Umbruch

Umbruch

Anspruchsdenken überall

und wehe

es wird nicht sofort und gleich erfüllt

dann sollen die da oben sich gefälligst beeilen

und sich kümmern

jetzt müssen wir auch noch Energie sparen

die haben ja wohl nicht mehr alle Tassen im Schrank

und überhaupt

Autofahren ist ein Grundrecht

und Freiheit lasse ich mir nicht beschneiden

weder beim Tempo

noch durch die Masken

die werden abgesetzt

für immer

und frei tanzen wir auf den Abgrund zu

so tief wird er schon nicht werden

die neue Kriegsrhetorik

ist nicht so ernst zu nehmen

wir gewöhnen uns schon noch daran

und bald ist Ostern

das wird schön!

💥

Wir lebten im Schlaraffenland

und merkten es noch nicht einmal!

Augenspielerei

Augenspielerei

Um zum Augenarzt zu kommen, muss ich in die nächste Stadt. In meiner gibt es nämlich keinen mehr, was ziemlich ärgerlich ist. Früher war es einfach, da konnte ich meinen Augenarzt zu Fuß erreichen. Jetzt ist der Anfahrtsweg lang und stellt mich vor große Herausforderungen. Mit dem Auto fahren geht nicht, weil Augentropfen das Selbst- Fahren nach Hause verbieten. Ich habe aus unterschiedlichen Gründen niemanden, der mich bringen und holen kann. Die Busverbindung passt nicht und der Fußweg, der mich vor einigen Jahren eher aufgemuntert hätte statt mich abzuschrecken, ist mir zu anstrengend geworden. Also was bleibt? TAXI. Genau. Teures Vergnügen und zusammen mit der selbstzuzahlenden Untersuchung, ob sich ein Glaukom ankündigt (die mit der Makuladegeneration ist mir mit 75 Euro einfach zu teuer), waren gestern über 100 Euro weg. Und dabei ist alles in Ordnung und ich hätte diesen Termin gar nicht gebraucht. Aber das weiß man ja nicht vorher.

Den Nachmittag verbrachte ich nach dem Augenarztbesuch mit großen Pupillen und darum halb blind und ziemlich müde zu Hause auf dem Sofa .

Gegen Abend wurde es dann besser und ich dachte: „Gut, dass ich wieder gucken kann!“

Heute geht es mir prima, denn ich habe keinen Termin. Erst morgen wieder. Und übermorgen Nachmittag. Drei Termine in einer Woche bedeuten schon fast Stress und nächste Woche wird es nicht besser. Allerdings will ich mich nicht beschweren und lieber ein wenig mit meinem Auge spielen!

Gefühlen folgen

Gefühlen folgen

„Du übertreibst mal wieder“, sagt der innere Kritiker.

„Mach dich nicht lächerlich“, schimpft das Über-Ich und guckt streng um die Ecke.

„Ich fühle mich bedroht“, flüstert das Innere Kind.

„Und schön ist es auch nicht, das jeden Abend wieder zu erleben,“ fügt die Selbstsorge hinzu.

„Du darfst dich nicht so anstellen und du musst jetzt mal das Richtige fühlen“ sagt der innere Antreiber.

„Du fühlst, was du fühlst“, sagt mir meine Seele.

Ich traue also meinen Gefühlen und gehe nicht mehr gegen sie an. Schon geht es mir besser und ich werde etwas unternehmen auf meiner Seite des Zauns.

Mein letzter März-Sonntag

Mein letzter März-Sonntag

Ich muss gleich zur Hochzeit meines Sohnes und wühle im Kleiderschrank. Ich habe nichts anzuziehen! Meine Güte, ich muss los, die warten schon alle auf mich🤦‍♀️. Ich wache auf und denke: „Ich schaffe das ja nicht einmal, da hinzukommen mit meinen Schmerzen und der Atemnot bei Anstrengung.“ Dann bin ich zum Glück richtig wach. Lustig, früher träumte ich, dass ich meine Formelsammlung für die Abiprüfung noch immer suche, während alle anderen schon längst fertig sind mit der Arbeit und nach Hause gehen. Heute träume ich von Anziehsachen, die ich nicht finde, während die anderen schon längst am Hochzeitfeiern sind. Grundthema: Ich schaffe das nicht 🥲. Hört es denn nie auf? Natürlich werde ich hinkommen, ich muss nur Hilfe annehmen beim Koffertragen und es akzeptieren, dass ich nicht mehr schnell gehen kann.

Ich schlafe wieder ein und träume schlimme Fluchtgedanken. Ja, das beschäftigt mich natürlich auch nachts und ich denke beim Aufwachen daran, wie absurd doch Kriege sind. Wozu sind die nützlich? Keiner weiß es und doch gibt und gab es sie schon immer. Es muss doch irgendwelche Theorien geben, wie Kriege entstehen und welcher Logik sie folgen. Ich werde mich demnächst um geeignete Lektüre kümmern.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe Spatzen, die der Amsel ihr Nistmaterial klauen wollen. Ich sehe Dohlen, die versuchen einer anderen etwas aus ihrem Schnabel zu stehlen und sie wild durch die Luft verfolgen. Ich beobachte Spatzen, die miteinander kämpfen und sich gegenseitig verjagen. Ganz normale Revierkämpfe im Frühling eben und von wegen friedliche Natur! Menschen sind auch Natur, vielleicht ist es ihnen darum unmöglich, Weltfrieden zu schaffen.

Ich will das Treiben im Garten fotografisch festhalten. Die meisten Fotos gelingen nicht und werden gelöscht oder hier gezeigt als Beispiel meines Unvermögens, meiner Ungeduld und schlechten Augen. Die sind aber auch schnell, also nicht die Augen, sondern die Vögel, und manchmal finde ich auf den Fotos überhaupt keine mehr😂.

Doch ein paar Bilder sind zufriedenstellend und Blumen kann ich besser, das weiß ich.

Und weil mir heute eine Stunde fehlt, ist es jetzt schon spät und mir bleibt keine Zeit mehr für meinen täglichen Sport, zu dem ich sowieso keine Lust habe. Ich werde mir Nahrung zubereiten, mich später auf das Fahrrad setzen und noch später im Garten sitzen und Frühling gucken.🌷

Radrundengedanken

Radrundengedanken

Zitronenfalter im März.

Es ist nicht zu fassen.

War das schon immer so?

Ist nicht alles zu früh?

Oder scheint es mir nur so?

Weil die Zeit im Alter

immer schneller rennt?

Gänse fliegen.

Enten schwimmen.

Ein Graureiher steht dumm

im Wasser herum.

Und Rehe liegen

mitten am Tag immer am selben Platz.

Warum verstecken die sich nicht

im Wald?

Hat das mit den Wölfen zu tun?

Die Kraniche sind weg.

Löwenzahn!

Sieh einer an.

Ist der auch schon wieder so weit!

Und zu guter Letzt schenkt

mir der Tag

ungefragt

einen Eisvogel!

So ein traumhaft

schönes Blau

zischt eine Weile

vor mir her.

Das mag ich sehr.

Auch wenn ich ihn nicht

fotografieren kann,

erfreue ich mich sehr daran.

Ich fühle ein kleines Stück

vom Lebens- Glück.

Mehr brauche ich heute nicht davon.

Nestbau und offene Fragen

Als ich gestern nach Hause kam, sah es am Carport etwa so aus:

Ich verstand die Unordnung nicht, fegte das alles zusammen und legte den ganzen Schlamassel ins Beet. Ich dachte, dass sich dann die Vögel bedienen können für ihre Nester.

Als ich heute morgen schlaftrunken aus dem Fenster schaute, bot sich mir dieses Bild:

Hä? Was soll das?

Ach so! Die Amseln haben sich ihr Baumaterial zurecht gelegt.

Ich frage mich, ob sie am Carport eine Amsel-Reihenhaussiedlung einrichten wollen.

Na gut, sollen sie machen. Überall verliebte Paare, da könnte ich glatt ein wenig neidisch werden, wenn ich wollte. Will ich aber nicht.

Sauer will ich auch nicht sein. Bin ich aber, obwohl ich weiß, dass das auch nichts bringt außer Falten und schlechte Laune. Trotzdem:

Alle Erwerbstätigen bekommen eine Energiepauschale von 300 Euro. Für jedes Kind noch mal 100 Euro drauf. Die Einmalzahlung für alle Transferleistungsempfänger*Innen (Was für ein Wort!) wird verdoppelt. Und irgendwas mit den Benzinpreisen und dem öffentlichen Nahverkehr war auch noch. Ihr wisst schon. Ich frage mich: Was ist mit den Nichtwerkstätigen, z.B. uns Rentner*innen? Glauben die Politiker*innen, dass wir alle so reich sind, dass wir keine Zuschüsse brauchen können? Oder denken sie, dass wir gar nicht heizen wollen und Strom uns nicht zusteht? Oder haben sie uns einfach nur vergessen?

So, das bin ich jetzt los und ich lasse den Ärger ziehen. Auch die Idee, nie mehr wählen zu gehen, wird unter Blödsinn abgespeichert. Es gibt wirklich Wichtigeres und Schlimmeres zu verarbeiten. Wobei ich noch auf meine Ersparnisse zurückgreifen kann, wenn meine nicht allzu üppige Rente am Monatsende nicht reicht, das ist mein Luxus. Anderen Menschen wird es nicht so gut gehen, das weiß ich.

Neue Wege

Ich fahre einfach mal woanders hin

kam mir gestern in den Sinn

und schon fuhr ich woanders hin

war auch schön.

Dann sah ich ohne Mühe

ganz viele Kühe.

Und ganz heiter

radelte ich weiter

nein

die Strecke war nicht immer fein

bei Gegenwind

kleine Ansteigungen

doch sehr anstrengend sind

und dann auch noch dies

wer hätte das gedacht

hat man tatsächlich hier

ein paar Jahrhunderte lang

Menschen umgebracht.

Ich fühlte mich ziemlich lahm

denn es wurde richtig warm

und meine Füße wurden heiß

und es floss schon wieder Schweiß.

Auch wenn dieser Weg

war ganz schön

freue ich mich doch

meinen gewohnten

heute wiederzuseh´n.

Wochenende in Familie

Wochenende in Familie

Ich bin gar nicht mehr belastbar, was die Verarbeitung der äußeren Eindrücke betrifft. Ob das an der Corona-Ruhe liegt oder am zunehmenden Alter und meiner Erkrankung, ich weiß es nicht. In den letzten zwei Jahren hat sich mein Geruchssinn entwickelt, der vorher nie vorhanden war, dafür aber besitze ich für Großstädte keine Kraftreserven mehr. Weil ich weiß, dass ich hochsensibel bin, nehme ich das wohlwollend hin und freue mich, dass ich ländlich wohne mit viel Ruhe obendrauf. Allerdings jubeln mein Nahdransohn und seine Freundin ziemlich auffällig, als wir wieder in die Heimat zurückkehren. Sie freuen sich, keine Menschen zu sehen und dafür so viel Natur. Ich frage mich: Sind sie auch hochsensibel oder einfach nur waschechte Landeier?

Ich vertraue meinen Impulsen und fühle es schnell, wenn ich Gefahr laufe, Grenzen zu überschreiten. Ich übe seit Jahren, mich ohne Groll ein wenig zurückzuziehen, sobald ich den Kindern zu nahe komme. Sie müssen gar nichts sagen, ich merke es einfach. Das ist neu. Wir lernen, miteinander „zu schwingen“.

Ich sehe, wie die Kinder ihr Leben leben. Unabhängig, sehr einfühlsam und liebevoll in ihren Partnerschaften. Ich als Mutter werde geliebt, auf einer anderen Ebene, die sich seit einiger Zeit sehr gesund anfühlt. Ich kann meinen Söhnen und „Schwiegertöchtern“ auch etwas geben, und wenn es nur meine Gelassenheit ist, die sich einstellt, wenn ich mich ihnen zuwende. Die Mutterliebe ist sowieso immer da, aber ich kann sie selbst machen lassen, ohne mich anzustrengen. Ich muss sie nicht ständig zeigen, sie wird gespürt. So einfach ist das.

Wir machen das gut, sagt meine Seele.

Es ist gar nicht so leicht, eine unbeschwerte Zeit miteinander zu verbringen. Corona haben wir vielleicht ganz gut verarbeitet, aber Klimawandel und Krieg beschweren doch das Leben. Die jungen Leute sind bedrückt und traurig. Auch sie haben nur noch wenig Kraftreserven. Das merke ich und es tut mir weh. Trotzdem gelingt ein fröhliches Beisammensein. Ich denke, wir können uns gegenseitig stärken, weil wir wissen, wir sind füreinander da.

Mehr geht nicht.

„Wir haben gemeinsame Erinnerungen gesammelt“, sagt mein Nahdransohn auf dem Weg nach Hause. „Und wir haben Hochzeit geplant“, denke ich. Wer Spiele spielen will, fliegt raus, Sketche und Lieder sind nicht erwünscht und Reden am liebsten auch nicht. Geschenke nein, Geld ja. Als Beitrag für die Feier. Die soll schön werden. Mit der Perspektive kann ich mich als Bräutigammutter erst einmal entspannen und mich freuen, dass es uns alle gibt.