Gereizt

Schnell, schnell, bevor es zu warm wird, breche ich auf und radele meine große Tour. Zwei Stunden……zwei Fotos:

Nicht gelungen, meint Ihr? Stimmt. Der blöde Vogel ist so nah und wartet auch brav, bis ich meinen Fotoapparat bereit habe und dann grinst er mich an, bevor er sich vom Acker macht. Na, denn nicht. Keine Fotos mehr.😠 Viel zu heiß und zu staubig für schöne Landschaften.

In Lübeln ergießt sich eine Busladung Menschen über den Rundling.😡 Schnell bin ich weg und nicht ganz so schnell wieder im kühlen Zuhause.

Das war heute mein Pflichtprogramm und nicht wirklich…. na ja, immerhin war ich draußen und habe mich bewegt.

Während ich abdampfe, spiele ich mit Bildern, die eigentlich nichtssagend sind. Zum Probieren eignen sie sich trotzdem und Farben verändern alles.

Blume vor dem Küchenfenster wartet auf Regen

So, und jetzt gehe ich duschen, werfe mir ein Kleid über, esse ein Gemüsesüppchen und warte auf den Abend. Auf Regen zu warten ist heute sinnlos. Ich werde ein neues Buch anfangen und vielleicht einige Tipps aufgreifen. Denn ich bin gerade etwas gereizt.😉 Die Hitze….die Hitze. Wohlgemerkt….ich lese diesen Roman. Ich höre ihn nicht. Aber hier gibt es eine Hörprobe, die vielleicht zum Lesen animiert. (https://www.stern.de/kultur/hoerbuchtipps/achtsamkeit–achtsam-morden–ist-der-beste-roman-ueber-die-achtsamkeit-9280594.html)

Nur die Harten bleiben im Garten

Nur die Harten bleiben im Garten

Tagsüber bei über 32 Grad und intensiver Sonneneinstrahlung sowieso. Das halten nur wenige aus. Ich nicht so gut. Auch nicht unterm Sonnenschirm.

Aber nachts im Garten zu schlafen ist super gut! Die Liege benimmt sich wie ein Gästebett und es ist so angenehm kühl, dass ich mir sogar eine Decke hole. Herrlich! Die Sonnenblumen strahlen mich an. Der Mond verscheucht die Dunkelheit und trüben Gedanken, gibt alles, was er kann und ich überlege, ob ich mir mein Buch nicht doch noch holen soll. Ich bin zu faul und schließe lieber die Augen. Herrlich! Wie Urlaub im Irgendwo, dabei bin ich keine 20 Meter von meiner eigenen Toilette entfernt. Die Nachbarn haben ihre Jalousien schon alle geschlossen. Die Lichter sind verlöscht. Ich höre verhaltene Stimmen, Husten und Knarren. Ich mag das. Einsamkeit kommt hier nicht auf.

Schlaf stellt sich nicht ein. Dann kann ich auch gleich noch mal gucken, denke ich und öffne meine Augen. Am nachthellen Himmel zieht eine Sternschnuppe blitzschnell vorüber. Immerhin: eine habe ich gehabt und mein Herzenswunsch bewegt sich viel zu langsam, um sie noch zu erreichen. Das ist aber auch immer ein Elend mit meinen Wünschen ans Universum.

Unser Igel schnauft sich durch den Garten und ich schließe die Augen wieder. Wird Zeit für meinen Schönheitsschlaf. Den habe ich nötig.

Ein ungewohntes Rascheln holt mich aus der einsetzenden Tiefenentspannung. Eine Fledermaus flattert an mir vorbei. Ach du Schreck. Und eine zweite bewegt sich der Mondscheibe entgegen. Nein, so ist es nicht, das ist gelogen. Hätte aber sein können, denn eine zweite ist vorhanden, ehrlich! Mir fällt Dracula ein und ich denke, das fehlte noch. Mögen Vampire auch alte Frauen? Wenn sie nichts anderes kriegen, dann schon. Meine Fantasie geht mit mir durch und spüre fast, wie sich eins von den Viechern in meinen (spärlichen) Haaren verfängt. Das reicht! Ich packe meinen Siebensachen und marschiere in mein Bett.

Heute

Heute

In der Zeitung steht, dass heute die Sonne den ganzen Tag über scheint und ein paar Schleierwolken das schöne Wetter nicht stören. Ich bin anderer Meinung. Ich mag Wolken. Mir ist die Sonne zu viel.

Heiß ist es draußen schon um 9.00 Uhr. Ich stelle einen Sonnenschirm für die Rosen auf. Die Blüten verbrennen sonst. Fünf Sonnenblumen und sie bekommen abends Wasser von mir. Die anderen im Garten müssen sehen, wie sie zurecht kommen.

Die Töpfe und Kästen auf der Terrasse und die, die vor der Haustür stehen, gieße ich jeden Abend. Schließlich sind sie gefangen. Sie blühen üppig und die Insekten wissen, wo sie zu finden sind.

Die Vögel bekommen Wasser und einmal täglich Futter. Ein Spatz informiert die anderen, wenn es soweit ist.

Die Gewässer fallen trocken. Der Badesee ist gesperrt. Unser „tolles“ Ganzjahreshallenbad schließt die nächsten zwei Wochen wegen was weiß ich. Jedes Jahr machen die das im Sommer und in den Ferien. Ich bin sauer. Kein Freibad mehr, kein Badesee in der Nähe, vollmundige Versprechungen kurz vor den Wahlen und später kein Geld für die, die schwimmen, planschen und Pommes im Sommer wollen. Ich lese die Infos und bin ein wenig fassungslos.

+++ INFO +++
Aufgrund der Revision
bleibt das LüBad vom 14.08.2022
bis voraussichtlich den 26.08.2022
geschlossen.

+++ Achtung +++
aufgrund eines Technischen defektes ist das Nichtschwimmerbecken bis auf weiteres Geschlossen!

+++ Achtung +++

Sommerpause Aquafitness und Wassergymnastik

 im Zeitraum vom 30.05.2022 bis 01.09.2022 findet kein Aquafitness und keine Wassergymnastik statt.

Na ja, ich weiß natürlich, dass Personal knapp ist und Energie gespart werden muss. Es gibt kein Grundrecht auf Freizeitvergnügen und Wassersport.

So, genug gemeckert. Ich könnte ja auch weiter entfernte Freibäder mit dem Auto ansteuern und tue das nicht. Bleibe ich also friedlich, dusche kalt und hoffe, dass die Hitze bald vorbei ist.

Sternschnuppen wollte ich gestern gucken, aber der Vollmond schien viel zu hell. Trotzdem war es schön, auf meiner neuen Liege (extra hoch) im Garten zu liegen und die kühle Luft zu genießen. Das nehme ich mir für heute Abend wieder vor. Mücken gibt es hier ja nicht mehr, die mich stören könnten. Nein, das ist eigentlich keine gute Nachricht, ich weiß.

Stimmungstief und Abendstimmung

Mein Eindruck, dass ich nirgends eingebunden bin, dass es niemand wirklich gerne über längere Zeit mit mir aushält und dass meine Lieben besser ohne mich zurecht kommen, ist natürlich nur ein Spiegel meiner Seele.

Oder das Ergebnis eines viel zu langen Alleinlebens, meiner Trägheit, meiner sozialen Phobie, meiner Hochsensibilität, meiner körperlichen und seelischen Befindlichkeit, meiner hohen Ansprüche, meiner Persönlichkeit.

Ich bin traurig.

Und ich weiß, das Stimmungstief ist nur eine Phase. Das geht vorbei. Dann bin ich zwar immer noch allein, aber ich kann wieder besser würdigen, was ich hatte und habe. Zufrieden sein. Und vielleicht bekomme ich Ideen, wie ich mein Leben ein wenig verändern kann. Denn so, wie es ist, kann es nicht endlos weitergehen. Na ja, endlos geht sowieso nichts weiter……

Und weil es tagsüber zu heiß und zu sonnig ist, genieße ich es, abends unterwegs zu sein. Dann passt meine miese Stimmung einfach nicht mehr in die Gesamtsituation meiner Umgebung und es geht mir besser.

Wunschdenken

Sie dachte nach und wollte wissen, wer sie wirklich ist und wie die anderen sie sehen. Und weil beides nicht gelang, gab sie das Vorhaben auf und lebte fröhlich in den Tag hinein. Dort gab es viel zu entdecken. Ihre Selbstbilder fügten sich flexibel ein. „Und die anderen denken sowieso über mich, was sie wollen“, dachte sie und nahm sich vor, die anderen so sein zu lassen, wie sie sind.

Ach, wenn ich selbst doch auch schon so weit wäre!

08.08.2022

08.08.88 war unser Hochzeitstag. Andere Zeiten damals. Kein Hochzeitskleid oder so…..Heirat, weil das zweite Kind unterwegs war und der Vater Rechte haben wollte und sollte. Also im kleinen Kreis mit wenig Aufwand. So war das in meinen Kreisen: Wir machten Hochzeittraditionen nicht mit, aus Protest und überhaupt: wozu überhaupt heiraten? Geht doch auch so, das Zusammenleben, oder? Nun ja. Für uns war dieser Tag besonders, wenn auch keine besonders romantische Angelegenheit. Wir gaben, was wir geben konnten.

Die Ehe ging 24 Jahre später in die Brüche, mein Mann lebt nicht mehr und gerade darum wird der 8. August von mir gewürdigt. Wir haben es versucht.

Das erste Kind bereitet seine Hochzeit vor und die spielt dann doch in einer ganz anderen Liga! Ich staune und freue mich für die beiden.

Der diesjährige Gedenktag beginnt mit einem Eiermond, die Jeetzel hat ein neues Kleid, die Enten freut´s und am Marktbrunnen tut sich was.

Sonntagsglück

Der Himmel bekommt heute die Hauptrolle im Landschaftstheater. Er gibt so viel Sommer, wie er kann und inszeniert ein großes Wolkenballett. Brombeeren reifen, an die besten komme ich nicht heran, aber die, die ich kriegen kann, die guten, ja die schmecken so unbeschreiblich beeraromatisch und hauen mich fast um vor Wonne. Der Wind ist woanders und die Sonne gibt sich milde. Bäche liegen trocken, Herbstfarben dominieren und Häuser gibt es natürlich auch. Der Sommer ist groß, rufen die Spatzen. Den Kühen und Pferden ist das egal. Hauptsache, die Hitze bleibt weg. Darin sind wir uns einig.

Pläne schmieden

Pläne schmieden

Ich bin angetriggert, möchte meine Vorbehalte (Reisen und Klima, Ihr wisst schon) loswerden und wieder in die weite Welt. Im Oktober ans Meer zum Beispiel. Am liebsten verbunden mit einem Seminar oder Workshop oder so. Etwas gemeinsam mit Leuten tun, raus aus der Einsamkeit. Ich stöbere im Internet und bleibe bei Fotokursen auf Rügen hängen. Landschaftsfotografie ist sowieso mein Ding und ich bin ganz aufgeregt. Herrlich! Wunderbar! Das mache ich……nicht. Bis zu drei Stunden zu Fuß unterwegs zu sein, wie angekündigt, werde ich nicht schaffen. Und richtig teuer ist das ganze auch. Und überhaupt……

Unlustig studiere ich das aktuelle Programm für die hiesige Volkshochschule. QiGong, klar, dort bin ich schon angemeldet. Aber beim ersten Lesen gibt es vor Ort nichts anderes für mich, beim zweiten Hinschauen schon. Die Unlust fliegt davon und der Unternehmungsgeist wird hellwach. Was für ein schönes Gefühl ist das denn? An einem Oktoberwochenende wird ein Fotoworkshop „Rundlingsdörfer“ angeboten. Kurzentschlossen melde ich mich an und denke, auch mit Dörfern kann ich lernen. Und weil meine gute Laune gerade ihren Höhepunkt erreicht, buche ich gleich einen Tageskurs „Entdecke deinen Clown“ im November dazu. Witzig sein kann ich. Und ein Clown muss doch auch in einer 70jährigen stecken, oder? Auch oder gerade in diesen beschissenen Zeiten…..Vielleicht finden die Kurse nicht statt, weil sich zu wenige anmelden, das habe ich schon häufig erlebt, aber heute im Hier und Jetzt geht die innere Mutmacherin davon aus, dass alles gut wird und ich das auch kann. Klar kann ich das!

Ich atme durch. Ich komme allmählich wieder auf Touren. Auch wenn es im Herbst keine Reise wird, sondern ein kleines Abenteuer vor Ort, sind doch Höhepunkte gesetzt, auf die ich mich freuen kann.

Und dann guckt ja auch schon die Hochzeit im September um die Ecke. Oh je. Mein innerer Miesmacher arbeitet hart daran, mir die Vorfreude zu verderben. „Das Outfit geht gar nicht“, sagt er. „Du wirst vor Aufregung keine Rede halten können, weil dir die Stimme versagen wird“, grinst er und überhaupt: „Als Bräutigammutter kannst du gar kein gutes Bild abgeben. Du hast ja nicht einmal einen Begleiter!“

„Bleib bloß zu Hause“, jammert der Angsthase und das Selbstbewusstsein hat jede Menge zu tun, die bösen Gesellen in ihre Schranken zu weisen. Natürlich gehe ich hin und natürlich werde ich nicht peinlich sein. Und wenn doch, dann nur ein ganz klein wenig. Eigentlich ist Hochzeitfeiern ja nur ein Gesellschaftsspiel, in dem ich meine Rolle als Mitglied der alten Generation erst finden muss. Das verunsichert mich und zum Glück habe ich noch ein paar Wochen Schonfrist, bevor es ernst wird.

Alles gut also und vielleicht hilft ja auch so ein innerer Clown, heil und fröhlich da durchzukommen.

Ein deutsches Frauenleben

Ein deutsches Frauenleben

Wo kommt denn dieses Buch her, denke ich, als ich in meinen Regalen Lesefutter „für unten“ (Sachbücher lese ich gerne tagsüber unten, während es für das Bett oben lieber Romane sind) suche. Seit wann besitze ich das denn? Und warum hatte ich es noch nicht in meiner Hand? Ist das Zauberei, hat es jemand heimlich in meine Büchersammlung geschmuggelt, ist es pure Vergesslichkeit oder hat der Inhalt einfach noch nicht gepasst? Seltsam.

Neugierig lese ich den Prolog und bin gleich gefangen. Ich will einfach immer weiter lesen. Manchmal brauche ich eine Pause, wenn sich die Schwere zu sehr auf die Seele legt. Dann muss ich Abstand gewinnen und mich auf mich im Hier und Jetzt konzentrieren. Und später denke ich an meine Omas, Großtanten, Tanten, die Männer meiner Familie und vor allen Dingen an meine Eltern. Sie alle lebten in Hamburg und Berlin, könnten wohl aber ähnliche Geschichten erzählen. Ein Thema des Buches ist auch das Sterben der eigenen Eltern und das berührt mich sehr. Ich denke gerade sehr oft an sie und an die Fragen, die ich hätte stellen können. Und daran, dass ich oft nicht richtig zuhörte, wenn sie erzählten. Ich war zu sehr mit meiner eigenen Abgrenzung beschäftigt. Einiges erfuhr ich erst viel später, als sie beide dement waren und es mit den Tabuthemen nicht mehr so ernst nahmen. Aber das ist eigentlich eine andere Geschichte.

Die Autorin ist elf Jahre älter als ich, was in dieser Zeit einen gewaltigen Unterschied macht. Sie ist ein Kriegskind und hat ganz andere Dinge erlebt als ich, das Nachkriegskind.

In diesen Tagen, in denen sich unser Leben im Wohlstand irgendwie aufzulösen scheint, ist es das passende Buch für mich. Also lese ich mich in eine Zeitreise hinein, die mir auch mein eigenes Frausein wieder einmal neu erklärt.

Angela Thomson, Bleib immer neben mir. Ein deutsches Frauenleben, Rowohlt 2005

https://www.deutschlandfunkkultur.de/geschichte-einer-frau-im-20-jahrhundert-100.html