Anneke

Als Anneke vier Jahre alt wurde, stellte ihre Mutter immerhin einen Geburtstagskuchen mit vier Kerzen auf den Tisch. Ihre Oma schickte ein selbstgemaltes Bild für das Kinderzimmer. Mit vier kleinen Gästen feierte sie ausgelassen im Garten bis das Fest zu Ende war. Die Mutter verschickte unzählige Fotos und Filme. Anneke kannte ihre Mutter nur mit dem Handy in der Hand. Mutter fotografierte und filmte sie in allen Lebenslagen und Anneke dachte, es muss so sein. Sie kannte es nicht anders. Sie wusste nicht, dass sich Eltern und Kinder mit ihren Augen berühren können.

Das war nicht schlimm, denn Anneke hatte ihre Kuscheltiere zum Sprechen und Ansehen. Jetzt hatte sie auch noch das Bild von ihrer Oma. Vier Engel bereiteten Tee in einer großen Tasse. Sie sah einen Leuchtturm, einen Sonnenschirm, einen Strandkorb und eine Stadt auf dem Berg. Anneke wollte am liebsten dort sein. Sie wünschte es sich so sehr. Und weil das Wünschen manchmal hilft, saugte das Bild sie ein. Hier war es warm und gemütlich. Die Engel freuten sich sehr. Sie nahmen das kleine Mädchen mit in ihr Leben.

Die Mutter bemerkte erst abends, dass ihre Tochter verschwunden war. Sie war so sehr mit den Fotos des Tages beschäftigt, denn alles musste schnell noch gepostet werden, damit sie keine Follower verlor. Erst als die Mutter Anneke ins Bett bringen wollte, fand sie das Kind nicht und war untröstlich. Zum Glück gab es ihren Blog, in dem sie mit der ganzen Welt ihren Kummer teilen konnte.

Eines Tages jedoch entdeckte sie die Tochter. Die Mutter weinte und bat ihr kleines Mädchen, doch zurückzukommen. Anneke wollte nicht. Sie sagte der Mutter aber, dass sie sich manchmal sehen und miteinander sprechen können. Die Mutter war froh und legte für diese kostbaren Treffen sogar ihr Handy aus der Hand.

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6 Gedanken zu “Anneke

  1. Mein Handpuppenlehrer sagt immer dass Bewertungen nichts aussagen. Also wenn ich jetzt sage, dass mir dein Bild gut gefällt, dann sagt dir das nicht so viel. Das was du von der Mutter schreibst, das beobachte ich so oft an Haltestellen. Da frage ich mich oft, warum sie ihre Kinder nicht beachten..

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  2. Ach, ich war noch gar nicht fertig. Das Bild ist so witzig mit den Tee kochenden Engeln. Auch wenn man die Geschichte dazu nicht kennt, macht es neugierig.Und es gibt so viel zu sehen mit den bunten Steinen am Leuchtturm und der Blümchenwiese, dem Mädchen, das über den Rahmen hinausschaut. Und es sind so fröhliche Farben. Es ist, als hättest du Liebe gemalt.

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      1. Ja, das hatte ich gesehen mit den Engeln und der Tasse Tee. Auch der Teebeutel ist niedlich 😉 Wann ein Bild fertig ist, kann ich nicht sehen. Bei einem Video von Bob Ross, fand ich schon nachdem er den Mond und den Horizont gemalt hatte, das das Bild fertig ist. Er hat dann aber noch unnötig viele Pinselstriche und Arbeitsgänge hinzugefügt. 😉

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