Weil das Entsetzen über den Krieg und das, was dort passiert so groß ist und ich es mir leisten kann, mich in private Denknischen zurückzuziehen, mache ich das auch, so lange es geht. Heute dachte ich auf meiner Radrunde etwa folgende Gedanken:

Huch, der Kuckuck ist aber nah. Zaghaft ruft er ein paarmal und dann bin ich auch schon weg. Mich meinte er ja sowieso nicht.

Grundschüler*innen machen einen Ausflug und kreuzen meinen Weg. Ich erkenne einen ehemaligen Kollegen. Er kennt mich auch und begeistert winken wir uns zu. Dann sind sie weg und ich bin froh.

Ja doch, mein Gartenstuhl hat vor ein paar Tagen gekündigt und die Rückenlehne fiel einfach ab. Ich wollte doch nur ein Nickerchen machen, es war so warm und friedlich still, darum verstellte ich die Lehne und es krachte und ich quietschte. War sicher lustig für die Nachbarschaft. Vor Ort gibt es nur Teures und darum bestellte ich im Internet klappbare, leichte Gartenstühle, die ich bei Bedarf mit dem Auto an den See oder sonst wohin mitnehmen kann. Ich nehme den Zusammenbruch nicht persönlich, denn ich werde zur Zeit nicht dicker, sondern dünner. Man sieht es noch nicht wirklich, aber die Waage ist gut zu mir. Nein, der Stuhl war einfach schon über 20 Jahre alt und mochte nicht mehr.

Ja doch, es wird alles teurer. Guter Tipp heute in der Zeitung: Alle Lebensmittel verwerten, kein Essen wegwerfen. Aus Resten lassen sich noch Aufläufe zaubern. Oder leckere Suppen. Weiß ich doch, so bin ich aufgewachsen. Außerdem soll man Deckel auf Töpfe tun, wenn man kocht. Ist ja wirklich brandneu, diese Erkenntnis.

Mich überholen andere Radfahrer*innen und ich bin nicht langsamer als sonst. Nein, die E-Bikes sind einfach schneller und ich muss nicht mithalten. Wenn ich vom Auto auf das Pedelec umsteige, spare ich Energie. Aber nicht, wenn ich vom Fahrrad ohne alles auf ein Elektro-Fahrrad umsteige. Herzlichen Dank! Hier gibt es keine Berge und eilig habe ich es auch nicht. Ich bin zufrieden.

Ich will mich zusammenreißen und mich nicht ärgern über das hässliche Zweitauto, welches ein Nachbar von gegenüber ständig vor meinem Haus parkt und mir die schöne Aussicht auf den Gegenübergarten verbaut. Die ganze Straße ist frei, seine Parkmöglichkeiten auf dem eigenen Grundstück ausreichend für alle seine Autos und wenn schon Straße, warum parkt er nicht vor seinem eigenen Küchenfenster? So denke ich und schäme mich. Ich scheine mich gerne über Nachbarn aufzuregen. Ich denke an die Garten- Scheinwerfer von nebenan, die mich blenden. Über die ärgere ich mich auch. Die sind abends immer noch an, aber stören nicht mehr so sehr, weil es draußen noch lange hell ist und meine Büsche einen zusätzlichen Sichtschutz bieten. Also, ich nehme mich zusammen und will den hässlichen Zweitwagen vor meinem Küchenfenster ignorieren und weiß ja genau, das ist Pillepalle und somit und hiermit abgehakt. Ich werde doch wohl nicht wunderlich? Nö, soll er doch parken, wo er will….

Mein Auto ist bereit für die große Fahrt. Ich wollte in der Werkstatt eigentlich darum bitten, einen Aufkleber vom Fenster abzulösen, der mich schon seit Jahren stört. Ich dachte, er klebt richtig fest und darum blieben meine Versuche, ihn zu entfernen, immer halbherzig, weil ich ja auch nichts zerkratzen wollte. Bevor ich zur Werkstatt fuhr, versuchte ich es gestern dann doch noch einmal und mein Wille war eisern. Siehe da, der Aufkleber gab relativ schnell auf und ließ los. Zum Glück habe ich die Fachleute nicht damit belästigt!

Und nachdem das nun gelöst ist und mein Auto fahrtüchtig, besorge ich mir gleich eine brandneue Straßenkarte und bin ganz stolz auf mich. Die alten Straßenkarten könnten entsorgt werden. Aber weil sie Erinnerungswert haben, schaffe ich es noch nicht, sie in die Tonne zu tun. Und mit der Autoversicherung ist auch alles geregelt. Dass ich eine aktuelle IVK ( Internationale Versicherungskarte) brauche, wäre mir fast durchgegangen. Nun habe ich aber eine und alles andere, was ich benötige, auch. Nur noch dänische Kronen, ach ja, an die muss ich noch denken.

Eigentlich könnte ich sofort los. So groß ist meine Lust auf Meer. Aber es sind noch über vier Wochen hin und ich muss mich gedulden und mich vorfreuen! Das Gefühl kenne ich kaum noch. Ist aber ganz schön. Und jetzt bin ich zu Hause und wärme meine Gemüsesuppe auf! Mit Deckel, natürlich!

3 Gedanken zu “Gedankenflut

  1. Auch ich möchte es mir leisten, und mache das auch, weil ich mich nicht von dem Elend dieser Welt beherrschen lassen möchte. Das ist nicht nur legitim, sondern dient auch dem Selbstschutz, liebe Regine.

    Parken? Ich empfehle bei Anflügen von Empörung einen Besuch hier im Kiez 😉
    Liebe Grüße und gute Nacht 🍀🙏

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja, wir sind es hier in unseren kleinen Reihenhaussiedlung gewohnt, keine unbefugten Autos langfristig vor der Haustür stehen zu haben. 😂 Und dieses Auto KÖNNTE zum Besitzer, wenn der es denn wollte. Aber er will es auch nicht in seiner Nähe haben. Es ist einfach zu hässlich, das arme Ding. Ich werde es morgen adoptieren.💝 Ich wünsche Dir auch eine gute Super-Erdbeer-Mond- Nacht! ✨🌝

      Gefällt 2 Personen

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