Zuversicht

Wohin

mein Lebensweg

mich führt

kann ich nicht wissen.

Der Blick

in das Jetzt

zeigt

was nötig ist

und später

werde ich sehen

wie es weiter geht.

Egal

welche Entscheidungen

ich treffe

am Ende bekomme

ich doch nur

das Leben

das ich lebte.

Ob ich dem eingeschlagenen Weg folge

oder

ob ich ihn verlasse

oder

umkehre

weiß ich nicht

ich werde spüren

was zu tun ist.

Ich bin sicher

denn das war

schon immer so!

8. August

8. August

Seit einigen Tagen denke ich intensiv an meinen Mann. Es schien fast, als käme er gleich vorbei. Gerade fällt mir ein, warum das so ist, denn heute ist der 8. August. Hochzeitstag! Am 08.08.88 heirateten wir. Wie lange ist das her? 33 Jahre! Das will ich an dieser Stelle einmal offiziell würdigen. Ich rechne weiter und erwähnenswert ist, dass wir uns im Oktober vor 40 Jahren das erste Mal begegnet sind. Mir war der Kennlerntag immer wichtiger als der Hochzeitstag.

Wir beide lebten eine toxische Beziehung. Ja.

Ich lieb(t)e ihn und er mich auch, sonst hätten wir es nicht so lange durchgestanden. Wir wollten aufhören damit, uns weh zu tun und wir scheiterten immer wieder an uns selbst. Und zwischendurch hatten wir gute Zeiten, sorgten für unsere Kinder und Tiere. Wir kamen mit unserer Aufgabenteilung, unserem manchmal knappen Geld gut zurecht und kauften uns sogar ein Haus.

Vor zehn Jahren bin ich dort ausgezogen. Ich hoffte, wir könnten uns mit getrennten Wohnungen als Paar neu finden. Am 12.12.12 reichte ich die Scheidung ein, er hatte sich neu verliebt.

Wir blieben immer in Verbindung. Oh ja, es war ein schmerzhafte Zeit, aber auch eine hoffnungsvolle. Wir trafen uns immer häufiger an den Wochenenden und wir sprachen so intensiv miteinander, wie nie zuvor. Wir hörten uns zu und arbeiteten so einiges gemeinsam auf. Es entstand eine neue Vertrautheit, aber keine neue Beziehung, denn die andere war ja noch da, wenn auch weit weg. Darüber wurde nicht offen kommuniziert und ich blieb vorsichtig. Zu Recht.

Im September vor drei Jahren starb er. Die vierzehn Tage seiner schweren Krankheit war die schlimmste Zeit, die ich bisher durchgestanden habe.

Es gibt kein Wort für eine geschiedene Frau, deren Mann gestorben ist. Ich fühle mich als „geschiedene Witwe“. Noch heute werde ich gefragt, warum ich damals so gelitten habe. Wir wären doch schon längst getrennt gewesen. Ich bin dann immer etwas fassungslos. Natürlich war sein Sterben schlimm für mich. Ich trauerte um meinen Mann, denn in meinem Herzen war und blieb er das. Manchmal frage ich mich, ob es daran lag, dass unsere Beziehung eben toxisch war und ich darum nicht richtig loslassen konnte.

Nein, ich denke, das ist nicht so. Ja, ich brauchte ein paar Jahre, bis ich mich erholte, bis ich lernte, allein gut zurechtzukommen. Ich trauerte um den Verlust unserer Ehe, um unser Familienleben. Und ich baute mir ein neues, eigenes Leben auf, in dem ich mich löste und selbständig wurde. In meiner Therapie erfuhr ich, dass ich nicht mehr gegen die Liebe ankämpfen musste. Die Liebe blieb erlaubt und diese Erkenntnis ist eine ungeheure Entlastung.

Und darum blicke ich heute etwas nachdenklich, aber auch entspannt zurück auf unseren Hochzeitstag. Wir hatten gute Zeiten und schlechte Zeiten. Wir haben getan, was wir konnten. Und oft waren wir überfordert und haben uns weh getan. Ich weiß nicht, ob es mir mit einem anderen Partner besser ergangen wäre. Wahrscheinlich wäre er Dir ähnlich gewesen. Also war es gut, dass wir beide einen langen Weg gemeinsam gegangen sind. Und Du bleibst ein wichtiger Teil meines Lebens. 💖Wenn nicht sogar der Wichtigste…..neben unseren Kindern.

Schnell gedacht und aufgeschrieben

Die Nachbarn links sind weg, die Lieblingsnachbarin rechts ist weg und ein oder zwei Wochen wird es ruhig sein im kleinen Reihenhausgarten. Das fördert hausgemachte Urlaubsgefühle ungemein, auch wenn ich nicht, wie die von nebenan, am Meer bin. Der Wasserlauf links klötert alleingelassen vor sich hin und ich frage mich, warum das sein muss. Mir hätte eine kleine Pause vom Geräusch gut getan. Aber egal, ich will mich nicht aufregen über Dinge, die ich nicht ändern kann. Das macht nur Ärger-Falten.

Das Programm der Volkshochschule ist da und ich habe mich sofort für zwei Kurse angemeldet. Ein dritter lockt, Theater für Senior*innen, heißt er und ich würde es schon gerne wagen. Allerdings flüstern mir die inneren bösen Gesellen Gründe ein, warum ich es nicht tun sollte. Und vielleicht überfordert mich das Theaterspielen ja tatsächlich. Hin- und hergerissen zwischen Lust und Zweifel schickte ich nun eine Mail und fragte an, ob eine (bezahlte) Schnupperstunde möglich sei, bevor ich mich für den ganzen Kurs anmelde. Und ja, das innere Gezerre hat aufgehört. Und die Lust überwiegt gerade.

Ich mag einige Wörter nicht leiden, obwohl mich das, was sie bezeichnen, nicht stört. Kennt Ihr das auch? Zum Beispiel beim Wort „Bluse“ kriege ich Abwehr und „Kragen“ geht gar nicht. Am schlimmsten aber ist „Blusenkragen“. Manchmal bin ich schon seltsam drauf, ich weiß. Dabei fällt mir ein, dass Bluse ähnlich wie „Busen“😂 klingt, und das Wort finde ich auch ganz furchtbar. Vielleicht daher meine Abneigung gegen „Bluse“, aber „Kragen“ kann ich mir nicht erklären.

Ende August ist ein Treffen mit meinen Freundinnen, mit denen ich regelmäßig vor Corona in Dänemark Urlaub machte, angedacht. Wir haben uns so lange nicht gesehen! Nun sind wir geimpft und wollen das nachholen, bevor wieder alles so unsicher wird.

Im September will mich mein Berliner Sohn besuchen und mit mir so einiges unternehmen. Vielleicht gibt es einen Tagesausflug mit dem Auto ans Meer oder nach Berlin oder vielleicht auch beides. Kommt ja auf das Wetter an. Oh, wie sehr freue ich mich, ihn nach so langer Zeit zu sehen und wie wird das schön, mal wieder🚗 spazieren gefahren zu werden.

Aber bevor er kommt, werde ich ein Familienaufstellungswochenende erleben. Ist ja alles nicht mehr so lange hin. Die Vorfreude hilft mir über einsame Zeiten hinweg und auch über meinen Blues der letzten Wochen.

Ich mag es ja gar nicht gern zugeben, dass ich die Mediatheken nur mit meinem PC und sehr selten nutzte. Mein Fernseher ist zwar recht neu, aber ich dachte, das Internet wäre nichts für ihn. Mein jüngerer Sohn stellte ihn mir kürzlich mit wenig Aufwand so ein, dass ich Zugriff und nun eine wunderbare Auswahl habe. Natürlich kennt Ihr das Prinzip schon lange, aber mir kommt es so zauberhaft vor, jetzt selbst auswählen zu können, was ich gemütlich auf dem Sofa sitzend sehen möchte. Fast so, als hätte ich ein neues Gerät im Haus. Ich streame also neuerdings. Und weil das mehr Energie verbraucht, als gewöhnliches Fernsehen oder DVD- gucken, mache ich es nicht täglich.

Ich weiß auch, dass ich zu oft vor dem Fernseher hocke. Es tut mir vielleicht nicht so gut, wie ich denke. Aber jetzt habe ich ja Ferien, wie Ihr wisst, und darum folge ich dem Lustprinzip. Und abends habe ich Lust auf das Fernsehen. Ich beschäftige mich schon tagsüber so viel mit mir alleine, dass ich die Ablenkung am Abend meist so richtig genieße.

Und nun mache ich Schluss und zügele meinen Mitteilungsdrang. Jetzt bin ich neugierig. Freut Ihr Euch auch auf etwas vor?

Danke für das Lesen und macht es Euch schön! Regine

Urlaub

Ich verordne mir einen Urlaubstag. Ferien vom Alltag. Wunderbar!

Ich mache nichts anders als sonst, nur etwas langsamer. Und ich verändere die Routine. Ein wenig jedenfalls.

Ich gehe das erste Mal in dieser seltsamen Zeit wieder ins Schwimmbad. So als besondere Ferienaktion. Leider haben wir nur ein Hallenbad vor Ort. Ich gehe trotzdem und freue mich, dass nur eine Vorschulgruppe schwimmen übt und zwei fertige Schwimmer*innen ihre Bahnen ziehen. Eigentlich sollen wir im Kreis, aber wer will das schon. Niemand. Egal, ist ja auch nicht so viel los. Ich wundere mich über die geschlossenen Fenster. Und registriere, dass es voller wird. Ich dränge mich immer weiter an den Rand, ich will meinen Abstand. Aber den gibt es bald nicht mehr und einem „Kampfschwimmer“ ist es sowieso egal, ob noch andere Leute im Wasser sind. Bevor er mir noch beim Entgegenkommen ins Gesicht prustet, räume ich lieber das Feld. Immerhin bin ich in der Lage, mich 50 Minuten über Wasser zu halten.

Ja, ich bin geimpft, aber niemand weiß, wie „sicher“ das wirklich ist. Darum werde ich das Schwimmbad erst einmal wieder meiden und lieber im See planschen.

Meine Radrunde fühlt sich heute auch so an: Urlaubsmäßig. Es ist nicht zu warm, der Wind hat nachgelassen und ich mag es, wenn es bewölkt ist. Fröhlich besuche ich die Schafe, die nichts von mir wissen wollen. Sie stecken lieber ihre Köpfe zusammen.

Weiter geht es zur Lieblingskuhherde. Dort gibt es Kleine und Große und eine Schwangere und ein Vater auf der Nachbarweide, der sich ab und zu bemerkbar macht.

Die Störche sind auch noch vorhanden, sie werden sich aber bald verabschieden.

Alles irgendwie wie immer und doch sehr erholsam, wenn man sich im Urlaub wähnt. Der Sommer sieht übrigens ein wenig herbstlich aus, aber das geht mir ja genauso. Insofern nehme ich ihm das nicht übel.

Im Garten, direkt neben der Terrasse, blüht mein Sommerflieder. Tagsüber hummelt und flattert es es den ganzen Tag. Ich sehe dem Treiben tiefenentspannt zu. Ab und zu lese ich, esse etwas, trinke etwas, gucke etwas und gähne.

Abends wird mein Sommerflieder neuerdings zum Spatzenhotel. Wenn ich es wage, die Terrassentür zu öffnen, solange es noch hell ist, fliegen sie weg und warten im benachbarten Garten darauf, dass ich wieder im Haus verschwinde.

Und weil so ein Urlaubstag so schön ist, werde ich bis zum September Ferien machen.

Sonntagfrüh

Sonntagfrüh

Wie kann es sein, dass ich so traurig bin, wo sie mich doch extra besucht haben? Nun fahren sie wieder und ich nehme mir vor, tapfer zu sein.

Und ich weiß, dass ich mich nach einer Weile an die Ruhe gewöhne und mich ganz friedlich meinem Tagewerk zuwende. Der Abschied muss nur einmal überstanden sein.

Sonntag

Sonntag

Wenn ich denn meine innere Zauderin in den Griff bekomme und den kleinen Faulpelz auch, dann geht es von Mal zu Mal schneller, mein Fahrrad am Auto zu befestigen und wenn ich dann einfach zügig losfahre, ist alles gut. Dann fängt es an mit lauter Musik durch die Landschaft und dann mit dem Fahrrad durch den heißen Sommer und anschließend ein langes Bad im See und alles zusammen erfrischt und belebt Seele und Zuversicht.

Verantwortung übernehmen

Verantwortung übernehmen

Lustlos lese ich Urlaubsgrüße und sehe mir Fotos von glücklichen Menschen am Meer an und wollte, ich könnte mich auch aufraffen.

Ich denke an die Zeiten, in denen ich Teil eines Paares war. Reisen war einfach zu und zu schön zu zweit. Oder natürlich mit der Familie, als die Kinder noch Kinder waren.

Ich könnte mir gut vorstellen, mit meinen Söhnen und ihren Freundinnen ans Meer zu reisen. Aber nein, Urlaub mit Mutti ist nicht angebracht. Sie brauchen Zeit für sich. Vielleicht ein Wochenende, mal sehen. Ein Besuch für ein paar Tage ist schon angekündigt.

Mir scheint, jeder hat jemanden, nur ich nicht. Das ist natürlich Quatsch, ich weiß.

Unverständlich ist mir selbst mein Zögern, mich mit anderen zu verabreden. Es gibt ja doch einige Anfragen…..

Oder ergibt das doch einen Sinn?

Vielleicht bin ich selbst gerade keine gute Reisebegleitung.

Dafür übernehme ich jetzt mal die Verantwortung und schon geht es mir viel besser.👍😎

Nachtrag, ein paar Stunden später: Angesichts der vielen wirklich schlimmen aktuellen Nachrichten sind meine kleinen Kümmernisse doch echt winzig. Ich weiß.