich sie ganz woanders suchte.

Lucy durchlebte eine schreckliche Kindheit. In ihren Erinnerungen fragt sie sich immer wieder, ob es wirklich so gewesen sein könnte oder ob es nicht doch ganz anders war. „Es gibt immer wieder Zeiten, da ertappe ich mich bei dem Gedanken: So schlimm war es gar nicht.  Und vielleicht stimmt das ja. Aber es kommt auch vor- völlig unverhofft -, dass ich einen sonnigen Gehsteig entlanggehe oder einen Baumwipfel im Wind schwanken sehe oder zuschaue, wie der Novemberhimmel sich auf den East River herabsenkt, und plötzlich tut sich in mir eine Dunkelheit auf, die so bodenlos ist, dass ich einen kleinen Japser ausstoße und mich in das erstbeste Kleidergeschäft flüchte und mit Wildfremden ein Gespräch über den Schnitt der neu eingetroffenen Pullover anfange. Vermutlich schlingern die meisten so durch ihr Leben, halb wissend und halb blind, bedrängt von Erinnerungen, die unmöglich wahr sein können. Aber wenn ich Menschen voll Selbstvertrauen die Straße entlanggehen sehe, als wären sie gänzlich frei von Ängsten, wird mir klar, dass ich keine Ahnung habe, was in anderen vorgeht. So vieles auf der Welt ist Spekulation.“ (Seite 19/20)

Hierzu könnte ich ein eigenes Buch über meine eigenen Gedanken und Erinnerungen schreiben. So ergeht es mir in fast jedem Kapitel, das ich bis jetzt gelesen habe.

Die „Unvollkommenheit der Liebe“ wird wahrscheinlich für mich das wichtigste Buch in diesem Jahr sein.

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