Schwarze Adler

Ich interessiere mich nicht für Fußball. Ich stehe dem Phänomen etwas ratlos gegenüber. Jetzt, während (oder nach) der Pandemie, mehr denn je.

Gestern sah ich mir trotzdem und zum Glück für mich den Film „Schwarze Adler“ an. Diese Zeitreise, die auch viel mit mir persönlich zu tun hat, ermöglichte mir aufschlussreiche Einblicke in meine eigene Sozialisation. Ich verstand, dass ich noch lange nicht fertig bin mit dem Thema Rassismus.

Das Gesehene verfolgte mich bis in meine Träume. Ich bin heute weit davon entfernt, mich um den großen Fußball, seine Stars und das ganze Theater drum herum zu kümmern. Aber das, was die schwarzen Nationalspieler und Nationalspielerinnen in diesem Film erzählen, geht auch mich etwas an. Mehr, als ich jemals dachte.

„Schwarze Adler“ ist hier zu finden: Fußball: Schwarze Adler – Wie rassistisch ist deutscher Fußball? – ZDFmediathek

Heiß hier

Heiß ist es hier und ich sitze drinnen. Schotten dicht-Hitze bleibt draußen. Das Tageslicht leider auch. Dauerdämmerung in der Stube ist aber auch ganz schön. Hier muss ich nicht tun, was ich nicht tun will, denn Dämmerlicht motiviert mich nicht. Ich lasse es ganz langsam angehen und zum Putzen habe ich so gar keine Lust. Heute, morgen und übermorgen gibt es Kartoffelsalat mit Gurke und Ei. Ich kann einfach keine kleineren Salatportionen herstellen. Eis habe ich auch noch. Konnte mich gestern ganz gut zusammenreißen und ich habe nicht alles auf einen Schlag vertilgt, auch wenn ich es am liebsten getan hätte. Aber heute gibt es kein Erbarmen! Heute gibt es Resteeis.

Ich bin froh, dass ich die meisten Geschenke beisammen habe. Im Juni und Juli hat fast die ganze Familie Geburtstag. Nur mein jüngerer Sohn tanzt aus der Reihe, er ist Waage. Waage unter lauter Krebsen, auch nicht immer leicht. Vielleicht gibt es in diesem Jahr wieder ein kleines Krebs-Familientreffen-mit-Waage.

Früh morgens oder spät abends drehe ich meine Radrunde. Dann ist es mit 29 Grad doch ganz angenehm, wenn man den Fahrtwind mitrechnet.

Meine Lieblingskuhherde hat wieder Zuwachs bekommen und warum die Graue beim Grasen vorne kniet, erschließt sich mir nicht. Sie tut es aber. Immerzu!

Die Mittlere

Nicht schön, diese Hitze. Der ganze Sommer soll so werden und juchee: SonnenanbeterInnen können sich freuen und das kühle Nass genießen. So steht es in der Zeitung. Na gut, für mich ist das anders. Ich leide und jetzt höre ich auf vom Wetter zu schreiben.

Ich verbringe die Tage in der etwas kühleren Wohnung und auch dort mag ich mich kaum bewegen. Also nehme ich mir die Zeit und lese mal wieder in alten Tagebüchern.

Ich staune über das lebensfrohe Mädchen von 1968. Was waren das für Zeiten! Ausführliche Briefe wurden geschrieben (und aufbewahrt), Telegramme aufgesetzt, wenn etwas Wichtiges passierte, Ferngespräche führten wir nur abends und selten. Ich sparte viele Wochen für ein Kleid für 15 DM. Ich besuchte eine reine Mädchenschule und hatte viel Spaß mit meinen Freundinnen. Eisbahn, Schwimmbad, Sportverein, Theater, Kino und Tanzstunde! Die Bravo wurde gelesen und Dr. Sommer ausführlich diskutiert. Winnetou war unser Held und meine erste große Liebe. Also, eigentlich war es Pierre Brice, aber der nur als Winnetou. Hitparaden protokollierte ich jeden Sonntag und Platten konnte ich mir selten leisten. Ich nahm folgende Botschaft ernst: Mädchen sollten warten, sich aufheben, bis ein Mann sie „erweckt“. Und ich wartete! Ich wartete auf Anrufe und mochte mich nicht von zu Hause fortbewegen, wenn ein Junge versprochen hat, sich zu melden. Wie war das aufregend! Und manchmal auch enttäuschend. Es gab Papierkleider zu kaufen und daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Ich hatte große Angst vor einem Krieg und vor der Umweltverschmutzung. Ich notierte alle Bücher, die ich gerade las. Ich hatte fast immer ein Buch vor der Nase und meine Familie wunderte sich über ihr verträumtes Reginchen.

Und dann begann mein Elend mit den schlechten Schulleistungen und dem gesteigerten Interesse an einer Parnersuche. Meine Eltern brachten beides zusammen. Sie wollten verhindern, dass ich mir einen Freund anlachte, der mich ja doch nur von schulischen Belangen ablenken würde. Denn lernen sollte ich, nicht lieben. Oft bekam ich zu hören: „Komm ja nicht mit einem Kind nach Haus!“ Das war das Schlimmste, was sie sich vorstellen konnten. Man darf jetzt nicht vergessen, dass ich erst mit 21 volljährig wurde und bis dahin meine Eltern bestimmen konnten, wie ich ihrer Meinung nach zu leben hatte. Ich sollte mein Abi machen, dann studieren und mir dann einen Akademiker zum Heiraten suchen. So war ihr Plan. Ich sollte es ja mal besser haben als sie.

Mein Tagebuch, welches ich bis 1974 führte, beweist, dass meine Kindheit relativ unbeschwert, meine Jugend aber richtig schwer war. Ich sollte am liebsten überhaupt keine Jungen und Männer kennenlernen, aber das konnten meine Eltern natürlich nicht verhindern. Jeder, der mir zu nahe kam, wurde von ihnen heftig kritisiert. Keiner war gut genug für mich. Meine Eltern zwangen mich, mit meinen ersten „Freunden“ Schluss zu machen. Meine Mutter wurde „krank“, sobald ich meinen Willen und mein Wollen durchsetzte. Verliebtsein bedeutete für mich größtmöglichen Stress mit den Eltern. Gewalt kam ins Spiel und ich war mir dessen gar nicht bewusst. Ich fühlte mich einfach nur schuldig. Mein Umgang mit mir gestaltete sich immer seltsamer, weil ich meine Bedürfnisse mit denen meiner Eltern in Einklang bringen wollte. Ich war zwar trotzig, aber ich konnte mich nicht wirklich wehren. Ständig hatte ich das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, wenn ich das tat, was in mir lag: feiern, tanzen, verlieben, mich ausprobieren, fröhlich sein, Erfahrungen machen, Sexualität ausleben.

Ich lese das Tagebuch nicht zu Ende. Ich packe es wieder in seine Kiste. Mein inneres Kind ist weitgehend in Ordnung, ich sorge schon seit vielen Jahren für meine Innere Mittlere Frau. Ich weiß, dass sie nicht böse und unvernünftig war. Sie hat so sehr gekämpft und wurde dabei immer unscheinbarer. Sie hat sich trotzdem nie so ganz verloren. Auf eine eigene Art blieb sie stark und hielt stand. Ich weiß, warum sie so geworden ist, wie sie wurde. Ich habe Mitgefühl und ich höre auf, ihr Vorwürfe zu machen. Sie hat getan, was sie konnte. Manchmal stelle ich mir vor, wie das Innere Kind und die Frau, die ich heute bin, die Mittlere in die Arme nehmen, sie weinen lassen, sie trösten und ihr Mut zusprechen.

Ich konnte mich aus dem Korsett meiner Erziehung lange nicht befreien. Das richtige Loslösen geschah sehr, sehr spät und sogar mein eigenes Familienleben litt noch unter dem elterlichen Einfluss.

Das alles ist lange her. Den Vorsatz, es mit meinen Kindern ganz anders zu machen, hielt ich nicht immer ein. Aber vieles ist mir doch gut gelungen.

Meine Eltern sind beide tot. Ich weiß, wie sehr sie von ihrer eigenen Jugend und dem Krieg traumatisiert waren. Ich weiß, dass sie mich geliebt hatten. Ich denke, dass sie nicht wussten, was sie mir damals antaten. Sie lernten aus ihren Erfahrungen und meine Geschwister wuchsen schon wieder ganz anders auf. Sie konnten ihre Jugend relativ unbeschwert ausleben.

Manchmal bin ich wütend auf meinen Vater und meine Mutter. Aber ich bin im Reinen mit meiner Lebensgeschichte. Und so fühle ich mich meinen Eltern heute eng verbunden. Ich lernte, die Verantwortung für mein Lebensglück in eigene Hände zu nehmen. Was für eine Entlastung! Meine Mittlere hat sich schon ganz gut erholt.

Zimmerreisen 6: M wie Misi

Zimmerreisen 6: M wie Misi

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches mich immer wieder in meine eigene Vergangenheit führt. Das Regelwerk findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 06/2021 | Puzzleblume ❀ (wordpress.com) Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Der Misi hängt seit einigen Jahren im Garten ab. Hier ein aktuelles Foto:

Misi ist ein Gartenhänger und gehört meiner Nachbarin. Ich entdeckte ihn im Juli 2016 zum ersten Mal. Ich fand den Frosch so witzig, dass ich ihn gleich knipste. Das Foto wollte ich in den Blog meiner Schwester stellen, die mir damals erlaubte, dort ein paar Gastbeiträge zu schreiben, um das Bloggen auszuprobieren. Aber daraus wurde nichts. Also aus dem leisen Foto, meine ich. Das Bloggen ausprobieren gelang ja richtig gut. Ich bin bis heute dabei. Also heute probiere ich nicht mehr, heute mache ich. Aber nun zurück zu Misi. Er gab sich nicht zufrieden damit, still zu sein. Nein, das war nicht seine Art. Er wollte mitreden. Mitreden oder gar nichts. Also ließ ich ihn am 5. August mitreden: Misi meldet sich – Gertrud Trenkelbach Blog (wordpress.com) Er bezog sich auf einen Beitrag von mir über Glücksmomente. Damals war noch ein Foto dabei. Na ja, egal. Im August 2016 eröffnete ich meinen eigenen Blog und nahm Misi mit : Misi meldet sich (1) – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com).

Misi zog dann schnell bei mir zu Hause ein. Er nannte mich Frau Holle und beides gefiel mit gut: Frau Holle zu sein und mit einem Frosch zusammen zu wohnen. Misi entwickelte sich. Ein Nurmeckerfrosch wurde zu einem einigermaßen sozialen Wesen.

Misi begleitete Frau Holle ins Schwimmbad oder zum QiGong. Er sang im Chor und trat in eine Männergruppe ein. Er gab überall seinen Senf dazu und das war für Frau Holle nicht immer schön. Die beiden ergänzten sich trotzdem und es gab viel zu Lachen. Allerdings erlitt der arme Frosch auch heftige Angstattacken (Storch!) und musste zum Doktor Schreckweg in Therapie. Und einmal ist er im ersten Schnee fast erfroren, weil er nicht auf Frau Holle hören wollte. Misi lernte das Fotografieren und betätigte sich künstlerisch. Er besuchte andere Blogs und erlebte Abenteuer, das glaubt Ihr nicht. Eines Tages war er sogar ganz verschwunden und Frau Holle hatte große Angst um ihren kleinen Frosch. Aber alles ging gut aus. Na ja, bis auf das wochenlange Sprechverbot natürlich. Misi gestaltete einen Weihnachtskalender, er verliebte sich mehrmals und bekam furchtbar viele Kinder. Eins von denen war anders und blieb, während seine Geschwister das Weite suchten. Das Vatersein (alleinerziehend!) gestaltete sich für Misi ziemlich anstrengend, aber Frau Holle unterstützte ihn, wo sie nur konnte. Schließlich hatten auch ihre Kinder das Weite gesucht. Sie wusste also Bescheid.

Ja, so, war das mit Misi. Leider verschwand er, als Corona kam. Er zog in die Freiheit und ich hatte andere Probleme. Wenn Ihr neugierig seid, könnt Ihr in der Kategorie misi stöbern. Ich mache das manchmal selbst und finde, dass Misi und Frau Holle ein vergnügliches Team waren.

Der kleine Gartenhänger ist real und immer noch bei mir. Meine Nachbarin lässt ihn in meine Richtung gucken. Ich denke gerne an die Zeit mit Misi zurück. Er gab meinem Inneren Kind eine Stimme. Und jetzt verspüre ich gerade eine unbändige Lust, den kleinen Kerl wieder bei mir aufzunehmen. Mal sehen, ob er nicht doch noch zurück kommt. Ich könnte ihn manchmal gut gebrauchen.

Weit weit weg

Vor ein paar Tagen radelte ich sehr früh los. Ich wollte die übliche Radrunde absolvieren, aber mein Fahrrad hatte andere Pläne. Und so fuhr ich immer weiter und weiter. Urlaubsgefühle und Abenteuerlust machten mich froh und am besten war das Pferd mit Pony und Zöpfen. Meine Phantasie gaukelte mir Schweden vor. Aus Spaß war ich in Schweden, meinem Sehnsuchtsort. Am Wegesrand genossen zwei echte Touristen mit Kaffeebechern in den Händen auf Campingstühlen vor ihrem Auto sitzend die Weite und Landschaft. Und ich genoss meine kleine Freiheit zu sein, wo ich sein wollte und suchte stille Wege. Und später war ich glücklich wieder zu Hause und dachte, dass ich jetzt aber mal richtig weit weg gewesen bin. Fast in Schweden. Aber auf meiner Fahrradkarte sah ich dann, es waren nur ein paar Zentimeter!

Sommerfrische

Es ist so heiß

und ich weiß

das ich es unbedingt brauche

mein privates kleines Mini-Mini-Meer

also hole ich es mir.

Es ist tatsächlich winzig klein

und ich passe nicht ganz rein

aber zum Erfrischen für die Füße

ist es wirklich fein!

Und weil der Mohn im Garten

sich so schön gibt

will ich Euch zeigen

wie er blüht

und mein Füßekühlen

wirklich gerne sieht

denn er freut sich sehr

auf das Wasser

vom Mini-Mini-Meer

nachher.

Alles ist gut

in meiner

Terrassensonnenglut! 😎🌞🍨📘

Wer Lust hat

kommt einfach vorbei

ich mache Platz

für eure Füße

und schicke schnell mal

liebe Grüße

für alle

die lieber

zu Hause bleiben!💖🙋‍♀️

Zehn Jahre

Und jetzt lebe ich die Zeit der Zufriedenheit.

Ich gönne mir eine Tablette gegen die Schmerzen und schon erwachen meine Lebensgeister. Ich fahre meine verlängerte Radrunde am frühen Morgen und streife anschließend durch meinen kleinen Garten. Ich denke, dass ich alles habe, was mir wichtig ist. Also fast alles. Etwas fehlt, aber ich weiß nicht so recht, was das sein könnte. Es ist so eine vage Vorstellung von Gemeinsamkeit, die ich nicht recht einordnen kann. Denn meine Lust auf Veränderungen verschwindet sofort, wenn ich konkret werden will. Also ist doch alles gut, wie es ist.

Mein Garten ist klein, aber er bietet mir so viel! Mein Gärtchen und ich sind im Laufe der Jahre zusammengewachsen. Er ist mein Ruheort und meine Heimat.

Vor zehn Jahren habe ich meinen Mann und mein eigenes Haus verlassen und bin hier eingezogen. Oh ja, das war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Das hier war fremd und hatte nichts mit mir zu tun. Es dauerte Jahre, bis ich mich an das Alleinsein und an dieses Reihenhaus gewöhnte. Und jetzt kann ich es kaum fassen, dass schon zehn Jahre vorbei sein sollen. Es hat sich so viel verändert. Ich habe viel erlebt. Ich bin gewachsen. Es war nicht leicht, hier anzukommen, in meine Zufriedenheit. Aber jetzt bin ich da!

PS: Ich sehe gerade: Hier gibt es noch ein Jubiläum:

  1. Errungenschaft: 5. JahrestagGlückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com! Du hast dich vor 5 Jahren auf WordPress.com registriert.Danke für dein Vertrauen. Weiter viel Erfolg beim Bloggen!

Das ist witzig. Zur Halbzeit sozusagen begann ich mit dem Bloggen. Dies war und ist ein wichtiges Element meiner Zufriedenheit! Viele von Euch begleiten mich schon seit fünf Jahren! Danke dafür💐!

Doofer Text

Doofer Text
  • Die Sehnsucht nach Meer und Strand und Möwen ist groß.
  • Aber jetzt fahren alle und ich bleibe hier. Auch schön.
  • Es gibt Nachbarn, die sind freundlich und es gibt welche, die mögen mich so gar nicht. Das zeigen sie auch. Na gut.
  • Das Wetter haut mich um. Ich schaffe fast gar nichts, das aber ausdauernd und immer mal wieder. Blöd.
  • Und trotzdem ist es im Garten und im Haus recht ordentlich, wenn man nicht so genau guckt. Das ist praktisch.
  • Ich könnte mal wieder Schränke aufräumen. Keine Lust.
  • Ich könnte mal wieder mit dem Auto an den See fahren. Keine Power. Ist ja sowieso noch verboten zu baden.
  • Was nun?
  • Weiß ich auch nicht.
  • Kochen?
  • Ja! Gemüsesuppe.
  • Dieser Beitrag heute im Regenbogen ist doof.
  • Finde ich auch.
  • Dann lass es doch lieber!
  • Irgendwas wollte ich aber heute machen.
  • Lieber doofe Beiträge als keine!
  • Jetzt raffe ich mich auf zur täglichen Radrunde!
  • Tschüss!