Egal

Egal

Hallo Leute, ist doch herrlich, dieses Leben! Ich habe einen Zeitvertrag bekommen und bin nun offizieller Gartenhänger bei der Frau vom Gartentor. Bis November. Dann muss ich sehen, wie es weitergeht. Entweder erstarren oder wieder bei Frau Holle einziehen. Mal sehen, was sie meint.

Die Arbeit macht mir Spaß. Es ist nicht zu warm und manchmal schön feucht. Ich bin beruflich erfolgreich und privat läuft es auch. Wir bereiten im Chor unser erstes Konzert auf der ESDSW-Party vor. ESDSW heißt: endlich sind die Störche weg und das sind sie auch bald. Zum Glück!

Frau Holle macht mir Sorgen. Sie überlegt so viel unnützes Zeug. Nicht nur sie alleine, sondern noch andere erwachsene Menschen treffen sich ein ganzes Wochenende lang, um darüber nachzudenken, was Herrschaft und Knechtschaft bedeutet. Und ob sie etwas dagegen unternehmen können. Und ob sie frei sind oder nicht. Und ob es ihnen egal ist, was andere denken. Also, Frau Holle sagt, es ist ihr nicht egal, was andere über sie denken. Sie sagt: „Misi, ist es dir egal, was andere von dir denken?“ Ich verstehe die Frage nicht. Ja natürlich ist mir das egal. Erstens weiß ich gar nicht, was sie denken und zweitens denken die meisten sowieso nicht. Wichtig ist mir natürlich, ob der Storch darüber nachdenkt, ob er mich essen will. So was muss ich wissen. Nicht, ob er mich blöd findet. Ich denke ja schließlich auch nicht über die Fliegen nach, die ich esse. Wenn die so dumm sind, in meine Nähe zu kommen, kann ich ihnen auch nicht helfen. Ich bin ganz froh, dass sie nicht darüber nachdenken, was ich wohl denken könnte.

Also, es ist mir völlig schnuppe, was andere denken. Ich habe ganz andere Probleme. Ich bin auf Brautschau. Etwas spät im Jahr, ich weiß, aber ich bin frei und kann tun und lassen, was ich will. Ich habe ja auch schon eine süße kleine Maus gesehen, durfte aber leider nicht mit ihr sprechen, als sie mir schöne Augen machte und mir sogar eine Blume schenkte. Ob die mich blöd findet, weil ich nicht mehr Herr meiner selbst war, sondern anderen erlaubte, mir zwei Wochen lang zu verbieten, mich zu äußern? Die mich zum Schweigen verdammten, nur weil ich frei sein wollte und mich darum nicht an ihre Regeln hielt? Das waren doch deren Regeln, nicht meine! Ich könnte mich so aufregen, darf das aber nicht, damit ich geistig gesund bleibe. Schließlich hatte ich Burnout und muss mich schonen.

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Vielleicht kommt sie noch mal vorbei. Ich hänge jetzt täglich mit einer Blume hier herum, damit ich ihr meine Liebe stilvoll gestehen kann. Sie soll denken, ich sei der beste Frosch der Welt, was ich ja natürlich auch bin. Das ist schon klar. Die Jugend der Nachbarschaft lacht mich aus. Sie findet, ich sei verliebt und mache mich zum Horst. Das ist doch wirklich ärgerlich! Die Jugend der Nachbarschaft soll doch die Wahrheit über mich denken, nämlich, dass ich der coolste und beste Frosch der Welt bin. Macht sie  aber einfach nicht, die Saubande!

Ich sage zu Frau Holle: „Die Jugend der Nachbarschaft findet mich blöd und verliebt. Wie kann ich sie vom Gegenteil überzeugen?“ Frau Holle überlegt. „Aber Misi, du bist doch verliebt!“ Ja schon, aber nicht blöd. Ich bin so stinksauer. Frau Holle lächelt und gibt mir ein Küsschen auf die Nase.

Und Ihr so? Heute schon einen netten Gedanken über andere gehabt?

Oben und unten

Oben und unten

Wir philosophierten am Wochenende in der Lernscheune über „Herrschaft und Knechtschaft“. Mittlerweile kennen wir uns gut, vertrauen uns und wagen es, persönlich zu werden. So blieben wir nicht im unverbindlich Allgemeinen stecken, sondern fragten uns, wann sind wir Herr, wann Knecht? Natürlich fühlten auch wir Frauen uns angesprochen.

Mit folgenden Thesen und Fragen beschäftige ich mich bis heute:

Das wichtigste im Leben ist, sich von den Eltern zu lösen, um frei sein zu können.

Es ist eine der schwersten Aufgaben von Eltern und Kindern, sich gegenseitig frei zu geben und dabei den Zusammenhalt nicht zu verlieren. Meine Kinder und ich sind auf einem guten Weg. Ich bin froh, dass ihnen ihr eigenständiges Leben ohne mich gelingt. Manchmal vermisse ich trotzdem ihre Nähe. Das darf auch sein.

Wie wichtig ist es mir, was andere von mir halten?

Es ist mir nicht wichtig, was andere über mich denken. Ist mir völlig egal. Hätte ich gerne gedacht. Aber je  intensiver ich mich mit dieser Frage auseinandersetzte, umso bewusster wurde es mir, dass ich immer noch viele Botschaften meiner Eltern, Lehrer und dem Freundeskreis aus früheren Zeiten verinnerlicht habe. Das sind die bösen Gesellen, die Ihr aus meiner Kategorie „Innen“ vielleicht schon kennt.

Meine Grundgefühle ich gehöre nicht dazudie anderen sind besser dran ohne mich, ich kann nicht mithalten, ich muss mich mehr anstrengen und ich bin nie genug, haben mit der Realität gar nichts mehr zu tun. Es sind Relikte aus einer anderen Zeit. Mein Verstand sagt mir, dass es Botschaften von außen sind, auf die ich gerne verzichten kann; etwas in mir hält trotzdem stur daran fest. Gerne suchte ich mir Partner, die diese Botschaften unterstützen. Negative Bestätigungen schenkten mir ein vertrautes Gefühl und bestätigten mein schlechtes Selbstbild, welches sich bis heute kaum geändert hat. Leider. Und solange dies der Fall ist, ist es mir auch wichtig, was andere von mir halten. Ich will vermeiden, dass die anderen so schlecht von mir denken, wie ich selbst.

Wenn mir Menschen Lob, Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen, höre ich das, aber ich mag es nicht. Ich fühle mich nicht gut dabei und darum reagiere ich dann manchmal sogar ziemlich schroff. Das ist doch nun wirklich blöd und will geändert werden. Daran arbeite ich seit einiger Zeit und es gelingt mir immer besser, die bösen Gesellen zu erkennen und sie zum Schweigen zu bringen. Mein Selbstbewusstsein wächst und übernimmt die Herrschaft im Haus. Zum Glück.

So einfach ist das. Ich möchte mich realistisch sehen und das Positive nicht nur erkennen, sondern auch fühlen und mich daran erfreuen. Ist das denn so schwer? Ja, für mich schon.

Anarchismus ist die Lehre von der Freiheit als Grundlage der menschlichen Gesellschaft.

Das Thema interessiert mich sehr, weil ich mich damit noch nie beschäftigt habe. Erst einmal verstehe ich nicht, was Freiheit in diesem Zusammenhang bedeutet. Freiheit wovon? Kann ich in einer Gesellschaft wirklich frei sein? Kann eine Gesellschaft in völliger Freiheit funktionieren? Kann ich sie mir überhaupt auch nur vorstellen? Ich stoße immer wieder schnell an Grenzen, denn schon ein Zusammenleben zu zweit ist ohne Regeln, Kompromisse und Einschränkungen für mich gar nicht denkbar. Vielleicht genieße ich es darum gerade so sehr, alleine zu leben, weil ich mich Zuhause so frei fühle wie nie zuvor. Aber auch da gibt es Grenzen. Miete muss gezahlt und der Rasen gemäht werden.  Na gut, über den Rasen können wir reden, ich weiß.

Also frei sein von jeglicher Herrschaft, ist das möglich? Ist das erstrebenswert? Darüber denke ich weiter nach. Vielleicht werde ich noch Anarchistin, wer weiß?!

Ja, ja, ich liebe diese Wochenenden. Teil einer Gruppe zu sein, in der sich alle gegenseitig wertschätzen und jede Meinung respektiert wird, in der wir uns ernsthaft und spielerisch an Themen heranwagen, die an die Substanz gehen können, in der auch das Lachen und das gemeinsame Essen nicht vergessen wird, ist Erholung pur und poliert mein Selbstbewusstsein noch einmal ordentlich auf.

 

Misi fliegt raus

Misi fliegt raus

Hallo Leute, gestern packte Frau Holle eine Tasche und ich fragte, wo sie hin will. „Ins Hallenbad. Ich muss mich mal wieder bewegen. Meine Gelenke rosten ein.“ Meine Gelenke rosten nicht, aber ich wollte trotzdem mit. Nun musste ich mich also tatsächlich mit ihrem roten Fahrrad transportieren lassen. Ist natürlich albern, aber wenn ich mich geweigert hätte, in den Korb zu steigen, hätte ich ziemlich schnell hüpfen müssen. Das wäre dann noch peinlicher geworden. Ich also in den Korb und ab ging es ins städtische Hallenbad. Frau Holle sagte, sie sei immer noch traurig, dass das Freibad geschlossen ist. Weil die Stadt kein Geld dafür hat. Da frage ich mich wirklich, wieso kosten Freibäder Geld? Sollte es die nicht umsonst geben?

Wir betraten also das Hallenbad in bester Laune. Frau Holle, weil sie mich hatte und ich, weil ich so fröhlich war. Sie zog sich in einer sehr, sehr engen Kabine ihre Sachen aus und einen komischen Anzug an. Einen Schwimmanzug. Dann stieg sie umständlich in die Schwimmbadlatschen. Meine Güte. Ich wartete ungeduldig in ihrer Schwimmtasche und wurde im Duschraum dann auch prompt an einen Nagel gehängt. Frau Holle ging noch mal wohin und dann unter die Dusche. Menschen müssen nämlich duschen und sich abseifen, bevor sie ins Schwimmbecken gehen dürfen!

Endlich war sie fertig mit dem Säubern ihrer ganzen Figur und watschelte los. Ihre Schwimmbadlatschen paßten wohl nicht so gut. Ich wurde mitsamt der Tasche schon wieder an einen Nagel gehängt und sah mir das Ganze lieber erst einmal von oben an. Frau Holle watschelte weiter zur Treppe, zog ihre Latschen aus und  stieg  dann manierlich ins Wasser.  Jetzt schwamm sie mit Schwanenhals vornehm durch das Becken. Bloß den Kopf immer hübsch über Wasser halten! Schön langsam zog sie ihre Bahnen. Brustschwimmen hin, Rückenschwimmen (noch langsamer) zurück.  War ihr das nicht peinlich? Alle schwammen sportlich und überholten sie andauernd. Sie selbst strengte sich so gar nicht an! Sie sah so genussvoll aus und brauchte ewig lange für ein Hin und noch viel länger für ein Her.

Ich konnte nicht mehr an mich halten und sprang mit dem Kopf zuerst ins Vergnügen. Wie war das toll. Wenn auch so chlorhaltig. Gartenteich ist viel schöner, aber der ist für Frau Holle zu klein. Ich kraulte, tauchte, platschte und sauste durch das Wasser. Was für ein Spaß! Ich umrundete Frau Holle und spielte Springbrunnen. Ich tauchte und kitzelte sie am Bauch. Ich sprang auf ihren Kopf und gab Kommandos. Ich schluckte Wasser und sprühte es Frau Holle mitten ins Gesicht. Ich spielte Unterseeboot und hörte eine Trillerpfeife. Eine Frau in einer Bademeisterinnenuniform rief streng: „Komm sofort da raus, du frecher Bengel!“ Frau Holle guckte dumm und ich hüpfte an Land. Die Frau Bademeisterin schimpfte weiter: „Du hast keine Badehose an! Jeder Junge muss eine Badehose anhaben, auch wenn er einen besonderen Förderbedarf hat!“ Ich wusste nicht, was das heißen sollte. Ich bin doch kein Junge mit besonderem Förderbedarf, sondern ein Frosch. Das glaubte die Frau aber nicht. Weil ich keine Badehose hatte, mussten wir das Schwimmvergnügen beenden. Frau Holle duschte, bearbeitete sich schon wieder mit Seife und zog sich in der engen Kabine ihre Sachen an und den Schwimmanzug aus.

Mit dem Fahrrad ging es dann wieder nach Hause.

Frau Holle will mir für das nächste Mal einen roten Schwimmanzug stricken, weil Rot so gut zu Grün passt. Ich will das nicht. Ich gehe nicht mehr in das doofe städtische Schwimmbad. Frau Holle sieht das ein und sagt, dass wir gleich an den See fahren. Da kann ich Frosch sein und trotzdem zusammen mit ihr baden gehen. Prima Leute, das machen wir!

Und Ihr? Genießt Ihr auch brav den Sommeraugust?

Märchenhaft

Märchenhaft

Ich bin kürzlich 65 Jahre alt geworden. Ich wünschte mir von meinen Kindern, sich etwas für mich auszudenken. Mich zu überraschen.

Das haben sie getan. Am Samstag war es soweit. Für eine kleine Nachfeier reisten meine Söhne mit ihren Freundinnen an. Damit es noch mehr Spaß macht, lud ich meinen Exmann und eine Freundin gleich mit ein. Familientreffen eben. So selten und darum so schön.

Ich bekam einen neuen Laptop geschenkt. Ich konnte es kaum fassen. Mein alter gab  schon fast den Geist auf und es dauerte immer unendlich lange, bis sich eine Seite aufbaute. Alles dauerte eigentlich ziemlich lange. Jetzt arbeite ich gerade am neuen, schreibe und freue mich, wie leicht und schnell es gelingt. Die letzten zwei Tage saß ich an diesem Platz und setzte mich mit dem neuen auseinander. Ist gar nicht so einfach für mich alte Frau. Aber ich arbeitete mich schnell ein!  Gestern saß ich allerdings den ganzen Nachmittag daran, Bing aus dem Firefox zu entfernen. Ich schaffte es dann ganz plötzlich, aber ich weiß überhaupt nicht mehr, wie mir das Kunststück gelang.

Aber zurück zur Geburtstagsnachfeier. Wir begannen mit einem gemütlichen und lang ausgedehnten  Kaffeeklatsch auf der Terrasse. Was für ein Geschnatter!

Am späten Nachmittag machten wir uns auf in den Märchenpark . Das war eine so gute Idee von meinen Söhnen! Hier hatten wir alle unseren Spaß! Sogar das Wetter spielte mit, was in heutigen Zeiten ja nicht selbstverständlich ist!

 

 

Abends gingen wir essen. Wir saßen lange draußen, ignorierten die Mücken und freuten uns, dass es uns so gut schmeckte und ich löschte meinen Durst mit einem großen Alsterwasser und noch einem. Meine Güte, was für ein schöner Tag!

Ich danke allen Beteiligten!

Gute Aussichten: 6

Zeilenende startete ein neues Fotoprojekt: Ein Jahr lang begleitet er ein Motiv mit der Kamera und an jedem letzten Sonntag im Monat gibt es ein Bild davon auf dem Blog. Ich mache das auch! Wer sonst noch mitmacht, findest Du  hier

Sonntag, 30. Juli, 15.00 Uhr, Halbzeit

Ich bin platt.

Ich hatte lieben Besuch. Gestern saßen wir zusammen auf der Terrasse, ließen uns den Kuchen schmecken und hatten allerhand zu erzählen, bevor wir uns aufmachten, um einen märchenhaften Ort zu besuchen. Heute gab es noch Frühstück für die Übernachtungsgäste. Leider nicht draußen, denn es gewitterte und regnete mal wieder wie aus Eimern.

Jetzt ist es wieder ruhig hier. Ich brauche ein wenig Zeit, um mich wieder umzustellen. Ach, wie war der Trubel und das Lachen schön!

30 Grad und schwülwarme Luft treiben mich ins Arbeitszimmer. Das Wochenende klingt aus und ich bin zufrieden mit mir und allem Drumherum.

Und so sieht es gerade aus, wenn ich aus dem Fenster gucke: dabei müsst Ihr Euch vorstellen, dass sich unzählige Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und Fliegen im Sommerflieder tummeln. Meine Terrasse lebt!

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Und so sah es am 26. Juni hier noch aus: