Ganz wunderbar!

Ganz wunderbar!

Meine Güte, was für ein Tag! Das ist gelogen….eigentlich sind es zwei Tage. Oder drei?

Ich lese gerade „Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus einer Welt im Wandel“ von Ranga Yogeshwar.

“ Dieses Buch kommt zur rechten Zeit. Wir befinden uns inmitten eines epochalen Wandels:  Die digitale Revolution, Fortschritte in der Gentechnik oder der Entwicklung der künstlichen Intelligenz greifen in fundamentaler Weise in unser Leben ein verändern ganze Branchen, aber auch Lebensmodelle und ganz konkret unseren Alltag. Das Smartphone ist erst zehn Jahre alt, aber hat von Amazon bis WhatsApp, von Airbnb bis Uber unser Leben umgekrempelt. Und was mag da noch alles kommen, und wie rasch?  Viele fürchten sich vor einer Welt, die so anders sein wird als alles, was wir kennen.

Yogeshwar stellt die aktuellen und zukünftigen Umbrüche auf verständliche Weise in ihrer ganzen Breite dar: von der Digitalisierung bis zur Gentechnik, von der Totalüberwachung bis zum (Alb)Traum vom ewigen Leben. Er berichtet von seinen Besuchen in einem Klon-Labor in Südkorea, im Forschungslabor für künstliche Intelligenz in Schweden und in der Ruine eines Atomkraftwerks in Japan. Er schildert seine Fahrt im Prototyp eines autonomen Fahrzeugs, testet im Selbstversuch, wie man mit einem „infizierten“ Handy abgehört werden kann und erinnert sich an seine Kindheit in Indien, dem Subkontinent, auf dem Vergangenheit und Zukunft eine spannende Symbiose eingegangen sind.

Yogeshwar ordnet die gegenwärtigen Entwicklungen auch in die Menschheitsgeschichte ein, die immer eine Geschichte des Fortschritts war. Entscheidend wird sein, das ruft er uns zu, dass wir die Chancen, die mit dem Wandel auch verbunden sind, wahrnehmen und die Gestaltung der Zukunft nicht anderen überlassen, sondern selbst in die Hand nehmen“

Zu allererst frage ich mich, wie kann ein Mensch nur so intelligent sein, so viel wissen, so viele Sprachen sprechen, so viel reisen, so interessant schreiben, so realistisch, optimistisch und sympathisch sein? Wie kann einer so gut erklären, dass auch ich das verstehe? Unglaublich.

Gedanklich bin ich gerade sehr in meine und die deutsche Geschichte eingetaucht und irgendwie auch noch nicht wieder ganz aufgetaucht. Nun, so dachte ich, will ich doch mal sehen, dass ich in die Gegenwart zurückkomme und nehme mir das Buch von Yogeshwar vor. Ich habe es noch nicht durch, aber ich bin für aktuelle Entwicklungen wacher geworden. Nachrichten sehe ich gerade mit anderen Augen. Ich scheine plötzlich mehr und besser zu verstehen. Und ich fühle ganz intensiv die „Wunder“, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich fühle die Weite des Weltalls, wobei mir etwas schwindelig wird, und die Unwahrscheinlichkeit der Erde. Alle Entwicklung scheint mir wunderbar, zauberhaft und überhaupt nicht selbstverständlich. Was für ein Wunder, dass ich lebe.

Ich lese von der Technik und was alles möglich sein wird. So weit sind wir von Real Humans , der dänischen Serie, die ich 2013 das erste Mal gesehen habe, gar nicht mehr entfernt. Was ist menschlich? Diese Frage muss vielleicht bald neu gestellt und beantwortet werden.

Ich weigere mich, zu viel Technik in mein Haus zu lassen. Lampen schalte ich noch selbst an und die Kühlschranktür öffne ich alleine, wenn ich wissen will, ob ich Milch brauche. Ihr wisst, was ich meine! Aber wenn ich genau hinsehe, umgibt mich doch schon ziemlich viel Digitalität. Meine Heizungsanlage bewältigt zum Beispiel ihre Aufgaben ohne mein Zutun. Ventile an den Heizkörpern arbeiten selbständig und tyrannisieren mich manchmal. Ab und zu fallen sie ab und ich sehne mich nach den guten alten Entscheidungen, ob ich 1, 2, 3 oder sogar 5 einstellen will. Bald wird auch mein Telefon digital, aber das wisst Ihr ja schon.

Mein Laptop ärgert mich und jetzt bin ich fast davon überzeugt, es macht das mit Absicht. Und jetzt komme ich auf meinen ersten Satz zurück. Seit drei Tagen arbeitet mein PC mal zuverlässig und prima (wie jetzt, allerdings spinnt meine Maus plötzlich und lässt sich kaum bändigen), und manchmal macht er nur noch Quatsch oder gar nichts mehr. Ich versuche ihn wieder in Gang zu bringen und dann arbeitet er, also mein PC, viele Stunden selbständig und ich sehe nur die Ladeanzeige ( blauer kreisender Kreis). Ich sitze natürlich nicht die ganze Zeit dabei, sondern beschäftige mich mit anderen, analogen Dingen, aber gedanklich bin ich bei ihm oder ihr, meiner Maschine. Ich habe das Gefühl, sie macht, was sie will und ich durchschaue nichts mehr.

Übrigens finde ich auch die Korrekturen bei WordPress ziemlich eigenständig. Manchmal denke ich, ich sollte alle Korrekturvorschläge einfach mal übernehmen Ladeanzeige wird dann zur Todesanzeige, Leuchtmittel zum Zuchtmittel und Ranga zum Tanga. Aber hier habe ich noch das Sagen! Meisten jedenfalls! Manchmal finde ich beim Durchlesen ganze Satzteile nicht da vor, wo ich meinte sie geschrieben zu haben. Geht Euch das auch so? Oder spielt nur mein PC so lustige Streiche?

Meine Güte, was für ein Tag! Heute machte auch mein Handy schlapp. Es wollte nicht so wie ich und plötzlich ging doch wieder alles reibungslos. Meine Schreibtischlampe streikte und ein Leuchtmittel im Flur blieb dunkel. Sie haben sich verschworen!

Ach könnte doch Ranga kurz vorbeikommen und mir meine kleine Welt erklären! Dann wäre ich wieder Herrin im Haus!

Erst putzen, dann Stephen King

Putzen wird völlig überbewertet. Ich mache das nicht gern. Mir tun dabei die Hände so weh und überhaupt: irgendwann hört die Staubschicht auf zu wachsen und wenn man alles schön zufrieden lässt, fällt sie gar nicht auf. So war es zumindest bis zu meiner Augen-OP. Ohne grauen Star sieht das schon wieder ganz anders aus. 😳

Jetzt, wo die Sonne so schön in meine Wohnung scheint…..ja, putzen ist nötig. Vielleicht bringt mich ein drohender angekündigter Übernachtungsbesuch auf Trapp. Gestern waren Fenster (mit Gardinenwaschen!), Türen, Heizungen und mein Briefkasten dran, heute morgen alle Böden. Ich hasse Bodenwischen. 😬

Der Nachteil beim vorgezogenen Frühjahrsputz ist ja, dass ich am liebsten nichts mehr anfassen und über dem Boden schweben möchte. Außerdem finde ich immer mehr, das zu putzen und zu säubern ist. Wenn ich damit durch bin, sind wieder die Fenster dran. Mit dem Putzen wird man also nie fertig und kann es vielleicht auch wirklich sein lassen! 😅

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Ich wollte mir und allen anderen nur beweisen, wie fleißig ich war, dass ich mich bewegt und etwas nützliches getan habe (ja, ich weiß, das muss ich gar nicht, trotzdem….). Darum ist mein Gewissen rein, wenn ich gleich auf meiner allerliebsten Terrasse in der Sonne Platz und ein Buch zur Hand nehmen werde, auf das ich mich wirklich freue, weil ich es schon kenne und weiß, wie gut ich mich beim Lesen fühle. Außerdem lerne ich jedesmal dazu.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben, 2000

„Während der Genesung nach einem schweren Unfall schreibt Stephen King seine Memoiren- Leben und Schreiben sind eins. Ein unverzichtbarer Ratgeber für alle angehenden Schriftsteller und eine Fundgrube für alle, die mehr über den König des Horror-Genres erfahren wollen. Ein kluges und zugleich packendes Buch über gelebte Literatur.“

“ Lange Zeit ist Stephen King einer der meistgelesenen Schriftsteller unserer Zeit, mit der eigenen Biografie eher zurückhaltend umgegangen. In diesem Buch gibt er erstmals ausführlich Einblick in seine Lebensgeschichte und seinen Werdegang als Buchautor. King versenkt sich und seine Leser in das „neblige Land der Kindheit“, das viele seiner Romane inspiriert hat, und in die Ängste und Sehnsüchte des jungen Mannes, der sich am Rande einer reichen Gesellschaft durchkämpfen musste. Er schildert seine große Liebe zu seiner Frau Tabitha und die Nöte seiner kleinen Familie und erzählt von den ersten Schreibversuchen, dem plötzlichen Erfolg und dem schwierigen Umgang mit dem Ruhm. Und natürlich schreibt King über das Schreiben: was es für ihn bedeutet, wie seine Werke entstehen und welche Autoren und Ereignisse ihn und sein Werk geprägt haben.“   (Klappentexte außen und innen)

Ich mag Stephen King und seine Romane. Ich würde ihn zu gerne einmal kennenlernen. Darum lese ich dieses Buch vom Leben und Schreiben mit besonderem Vergnügen. Wahrscheinlich ist es aber auch für diejenigen interessant, die seine Werke ablehnen, aber mehr über das Schreiben erfahren wollen.

 

 

13. Dezember

13. Dezember

Heute haben Xaver und ich endlich mal Zeit nur für uns selbst. Frau Holle ist auf ihr Fahrrad gestiegen und strampelt gegen Wind und Wetter an. Sie will nicht mit dem Auto fahren, damit sie mal an die frische Luft kommt. Sagt sie. In Wirklichkeit kann sie nicht einparken und lässt darum das Auto lieber stehen.

Draußen ist es so gruselig, dass nicht mal Hunde und Katzen raus gehen. Aber Frau Holle will sich unbedingt in der frischen Luft bewegen😂 😂😂. Sie muss zum Zahnarzt. Keine Ahnung, was das ist. Frösche haben im allgemeinen keine Zähne. Im  Internet finde ich zu diesem Thema Wissenswertes, was auch Xaver zum Staunen bringt. Dort heißt es: „Während manche Frösche nur Fruchtfliegen und andere Kleininsekten fressen, essen andere alles, was in ihren Mund passt. Frösche sind Fleischfresser, einige Arten ernähren sich noch zusätzlich von pflanzlicher Nahrung.
Die meisten Frösche besitzen keine Zähne, dafür haben sie aber am Oberkiefer eine Reihe zahnähnlicher Grate (ein Grat ist die obere scharfe Kante, z.B. eines Berges), mit denen sie ihre Beute festhalten, um sie anschließend in den Mund befördern zu können. Zum gleichen Zweck besitzen sie einige kleine Fangzähne, die verhindern, dass die Beute entkommt, bevor der Frosch sie verschlucken kann. Deswegen verschlucken sie ihre Beute lebend.“

Ich wusste gar nicht, dass das so kompliziert ist. Ich fresse einfach immer alles, was in meinen Mund passt oder reinfliegt. Xaver sucht seine Graten und findet nichts.

Wir probieren, ob die Rosinen, die wir in der Backkiste finden, in unseren Mund passen. Sie passen. Wir probieren weiter mit den Clementinen aus der Obstschale, da wird es schon enger und Xaver droht zu ersticken. Er hat keine Lust mehr auf Experimente. Ich schon, denn ich bin ein harter Kerl und nehme mir eine Banane. Ob die in meinen Mund passt? „Guck mal Xaver, ich bin jetzt ein Breitmaulfrosch!“, kann ich gerade noch mühsam sagen, bevor ich eine Kiefersperre bekomme und nur noch ein „Ehehe eee ee eheehhee!“ von mir geben kann. Xaver befreit mich mit aller Kraft von der verqueren Banane. Er muss dabei so lachen, dass er ab und zu mal umfällt. Jetzt habe ich auch die Schnauze voll und wir gehen lesen.

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Mein liebstes Buch ist: „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ von Sven Nordqvist. Hinten steht: „Tagelang ist es so kalt, dass der alte Pettersson und sein Kater Findus ihre Nasen nicht vor die Tür stecken mögen (was ja gut zum heutigen Wetter passt, wo außer Frau Holle kein Wesen draußen ist), und gerade als es ein bisschen wärmer wird, verstaucht der Alte sich seinen Fuß. Dabei ist morgen Heiligabend. Wie sollen die beiden jetzt zu einem Weihnachtsbaum kommen? Und wie zu Stockfisch, Fleischklößchen und Pfefferkuchen? Eine schöne Bescherung!“

Ich  kann mich gar nicht satt sehen an den Bildern. Ich finde Findus so toll und überlege, ob ich mir zu Weihnachten nicht auch so eine schöne Hose wünschen soll. Findus ist wie ich, nur eben Kater. Wir sind seelenverwandt. Und der alte Pettersson ist wie Frau Holle, nur eben Mann. Wenn Frau Holle mal keine Lust zum Aufräumen hat, sagt sie oft: „Nun sieht es hier bald aus, wie beim alten Pettersson!“ Gemütlich eben. Und jetzt, wo hier so viele Gestalten Weihnachtsstimmung im Haus verbreiten, ist es wirklich genau so, wie beim alten Pettersson im Buch.

Frau Holle mag die Bücher von Findus immer noch sehr gerne haben. Jetzt liest sie uns jeden Abend aus diesem Buch vor:IMG_1581“ Man soll nie zuviel versprechen. Sonst geht es einem am Ende wie dem alten Pettersson. Seit der seinem Kater nämlich vom Weihnachtsmann erzählt hat, hat Findus nur noch einen Wunsch: dass der Weihnachtsmann auch zu ihm kommt. Klar, dass Pettersson ihn nicht enttäuschen möchte. Im Tischlerschuppen geht es denn auch hoch her in den nächsten Tagen. Da wird gezeichnet, gesägt, gehämmert und gebohrt. Dass trotzdem alles ganz anders kommt, als Pettersson geplant hat, kann nur daran liegen, dass manchmal Dinge geschehen, die man einfach nicht erklären kann…..“

Ich finde das so toll. Hier im Haus gibt es ja jede Menge Weihnachtsmänner und draußen auch, aber ob der richtige Weihnachtsmann auch zu Fröschen kommt? Wenn sie sich Hosen anziehen vielleicht? Ich will Frau Holle nachher mal fragen. „Aber schie hat ja keinen Tischlerschuppen“, sagt Xaver. Da ist was wahres dran.

Ich habe noch ein gutes Buch vom Weihnachtsmann:

IMG_1507„12 Geschenke für den Weihnachtsmann“ von Mauri Kunnas.

„Schenken ist das Schönste an Weihnachten, meint Kalle, ein kleiner Wichteljunge- wenn es auch nicht immer ganz leicht ist, das richtige Geschenk zu finden. Was soll er zum Beispiel dem Weihnachtsmann schenken? Kalle überlegt und überlegt, und Stummel, sein Hund, hilft ihm dabei; schließlich ist in zwölf Tagen Weihnachten. Da hat Kalle auf einmal eine Idee, und was für eine….“

Xaver und ich lachen uns schlapp, was dem Kalle alles einfällt und wie alles schief geht und der Weihnachtsmann trotzdem an den Geschenken seinen Spaß hat. Ich finde den Kalle so toll. Er ist wie ich, nur eben Wichtel. Ich muss unsere beiden Wichtel von gestern mal fragen, ob sie Kalle kennen. Und dann muss ich mir überlegen, was ich Frau Holle schenken soll. Die ist wie Weihnachtsmann, nur eben Frau.

Oh, jetzt kommt sie schon wieder durch die Tür herein. Zerzaust und nass und mit roten Bäckchen. Sie freut sich, dass wir so schön brav waren und lesen. Na ja, von unseren Experimenten muss sie ja nichts erfahren. „Nächsten Dienstag muss ich wieder hin“, sagt sie. „Heute wurde nur geröntgt und nächste Woche wird besprochen, wie meine Zähne behandelt werden sollen. Hoffentlich kriege ich Weihnachten keine Zahnschmerzen!“

Gut, dass Frösche keine Zähne haben!

 

10. Dezember

10. Dezember

Hallo Leute, heute ist Sonntag. Also Advent. Zwei Kerzen sind dran. Frau Holle hat keine Lust, mir das zu erklären. Aber ich verstehe das Prinzip. Jeden Sonntag eine Kerze mehr. Im nächsten Jahr will ich auch so etwas haben. Aber ganz anders: Ich will einen Kranz mit 30/31 Kerzen. Und jeden Tag mache ich eine mehr an. Und wenn 30/31 Kerzen brennen, wird es sehr warm und man weiß, der Monat ist auch wieder zu Ende.

Frau Holle sagt, so geht das nicht.

Na gut. Ist ja ihre Wohnung. Xaver, sie und ich kuscheln zusammen auf dem Sofa. Sie hat sich ein großes Marzipanbrot auf den Tisch gelegt. Sie lächelt. Sie sieht es an. Sie seufzt. Sie macht das Papier ab und knabbert ganz vorsichtig daran. Am Marzipanbrot, nicht am Papier natürlich. Sie knabbert einen ganz kleinen Bissen ab und sagt: „Ich will lange was davon haben.“ Wir sollen Beifall klatschen, das tun wir aber nicht. Wir sind mit unserem Essen beschäftigt. Heute gibt es Fischfutter süß sauer. Frau Holle verliert die Geduld und haps, haps, haps ist das Marzipanbrot weg. Gekaut und geschluckt.

Sie sagt: „Ach du meine Güte, jetzt hat mich doch glatt die Gier erwischt!“ Wir lachen uns schlapp. Wie schnell die Alte essen kann ist immer wieder erstaunlich.

Draußen schneit es und es stürmt. Wir hören Bibi Bohne. Xaver weiß jetzt rechtzeitig, wann er sich die Ohren zuhalten muss. Frau Holle sagt: „Ich habe natürlich auch CDs mit Weihnachten drauf! Technisch auch nicht mehr auf dem neuesten Stand, aber immerhin leiern die nicht.“ Drei davon zeigt sie uns heute und wir staunen.

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Der Polarexpress: „Voller Sehnsucht liegt ein kleiner Junge am Heiligen Abend in seinem Bett und wartet auf die Ankunft des Weihnachtsmannes. Gibt es ihn vielleicht doch nicht? Plötzlich steht ein geheimnisvoller Zug direkt vor seiner Tür und lädt ihn zu einer Fahrt Richtung Nordpol ein- dorthin, wo der Weihnachtsmann angeblich wohnt…..Rufus Beck liest den anrührenden Weihnachtsklassiker über die Kraft des Glaubens.“ (steht auf der Rückseite und Frau Holle sagt, das gibt es auch als Film , den sie sehr liebt)

Astrid Lindgren, Bald ist Weihnachten. Die schönsten Weihnachtsgeschichten, 4 (!) CDs. Auf der Rückseite steht: „Die Kinder aus Bullerbü tanzen um den Baum. Pippi feiert ein großes Fest und Polly hilft ihrer Großmutter bei den Weihnachtsvorbereitungen, als diese sich ein Bein verletzt. Elf der schönsten Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren, atmosphärisch gelesen von Manfred Steffen- weihnachtliche und winterliche Abenteuer mit Michel aus Kattult, Madita aus Birklund, Lotta aus der Krachmacherstraße, Tomte Tummetott und vielen anderen beliebten Lindgrenfiguren.“ (Frau Holle fragt sich allerdings, ob Kinder und Frösche, die heute aufwachsen, auch so viel Spaß an diesen Geschichten haben, wie sie selbst, als sie ein Kind war. Vielleicht können sie gar nichts mehr damit anfangen. Ich soll Euch fragen, wie Ihr das seht!)

Und wenn die Stimmung gar zu süß geworden ist, hört sich Frau Holle gerne folgende CD an: Gerhard Polt, Abfent, Abfent….. Hinten steht drauf: „Aber was ist schon ein Jahr? Gerade noch war der Nikolaus da mit seinen Gabensack, da steht schon wieder der Gerichtsvollzieher vor der Tür.“

Na ja, die gute Frau Holle rülpst ein kleines bißchen und ihr ist etwas schlecht geworden. Sie sagt: „Nie wieder kaufe ich mir ein Marzipanbrot!“ Und sie legt sich hin.

Xaver und ich hören noch einmal Bibi Bohne und lassen es uns gutgehen.

Wir wünschen Euch einen schönen zweiten Advent!

 

9. Dezember

9. Dezember

Hallo Leute, ich möchte gerne wissen, was Advent und Weihnachten ist. Kerzen, Schmuck, Kekse, Engel und Weihnachtsmänner? Xaver weiß das erst recht nicht, ihm ist es auch egal. Hauptsache, er hat seinen Spaß. Er tobt mit den Engelkindern durch das ganze Haus und das kann doch nicht der Advent sein, oder? „Das gehört alles dazu“, sagt Frau Holle und kramt in ihren Büchern herum.

Sie sagt: „Guck mal hier, Misi, hier ist die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht eines Esels beschrieben. Ursel Scheffler hat sich das ausgedacht.Vielleicht kannst Du was damit anfangen.“

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„Die Reise nach Bethlehem war lang und beschwerlich. Der Esel Jonas hatte nicht nur das Gepäck zu tragen, sondern auch Maria. Und das Baby in ihrem Bauch. So beginnt die Weihnachtsgeschichte, die wir immer wieder gerne hören. Ursel Scheffler beschreibt den Zauber der Heiligen Nacht, den Vera Sobat in wunderschönen Bildern eingefangen hat.“ (Umschlag)

Ich schnappe mir den Xaver und die Engelkinder und Frau Holle liest uns vor. „Langweilig!“, rufen die Engel. „Das kennen wir!“ und sie zischen ab. Aber Xaver und ich sehen uns die Bilder an. Wir finden auf jeder Seite eine Maus. Die hat einen roten Schal. Frösche sind leider nicht dabei. Aha, der Heiligabend ist also der Geburtstag von einem Mann. Der wurde vor 2017 Jahren (oder so) geboren und heute kriegen alle Geschenke, weil sie seinen Geburtstag immer noch feiern. Frau Holle sagt: „Nein, Misi, das ist etwas komplizierter. Das hat etwas mit Religion und Glauben zu tun.“ Ich weiß nicht, was das ist. Aber das Buch ist schön.

Frau Holle ist nicht zu bremsen. Sie holt alles raus, was Kinder im Advent gut brauchen können. Sie hat das aufgehoben, obwohl ihre Kinder längst aus dem Haus sind und sie auch nicht mehr in der Schule arbeitet. Sie murmelt etwas von schönen Erinnerungen und legt eine Kassette ein: Bibi Bohnes Weihnachtsfest , eine Geschichte von Michael Korth und Klaus Pitter. „Dieses Weihnachtsfest wird Bibi Bohne nie vergessen. In einem alten Bauernhaus hoch oben in den Salzburger Alpen wartet sie auf ihre Eltern, die für ein paar Besorgungen noch einmal ins Tal gefahren sind. Doch ein Schneesturm verhindert ihre rechtzeitige Rückkehr. „Weihnachten wird um einen Tag verschoben“, erfährt Bibi Bohne am Telefon. „Na gut“, denkt Bibi, holt Bismarck, den riesigen ungarischen Hirtenhund, und Knudel, den Kater, zu sich ins Zimmer, lümmelt sich auf dem dicken Wollteppich und beginnt Kekse zu mampfen und Cola zu schlürfen. Knudel schnurrt im Schlaf, und auch Bibi ist schon auf der Reise nach Schlummerland. Und da passieren bekanntlich die tollsten Sachen.“ (Quelle: Umschlag).

Eine spannende Geschichte, das kann ich Euch sagen. Xaver hält sich sogar manchmal die Ohren zu. Ich nicht. Ich bin ja ein harter Kerl. Vieles, was je zu Weihnachten passierte, muss die arme Bibi hören und einiges sogar selbst erleben. Und die Geschichte vom Christkind erzählt ein gewisser Klaus und Frau Holle lacht Tränen. Sie sagt: „Ich wusste gar nicht mehr, wie lustig diese Kassette ist! Und lehrreich außerdem!“  Es wird nämlich  auch gesungen und ich muss diese Kassette immer wieder hören. Frau Holle sagt, sie klingt schon etwas ausgeleiert, weil ihre Kinder sie früher so oft abgespielt hatten und eigentlich gibt es ja gar keine Kassettenrekorder mehr. Zum Glück hat Frau Holle noch einen. Hoffentlich geht er nicht kaputt.

Frau Holle liest gerade dieses Buch:

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„Joachim wünscht sich einen Adventskalender, doch alle sind bereits ausverkauft. In allerletzter Minute findet Joachim mit seinem Papa noch einen Adventskalender in einem winzig kleinen Buchladen, ein sehr altes, handgearbeitetes Stück. Der Buchhändler weiß selbst nicht, wie es in seinen Laden gekommen ist. Als Joachim das erste Türchen öffnet, zeigt sich,  dieser Kalender voller Geheimnisse steckt. Er begleitet Joachim und seine Eltern durch die spannendste Adventszeit ihres Lebens, bis er am 24. Dezember schließlich sein Geheimnis enthüllt.“ (Umschlag)

Frau Holle sagt, das liest sie immer wieder gern zur Weihnachtszeit, immer ein Kapitel am Tagt. Dann ist sie am 24. Dezember fertig mit der Geschichte, wenn sie rechtzeitig am 1. Dezember angefangen hat. Ein Buch-Adventskalender quasi. Aber für mich und Xaver ist das zuviel Text. Ich soll mir lieber die Bilderbücher ansehen, die sie neben mein Terrarium gelegt hat. Nein, erst einmal höre ich zum zwölften Mal Bibi Bohne!

Was kann ich tun an trüben Tagen?

Was kann ich tun an trüben Tagen?

LESEN! Ich habe gerade ganz viel Zeit für das Buch „Wer bin ich und wenn ja, wie viele. Eine philosophische Reise“ von Richard David Precht. Ja, ich weiß, dieser Autor hat bei „echten“ Philosophen einen dankbar schlechten Ruf. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, wobei ich natürlich keine echte Philosophin bin! Er gefällt mir sehr und was er sagt und schreibt, hat für mich Hand und Fuß. (Warum sagt man eigentlich Hand und Fuß?) Ich empfehle das Buch gerne weiter für Leute, die von Philosophie so wenig Ahnung haben wie ich. Es könnte ein guter Einstieg für weiterführende Literatur sein. Eigentlich wollte ich hier nur schnell ein Zitat bringen, weil es so gut in diesen Blog passt, aber ich bekomme so große Lust die Überschriften der Kapitel abzuschreiben. Alleine die würden einen ganzen langen Diskussionsabend füllen. Wollt Ihr kommen? Ich kaufe uns ein Fläschchen Wein und dann machen wir es uns gemütlich!  Wie bitte? Ist zu kurzfristig? Ja gut. Das verstehe ich.

Also nur das Zitat (es hat zu verantworten, dass ich mich vom muscheligen Sofa gequält habe und die Treppe zum Arbeitszimmer erklomm):

„Ein menschliches….Wesen, das keine Gefühle kennt, ist undenkbar. Der Grund dafür ist ganz einfach: Gefühl und Verstand bilden keinen Gegensatz! Sie spielen nicht gegeneinander, sondern sie spielen miteinander, bei allem, was wir tun. Sie sind Partner bei der Arbeit des Geistes, mal zuverlässig, manchmal auch heillos miteinander zerstritten, aber sie können nicht voneinander lassen. Im Zweifelsfall kommt noch das Gefühl ohne allzu viel Verstand aus. Aber ohne das Gefühl hat der Verstand ein Problem, denn erst die Gefühle sagen dem Denken, wohin der Hase laufen soll. Ohne emotionalen Anschub keine Gedankenbewegung…..Gefühle sind der Klebstoff, der uns zusammenhält.“ (Seite 76)

Darüber könnte ich jetzt stundenlang nachdenken. Aber ich schreibe nun doch lieber die Überschriften der einzelnen Kapitel ab. Vielleicht bekommt Ihr dann Lust, Euch dieses Buch auf Euren Wunschzettel zu schreiben………..😂 Genau, meine Gedanken sind schon ziemlich weihnachtlich gestimmt, aber das ist eine andere Geschichte.

Was kann ich wissen?

  •  Kluge Tiere im All. Was ist die Wahrheit
  • Lucy in the Sky. Woher kommen wir?
  • Der Kosmos des Geistes. Wie funktioniert mein Gehirn?
  • Ein Winterabend im 30-jährigen Krieg. Woher weiß ich, wer ich bin?
  • Die Mach-Erfahrung. Wer ist „ich“?
  • Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?
  • Kein Herr im eigenen Haus. Was ist das Unterbewusstsein?
  • Da war doch was. Was ist das Gedächtnis?
  • Die Fliege im Glas. Was ist Sprache?

Was soll ich tun?

  • Rousseaus Irrtum. Brauchen wir andere Menschen?
  • Das Schwert des Drachentöters. Warum helfen wir anderen?
  • Das Gesetz in mir. Warum soll ich gut sein?
  • Das Libet-Experiment. Kann ich wollen, was ich will?
  • Der Fall Gage. Gibt es Moral im Gehirn?
  • Ich fühle was, was du auch fühlst. Lohnt es sich, gut zu sein?
  • Der Mann auf der Brücke. Ist Moral angeboren?
  • Tante Bertha soll leben. Darf man Menschen töten?
  • Die Geburt der Würde. Ist Abtreibung moralisch?
  • End-Zeit. Soll man Sterbehilfe erlauben?
  • Jenseits von Wurst und Käse. Dürfen wir Tiere essen?
  • Der Affe im Kulturwald. Wie sollen wir mit Menschenaffen umgehen?
  • Die Qual der Wale. Warum sollen wir die Natur schützen?
  • Ansichten eines Klons. Darf man Menschen kopieren?
  • Kinder von der Stange. Wohin führt die Reproduktionsmedizin?
  • Die Brücke ins Geisterreich. Was darf die Hirnforschung?

Was darf ich hoffen?

  • Die größte aller Vorstellungen. Gibt es Gott?
  • Die Uhr des Erzdiakons. Hat die Natur einen Sinn?
  • Eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit. Was ist Liebe?
  • Do be do be do. Was ist Freiheit?
  • Robinsons Altöl. Brauchen wir Eigentum?
  • Das Rawls-Spiel. Was ist gerecht?
  • Inseln der Seligkeit. Was ist ein glückliches Leben?
  • Der ferne Garten. Ist Glück lernbar?
  • Die Matrix- Maschine, Hat das Leben einen Sinn?

Fragen über Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Vor ein paar Jahren habe ich dieses Buch schon einmal mit größtem Vergnügen (Gefühl!) gelesen und dabei viel gelernt (Verstand!) und leider auch viel wieder vergessen (Pech! Hört sich fast so an wie Precht!😂 ). Nun muss ich es noch einmal lesen ( großes Glück!). Darum gehe ich jetzt auf mein gemütliches Sofa zurück!

Heute lese ich (noch nicht, aber bald!)

Juli Zeh , Leere Herzen, Luchterhand 2017

Juli Zeh (Unterleuten) hat ein neues Buch geschrieben und ich lese im Stern gerade ein Interview dazu. Ich gebe einen kleinen Ausschnitt wieder, weil ich so glücklich über diese Worte bin! Sie erklären mir die Welt, in der ich einst lebte und der ich weitgehend erst als Rentnerin entronnen bin.

„Die Menschen in „Leere Herzen“ sind so effizient geworden, dass sie selbst mit dem Suizid möglichst gewinnbringend umgehen wollen.

Zeh: Ich glaube, dass unsere Dauereffizienz der Demokratie den Stecker ziehen wird. Wir höhlen die Demokratie dadurch aus, dass wir ihr das Ureigenste nehmen, nämlich die Kompliziertheit, die Langsamkeit, das Nicht-Effiziente, dass man ständig Kompromisse machen muss, dass es nie zur besten Lösung führt. Unser Denken ist zunehmend stark  geprägt von ökonomischen Parametern……..

Woran merken Sie, das Sie effizient sein müssen?

Zeh: Es ist wie ein Schuldgefühl. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, wenn ich Zeit verstreichen lasse, ohne genau zu wissen, was ich zu welchem Zweck mache. Das, was man früher Müßiggang genannt hat und was nur noch altmodisch anmutet.

Heute sagt man „Chillen“ oder „Wellness“

Zeh: Auch Freizeit und Erholung sind völlig durchgestylt. Freizeit muss gut organisiert sein. Bevor man Wellness macht, hat man doch was gekauft. Zumindest eine Duftkerze oder ein Öl oder ein Ticket in einem Freizeit-Spa.

…..

In „Leere Herzen“ wollen die Menschen ihr Leben beenden, wenn sie nicht mehr die gewünschte Leistung abliefern.

Zeh: Die suizidale Neigung kommt daher, dass du in einem Effizienzsystem nur noch scheitern kannst. Ob du ein Körperfetischist bist, der optimal fit, gesund und schön sein will. Ob du ein Workaholic bist, der ganz viel leisten und Geld verdienen möchte. Oder ob du ein Familienmonster bist, die perfekte Mutter, die perfekter Kinder haben möchte. Es gibt nie den Moment, in dem du dich zurücklehnen und sagen kannst: Ich bin mit mir selbst zufrieden. Ich genieße etwas. Du erwartest immer die nächste Anforderung. In unserem Effizenzwahnsystem ist der einzelne schuld an allem, was nicht klappt. Und das führt zu einer Angst vor dem Scheitern, Angst vor Fehlern, was noch mehr Anstrengungen nach sich zieht, Fehler möglichst auszuschließen. Am Ende kommt der Total-Burnout.“ (Stern Nr. 46, Seite 52)