4. Dezember đŸ’«

Hallo, hallo, hallo!

Heute gibt es einen kleinen Plausch mit dem Nikolaus und Herrn Winter. Eine schöne Abwechslung in dieser anstrengenden Zeit, denn es wird immer schwieriger, fĂŒr einen besinnlichen Advent zu sorgen. Viele Menschen sind mit ihren Gedanken nicht dabei. Wir diskutieren gerade darĂŒber, welche Auswirkungen es fĂŒr uns haben wird, dass Frau Holle uns sehen kann, nur weil Que und ich nicht aufgepasst haben. Herr Winter meint, dass wir wahrscheinlich im nĂ€chsten Jahr versetzt werden. Bevor wir etwas dazu sagen können, schleicht Frau Holle ins Zimmer und setzt sich auf das Sofa. Sehr ungewöhnlich. Das macht sie am Vormittag sonst nie.

Meine Frau und ich verabschieden uns von unseren Freunden und leisten ihr Gesellschaft. Sie ist bedrĂŒckt und wir erfahren, dass sie an ihren Vater denkt, der vor einigen Jahren am 4. Dezember starb. Die Geschwister blieben damals zwei Wochen zusammen und begleiteten ihn gemeinsam. Wenn sie unter sich waren, konnten sie sich nicht gegen die alten, gestörten Familienstrukturen wehren, die plötzlich wieder aufbrachen. Uralte Themen wurden ohne Anlass aktualisiert und Frau Holle fĂŒhlte sich in einigen Momenten ausgegrenzt, angeklagt und allein. Aber natĂŒrlich gab es auch schöne Momente mit ihren Geschwistern in dieser Ausnahmezeit, ja das auch. Daran denkt sie heute. Sie selbst nahm an der Trauerfeier teil, war aber nicht mehr in der Lage, bei der Seebestattung dabei zu sein.

DarĂŒber hat sie niemals mit ihren Geschwistern gesprochen. Frau Holle ist heute so traurig wie schon lange nicht mehr. Zu ihren Geschwistern gibt es wenig oder auch keinen Kontakt mehr. Diese Tatsache und die Erinnerung an den Vater, der seine Kriegstraumata nie los wurde und der sie liebte, ihr aber auch vieles angetan hatte, nimmt ihr heute die Fröhlichkeit. „Mir fehlt dieser Teil meiner Familie“, sagt sie.

Das ist verstĂ€ndlich und ich weiß, dass es ihr gut tut, darĂŒber zu sprechen und ihre Gedanken zu sortieren. Frau Holle sagt: „Nun bin ich schon so alt und ich habe diese Ereignisse doch in einer Therapie gut aufgearbeitet. Wieso erwischen mich die schlimmen Erinnerungen denn immer noch? Und warum plage ich mich mit SchuldgefĂŒhlen und frage mich, wieso ich es damals nicht besser hinbekommen habe?“ Ich sage: „Ach liebe Frau Holle, weil du ein Mensch bist und kein Wichtel! Menschlich nennt man das. Und hat dich damals ĂŒberhaupt jemand gefragt, wie es dir geht?“ Nein, daran kann sie sich nicht erinnern. SpĂ€ter dann, als ihre Söhne dazu kamen, wurde es anders. Von ihnen wurde sie in den Arm genommen.

Ich bringe Frau Holle ihre warme Kuscheldecke und Que kocht Kakao. Wir zĂŒnden ihr eine Kerze an und legen schöne Musik auf. Darunter ist ein StĂŒck, das Frau Holle damals fĂŒr die Trauerfeier ausgesucht hat. Sie holt sich den alten Troll vom Schrank. Den hat ihr Vater aus Schweden mitgebracht, als sie ein kleines MĂ€dchen war. Er leistet ihr heute Gesellschaft, denn wir mĂŒssen weiter. Andere HĂ€user mĂŒssen vielleicht auch noch ein wenig bekuschelt werden.

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Herzliche GrĂŒĂŸe an Euch und Eure ganz persönlichen Weihnachtswichtel! Euer Qualimodo Alfonso Sebastian Meier nebst Frau!

4. Dezember:☃ Auch die Trauer gehört in diese Zeit und macht sie so wertvoll!💝

5 Gedanken zu “4. Dezember đŸ’«

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