Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches immer wieder Erinnerungen weckt, egal welcher Buchstabe gerade bearbeitet wird. Das Regelwerk findet Ihr hier:https://puzzleblume.wordpress.com/2021/06/25/einladung-zu-den-zimmerreisen-07-2021/ Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Ohrringe und Ohrstecker besitze ich viele. Hier seht Ihr eine kleine Auswahl meiner Sammlung. Ein Paar ist geerbt und wertvoll, die anderen glitzern und glänzen billig herum.

Ich schmückte mich gerne mit ihnen. Ausgehen, arbeiteten gehen und überhaupt: Glitzern am Kopf war angesagt.

Diese, also eigentlich waren es ja zwei, einer ist weg, trug ich gerne, als ich Studentin war. Sie passten gut zum Parka, zu Pumphosen, zu Latzhosen und zu meinem Hennahaar. Fand ich.
Diese, also auch als Paar, ich habe gerade aber nur einen gefunden, erstand ich in Irland, als ich mit Kommilitonen dort herumreiste, mit Zelten, viel Regen und einer Lungenentzündung. Nein, nicht ich wurde krank, eine Mitreisende hat es erwischt und dann war zwei Wochen „Bed and Breakfast“ angesagt und unsere Urlaubskassen meuterten.
Diese hat mir mein Mann geschenkt. Damals, als wir frisch verliebt waren. Ich trug sie monatelang jeden Tag. Das war ein Gefunkel, wenn die Sonne schien! Und sie schien ja immer, denn ich war verliebt und glücklich und umarmte die ganze Welt.
Und diese trug ich fast 25 Jahre später frisch getrennt in Hamburg, als ich mit Freunden Silvester im Tanzlokal feierte. Nein, feiern war es eigentlich nicht. Eigentlich war ich so traurig und hatte Sehnsucht. Ich konnte es nicht fassen, dass mein Mann nicht bei mir war.
Und diese kaufte ich, als ich mich in einer Reha erholen sollte und nicht konnte. Nach meinem Auszug von zu Hause erwischte mich die Angststörung, die mich zwar schon lange vorher begleitete, aber ich hatte sie einfach nicht bemerkt. Bis ich dann eines Tages in meiner neuen Wohnung im Bett lag und beschloss, nicht aufzustehen, sondern mich krankschreiben zu lassen. Ich konnte mich einfach nicht mehr zusammenreißen. Das Leben und alles andere machten mir Angst. Sogar die Weihnachtsbäckerei. Dann wurde ich zur Reha geschickt. Dort war es ziemlich schrecklich, aber ein paar schöne Erinnerungen gibt es auch. Und die Ohrringe trage ich heute noch gerne. Sie erinnern mich daran, dass ich diese blöden Angstgefühle nie ganz loswerde, aber ich mittlerweile gut mit ihnen leben kann.
Und diese kaufte ich mir 2019 für ein Silvesterseminar in Nordfriesland. Mit ihnen kam ich glänzend ins neue Jahr und wusste noch nicht, dass sich bald so vieles ändern würde.

Zur Zeit trage ich meist kleine Ohrstecker, denn wenn es so warm ist, kann ich kein Gebammel am Ohrläppchen ertragen. Das war früher auch mal anders!😆

23 Gedanken zu “Zimmerreisen 7: O wie Ohrringe

  1. Schnmuckstücke, an denen sich Erinnerungen wie Momentaufnahmen der Biographie knüpfen – das kenne ich auch so. Eine schöne Zimmerreise, und mir gefallen auch deine Ohrringe alle sehr. Ich selbst kann leider solche Gewichte, wie sie Glitzerteinchen nun mal haben, nicht lange aushalten, aber Funkeln am Ohr finde ich auf alle Fälle schön, ob zwische längeren Haaren heraus oder neben dem Hals, pur.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sonja, für viele meiner MitstreiterInnen der Reha war es eine ganz wunderbare Zeit. Für mich nicht. Ich hatte mir eine andere Einrichtung ausgesucht, die geeigneter gewesen wäre. Aber da machte die Krankenkasse nicht mit und schickte mich zwar an den gleichen Ort, aber eben in dieses Haus, in dem meine Angststörung sich eher verschlimmerte. Immerhin erkannte hier eine Ärztin, was mit mir los war, allerdings erst zum Ende hin. So fand ich mit dem neuen Wissen zu Hause eine Therapeutin, die mir half, wieder auf die Beine zu kommen. Liebe Grüße 🌈aus dem Wendland! Regine

      Gefällt 1 Person

  2. Eine schöne bunte Zimmer-Erinnerungsreise! Schön, wie du an den Ohrringen entlang erzählst. Mir gefallen ja besonders diese türkis-blauen Steine! Ich kann mir gut vorstellen, daß sie dir alle gut gestanden haben 🙂 Ganz liebe Grüße
    Almuth

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Regine, in vielen deiner Beiträge habe ich enorme Ähnlichkeit mit mir und meiner Umgebung festgestellt. Aber hier sind wir mindestens 180° unterschiedlich. Bis vor einigen Jahren habe ich auch gern Ohrschmuck getragen – aber nichts Buntes, nichts Schillerndes, nichts mit Perlen oder so – alles mehr oder weniger aus Silber (Gold mag ich nämlich auch nicht) oder aus Edelstahl oder Chrom oder so. Die Ohrhänger hatten tolle Formen – aber oft hatte ich Angst, dass ich mir das Ohr aufreiße, weil ich damit hängen bleibe. – Oder ich hatte nur kleine Stecker auf der einen Seite und nur im andern Ohr so ein auffälliges Gehänge.
    Jetzt bin ich schon lange davon weg und habe vieles verschenkt.
    Morgen kommt von mir mal wieder ein Artikel, bevor ich hier platze.
    Liebe Grüße zu dir von Clara

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, liebe Clara! Bitte nicht platzen! Das wäre doch wirklich schade.
      Ich mag und mochte bunten, schillernden, glitzernden Schmuck💎. Ich habe einen Hang zum Kitsch, ich weiß. Das Echte, Teure wäre wahrscheinlich wirkungsvoller, aber dafür war ich immer zu geizig.
      Heutzutage trage ich wenig Schmuck. Erstens fehlt der Anlass und zweitens ist es viel zu warm und schwül dafür.
      Liebe Grüße nach Berlin💜! Regine

      Gefällt mir

      1. Ja, Kitsch ist vielleicht das falsche Wort. Kitsch wird allgemein negativ bewertet, das vergesse ich manchmal. Ich meine es so im Sinne von: keine hohe Kunst, alltagstauglich mit positiver Ausstrahlung, der Gegenstand (auch wenn er in die Sparte Kitsch fällt) hat eine persönliche Bedeutung. Ich denke z.B. an einen Engel, den mir mein Sohn einmal schenkte und ihn mit einer persönlichen Botschaft verband. So einen Engel würde ich mir normalerweise eher nicht in die Wohnung stellen, aber weil er ein Geschenk mit hoher Symbolkraft ist, hat er einen Ehrenplatz bekommen.
        Billiger Glitzerschmuck wird manchmal als Kitsch bezeichnet. Habe ich schon selbst erlebt. Aber, wie gesagt, für mich hat das keine negative Bedeutung.😍

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s