Tagebücher

Tagebücher

Heute fand ich meine alten tagebücher

ich verlor mich im spiegel der zeit

und es gefiel mir nicht

was ich dort sah.

 

Jetzt liegen noch mehr davon

in einer ecke

und ich will sie nicht lesen

oder doch?

 

Jetzt fühle ich

meine hilflosigkeit

von damals

wieder neu

und sehe

ich bin noch immer so

wenn stress meinen verstand vertreibt.

 

Kann es helfen zu erkennen

verhaltensmuster zu benennen

oder kann ich damit leben

wenn der spiegel mir sagt

du machst es schon wieder!

 

Kann ich dann lachen

und sagen

ja, es war schon immer so

bin ich dann froh

es nicht ändern zu können

wenn ich überfordert bin?

 

Ich warte ab

bei gelegenheit

werde ich mich wieder schutzlos fühlen

hilflos den verstand verlieren

wenn die angst das handeln

zäh werden lässt

dann werde ich so sein

wie ich bin

und es geht trotzdem weiter.

 

Mal sehen, mal sehen

und ich lese sie einfach nicht

die Tagebücher haben ausgesorgt.

 

 

 

 

 

 

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Ein fester Vorsatz

Ein fester Vorsatz

Der letzte Beitrag war natürlich gelogen. Also, fast. Negative Glaubenssätze lassen sich nicht so leicht entsorgen. Ansehen, erkennen und ausmisten, wenn das so einfach wäre!

Wie oft schon habe ich meine negativen Glaubenssätze vor die Tür gestellt, in der Hoffnung, sie würden einfach verschwinden! Pustekuchen! Sie blieben nicht weg, sie fanden immer wieder einen Weg zurück.

Das ist ihre Natur. Sie haben sich so fest eingenistet, dass so ein läppischer Vorsatz, sie zu entsorgen, lächerlich und völlig wirkungslos ist.

Die schlimmen Glaubenssätze wirken nicht mehr so stark wie früher. Ich habe sie benannt und als das erkannt, was sie wahrscheinlich sind: veränderbare Einstellungen, vielleicht von außen eingepflanzt, nicht unbedingt wahr. Sie lassen sich trotzdem nicht einfach aussortieren und entsorgen.

Oder? Habt Ihr einen einfachen Weg gefunden, Eure  schädlichen Glaubenssätze zu verbannen?

Ich nicht. Keine Therapie und kein Nachdenken schafften sie weg. Kein guter Vorsatz  bewirkte, dass sie endgültig verschwanden. Ich glaube noch immer nicht daran, dass der Satz: „Ich bin liebenswert“ wahrer sein soll als „Ich bin nicht liebenswert“ . Er ist nur schöner. Wenn ich an das Positive glaube wirkt sich das mit Sicherheit auf mein Lebensgefühl aus. Weiß ich. Nur, die negativen Gedanken sind ja trotzdem noch da.

Ich kann sie nicht rausschmeißen, aber vielleicht so lange bearbeiten, bis die negativen Gedanken nicht mehr wissen, wo oben und unten ist und sich geschmeidig in positive Glaubenssätze umformen lassen. Die unnützen Gedanken wären dann nützlich, wenn sie sich in „ich bin liebenswert“ , „ich gehöre dazu“ , „ich kann ganz viel“ , „ich bin ein Teil des Ganzen und darum nicht allein“ und „ich bin nicht allmächtig“ verändern ließen.

Wirklich? Auch das habe ich schon unzählige Male vergeblich gemacht. Die negativen Glaubenssätze denken nicht daran, sich dauerhaft positiv zu verhalten.

Also funktioniert dieser Trick auch nicht.

Etwas ratlos stehe ich vor meinen Glaubenssätzen, die mir nicht gefallen, aber sie scheinen ganz fest zu mir zu gehören. Ich werde es nicht schaffen, sie dieses Jahr noch in Luft aufzulösen.

Mal sehen, ob etwas anderes besser klappt. Aus „ich gehöre nicht dazu“ könnte ein „manchmal gehöre ich nicht dazu“ werden. Damit kann ich gut leben, denn manchmal ist es ja tatsächlich so. Wenn ich akzeptiere, dass ich eben doch hin und wieder dazu gehöre, ist alles gut. Ich könnte dann das Zugehörigkeitsgefühl genießen, wenn es sich einstellt. Ich kenne es noch nicht so gut. Es ist schüchtern. Ich werde es in Zukunft stärken!

Prima. Mal sehen, wie es sich mit dem „ich bin nicht liebenswert“ verhält. „Manchmal bin ich nicht liebenswert“ ist auch wahr. Es gibt Situationen, in denen ich nicht besonders liebenswert rüberkomme. „Ich bin es wert, als unperfekter Mensch geliebt zu werden“ würde den negativen Glaubenssatz ergänzen. Manchmal fällt es schwer, mich zu mögen und manchmal findet man mich ganz putzig und liebenswert. Beide Seiten sind da und nichts muss aussortiert werden.

Ich kann nichts“ ist leicht. Es gibt kein Lebewesen, welches nichts kann. Gar nichts. Sogar Steine können schwer sein und rumliegen. Also „ich kann nichts“ ist ganz einfach ein großes Missverständnis und kann tatsächlich entsorgt werden. Das zumindest kann ich tun. Das ist mehr als nichts! Na also. Ähnlich ist es mit dem „ich bin ganz alleine auf der Welt“ und „ich bin immer als einzige an allem schuld“. Dazu muss ich nicht viel sagen und wird tatsächlich jetzt sofort entsorgt. Manchmal bin ich alleine und manchmal trage ich Schuld, aber dass ist ja etwas ganz anderes. Das kann bleiben.

Verallgemeinerungen werden ab heute einfach nicht mehr gedacht!

Prima, ein guter Vorsatz für das neue Jahr!

 

 

Unnützes Zeug

Unnützes Zeug

Die Tage „zwischen den Jahren“ regen zum Aufräumen an. Nicht nur Schränke und Schubladen könnten neu sortiert werden, sondern auch die alten Glaubenssätze gehören einmal gründlich abgestaubt und angeschaut. Welches ist hilfreich und was kann in den Müll?

Ich nehme mir das „Ichgehörenichtdazu“ vor. Brauche ich das alte, nichtsnutzige Ding noch? Will ich mich weiterhin an den scharfen Kanten verletzen? Ist es gut für mich, wenn sich die Seele dorthin verkriecht, die Fenster fest schließt, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, sie zu besuchen und in die Arme zu nehmen? Nein, nein, das kann weg. Für immer.

Ich finde das furchtbare „Ichbinnichtliebenswert“, eine giftige Brühe im unfassbaren Gefäß. Wer hat sie hier überhaupt vergessen und warum ist sie immer noch hier? Sie tarnt sich gut, macht sich breit und wird dabei doch übersehen. Aber gefühlt. Die Seele badet ab und zu darin, weil sie denkt, sie muss. Immer noch. Nein, nein, will ich nicht mehr haben. Muss ich auch nicht. Soll die Seele doch lieber in den See der Freude springen oder die Zufriedenheit suchen.

Das „Ichkannjanichts“ möchte raus aus seinem Sack, es  dehnt und streckt sich nach allen Seiten. Es rumpelt im Kreis herum und will entweichen. Nein, nein, du bleibst schön da, wo du bist! Dich brauche ich wirklich nicht. Ich bin Rentnerin und kann entspannen. Das zumindest kann ich gut. Manchmal.

Das „Ichbinganzalleinaufderwelt“ kocht Selbstmitleid im großen Kessel und will die Seele damit nähren. Wie gut sich die Festtage dazu eigenen! Wie herrlich kann die Seele davon trinken und traurig sein. Sie wird weinen und alles bleibt sowieso ganz furchtbar hoffnungslos. Brauche ich das wirklich noch? Oder kann das weg? Kann weg! Oder doch lieber  nicht?

„Ichbinanallemschuld“ grinst in seinem Spiegel und tanzt einen wilden Tanz. Ich erlaube der Allmachtsphantasie, mir alle Schuld der Welt auf die Schultern zu legen, denn ich bin stark, ich kann sie tragen. Aber will ich sie noch? Nein, nein, vorbei, ich brauche sie ja zu gar nichts mehr. Also gehört das Teil nun endlich aussortiert. Meine eigene, private Schuld kommt in ein goldenes Kästchen, sie darf bleiben.

Der Berg der unnützen Glaubenssätze ist jetzt schon ganz schön hoch und ich bin noch nicht einmal fertig. „Soll“ und „Muss“ bringen alles durcheinander und sind nicht zu fassen, so schnell verschwinden sie in dunklen Ecken und stricken neue Muster. Unnützes Zeug staubt still vor sich hin, bis es sich bemerkbar macht mit lautem Knall und Juchhe. Das schaffe ich nicht alles auf einmal aufzuräumen.

Aber immerhin habe ich mit dem Ausmisten schon angefangen und fünf alte Denkmuster müssen daran glauben.

Aber wohin damit?

3. Dezember

3. Dezember

Im Haus ist es ruhig geworden. Die Seele sitzt auf dem Sofa in der kalten Stube. Sie wartet auf die Trauer. Aber diese kann nicht kommen, weil ihr die eisige Fassungslosigkeit den Weg versperrt.

Die Liebe streift durch das Haus und schaut nach ihren Leuten. Sie darf jetzt sein, ohne Wenn und Aber, und das tut ihr sehr gut. Sie kämpft sich durch zur Seele, umarmt sie und gibt ihr Kraft.

Das Innere Kind wird ungeduldig. Es läuft zum Selbstbewusstsein. „Du musst unbedingt kommen, die Seele will kein Weihnachten! Das geht doch nicht“, sagt es und stampft mit dem Fuß auf. Das sieht das Selbstbewusstsein ein, denn Weihnachten ist wichtig.

Die Seele wendet sich ab und sagt: „Mein Lebensmensch ist gestorben, die Fassungslosigkeit ist zu groß und lässt keinen Platz für die Trauer in meinem Zimmer.“ Das Selbstbewusstsein setzt sich zur Seele und nimmt ihre Hand. Die Fassungslosigkeit zieht sich zurück und macht den Zugang frei. Die Lebensfreude steckt vorsichtig ihre vorwitzige Nase ins Zimmer und das Innere Kind springt in die Stube und auf Seeles Schoß.

Die Trauer gesellt sich mit einem Kilo Schokolade dazu und bringt einen Adventskranz mit. Selbstbewusstsein zündet die erste Kerze an und sagt: „Wir brauchen das jetzt!“ Die Lebensfreude und die Trauer kochen Tee und machen Feuer im Kamin. Das Innere Kind holt seine Buntstifte und beginnt ein großes Weihnachtsbild zu malen. Die Erinnerung schaut herein und lässt alte Weihnachtslieder erklingen.

Es wird warm in der Stube. Die Seele trinkt ihren Tee und sagt: „Aber ich will nicht groß feiern.“ Nein, das muss sie auch nicht. Alle spenden Seelentrost und das Innere Kind ist zufrieden, dass der Advent nicht in der Kälte verloren geht. Es setzt sich neben die Trauer und weint und dann lächelt es wieder.

Die Seele blickt ins Kerzenlicht und sagt: „Wer weiß, vielleicht überleben wir Seelen das Sterben. Vielleicht bekomme ich sogar eines Tages Besuch?“

Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass unsere Seele bei den anderen gut aufgehoben ist, denn das Leben sorgt für sie.

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Blockaden

Blockaden

Manchmal brauche ich Hilfe, um alte Schmerzen zu verstehen und aufzulösen. Die habe ich gestern bekommen.

Klare Gedanken und Gefühle lösen Blockaden auf, die ich seit Jahren schütze, pflege und hege. Weil ich nicht hinsehen wollte. Weil ich es nicht wahrhaben wollte. Weil es weh tat.

Jetzt erkenne ich den Sinn und den Unsinn meiner Handlungen. Jetzt sehe ich, wie sehr ich mich immer wieder in Frage stelle und mich gedanklich selbst niederschlage.

Ich fühlte mich bis zu seinem Tode als seine Ehefrau und war ihm im Herzen sehr nah, obwohl gerade dies nicht sein durfte, denn wir waren ja geschieden und nur noch durch die Kinder und ein gemeinsames Haus verbunden. War es Abhängigkeit, Dummheit, Faulheit, Nichtloslassenkönnen, Stalking, Nichtwahrhabenwollen oder gar Liebesunfähigkeit, die mich so fühlen ließen?

Ich wollte es mir verbieten. Ich wollte nicht so fühlen, wie ich eben fühlte. Und konnte doch nichts dagegen tun. Obwohl alles dagegen sprach und er längst schon eine Geliebte hatte für einige Zeit.

Nun ist er gestorben und ich fühlte es immer noch und das durfte doch nicht sein. Ich musste ihn endlich loslassen, mich mit den Tatsachen abfinden. Und immer wieder passierte etwas in den letzten Wochen, dass mich zwang, hinzusehen.

Seit gestern weiß und fühle ich: Ich habe ihn geliebt und liebe ihn immer noch. Ich darf die Liebe fühlen, muss sie mir nicht mehr ausreden. Ich darf ihn lieben, egal was passiert ist. Es ist in Ordnung, dass ich mich getrennt habe und scheiden ließ, weil ich ein Zusammenleben nicht mehr aushielt. Und ich darf ihn trotzdem lieben. Ich darf auch an seine Liebe zu mir glauben. Er war ja immer irgendwie da, auch wenn er zeitweilig weg war.

Es ist gut so.

Gestern war ich endlich in der Lage, ein Familienfoto von uns vieren aufzustellen. Ich darf meine Liebe fühlen und ihn wieder sichtbar machen.

Gut, dass ich mich von ihm liebevoll verabschiedet habe.

Dass das Loslassen meiner negativen Gefühle mit dieser Erkenntnis möglich wird, ist eine große Überraschung. Ich hätte weiter gegen meine Liebe angekämpft. Das brauche ich nicht mehr und alles wird leichter. Auch die Trauer.

 

Alte Schmerzen

Alte Schmerzen

Alles anders

irgendwie

und doch bekannt

nicht zu fassen

nicht zu klären

alte schmerzen brennen neu

und sie wollen sich nicht lösen

es soll nicht so sein

wie es war

und  wie es ist.

 

Ich mag nicht mehr

Gedanken blockieren

bilder drücken nieder

sinnlos.

 

Und immer wieder

wenn ich denke

es ist vorbei

passiert etwas

daran komme ich nicht vorbei

ich muss hinsehen

um dann zu fallen

grundlos.

 

So wird es bleiben

bis ich  loslasse

und alles so sein lasse

wie es war

und wie es ist.

 

Kalenderweisheitguterrat

wütend knalle ich die Türen

baue mir ein nest aus warmen decken

kann mich nicht ausstehen

weiß, ich bin im unrecht

doch ich will es nicht einsehen

weil ich befürchte

den halt zu verlieren

nach dem loslassen.

 

Nicht aktuell, aber ich kann mich noch sehr gut in diese Stimmungslage hineinversetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mitternachtsgedanken

verschlungen

Lebenswege treffen sich

verbinden sich

verschlingen sich

brauchen sich

wollen sich

wollen sich nicht

müssen aber

 so ungewiss

es wird nichts ausgesprochen

nur ausgedacht

nur einer weiß

oder auch nicht

und jemand will nichts wissen

nur hoffen

aber auch das nicht offen

und jemand bleibt

bis einer geht

 dann ist es zeit

sich zu lösen

das verschlungene aufzudröseln

zu erkennen

es sind nur gedanken

die giftig sind

es ist möglich

sie aufzulösen

und frei zu sein.