Ich hänge fest. Ich komme nicht weiter und will auch nicht mehr zurück. Was ja sowieso nicht geht. Es gibt kein wahres Zurück. Wenn ich reise, komme ich zwar eines Tages zurück nach Hause. Dort ist dann alles so, wie ich es verließ und doch auch verändert, weil ich eine andere bin. Ich sehe mein Haus mit einem frischen Blick. Und meistens werden auch kleine Andenken aufgestellt.

Ich bleibe nie so, wie immer. Ich verändere mich äußerlich, das ist klar. Eben noch rank und schlank und jung und hübsch und plötzlich älter, fülliger und ihr wisst schon, wie das ist. Eben noch beweglich, leicht und locker und plötzlich zieht das Rheuma ein und mehr noch macht Beschwerden, wird entfernt oder neu gemacht. Meine Seele oder was immer das ist, was meine Persönlichkeit ausmacht, verändert sich mit jedem Gedanken, jeder Erfahrung und der Welt, in die ich eingebunden bin.

Meine liebsten Menschen entwickeln sich fortlaufend. Sie werden erwachsen oder alt oder sie gehen fort. Ich verabschiede mich von denen, die mir nicht gut tun. Neue kommen hinzu, immer seltener, aber immerhin. Skeptisch bin ich, ängstlich manchmal auch. Ein Sehnen nach Nähe wird hinterfragt: Halte ich es aus, anderen dauerhaft nah zu sein? Will ich noch einmal Lebensmenschen wagen oder lieber mit der Suche nicht beginnen?

Ich hänge fest, es gibt nichts zu planen. Wie ein schwerer Gast legt sich die Pandemie dazu und hält mich im Haus. Es ist gemütlich, ohne Frage, und auch die Natur um mich herum gibt, was sie kann. Aber weiter komme ich nicht. Wo sich doch sonst alles und immer verändert, scheine ich festzustecken zwischen den Jahren.

Ich komme nicht weiter mit meinen Gedanken und Wünschen und mache mich auf, mir Rosenkohl und Kartoffeln zu kochen. Das immerhin geht, das Kleine. Mit dem Großen sehe ich weiter, wenn es soweit ist.

13 Gedanken zu “Festgesteckt

  1. Es geht mir in manchem ähnlich – ich muss vieles verarbeiten, was leider nicht gewesen ist und nicht stattgefunden hat.
    Ich tröste mich mit solchen Ereignissen, die morgen und Mitte Januar stattfinden – es wird zu lesen sein. Doch Weihnachten hätte ich seit Jahren gern anders und das absolut nichts mit der Pandemie zu tun.
    LIebe Grüße

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    1. Ich bin ganz froh, dass Weihnachten🎄 vorbei und für mich so gut gelaufen ist, auch wenn die Enttäuschung doch groß war, dass es mit Berlin nicht geklappt hat. Die Gründe sah ich ein, traurig war ich trotzdem. Neu ist, dass wir darüber reden und es dann trotzdem schön miteinander haben können.

      Es ist gut, sich mit den Dingen zu trösten oder von den Kindern „abzukoppeln“, die wir uns selbst aufgebaut und geschaffen haben. Ich bin gespannt auf Dein „Ding“. 🙋‍♀️

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  2. Du liebe Seele… ganz ohne weitere Worte… ich sehe dich und verstehe und weiß genau, was du meinst…
    Sei gegrüßt von Herzen 💖und auch von mir der Wunsch für dich – egal ob wir diese Woche noch einmal voneinander lesen – komm gut und sanft ins neue Jahr…
    Alles LIEBE,
    Elke

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  3. Das mache ich auch gerne, liebe Regine. Kochen, so etwas existenzielles. Es gibt immer Zeiten, in denen sich nicht viel zu bewegen scheint, und doch passiert immer irgend etwas, in mir, in uns. Kochen ist dabei nicht nur Zeitvertreib, sondern auch noch sehr nutzbringend. Auch bin ich heute immer öfter dankbar, wenn mal gerade nichts „passiert“, und anderes wiederum lasse ich passieren, mir am A**** lang, da ist auch ein Weg 🙂

    Liebe Grüße und guten Appetit !

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    1. Ja, das ist das andere: Ich möchte mich gerade wegducken vor dem Außen. Gelingt nicht immer, ist aber wirkungsvoll.
      Es ist ein guter Weg, sich mit den kleinen alltäglichen Dingen zu beschäftigen und so manche MImimi-Gedanken ziehen zu lassen. Sie ändern nichts und nun wünsche ich Dir eine schöne, entspannte Zeit! Regine 🙋‍♀️

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  4. Was wollen wir? Eine Portion Glück für uns und die anderen. Aber von der ruhigeren Sorte! Wie es Mörike, die Extreme für sich verneinend, so schön beschreibt (wollest mit Beidem/mich nicht überschütten). Rosenkohl ist gut, wenn auch etwas mühsam zu putzen. Immerhin, solange das geht… wer muß schon mit drei Sprüngen um die ganze Welt, wie es früher mal war! Oder träumen wir das nur und waren gar nicht so agil?

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