Radikal

Emotional radikal

wird Toleranz und Demokratie gefordert

scharf ist der Ton

die Rechtsradikalen werden

als Demokraten anerkannt

und gefeiert

weil sie angeblich

unsere Freiheit verteidigen

und in Wirklichkeit

doch etwas ganz anderes wollen

wir werden sie jagen

hat einer gesagt

und wird jetzt erst genommen.

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Das Schlimmste ist

sie glauben an ihre Erzählungen

so sehr, dass viele verzweifelt sind

weil sie sich im Dritten Reich wähnen

aus ihrer Sicht

spricht alles dafür

für mich ist das unerträglich.

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Respekt ging verloren

und Anerkennung der Menschen

die bis zur Erschöpfung

sich der Pandemie entgegen stemmen

und in ihren Berufen arbeiten

vielleicht sogar Menschenleben retten

oder die Krankheit

erträglich machen.

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Respekt ging verloren

vor unserer Demokratie

und den Politikern

die von uns gewählt wurden

die meisten arbeiten hart

man sieht es ihnen an.

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Und die, die schwer erkranken

und die, die gestorben sind

werden vergessen in der hitzigen Debatte

die mir zu schaffen macht.

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Ja, auch ich verstehe

so manche Verordnung nicht

und ich weiß, wir leiden an ihnen

und wir werden später vieles aufarbeiten müssen

besonders die Kinder und die jungen Leute

die sich unbeschwert bewegen

und gemeinsam tanzen wollen

viele kommen in finanzielle Nöte

und haben Angst um ihre Existenz

und mir geht es auch nicht immer gut

so allein

aber ich trage Verantwortung

für die anderen und mich

mit meinem Handeln

und darum ist es gut zu ertragen

was notwendig ist.

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Und ist es nicht so

dass die, die sich so aufregen

über unser System

das soziale Netz selbstverständlich

in Anspruch nehmen

sobald sie es brauchen

und intensiv behandelt werden wollen

falls sie erkranken

und gar nicht zu schätzen wissen

wie gut wir es noch haben?

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Ich schaffe das sowieso!

Ich schaffe das sowieso!

Ich war einmal eine berufstätige Frau mit Abitur und Staatsexamen und habe mehrere Weiterbildungen erfolgreich absolviert. Ich zog meine Kinder groß (über 1,85!), so dass sie heutzutage wohlwollend auf mich herabblicken. Beide stehen fest im Leben und in liebevollen Beziehungen. Und jetzt bin ich im Ruhestand. Unruhe hatte ich genug im Leben. Ich lebe also im Einklang mit mir und meinen Sachen.

Wenn nur diese dämliche Technik nicht wäre. Die bringt mich ab und zu aus dem mühsam erworbenen Gleichgewicht.😫 Vielleicht erinnert Ihr Euch: ich musste einmal einen neuen Router anschließen, meinen neuen PC in den Griff kriegen, meinen neuen Schreibtischstuhl aufbauen (trägt mich immer noch!), meinen neuen Rasenmäher montieren, meinen neue DVD-Player anschließen und einstellen, meinen neuen Fahrradträger nach einem Jahr Wartezeit nutzen (Fahrrad ist nicht abgefallen!) und zuletzt habe ich mir blitzschnell einen neuen Fernseher besorgt.

Und im Dezember muss mein Auto zum TÜV. Obwohl ich das schon einige Male durch und auch geschafft habe, ereilt mich doch gerade wieder eine innere Unruhe. Mein Auto muss durch den TÜV! Ich atme tief ein und aus. Ehrlich gesagt, ist es doch ein ziemliches Steh-Auto. Muss aber trotzdem zum TÜV. Im Dezember. Also bald.

Ich will es in der Werkstatt meines Vertrauens anmelden. Vielleicht erinnert Ihr Euch an mein Felgen-Drama. Das war auch so ein schwer zu bewältigendes Ding, bis ich eben diese Werkstatt mit den überaus freundlichen Mitarbeitern fand, die zudem fußläufig auch mit Kniebeschwerden gut zu erreichen ist. Und Ihr würdet Euch köstlich amüsieren, wenn Ihr wüsstet, was gerade in mir abgeht! Soll ich persönlich zur Werkstatt oder anrufen? Und was soll ich sagen? Ich habe doch keine Ahnung von Autotechnik. Und wieso denke ich, ich würde das nicht hinkriegen? Bescheuert.

Und dann nehme ich endlich das Telefon in die Hand und wähle die richtige Nummer und weiß das Autokennzeichen und bin in der Lage, mein Begehren freundlich zu formulieren. Lässig streue ich ein paar Fachbegriffe ein und der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung rückt einen Termin heraus. Nicht vor 10 Uhr und am 3. Dezember. Bis dahin werde ich die nötigen Papiere zurechtgelegt haben, Waschstraße locker hinkriegen und den Heidesand entsorgen. Kein Problem.

Aber das nächste wartet schon auf mich, hört das denn nie auf? Die Zeitungsredaktion will die Mitglieder*innen des Lesebeirats, der wir wissen warum in diesem Jahr noch nicht stattfand, per Videokonferenz wieder aufleben lassen. 😳Nun heißt es, den alten Laptop suchen und hoffen, dass er sich hochfahren lässt. Und dann weiß ich noch nicht, wie das mit der Videoschalte geht und wie ich das technisch handhaben soll und überhaupt sehe ich am Bildschirm nicht besonders gut aus und hoffentlich stelle ich mich nicht zu blöd an.

Ihr seht, mein Leben ist nicht langweilig und ständig nutze ich die Gelegenheit, mich zu beunruhigen. Das will ich gerne ändern. Ich will endlich die technischen Herausforderungen mit einem: „Ja, ich schaffe das!“ freudig begrüßen. Also aus dem Ruhemodus in den Ich-will-lernen-und-liebe-die-Abwechlung-Modus wechseln.

Och nö. Eigentlich liebe ich das beschauliche Leben!

Totensonntag

Totensonntag

Wenn ich Euch alle einladen könnte

meine lieben Verstorbenen

was gäbe das für ein Hallo

mein Haus wäre voll

wir würden uns umarmen

und fröhlich durcheinander reden

lachen und laut sein

und finden

niemals war der Tag

so schön wie heute.

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Wo kommen denn diese Gedanken her?

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Niemals stellte ich mir vor

ich würde mit den Toten feiern

vielleicht sind es die Umstände

die mich dazu bringen

und die Gedanken tiefer

und seltsamer werden zu lassen.

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Ich verschließe die Tränen

und sehe den Himmel

wo der Sturm die Wolken treibt.

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Meine Gedanken

sind bei Euch

und ich weiß

ich werde

eines Tages

folgen.

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Doch jetzt stelle ich

eine Kerze auf

und atme tief ein

und aus.

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Ja!

Sauber!

Sauber!

„Ach, natürlich stelle ich mir einen Weihnachtsbaum auf! Nur weil ich alleine bin, verzichte ich doch nicht auf meinen Christbaum!“ Das erzählte mir gestern eine Frau, die bald Neunzig wird. Ich denke an sie und will das auch: In diesem Jahr mal wieder einen kleinen Weihnachtsbaum schmücken. Vielleicht sogar entgegen unserer Familientradition schon ein paar Tage vor dem Heiligabend? Wenn schon alles anders ist, warum nicht auch das? Also Weihnachtsbaum und kein großes Familientreffen. Pandemie- Weihnachten sind doof, ich mache es mir trotzdem schön. Das beschließe ich ich, bevor ich mich an meine Tagesplanung mache.

Heute ist Samstag. Also, das hat jetzt nichts mit meinen Weihnachtsbaumgedanken zu tun. Außer, dass ich ihn gerade gedacht habe. Als ich noch berufstätige Mutter und Ehefrau war, war Samstags mein Putztag. Mein Mann kaufte ein und reparierte, was zu reparieren war und ich wischte die Böden. Samstagsritual.

Heute habe ich Lust und Laune, meinem früheren Samstagsbodensäuberungsritual zu folgen. Einkaufen muss ich nicht mehr, kochen auch nicht, weil alles gestern schon erledigt. Raus will ich auch nicht, weil kalt und grau und windig. Sport treiben auch nicht. Oder doch! Jetzt sind Staubsauger und Wischmop meine neuen Sportgeräte. Blitzschnell ist alles gesaugt und gewischt. Sogar den Keller habe ich entstaubt, denn nächste Woche kommt der Heizungsmensch zur jährlichen Kontrolle.

Ein frisch gewischter Boden ist super! Auch wenn noch nicht Weihnachten ist, trägt es doch zum großen Wohlbefinden bei. Ich bin tiefenentspannt und freue mich über mein gutes Gewissen. Allerdings, wenn alles so furchtbar sauber ist, stört mich jedes Stäubchen und Krümelchen, die ich auf dem Boden entdecke😳. Ich muss mich sehr zusammennehmen, um diese kleinen Schlingel nicht per Hand zu entfernen. Gut ist, dass diese Macke bald wieder verschwindet😂! Dann sammelt sich der Staub nämlich so ganz allmählich überall wieder an und irritiert mich bis zum nächsten Bodenputzkampftag nicht im geringsten!💪

Ratlos

Die absolute Wahrheit gibt es nicht. Das ist wahr. (Widerspruch in sich, ich weiß, mir ist aber danach!) Eine Gesellschaft funktioniert dann, wenn sie gewisse Wahrheiten als wahr anerkennt. Regeln werden aufgestellt und wenn sich die Allgemeinheit in der Regel daran hält, dann funktioniert das System. So einfach ist mein Weltbild.

Vor zwei Jahren diskutierten wir in der Philosophiegruppe darüber, was passieren könnte, wenn allgemein definierte Wahrheiten und Spielregeln von der Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr anerkannt werden. Die Vorstellung fanden wir absurd. Wissenschaft bleibt Wissenschaft und unterschiedliche Forschungsergebnisse werden diskutiert. Punkt. Demokratische Spielregeln und der respektvolle Umgang miteinander werden doch bleiben. Und wenn eine Minderheit, die es ja immer gab und gibt, sich dagegen auflehnt, so ist das nicht so schlimm, denn die Vernunft wird die Oberhand behalten. Ja, sicher, wir waren der Ansicht, dass wir die Vernünftigen sind, auch wenn wir ganz unterschiedliche Meinungen vertraten.

Nun könnte ich meine Philosophiegruppe gut gebrauchen. Wie soll ich umgehen mit den alternativen Fakten, Wahrheiten und Demokratiebegriffen? Ignorieren, wie bisher, scheint mir kaum noch möglich.

Wie soll ich argumentieren, wenn mir jemand sagt, dass wir in einer Gesundheitsdiktatur leben und ich nur zu dumm sei, zu erkennen, wie sehr ich von der Wissenschaft, den Medien und den Politikern manipuliert werde? Ich habe ja nur die gleichen Argumente, nur anders herum. Die werden weggewischt mit einem: „Du bemerkst ja gar nicht, wie sehr du belogen wirst. Du glaubst an die falschen Fakten. Meine Wahrheit ist wirklich wahr!“ Das finde ich auch, nur andersherum und ich bin von meiner Wahrheit so überzeugt, dass ich keinen Millimeter davon abweiche. Jedenfalls nicht in diese Richtung.

Es gibt psychologische und philosophische Erklärungen für das Auseinanderdriften der Gesellschaft. Das ist hilfreich, denn zu verstehen, was passiert, bringt mir schon eine ganze Menge. Mein ungutes Gefühl und meine Ratlosigkeit werden dadurch allerdings nicht besser. Froh bin ich nur, dass meine Liebsten mit einer Ausnahme ähnlich denken, wie ich. Das ist schon mal gut. Ich mag das: Diskutieren, Meinungen austauschen und vielleicht auch Kompromisse schließen. Respektvoll miteinander umgehen in unserer ganzen Meinungsvielfalt.

So bin ich nicht aufgewachsen. Meine Eltern ließen keine anderen Meinungen zu. Ihre Wahrheiten waren wahr und meine waren frech und aufsässig. Das war allgemein so in den Fünfzigern und Sechzigern. An diese Zeit fühle ich mich gerade wieder erinnert. Die Pandemie ist schon schwer zu tragen, aber das, was in Teilen der Gesellschaft sichtbar wird, ist fast unerträglich. Damit kann und muss ich jetzt leben, denn ich bin nicht allmächtig. Auch wenn ich am liebsten ordentlich auf den Tisch hauen möchte und sehr intolerant mehr Respekt und Vernunft einfordern will, kann ich das nicht machen, denn meine Wahrheit ist auch nicht allgemeingültig. Ich weiß.

Aber ich kann für meine Haltung weiterhin Verantwortung übernehmen. Mehr geht nicht, oder?

Weite und Nähe

Gestern ging ich in der Nemitzer Heide spazieren und würde Euch so gerne die Stille zeigen.

Diese müsst Ihr Euch denken, stattdessen geht vielleicht Weite.

Nun ja, auf jeden Fall erscheint die Landschaft hier farbloser und trister, als sie in Wirklichkeit war.

Also, in die Ferne gucken war möglich, aber schöner waren die Motive, die ich in unmittelbarer Nähe entdeckte.

Das ist ja wie im wirklichen Leben! Auch wenn die Zukunft grau und trüb erscheint, sind doch ganz in meiner Nähe abwechslungsreiche Farben, Formen und Strukturen zu entdecken. Und ich kann die sogar mithilfe meiner Fantasie, meinen Gefühlen und Gedanken interessanter und bunter wahrnehmen, als sie wirklich sind. So bin ich denn ganz vergnügt in meiner eingeschränkten Pandemie-Welt, denn auch die hat viel zu bieten.

Ach so, ja, das ist das Original!

Ich wünsche Euch einen wunderbaren herbstmilden und farbenfrohen Sonntag!

Erstaunlich

Vom verstorbenen (geschiedenen) Ehemann erbte ich ein paar Pflanzen. Zwei Jahre hielt dieser Gliederkaktus bei mir aus. Dann war ich eines Tages zu ungeschickt und er löste sich von seinen Wurzeln. Ich steckte ihn wieder in die Erde. Wurzellos hält er sich am Leben und setzt sogar Knospen an.
Einen kleinen Ableger steckte ich in ein Wasserglas. Er bildete keine Wurzeln und so kam er nach ein paar Wochen zurück in die Erde. Er belohnt mich mit Knospen, die sich bald entfalten werden.
Ich freue mich so sehr, dass er in mehreren Teilen meine Ungeschicklichkeit überlebt.
Auch die Baby-Sukkulenten meines Mannes sind erwachsen geworden. Ich holte sie gerade aus dem Garten und nun überwintern sie drinnen und können raus gucken.
Meine Margerite möchte lieber draußen bleiben und rein gucken.
Ich staune und freue mich über meine Pflanzen, die den November einfach ignorieren.

Plötzlich war es still

Plötzlich und unerwartet hat mich mein alter verlassen. Schwarz glotzte er mich an und gab keinen Ton mehr von sich. Er ließ mich ohne Vorwahrnung mutterseelenallein auf dem Sofa sitzen. Ungläubig starrte ich ihn an und dachte: „Nein! Das darf nicht sein! Du bist doch mein! Was mache ich nur ohne Dich? Dazu fällt mich nichts mehr ein!“💩

Still ist es geworden im Haus.

Ich warte auf den neuen. Vielleicht wird er heute gebracht, vielleicht aber auch nicht. Und was mache ich dann den ganzen Abend? Gehe ich ins Bett, weil das Sofa mir nur die Leere zeigt?

Ich bin schon den ganzen Tag allein und beschäftige mich, so gut es geht. Abends will ich ihn. Ich habe mich so an ihn gewöhnt, gerade in diesen Zeiten. Und nun hat er mich gestern verlassen: Mein Fernseher!📺

Und ich fühle mich einsam und vermisse ihn so. 😭

Oh, es klingelt……..

Und zack, zack, kann ich aufhören mit der Jammerei, denn der neue kam vorbei und nun ist wieder alles gut! Mein erster Selbstgekaufter! Mal sehen, ob er mich mag……..

Plan wirkungslos

Gestern wollte ich mit dem Rad neue Wege finden. Ich habe sie nicht gefunden. Oder doch, ich fand sie, aber sie führten mich nicht an mein geplantes Ziel. Ich fuhr kreuz und quer und fand doch nicht den Deichverteidigungsweg, den ich in so schöner Erinnerung hatte. Ich wusste gar nicht, dass es so viele kleine Wasserwege gibt, die mir brückenlos den Weg versperrten. Oder stillgelegte Eisenbahnbrücken, die mit dem Rad und meinen Arthrosehänden unüberwindbar waren. Und wie oft erblickte ich auf der anderen Seite des Flusses den Weg, den ich wollte und der doch so unerreichbar war. Ich musste häufig umkehren, so dass ich am Ende die Orientierung völlig verlor. Zum Glück gibt es Wegweiser an Straßen, denen ich ungläubig, aber erfolgreich folgte. Ich war nicht weit weg von zu Hause, aber lange unterwegs. Und es hat Spaß gemacht. Ich habe mich direkt verreist gefühlt. Mir waren die Wege ja eigentlich von damals, als es noch die langen Sonntagspaziergänge mit meinem Mann gab, bekannt. Aber jetzt wirkten sie fremd und abenteuerlich.

Das nächste Mal probiere ich, etwas weiter zu kommen. Vielleicht sogar bis nach Dannenberg. Aber heute setze ich erst einmal meine Tulpenzwiebeln. Dieses Jahr kommen auch ein paar in den Vorgarten. Dann haben wir im Frühling alles etwas davon.

Im Sonnenlicht glitzerten die Tautropfen und die fliegenden Spinnweben. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist doch gut, dass ich den gewollten Weg nicht fand! Denn dann hätte ich diesen hier versäumt.