Grün ist die Heide

Grün ist die Heide

Es war nicht zu warm. Die Wolken türmten sich am Himmel. Plötzlich bekam ich Lust, meine Fenster nicht zu putzen, sondern mal wieder in die Heide zu fahren. Dort gibt es tatsächlich Wölfe. Die verschlucken ab und zu auch Großmütter. Ich machte mich trotzdem auf den Weg. „Vielleicht habe ich ja Glück und überlebe meinen Spaziergang“, dachte ich und fand mich ziemlich witzig.

Die Heide zeigte ihr schönstes Grün und einige Blüten ließen sich schon blicken. Es war so ruhig dort. Nur Vogelgezwitscher und ein leichter Wind in den Bäumen war zu hören. Auch ein Kuckuck rief den anderen (?) und in der Ferne blökten Schafe. Manchmal schien die Heide blau zu sein. Unzählige kleine blaue Schmetterlinge waren unterwegs. Eigentlich wollte ich nachsehen, was denn das für eine Sorte war, bevor ich Euch darüber berichte. Habe ich nicht getan. Ich vergaß es einfach, weil mein Leben gerade so bunt ist.

Auf der Hut

Auf der Hut

Pffft, hust, hust, räusper, uiuiui…..Menschwardasfrtgsdcht……Halloklpt….hust hust. Oioioi. Moment………… Husthust.

Hallo Leute….ja, jetzt geht es wieder. Hallo Leute, stellt Euch das bloß nicht so leicht vor, zwei Wochen still sein zu müssen. Ich habe mich so erschrocken über diesen blöden Brief. Ich hängte lieber noch einen Tag Schweigen dran, man kann nie wissen.

Diese ganze Geschichte war nicht gerade förderlich, meinen Burnout auszuheilen. Ich hatte wirklich eine schwere Zeit und viele schlechte Träume. Ich bekam zum Glück für morgen einen schnellen Termin bei Dr. Schreckweg.

Zuerst habe ich das ja nicht so ernst genommen mit der Todesstrafe und dem Schweigenmüssen. Wie sollten die mich die ganze Zeit über überwachen? Hä? Aber gleich nach dem Brief kam Xaver. Mein Bewährungshelfer. Der passte auf. Die gaaaaanze Zeit. Morgens machte ich die Augen auf und sah dies und abends , bevor ich sie wieder schloss, sah ich das auch:

IMG_0946Den ganzen Tag konnte ich mir den Xaver ansehen und dazu noch sein Gequatsche anhören. Er meinte es ja gut, aber trotzdem. Irgendwie erinnerte er mich auch noch an Herrn Krone. Weiß auch nicht, warum.

Na ja, ich musste natürlich zur Arbeit. Frau Holle kannte kein Erbarmen. Ist natürlich schwierig, herumzuhängen und nichts sagen zu dürfen. Ich versteckte mich zuerst unter dem Hut. So brauchte ich Xaver nicht zu sehen und alle anderen auch nicht. Die Frau vom Gartentor fand das nicht gut. Sie wollte keinen Hut, sondern einen Frosch am Gartentor hängen sehen

Also dachte sich Frau Holle etwas aus für mich. Die Gute. Sie sagt, sie sei für mein Elend ja auch ein wenig  verantwortlich, denn hätte sie mich nicht mitgenommen, hätte ich keine Schweigepflichterklärung unterschrieben und die dann nicht eingehalten. Wo sie recht hat, hat sie recht. Frau Holle schrieb mir ein Schild und klebte mir ein Pflaster auf den Mund. Tagsüber. Damit ich das Schweigen nicht vergesse.

DSC_0042 (3)-001Das war nicht angenehm, hat mir aber durchaus das Leben gerettet, glaube ich. Die Jugend der Nachbarschaft versammelte sich am Gartentor und hatte großen Spaß  daran, mit mir sprechen zu wollen. Sie kasperten herum, stellten mir Fragen, nannten mich grüne Gurke, machten Fotos und kitzelten meine Füße.  Xaver hatte viel zu tun, das Schlimmste zu verhindern. Leider beobachtete er mich ganz genau die ganze Zeit und fühlte sich echt stark. Es war die Hölle.

Einmal kam diese kleine Maus zu mir hochgekrabbelt und machte mir schöne Glubschaugen. Ach du meine Güte, wie süß!!!!!

IMG_0873Wo kam die denn plötzlich her?  Ich sofort auf Flirtmodus …….Xaver zückte schon sein Handy, um mich zu überführen. Ich hatte ja zum Glück mein Maul verklebt. Pu, das war knapp. Ob ich die je wiedersehe?

Zwei Wochen Schweigen. Vorsichtshalber ließ ich die Männergruppe ausfallen und zum Chor konnte ich natürlich auch nicht. Qi Gong, das ging. Und nachdenken ging auch. Wenn ich das nächste Mal eine Schweigepflichterklärung unterschreibe, werde ich es nicht gerade im Internet herausposaunen, wenn ich sie nicht einhalte. Das war der Fehler und wurde hart bestraft. Zu hart, finde ich, wenn man bedenkt, dass ich die süße Maus vielleicht nie wiedersehe.

Also Leute: Vorsicht mit dem Internet!

Hallo Ihr!

Hallo Ihr!

Nun treibe ich mich fast schon ein Jahr lang auf dem Regenbogen mit den Freudentränen herum.

Natürlich kann ich es kaum fassen, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich überlege, ob sich etwas verändert hat. Was bringt es mir, Texte zu verfassen und Fotos zu veröffentlichen? Das Schreiben ist ein neues Hobby, welches ich mir erschlossen habe. Es erstaunt mich manchmal, wie viel Freude es macht, Gedanken in Worte zu fassen und in die Welt zu schicken. Meine Fantasie nimmt es mit der Wirklichkeit oft nicht so genau. Trotzdem bleibt alles für mich wahr. Zum Beispiel Misi: Diesen kleinen Kerl habe ich richtig lieb gewonnen, ob es ihn nun gibt oder nicht. Er ist durch das Schreiben und mit den Fotos doch auf eine lustige Weise real geworden. Frau Holle schüttelt den Kopf und meint, natürlich ist er real, genau wie sie selbst. Reale Gedanken und Empfindungen eben…..

Ich fotografierte seit ich denken kann. Ich mache dies aber viel häufiger, seitdem ich Fotos im Regenbogen veröffentliche. Ich setzte Ideen um, die ich wahrscheinlich ohne ihn nie gehabt hätte. Meine Sehgewohnheiten verändern sich und ich bin oft ziemlich glücklich in meiner kleinen Welt, wenn ich mich mit ihr auf diese Weise beschäftigte.

Das schönste ist natürlich, dass meine Texte und Fotos von Euch gelesen und angesehen werden. Ich bekomme Rückmeldungen und bin mit meinen aktuellen 128 Verfolgern  sehr zufrieden. Ich freue mich über Eure Kommentare, die so wertschätzend hier rüberkommen. Viel Freude machen mir gemeinsame Aktionen und Ihr seid mir überhaupt richtig ans Herz gewachsen.

Ich lese in Euren Blogs und die Fülle der Themen begeistern mich. Oft berühren mich Eure Geschichten sehr. Ich komme leider nicht immer dazu, regelmäßig bei Euch reinzuschauen. Die Zeit reicht einfach nicht. Darum weiß ich es umso mehr zu würdigen, dass Ihr den Regenbogen so regelmäßig besucht. Ich danke Euch, denn das spornt mich an, noch eine Weile weiterzumachen.

Ich habe den Eindruck, dass mein Leben in vielfacher Hinsicht auf irgend eine zauberhafte Weise in diesem Jahr viel reichhaltiger geworden ist.

Warum mein Gang heute noch seltsamer ist als sonst

Warum mein Gang heute noch seltsamer ist als sonst

Also: das war so.

  1. Donnerstag frage mich Jemand, ob ich Freitag mit komme. Ich sagte zu.
  2. Freitag hörten wir also den Vortrag mit dem Titel: „Philosophische Überlegungen zur Lebenskunst“.  Nachdem wir sehr interessiert die Theorie einigermaßen verdaut hatten, fingen wir gleich damit an, das Gehörte in die Praxis umzusetzen. Schwimmen im See bei Sonnenuntergang macht jung und gesund und mehr Lebenskunst ging gerade nicht. Das Foto stellte mir Jemand zur Verfügung und ich danke sehr dafür. Ich darf es veröffentlichen und so könnt Ihr mental mitschwingen:IMG-20170708-WA0003Weil es zu und zu schön war und wir immer noch nicht genug von der Lebenskunst hatten, wurden wir zwar nicht jünger und schöner, aber wir beschlossen, am Sonntagnachmittag wieder zum See zu fahren und es noch einmal mit der Lebenskunst aufzunehmen.
  3. Samstag war ich wieder am See. Ich hatte nämlich lieben Besuch. Wir gingen aber nicht ins Wasser und behielten die Schuhe an. Nichts passierte und dieser Punkt 3  hat eigentlich gar nichts mit dem Thema zu tun, soll aber trotzdem erwähnt werden, weil es so schön war.
  4. Sonntag holte mich also Jemand ab und wir fuhren voller Vorfreude zum See. Gemütlich saßen wir auf unseren Campingstühlen und philosophierten vor uns hin, dass es eine reine Freude war. Dann wollten wir schwimmen. Ich sagte: „Guck mal, im Klee sind so viele Bienen. Vorsicht!“ Ich sah genau hin und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Ich bemerkte, dass ich meine Sonnenbrille noch auf hatte. Schnell brachte ich sie zum Platz zurück, verabschiedete mich von ihr und eilte zum Wasser zurück. Plötzlich ein unfassbarer Schmerz zwischen dem linken Zeige- und Mittelzeh.
  5. Na klar! Und ich sagte das noch! Ein Gedächtnis wie ein Sieb! In dem werden die Löcher auch immer größer!
  6. Nun hatte ich einen Bienenstich.
  7. Das tat weh!
  8. Heute tut es immer noch weh. Keine Ahnung, wie das in die Lebenskunst zu integrieren ist.
  9. Es wäre wirklich zauberhaft, wenn der Bienenstich meine üblichen Arthroseschmerzen zur Hölle schicken würde. Dann wäre ich mit einer neuen, natürlichen  Heilbehandlung berühmt geworden. Ist aber leider nicht so.
  10. Ich habe einfach nur einen neuen, zusätzlichen Schmerz. Zum Glück wird dieser wieder vergehen. Aber mein Watschelgang ist heute nicht gerade sehr sexy. Ist er sonst auch nicht, aber jetzt gerade ganz besonders NICHT. Ich bleibe lieber Zuhause. Es regnet sowieso.
  11. Natürlich war der Sonntag am See wunderbar schön. Auch mit Bienenstich. Was hatte ich doch am Freitag erst gelernt? „Eine Erfahrung ist etwas, aus dem man verändert hervorgeht.“ (Foucault) Mal sehen, wie sich die Erfahrung „Bienenstich“ weiter auswirkt.

Alle noch in mir!

Alle noch in mir!

„Ich will spielen, lachen, lernen, mich wohl fühlen, fröhlich unter Menschen sein und viele Abenteuer meistern“, sagt die Kleine.

„Ich will dich vor Sorgen und Gefahren schützen. Sei vorsichtig! Hüte deine Triebe! Fehler dürfen nie passieren! Sei perfekt! Sei ordentlich! Bereite keinen Kummer! Fröhlichkeit gehört sich nicht! Zufriedenheit macht faul! Du musst dich zusammenreißen, fleißig und strebsam sein. Du bist nie genug, kannst immer besser werden! Sei bescheiden und spiele dich nicht so auf! Sei ruhig, dann wirst du geliebt“, sagt die Mittlere.

„Kommt ihr zwei, vertragt euch doch. Ich mach´ das schon! Ich übernehme die Verantwortung. Die Kleine zeigt uns das Spielen, Lachen, Lernen. Die Mittlere entspannt sich und wirft die unsinnigen Regeln fort. Sie denkt sich ein, zwei neue für uns aus. Sie wird mutig und genießt das Sein. Sie erkennt, was sie leistet und wer sie ist. Wir drei zusammen sind ein tolles Team!“, sagt die erwachsene Frau.

Regine1-001

Morgen werde ich 65 und die erwachsene Frau hat noch immer viel zu tun. Aber sie ist schon recht schön stark geworden.  „Fünfundsechzig“, sagt sie, „ist gar nicht sooo schlimm.“ Die Mittlere weiß nicht so recht und die Kleine freut sich auf den Geburtstagskuchen.