„Ewigkeitssonntag“? Mit dem Begriff Ewigkeit kann ich wenig anfangen. Kein Anfang, kein Ende, keine Zeit? Klingt für mich erst einmal ein wenig beängstigend. Auch keine Struktur? Gar nichts? Da habe ich keine Lust drauf.

„Totensonntag“ liegt mir näher. Ist also heute und ich denke an die Gestorbenen und an meine Vergänglichkeit. Und auch an mein Leben, wie es sich bis jetzt so lebte. Ist schon eine ziemlich lange Geschichte. Also, für mich, nicht für das große Ganze.

Lustigerweise habe ich seit ein paar Tagen große Lust, mich mit neuen Möbeln einzudecken. Die waren mir eigentlich nie so wichtig. Ich behielt, was ich hatte oder kaufte, was günstig war und einigermaßen zu mir passte. Aber jetzt will ich plötzlich ein neues Bett und einen neuen Kleiderschrank und für das Badezimmer auch etwas Schickes, was das offene Regal ersetzt.

Ein neues Auto könnte auch passen, aber das wäre ja wirklich höchst wunderlich, wo ich doch so selten fahre.

Was ist denn das? Warum gerade jetzt dieses Streben nach Konsum? Weil die Inflation das Ersparte schmelzen lässt? Weil ich mich plötzlich für meine Einrichtung ein wenig schäme? Weil so vieles auszusortieren wäre und mir das Entsorgen Angst macht? Weil es mir nicht so gut geht? Weil ich trotzig bin und denke, dass sich Neuanschaffungen noch lohnen? Weil ich so vieles nicht mehr tue, was ich eigentlich gerne mache? Da meldet sich eine innere Stimme und sagt: Ja, das war vor 30 Jahren! Das geht eben heute nicht mehr. Brauche ich Trost? Oder will ich es mir einfach nur schön machen?

Mal sehen, ich behalte das im Auge und wenn ich im nächsten Jahr noch denke, dass ich mich neu einrichten möchte: Dann lege ich los!

Gestern sah ich diesen Film und dachte: Endlich wird sich in einem Spielfilm realistisch mit Altern und Krankheit auseinandergesetzt. Nichts wird beschönigt und trotzdem steckt so viel Hoffnung in der Geschichte. Ich bin dankbar, dass es mir immer noch so gut geht und nehme mir vor, mich und meine (neuen?) Seltsamkeiten zu akzeptieren. Bis jetzt ist mir das Leben doch ganz gut gelungen. Dann werde ich doch auch mit dem eigenen Altern fertig. https://www.ardmediathek.de/video/film-im-ndr/ein-grosses-versprechen/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9lN2M4MWI4NC1lMGFmLTQxY2ItYTNiZS0xMTZjMTgxZjUyNWU

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26 Gedanken zu “Von der Vergänglichkeit und seltsamen Gelüsten

      1. Ja, das stimmt schon. Aber wo eine Fähigkeit fehlt, springt eine andere ein. Menschen, die blind geboren wurden, hören oft viel feiner. Und wer taub geboren wurde, …. Ich will nichts vorwegnehmen. Lieber sollten wir es beobachten.👁️

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  1. Menschen altern so unterschiedlich, das ist mir mit Blick auf meine Eltern krass bewusst geworden. Vergessen wird allerdings keiner 😉 Also konsumiere nach Herzenslust, es muss ja nicht unbedingt Materie sein 🙂

    Liebe Grüße dir, Reiner

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      1. alles hat seine zeit, wenn du es dir leisten kannst, kauf dir schönes. schafft auch arbeitsplätze. wir haben auch eine kommode bestellt, für die haben wir erst jetzt, mit mitte 70, geld. und das nicht, weil sie ein luxusprodukt ist. es macht freude, in schönen dingen zu leben, im alter sind wir mehr zuhause,ich sowieso.

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      1. Ich wollte das Bett unbedingt, damit er nicht die andere da rein holt😂. Seine Seite wurde dann zur praktischen Ablage und dann dachte ich gar nicht mehr daran, dass es einmal ein gemeinsames Bett war. Ist ja auch schon 14 Jahre her. Jetzt nervt es mich plötzlich, zumal es begonnen hat, zu knarren…..

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      2. Ich finde, wenn du dich mit dem alten knarrenden Bett nicht mehr wohl fühlst, warum auch immer, und es dir möglich ist, dir ein neues zu beschaffen, solltest du das tun. Für dich solltest du das tun – für andere nicht. Sich trennen, ist auch manchmal eine Befreiung von etwas, was fort muss. Stell dir den Platz vor, den du damit in deinem Herzen schaffst und auch in dem Raum. Zum Beispiel ein Raum für ein Schränkchen, das eine viel bessere Ablage wäre oder einen Sessel oder Stuhl oder was auch immer.

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      3. Tatsächlich bin ich dabei, im Gedanken mein Schlafzimmer neu einzurichten. Nur für mich! Und es fühlt sich so richtig an! Jetzt weiß ich erst, woher der Wunsch kommt und dass er völlig berechtigt ist. Und wenn ich es alleine nicht schaffe mit dem Ab-und Aufbauen der Möbel, wird mir sicher jemand helfen können. Alles machbar! Danke für deine Worte! Regine

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  2. Ein Film mit Dagmar Manzel! Gebongt. Danke für den Tipp, liebe Regine. Ich höre schon meine Töchter, wenn sie, während ich einen deutschen Film schaue, durchs Wohnzimmer schleichen: Immer guckt Mama so tragische Sachen. Ich habe festgestellt, dass selbst in deutschen „Komödien“ immer einer stirbt oder zumindest Krebs hat. Na ja, fast immer. Oder es sind tatsächlich diese Filme, die mich anziehen.
    Kauf dir die neuen Möbel! Leben ist jetzt, und wenn die alten noch gut sind, musst du sie nicht wegwerfen, sondern kannst sie einer Hilfsorganisation spenden. Wie klingt das?
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend, Anke

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    1. Meine Möbel sind so alt, dass sie nicht mehr verschenkt werden können. Ich denke, sie lassen sich nicht noch ein weiteres Mal irgendwo neu aufbauen. Sie sind in meinen Augen noch ganz ordentlich, aber wenn ich in Wohnungen bin, die mit teuren Möbeln ausstaffiert wurden, schäme ich mich ein wenig…..
      Zumindest ein neues Bett kommt mir ins Haus!
      Der Film hat mich berührt, weil ich mich so gut in die Frau hinein versetzen konnte. Mir geht es nicht so schlecht wie ihr, aber schon viel schlechter als vor fünf Jahren. Ich kann die Trauer gut nachvollziehen, wenn man merkt, man kann vieles einfach nicht mehr. Es ist ein Teil-Abschied für immer. Dagmar Manzel und Rolf Lassgard sind einfach super! Ich glaubte ihnen jedes Wort und jede Geste.
      Liebe Grüße zurück! Regine

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    1. Ich kriege immer mehr Lust darauf! Also auf das Bett, den Film habe ich ja schon gesehen.😆 Zu was so ein Blog alles gut und von Nutzen ist! Ohne ihn und Euch wäre ich noch längst nicht so weit. Also Bettplanmäßig meine ich. Danke!

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      1. da freue ich mich mit dir, ein zimmer neu einrichten ist wunderbar. ein bett, 140 x 200 cm, z.b. wg. gewohnter fläche, eine schöne lampe…, es gibt überall auch gebrauchtläden mit geschmackvollen dingen. wichtig finde ich, kompromisslos genau die dinge in dein zimmer zu lassen, die du magst. lieber mal länger suchen…

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      2. Erst mal das Bett und dann gucke ich weiter. Ich fühle mich ja wohl in meinen Sachen, sie passen zu mir, auch und gerade weil sie keine Statussymbole sind. Aber das Bett ist wichtig, damit endlich die leere Seite verschwindet. 140×200 mit einer Matratze, das schwebt mir vor. Liebe Grüße und danke für deine Gedanken! Regine

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