Der letzte Beitrag war natürlich gelogen. Also, fast. Negative Glaubenssätze lassen sich nicht so leicht entsorgen. Ansehen, erkennen und ausmisten, wenn das so einfach wäre!

Wie oft schon habe ich meine negativen Glaubenssätze vor die Tür gestellt, in der Hoffnung, sie würden einfach verschwinden! Pustekuchen! Sie blieben nicht weg, sie fanden immer wieder einen Weg zurück.

Das ist ihre Natur. Sie haben sich so fest eingenistet, dass so ein läppischer Vorsatz, sie zu entsorgen, lächerlich und völlig wirkungslos ist.

Die schlimmen Glaubenssätze wirken nicht mehr so stark wie früher. Ich habe sie benannt und als das erkannt, was sie wahrscheinlich sind: veränderbare Einstellungen, vielleicht von außen eingepflanzt, nicht unbedingt wahr. Sie lassen sich trotzdem nicht einfach aussortieren und entsorgen.

Oder? Habt Ihr einen einfachen Weg gefunden, Eure  schädlichen Glaubenssätze zu verbannen?

Ich nicht. Keine Therapie und kein Nachdenken schafften sie weg. Kein guter Vorsatz  bewirkte, dass sie endgültig verschwanden. Ich glaube noch immer nicht daran, dass der Satz: „Ich bin liebenswert“ wahrer sein soll als „Ich bin nicht liebenswert“ . Er ist nur schöner. Wenn ich an das Positive glaube wirkt sich das mit Sicherheit auf mein Lebensgefühl aus. Weiß ich. Nur, die negativen Gedanken sind ja trotzdem noch da.

Ich kann sie nicht rausschmeißen, aber vielleicht so lange bearbeiten, bis die negativen Gedanken nicht mehr wissen, wo oben und unten ist und sich geschmeidig in positive Glaubenssätze umformen lassen. Die unnützen Gedanken wären dann nützlich, wenn sie sich in „ich bin liebenswert“ , „ich gehöre dazu“ , „ich kann ganz viel“ , „ich bin ein Teil des Ganzen und darum nicht allein“ und „ich bin nicht allmächtig“ verändern ließen.

Wirklich? Auch das habe ich schon unzählige Male vergeblich gemacht. Die negativen Glaubenssätze denken nicht daran, sich dauerhaft positiv zu verhalten.

Also funktioniert dieser Trick auch nicht.

Etwas ratlos stehe ich vor meinen Glaubenssätzen, die mir nicht gefallen, aber sie scheinen ganz fest zu mir zu gehören. Ich werde es nicht schaffen, sie dieses Jahr noch in Luft aufzulösen.

Mal sehen, ob etwas anderes besser klappt. Aus „ich gehöre nicht dazu“ könnte ein „manchmal gehöre ich nicht dazu“ werden. Damit kann ich gut leben, denn manchmal ist es ja tatsächlich so. Wenn ich akzeptiere, dass ich eben doch hin und wieder dazu gehöre, ist alles gut. Ich könnte dann das Zugehörigkeitsgefühl genießen, wenn es sich einstellt. Ich kenne es noch nicht so gut. Es ist schüchtern. Ich werde es in Zukunft stärken!

Prima. Mal sehen, wie es sich mit dem „ich bin nicht liebenswert“ verhält. „Manchmal bin ich nicht liebenswert“ ist auch wahr. Es gibt Situationen, in denen ich nicht besonders liebenswert rüberkomme. „Ich bin es wert, als unperfekter Mensch geliebt zu werden“ würde den negativen Glaubenssatz ergänzen. Manchmal fällt es schwer, mich zu mögen und manchmal findet man mich ganz putzig und liebenswert. Beide Seiten sind da und nichts muss aussortiert werden.

Ich kann nichts“ ist leicht. Es gibt kein Lebewesen, welches nichts kann. Gar nichts. Sogar Steine können schwer sein und rumliegen. Also „ich kann nichts“ ist ganz einfach ein großes Missverständnis und kann tatsächlich entsorgt werden. Das zumindest kann ich tun. Das ist mehr als nichts! Na also. Ähnlich ist es mit dem „ich bin ganz alleine auf der Welt“ und „ich bin immer als einzige an allem schuld“. Dazu muss ich nicht viel sagen und wird tatsächlich jetzt sofort entsorgt. Manchmal bin ich alleine und manchmal trage ich Schuld, aber dass ist ja etwas ganz anderes. Das kann bleiben.

Verallgemeinerungen werden ab heute einfach nicht mehr gedacht!

Prima, ein guter Vorsatz für das neue Jahr!

 

 

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10 Gedanken zu “Ein fester Vorsatz

  1. Rückfall in alte Verhaltensmuster ist menschlich. Kenne ich sehr gut, aber ich mach mich deshalb nicht (mehr) verrückt. Komm gut ins Neue Jahr und nimm Dir nicht zu viel vor. Dann wird es schon klappen. Dein Aufräumartikel ist spritzig und witzig, ich hab geschmunzelt und Dich keineswegs im Abseits stehen sehen. Liebe Grüße

    Gefällt 4 Personen

    1. Ein Vorsatz bis jetzt: gedankliche Verallgemeinerungen erkennen und prüfen, ob sie wahr sind. Meistens sind sie es ja nicht. Nein, liebe Hedwig, im Abseits bin ich nicht, es fühlt sich manchmal nur so an. Ich danke Dir für Deinen schönen Kommentar und wünsche Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr! Regine

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  2. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass ich Negativeglaubensätze vorbehaltlos glaube und als wahr ansehe. Und die positiven eher als Lüge empfinde.

    Der Ansatz nicht ins Absolute zu gehen gefällt mir.

    Ausmisten kann ich die Glaubenssätze auch nicht, aber sie bekommen einen Platz, der sie nicht so in das Zentrum meines Lebens stellt.

    Gefällt 5 Personen

    1. So geht es mir auch, negative Selbsteinschätzung nehme ich als gegeben hin und das Positive dringt selten durch. Ich glaube es einfach nicht. Weil ich das weiß, nehmen meine Glaubenssätze auch nicht mehr den Platz ein, den sie mal hatten. Ein gutes neues Jahr für Dich und Deine Familie! Regine

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  3. Diese Einschränkungen (manchmal, selten, gelegentlich, oft) gehören eigentlich zum Leben und sind meistens wahr. Griechische Kinder, die ich für Multiple-choice-Tests des Goethe-Instituts vorbereitete, trainierte ich darauf, diese Wörtchen zu lernen und zu beachten. Auch Kinder, die sehr wenig von der deutschen Sprache verstanden, kamen durch die Tests, wenn sie Sätze mit „immer“ und „nie“ aussortierten und ihr Kreuzchen bei Sätzen mit „manchmal, selten, gelegentlich, oft, häufig, meistens“ machten.
    dein Ansatz ist sehr erfolgversprechend: „Manchmal gehöre ich dazu“, „gelegentlich bin ich unausstehlich“, „oft bin ich unleidlich“, „selten bin ich perfekt“ fühlen sich gut an, da sie wahr sind. die absoluten Gutsätze „Ich bin liebenswert“, „ich gehöre dazu“ hingegen klingen genauso falsh wie ihr Gegenteil mit „immer“ und „nie“.
    Also: gelegentlich wirst du dich an deine Vorsätze erinnern, manchmal wirst du dich dazugehörig fühlen, oft wirst du an dir zweifeln etc pp, wie wir alle, die auf der Erde herumgehen. Liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

    1. Das habe ich in meiner Ausbildung als Ehe-und Lebensberaterin gelernt und konnte diese Gedanken meinen Klienten weitergeben. Nur ich selbst vergesse es immer.😳…äh….hin und wieder🤣. Ich sollte mir Deinen Kommentar ausdrucken und über meinen Schreibtisch hängen! Liebe Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

      Gefällt 1 Person

      1. Äh, vielleicht hast du in deiner Ausbildung auch gelernt, das Wörtchen „ich sollte“ zu meiden? 🙂
        Komm gut über den rutschigen Weg, dem mit guten Vorsätzen gepflasterten, ins Neue Jahr!

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      2. 😲….du meine Güte, ich sollte „sollte“ auch nicht denken? Daran kann ich mich gar nicht erinnern?! Da sollte ich das nächste Mal unbedingt besser aufpassen. 😂 Du bist aber auch streng! 🥂 Ich wünsche Dir ein gutes 2019! Regine

        Gefällt 1 Person

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