Mitternachtsgedanken

verschlungen

Lebenswege treffen sich

verbinden sich

verschlingen sich

brauchen sich

wollen sich

wollen sich nicht

müssen aber

 so ungewiss

es wird nichts ausgesprochen

nur ausgedacht

nur einer weiß

oder auch nicht

und jemand will nichts wissen

nur hoffen

aber auch das nicht offen

und jemand bleibt

bis einer geht

 dann ist es zeit

sich zu lösen

das verschlungene aufzudröseln

zu erkennen

es sind nur gedanken

die giftig sind

es ist möglich

sie aufzulösen

und frei zu sein.

 

 

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Na bitte, geht doch!

Ich habe ein ganz anderes Zeitempfinden als in normalen Zeiten. Die letzten Wochen schienen zeitlos  vorbeigezogen zu sein und oft fiel es uns schwer, den Ablauf der Ereignisse zu rekapitulieren. Heute entdeckte ich mit Erstaunen, dass irgendwann der Herbst Einzug gehalten hat, auch wenn es noch sommerlich warm ist. Und meine Haare kriege ich auch nicht mehr in Form, weil die Frisur irgendwann rausgewachsen ist.

Gestern Abend setzte ich mich an den PC und wollte ein paar Dankesbriefe schreiben. Mein Schreibprogramm unterstrich jedes Wort mit einer roten Schlangenlinie, was es sonst nur tat, wenn die Rechtschreibung nicht korrekt war. Ihr kennt das. Hatte ich jedes Wort falsch geschrieben? Nein, so weit war ich noch nicht neben der Spur.

Ich wurde ganz nervös. Die Korrekturen bei WordPress sind ja manchmal sehr merkwürdig, das kenne ich und stelle mich darauf ein. Aber mein Schreibprogramm? Das war sonst immer, also wirklich immer, sehr zuverlässig.

Gestern nicht mehr. Ich fragte das Internet, was nun zu tun sei und bekam wunderbar schlaue Tipps. Ich versuchte dies und auch das andere. Nichts half. Immer wieder rote Schlangenlinien unter allen Wörtern.

Um 1.45 Uhr versuchte ich ein letztes Mal die Rechtschreibprüfung wieder in Ordnung zu bringen. Dazu sollte ich nur mal eben AppData öffnen. Hatte ich noch nie gehört und es dauerte ewig, bis ich diesen Ordner fand. Fragt mich bitte nicht, wie. Ich weiß es nicht mehr. Mittlerweile war die Zeit auch weiter fortgeschritten, als ich dachte. Nun noch schnell den Ordner Uno packages finden und umbenennen, dann sollte das Problem gelöst sein, hieß es in der Anleitung. Ganz leicht, wenn man ihn findet, diesen Ordner. Was soll ich sagen? Ich habe ihn irgendwann einmal gesehen und schnell umbenannt. Damit ich heute meine Dankesbriefe schreiben kann und ich die Fehler nicht selbst suchen muss. Meine Güte, war ich glücklich. Um 3.12 Uhr ging ich ins Bett. Ich habe nicht erwartet, dass es schon so spät war. Wie gesagt, mein Zeitempfinden…….

Sehr optimistisch gestimmt öffnete ich heute mein Schreibprogramm und wollte loslegen. Keine roten Wellenlinien mehr zu sehen. Prima, Fehler behoben.

Na toll, ich kann jetzt alles falsch schreiben und mein Schreibprogramm zeigt überhaupt keine roten Schlangenlinien mehr. Keine einzige.

Und jetzt?

Und jetzt?

Abschiednehmen ist manchmal furchtbar schwer. Rituale helfen. Wir haben unsere eigenen gefunden, die passen. Unsere Trauerfeier im Ruheforst mitten im Wald war etwas ganz besonderes.

Aber emotional auch sehr anstrengend. Die Erschöpfung ist heute noch zu spüren.

Die schlimmen Wochen sind abgeschlossen. Die Fassungslosigkeit natürlich noch nicht. Ich befinde mich noch in einem Ausnahmezustand. Ich habe den Eindruck, dass ich mich noch durch eine ganze Menge Gefühle „durcharbeiten“ muss, bevor ich meine Traurigkeit richtig zulassen kann. Vor ihr habe ich großen Respekt.

Zum Glück gibt es die Träume.

Ich beginne mich jetzt in meinem Leben wieder zu „verankern“. In schweren Zeiten hilft mir das Fotografieren sehr, mich wieder auf die Füße zu stellen und die schönen Dinge meiner Umgebung wahrzunehmen. Das Schreiben ist auch so ein Anker und darum bin ich froh, den „Regenbogen“ zu haben. Hier begegne ich Euch auf eine Art, die mir guttut.

Mein Frosch Misi und seine kleine Zwetschge erwachen so ganz allmählich aus ihrer Schockstarre und werden sich wohl bald wieder hier äußern können.

Ach Leute, das Leben ist eins der schwersten, hat meine Oma oft gesagt. Stimmt! Aber es gibt ja nur das eine (in dieser Form jedenfalls). Auch das Wissen darum ist für mich beängstigend.

Damit will ich mich heute Vormittag aber nicht weiter beschäftigen. Ich möchte lieber ein wenig für die Zukunft tun und gleich eine Menge Blumenzwiebeln einkaufen.

 

Eine schwere Zeit

Eine schwere Zeit

„Er war doch einer von uns! Das geht doch nicht!“, sagte eine Freundin, als ich ihr erzählte, dass mein geschiedener Mann gestorben ist.

Doch, es geht. Ich wusste, dass jeder jederzeit sterben kann. Doch nun weiß es nur mein Verstand, mein Gefühl glaubt immer noch daran, dass er wiederkommt und sagt, es war nur Spaß und alles ist gut und ob ich noch etwas zu reparieren hätte.

Das wird nicht passieren. Ich weiß, aber mein Herz lässt die Realität nur in kleinen Bruchstücken zu. Die Zeit dehnt sich, Gefühle sind so intensiv wie selten zuvor. Ich halte mich am liebsten im Garten oder in der Natur auf und lasse die Gedanken fließen. Gefühle wechseln und manche will ich überhaupt nicht fühlen. Erinnerungen werden geweckt. Manche will ich am liebsten abweisen, taste mich aber vorsichtig an sie heran. Der Wahrheit ins Gesicht sehen, sie anerkennen und sich mit ihr aussöhnen, das ist jetzt meine Aufgabe.

Bis wir Samstag gemeinsam im Ruheforst um ihn trauern.

Wir lebten fast dreißig Jahre zusammen und ließen uns dann scheiden. Im Moment ist es völlig nebensächlich. In den letzten Jahren fanden wir uns als Familie wieder zusammen, die Kinder, er und ich. Manchmal trafen wir uns auch allein und die alte Vertrautheit war wieder da. Ich vertraute nicht so ganz, aber ich traute mich, ihm zu begegnen. Heute trauere ich um ihn und auch ein bißchen um die Ehe, die es ja schon lange nicht mehr gab, die für mich aber erst jetzt mit einer drückenden Endgültigkeit vorbei ist.

Unsere Kinder trauern und haben doch die Kraft, alles zu regeln, was es zu regeln gibt. Ich habe da nichts mehr zu suchen, ich bin die geschiedene Frau, die zuarbeiten kann, aber ihn nun endlich loslässt, weil sie muss. Die Kinder sind die „direkten Hinterbliebenen“, ich nicht mehr. Der Verstand weiß das genau, das Gefühl aber nicht. Dort sind wir eine Familie geblieben. Es ist wie bei einem Mobile: wenn ein Teil plötzlich fehlt, wirbeln die anderen herum und müssen sich neu aufstellen und einstellen und als System zur Ruhe kommen. Das ist anstrengend. Ich schlafe viel. Nachts kommen Träume und Bilder und manche halten mich dann wach.

Eine einzige Rose blüht im Garten und ich denke mir aus, es sei sein letzter Gruß. Solche Gedanken helfen, auch wenn sie nur Gedanken sind. Das geflügelte Schwein haben wir einmal gemeinsam ausgesucht. Es blieb all die Jahre unser Glückssymbol. Jetzt steht es bei mir und wird mich weiterhin begleiten. Es ist nichts mehr, wie es war, aber das unmögliche Schwein erinnert mich daran: Es wird!

Er hätte gesagt: Feierabend! Aber nur für mich.

 

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Bald!

Bald!

Dänemark, wir kommen!

Bald geht es los!

Fünf Frauen und ein Pudel.

Mitzunehmen sind:

Warme Sachen, Sommersachen, Rotwein, Putzlappen, Bett-  und Badezeug.

Unterwäsche, Jacken, Regenjacken, Regenschirme, Mützen, Sonnenbrillen.

Kleider, Hosen, Röcke.

Handtücher nicht vergessen und Kosmetik.

Schuhe.

Gemüse, Obst und Kartoffeln.

Klopapier.

Handy, Fotoapparat, Laptop und vielleicht ein Buch.

Mal sehen, im letzten Jahr kam ich nicht zum Lesen.

Hundekissen, Hundefutter, Hundeleine, Leckerli.

Zwei Fahrräder und ein Rollstuhl.

?

Jawohl, Rollstuhl.

Für mich.

Meine Knie sind Schrott, Ihr erinnert Euch?

Wenn ich nicht mehr laufen kann, lasse ich mich schieben

und brauche nicht irgendwo zu sitzen und zu warten

auf die vier anderen und den Hund.

Der Hund ist neu, wir anderen waren schon einmal zusammen unterwegs.

Ob sich die Gruppendynamik ändert?

Fünf Frauen zelebrieren Vorfreude.

Was nehmen wir mit?

Was schenken wir der einen zum Geburtstag?

Wie wird das Wetter (gut!!!) und was nehmen wir nochmal mit?

Na, das kann was werden, denn keiner hält sich daran: So wenig Lebensmittel wie möglich. Wir kaufen das dann da!

Berge von Süßigkeiten werden verlocken

und Sodbrennen verursachen.

Prosecco zum Anstoßen und Aufstoßen und Verabschieden.

Spaß werden wir haben und wir freuen uns drauf.

Fünffach ist immer besser als allein.

Der Hund sitzt schon voller Erwartung in seiner Transportbox.

Nein, noch geht es nicht los!

Aber bald!