Was es alles nicht zu erzählen gibt

Was es alles nicht zu erzählen gibt

Ich bin geschieden. Das ist doof. Wenn ich auf amtlichen Bögen nach meinem Familienstand gefragt werde, muss ich eintragen: geschieden. Auf der Sterbeurkunde meines geschiedenen Mannes steht natürlich auch:  geschieden. Auf meiner Sterbeurkunde wird das auch zu lesen sein. Das ist doch wirklich 💩. Einmal geschieden- immer geschieden. Es sei denn, ich heirate neu😱.

😂Das wird aber nicht passieren.

Vermutlich.

Nach der Scheidung sagte ich zu meiner Anwältin, dass ich keine Geschiedene sein will. Sie meinte, ich soll froh sein. Wenn ich meinen Familienstand mit „ledig“ angeben müsste, würden die Leute denken, ich wäre nie verheiratet gewesen. 😂

Immerhin hatte ich mal einen abgekriegt. 😂😂 😂

Das wollte ich aber gar nicht erzählen.

Also noch mal: Ich lebe allein. Damit das nicht immer so bleibt, schaue ich mich klammheimlich um. Will ich es noch einmal wagen? Also, nicht heiraten😱, das nun wirklich nicht. Aber vielleicht verlieben?💕 So richtig mit Krabumm und allem, was dazu gehört? Könnte das möglich sein, wo mein Herz doch eigentlich eher so aussieht: 💔? Ich weiß nicht.

Das wollte ich aber auch nicht erzählen.

Also neuer Versuch: Ich lebe allein und manchmal will ich das nicht. Aber was tun? Alle Männer in meinem Alter sind selber alt, leben in einer Partnerschaft, gefallen mir nicht oder gefallen mir doch und ich bin zu schüchtern und völlig aus der Übung. Bevor ich mich entschließe, meinem Fluchttrieb nicht nachzugeben und doch lieber mit ihm anzubändeln, ist der längst weg.

Ich war auch im Internet unterwegs und meine wenigen schriftlichen Kontakte auf der Single-Börse sind kläglich gescheitert. Ein persönliches Treffen hat nie stattgefunden. Ich stand mir selbst im Weg, weil ich zu feige war. Oder dachte, ich kann nicht mithalten. Oder einfach nicht bereit war, ins kalte Wasser zu springen.

Ich kriegte Anfragen von Männern, die noch keine 50 waren. Einen fand ich sogar richtig nett. Aber 20 Jahre jünger? Geht das überhaupt? Bevor Ihr jetzt alle schreit: „Na klar geht das!“ überlegt noch mal genau. Das ist eine ganze Generation Unterschied. Ich bin ja so schon völlig überfordert.

Einmal stand ich kurz vor einem Treffen. Ich wollte mich aber erst nach meinem Urlaub, der gerade anstand, verabreden und wurde daraufhin per Mail heftig beschimpft. Ein anderer älterer Herr kriegte die Krise, weil ich nicht zusagte, bei ihm einzuziehen. Wohlgemerkt: persönlich kannten wir uns noch gar nicht. Er war so sauer, dass ich von der Höhe seiner Pension nicht so angetan war, wie er es für angemessen hielt. Ein dritter schickte mir Komplimente, weil mein Bild so sympathisch rüberkam. Das war mir schon wieder zu viel und vor lauter Schreck floh ich aus der Single-Börse.

Und dann starb mein geschiedener Mann und ich hatte gar keine Lust mehr, mich um andere Männer zu kümmern.

Ich stelle fest:  Ich kann mir die Zweisamkeit gar nicht mehr vorstellen. Ich bin außerstande, aktiv auf Partnersuche zu gehen. Weil ich das eigentlich gar nicht will. Weil ich so viel mit mir selbst zu tun habe. Weil ich nie wieder verletzt werden will. Weil mir die Unabhängigkeit so wichtig ist. Weil meine Hormone nicht mehr verrückt spielen. Weil ich immer noch mehr Gründe finde.

Nein, ich will auch nicht vom Gegenteil überzeugt werden. Ich weiß, wie schön es ist, das Leben mit einer geliebten Person zu teilen. Das ist aber im Moment nicht dran.

Aber wer weiß, immerhin fühle ich mich noch lebendig. Da kann ja noch so einiges passieren💖!

Wollte ich Euch das eigentlich erzählen? 

Nein, es ist ja ganz schön privat. 

 

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Danke!

Danke!

Lange nichts von einander gehört, lange nicht gesehen.

Gestern kamen sie, Freunde von früher.

Also von ganz früher.

Ich war jung und noch nicht mal dreißig.

Na ja, so alt wollten wir sowieso nicht werden.

Freunde aus dieser Zeit machen mich froh!

Freunde aus dieser Zeit sind wie früher, nur in älter.

Freunde aus dieser Zeit berichten Unglaubliches von mir.

War es wirklich so? Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung driften auseinander und ich bin platt.

Die Erinnerungen meiner Freunde sind gar nicht so schlecht. Ich mag sie sehr und nehme sie gerne auf. Auch wenn meine eigenen pöbeln und grummeln und nur ungern Platz machen.

Ich erinnere mich an so viel Schweres.

Und was muss ich nun hören?

So viel Leichtes gehörte damals auch dazu. Stimmt. Ja, ich habe gelebt!

Ich habe gar nichts versäumt.

Und scheinbar war ich manchmal auch ein wilder Feger.

Nein, wie schön!

Freude perlt und kitzelt, steigt auf und beschwingt.

Natürlich haben wir uns alle verändert, trotzdem: wir sind auch irgendwie noch wie früher. Jedenfalls, wenn wir Zeit miteinander verbringen.

Ich will Euch nicht wieder so ganz aus den Augen verlieren.

Ich werde mich drum kümmern.

Doch ja, natürlich habe ich jetzt auch Menschen um mich herum und ich fühle mich (meist) gut und geborgen.

Aber:

Es gibt niemanden, mit denen ich so alte Erinnerungen teilen kann.

Es gibt keine anderen Menschen, die mir davon erzählen können, wie es mit zwanzig war.

Das ist etwas ganz Besonderes!

Danke, dass Ihr gekommen seid!

 

Kultur und so

Kultur und so

Der Landkreis ist im Aufruhr. Die 30. kulturelle Landpartie hat begonnen. Für viele die fünfte Jahreszeit hier in der Provinz. Für andere ein Ärgernis. Und einigen ist es egal.

Ich nutze die Gelegenheit nicht ausgiebig, aber je nach Lust und Laune gucke ich mir einige Punkte an, die manchmal nichts Neues bringen und darum gestatte ich es mir durchaus, auch faul zu Hause zu bleiben.

Ich nehme eher am Rande teil. Ein oder zwei Veranstaltungen am Abend reichen mir aus, denn wenn ich mit dem Rad fahre, ist die Kultur überall zu spüren.

Musik ist zu hören, wo sonst keine ist.

Ein knallrotes Cabriolet fährt an mir vorbei. Offen, versteht sich. Der Fahrer mit Mütze und Sonnenbrille. Auf dem Beifahrersitz sitzt ein riesengroßer Teddy. Auch mit Sonnenbrille.

Mir kommt mitten in der Landschaft ein junger Mann mit Rollkoffer entgegen.

Auf der Wiese sitzen und liegen Nackte und nehmen ein Sonnenbad.

Die Einwohner öffnen ihre Gärten und zeigen Kunst und Krempel. Und sie verkaufen Kuchen und Torten und anderes.

Es ist wieder interessant, auf die Autokennzeichen zu achten. Wo die alle herkommen plötzlich!

Auf der Wiese wird getrommelt. Auf einer anderen wird die yogische Ruhe geübt.

Der Kuckuck ruft und ein Freund aus der Stadt vermutet, dass es ein künstlicher ist und zur Kunst gehört. Nein, es ist ein echter Kuckuck, das weiß ich genau!

Aber das Meer, das hier rauscht, wo es Fotos und Plakate von ihm gibt, ist künstlich. Und das Möwengeschrei auch.

Vieles dreht sich um Nachhaltigkeit und Atomkraft-Nein danke. Wir Naturschützer feiern (uns selbst) und geben Denkanstöße. Also, ich nicht. Ich bin ein faules Weiblein, das mit schlechtem Gewissen immer noch zu viel Plastik im gelben Sack verstaut. Gut, ich weiß, das schlechte Gewissen nützt natürlich nichts.

Es geht um unser Konsumverhalten. Es gibt Gruppen, die sich darum kümmern, ihr eigenes Verhalten zu verändern. Sie diskutieren mit uns und ich bin beeindruckt, wie konsequent sie sind.

Wie gut es mir geht, wird mir in einer Ausstellung über Flucht und Krieg bewusst.

Es gibt Wendländer und Wendländerinnen, die sich persönlich einsetzen und nicht nur reden. Sie verlassen ihre Komfortzone und reisen in Krisengebiete. Jetzt berichten sie von ihrer Arbeit und ich bin beeindruckt. Ich frage mich, ob ich nicht doch etwas tun kann und wie sinnvoll Spenden sind. Doch ja, ich werde mir eine Organisation aussuchen und abgeben.

Es wird wild geparkt und gecampt. Der Müll wird doch hoffentlich wieder eingesammelt!

Ein Konzert am Ende der Welt in einem wunderbaren Garten mit Aussicht. Ein paar Menschen lauschen der Musik im Grünen, essen, trinken und lassen es sich gut gehen. Ich auch.

Mehrere kleine Kinder schließen Bekanntschaft miteinander und amüsieren sich köstlich beim Teddyhochwerfen.

Bis eins der Kinder dem Vater des kleinen Mädchens zu nahe kommt. Schnell werden die Besitzverhältnisse geklärt. Mit einem bösen Blick und den Worten „Das ist mein Papa!“ schickt die Kleine das andere weg.

Später schleppt dasselbe  kleine Mädchen einen winzigen Kinderstuhl umher und arbeitet sich an ihm ab. Ich bin gespannt, was sie vorhat und beobachte das Geschehen mit großem Interesse.  Als sie sich endlich draufsetzt, kippt sie um. Großes Geschrei und ein liebevoller Vater, der seinem Töchterlein tröstend zur Seite steht.

Die Frau vor mir raucht und ich nehme es ihr nicht übel, denn sie ist steinalt. Und sie sieht so glücklich aus. Die Leute um sie herum husten diskret, aber niemand sagt etwas.

Ein Junge nuckelt an seiner Brauseflasche (sagt man noch Brause? Wohl nicht, Ihr wisst aber noch, was ich meine?) und liest dabei in einem dicken Buch. Seine Eltern essen Bratwurst und genießen das Konzert.

Ein blinder junger Mann lauscht hingerissen der Musik und nimmt sie mit seinem Handy auf. Seine Mutter neben ihm wirft ihm ab und zu liebevolle Blicke zu.

Ein alter Musiker setzt sich einen blauen Elefantenhut auf und blaue Ohren schlappen um seinen Kopf im Takt herum. Ich weiß nicht, warum er das tut, finde es aber ganz drollig.

Die Musiker und Musikerinnen sind so entspannt! Sie lachten, wenn sie sich (selten) verspielen oder aus dem Takt kommen.

Die Vögel geben sich große Mühe, mitzuhalten und die Musik ist so wunderschön und berührend. Einmal kommen mir die Tränen.

Manchmal nervt mich die Kulturelle Landpartie. Aber sie bringt Abwechslung in die Provinz. Besuch hat sich angesagt, der nächste Woche mit Rädern hier aufschlagen wird und ich stelle eine kleine Tour zusammen. Hoffentlich wird es nicht zu heiß!

 

 

Sorry

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😂

😡 Was ist so lustig?
😂 Borstenwürmermännchen sind gehirnamputierte Weiber!

😡 Wie kannst Du über Tierversuche lachen?

😉

😡 Nein, das akzeptiere ich nicht!

😯

😡 Ich bin gespannt, was die Tierschützer zu Deinem Beitrag sagen. Und die Männer.

😳

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sich anpassen

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Sonntag war ich mit einer Freundin unterwegs. Wir sind noch nicht so häufig miteinander Rad gefahren, wollten es aber einmal ausprobieren. Sie kannte einen tollen Radweg, der mir unbekannt war. Prima!

Ich dachte: „Meine Güte, nun ist es vorbei mit der Gemütlichkeit! Ich muss jetzt schneller fahren, weil sie es sicher doof findet, so langsam vorwärts zu kommen. Dann will ich mich mal anpassen!“

Ich steigerte mein Tempo, um mitzuhalten.

So rasten wir eine Weile durch die herrliche Landschaft und ich fand es schade, diese nicht so genießen zu können, wie ich es mit meinem gemächlichen Tempo gewohnt war.

Als ich sie keuchen hörte, sagte ich: „Meinetwegen müssen wir nicht so schnell fahren!“ Sie war erleichtert, denn sie dachte, sie müsse sich meinem Tempo anpassen.

Auch ihr ging es viel zu schnell.

Gut, dass wir darüber gesprochen haben, denn so konnten wir die Landschaft genießen und dabei erbauliche Gespräche führen.

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Ich frage mich gerade, wie oft ich ähnliche Situationen erlebte, ohne sie zu bemerken.

Lernerfolg

Im Briefkasten liegt der Brief. Eine Erinnerung, dass ich mich heute Daunddort einfinden soll, um mit meinem Team vierzig Jugendliche drei Wochen lang zu betreuen und zu bespaßen, denn es sind Sommerferien.

Habe ich ganz vergessen, dass ich dort angemeldet war. Drei Wochen? Meine Güte.

Ich packe meinen Koffer (drei Wochen!) und reise nach Daunddort. Mich erwartet eine riesige Jugendherberge gefüllt mit mehreren Gruppen lärmender Menschen und ich bereue meine soziale Ader sehr. Meine Teamchefin kommt auf mich zu und begrüßt mich. Sie erzählt, dass sie mit der Jugend sehr streng umgehe und ich mich nicht wundern soll. Ich müsse aber mitziehen und auch das Heft in der Hand behalten. Mich auf keinen Fall unterbuttern lassen. Ich frage mich im Stillen, ob ich das noch nötig habe. In meinem Alter! Warum bin ich bloß hier?

Die Jugendlichen zeigen sich gegenseitig, wie stark und toll sie sind. Das geht nur laut. Weiß ich doch und schließlich sind es ihre Ferien. Trotzdem.

Ich folge der Frau, die mir mein Zimmer zeigt.

Hilfe, ein Doppelzimmer, in das noch ein Gästebett hineingestellt wurde. Albtraum!

Ich hole meinen Koffer und verschwinde, um mir ein Einzelzimmer zu besorgen. Wenn ich schon ehrenamtlich arbeite, will ich abends meine Ruhe und alleine sein.

Natürlich geht das nicht, denn alle Räume sind randvoll vollgestopft mit Jugendlichen. Ich also zurück in das übervolle Doppelzimmer und dort lerne ich meine Leidensgenossinnen kennen. Die sind ganz vergnügt und ich suche meinen Koffer. Aha, da ist er und als ich ihn auspacken will, entpuppt er sich als Reisetasche, die nicht mir gehört.

Mein Koffer bleibt verschwunden. Und dann weiß ich nicht mehr, wo ich die fremde Reistasche abgelegt habe. Ich finde sie und es ist keine Reisetasche, sondern eine graue Handtasche. Auch gut.

Es klingelt einige Male und das ist das Zeichen für Abendbrot. Prima. Es ist 18.00 Uhr, ich kenne mein Team nicht, bin überhaupt nicht vorbereitet und habe eine fremde Handtasche im Arm. Und mein Koffer ist weg und mein Bett noch nicht bezogen.

Ich suche den Speisesaal und der ist so voll und so laut, dass ich beschließe, wieder nach Hause zu fahren. Ich suche mein Team und finde es nicht. Überall auf den Tischen stehen diese großen, silbernen Kannen mit Früchtetee. Ihr wisst schon, oder?  Eine Lautsprecherstimme ruft mich aus. „Die Betreuerin R. aus L. soll bitte sofort Tisch 6 aufsuchen! Dort wartet ihr Team auf sie.“ Aha. Ich also hin und dann wird mir gesagt, ich müsste mir mein Essen selbst holen. Ach so. Ich suche mal wieder und finde den Tresen mit dem Abendbrot. Dort liegt nichts mehr, es stehen nur schmutzige Teller rum. Ich werde wütend angestarrt, als ich das Küchenpersonal frage, ob ich noch etwas zu essen bekomme.

Dann wache ich auf und bin tief erschüttert.

Heute ganz früh weckten mich heftige Rückenschmerzen. Eine Art Hexenschuss, der mich seit vorgestern quält. Ich nahm eine Schmerztablette, trank meinen Kaffee und las die Zeitung. Weil es wirklich noch früh war, schlief ich wieder ein.

Und fand mich an einem Ort wieder, den ich nicht kannte, mit einem Team, welches ich auch nicht kannte, mit einer Aufgabe, auf die ich nicht vorbereitet war und die ich gar nicht wollte und in einem Dreibettzimmer, das ich hasste. Ich war die ganz Zeit auf der Suche: nach meiner Ruhe (Einzelzimmer), nach meinem Team und meiner Aufgabe, nach meinen Sachen und schließlich nach meinem Essen. Mit einer fremden Handtasche, die mir nicht gehörte.

Was ich daraus lerne? Das nächste Mal stehe ich sofort auf, wenn ich die Zeitung fertig gelesen habe. Egal, wie früh es ist.