Zu viel

Zu viel

Zu viel! Von allem zu viel.

Gefühlt habe ich nichts anzuziehen. Wenn ich verreise, ins Krankenhaus muss oder meinen Bruder besuchen will, stellt sich zuverlässig der Kauf-Reflex ein. Neue Sachen müssen her! Zum Glück bin ich dem Reflex nicht ausgeliefert. Ich finde dann doch immer wieder und überraschenderweise Kleidung im Kleiderschrank. Ich habe das alles ganz gut im Griff! Ehrlich! Wenn ich dann doch schwach werde (man gönnt sich ja sonst nichts!), ist es auch wieder nicht so einfach. Neue Sachen muss ich meist erst eintragen. Zuhause. Bis ich mich gewöhnt habe. Manches bleibt sehr lange ungetragen und dann passt es auch irgendwie nicht mehr und spannt über dem Bauch😳.

Vor ein paar Wochen kaufte ich mir jedoch einfach so ein paar Oberteile für den Sommer und freute mich sehr. 👍

Jetzt ist Frühling. Ich will meine Winterklamotten einpacken, die Sommersachen vom Dachboden holen und einsortieren. Ups. Habe ich wirklich so viel?😲 Ich verliere die Übersicht und weiß doch, dass ich das nächste Mal, wenn eine Reise oder Einladung ansteht, wieder denke, ich habe nichts anzuziehen. 😭 Ich kann ganz gut einkaufen, aber entsorgen kann ich Altes schlecht. Und wenn ich aussortiere, tut es mir manchmal noch Jahre später leid.

Vorsatz☝: Ich bringe jetzt sofort alles wieder zurück auf den Dachboden, was ich vermutlich nicht mehr anziehen werde. Nächstes Jahr kommt das dann weg. Ehrlich! Natürlich nicht ganz, ich weiß ja, wo ich Kleiderspenden abgeben kann. Ist ja alles noch gut und wieso soll ich jetzt diese tolle Jacke auf den Boden bringen? Die sieht doch super aus und der Rock eigentlich auch und der Mantel war teuer und das Kleid ist doch ganz schön, jetzt wo ich ein gerades Bein habe, vielleicht auch wieder tragbar.

Also: alles behalten! Manno! 🙄

Zweiter Vorsatz☝: Wenn ich etwas Neues kaufe, muss ein altes Teil weg.

Dann macht das doch alles keinen Spaß mehr!😟

Oder ich baue mir einen begehbaren Kleiderschrank in den Garten.😂

Oder ich nehme erst einmal ab und kleide mich ganz neu ein.😂😂😂

Oder ich lasse alles so, wie es ist. Die Winterkleidung bleibt im Schrank und ich stopfe die Sommersachen einfach dazu. Dann muss ich  jetzt keine Entscheidungen treffen. Außerdem ist noch lange nicht Sommer! 💪

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Ich bin aber auch wieder fleißig heute!

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Neulich bei mir zu Haus:

Neulich bei mir zu Haus:
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Sag mal, geliebtes Flügelschwein,
müsste nicht längst schon Ostern sein?
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Genau, Frühlingsanfang war und Vollmond auch,
Ostern ist, sagt mir mein Bauch.
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Ja, ich bin auch schon da,
pünktlich, wie in jedem Jahr.
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Und ich dickes Osterhuhn
habe in diesem Jahr wohl nichts zu tun?
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Und ich thteh da und warte auf dath Kaffetrinken.
Dath fällt in diethem Jahr wohl auth.
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Was, Ostern fällt aus?
Welch ein Graus!
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Nein,
das kann nicht sein.
Ostern fällt nie aus.
Das ist doch fein!
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Zum Glück gibt es den Frosch, der weiß Bescheid.
Sind wir zu früh?
Das tut uns leid!
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Nicht so schlimm!
Bleibt ruhig drin!
Auf Ostern müssen wir noch warten!
Zur Not gehen wir solange in den Garten!

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Handyfrosch fand hier heraus, warum sich Ostern  in diesem Jahr nicht an die Regeln hält:

Am 20. März war in diesem Jahr Frühlingsanfang. Tags drauf  der erste Vollmond im Frühling. Nach der alten Faustregel zur Berechnung des Osterdatums könnte daher am folgenden Sonntag (24. März) Ostern gewesen sein – als Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Doch Ostern 2019 ist erst am 21. April – nach dem zweiten Frühlingsvollmond am 19. April. Die gängige Faustregel stimmt also nicht in diesem Jahr. Experten nennen dies das „Osterparadox“. Grund dafür sind uralte Kirchenformeln, die sich nicht an aktuellen Daten orientieren, sondern festgelegten Regeln folgen.

Identität

Kennt Ihr das? Ihr entwerft einen Text für Euren Blog und die Zeit vergeht. Und dann merkt Ihr, dass Ihr nicht weiter kommt.

Mir ging es in den letzten Tagen so. Ich schrieb über Freundschaften und konnte den roten Faden nicht mehr finden. Ich löschte den Text und ging putzen.

Heute wollte ich Euch von gestern erzählen. Wir Hobbyphilosophen hakten uns fest und kamen nicht zu Potte. Es ging um den Begriff Identität. Und vor allen Dingen darum, was meine Identität ausmacht. Ich wollte diese Frage für mich klären und begann zu schreiben.

Zwei Stunden und einige Recherchen später blickte ich ratlos auf meine Tastatur.

Und löschte den Text um jetzt eine Umfrage zu starten:

Was macht Eure Identität aus?

Ich bin mir noch nicht mal so sicher, ob ich diese Frage so stellen kann. Vielleicht findet Ihr sogar eine bessere?

 

 

 

Unmöglich

Ich miste aus und vieles kann weg. Nachdem ich es etliche Jahre nicht fertig brachte, ist heute der Schuhkarton mit den Pixi-Büchern dran. Ihr kennt diese kleinen quadratischen Bilderbüchlein? Meine Kinder liebten sie.

Nein, nein, ich mache den Karton nicht auf. Auf keinen Fall. In die Tonne damit! Gleich wird das Altpapier eingesammelt. Was weg ist, ist weg.

Unmöglich. Das geht so nicht. Ich muss noch einmal raus und den Karton wieder in die Stube holen. Ich nehme jedes einzelne Büchlein in die Hand. Die meisten wandern wieder in ihre Schachtel, aber diese hier nicht:

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Sie wecken alte Gefühle und Erinnerungen.

Wie oft wurden sie „vorgelesen“? Jedes Wort musste stimmen, denn meine Söhne waren schlau. Sie bemerkten die kleinsten Nachlässigkeiten sofort und protestierten. Sie „lasen“ sich die Büchlein auch gegenseitig vor und wahrscheinlich kennen sie die Texte heute noch.

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Natürlich behalte ich diese fünf Büchlein. Sie bekommen einen Ehrenplatz in meinem Kinderbuchregal, wo „Jim Knopf“, „Mary Poppins“, „Die Borger“, „Das doppelte Lottchen“, „Die Brüder Löwenherz“, „Ronja Räubertochter“ und viele andere vor sich hinstauben.

Ich bringe es einfach nicht fertig, sie zu entsorgen.

 

Sonntagsspaziergang

Sonntagsspaziergang

Ein erster langer Sonntagsspaziergang nach meiner Operation.

Mit Gehilfen zwar, aber immerhin.

Der Himmel bedeckt sich, der Wind hat eine Pause eingelegt.

Im Park herrscht reges Leben.

Ich denke an unsere Familienzeit.

Auch wir mit Kindern und Hund unterwegs, wann immer es ging.

Manchmal kamen auch die Katzen mit.

Später machten mein Mann und ich uns sonntags zu zweit auf den Weg,

zu Fuß oder mit dem Rad und manchmal mit dem Auto.

Das war schön.

Das fehlt mir.

Nach der Scheidung gab es ein Jahr,

in dem wir uns sonntags wieder trafen .

Und wir hatten uns so viel zu erzählen.

Wir waren uns sehr nah.

Bis er sagte, er macht Urlaub mit der anderen Frau.

Rein freundschaftlich, versteht sich.

Das ertrug ich nicht und zog mich zurück aus unserer neuen Sonntagszweisamkeit.

Ich war nicht in der Lage, eine andere Entscheidung zu treffen.

Leider.

Mit den Kindern trafen wir uns trotzdem noch.

Freundschaftlich, versteht sich.

Als Familie dachte ich.

Ich freute mich immer darauf.

Vor einem halben Jahr ist er gestorben.

Und ich vermisse ihn und unsere Sonntage.

Diese Gedanken lasse ich heute zu.

Sie müssen sein.

Ich höre die Frühlingsvögel

und bin dankbar, das ich lebe.

Jeden Tag ein wenig mehr

Jeden Tag ein wenig mehr

„Ach wissen Sie“, sagte die Physiotherapeutin im Krankenhaus, „alle jammern, dass die Zeit so schnell vergeht. Da werden Sie doch über vier Wochen nicht erschrocken sein!“

Stimmt. Morgen sind es vier Wochen und dann können die Gehstützen allmählich ausgeschlichen werden. Ich darf sogar heute schon im Haus ein paar Schritte alleine machen. Also einen gefüllten Suppenteller von der Küche zum Esstisch transportieren und so. Das ist eine Erleichterung und ich habe heute morgen gleich mal meinen Kaffeebecher von der Küche zum Bett transportiert. Mit Treppe! Und dann fuhr ich zum Einkaufen, trug eine mittelschwere Tasche ins Haus und pflanzte ein Stiefmütterchen in meine Motivschale mit Schäfer und Schafen vor meiner Haustür. Damit aus einer Weihnachtsherde ein Frühlingsstillleben wird. Ist es geworden, aber mein rechtes Knie meckert. Gut, lasse ich es lieber wieder etwas langsamer angehen. Mit Sofaliegen und „Rote Rosen“ im Fernsehen. Dient der Entspannung, Erbauung und meistens döse ich ein wenig weg dabei. Ich habe heute Nacht schlecht bis kaum geschlafen, insofern wird das Mittagsschläfchen ein Genuss.

Jeden Tag erobere ich mir mein altes Leben ein bisschen mehr zurück. Nur besser, weil zumindest ein Knie höchstwahrscheinlich bald nicht mehr wehtun wird. Aktuell schaffe ich es zu Fuß zur Sparkasse und zur Krankengymnastik. Mit dem Auto zum Einkaufen, Qigong und in die Schreibwerkstatt. Zur Philosophie werde ich abgeholt. Alles ganz wunderbar!

Prima finde ich auch, dass sich meine Angstattacken zurückgezogen haben. Ich kann mich wieder auf Menschen einlassen. Und wenn ich daran denke, wie ich mich ganz alleine, ziemlich ruhig und gelassen in die Klinik eingecheckt habe, möchte ich mich an dieser Stelle einmal selbst loben. Das Gespräch mit dem Narkosearzt war sogar ausgesprochen witzig und am Tag der Operation habe ich mich mit Hilfe der Beruhigungstablette ganz gut geschlagen. Die bekam ich allerdings viel zu früh, so dass ich schon wieder bei Sinnen war, als ich in den OP-Saal geschoben wurde. Während der Vorbereitung scherzten die Schwestern und Ärzte mit mir, um mich abzulenken. Ich hörte gut zu und dann war ich weg. Das Aufwachen gefühlte zwei Sekunden später passierte blitzschnell und schon wurde ich wieder aus dem Keller geschoben, aber nicht ohne dass ich mich mit einem „Bis zum nächsten Knie“, verabschiedete.

Die ersten Tage danach waren nicht so witzig und wenn man gar nicht aufstehen darf, ist das schon lästig. Aber auch das ging vorbei und wie war das schön, wieder allein ins Bad schleichen zu können, ohne nach einer Schwester zu klingeln! Und dann Zuhause erst! Meine erste Dusche nach vierzehn Tagen! Ein Genuss und die Morgentoilette wurde immer unkomplizierter!

Ich weiß jetzt, wie sehr ich mich auf meine Leute verlassen kann. Hilfe bekam ich von allen Seiten, Besuche, Mails und Telefonanrufe auch. Ich lebe alleine, bin aber in Notzeiten gut aufgehoben. Diese Erfahrung machte ich, als mein Mann starb und die machte ich auch jetzt wieder. Es ist ein schönes Gefühl, dass es genug Menschen gibt, die für mich da sind, wenn ich auf Hilfe angewiesen bin und Zuspruch mir guttut. Die anderen lasse ich ziehen, auch aus meinen Gedanken.

Gut, nun sind die vier Wochen also bald vorbei und ich freue mich so auf das Staubsaugen, Bodenwischen und Fensterputzen! Aber heute noch nicht. Heute werde ich höchstens ein bisschen Kniegymnastik treiben und mich dabei mit dem letzten Eberhofer-Krimi beschäftigen, sobald das „Rote Rosen Dösen“ beendet ist.

Ich danke Euch an dieser Stelle noch einmal für Eure Anteilnahme und guten Wünsche. Auch die aus dem Internet bau(t)en mich auf!

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Was ist der Mensch?

Was ist der Mensch?

Gestern fanden die Hobby-Philosophen nach einer langen Pause in der Volkshochschule wieder zusammen. Lustigerweise begannen wir mit der Frage: Was ist der Mensch? Das passt ja nun ganz wunderbar zu meinen Proseminaren I, in denen ich der Frage nachging, wer ich bin. Und weil ich ja ein Mensch bin, ähneln sich die Themen schon sehr.

Ja klar, gestern ging es viel gehaltvoller und wissenschaftlicher zu und uns rauchten die Köpfe. Ich habe aber festgestellt, dass ich in meinen nicht so ernst gemeinten Texten doch nicht ganz falsch lag. Ich überlege sogar, ob ich sie das nächste Mal zur Einstimmung vorlesen will. Als kleines Gegengewicht zur Ernsthaftigkeit sozusagen. Ob ich mich traue, weiß ich heute noch nicht. Ob es passen würde, erst recht nicht.

Ja, was ist der Mensch? Ist er tatsächlich nur das, was er zeigt? Steckt hinter der Fassade nichts? Diese These wird vertreten. Und kann der Mensch sich nur erkennen, wenn er durch andere gespiegelt wird? Ist es sinnvoll, mich hinzusetzen und darüber nachzudenken, wer ich bin? Käme ich zu brauchbaren Ergebnissen? Könnte ich mich selbst reflektieren, wenn ich ganz alleine auf einer Insel leben würde? Oder geht das besser im Zusammensein mit intimen Partnern oder Freunden?

Ich stelle fest, dass ich immer wieder eine andere bin. Bei den einen bin und fühle ich mich so und bei anderen bin und fühle ich mich anders. Bei einigen bin ich verunsichert, bei anderen nicht. Welche ist als also die wahre Regine und gibt es die überhaupt?

Ich lebe alleine und denke, ich habe zu mir selbst gefunden und weiß jetzt ziemlich genau, wer oder was ich bin. Das ist vielleicht ein Trugschluss. Ich fand heraus, was ich gerne tue und mit welchen Menschen ich mich umgeben möchte. Ich sortierte Erinnerungen und habe meinen Besitz auf meine Bedürfnisse zugeschnitten. Ich kenne meine negativen Seiten und meinen guten beginne ich zu vertrauen. Aber alle stehen irgendwie mit anderen Menschen im Zusammenhang. Ich habe ein Selbstbild und strebe danach, mir Menschen zu suchen, die sich ein ähnliches Bild von mir machen. Mit den anderen komme ich nicht gut zurecht.

Wie sähe es aus, wenn ich ganz alleine auf der Welt wäre? Könnte ich dann die Frage tatsächlich beantworten, wer ich wirklich bin? Und würde ich es jemals herausfinden? Und wenn ja, wie lange? Muss ich nicht lebenslang dieser Frage nachgehen, weil ich mich pausenlos verändere?

Ach wie schön, dass wir Philosophen wieder zusammengefunden haben. Wir werden  keine allgemeingültigen Antworten finden, uns werden aber immer neue Fragen einfallen. Ich bin gespannt!