Ich bin angetriggert, möchte meine Vorbehalte (Reisen und Klima, Ihr wisst schon) loswerden und wieder in die weite Welt. Im Oktober ans Meer zum Beispiel. Am liebsten verbunden mit einem Seminar oder Workshop oder so. Etwas gemeinsam mit Leuten tun, raus aus der Einsamkeit. Ich stöbere im Internet und bleibe bei Fotokursen auf Rügen hängen. Landschaftsfotografie ist sowieso mein Ding und ich bin ganz aufgeregt. Herrlich! Wunderbar! Das mache ich……nicht. Bis zu drei Stunden zu Fuß unterwegs zu sein, wie angekündigt, werde ich nicht schaffen. Und richtig teuer ist das ganze auch. Und überhaupt……

Unlustig studiere ich das aktuelle Programm für die hiesige Volkshochschule. QiGong, klar, dort bin ich schon angemeldet. Aber beim ersten Lesen gibt es vor Ort nichts anderes für mich, beim zweiten Hinschauen schon. Die Unlust fliegt davon und der Unternehmungsgeist wird hellwach. Was für ein schönes Gefühl ist das denn? An einem Oktoberwochenende wird ein Fotoworkshop „Rundlingsdörfer“ angeboten. Kurzentschlossen melde ich mich an und denke, auch mit Dörfern kann ich lernen. Und weil meine gute Laune gerade ihren Höhepunkt erreicht, buche ich gleich einen Tageskurs „Entdecke deinen Clown“ im November dazu. Witzig sein kann ich. Und ein Clown muss doch auch in einer 70jährigen stecken, oder? Auch oder gerade in diesen beschissenen Zeiten…..Vielleicht finden die Kurse nicht statt, weil sich zu wenige anmelden, das habe ich schon häufig erlebt, aber heute im Hier und Jetzt geht die innere Mutmacherin davon aus, dass alles gut wird und ich das auch kann. Klar kann ich das!

Ich atme durch. Ich komme allmählich wieder auf Touren. Auch wenn es im Herbst keine Reise wird, sondern ein kleines Abenteuer vor Ort, sind doch Höhepunkte gesetzt, auf die ich mich freuen kann.

Und dann guckt ja auch schon die Hochzeit im September um die Ecke. Oh je. Mein innerer Miesmacher arbeitet hart daran, mir die Vorfreude zu verderben. „Das Outfit geht gar nicht“, sagt er. „Du wirst vor Aufregung keine Rede halten können, weil dir die Stimme versagen wird“, grinst er und überhaupt: „Als Bräutigammutter kannst du gar kein gutes Bild abgeben. Du hast ja nicht einmal einen Begleiter!“

„Bleib bloß zu Hause“, jammert der Angsthase und das Selbstbewusstsein hat jede Menge zu tun, die bösen Gesellen in ihre Schranken zu weisen. Natürlich gehe ich hin und natürlich werde ich nicht peinlich sein. Und wenn doch, dann nur ein ganz klein wenig. Eigentlich ist Hochzeitfeiern ja nur ein Gesellschaftsspiel, in dem ich meine Rolle als Mitglied der alten Generation erst finden muss. Das verunsichert mich und zum Glück habe ich noch ein paar Wochen Schonfrist, bevor es ernst wird.

Alles gut also und vielleicht hilft ja auch so ein innerer Clown, heil und fröhlich da durchzukommen.

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