Oh ja, ich habe in den Jahren des Alleinseins viel gelernt. Alleine leben, alleine reisen, alleine für mich sorgen, Pfandflaschen in den Automaten werfen, Gartengestaltung, in Ansätzen Rasentraktorfahren, Selbstbewusstsein, Autowäsche, tanken, längere Autofahrten ab und zu und überhaupt: Alleine für mich zurechtkommen.

Meine Kinder und ich planen einen gemeinsamen Dänemark-Urlaub im Juli. Ich war schon immer dazu fähig, eine Ferienwohnung zu buchen und zu bezahlen. Aber jetzt muss ich zusätzlich noch zusehen, wie mein jüngerer Sohn, seine Freundin und ich auch da hinkommen. Nichts ist mit einfach einsteigen und jemand fährt mich zum Ferienhaus. Nö. Wir alle drei mögen nicht gerne am Steuer sitzen. Wir beschließen, mein Auto zu nehmen, weil ich einen Fahrradträger besitze und mein Fahrrad unbedingt mitnehmen möchte. Jetzt bin ich verantwortlich für die Sicherheit des Autos. Und für einen Teil der Fahrt. Und wer hier schon länger liest, weiß, wie ich zum Autofahren stehe. Ich mag es nicht! Also, wenn ich dabei bin, geht es meistens ganz gut, aber vorher ist die Aufregung doch recht groß. Was ich auf keinen Fall vergesse, ist mein Alter. Beherrsche ich das Auto mit 70 immer noch so sicher, wie in früheren Jahren?

2019 habe ich zuletzt eine längere Strecke (mit Autobahn!!!) zurückgelegt. Allein zu fahren ist schon aufregend gewesen, aber im Juli werde ich die Verantwortung für zwei Mitfahrende tragen. Es ist schon interessant, wie sehr ich mich früher immer darauf verlassen habe, dass andere gerne fahren und mich sicher ans Ziel bringen. Kein Ding für mich, als Beifahrerin das Reisen zu genießen. Besonders mit meinem Ex-Mann konnte ich das sehr gut. Ach, wie sehr ich das gerade vermisse. Und ihn auch ein wenig.

Noch ist es lange hin, aber gedanklich bin ich manchmal schon so nah am Abenteuer, sodass ich am liebsten packen und losfahren möchte, um es hinter mich zu bringen. Zum Glück ist die Vorfreude auf das Meer und die gemeinsame Zeit mit meinen Kindern größer als mein Reisefieber.

Das Heute ist wichtig. Heute ist Freitag. Es ist Mai und mein Auto hat eine Wäsche verdient, denn seine Farbe ist kaum noch zu erkennen. Tonnenschwer liegt der Blütenstaub auf ihm herum. Also ab in die Waschanlage! Jetzt!!! Gedacht….getan und ich freue mich über meine Sicherheit am Steuer. Und vor der Waschanlage stelle ich mich in die Schlange, was ich früher nie getan hätte. Ich weiß, was zu tun ist. Und dann geht nichts mehr. Die Autowaschanlagen-Batterie muss ausgetauscht werden, das dauert. Ich bringe mich erst einmal ungewaschen nach Hause und schreibe diesen Artikel.

Das Gute im Jetzt ist, dass ich mehr gedanklichen Abstand zur Hochzeitsfeier meines älteren Sohnes im September gewonnen habe. Na ja, nicht so ganz. Die Feier findet in einer großen, große Stadt statt und dahin wollen Nahdransohn nebst Freundin auf keinen Fall mit dem Auto fahren. Das ist auch schlimm für mich, denn ich bin ziemlich schlecht zu Fuß unterwegs. Und mit Gepäck erst recht. Aber darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Oder wenigstens kaum.

So ganz kann ich das Denken nämlich nicht lassen. Erstens lenkt es mich ab vom Weltgeschehen und zweitens mache ich mir Mut: Wenn die Fahrt nach Dänemark gut verläuft, wer weiß, vielleicht fahre ich dann sogar selbst in die große, große Stadt. Hamburg und Elbtunnel habe ich vor ein paar Jahren schließlich ja auch geschafft.

So, und jetzt geht es sofort weiter mit der geplanten Autopflege……

4 Gedanken zu “Über die Selbständigkeit

  1. Hallo Regine, mit 70 kann Frau noch gut Auto 🚗 fahren. Nur Mut. Seit Corona fahre ich auch wieder größere Stecken mit dem Auto, hinzu kommt, dass der Flixbus nicht mehr direkt von hier nach da fährt und ein Umstieg in der Hauptstadt ist mir zu heikel, weil man ja nie weiß, ob man pünktlich ankommt. Wird schon…

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  2. Hallo, ich bin neu bei dir und kann es dur gut nachfühlen,Ich plane inzwischen auch nur noch kurze Strecken nsch Knieoperation, und bin 72, aber mein Tipp, mache kleine Touren mit Freundin, das entspannt, vorher.. Museum.. Cafe, Wald…das Autofahren nebenbei passiert….Liebe Grüße Wiebke

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    1. Hallo Wiebke, herzlich willkommen auf dem Regenbogen! Mit dem Auto kurze Strecken hier im Landkreis zu fahren sind kein Problem. Was mir seit Beginn der Pandemie fehlt, sind gemeinsame Urlaube mit meinen Freundinnen. Ich lebe alleine und habe keine Lust, auch noch alleine Urlaub zu machen. Darum fehlt mir jetzt die Fahrpraxis auf Autobahnen. Aber wir kriegen das hin, mein Sohn, seine Freundin und ich. Wir wechseln uns ab und ich fahre zuerst! Liebe Grüße und alles Gute für Dein Knie. Auch das habe ich schon hinter mir….🙋‍♀️

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