17. Dezember

17. Dezember

Meine Güte, eben stand ich noch durchnässt und verfroren am Föhrer Strand und begrüßte das neue Jahr. Es sollte ein gutes werden, das hatte ich mir vorgenommen.

Und plötzlich ist bald Weihnachten und ich muss ich mir schon wieder Gedanken darüber machen, was ich Silvester mache.

Früher war es einfacher. Als Kind konnte ich mich darauf verlassen, dass meine Familie zusammenkommt und bei Feuerzangenbowle bis Mitternacht und darüber hinaus immer fröhlicher wurde. Wir Kinder schmückten das Wohnzimmer mit Papierschlangen, blieben natürlich wach und feierten, so gut wir konnten. Alle hatten Papphüte auf und meine Großmutter brachte immer Tischfeuerwerke und andere Dummheiten mit. Was für ein Vergnügen, wenn eine schwarze Wurst nach dem Anzünden immer größer und größer wurde und gar nicht aufhören wollte zu wachsen. Knallbonbons liebte ich sehr, denn da waren kleine Plastikteile drin, die als Glücksbringer bei uns Kindern heiß begehrt waren. Mein Bruder vergnügte sich den ganzen Abend im Badezimmer mit seinen Piepmanscher, die er einzeln mit einer kleinen Kanone abfeuerte. Es gab Würstchen im Schlafrock und andere Leckereien. Lustige Musik aus dem Radio unterstrich die fröhliche Silvesterstimmung. Mein Opa fand jedes Jahr, dass dies nun wirklich der schönste Tag in seinem Leben war und er froh sei, dass er das noch erleben durfte. Das Feuerwerk und die Knallerei um Mitternacht liebte ich sehr. Jetzt weiß ich, dass es für die Erwachsenen nicht so einfach war, denn Kriegserinnerungen wurden geweckt. Sie ließen es sich aber nicht anmerken, damit wir Kinder unseren Spaß unbelastet genießen konnten.

Als ich dann kein Kind mehr, sondern eine junge Erwachsene war, hatte ich meine Clique und Silvester waren wir immer zusammen. Mal in Hamburg, mal in Dänemark und einmal mit Schneekatastrophe in Kappeln. Aber immer ohne Hüte, was eigentlich schade war. Dafür war die Stimmung ausgelassen und die Feiern uferten auch manchmal etwas aus. Wir waren eben jung!

Später hatte ich meine eigenen Familie und meistens feierten wir alleine oder mit Freunden. Die Jahrtausendwende verbrachten wir auf Föhr, wo wir jahrelang gelebt hatten, bevor wir auf das Festland zogen. Die grandiose Party auf dem Sandwall mit Lifemusik am Meer werde ich nie vergessen.

Noch später, als die Kinder abgenabelt waren, feierten mein Mann und ich mit anderen Paaren im kleinen Kreis oder wir blieben alleine. Das war dann gemütlich, aber nicht sonderlich spektakulär.

Im Scheidungsjahr blieb ich alleine Zuhause und sah mir die ersten Staffeln von „Mord mit Aussicht“ an. Ich konnte den Gedanken kaum ertragen, dass mein Mann mit der anderen Frau feiert und glücklich ist. Sein Glück machte mich tiefunglücklich. Um Mitternacht stand ich heulend auf der Straße und sah dem Feuerwerk zu. Auch dieses Silvester werde ich nie vergessen! So eine Heulsuse bin ich heute zum Glück nicht mehr.

Die nächsten Jahre verbrachte ich den Jahreswechsel hin und wieder alleine auf Föhr, wobei auf dem Sandwall ja immer viele Leute um mich waren, mit denen ich auf das jeweilige neue Jahr anstoßen konnte. Manchmal traf ich alte Bekannte und dann war die Freude groß.

Einige Jahre feierte ich mit Freundinnen in Lüchow. Wir aßen und spielten. Die Stimmung war gut, aber irgendwie nicht so richtig silvestertauglich, fand ich.

Im letzten Jahr war ich also mit drei lieben Leuten  wieder auf Föhr. Das Feiern war auch bei Dauerregen wunderschön. Der Jahreswechsel am Strand hat immer etwas ganz besonderes, egal wie das Wetter ist.

Jetzt ist also bald Weihnachten und ich weiß immer noch nicht, wie ich Silvester verbringe. Vielleicht bleibe ich alleine Zuhause und stoße um Mitternacht mit mir selber an. Dieser Moment ist in meinem ganzen Leben immer besonders emotional und wichtig gewesen, egal, in welcher Form ich den Jahreswechsel verbrachte. Vielleicht liegt das an meinen schönen Kindheitserinnerungen!

 

 

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16. Dezember

16. Dezember

☝ Am dritten Advent beginnt die heiße Phase. Lasst Euch nicht zu sehr davon beeindrucken.

Halt, Ratschläge sind auch Schläge und sollten unbedingt vermieden werden.

🤭 Oh, das wollte ich nicht.

☝  Zu spät, was einmal gesagt und geschrieben wurde, kann nicht zurückgenommen werden.

😳 Nie mehr?

Nein. Der Schaden ist angerichtet.

😭 Und jetzt?

🤫 Hmm….

🤔 Ich versuche es einfach noch einmal. Also, jetzt beginnt die heiße Phase. Versucht cool zu bleiben und euch nicht in den Stress hineinziehen zu lassen!😃

Du meinst also, dass ein „versucht“ den Ratschlag abmildert? Du hast schon wieder ungebeten einen Rat gegeben. Dieser Versuch ist gescheitert.

😲  Und jetzt?

🤫  Hmm……

😃  Ich weiß! Noch mal! Also, heute ist der dritte Advent und jetzt beginnt die heiße Phase. Ich wünsche Euch eine schöne Zeit und lasst Euch nicht stressen!

☝ …

😟 Ich weiß schon, lasst Euch nicht stressen ist auch ein Rat.

😀 Genau. Lass es einfach sein und spiel dich nicht als Oberlehrerin auf.

🙄  Heute ist der dritte Advent und es beginnt die heiße Phase. Ich lasse mich nicht stressen.

👍  Sehr gut. Ich-Botschaften richten keinen Schaden an.

😅  Das wünsche ich Euch auch?

☝  Na gut, das lasse ich mal durchgehen. Ist ein indirekter Ratschlag, aber ich will mal nicht so streng sein. Ist ja bald Weihnachten.

😂

 

 

 

 

 

 

15. Dezember

15. Dezember

Heute ist der letzte Tag, an dem ich im Haus meines verstorbenen Mannes aufräume. Zum Glück machen meine Söhne mit. Es ist emotional sehr kräftezehrend und uns geht es nicht gut. Darum bin ich froh, wenn heute Abend die Zimmer soweit fertig sind, dass die Maklerin ansprechende Fotos machen kann.

Wir haben uns genommen, was wir behalten möchten. Erinnerungsstücke sind wichtig, aber es darf auch nicht zu viel werden. Einiges ist verschenkt worden und in guten Händen. Jetzt nehmen wir nichts mehr mit und den Rest erledigt dann eine Firma. Wir bringen es selbst nicht fertig, seine vielen Dinge zu verkaufen oder auf die Mülldeponie zu bringen.

Vielen Menschen geht es im Dezember überhaupt nicht gut. Gerade in der Vorweihnachtszeit können wir dem wahren Leben kaum entfliehen. Der allgemeine Auftrag, glücklich zu sein und vor lauter Vorfreude an nichts anderes zu denken, als an Weihnachten, kann nicht erfüllt werden. Der Kummer, das Schwere, die Einsamkeit, die Armut und vielleicht auch die schlechten Erinnerungen an frühere Weihnachten, stehen so sehr im Gegensatz zur allgemeinen echten oder aufgesetzten Festtagslaune, dass sie nicht mehr zu verdrängen sind. Selten habe ich das so deutlich empfunden, wie in diesem Jahr.

Ich lasse meinem Befinden freien Lauf und befreie mich von Traditionen, Erinnerungen und Erwartungen, so gut es eben geht. Ich lasse mich treiben. Ja, ich spüre den Advent, aber keine Vorfreude. Ich nehme den Lichterglanz draußen wahr und habe auch ein wenig Weihnachtsbeleuchtung an meinen Fenstern. So ist die Dunkelheit nicht ganz so finster. Ich sehe mir in diesem Jahr keine Weihnachtsfilme an, aber dafür andere, die mich emotional ansprechen. Ich werde Heiligabend nicht allein sein und auch nicht als trübe Tasse herumsitzen, aber ich werde mich zur Weihnachtsfreude nicht zwingen. Es kommt, wie es kommt.

Ich fühle mich lebendig, weil eben alles dazugehört. Auch das Schwere. Auch zu Weihnachten.

Alles in allem kriegen wir drei das ganz gut hin. Es ist zu schaffen, ohne die Lebensfreude ganz zu vergessen. Und dazu gehört natürlich auch der Advent.

 

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14. Dezember

14. Dezember

Heute bin ich schon um kurz nach sechs aufgewacht. Etwas war anders als sonst. Die Glocken der katholischen Kirche läuteten. Warum? Ich habe keinen christlichen Hintergrund, aber Glockengeläut gehört für mich zur Adventszeit. Und wenn es zu so einer ungewöhnlichen Zeit zu hören ist, erst recht.

So ganz allmählich erreicht die Adventsstimmung mein Herz.

Gleich kommen meine Söhne zum Grünkohlessen. Ich freue mich so, heute beide bei mir zu haben. Darum habe ich jetzt auch keine Zeit mehr und verabschiede mich von Euch. So ist es manchmal kurz vor Weihnachten: Zeit ist ein knappes Gut!

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13. Dezember

13. Dezember

🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟🌟

Eines Tages stand 🌟ein Engel vor mir und sagte: „Liebe Frau, weil bald Weihnachten ist, darfst du dir etwas wünschen.“ Ich zögerte nicht lang und legte los: „Ich wünsche mir Ablenkung, Antworten, Besitz, Beziehungen,🌟 Campingwagen, Charakter, Direktheit, Demut, Energie, Eifersucht (keine!), Faulheit, Freude, Glück, Geld, Hellsichtigkeit, Heiterkeit, Ideen, Intelligenz, Jugendlichkeit, Jahreskarten (Schwimmbad, Kino, Bahn), Kampfeslust, Kopenhagen (Reise nach), Leichtigkeit, Lust, Mut, Moral, Normalität, Nahrung, Offenheit, Ordnung, Pausen, Philosophie, Quatsch, Qualität, 🌟Ruhm, Reichtum, Selbstachtung, Schaffenskraft, Tränen, Träume, Umarmungen, Unvollkommenheit, Verbindlichkeit, Vergnügen, Widerstand, Weltfrieden, Wünsche (drei freie), X,🌟 Yin, Yang, Zivilisation und Zufriedenheit.“

🌟🌟🌟🌟🌟

Der Engel staunte 🌟und sagte: „Wenn du das noch einmal ohne Fehler schneller aufsagen kannst, sei dir alles gewährt! “ Ich fand das gut und sagte:Ich wünsche mir Ablenkung, Antworten, Besitz, Beziehungen, 🌟Campingwagen, Charakter, Direktheit, Demut, Energie, Eifersucht (keine!), Faulheit, Freude, Glück, Geld, Hellsichtigkeit, Heiterkeit, Ideen, Intelligenz, Jugendlichkeit, Jahreskarten (Schwimmbad, Kino, Bahn), 🌟Kampfeslust, Kopenhagen (Reise nach), Leichtigkeit, Lust, Mut, Moral, Normalität, Nahrung, Offenheit, Ordnung, Pausen, Philosophie, Quatsch, Qualität, Ruhm, Selbstachtung, Schaffenskraft, Tränen, Träume, Umarmungen, Unvollkommenheit, Verbindlichkeit, Vergnügen, Widerstand, Weltfrieden, Wünsche (drei freie), X,🌟 Yin, Yang, Zivilisation und Zufriedenheit.“

🌟🌟🌟🌟🌟

Der Engel sagte: „Zu viele Wünsche verderben den Brei! Du hast 🌟einen Fehler gemacht, leider. Nun gibt es gar nichts!“ und er verschwand. Bevor ich richtig sauer werden konnte, wachte ich auf. 

Ich nahm🌟 mir vor: Wenn mich im wahren Leben einer nach meinen Wünschen fragt, trete ich ein klein wenig bescheidener auf. 

Wer herausfindet, was ich beim zweiten Mal vergessen habe, darf sich etwas von mir wünschen!🌟

12. Dezember

12. Dezember

Hallo Leute, seid ihr auch so geschafft? Ich kann bald nicht mehr. Jede Nacht Weihnachtsfeier mit Männertanz und Gesang der holden Engel, die gar nicht mehr hold sind, das schlaucht doch sehr. Die Engel sind kaum wiederzuerkennen. Die Flügel zerzaust, die Kleidchen fleckig, Heiligenscheine fallen reihenweise ab und liegen überall herum. Ich wollte mir einen aufsetzen und für den Sommer aufheben, aber leider passt mir keiner. Zwetschge sammelt sie ein. Er wirft sie in die Luft und will, dass ich sie fange. Ich frage Frau Holle, die gerade auf dem Dachboden ist, warum er das tut und sie sagt: „Misi, das ist ganz normal, er will doch nur spielen.“ Sie bückt sich und wirft Zwetschge einen Heiligenschein zu und der kleine Racker fängt ihn kreischend auf. „Frisbee“, murmelt Frau Holle. „Frisbee heißt das. Mir fiel eben das Wort nicht ein.“

Weihnachtsfeiern sind ja gut und schön und schon lange träumten die Gestalten davon, jeden Abend unbeaufsichtigt feiern zu können, aber irgendwie fehlt uns die Aufsicht doch. Party immerzu vertreibt die echte Freude auf Weihnachten. Wusstet Ihr das das? Ich nicht.

Die Weihnachtsmänner schnarchen den ganzen Tag. Ihnen fehlen ihre Aufgaben. Der Drinnenwichtel will endlich nach draußen und die Engelkinder sind verstört, unausgeschlafen und quengelig. Kekse gibt es keine und der tägliche Rum schmeckt auch nicht mehr so wie früher. Zwetschge denkt, dass er Frau Holles Original-Adventszeit erlebt, er weiß es ja nicht anders. Er findet das lustig und jagt die Engelkinder immer dann, wenn sie nicht mit ihm rechnen. Ich muss ihm das demnächst verbieten, aber jetzt ich bin zu müde dazu.

Frau Holle ist also gerade oben. Sie räumt den Dachboden auf und bringt ganz viele Kisten weg, wohin weiß ich nicht. Sie sagt, sie braucht jetzt Ordnung überall und Platzschaffen befreit. Ich verstehe nicht, was sie meint, aber wichtig ist, dass die Weihnachtskisten so bleiben, wie sie sind. Frau Holle sagt ja und nächstes Jahr wird wieder unten gefeiert. Ihr gefällt es gar nicht, wie die Engel aussehen und dass die Weihnachtsmänner ihre Arbeit nicht tun. Einer brummelt in seinen Bart: „Was sollen wir hier oben für vorweihnachtliche Stimmung sorgen, wenn Frau Holle nicht dabei ist? Das macht doch keinen Sinn.“ Er schüttelt den Kopf und schlurft zu den anderen.

Frau Holle nickt und seufzt. Sie befürchtet, dass sie ihre Oberhoheit verloren hat. Ich sage: „Für dieses Jahr schon, liebe Frau.“ Ich gebe ihr ein Küsschen auf die Nase und verkrümele mich in mein Terrarium, spreche ein Machtwort mit Zwetschge und lege mich dann schlafen. Ich will fit sein für heute Nacht, denn dann feiern wir HAV (Heiligabend vorgezogen). Wir tun so, als sei schon der 24. Dezember, denn bis zum echten Fest reicht unsere Kraft nicht mehr.

Euch geht es hoffentlich gut in Euren warmen Stuben. Eure Gestalten sorgen vielleicht für sinnliche Stimmung und der Kerzenschein verbreitet ein güldenes Licht, in dem man den Staub nicht so sieht. Wahrscheinlich backt und macht und tut ihr weihnachtliches und dazu beglückwünsche ich Euch. Habt es friedlich miteinander und seid nicht so streng zu Euren Kindern! Euer Misi!

 

11. Dezember

11. Dezember

Meine kleine Schreibwerkstatt:

Elfchen (kleines Gedicht aus elf Wörtern, die nach einem bestimmten Schema in fünf Zeilen angeordnet sind: 1-2-3-4-1)

Weihnachten

Kindertraum Tannenbaum

Kerzenschein Lametta Sternenkekse

Jesuskind feiert seinen Geburtstag

Party!

Na gut, da ist noch Luft nach oben!

Advent

Wunschzettel schreiben

und Kekse backen 

basteln kaufen planen einpacken

Weihnachtsglück

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So, jetzt Ihr! Ich bin gespannt und freudig erregt. Ob gleich ein weiteres Elfchen in den Kommentaren steht?