Die Tage „zwischen den Jahren“ regen zum Aufräumen an. Nicht nur Schränke und Schubladen könnten neu sortiert werden, sondern auch die alten Glaubenssätze gehören einmal gründlich abgestaubt und angeschaut. Welches ist hilfreich und was kann in den Müll?

Ich nehme mir das „Ichgehörenichtdazu“ vor. Brauche ich das alte, nichtsnutzige Ding noch? Will ich mich weiterhin an den scharfen Kanten verletzen? Ist es gut für mich, wenn sich die Seele dorthin verkriecht, die Fenster fest schließt, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, sie zu besuchen und in die Arme zu nehmen? Nein, nein, das kann weg. Für immer.

Ich finde das furchtbare „Ichbinnichtliebenswert“, eine giftige Brühe im unfassbaren Gefäß. Wer hat sie hier überhaupt vergessen und warum ist sie immer noch hier? Sie tarnt sich gut, macht sich breit und wird dabei doch übersehen. Aber gefühlt. Die Seele badet ab und zu darin, weil sie denkt, sie muss. Immer noch. Nein, nein, will ich nicht mehr haben. Muss ich auch nicht. Soll die Seele doch lieber in den See der Freude springen oder die Zufriedenheit suchen.

Das „Ichkannjanichts“ möchte raus aus seinem Sack, es  dehnt und streckt sich nach allen Seiten. Es rumpelt im Kreis herum und will entweichen. Nein, nein, du bleibst schön da, wo du bist! Dich brauche ich wirklich nicht. Ich bin Rentnerin und kann entspannen. Das zumindest kann ich gut. Manchmal.

Das „Ichbinganzalleinaufderwelt“ kocht Selbstmitleid im großen Kessel und will die Seele damit nähren. Wie gut sich die Festtage dazu eigenen! Wie herrlich kann die Seele davon trinken und traurig sein. Sie wird weinen und alles bleibt sowieso ganz furchtbar hoffnungslos. Brauche ich das wirklich noch? Oder kann das weg? Kann weg! Oder doch lieber  nicht?

„Ichbinanallemschuld“ grinst in seinem Spiegel und tanzt einen wilden Tanz. Ich erlaube der Allmachtsphantasie, mir alle Schuld der Welt auf die Schultern zu legen, denn ich bin stark, ich kann sie tragen. Aber will ich sie noch? Nein, nein, vorbei, ich brauche sie ja zu gar nichts mehr. Also gehört das Teil nun endlich aussortiert. Meine eigene, private Schuld kommt in ein goldenes Kästchen, sie darf bleiben.

Der Berg der unnützen Glaubenssätze ist jetzt schon ganz schön hoch und ich bin noch nicht einmal fertig. „Soll“ und „Muss“ bringen alles durcheinander und sind nicht zu fassen, so schnell verschwinden sie in dunklen Ecken und stricken neue Muster. Unnützes Zeug staubt still vor sich hin, bis es sich bemerkbar macht mit lautem Knall und Juchhe. Das schaffe ich nicht alles auf einmal aufzuräumen.

Aber immerhin habe ich mit dem Ausmisten schon angefangen und fünf alte Denkmuster müssen daran glauben.

Aber wohin damit?

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9 Gedanken zu “Unnützes Zeug

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