⭐⭐4. Dezember⭐⭐

Heute ist der vierte Dezember und zweiter Advent. Genau halb. Oder doppelt. Je nachdem, von welcher Seite man das anschaut.

Ich frage Frau Holle, wer der junge Mann auf dem Foto ist. „Das ist mein Vater. Heute ist sein Todestag, lieber Rudolf“, sagt sie und fragt mich, ob das Foto mit dem Foto zu kitschig für unseren Adventskalender ist. Nein, kann so bleiben und Frau Holle erzählt, dass ihr Vater sich mit 16 zur Marine gemeldet hat und mit 17 Jahren an die Front nach Dänemark geschickt wurde. Sie hat ein paar Feldpostbriefe, die er an seine Mutter schrieb, im Nachlass gefunden. Leider enden sie mit seiner Versetzung nach Dänemark, so dass sie nicht weiß, wie er den Kriegseinsatz erlebt hat. In seinen Briefen betonte er immer wieder, wie gut alles ist, wie lustig sie alle sind und er keine Angst habe. Mutter sollte sich keine Sorgen machen. Im letzten Brief berichtete er davon, dass er froh ist, jetzt endlich im Einsatz richtig aktiv werden zu können und von seinen schlimmen Magenschmerzen.

Frau Holle wird ganz warm ums Herz, sagt sie, und sie fühlt ihren Vater in sich. Er hat seinen Frieden gefunden, meint sie.

Frau Holle sinniert noch eine Weile über den Krieg und sie findet es so furchtbar, dass jetzt immer noch so viele Menschen leiden und sterben müssen. Ich kann ihr da auch nicht weiterhelfen und lasse sie noch ein wenig in Ruhe. „Kriege scheinen zum Menschen zu gehören“, sagt sie. Wir verstehen das beide nicht, aber wir können für das große Ganze nichts weiter tun. Ich sage Frau Holle, dass sie in sich den Frieden finden kann und dann strahlt sie das in ihre Umgebung aus.

„Ich bin ja nur ein kleines Licht“, meint sie. Ich sage: „Aber auch ein einziges kleines Licht trägt zur Weihnachtsfreude bei, liebe Frau Holle.“ Ich will sie ein wenig aufmuntern und frage nach dem Gestern.

Gestern war sie auf dem Weihnachtsmarkt und freute sich über den Stern auf dem Turm, der nun doch aufgebaut wurde. Sollte er eigentlich nicht, wird nun aber doch gemacht, weil der Bürgermeister findet, dass die Menschen ihn brauchen. Und die Menschen finden das auch. „Aber Rudolf, irgendwie ist dieser Trubel nicht so meins. Mir war kalt und die Gelenke schmerzten von der Luftfeuchtigkeit. Aber kurz war auch schön!“

Sie hat sogar ein Weihnachtsgeschenk gefunden und liegt ganz gut in der Zeit, meine liebe Frau Holle. Und nun wünschen wir einen schönen zweiten Advent oder vierten Dezember, je nachdem oder beides und über den großen Hausengel, der oben zu sehen ist, erzählen wir dann morgen.

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17 Gedanken zu “⭐⭐4. Dezember⭐⭐

    1. Nein, mein Vater war 17, als er in den Krieg zog. Er kam zurück und heiratete und dann kam ich nach 12 Monaten, wie sie immer betonten. Es hatte alles seine Ordnung.
      Die weihnachtliche Stimmung bringt Licht ins Dunkle.

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  1. Wenn man sich das Foto anschaut, kann man sich kaum vorstellen dass dieser Junge in den Krieg zog. So viel Kind liegt noch in ihm.
    Schön, dass du ihm immer noch gedenkst.
    Einen schönen zweiten Advent wünsche ich dir Regine. 🕯🍀🕯

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    1. In diesem Jahr denke ich intensiver an ihn als sonst. Vielleicht weil der Krieg wieder so nahe gekommen ist. Ja, er war ein Kind, was sich erwachsen benehmen musste. So war das in dieser Zeit. Dir auch noch einen schönen Rest-Advent! Der nächste ist schon unterwegs.

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  2. Wunderschön, der Stern auf dem Turm. Warum wollte man den nicht aufstecken dieses Jahr? Sparen ist gut und schön, aber nicht an solchen Hoffnungssymbolen.
    Mein Vater hatte das Glück der späten Geburt, war zu Kriegsende erst 13. Ich bin froh für ihn, dass er nicht mehr erfahren hat, dass es nun doch wieder Krieg gibt in Europa. Immer wieder kommt einem dieses Zitat in den Sinn: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Warum funktioniert das nicht? Einzelne Verweigerer kann ein kriegführender Diktator einsperren oder erschießen, alle nicht. Sind wir Friedenskinder zu naiv? Ich fürchte ja. Liebe Grüße zum zweiten Advent, liebe Regine.

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    1. Liebe Anke, ich denke, wir sind zu naiv. Aber träumen dürfen wir noch vom Krieg, an dem niemand teilnimmt. Und alle sind zufrieden mit dem was sie haben. Und Waffen werden nicht mehr hergestellt…….
      Die Stadt wollte sich an Vorgaben halten, die vorsahen, dass so viel Strom gespart wird, wie möglich. Aber den Stern gibt es schon ewig, ganze Generationen sind mit ihm groß geworden. Wir als Zugezogene fanden ihn auch toll. Wenn wir meine Eltern während der Adventszeit in Hamburg besuchten, als meine Kinder noch klein waren, gab es auf dem Rückweg einen Wettstreit: Wer sieht den Stern zuerst? Er ist nämlich weit sichtbar, weil die Landschaft hier flach ist. Ich nehme an, es gab einen telefonischen Proteststurm im Rathaus oder so. Es ist uns wichtig, unser Stern⭐! Liebe Grüße und eine entspannte Adventszeit wüsche ich Dir! Regine

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