Auch schön

„Heute fahre ich ans Meer!“, dachte ich gestern und schlief weiter. „Zu spät“, dachte ich später. „Fahre ich eben morgen.“ Dann setzte ich meine 150 Tulpenzwiebeln, fuhr mit dem Rad in der Gegend herum und genoss die Sonne auf meiner Terrasse mit dem Buch “ Sörensen am Ende der Welt“ von Sven Stricker. Das spielt zumindest in Nordfiesland….äh, Nordfriesland. Es war ein herrlich sonniger Samstag, auch ohne Meer!

„Heute fahre ich ans Meer!“, dachte ich heute und stieg rechtzeitig aus dem Bett. „Nach Poel und zurück werde ich es doch schaffen“, dachte ich weiter und bereitete mich seelisch auf eine lange Autofahrt vor. Ich wollte das nicht, aber da das keiner für mich erledigte, musste ich es einfach selbst machen, was nicht so einfach für mich ist. Aber die Sehnsucht nach dem Meer war jetzt mal größer als meine Furcht vor dem Fahren.

Meinen Fahrradträger hatte ich schon am Auto, aber ich konnte ihn nicht richtig einstöpseln. Ich kriegte das mit dem Stecker nicht hin und so funktionierte das Blinklicht nicht. Mist. „Ich fahre heute doch nicht ans Meer“, dachte ich. Ohne Fahrrad wollte ich nicht an die Ostsee, denn das Gehen ist beschwerlich und außerdem fühlte ich mich ganz zufrieden, dass mir die Technik die Entscheidung abnahm. Es war sowieso noch ziemlich kalt. Der erste Nachtfrost löste sich gerade auf und ich verfrachtete meinen Fahrradträger in sein Winterlager. Weil mein Auto unbedingt Bewegung brauchte und ich so froh war, heute nicht so weit weg zu müssen, fuhren wir zwei fröhlich und entspannt erst einmal nach Hitzacker. Dort fand der Gallusmarkt statt und viele, viele Leute wollten sich dort amüsieren. So war es nicht geplant und ich mochte das nicht. Ich stellte das Auto an der Promenade ab und wackelte an die Elbe. „Auch schön“, dachte ich auf einer Bank sitzend und die Sonnenwärme genießend.

Leider konnte ich dann nicht so lange spazieren gehen, wie ich es vorhatte, denn ich musste mal und das so dringend, dass ich mich nicht mehr in die Stadt wagte, um das öffentlichen WC zu suchen. Zum Auto schaffte ich gerade noch und dann musste ich schnell den nächsten Wald-Parkplatz ansteuern. Puh.

Erleichtert fuhr ich mich durch den Landkreis spazieren. 106 Kilometer weit brachte mein Auto mich durch wunderschöne Gegenden und dann war ich wieder zu Hause, wo ich mein Fahrrad bestieg und eine große Runde drehte. Denn so war es geplant: Erst Auto, dann Rad!

Ich setzte mich in der Feldmark auf eine Bank und die Sonne schien mir ins Gesicht. Blätter rauschten, ein Wind wehte mich an und wenn ich die Augen schloss, schien das Meer ganz nah. Und statt Muscheln sammelte ich eben Kastanien. „Fast wie am Meer“, dachte ich und war fast ganz zufrieden mit meiner Sonntagsgestaltung.

Spätestens im nächsten Frühjahr werde ich ans Meer reisen. Dann aber richtig!

17 Gedanken zu “Auch schön

  1. Wunderschön beschrieben dein sonniger SONN-Tag… 🌞👍 Dankeschön fürs lebendige mitnehmen… 🙏🍀
    Dann genieße mal deinen wohlverdienten Abend und sei von Herzen gegrüßt aus dem Brandenburger Land von
    Elke

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  2. „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.. “ von Goethe. Wie schön kann doch auch das Nahe sein, an dem wir – mit dem Auto – fast vorbeigesaust wären!
    Doch da ich an der Ostsee aufwuchs, fehlt mir sehr viel hier im „Festland“. So verstehe ich den Wunsch, ans Meer zu kommen, natürlich sehr gut.

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  3. Diese wunderbare „Faultier-Regine-Geschichte“ könnte auch vom Faultier Clara handeln, nur das Auto wäre keine Requisite in der Geschichte. – Vielleicht würde mein Fotoapparat auch so wunderbare Fotos aufnehmen, wenn ich mal einen Fuß vor die Tür setzte und noch etwas weiter ginge.
    Mit Gruß von Clara

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    1. Faultiere sind äußerst sympathisch und in Wirklichkeit gar nicht so faul. Eher tiefenentspannt und das Leben genießend. Auch wenn nicht immer alles so klappt, wie gedacht…..😂 Vielleicht hast Du irgendwann einmal Lust, Urlaub in Hitzacker zu genießen. Dann können wir gemeinsam faulen😳äh, entspannen!

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      1. War schlussfolgere ich aus deinen Worten? Wir sind wie sie, die Faultiere. Sympathisch und manchmal tiefenentspannt. Ich werde jetzt bald einen Beitrag schreiben, vielleicht noch heute Abend, der meine Tiefenentspannung vorangetrieben hat. Und das mit dem Urlaub hört sich echt gut an.
        Besonders lustig fand ich das gemeinsam faulen. Jetzt gehe ich Doppelkopf spielen. Auf dem Tablet verliere ich immer nur, vielleicht gewinne ich mal in echten spielen.

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      2. Dieses Spiel konnte ich vor drei Jahren leider nicht lernen. Es überstieg meine Fähigkeiten, die Regeln irgendwie zu durchschauen. Schade, so musste ich eine sehr nette Doppelkopfrunde nach ein paar Monaten wieder verlassen. Hatte keinen Zweck.

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