Korn

Korn

Das Korn steht noch. Bis zur Ernte zeigt der Sommer mir noch seine schönste Seite und ich bin in fröhlicher Urlaubslaune. Bei den ersten Stoppelfeldern empfinde ich jedes Jahr eine kleine Wehmut. Aber noch ist es nicht soweit.

Ich wünsche Euch ein schönes Sommerwochenende mit allem Pipapo!

Sichtschutz

Sichtschutz

Warum stelle ich mich so an? Was ist denn schon dabei? Fragen kann ich doch wohl? Ach was, ich brauche gar nicht zu fragen. Bescheid sagen reicht. Ich will ja nichts Schlimmes, nur einen Sichtschutz. Ich möchte meinen Garten etwas privater gestalten und dazu benötige ich einen Sichtschutz, jetzt, wo die Lücken so groß geworden sind, weil die Büsche im letzten Jahr vertrockneten.

Ich will mit meinem Vermieter sprechen und später auch mit den Nachbarn, wenn sie aus dem Urlaub zurück kommen.

Warum gehe ich davon aus, dass alle keinen Sichtschutz wollen? Es kann doch sein, dass es dem Vermieter egal ist und die Nachbarn vielleicht sogar froh sind? Wir könnten ja auch eine kleine Klönlücke lassen.

Warum fühle ich mich wie ein Kind, das unangemessene Wünsche hat? Ich verstehe mich selbst nicht. Ich bin doch schon groß und weiß, was ich will. Ich will einen Sichtschutz. Es wird sich so wunderbar anfühlen, wenn ich einen hätte. Das muss ich gar nicht rechtfertigen. Mit Sichtschutz würde ich mich häufiger im Garten aufhalten. Und viel lieber, wenn nebenan mal wieder das Leben tobt.

Der erste Schritt, mir diesen Wunsch zu erfüllen, ist ein Gespräch mit meinem Vermieter.

Ich mache das! Nachher. Oder morgen. Oder nächste Woche…..

Kann mir jemand eine Tüte Mut ins Wendland schicken?

Irgendwie auch lustig, dass eine gestandene Frau, die die 60 längst überschritten hat, sich mit so blöden, selbst gemachten Problemen herumschlägt, die gar nicht vorhanden sind? Da haben wohl meine längst verstorbenen Eltern noch ihre Hand im Spiel. Sie schimpfen: „Mädchen, sei brav und ärgere deine Mitmenschen nicht mit deinen unverschämten Wünschen.“

Ist doch lächerlich. Ein vernünftiges Gespräch mit meinem netten Vermieter werde ich doch wohl führen können?! Was kann denn schon passieren?

Nachtrag: Habe eben mit ihm gesprochen. Hat gar nicht weh getan. Ich soll Bescheid sagen, wenn der Zaun geliefert wird und er sägt für mich vorher die Büsche ab und überhaupt kann ich machen (lassen), was ich will. Auch Radieschen pflanzen.😂 Und er schneidet mir gleich die Hecke zur Straße. Ich bin eine glückliche Mieterin!

 

 

Text verschwunden

Ich wachte auf und dachte: „Das musst du morgen bloggen.“ Ein schöner Text für angenehme Zeiten lag ausgearbeitet fix und fertig im Gehirn bereit und eine genaue Foto-Vorstellung hatte ich auch im Kopf. „Supertext!“, dachte ich, drehte mich um und schlief bis in den späten Morgen. Kommt selten vor, aber es regnet sowieso.

Jetzt sitze ich hier und kann mich nicht mehr erinnern. Er war irgendetwas mit Corona oder Lockerung oder Leben allgemein. Oder so ähnlich. Aufbruch kam vor und das Foto zeigte eine Blume mit rosa Blüten.

DSC_0002Vielleicht diese. Oder auch eine ganz andere. Ich weiß es nicht mehr.

Schade. Der Text war spitzenmäßig! Nun ist er leider verschwunden.

100

100
Du hast einen 100-tägigen Lauf auf Regenbogen und Freudentränen!
Bevor ich mit meinen ernsthaften Gedanken fortsetze,  gibt es erst einmal eine kleine Belohnung!

Und nun zu meinen Gedanken:

Als ich von der Pandemie der erste Mal etwas hörte und las, nahm ich sie nicht ernst. Sie war weit weg. Ich ließ die Informationen an mir vorbei rauschen und verstand nicht wirklich, worüber berichtet wurde. Ich hatte andere Pläne.

Das erste Mal setzte ich mich hier im Blog am 13. März mit Corona auseinander. Ich erwähnte das Wort schon vorher, nahm es aber immer noch nicht so wichtig, hatte keine  Ahnung und wollte mich auch nicht damit belasten. Mich wird es sowieso nicht betreffen.

Dachte ich.

Ich wusste nicht, dass sich so viel Selbstverständliches von heute auf morgen verändern kann. Das wird Euch ähnlich ergangen sein.

Vor hundert Tagen begann ich dann, mich jeden Tag im Regenbogen zu melden. Und morgen ist damit Schluss. Oder auch nicht. Kann ich heute noch nicht wissen, ob ich nicht doch morgen Lust dazu habe, etwas zu veröffentlichen. Ich mache keine langfristigen Pläne mehr!

Das regelmäßige Bloggen gab mir Struktur. Ich hatte jeden Tag einen Anlass, mir zu überlegen, was mir gerade wichtig war. Ich erfand meine Mutmachbilder, um mir Anker zu setzten in einer Realität, die mir so unwirklich erschien. Das Schreiben gab mir Halt, aber auch das Lesen in Euren Blogs war plötzlich richtig wichtig und hilfreich geworden.

Die ersten Wochen waren die heftigsten. Ich lebe allein, aber von einem Tag auf den anderen war ich es dann auch wirklich. Wobei ich weiß, dass wir alle vor großen Herausforderungen standen und meine waren noch nicht die größten. Trotzdem: Allein allein zu sein ist nicht immer einfach gewesen. Mir half das Schreiben, Fotografieren, Lesen und natürlich ganz besonders das Telefonieren mit meinen Lieben, entfernten Bekannten und früheren Freunden. Meine Söhne meldeten sich wöchentlich. Regelmäßigkeit war von großer Bedeutung. Ich konnte mich darauf verlassen. Das stärkte mein Zugehörigkeitsgefühl wieder, welches allmählich zu verschwinden drohte.

Mehr als hundert Tage ohne jegliche Berührung und mit Abstand sind vergangen. Doch ja, ich habe mich daran gewöhnt, aber Berührungen und Nähe fehlen mir schon sehr. Manchmal denke ich sie mir aus, das soll helfen. Aber wirklich schön ist es nicht.

Und dann der Gesichts -Nasen -Schutz! Ist Routine geworden, aber immer noch lästig. Zum Glück wohne ich ländlich und brauche ihn nur zum Einkaufen. Wisst Ihr noch, wie plötzlich das Hamstern anfing?  Ist noch gar nicht so lange her.

Die Pandemie verlief für mich glimpflich. Meine Lieben sind alle gesund und weiterhin in ihren Berufen tätig. Ich durfte jederzeit an die frische Luft. Ich kann mit der Corona-Realität hier ganz gut umgehen und verschiebe meine Reisen und sonstigen Vorhaben auf später. Ist nicht so schlimm.

Jetzt sind wir mitten im Ausstieg und der fällt mir fast genauso schwer, wie der Lockdown. Staunend sehe ich den Menschen zu, die sich ganz locker ohne Abstand treffen und Vergnügen haben, sich mitten im Pulk aufzuhalten. Das gelingt mir nicht. So, wie ich schon eine Woche vor den allgemeinen Verfügungen mit meinem privaten Lockdown begonnen hatte, steige ich auch im eigenen Tempo wieder aus. Ist nicht so einfach! Den Ausstieg hatte ich mir übrigens ganz anders vorgestellt. Das liegt daran, dass ich hoffte, dass der Virus eines Tages eben verschwindet und weg ist. Ganz schön naiv. Der Gedanke daran, mit dem Virus zu leben und sich auf ihn einzustellen, nimmt allmählich Formen an.

Die Welt hat sich verändert. Vieles, was ich in den Nachrichten und Berichten sehe, ist beängstigend, einiges ist skurril, völlig absurd und das meiste war für mich vor einem halben Jahr noch völlig undenkbar. Ich selbst verändere mich und zwar ziemlich schnell. Vielleicht verändert sich auch im großen Ganzen etwas zum Positiven. Wer weiß, wohin uns die nächste Zeit führt.

Aufregende Wochen liegen hinter mir, einige meiner Gedanken und Gefühle kann ich in meinen letzten hundert Beiträgen noch einmal nachvollziehen. Vielleicht gestalte ich ein Buch: Meine ersten 100 Tage in der neuen Wirklichkeit. Oder so ähnlich.

Ein Corona-Ausstiegstagebuch in hundert Beiträgen ohne Unterbrechung wird es nicht geben. Ich werde locker……und in einer Woche 68!

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Luxus

Was habe ich es schön! Wenn ich morgens mein Schlafzimmerfenster öffne, sehe ich als erstes meine Terrasse. In diesem Jahr liebe ich sie mehr und ganz besonders. Mein kleines Paradies, mein Lese-und Besuchszimmer. Manchmal lege ich Auflagen und Kissen auf die Bänke, nehme den Garteneimer weg und lasse meinen Besuch dort sitzen, so lange er will. Draußen ist nicht so gefährlich wie drinnen. Dass ich so etwas einmal denken werde, wenn geliebte Menschen bei mir sind, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Ihr kennt das, oder?

Hier zu sitzen ist schön. Meine Gartenvögel kennen mich und manche leisten mir Gesellschaft. Besonders die Amseln sind so zahm, dass ich manchmal denke, sie springen mir eines Tages auf den Schoß. Von der kleinen braunen Ratte, die eines Tages die Terrasse querte, während ich meinen Salat löffelte, will ich lieber nichts erzählen. Ich gab blitzschnell das Vogelfüttern  auf und seitdem wurde auch kein vierbeiniges, langschwänziges Getier mehr gesichtet.

Also, ich halte mich zu und zu gerne hier auf. Jedenfalls bis mittags. Mittags  knallt die Sonne und auch die Sonnenschirme verhindern es nicht, dass mein Wohlfühlort Backofenqualitäten entwickelt. Dann suche ich mir ein schattiges Plätzchen im winzigen Garten. Einen Campingstuhl kann ich dort immer noch unterbringen. Sogar zwei plus Campingtisch, falls Besuch da ist. Selten der Fall, aber möglich.

Im Moment ziehe ich mich allerdings mittags ins Haus zurück, ziehe die Jalousien runter und verharre in Sommerhitzestarre. Lesen geht gerade noch. Und ein Schläfchen ist dann auch erlaubt. Alles über 24 Grad ist mir zu viel. 33 Grad ist indiskutabel! Also wirklich!

Doch ja, ich lebe ein gutes Leben. Sogar bei Hitze. Ich war die meiste Zeit meines Lebens berufstätig, meist mit reduzierter Stundenzahl, aber meine Bilanz sieht trotzdem prima aus. Meine Eltern haben darauf gedrungen, dass ich studiere, obwohl ich das gar nicht wollte, als brave Tochter aber dann doch tat. Und weil ich darauf verzichte, mich im geliebten Nordfriesland niederzulassen, weil ich hier bleibe, wo es ja auch schön ist, nur eben ohne Meer, dafür aber die Mieten gut bezahlbar sind, habe ich ein absolutes Luxusleben.

Es gibt Menschen, die mir das nicht glauben. Sie denken, das kann nicht sein, dass jemand mit so alten Möbeln und schiefen Sitzgelegenheiten aus Plastik auf der Terrasse und dem Auto ohne jeglichen Komfort und mit ohne echten Schmuck und Handtaschen ein Luxusleben führt. Von denen lasse ich mich nicht mehr beirren. Ich genieße meinen ganz individuellen Luxus. Und ich bin dankbar, dass ich noch klar denken kann. Dass meine Augen noch fast alles mitmachen auch mit künstlichen Linsen beidseitig und Hornhautverkrümmung rechts. Meine Polyarthrose ist beschwerlich, aber ich kann mit ihr noch ganz gut und selbständig leben. Altwerden ist eben kein Kindergeburtstag!

Ich mache es mir schön. Ganz alleine für mich. Wenn es dunkel wird und auf meiner Terrasse die bunte Solar-Lichterkette anspringt, wird es sogar richtig romantisch. Ich sitze dann manchmal draußen und die Mondsichel leistet mir Gesellschaft. Gestern zischte eine zauberhaft langlebige Sternschnuppe quer durch mein Sichtfeld. In solchen Momenten stelle ich fest, Romantik geht auch alleine. Ist anders schön.

Und jetzt gehe ich mit meinem Buch nach draußen, denn noch ist es relativ kühl auf meiner Terrasse.

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Große kleine Welt

Große kleine Welt

Wie klein die Welt für mich doch geworden ist. Ich komme nicht mehr herum und treffe wenige Menschen. Keine Termine, keine Erwerbstätigkeit, keine Reisen, aber viel FastNichts. Die Zeit fühlt sich anders an als vor ein paar Monaten, irgendwie verdichtet und doch zieht sie sich.

Und draußen überschlagen sich die Ereignisse.

Aber eben nicht bei mir. Hier herrscht reger Stillstand. Nachrichtenwert: Null. Ich könnte von meiner Wäsche erzählen, die auf der Leine im Freien trocknet, oder vom Auto mit den neuen Felgen. Oder vom Badezimmer, das gleich geputzt werden wird. Ich könnte erzählen von meinen täglichen Radtouren. Oder vom neuen Leseplatz hinten im Garten, weil die Terrasse im Juni zum Backofen mutiert, wenn die Sonne scheint.

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Ich könnte erzählen von seltenen Besuchen und vom ewigen Vorsatz, etwas Bauchumfang zu verlieren. Meine Biokiste wäre ein Thema und mein nicht vorhandener Sport. Von meinen Gebrechen könnte ich erzählen und es kommen immer neue dazu. Aber wen interessiert das denn wirklich, ob bei mir ein Sack Kartoffeln umfällt oder ob ich gar keinen habe?

Meine Gedanken hingegen arbeiten fleißig und scheinen sich immer mehr auszuweiten. Ich habe den Eindruck, sie verankern mich im Leben, auch wenn ich gerade nicht so viel erlebe. Und doch fühlt es sich so an, als ob ich in den letzten Monaten mehr durchmachte als üblich. Ja, was denn nun? Beides. Rein physisch trete ich ziemlich auf der Stelle, die Psyche macht hingegen richtig viel durch, ist lebendig bei der Sache und schenkt mir die Abwechslung, die ich mir sonst im Außen verschaffte. Und sie macht es sehr gut, finde ich.

Ich dachte heute morgen schon schlaue Gedanken. Ich dachte, dass jeder Mensch einen Geburtstag hat und irgendwann auch einen Todestag. Weil gestern mein geschiedener Mann Geburtstag hatte und eben auch sein Todestag naht. Ich philosophierte über den Lauf des Lebens. Und dachte darüber nach, was bleibt.

Und bevor ich jetzt anfange, mich über dieses Thema hier lang und breit auszulassen, berichte ich lieber kurz über die geplante Familienaufstellungs- Jahresgruppe! Das ist dann doch etwas Handfestes, vielleicht ohne wirklichen Nachrichtenwert, aber immerhin etwas, zu dem ich mich physisch hinbewegen werde. Im Juli wird es wahrscheinlich ein Treffen geben. Mit der halben Gruppe und das auch nur für einen Tag. Mit Abstand, viel Luft und häufiges Lüften und es wird ganz anders sein als sonst. Darauf freue ich mich. Es wird sich fremd anfühlen, nach so langer Zeit mit so vielen Menschen, die nicht zum Familien-und Freundeskreis gehören, zusammen zu sein. Obwohl mir ein wenig flau ist bei diesem Gedanken, werde ich  teilnehmen und mich vermutlich trotzdem sicher fühlen. Es kommt eine spannende gemeinsame Gedanken-und Gefühlsarbeit auf uns zu und dafür brauche ich mich nur zwei Kilometer weit weg zu bewegen.

Doch ja, meine kleine große Welt fühlt sich gerade richtig gut an.

 

 

 

Welt retten

Welt retten

Was soll ich dazu sagen, wenn zwischen Bevölkerung und Arbeitnehmern unterschieden wird, um die Fallzahlen herunterzurechnen? Wieso ist es möglich, unmenschliche Arbeitsverhältnisse über Jahre zu kennen und zu tolerieren? Wieso ist es normal, die Armut anderer Nationen auszunutzen und billig produzieren zu lassen? Warum bleiben wir am Überkonsum hängen, obwohl wir genau wissen, wozu das führt?

Ja gut, das sind keine neuen Fragen und ich bin ja nicht dumm. Ich diskutiere darüber schon seit Studententagen. Damals, vor etwa hundert Jahren, schlugen wir uns die Nächte um die Ohren, um uns gegenseitig unsere Meinungen zu bestätigen. Andere Gesprächspartner kamen nicht infrage, denn wir waren die Guten und wollten unter uns bleiben. Wir wollten die Welt retten und waren fest davon überzeugt, dass es gelingen würde. Heute diskutiere ich immer noch gerne, bevorzugt mit Menschen, die sowieso schon meiner Meinung sind. Andere leben anders und finden sich in meinen Welten so wenig zurecht, wie ich in ihren.

Ich lebe ganz bequem so, wie ich lebe und will das auch fortsetzen. Nur Corona macht mir gerade einen Strich durch die Rechnung. Althergedachtes funktioniert nicht mehr so gut. Ich will weiterhin mein Leben genießen. Ich will das beste aus meiner Situation machen. Ich will flexibel bleiben. Und ich will ……Ja, was eigentlich? Politisch aktiv werden und handeln statt zu diskutieren? Nein, das führt jetzt in eine anstrengende Richtung.

Ich will mich lieber mit meinen Gewohnheiten und Denkmustern auseinanderzusetzen. Damit habe ich genug zu tun. Vielleicht bewirke ich damit etwas im Kleinen. Vielleicht verändere ich mich, weil ich einigen Denkfallen auf die Schliche komme.

Werte ich hin und wieder Menschen in meinen Gedanken und Taten ab? Ja.

Will ich das ändern? Ja. Ich erkenne diese schädlichen Gedanken heute viel schneller als noch vor einigen Monaten. Ich stelle sie ab und siehe da, mein Blick weitet sich. Ich nehme wahr, wie unfreundlich ich häufig über mich selbst denke. Diese blöde Selbstabwertung ist viel schwerer abzustellen, aber ich bleibe dran.

Passend dazu lese ich zum dritten Mal den Roman Ausnahme von Christian Jungersen. Die Geschichte regt mich auf. Sie macht mich wütend und traurig. Ich bin sauer darüber, dass die Protagonistinnen immer wieder den selben Mist anstellen. Als ob sich ein Roman verändern könnte, nur weil ich ihn mit anderen Augen lese.

Nein, ein Roman wird sich nicht verändern, wenn er nicht umgeschrieben wird. Mit den schädlichen Gedanken verhält es sich wohl ähnlich. Sie verändern sich nicht, wenn ich nicht daran arbeite. Die Welt werde ich damit nicht retten, aber vielleicht ändert sich mein Umgang mit mir. Und vielleicht hat das positive Auswirkungen auf meine unmittelbare Umwelt.

Das kann ich immerhin tun.