Alte Schmerzen

Alte Schmerzen

Alles anders

irgendwie

und doch bekannt

nicht zu fassen

nicht zu klären

alte schmerzen brennen neu

und sie wollen sich nicht lösen

es soll nicht so sein

wie es war

und  wie es ist.

 

Ich mag nicht mehr

Gedanken blockieren

bilder drücken nieder

sinnlos.

 

Und immer wieder

wenn ich denke

es ist vorbei

passiert etwas

daran komme ich nicht vorbei

ich muss hinsehen

um dann zu fallen

grundlos.

 

So wird es bleiben

bis ich  loslasse

und alles so sein lasse

wie es war

und wie es ist.

 

Kalenderweisheitguterrat

wütend knalle ich die Türen

baue mir ein nest aus warmen decken

kann mich nicht ausstehen

weiß, ich bin im unrecht

doch ich will es nicht einsehen

weil ich befürchte

den halt zu verlieren

nach dem loslassen.

 

Nicht aktuell, aber ich kann mich noch sehr gut in diese Stimmungslage hineinversetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mitternachtsgedanken

verschlungen

Lebenswege treffen sich

verbinden sich

verschlingen sich

brauchen sich

wollen sich

wollen sich nicht

müssen aber

 so ungewiss

es wird nichts ausgesprochen

nur ausgedacht

nur einer weiß

oder auch nicht

und jemand will nichts wissen

nur hoffen

aber auch das nicht offen

und jemand bleibt

bis einer geht

 dann ist es zeit

sich zu lösen

das verschlungene aufzudröseln

zu erkennen

es sind nur gedanken

die giftig sind

es ist möglich

sie aufzulösen

und frei zu sein.

 

 

Selbstbestimmt

Selbstbestimmt

Wird mein heutiges Sein von meinen Erinnerungen beeinflusst?

Mit dieser Frage schlage ich mich gerade herum. Ich weiß nicht, was Erinnerungen sind. Wahrscheinlich gibt es schlaue Bücher und Doktorarbeiten darüber, aber damit will ich mich jetzt nicht verwirren. Ich will selbst darüber nachdenken.

Mein Körper und meine Seele speichern Erinnerungen. Ich habe viel mehr davon, als ich weiß. Ich spüre sie viel häufiger, als mir bewusst wird.

Ich weiß, dass meine Erinnerungen meist nicht das wiedergeben, was tatsächlich geschehen ist. Erinnerungen sind nicht absolut, sondern ändern sich ständig, ohne dass ich es bemerke. Ich denke, meine Erinnerungen sind wahr, aber das stimmt nicht. Wenn ich mit Menschen Erinnerungen austausche, erzählen wir uns oft völlig unterschiedliche Geschichten. Ich kann mich sogar an einiges überhaupt nicht mehr erinnern.

Welcher Teil in mir verwaltet meine Erinnerungen? Wieso kommen sie mir in den Sinn und warum bleiben so viele im Hintergrund?

Warum kann ich mich besser an peinliche Situationen und an mein Unvermögen erinnern, als an meine „guten Taten“ und Erfolge? Ich kann viele meiner ehemaligen Fehlhandlungen heute noch gefühlsmäßig nachvollziehen, während es mir schwerfällt, Glücksmomente nachträglich zu spüren. Leistungen kann ich aufzählen, aber ich traue meinen Erinnerungen nicht. Ich spüre die Erfolge, also auch die Erinnerung an diese, nicht, die Misserfolge aber schon. Einige davon, die eine lange Zeit zurückliegen, können mir heute noch die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Insofern steuern meine Erinnerungen mein heutiges Sein. Ich denke, ich bin, was ich erinnere. Darauf bauen meine aktuellen Gedanken und Gefühle auf. Welcher Teil in mir zwingt mich eigentlich dazu, das negative Zeugs  immer wieder hervorzuheben und mich damit in meiner nicht gerade guten Selbsteinschätzung zu bestätigen?

Muss das so bleiben?

Nein. Gedanken und Erinnerungen kann ich teilweise steuern. Wenn ich bei den Erinnerungen ansetze, werden meine Gedanken davon beeinflusst.

Lassen sich die guten Erinnerungen hervorholen? Wie kriege ich mich dazu, die negativen Erinnerungen nicht mehr zu denken? Wenn ich es genau überlege, wird es viel mehr gute und glückliche Momente gegeben haben, als schlechte. Die Erinnerungen daran sollten wachsen und es zulassen, dass  sich Emotionen mit ihnen verknüpfen.

Das wäre ein selbstbestimmtes Erinnern, oder?

Na also, geht doch. Als nächstes werde ich mich darin bestärken, dass meine guten Leistungen genau so wahr sind wie meine Misserfolge.  Dann kann ich zufrieden mit meiner Vergangenheit zuversichtlich in die Zukunft blicken. Und vor allen Dingen selbstbewusst die Gegenwart erleben.

Sind das dann manipulierte Erinnerungen?  Ach, egal! Hauptsache es hilft!!!!

Wird schon!

Wird schon!

Kennt Ihr das auch? Man hat etwas lange verdrängt und plötzlich kommt es auf einen zu und man will es sofort erledigen, aber das geht nicht, weil Informationen fehlen und man sich absprechen muss, was schwierig ist, weil Gefühle den Verstand überschwemmen und man höllisch aufpassen muss, sich nicht zu verlieren, sondern vernünftig und ruhig zu bleiben? Es muss erledigt werden, weil sonst die Hütte brennt. Es muss rechtzeitig angeschoben werden, damit man nicht in finanzielle Not gerät.

Im Moment sehe ich keine Lösung, nur Altlasten, die uns im Wege sind. Altlasten, die ich nicht mehr vermutet und wohl auch verdrängt habe. Nun stehen sie da und scheinen sehr bedrohlich zu werden. Sie scheinen mich unter sich begraben zu wollen.

Dabei hätte ich es natürlich wissen müssen.

Alles, was einfach schien, wird plötzlich schwer. Ich will sofort etwas tun, komme aber nicht weiter. Es ist ungewiss, ob ich es schaffen werde. Was berechenbar schien, wird plötzlich völlig unberechenbar. Das innere Kind weint, weil die Große so ratlos und ängstlich ist und an nichts anderes mehr denken kann.

Vielleicht sind das alles auch nur meine eigenen Ängste, die mir das Schwarzsehen unterjubeln. Es kann sein, dass ich mich zu sehr in das Gefühlschaos der anderen hineinziehen lasse. Wahrscheinlich sind meine Grenzen gerade einmal wieder brüchig geworden.

Vielleicht könnte mich der Optimismus wieder auf die Füße stellen. Vielleicht kann die Geduld mir einen Tee kochen und ein weiches Kissen aufschütteln. Vielleicht kann mir die Zuversicht ein helles Licht ins Fenster stellen und die Freude mich in die Arme nehmen, weil ich in nächster Zeit so viel Schönes vorhabe. Das Selbstbewusstsein kann beginnen, die Grenzen wieder herzurichten. Das innere Kind sollte spielen gehen und die Große sich wieder sicher fühlen.

Ich hole tief Luft und die Vernunft sagt: „Wird schon!“

 

Verletzte Seelen

Verletzte Seelen

Verletzte Seelen heilen nicht.

Es wird nicht alles gut.

Sie zerbrechen nicht an ihren Schmerzen.

Sie wandeln sie in Härte.

Dann überleben sie.

💔   💔   💔

Verletzte Seelen können lieben.

Die Liebe fühlt sich schutzlos an.

Besser ist der bekannte Schmerz,

der den schützenden Abstand hält.

Verletzung und Liebe werden eins.

💔   💥   💔

Verletzte Seelen weinen nicht.

 Tränen verwandeln sich in Wut.

Trauer und Angst dürfen nicht sein,

denn daran können verletzte Seelen sterben.

Darum hinterlassen sie manchmal

verbrannte Erde.

💔   🔥   💔

Verletzte Seelen öffnen sich,

wenn man sie zufrieden lässt.

Dann kehrt in gemeinsamer Arbeit

Frieden ein.

💖    🌷   💖

So einfach!

So einfach!

Inneres Kind: Oh, da ist eine Einladung für ein Nachbarschaftsfest im Haus 87. Und jeder bringt was mit! (hüpf….hüpf…hüpf). Das wird gut. Ich freue mich!

Vernunft: Sie sollte sich jetzt gleich in die Liste eintragen.

Heulsuse: Oje oje ojeoje. Was soll sie bloß mitbringen?

Inneres Kind: Einen großen Berg Schokoeis!

Vernunft: Nein, sie macht einen Kartoffelsalat. Den kann sie.

Zauderer: Sie kann doch fast gar nichts schmecken. Wie soll das gehen?

Vernunft: Geht schon. Nach Gefühl!

Zauderer: Es ist auch viel zu heiß, mittags im Garten zu sitzen!

Miesmacher: Wer will sie schon schwitzen sehen?

Liebestöter: Sie geht da nicht hin, das ist klar. Was soll sie da?

Inneres Kind: Spaß haben. Reden. Essen. Trinken. Erzählen. Zuhören. Dabei sein. Sich gut fühlen. Lachen.

Nörgler: Mit den Leuten kann sie doch  unmöglich nett zusammen sein. Die sind doch alle doof.

Liebestöter: Und keiner will sie dabei haben, das ist doch klar.

Heulsuse: Sie ist so arm dran. Keiner mag sie. Alle feiern, nur sie nicht!

Vernunft: Aber ihr tut doch gerade alles dafür, dass sie sich selbst ausschließt. Sie hat eine Einladung bekommen!

Heulsuse: Ja, aber nur aus Mitleid.

Angst: Sie muss da ganz alleine hin. Alle anderen sind zu zweit, sie ist ganz alleine und das sehen dann alle. (Panikattacken machen sich startklar)

Vernunft: So kommen wir nicht weiter! Ich hole jetzt das Selbstbewusstsein.

Selbstbewusstsein: hört sich die Geschichte an und denkt nach.

Inneres Kind: Sie soll da trotzdem hin! Wenn sie hingeht, ist sie doch nicht mehr allein.

Heulsuse: Was soll sie denn sagen?

Inneres Kind: Guten Tag, herzlichen Dank für die Einladung und hier ist der Kartoffelsalat.

Heulsuse: Und dann?

Inneres Kind: Setzt sie sich hin und macht ein freundliches Gesicht.

Heulsuse: Ja aber worüber soll sie denn reden?

Vernunft: Das können wir doch jetzt noch gar nicht planen. Sie hat ja den Verstand dabei.

Humor: Hallo? Ich bin auch noch da!

Angst: Nein, sie bleibt Zuhause und liest.

Inneres Kind: Das ist langweilig. Ich will feiern! (Stampft mit dem Fuß auf).

Selbstbewusstsein: Selbstverständlich geht sie hin. Also: Action!

Sie nimmt sich einen Stift, geht zum Haus Nr. 87 und trägt sich in die Liste ein.

So einfach ist das!

Kurz vor 66

Kurz vor 66

Selbstbewusstsein: Willkommen zur Vollversammlung kurz vor 66!

Inneres Kind: Was das denn?

Vernunft: Sie wird bald 66!

Inneres Kind: Nein, 6!

Vernunft: Nein 66!

Inneres Kind: Ich nicht, ich bleibe 6! (lacht und klatscht in die Hände)

Selbstbewusstsein: Wir anderen werden bald 66. Wie sind wir aufgestellt?

Miesmacher: Zu alt. Da kann sie bald einpacken. Lohnt sich nicht mehr.

Neugier: Ich bin hellwach und auf dem Sprung.

Abenteuerlust: Ich eher nicht. Es ist nichts mehr los.

Antreiber: Sie tut nichts mehr. Sie muss doch das Leben bis ins Kleinste ausschöpfen. Sie muss raus. Sie muss zu Fuß durch Afrika!

Vernunft: Zu Fuß?

Liebestöter: Ich bin sehr zufrieden. Es ist gut, dass sie keinen richtig an sich ran lässt. Ich bin froh, dass sie keinen hat, dem sie wichtig ist.

Liebe: Also hör´mal! Was fällt dir denn ein?

Liebestöter: Keiner mag sie und das ist auch gut so. Sie ist einfach nicht liebenswert genug. Ist doch klar, dass sie es nicht geschafft hat, ihre Familie zu halten. Ich sag nur: geschieden! Das sagt doch schon alles.

Kritiker: Außerdem tut sie nichts. Rein gar nichts. Und was sie tut, kann man vergessen. Egal, ob sie es tut oder nicht. Sie tut es nie gut und ausdauernd genug.

Nörgler: Sie ist eine alte, kranke geschiedene Frau. Keine gute Lebensbilanz!

Liebe: Einspruch!

Selbstbewusstsein: Stattgegeben! Sie ist o.k., so, wie sie ist. Das ist doch wohl klar. Wir konzentrieren uns auf das Gute.

Nörgler: Mir fällt da so gar nichts ein!

Kreativität: Ich bepflanze den Ideengarten täglich. Er ist in letzter Zeit viel größer und bunter geworden!

Zweifler: Das wüsste ich aber!

Kreativität: Das weißt du genau! Mit deinem eisigen Blick frierst du die Ideen gerne ein. Das ist anstrengend.

Zweifler: Dazu bin ich da. Das muss so!

Selbstbewusstsein: Nein. Das muss und soll nicht so sein. Liebestöter, Nörgler, Antreiber und Zweifler, ich will Euch nicht mehr hier haben! Meine Geduld ist am Ende! Ihr geht jetzt raus in den Garten und kommt erst wieder rein, wenn ihr euch nützliche Aufgaben gesucht habt. Nützlich für uns, versteht ihr? Also raus jetzt!

Die bösen Gesellen verlassen schimpfend das Haus und bauen sich eine Hütte im Garten, wo sie trotzig aus dem Fenster schauen.

Liebe: Die Angst macht mir auch noch zu schaffen. Sobald ich mich zeige,  befeuern die Attacken den Ofen.

Selbstbewusstsein: Was soll das?

Angst: Ich will sie vor Nähe schützen. Die verträgt sie nicht. Allein ist sie sicher.

Liebe: Sie sehnt sich aber nach Berührungen.

Angst: Die sind nicht gut für sie.

Selbstbewusstsein: Das kannst du nicht alleine bestimmen!

Abenteuerlust: Da komme ich wieder ins Spiel! Die Angst behindert mich!

Kreativität: Mich schränkt sie ein.

Liebe: Mich wehrt sie ab.

Inneres Kind: Mich will sie nicht haben und ich will sie nicht haben und wozu brauchen wir die überhaupt?

Selbstbewusstsein: Wir brauchen die Angst. Aber nicht so. Sie darf nicht mehr so viel allein bestimmen und soll sich auf das Wesentliche konzentrieren. Wir müssen daran arbeiten, dass sich Liebe und Lebenslust  ungehindert entfalten können.

Inneres Kind: Ich will feiern und knutschen und springen und singen.

Vernunft: Mit Maßen.

Lebenslust: Könnte ruhig ein bisschen mehr von allem sein!

Kreativität: Ich freue mich.

Abenteuerlust: Ich will wachsen. Ich will raus.

Angst: Das treibt mir schon wieder die Schweißperlen auf die Stirn.

Selbstbewusstsein: Ja, aber damit müssen wir jetzt umgehen und trotzdem losziehen. Nicht alles auf einmal und in kleinen Schritten.

Miesepeter: Dieses Ergebnis ist lächerlich! Ich dachte, wir sind schon weiter! Kleine Schritte, wenn ich das schon höre…..

Alle: RAUS!

Selbstbewusstsein: Gibt es Pläne für die zweite Jahreshälfte?

Vernunft: Dgtgästeefde, Dktrefaffesjz, Ododll, Misighft, ghjmädlldänmus, hegstphildwe.

Abenteuerlust: Ein bisschen wenig, aber besser, als gar nichts.

Lebensfreude: lädt sich kichernd mit quirliger sprudelnder Energie auf

Selbstbewusstsein: Gibt es Vorsätze?

Inneres Kind:  Lust und gute Laune.

Kreativität: Platz und Bewegung.

Liebe: Augen auf !

Vernunft: ein wenig Sport, ein wenig abnehmen, weiterhin ein gutes Auskommen mit den Schmerzen und der Arthrose, leben, lesen, Garten und Fahrrad und Leute.

Selbstbewusstsein: Prima, dann wünsche ich allen ein gutes Gelingen!