Frühlingsfreuden

Frühlingsfreuden

Hallo Leute, was für ein wunderbarer Frühling mit einem optimalen Wetter! Ich hopse durch den Garten und alles ist so herrlich frisch und nass. Von allen Seiten Wasser und von oben und unten auch. Herrlich! Wenn ich da an den letzten Sommer denke! Furchtbar, die Hitze und monatelang kein Regen. Für meine arme Froschhaut ganz fürchterlich. Sie wurde braun, warf Falten und hübsch war das wirklich nicht mehr.

Jetzt tobe ich durch das herrliche Nass und freue mich. Es wird dunkel, aber ich mag noch nicht rein. Zu trocken und zu warm!

Frau Holle sitzt natürlich drinnen auf dem Sofa und scheint allmählich Wurzeln zu schlagen. Sie sagt: „Wenn ich mich den ganzen Tag im Regen aufhalte, wird meine Haut auch noch grün. Das gehört sich nicht.“ Also bleibt sie auf ihrem Hintern hocken und liest. Sie muss das dicke Buch bis Dienstag durchgelesen haben, denn ihr Philosophie-Kumpel, der rechts neben ihr sitzt, hat das auch in einer Woche geschafft. Sie stöhnt und sagt: „Das schaffe ich nie!“ Sie legt es zur Seite und muss dringend ihr Gehirn ausruhen. Dafür schiebt sie eine runde silberne Scheibe in einen Apparat, drückt ein paar Knöpfe und dann gibt’s im Fernsehen wie durch Zauberhand Film zu sehen. Reinste Magie, sage ich Euch! Es läuft eine endlose Märchengeschichte mit Kleidern, Prinzen, Pferden, Liebe und einer bösen Königin, die alle Märchenfiguren verflucht hat, so dass diese in der normalen Welt leben müssen und vergessen haben, wer sie sind. Erst die Retterin rettet sie und Frau Holle sagt, sie weiß, dass das doof ist, aber sie kann nicht ununterbrochen philosophisch denken. Gerade guckt sie einfach nur, entspannt und freut sich, dass auch die Prinzessinnen kämpfen wie Männer und die Männer trotzdem keine Kleider tragen. Frau Holle findet das ganz entzückend, wenn nur die laute Hintergrundmusik nicht wäre.

Ich rutsche und glitsche durch die Pfützen und überlege, ob ich bald wieder anfangen soll zu arbeiten. Oder gönne ich mir mal ein Sabbat-Jahr? Einen Sommer lang nichts tun, nur meditieren, sinnieren und nebenbei Fliegen fangen? Wenn es überhaupt noch Fliegen gibt in diesem Sommer, im letzten Jahr musste Frau Holle zufüttern.

Geniest Ihr das Wetter auch so wie ich? Oder macht Ihr es etwa wie meine Frau Holle, die sich den Hintern platt sitzt? Nein, Ihr seid doch sicher aktiv wie die Silberfischchen und achtet auf Eure Figur! Oder?

Ich glitsche noch eine letzte Runde und hüpfe dann rein, Prinzen gucken und vielleicht kommt ja noch der Froschkönig ins Bild! Macht es gut und schönen Sonntag! Euer Misi

PS: Frau Holle guckt gerade nach, was ich so schreibe und sagt, ihr Hintern ist sowieso schon platt. Das Alter! Und dann guckt sie noch mal in ihren Blog, klatscht in die Hände und ist total begeistert. Sie singt: „Bald 200!“ Ich weiß nicht, was sie meint!

 

Nebeneffekt

Nebeneffekt

Hallo Leute, ich bin´s mal wieder! Frau Holle nervt gewaltig. Immer wieder kommt sie an und ich soll auf ihr rechtes Bein gucken. Es sieht anders aus als das linke. Na und? Selbst schuld, wenn sie an sich herumsägen lässt. Jetzt ist das Gejammer groß und ist doch logisch, dass gesägte Beine anders sind als nicht gesägte.

„Aber guck doch mal, Misi, mein rechtes Bein!“, tönt es jetzt schon wieder. Was kann man für ein Gewese um Beine machen, frage ich Euch. Nun hat sie ja nicht so schöne Schenkel wie ich und darum sollte sie sich lieber in Schweigen hüllen und nicht so angeben mit ihrem Bein.

Frau Holle kommt angekrückt. Klack… schritt….klack….schritt….klack….schritt. Ich habe keine Lust mehr auf das. Es soll wieder normal hier werden. Frau Holle stellt sich vor mich hin und will, dass ich gucke und ich sehe nichts. Nur Beine und Krücken.

Frau Holle stellt sich vor ihren Spiegel und sagt: „Natürlich habe ich keinen Sehfehler! Alle bestätigen es.“ Sie schaut leicht versonnen und ich weiß immer noch nicht, was sie hat. „Mein rechtes Bein ist seit der OP ziemlich gerade, siehst du das nicht?“ Natürlich habe ich das schon lange gesehen, ich wollte aber lieber nichts sagen. Frau Holle hat zwei verschiedene Beine, eins gerade und eins, na, wie soll ich das jetzt ausdrücken? Als Froschbein wäre es noch ganz o.k., aber als Menschenfrauenbein wohl eher nicht. Ziemlich rund. Früher waren es beide, das ging ja noch. Aber jetzt ist kein O mehr zu sehen, sondern ein D-verkehrt-herum. Und das ist nicht schön.

Frau Holle sieht das anders. Sie findet, ein gerades Bein ist doch ein großartiger Nebeneffekt. Mit dem hat sie gar nicht gerechnet. Sie sagt: „Misi, nun steigt mein Marktwert wieder!“ Und sie grinst und meint, sie hätte einen Witz gemacht.

Ich sage lieber nichts und verziehe mich. Wenn sie D-verkehrt-herum schöner findet als O, soll sie doch. Das ist wohl so ein Frauending. Ich gucke lieber, was der Frühling draußen macht. Der schwächelt etwas und ich will ihm auf die Sprünge helfen!

Tschüss, Leute! Hops.

 

Misi geht raus

Misi geht raus

Hallo Leute, Frau Holle weigert sich zu bloggen. Sie sagt, ihr fällt nichts ein außer Beeinträchtigungen durch Operation und sie will doch keinen Krankenblog schreiben und ich soll sie heute an diesem wunderschönen Sonnentag vertreten. Ich lasse mir vorher aber erklären, was Operation ist und falle fast in Ohnmacht. Nein, nein, so was will ich nicht hören und Frau Holle ist wohl blöd, an sich rumsägen zu lassen. Sie sagt, das hilft gegen kaputte Knie. Ja, das sehe ich, wie das geholfen hat. Sie geht mühsam an Stöcken. Schlimm, schlimm, schlimmer als vorher. Sie sagt, das wird noch mit Geduld und Spucke.

Dazu habe ich keine Lust, zu spucken und mir geduldig anzuschauen, was aus meiner Frau Holle geworden ist. Ich hüpfe lieber in den Garten, denn dort ist es heute warm wie im Sommer und die Krokusse blühen, was schön ist. Ich zwinge meinen Sohn Zwetschge mitzukommen. Ich sehe ihn kaum noch. Er hängt immer mit dem Handyfrosch zusammen und seinen Papa mag er gar nicht mehr leiden. Das ist wohl das Los der Alleinerziehenden. Erst hat man so viel Sorgen mit seiner Brut und dann kehrt sie einem den Rücken, weil sie sich aus der elterlichen Sorge befreien müssen. Um selbständig zu werden. Na gut. Seine vielen Brüder und Schwestern sind ja schon viel früher entschwommen und wurden nie wieder gesehen.

Ich nehme Zwetschge also mit in den Garten, weil ich finde, er soll die Welt kennenlernen. Und nicht immer ins Handy starren. Er will das nicht, er will Handy und mault. Ich zeige ihm die Krokusse, aber er meckert, weil sie so langweilig dastehen und er sie nicht mal vergrößern kann. Er sagt: „Bilder am Handy kann man vergrößern und das ist lustig.“

Als ich ihm sage, dass wir bald unseren Berufen wieder nachgehen können, guckt er mich an, als käme ich frisch aus dem Teich. Er sagt, er wird ganz bestimmt nicht arbeiten, sondern er will das Leben genießen. Ich weiß nicht, was er meint, denn ich bin so gerne Gartenhänger, das glaubt Ihr nicht. Verantwortung tragen, seinen Lebensunterhalt verdienen, nützlich sein, das macht Spaß. Zwetschge meint, er sei Frosch und keine Gartendeko, so wie ich. Und dann hat er die Nase voll von mir und begibt sich zum Handyfrosch. Bilder vergrößern.

Ich sehe mich im Garten um und entdecke eine ganze Menge neuer Gestalten. Wo kommen die denn alle her? Am besten ist ja ein Schwein mit Flügeln, das will ich mir mal näher ansehen. Darum verabschiede ich mich jetzt und hoffe, Frau Holle ist zufrieden mit mir und meiner Vertretung. Sie sagt, ich soll Euch noch einen schönen Sonnentag wünschen. Also: Schönen Sonnentag! Euer Misi

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Pubertät

Pubertät

Hallo Leute, ich habe keine Zeit und bin im Dauerstress. Mein Sohn, der Zwetschge, will nicht so, wie ich wohl will. Frau Holle ist höchst ungehalten und fragt sich und mich, ob sie im nächsten Winter wieder Frösche bei sich aufnehmen soll. Sie will im Hause die Bestimmerin sein und entscheiden, wie es bei ihr aussieht. Zur Zeit macht Zwetschge ihr die Rolle streitig und müllt uns alle ein, wenn ich nicht aufpasse und ihm hinterherräume. Das Sofa ist immer unordentlich und der Tisch vollgestellt, die Schranktüren stehen offen, die getrockneten Fliegenreste liegen überall herum und der Keller ist ab und zu überschwemmt. Unsere ganze große kleine Welt hier gerät aus den Fugen und die Musik ist viel zu laut. Er will tun, was er will und aufräumen will er nicht. Auf keinen Fall. Er nennt das spießig und in einer Spießerwohnung will er nicht wohnen. Er rüpelt sich durch unser Leben und es wird immer schwieriger, die Harmonie wieder herzustellen.

Früher war das einfacher. Als Ei und Kaulquappe fiel Zwetschge unter seinen Geschwistern nicht weiter auf und schien sich normal zu entwickeln. Aber als sie sich alle in Frösche wandelten und sich verselbständigten, verselbständigte sich Zwetschge nicht und hing an seinen Eltern. Das war dann nicht mehr so einfach, denn er hing ziemlich fest und klammerte. Iris, meine Frau und seine Mutter, konnte das nicht mehr ertragen, ging auf Reisen und wurde nie wieder gesehen. Die meisten von Euch kennen die Geschichte wahrscheinlich. Ich wurde also alleinerziehender Vater mit Einzelkind und das kommt unter Fröschen sehr, sehr selten vor. Frau Holle unterstützte mich wohlwollend und wir übten und machten und taten, damit mein Sohn lernte, mich aus den Augen zu verlieren, ohne zu schreien. Frau Holle sagte damals: „Wird schon!“ Und es wurde auch. Zwetschge konnte eines Tages selbst entscheiden, wohin er wollte. Er musste mir nicht mehr hinterher hüpfen. Was für eine Erleichterung! Für eine kleine Weile war es wieder leichter für mich und dann wurde es furchtbar.

Alleine ihn allabendlich zum Schlafen zu bringen ist jedes Mal ein Drama an sich. Früher reichte es, wenn ich ins Terrarium hüpfte. Er kam mir ja immer hinterher. Ich legte mich hin und er fiel dann sofort auch um und schlief fest ein. Heimlich konnte ich das Terrarium wieder verlassen und mich noch ein wenig im Haus verlustieren. Ohne Kind, denn alleinerziehende Väter sind eben auch Frösche, die noch etwas erleben wollen.

Jetzt funktioniert das nicht mehr. Ich rufe: „Zwetschge, Lieber, ab ins Terrarium!“ Keine Reaktion. Wo steckt er bloß? War das noch schön einfach, als er noch an mir hing! Ich rufe: „Zwetschge, mein lieber Sohn! Wenn du mich hörst komm doch bitte her und mach dich fertig für dein Terrarium!“ Keine Reaktion. Ich brülle: „Zwetschge, wenn du nicht sofort kommst, schicke ich dich in den Garten, wenn ich dich erwische!“ Wir wissen, dass er dann erstarrt, weil es so kalt draußen ist und dann ist Schluss mit lustig. Dann kann er erst im Frühling wieder aufleben. Also hat er Angst vor dem Garten.

Frau Holle schüttelt den Kopf und meint, dass das Froschmisshandlung ist und Drohungen haben noch nie etwas gebracht.  „Du musst ihm das Terrariumgehen schmackhaft machen. Vielleicht mit ein paar getrockneten Fliegen zur Belohnung“, meint sie. Ich denke ich höre nicht richtig. Soll ich den Bengel noch für seine Frechheit belohnen?

Meist wird es Zwetschge dann aber doch langweilig. Betont langsam kommt er angehüpft und fragt, was ich nun schon wieder von ihm will und ich soll ihn endlich in Ruhe lassen und er weiß schon, was gut für ihn ist und ich bin nicht gut für ihn und erwachsen ist er auch. Rülps. Da fällt mir nichts mehr ein und ich kenne meinen kleinen Zwetschge nicht mehr wieder. Seufz.

Frau Holle murmelt etwas von Pubertät und ich weiß mal wieder nicht, was sie meint. Ich freue mich auf den Frühling. Dann kann ich meinen Sohn tatsächlich in den Garten schicken. Iris hat wohl alles richtig gemacht. Sie ist frei und ich habe die Arbeit und den Ärger. Aber manchmal kuschelt sich Zwetschge an mich heran und gibt mir ein Küsschen auf die Nase und meint, ich sei der liebste, beste Froschvater der Welt und er will mich immer, immer liebhaben, wenn ich ihm noch ein paar tiefgefrorene Mücken organisiere. Dann bin ich ganz gerührt und denke, habe ich wohl doch nicht alles falsch gemacht!

 

 

 

20. Dezember

20. Dezember

Hallo Leute, mein Terrarium steht wieder unten bei Frau Holle. Die Gestalten auf dem Dachboden ziehen sich in die Weihnachtskiste zurück und finden, dass sie nun genug gefeiert haben. Frau Holle hat ordentlich geschimpft, als sie alle Engel wieder herstellen musste. Heiligenscheine aufsammeln, Kleider säubern, Flügel sortieren. Auch die Weihnachtsmänner sehen derangiert aus. Die Bärte struppig, Mützen verschwunden und die ganze Weihnachtsstimmung hat oben nicht gut funktioniert. Alle freuen sich auf das nächste Jahr. Dann wollen sie wieder nach unten in die gute Stube und unter Frau Holles Aufsicht werden sie bis zum Heiligabend durchhalten.

Zwetschge und ich sitzen bei Frau Holle und warten auf Schnee. Zwetschge glaubt mir die Geschichte vom Fast-Erstarren nicht und will es selbst probieren. Frau Holle will keinen Schnee, weil sie ihn vor zwei Häusern wegfegen müsste. Ich biete an, ihr wieder zu helfen, aber sie sagt, mit einem Eierlöffel komme ich nicht weit. Sie hofft darauf, dass es überhaupt nicht schneit und Glatteis kann sie auch nicht gebrauchen. Sie sagt: „Weißt du Misi, ich wollte einen Räumdienst anheuern, aber der ist mir zu teuer. Nun will ich es selbst machen. Aber im Februar muss ich ins Krankenhaus und was dann?“ Was? Meine Frau Holle will ins Krankenhaus? Ich frage warum und sie sagt: „Knie.“ Ach so, klar. Dann hoffe ich doch, dass sie noch eine Lösung findet, denn Schnee will ich unbedingt. Also nur anschauen, klar, ich habe ja meine schlechten Erfahrungen gemacht, wisst Ihr noch?

Zwetschge lacht sich schlapp, als er die Bilder sieht und ich sage: „Das war kein Spaß, mein lieber Sohn. Höre auf deinen Vater und probiere es gar nicht erst!“ Frau Holle sagt, das hätte sie mir damals mehrmals geraten und wer wollte nicht hören? Zwetschge guckt interessiert, ich gucke in die Luft und sehe nach, ob es schon wieder Fliegen gibt und dann hüpft er davon. Er sucht Xaver, der ja auch noch irgendwo hier wohnt.

Ich frage Frau Holle, ob sie nicht endlich anfangen will zu putzen und einzukaufen? Sie sagt: „Nein.“ Ich erfahre, dass sie dieses Jahr Weihnachten nicht Zuhause ist und die Leute, die sie besucht, jetzt putzen müssen und massenweise einkaufen. Sie wird selbst Besuch sein und bringt höchstens Sachen für das Raclette mit und die hat sie schon angeschafft.

Ach so. Und wir? Die Gestalten sind nicht da und wir sollen Weihnachten hier im Dunklen sitzen? Frau Holle guckt betrübt. Daran hat sie nicht gedacht. Wir wollten doch meinem Sohn Weihnachten zeigen und Xaver will auch wieder feiern und ich erst recht! Frau Holle sagt: „Ich nehme euch einfach mit!“ Sie weiß noch nicht, wie das gehen soll, denn die anderen Leute wissen nichts von uns. Sie denken, wir sind Deko. Und sie würden es seltsam finden, wenn Frau Holle mit ihrer Deko spricht. Aber wir schaffen das! Wir sind brav, still und stumm, bis alle schlafen und Frau Holle will sich noch Erklärungen dafür ausdenken, dass sie nicht nur ihr Bettzeug, sondern auch ihre Deko-Frösche mitbringt. Wir sind fünf wunderbare Frösche: ich, Zwetschge, Xaver und der Handyfrosch. Ach so, das sind ja nur vier. Na also, kein Problem.

Ich suche die anderen und sage ihnen, dass wir bald verreisen und bei anderen Leuten Weihnachten feiern. Wir verstecken uns und beraten über Geschenke, die wir noch basteln müssen und über lustige Streiche, die wir spielen wollen. Aber das darf Frau Holle nicht wissen, weil es eine Überraschung sein soll!

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12. Dezember

12. Dezember

Hallo Leute, seid ihr auch so geschafft? Ich kann bald nicht mehr. Jede Nacht Weihnachtsfeier mit Männertanz und Gesang der holden Engel, die gar nicht mehr hold sind, das schlaucht doch sehr. Die Engel sind kaum wiederzuerkennen. Die Flügel zerzaust, die Kleidchen fleckig, Heiligenscheine fallen reihenweise ab und liegen überall herum. Ich wollte mir einen aufsetzen und für den Sommer aufheben, aber leider passt mir keiner. Zwetschge sammelt sie ein. Er wirft sie in die Luft und will, dass ich sie fange. Ich frage Frau Holle, die gerade auf dem Dachboden ist, warum er das tut und sie sagt: „Misi, das ist ganz normal, er will doch nur spielen.“ Sie bückt sich und wirft Zwetschge einen Heiligenschein zu und der kleine Racker fängt ihn kreischend auf. „Frisbee“, murmelt Frau Holle. „Frisbee heißt das. Mir fiel eben das Wort nicht ein.“

Weihnachtsfeiern sind ja gut und schön und schon lange träumten die Gestalten davon, jeden Abend unbeaufsichtigt feiern zu können, aber irgendwie fehlt uns die Aufsicht doch. Party immerzu vertreibt die echte Freude auf Weihnachten. Wusstet Ihr das das? Ich nicht.

Die Weihnachtsmänner schnarchen den ganzen Tag. Ihnen fehlen ihre Aufgaben. Der Drinnenwichtel will endlich nach draußen und die Engelkinder sind verstört, unausgeschlafen und quengelig. Kekse gibt es keine und der tägliche Rum schmeckt auch nicht mehr so wie früher. Zwetschge denkt, dass er Frau Holles Original-Adventszeit erlebt, er weiß es ja nicht anders. Er findet das lustig und jagt die Engelkinder immer dann, wenn sie nicht mit ihm rechnen. Ich muss ihm das demnächst verbieten, aber jetzt ich bin zu müde dazu.

Frau Holle ist also gerade oben. Sie räumt den Dachboden auf und bringt ganz viele Kisten weg, wohin weiß ich nicht. Sie sagt, sie braucht jetzt Ordnung überall und Platzschaffen befreit. Ich verstehe nicht, was sie meint, aber wichtig ist, dass die Weihnachtskisten so bleiben, wie sie sind. Frau Holle sagt ja und nächstes Jahr wird wieder unten gefeiert. Ihr gefällt es gar nicht, wie die Engel aussehen und dass die Weihnachtsmänner ihre Arbeit nicht tun. Einer brummelt in seinen Bart: „Was sollen wir hier oben für vorweihnachtliche Stimmung sorgen, wenn Frau Holle nicht dabei ist? Das macht doch keinen Sinn.“ Er schüttelt den Kopf und schlurft zu den anderen.

Frau Holle nickt und seufzt. Sie befürchtet, dass sie ihre Oberhoheit verloren hat. Ich sage: „Für dieses Jahr schon, liebe Frau.“ Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und verkrümele mich in mein Terrarium, spreche ein Machtwort mit Zwetschge und lege mich dann schlafen. Ich will fit sein für heute Nacht, denn dann feiern wir HAV (Heiligabend vorgezogen). Wir tun so, als sei schon der 24. Dezember, denn bis zum echten Fest reicht unsere Kraft nicht mehr.

Euch geht es hoffentlich gut in Euren warmen Stuben. Eure Gestalten sorgen vielleicht für sinnliche Stimmung und der Kerzenschein verbreitet ein güldenes Licht, in dem man den Staub nicht so sieht. Wahrscheinlich backt und macht und tut ihr weihnachtliches und dazu beglückwünsche ich Euch. Habt es friedlich miteinander und seid nicht so streng zu Euren Kindern! Euer Misi!

 

4. Dezember

4. Dezember

Hallo Leute, ich habe mich auf den Weihnachtsrummel hier im Haus so gefreut. Was war das für ein Leben im letzten Jahr mit all den Gestalten und mir. Weihnachtsmänner, Engelscharen, Nikoläuse und Draußenwichtel verbreiteten Stimmung und tranken manchmal Rum. Das könnt Ihr alles nachlesen in der Kategorie „Froschwelt im Dezember“.

Das wollte ich meinem Sohn zeigen. Zwetschge konnte es kaum erwarten.  Und nun? Gähnende Leere. Kaum ein Engel zu sehen, der Draußenwichtel steht drinnen und nur ein Weihnachtsmann hat sich in die gute Stube verirrt. Ein paar Kerzen und das war´s dann auch. Ich sage Frau Holle, dass wir schon den 4. Dezember haben, aber keine Festlichkeiten. Sie sagt, sie weiß das und sie möchte das in diesem Jahr nicht. Ich frage, ob die Engel im Karton bleiben müssen und die anderen Gestalten auch? Eingesperrt im Dunkeln auf dem kalten Dachboden? Zwetschge weint und will das nicht.

Frau Holle setzt sich an ihr Puzzle und tut so, als ob sie mich nicht hört. Ich hocke mich vor ihre Nase, setze die Weihnachtsmütze auf und sage: „Frau Holle, du hast es versprochen!“ Sie nickt und sagt, ja, das hätte sie wohl. Aber sie möchte nicht so viel lustige Adventsstimmung haben, weil es nicht zu ihrer eigenen Stimmung passt.

Nun müssen wir alle darunter leiden. Traurig setze ich die Mütze wieder ab. Frau Holle gibt mir ein Küsschen auf die Nase und hat eine Idee.

Sie geht auf den Dachboden und kramt und räumt herum. Dann ruft sie mich und ich traue meinen Augen nicht. Die Engel flattern herum und entstauben ihre Flügel. Die Weihnachtsmänner sitzen am Lagerfeuer und erinnern sich an ihren Männertanz. Der Draußenwichtel jubelt und gesellt sich dazu. Frau Holle putzt etwas Staub beiseite und die Gestalten können es sich gemütlich machen. Ich hole Zwetschge und er ist begeistert und will oben bleiben.

Prima Idee! Die Gestalten sind jetzt unter sich, Frau Holle ist es egal, was sie treiben und sie selbst freut sich über ihren verhaltenen Advent. Wir haben quasi sturmfrei! Ich verabschiede mich von Frau Holle und schiebe mein Terrarium auf den Dachboden. Zwetschge braucht ja ab und zu seinen Schlaf. Leute, das wird ein Super-Advent für uns!

Und Ihr so? Müssen Eure Engel und Weihnachtsmänner in diesem Jahr wieder unter Eurer Aufsicht bleiben oder gebt Ihr ihnen frei?

Das sind natürlich Fotos vom letzten Jahr. Aber die sind alle wieder dabei, nur eben oben! Ich muss los, Zwetschge wird zu übermütig und will Engelfangen spielen.  Macht es gut und bleibt oder werdet gesund! Euer Misi