12. Dezember

12. Dezember

Hallo Leute, seid ihr auch so geschafft? Ich kann bald nicht mehr. Jede Nacht Weihnachtsfeier mit Männertanz und Gesang der holden Engel, die gar nicht mehr hold sind, das schlaucht doch sehr. Die Engel sind kaum wiederzuerkennen. Die Flügel zerzaust, die Kleidchen fleckig, Heiligenscheine fallen reihenweise ab und liegen überall herum. Ich wollte mir einen aufsetzen und für den Sommer aufheben, aber leider passt mir keiner. Zwetschge sammelt sie ein. Er wirft sie in die Luft und will, dass ich sie fange. Ich frage Frau Holle, die gerade auf dem Dachboden ist, warum er das tut und sie sagt: „Misi, das ist ganz normal, er will doch nur spielen.“ Sie bückt sich und wirft Zwetschge einen Heiligenschein zu und der kleine Racker fängt ihn kreischend auf. „Frisbee“, murmelt Frau Holle. „Frisbee heißt das. Mir fiel eben das Wort nicht ein.“

Weihnachtsfeiern sind ja gut und schön und schon lange träumten die Gestalten davon, jeden Abend unbeaufsichtigt feiern zu können, aber irgendwie fehlt uns die Aufsicht doch. Party immerzu vertreibt die echte Freude auf Weihnachten. Wusstet Ihr das das? Ich nicht.

Die Weihnachtsmänner schnarchen den ganzen Tag. Ihnen fehlen ihre Aufgaben. Der Drinnenwichtel will endlich nach draußen und die Engelkinder sind verstört, unausgeschlafen und quengelig. Kekse gibt es keine und der tägliche Rum schmeckt auch nicht mehr so wie früher. Zwetschge denkt, dass er Frau Holles Original-Adventszeit erlebt, er weiß es ja nicht anders. Er findet das lustig und jagt die Engelkinder immer dann, wenn sie nicht mit ihm rechnen. Ich muss ihm das demnächst verbieten, aber jetzt ich bin zu müde dazu.

Frau Holle ist also gerade oben. Sie räumt den Dachboden auf und bringt ganz viele Kisten weg, wohin weiß ich nicht. Sie sagt, sie braucht jetzt Ordnung überall und Platzschaffen befreit. Ich verstehe nicht, was sie meint, aber wichtig ist, dass die Weihnachtskisten so bleiben, wie sie sind. Frau Holle sagt ja und nächstes Jahr wird wieder unten gefeiert. Ihr gefällt es gar nicht, wie die Engel aussehen und dass die Weihnachtsmänner ihre Arbeit nicht tun. Einer brummelt in seinen Bart: „Was sollen wir hier oben für vorweihnachtliche Stimmung sorgen, wenn Frau Holle nicht dabei ist? Das macht doch keinen Sinn.“ Er schüttelt den Kopf und schlurft zu den anderen.

Frau Holle nickt und seufzt. Sie befürchtet, dass sie ihre Oberhoheit verloren hat. Ich sage: „Für dieses Jahr schon, liebe Frau.“ Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und verkrümele mich in mein Terrarium, spreche ein Machtwort mit Zwetschge und lege mich dann schlafen. Ich will fit sein für heute Nacht, denn dann feiern wir HAV (Heiligabend vorgezogen). Wir tun so, als sei schon der 24. Dezember, denn bis zum echten Fest reicht unsere Kraft nicht mehr.

Euch geht es hoffentlich gut in Euren warmen Stuben. Eure Gestalten sorgen vielleicht für sinnliche Stimmung und der Kerzenschein verbreitet ein güldenes Licht, in dem man den Staub nicht so sieht. Wahrscheinlich backt und macht und tut ihr weihnachtliches und dazu beglückwünsche ich Euch. Habt es friedlich miteinander und seid nicht so streng zu Euren Kindern! Euer Misi!

 

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4. Dezember

4. Dezember

Hallo Leute, ich habe mich auf den Weihnachtsrummel hier im Haus so gefreut. Was war das für ein Leben im letzten Jahr mit all den Gestalten und mir. Weihnachtsmänner, Engelscharen, Nikoläuse und Draußenwichtel verbreiteten Stimmung und tranken manchmal Rum. Das könnt Ihr alles nachlesen in der Kategorie „Froschwelt im Dezember“.

Das wollte ich meinem Sohn zeigen. Zwetschge konnte es kaum erwarten.  Und nun? Gähnende Leere. Kaum ein Engel zu sehen, der Draußenwichtel steht drinnen und nur ein Weihnachtsmann hat sich in die gute Stube verirrt. Ein paar Kerzen und das war´s dann auch. Ich sage Frau Holle, dass wir schon den 4. Dezember haben, aber keine Festlichkeiten. Sie sagt, sie weiß das und sie möchte das in diesem Jahr nicht. Ich frage, ob die Engel im Karton bleiben müssen und die anderen Gestalten auch? Eingesperrt im Dunkeln auf dem kalten Dachboden? Zwetschge weint und will das nicht.

Frau Holle setzt sich an ihr Puzzle und tut so, als ob sie mich nicht hört. Ich hocke mich vor ihre Nase, setze die Weihnachtsmütze auf und sage: „Frau Holle, du hast es versprochen!“ Sie nickt und sagt, ja, das hätte sie wohl. Aber sie möchte nicht so viel lustige Adventsstimmung haben, weil es nicht zu ihrer eigenen Stimmung passt.

Nun müssen wir alle darunter leiden. Traurig setze ich die Mütze wieder ab. Frau Holle gibt mir ein Küsschen auf die Nase und hat eine Idee.

Sie geht auf den Dachboden und kramt und räumt herum. Dann ruft sie mich und ich traue meinen Augen nicht. Die Engel flattern herum und entstauben ihre Flügel. Die Weihnachtsmänner sitzen am Lagerfeuer und erinnern sich an ihren Männertanz. Der Draußenwichtel jubelt und gesellt sich dazu. Frau Holle putzt etwas Staub beiseite und die Gestalten können es sich gemütlich machen. Ich hole Zwetschge und er ist begeistert und will oben bleiben.

Prima Idee! Die Gestalten sind jetzt unter sich, Frau Holle ist es egal, was sie treiben und sie selbst freut sich über ihren verhaltenen Advent. Wir haben quasi sturmfrei! Ich verabschiede mich von Frau Holle und schiebe mein Terrarium auf den Dachboden. Zwetschge braucht ja ab und zu seinen Schlaf. Leute, das wird ein Super-Advent für uns!

Und Ihr so? Müssen Eure Engel und Weihnachtsmänner in diesem Jahr wieder unter Eurer Aufsicht bleiben oder gebt Ihr ihnen frei?

Das sind natürlich Fotos vom letzten Jahr. Aber die sind alle wieder dabei, nur eben oben! Ich muss los, Zwetschge wird zu übermütig und will Engelfangen spielen.  Macht es gut und bleibt oder werdet gesund! Euer Misi

Alleinerziehender

Alleinerziehender

Hallo Leute, als alleinerziehender Vater hat frosch es gar nicht so leicht. Die meiste Brut hat sich ja schnell verselbstständigt, aber Zwetschge nicht. Der denkt gar nicht daran, erwachsen zu werden. Er brüllt zwar nicht mehr nach mir, wenn ich aus seinem Sichtfeld verschwinde, aber er will immer wissen, wo ich bin. Daran hat auch unsere Reise nach Österreich nicht viel geändert. Mein Sohn bleibt ein kleiner Schisser. Frau Holle guckt streng und sagt, sowas sagt man nicht. Erst recht kein liebender Froschvater. Nun gut, Zwetschge ist kein kleiner Schisser, übervorsichtig schon.

Ich habe mich sehr an ihn gewöhnt.

Frau Holle hat mein Terrarium hergerichtet und eine nette kleine Zweiraumwohnung daraus gebastelt. Söhne, auch übervorsichtige, müssen sich daran gewöhnen, alleine zu schlafen. Wir trainieren das noch. Unruhige Nächte, aber da müssen wir durch. Zwetschge zieht alle Register und nörgelt, er würde ohne Mutter aufwachsen und da hätte der Vater gefälligst Rücksicht zu nehmen und ihn nachts nicht auch noch alleine zu lassen. Ich sage, seine Brüder und Schwestern seien schon lange selbständig und leben ihr eigenes Leben, so wie es sich für Jungfrösche gehört. Er sagt, das interessiere ihn nicht, was seine Geschwister machen, er will jedenfalls in meinem Zimmer schlafen. Ich sage nein und er droht, zu seiner Mutter zu ziehen, wenn er sie findet. Meine Güte. Dann schläft er eben heute Nacht bei mir. Morgen versuche ich es dann noch einmal mit seiner Verselbstständigung.

Meine Kumpels sind schon wieder erstarrt und ich nicht, weil ich drinnen bleiben darf. Ich will auch Zwetschge nichts vom Erstarren erzählen, denn er weiß das nicht und denkt, alle Frösche leben im Winter in Terrarien. Ich lasse ihm den Glauben. Frau Holle meint, auch Kinder müssen wissen, wie das Leben wirklich ist. Aber sie hat mir nicht in die Erziehung reinzureden.

Wir sitzen neben Frau Holle auf dem neuen Sofa und plaudern ein wenig mit der guten Frau. Sie ist etwas stiller als sonst. Ich will sie aufmuntern und frage, ob sie sich auf Weihnachten freut. Sie sagt: „Weiß ich nicht, Misi.“ Wie kann man nicht wissen, ob man sich freut? Ich freue mich sehr und in diesem Jahr ist Zwetschge dabei, der soll ordentlich staunen. Frau Holle nickt und sagt: „Das stimmt, Misi. Einer ist dazu gekommen. Aber einer wird auch fehlen.“ Ich nicke betreten und gebe Frau Holle ein Küsschen auf die Nase und sage: „Wir machen das schon.“ Frau Holle guckt ganz komisch und sagt: „Ja, mal sehen.“ Wir verabreden, dass wir im Dezember wieder einen Adventskalender in den Regenbogen zaubern wollen. Ich will Frau Holle ganz doll helfen und Zwetschge auch. Frau Holle lächelt und jetzt gibt sie mir ein Küsschen auf die Nase. „Das Leben geht ja weiter“, murmelt sie und steht auf.

Sie will jetzt ins Kino gehen. Ich nicht, denn ich muss bei meinem Kind bleiben.

 

Reisefrosch Misi will wieder nach Hause.

Misi und Zwetschge kommen heim, wie schön!

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Frosch Misi und sein kleinster Sprössling Zwetschge sind immer noch zu Besuch bei meinen vier Helden. Es ging zuletzt ein wenig rund und dann war auch noch Halloween. Das wäre dem kleinen Jungfrosch beinahe zu viel geworden. Natürlich war er neugierig und wollte auch mit den anderen von Haus zu Haus ziehen. Aber Misi hat es nicht erlaubt. Es sei auch so schon alles aufregend genug. Und die Aussicht auf ein Froschkind mit Zuckerschock war auch nicht sehr verlockend. Zwetschge hat enttäuscht einen Flunsch gezogen, worauf sich der Schweinehund zu diversen Witzen über Breitmaulfrösche hat hinreißen lassen, was den Kleinen sehr erheitert hat, aber dafür Papafrosch Misi wieder nicht gefiel. Ach, hat der Schweinehund daraufhin gemault, es sei zum aus der Schwarte fahren, wenn immer zumindest einer eingeschnappt sei. Er wollte daraufhin schon zur Schnapsflasche greifen, um sich sein Leben zumindest kurzfristig etwas schöner zu saufen, aber Rosalind hat dazwischen…

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Post für Misi

Post für Misi

Kaum ist Misi zur Tür hinaus, kriegt er Post.

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Hallo Misi,

ich grüße Dich herzlich aus Regines Garten in Damnatz. Nein, nicht von Deiner Regine sondern von meiner Regine, die eine Namensvetterin von Frau Holle ist und mit ihr gemeinsam eine Schreibwerkstatt besucht.

Ich friste gerade mein Dasein in einem Blumenkübel, in dem zum Ende des Sommers doch tatsächlich noch mal Erdbeerpflanzen-Blätter gewachsen sind. Erdbeeren gab es dann aber keine mehr. Egal, es ist ein schönes Plätzchen, von dem aus ich alles gut überblicken kann.

Wie ich hörte, hast Du auch einen guten Blick vom Gartenzaun aus. Also winke ich Dir von hier einfach mal zu.

Viele Grüße an Dich und Frau Holle
Dein Grüni

Damnatz, 25. OKtober 2018

Ich werde das schön aufheben und wenn Misi kommt, hat er gleich eine Freude. Vielleicht habt Ihr auch Frösche oder andere Kollegen, die ihm schreiben wollen? Das könnt Ihr in Euren Blogs tun (mit Verlinkung) oder an:  regine-52@web.de .

Liebe Grüße! Eure FrauHolleregine

 

 

Wir wollen zu Frau Vro!

Wir wollen zu Frau Vro!

Hallo Leute, jetzt wird es aber höchste Zeit, dass ich mich melde. Frau Holle ging es gar nicht gut und viele Wochen war sie für mich nicht ansprechbar. Ihr fehlte der Draht zu mir und das war richtig doof. Ich nahm meinen Zwetschge und blieb im Gartenteich. Manchmal muss frosch die Leute zufriedenlassen.

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Gestern holte sie uns in ihre Stube und erzählte, was passiert ist. Sie sagte, dass sie froh sei, dass wir sie nicht verlassen haben und sie braucht uns doch. Zwetschge machte große Augen, zwinkerte und schlief ein. Das Wohnzimmer war einfach zu aufregend für den kleinen Kerl. Ich deckte ihn gut zu und dann gab ich Frau Holle ein Küsschen auf die Nase und sagte, gute Freunde bleiben bei guten Freundinnen, wenn die es schwer haben. Das rührte sie und sie weinte ein bisschen. Dann fragte sie, wie es uns inzwischen ergangen ist und ich erzählte vom warmen Herbst, dem Leben im Gartenteich und von meinem Sohn, der sich prächtig entwickelt. Er vermisst seine Mutter Iris überhaupt nicht. Sie ist immer noch unterwegs zur Selbstfindung und ich vermisse sie schon. Das hatte ich mir ja alles ganz anders vorgestellt. Aber was soll ich machen? Erst mal Zukunftspläne.

Ich sage: „Frau Holle, können wir im Winter wieder zu dir rein oder muss ich meinen Sohn auf das Erstarren vorbereiten?“ Frau Holle sagte: „Nein, nein.“ Ich war sehr enttäuscht, dass wir nicht rein dürfen. Aber vielleicht kommt das von Frau Holles Traurigkeit. Ich versuchte tapfer zu bleiben. Aber eine große Träne platschte auf das Sofa. Frau Holle guckte und ich drehte mich weg und sagte: „Schade, aber wir sehen uns dann ja im Frühjahr wieder.“ Frau Holle fragte wieso und ob ich sie doch noch verlassen will. Ich sagte: „Frösche erstarren im Winter, wie du ja weißt!“ Sie staunte und dann nahm sie mich auf ihre Hand, gab mir ein Küsschen auf die Nase und sagte, dass sie dachte, ich würde im Winter zu ihr rein wollen und Zwetschge darf natürlich mitkommen. Sie holt auch bald das Terrarium aus dem Keller.

Liebe Leute, Ihr könnt Euch vorstellen, wie erleichtert und froh ich war.

Frau Holle will die nächste Zeit gerne alleine sein und sich wieder auf die Füße stellen. Ich weiß nicht, was sie meint, aber alleine lassen kann ich sie gerne für eine Weile. Es steht ja noch ein Besuch bei  Rosalind und der ganzen Bande bei Frau Vro aus. Ich hatte die Reise abgesagt, weil ich Frau Holle nicht alleine lassen wollte. Aber nun können wir weg, der Zwetschge und ich. Ich sage Rosalind gleich Bescheid und Frau Holle holt schon mal das Reiseterrarium. Hoffentlich erlaubt Frau Vro, dass wir kommen.

Liebe Frau Vro…..dürfen wir?

 

Bindungsstörung

Bindungsstörung

Hallo Leute, ich mache mir große Sorgen um Zwetschge. 1 857 Kinder sind etwas geworden, nämlich ordentliche, abgenabelte Frösche. Eins tanzt aus der Reihe, nämlich Zwetschge und es wird immer schlimmer.

Er versuchte es jeden Tag, sich von Iris und mir zu lösen. Er schwamm los und kehrte sofort wieder um. Er schwamm los und wir feuerten ihn an und lobten ihn mit voller Kraft und er kehrte sofort wieder um, sobald er uns nicht mehr hörte. Er schwamm los und wir versteckten uns und er brüllte wie am Spieß, wenn er uns nicht mehr sah.

Iris konnte das nicht mehr ertragen und sagte, das ist nicht normal. Ihre Nerven seien zu schwach und sie muss jetzt erst einmal Urlaub machen. Schließlich muss sie bei Kräften sein, wenn die Erstarrung wieder losgeht. Und weg war sie.

Und ich sitze da mit Zwetschge und weiß nicht weiter. Der Junge lässt mich nicht aus den Augen. Zum Glück empfängt mich Doktor Schreckweg, mein Therapeut. Nicht wegen mir, sondern wegen Zwetschges Brüllerei, wenn er alleine ist.

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Zwetschge weigert sich, mit dem Doktor zu reden und sitzt weiter weg. Der Herr Doktor hat so etwas noch nie erlebt und weiß auch nicht so recht, wie er damit umgehen soll. Er sagt: „Am besten kümmert sich die Mutter darum, denn Mütter wissen so was.“ „Nein“, sage ich und erzähle, dass Iris Urlaub macht. Der Doktor macht große Augen. Er sagt: „Mein lieber Herr Misi, dann haben Sie ein Problem. Es handelt sich hier um eine akute Bindungsstörung.“ Wieso Bindungsstörung? Zwetschge will sich doch binden. „Ach so, ja, ja….“, überlegt der Schreckweg und verabschiedet sich dann freundlich von mir. Ich glaube, dem sollte ich mal eine Fortbildung empfehlen.

Ratlos hüpfe ich mit Zwetschge zu Frau Holle und erzähle ihr das Problem. Frau Holle guckt sich meinen Sohn an und der guckt zurück. Mit seinen großen Augen wirkt er ja noch recht kindlich. Frau Holle sagt: „Wahrscheinlich braucht der Kleine mehr Zeit als seine Geschwister. Er muss noch nachreifen. Er bleibt erst einmal bei mir.“ Frau Holle meint, einer mehr oder weniger macht ja nun auch nichts mehr aus. Ihr Haus scheint sich zu einer Froschherberge zu entwickeln. Das hat sie so nicht geplant, aber das Leben ist eben eine Pralinenschachtel, sagt sie, man weiß nie, wie sie schmecken und bald ist die Schachtel leer. Ich weiß nicht, was sie meint.

Zwetschge soll sich jetzt ganz vorsichtig und mit viel Bedacht von mir lösen. Wir peilen  für den Anfang zehn Minuten am Tag an. Er erledigt sein Amt als Haustürfrosch schon ganz ordentlich, während ich meiner Arbeit als Zaunhänger nachgehe. Er hält schon drei volle Minuten durch, bevor er nach mir brüllt. Ich brülle zurück, damit er mich wenigstens hören kann. Manchmal schafft er dann noch ein oder zwei Minuten, bevor er an den Zaun eilt und sich neben mich setzt. Frau Holle sagt: „Wir müssen Geduld haben, wird schon!“

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