Zimmerreisen 8: P wie Petronella und Puppenspiel

Zimmerreisen ist ein spannendes Schreibprojekt, welches immer wieder Erinnerungen weckt, egal welcher Buchstabe gerade bearbeitet wird. Das Regelwerk findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/07/23/einladung-zu-den-zimmerreisen-08-2021/ Ich danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und Puzzleblume für die Anregung zum mentalen Reisen.

Vorwort:

In Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat, sammelte ich Bilderbücher. Sie waren derer viele und eins der liebsten war “ Tomi Ungerers Märchenbuch“, Diogenes Verlag, 1975. Wie es sich in jenen dunklen Tagen gehörte, fand ich die Geschichte von Petronella (Jay Williams) emanzipatorisch beispielgebend. Denn hier rettet eine Prinzessin einen Prinzen, der vom bösen Zauberer gefangengehalten wird. Mutig absolviert sie die drei Aufgaben, die zur Rettung nötig sind. Nach einer aufregenden Flucht, denn der Zauberer gibt nicht auf und verfolgt das Paar, erfährt sie so allerlei Überraschendes und sie findet die Liebe ihres Lebens. Spoileralarm: Der Prinz ist es nicht.

Hauptteil:

In meinem Regal steht ein Foto aus längst vergangenen Tagen. Sie sind so lange her, dass es manchmal schwer fällt, zu glauben, dass sie keine Märchenerzählung meines Erinnerungsvermögens sind. Nein, das Fotos beweist einen gewissen Wahrheitsgehalt.

Und hier fängt die Geschichte von „Petronella“ und dem Puppenspiel an. Alles begann 1984 und ich war 32.

Wir waren zu dritt und mochten uns sehr. Gemeinsam verbrachten wir unsere Zeit mit Yoga, Basteln, kleinen Auszeiten und Strandbesuchen. Schließlich lebten wir auf Föhr und Föhr verbindet. Oder so ähnlich.

Eines Tages planten wir etwas Großes! Etwas Unerhörtes, etwas nie Dagewesenes. Wir wollten ein Puppentheater! Nicht irgendeines, sondern ein ganz und gar Selbstgemachtes. Mit Feuereifer verfolgten wir unsere Idee und setzten sie schließlich auch um.

Zuerst suchten wir die Geschichte aus. Was wollten wir spielen? Ich kramte Tomi Ungerers Märchebuch hervor und wir fanden, „Petronella“ sei geeignet. Sie spiegelte den Zeitgeist wieder, war lustig und passte zu uns. Wir wollten alle ein klein wenig Petronella sein. Und weil wir das so schön fanden, nannten wir unser noch nicht existierendes Puppentheater „Petronella“.

Ich schrieb das Drehbuch, welches noch in meinem Erinnerungskoffer liegt. Ja, ich hatte Talent, stelle ich heute fest. Gemeinsam bastelten wir die Handpuppen. Die Köpfe aus Fimo, die Kleider selbst genäht und bestickt. Zwischendurch übten wir unsere Texte und lachten uns schlapp. Und dann wurde die Bühne geplant und unsere Freunde boten ihre Hilfe an. Aber nein, wir wollten alles alleine machen. Schließlich hießen wir „Petronalla“ und wir konnten das selbst! Ja, nun, die Bühne sah etwas windschief aus. Aber das kaschierten wir später mit Luftballons. Die Kulissen entsprachen unseren Vorstellungen und schließlich war alles fertig.

Eine von uns war Inhaberin der Insel-Teestube und so war klar, wo die Premiere stattfinden sollte. Wir luden alle ein, die wir kannten und alle kamen.

Das Fotos zeigt uns kurz vor Beginn der ersten Vorstellung. Oh, wie war das aufregend! So viele Leute drängten sich, tranken Bier und Wein, plauderten und waren uns freundlich gesinnt. Und weil Puppenspielerinnen während der Aufführung ja selbst nicht zu sehen sind und sich unser Lampenfieber darum in Grenzen hielt, gelang die Märchenaufführung so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Das Publikum blieb bis zum Schluss des einstündigen Spektakels aufmerksam, lachte an den richtigen Stellen und manchmal auch dann, wo Lachen und Gejohle von uns nicht geplant war. Manchmal mussten wir mitlachen und das gehörte irgendwie dazu. Der Schluss-Applaus wurde bis zu Festland gehört.

Nachwort:

Und weil wir leider auseinander gegangen sind, spielen wir nicht bis heute. Ich bin gerade sehr gerührt, während ich dies schreibe. Und auch ein wenig sentimental.

„Petronella“ gab noch einige Vorstellungen. Dann wurde mein Bauch zu dick, denn ich war schwanger. Wir spielten nicht mehr zusammen, aber eine von uns übernahm die Bühne und tingelte durch die Kinderheime. Sie bastelte sich selbst ihre Puppen mit Köpfen aus Pappmaschee, so dass diese größer und auch in den letzten Reihen sichtbarer wurden.

Leider habe ich keine Fotos von unseren ersten Puppen. Wir teilten diese später, als ich die Insel verließ, auf und das hätten wir nicht tun sollen. Meine haben die vielen Umzüge nicht überlebt.

Mein Freund hat auf der Premiere ein paar Dias aufgenommen, die nicht so gut geworden sind. Ich zeige Euch trotzdem einige davon, denn sie sind besser als nichts und sie zeigen: Ich habe das nicht geträumt! Das war einmal!

6 Gedanken zu “Zimmerreisen 8: P wie Petronella und Puppenspiel

  1. Ich war die letzte Zeit so eingebunden, da sind mir die Zimmerreisen fast alle durchgerutscht. Das Puppentheater sieht toll aus und so wie du es beschreibst, muß es eine schöne Zeit gewesen sein! Was ihr da alles auf die Beine gestellt habt, die witzigen Puppen mit Liebe und Begeisterung hergestellt 🙂 Klasse! Schade, daß es sich verlaufen hat. Würdest du so ein Projekt mit anderen Menschen heute noch mal auf die Beine stellen? Jedenfalls danke fürs Mitnehmen in deine Vergangenheit 🙂 Liebe Grüße von
    Almuth

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    1. Oh ja, das Puppentheater und die aktuelle Erinnerung daran machten viel Freude. Ich bin weg gezogen und dann haben wir leider den Kontakt (aus Gründen, an denen ich maßgeblich mitgearbeitet habe) zueinander verloren. Beim Verfassen meines Textes fragte ich mich tatsächlich, ob so etwas Ähnliches nicht doch wieder für mich möglich wäre. Zeit habe ich ja mehr als genug, nur meine Gesundheit ist nicht mehr so toll und die Pandemie ist auch noch nicht vorbei. Trotzdem werde ich den Gedanken nicht verlieren und schauen, was möglich ist. Ich meldete mich erst einmal zum Kurs „Theater für Senioren“ in der Volkshochschule an. Ich befürchte allerdings, dass zu wenig Leute mitmachen wollen, so stand es zumindest schon in der Zeitung.
      Du bist so eingebunden….das hört sich für mich ganz positiv an. Ich habe gefühlsmäßig irgendwie den Anschluss verloren…..Fängst Du so ganz allmählich mit dem Weihnachtsgeschäft an? Meine Güte, wie die Zeit vergeht! Ich habe Dir doch gefühlt erst vor ein paar Tagen dasselbe gefragt….
      Liebe Grüße💝 aus dem Wendland!🙋‍♀️

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      1. Ich finde die Idee gut und könnte mir das bei dir auch gut vorstellen. Du hast so viele lustige Figuren in deiner Wohnung. Das spricht doch davon. Die rufen dich alle 😉 Man muß nur erst mal Gleichgesinnte finden.
        Ach, hier ist dies und das, nicht nur Arbeit, auch anderes. Dann bin ich oft zu müde für den Blog.
        Liebe Grüße aus Hannover 💖🐸🌈
        Almuth

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