Gute Aussichten: 4

Zeilenende startete ein neues Fotoprojekt: Ein Jahr lang begleitet er ein Motiv mit der Kamera und an jedem letzten Sonntag im Monat gibt es ein Bild davon auf dem Blog. Ich mache das auch! Wer sonst noch mitmacht, findest Du  hier

Sonntag, 28. Mai 2017, 9.30 Uhr

Heute um halb zehn war es noch wunderbar schattig auf meiner liebsten Terrasse. Ganz gemütlich konnte ich es mir bequem machen und den Spargel putzen. Jetzt ist es zu warm, über 30 Grad und ich habe mich brummend nach drinnen verzogen.

Der Flieder ist fertig, die meisten Blüten waren sowieso erfroren. Dafür blüht jetzt der Sanddorn besonders schön. Prima, dann gibt es im Herbst ein wunderschönes Foto an dieser Stelle mit vielen roten Beeren.

Bis dann im Dezember die Vögel meinen Natur-Gartenschmuck auffressen ohne zu fragen. Bisher konnten sie nicht mal bis Weihnachten damit warten.

Aber jetzt ist es noch Frühling. Die Sommerblumen sind gepflanzt. Es herrscht ein reges Treiben auf der Terrasse. Allerhand Getier treibt sich herum und hat furchtbar viel zu tun. Dazu zwitschern die Vögel, Kuckucke rufen sich unermüdlich und ab und zu quert ein Storch meinen Garten. So lässt es sich leben!

Gestern Abend legte ich mich auf die Bank,  dachte so vor mich hin, hörte dem Gezwitscher zu, las in einem Buch und erholte mich vom heißen Tag. Ups…ich hatte ganz vergessen rein zu gehen und den Fernseher anzumachen!

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So sah es am 30. April hier aus:

Heute lese ich…….

Zur Zeit habe ich wenig Lust über die Bücher zu schreiben, die ich gerade lese. Es ist ziemlich zeitintensiv und gerade jetzt, wo es draußen so schön ist, habe ich manchmal überhaupt keine Zeit, am PC zu sitzen. Dann lese ich zum Beispiel viel  lieber auf der Terrasse und mag mir keine Gedanken darüber machen, was ich wohl darüber schreiben könnte.

Nein, mit ohne Lust will ich im Blog nichts schreiben. Ich werde zukünftig  nicht alle meine Bücher vorstellen, die ich gerade lese. Ich werde es nur noch tun, wenn mich ein Buch so stark beeindruckt, dass ich darüber schreiben möchte.

Jetzt habe ich so einen Roman gerade fertig gelesen. Seufzend legte ich ihn nach der letzten Seite aus der Hand. Ich wünschte mir noch zwanzig Fortsetzungen davon. Es geht um:

Ulla-Lena Lundberg, EIS, Finnland 2012

„Von Inseln im Eis, einer jungen Familie und der Kraft uralter Traditionen.

Eine kleine Inselgruppe abseits der Schiffsrouten zwischen Finnland und Schweden: Dorthin zieht Mitte der 1940er-Jahre der Pastor Kummel mit seiner Familie. Mit der Ankunft der jungen, modernen Menschen geht ein Ruck durch die Gemeinde, andererseits erliegen auch Petter, seine Frau Mona und ihre kleine Tochter Sanna dem rauhen Charme der Landschaft und ihrer Bewohner. Doch die Idylle trügt. Auf dem Meer und dem Eis, das im Winter die Kirchinsel mit den Höfen verbindet, herrschen unsichtbare, uralte Mächte, für deren Warnungen die Zugezogenen keinen Sinn zu haben scheinen.

Meisterhaft erzählt Ulla-Lena Lundberg vom Zusammenhalt einer kleinen Inselgemeinschaft, von Versuchungen und schwelenden Konflikten und vom Glück, das im Familienleben und in den Dingen des Alltags liegen kann. Wie spektakulär dieses Glück in Wirklichkeit sein kann, erweist sich am Ende erst durch seine Zerbrechlichkeit. Für „Eis“ wurde Ulla-Lena Lundberg mit dem Finlandia-Preis ausgezeichnet, Finnlands wichtigstem Literaturpreis.

„Eis“ ist der erste Roman der Autorin, der auf Deutsch erscheint.

Dieser Roman beschäftigte mich auch dann, wenn ich gerade nicht darin las. Wie anders waren doch anderthalb Jahre nach Kriegsende die Lebensumstände in einer einsamen Gegend. Die Natur spielte eine ganz andere Rolle, die Menschen waren ihr viel mehr verbunden und ausgeliefert.

Die Geschichte rührte und berührte mich sehr, manchmal verdrückte ich sogar ein paar kleine Tränchen. Und einmal musste ich das Buch zur Seite legen, eine Pause machen und mich erst wieder fassen, um weiterlesen zu können. Ich erinnere  mich nicht, dass mir das beim Lesen schon einmal passiert ist. Vielleicht bin ich gerade so dünnhäutig, aber vielleicht liegt es an der Erzählkunst, die mich so sehr in die Geschichte holte.

Ich zitiere einen kurzen Ausschnitt. So könnt Ihr am besten einen kleinen Eindruck bekommen. Vielleicht gehört der Roman bald auch zu Eurer Sommerlektüre……….

Die Familie Kummel ist nach einer anstrengenden Reise gerade in ihrem neuen Heim angekommen:

“ Zum Ausruhen bleibt keine Zeit, denn wie soll man alles auf die Reihe bekommen? Als erstes müssen sie zusehen, Sanna, die in ihrem feinen Mantel auf dem Fußboden eingeschlafen ist, ins Bett zu bekommen. Also müssen zuerst die Rollen mit dem Bettzeug hereingeholt, die Decke und die Kindermatratze am Kachelofen angewärmt werden, bevor sie das Kinderbett machen und die Kleine hineinlegen können. Und wenn sie schon einmal dabei sind, können sie auch gleich die anderen Betten hereinschaffen und das Bettzeug auspacken, dann ist auch das erledigt. Da jetzt alles so einladend ausgebreitet ist, könnten sie eigentlich selbst ein kurzes Nickerchen halten, denn es ist schließlich erst acht, und der ganze Tag liegt noch vor ihnen. Aus der Überlegung heraus, dass sie in letzter Zeit zu viel geschuftet und viel zu wenig geschlafen haben, ist es die Frau, die den klugen Vorschlag macht, aber der Pfarrer ist viel zu aufgedreht, er sagt, er habe jetzt keine Ruhe, es gäbe so viel zu sehen und zu tun. „Verschnaufen kann man im Grab“, vertröstet er. „Das sollte ein Geistlicher aber nicht sagen“, antwortet ihm eine belustigte Stimme. „Aber es heißt ja, da ruhe man in Frieden.“

Das ist Brage Söderberg von der Küstenwache, der nach den hiesigen Gepflogenheiten einfach ins Haus getreten ist, zumal die Tür offen stand. Damit beweist er umgehend die Hypothese, die Mona in den folgenden Jahren bitter und triumphierend zugleich ein ums andere Mal wiederholen wird: Wenn man sich einmal im Leben für ein halbes Minütchen hinlegen will, kommt natürlich jemand.

Und unleugbar ist Brage gekommen, wohlwollend lächelnd, eine für die Pfarrersleute unwiderstehliche Freundlichkeit und gute Laune ausstrahlend. Ungeniert steht er mitten im Umzugsdurcheinander und grinst, und der Pfarrer gibt rasch zurück: „Zum Glück kenne ich mich da aus.“ ………Brage begrüßt beide herzlich und heißt sie willkommen und erklärt, er habe sein Küstenwachboot unten am Steg, und falls sie vorhätten, den Kaufladen aufzusuchen, weil sie am ersten Tag sicher viele Dinge benötigten, dann würde es gut passen, wenn sie gleich mit ihm kämen, denn er wollte selbst dorthin, um für die Station zu bunkern.

„Danke“, antwortete der Pfarrer. „Das Angebot kommt uns sehr gelegen, aber dürfen wir Ihnen wirklich solche Umstände machen?“ „Keine Umstände“, antwortet der Mann von der Küstenwache. „Man muss gucken, wie man zurechtkommt, wenn man auf einer Insel lebt.“ In den Ohren der Pfarrersleute klingt es wie eine wunderbare und ganz und gar originelle Feststellung, bis sie im Laufe der Zeit merken, dass sie am Ort zum Standardrepertoire gehört. Mit ihr drückt man die Selbstverständlichkeit nachbarschaftlicher Hilfe aus und auch eine Unzahl eigenmächtiger Handlungen und kreativer Lösungen, die sich nicht immer an Grenzen der staatlichen Rechtsprechung halten………

Durch die Pfarrersfrau aber geht ein Ruck, sie fliegt auf und läuft und holt ein Blatt Papier aus einer Tasche, zieht einen Stift aus der anderen. An der Anrichte stehend, schreibt sie hektisch, tritt von einem Fuß auf den anderen und ruft entschuldigend: „Nur eine halbe Minute noch!“ Brage Söderberg sieht verwundert drein, dem Pfarrer schwant, dass man es hier sonst vielleicht nicht so furchtbar eilig hat. Doch darüber kann seine Frau jetzt nicht nachdenken, die Eile, die sie bei dem Beamten von der Küstenwache  voraussetzt, bringt die beiden Männer auf Trab, und sie selbst läuft nebenher und schärft ihrem Mann ein, woran er denken, wonach er fragen, was er kaufen und bestellen soll. Sicher habe sie noch vieles vergessen, ruft sie und wedelt mit der Liste, er solle den eigenen Verstand gebrauchen und selbst mitdenken. Jetzt sollen sie voranmachen, los, los! Ob sie auch die Marken hätten? Gütiger Himmel, nein! „Entschuldige, ich lauf schon.“

Sie läuft los, und sie läuft schnell. Puh! Brage Söderberg steht noch nicht auf so vertrautem Fuß mit ihnen, dass er einen Kommentar dazu abgibt, doch der Pfarrer erklärt leicht verlegen, dass sie in Eile sei, weil sie seine Arbeitszeit in Anspruch nähmen. Sie werde schon ruhiger, wenn sie sich ein wenig eingerichtet hätten……..Da ist sie schon wieder zurück, mit geröteten Wangen und ein wenig aus der Puste. Sie reicht ihm nicht nur die Bezugsmarken, sondern, triumphierend, auch sein Portemonnaie, das auf dem Küchentisch gelegen hat. In dem ganzen Durcheinander! Musste er es denn jedes Mal gleich irgendwohin legen, sobald er ins Haus kam? Warum konnte es nicht einfach in der Rocktasche bleiben, so dünn und mager, wie es ist? Wie dem auch sei, jedenfalls braucht er dank ihres raschen Handelns und ihrer Aufmerksamkeit nicht schon am ersten Tag im Kaufladen um Kredit nachzusuchen und ihnen Schande zu machen.“ (Seite 17-20)

Es beteiligen sich bei „Heute lese ich …“ auch:

   (als Erfinderin)
Michaela von Buecherlogie

und Mein Name sei Mama

und Veronika von vrojongliert
und Tarlucy

Suchdienst

Misi und Frau Holle haben sich vor ein paar Tagen von  Frau Vro  verabschiedet. Eigentlich müssten sie schon längst wieder hier sein. Sind sie aber nicht! Morgen muss Misi wieder zum Gartentor, sein Urlaub ist zu Ende. Ich bin ganz unruhig. ich kann nichts tun, habe keine Ahnung, wo sie stecken könnten.

Hiermit starte ich die weltgrößte Internetsuche:

Habt Ihr die beiden vielleicht gesehen? Wisst Ihr mehr als ich?

Misi sieht so aus:

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Von Frau Holle habe ich leider kein Foto. Sie hat sich aber einmal selbst gemalt.

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MISI! FRAU HOLLE! Wo seid Ihr? Bitte meldet Euch!

Maiwetter

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Kein friedlicher Mond, sondern Blitz hinter Wolken!

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Gestern, 21.43 Uhr: Ein kleiner Versuch, das Wetter mit Blitz, Donner und Sturzregen festzuhalten, was ohne Stativ gar nicht so einfach war.  Zum Glück ist es heute nicht mehr so schwül. Ich atme auf…….

Resümee

Resümee

Henne Strand ist ein zauberhaftes Fleckchen Erde. Ich bin so begeistert von der Natur und dem Ferienhaus mit genug Platz für alle.

Es war schön, eine Woche lang in einer Gruppe zu sein. Wir kannten uns wenig bis gar nicht, trotzdem verstanden wir uns von Anfang an ausnehmend gut. Gemeinsam brachten wir es auf etwa 314 Jahre gelebtes Leben. Wenn Ihr wissen wollt, wie es war:   Zeit mit einer Freundin  mal vier plus fünf Tage mal neu Kennenlernen plus neun Flaschen Wein und lecker Essen plus Natur am Meer.

Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Was ich nicht geschafft habe: lesen

Was ich übte: ich konnte zu Fuß manchmal nicht mithalten, einmal musste ich mich setzen und auf die anderen warten. Das war gar nicht so schlimm, denn sie kamen ja  wieder zurück. Trotzdem…..IMG_0340Ich lernte zu akzeptieren, dass mein Kartoffelsalat allen schmeckte; ich übte mich darin, mich ab und zu in ein positives Licht zu rücken und Einladungen anzunehmen.

Was ich genoss: Gemeinsamkeit, Einsamkeit, Radfahren, Solidarität, fotografieren, regelmäßige Mahlzeiten, lustige und traurige Lebensgeschichten hören und erzählen, Erfahrungsaustausch in vielen Bereichen, sich treiben lassen, unser Lachen, nicht selbst mit dem Auto fahren zu müssen, dänische Süßigkeiten,IMG-20170511-WA0002 zusammen einkaufen,IMG_0392 Füße ins Meer steckenIMG-20170510-WA0005 und Sonnenuntergänge.IMG_0424

Was ich mitbrachte: Steine, Muscheln, Fotos, vertiefte Kenntnisse über die Smartphone-Nutzung, eine neue WhatsAppgruppe, einen dänischen Käseschneider und zwei Tonpilze.

Was ich gelernt habe: ich bin kompatibel, ich „kann Gruppe“, wenn ich mir meine Auszeiten nehme.

Wir haben alle unsere Ferien genossen. Jede war zufrieden. Im nächsten Jahr wollen wir wieder etwas gemeinsam unternehmen. Besser kann es doch gar nicht laufen.

Gestern erreichte uns eine Mail des Vermieters:

 Hallo, ich hoffe das Sie gut nach Hause gekommen sind 😉 Nach Ihrer Abreise haben wir festgestellt, das der Fussboden in der Stube total zerstört ist. Sie müssen damit rechnen, das wir Sie einen Rechnung über die Reparatur des Bodens schicken.

Wir waren das nicht! Mir ist gar nicht aufgefallen, dass mit dem Fußboden etwas nicht stimmte. Wahrscheinlich verdeckte ein Stuhl die Stelle. Zum Glück hat eine von uns gleich nach der Ankunft Fotos gemacht. Mit Datum und Uhrzeit und auf einem Foto ist ein Schaden zu erkennen. Er war also schon vorher da. Drückt uns die Daumen, dass wir nicht auf den Kosten kleben bleiben.

Misi nimmt Abschied.

Na, dann bin ich ja mal gespannt, wann Frau Holle und Misi hier aufschlagen. Ob die mir wohl einen Rest vom Jägermeister übriglassen?

vro jongliert

Gruppenbild mit misi

Nach der abenteuerlichen Männerparty von Schweinehund, Lebens-Ernst und dem unerschrockenen Froschmann Misi müssen wir uns alle erst einmal erholen. Frau Holle und Misi hatten ein langes Gespräch über Störche aus Holz und jene, die nicht ganz so harmlos sind. Ich hatte ein ernstes Gespräche mit dem Schweinehund, dass die Konfrontation mit Holzstörchen nicht unbedingt die geeignete Methode ist, um Panikattacken zu bekämpfen. Auch zum Thema Autostoppen und den Konsum von Alkohol musste ich ihn ins Gebet nehmen. Er hat sich durchaus zerknirscht gezeigt, aber leid hat es ihm trotzdem nicht getan. Misi muss ein schreckliches Bild von den wilden Bergvölkern in Österreich bekommen.

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Frau Holle hat mich diesbezüglich beruhigt. Heinzelfrau Rosalind verbringt den Nachmittag mit Frau Holle im Garten. Sie zeigt ihr alles und danach sitzen sie Kaffee trinkend auf dem Gartensofa. Die Muse kümmert sich um den noch etwas müden Misi gekümmert. Und auch der Lebens-Ernst gesellt sich dazu. Er ist schließlich doch ein wenig…

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