Ambivalenz

Ich schwanke zwischen der Traurigkeit über mein Alleinsein und dem Glück darüber. Ich bin mir selbst genug und vermisse Gemeinsamkeit. Und diese Ambivalenz hindert mich daran, etwas gegen die gefühlte Einsamkeit zu tun. Ich weiß ja genau, was ich dagegen machen könnte und wenn ich dann Konkretes plane, merke ich, dass ich doch nichts verändern möchte. Das Ganze wird anstrengend, wenn ich beide Gefühle zufriedenstellen will. Was ja gar nicht geht, weil sie nicht zusammenzubringen sind. Meine Erfahrung erinnert mich daran, dass es mir bisher immer gelungen ist, aus diesem Dilemma herauszukommen. Ich brauche nur abzuwarten und meiner inneren Stimme zu folgen, die mir ganz vergnügt mitteilt, dass alles gut ist, wie es ist. Ich werde es schon merken, wenn Veränderungen angebracht sind! Und dann geht es ja auch meist ziemlich schnell damit. Also nehme ich es hin, mal wieder in einer ambivalenten Phase zu stecken und will diese nicht so wichtig nehmen.

Außerdem hatte ich Samstag Besuch und heute mit einer lieben Freundin telefoniert.

Am besten ist es, mitsamt meiner Ambivalenz etwas zu unternehmen. Heute war es eine mehrstündige Fahrradtour mit einer selten genutzten Kamera, die aus dem Nachlass meines Mannes stammt (FinePix S2980) und die eine Panoramafunktion hat. Fotografieren hilft ja immer.

Ich dachte darüber nach, warum ich zeitweise so unzufrieden bin und kam zu dem Schluss: Die Urlaubszeit hat etwas damit zu tun. Ich vermisse das Zusammensein mit meiner Familie, die ich so nicht mehr haben kann, wie ich es möchte. Und das Zusammensein mit Freundinnen kann das nicht ersetzen. Und weil auch noch die Pandemie und die Sichtbarkeit der Klimakatastrophe dazukommen, habe ich einfach keine Lust, mehr Geselligkeit zu suchen und zu genießen, als es jetzt der Fall ist. Pandemie und andere Umweltkatastrophen kann ich nicht beeinflussen, sie beeinflussen aber mich. Jetzt brauche ich viel Kraft, um selbst klar zu kommen. Vielleicht will mir meine Ambivalenz gerade das mitteilen? Vielleicht auch nicht.

Kennt Ihr solche Phasen?

Und jetzt gerade in diesem Moment bin ich eindeutig zufrieden mit mir und weiß, ich bin viel allein, aber ich werde es ändern, sobald es mir zu viel wird! Und die Ambivalenz gibt Ruhe und erholt sich.

22 Gedanken zu “Ambivalenz

  1. „…daß alles gut ist, wie es ist.“😊Und darin dann die kleinen „Wunder am Wegesrand“ neu zu entdecken und anderen Freude damit zu machen.
    „Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Feude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“
    Kein Geringerer als Goethe hat diese bekannten Poesie-Album-Verse gedichtet.😊

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  2. Ich kenne das alles, weil ich in einer ähnlichen Situation lebe. Raus mit dem Fahrrad, die Natur genießen. Lange und in aller Ruhe. Mir hilft es immer.
    Übrigens. Deine Kamera kenne ich auch. Ein tolles Teil. Lasse sie nie zuhause. Ein prima Begleiter.
    LG Jürgen

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    1. Wir sind uns wohl ein wenig ähnlich und wenn ich mir Deine Fotos anschaue, geht mir das Herz auf!
      Ja, die Kamera ist handlich und kann bequemer transportiert werden, als meine Nikon mit ihrem großen Teleobjektiv, welches ich meistens nutze. Ich werde mich einarbeiten! Liebe Grüße🙋‍♀️ aus dem heißen Wendland🌞, wo heute Unwetter angekündigt sind. 😬Hoffentlich wird es nicht so schlimm!🌩

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  3. Die Photos finde ich wunderschön, jedes einzeln. Und außerdem kann ich diese Ambivalenz gut verstehen. Es könnte sein, daß sich da, auf unsichtbarem Wege, bereits etwas „angebahnt“ hat, was irgendwie mit Freude und Glück zu tun hat. Nur nicht ungeduldig sein, sondern diesen neuen Gefühlen ein wenig nachspüren, ohne darüber mit anderen zu sprechen. Die „innere Stimme“ ist auf jeden Fall zuverlässiger als alle anderen Meinungen.💓

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    1. Ja, so sehe ich das auch. Nach solchen Phasen verändert sich manches zum Guten, wenn ich genug Geduld aufbringe, sie auszuhalten und meiner inneren Stimme folge. Danke für Deine lieben Worte!🙋‍♀️

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      1. Ich denke mal, daß es irgendwie – stimmungsmäßig – wieder etwas “ bergauf“ geht, jedenfalls nach dem zu urteilen, was ich hier lese und sehe. Und das Kommentieren tut ja der Seele auch ganz gut, frischt uns wieder etwas auf, und die Einsamkeit wird weniger fühlbar.😊💛💕

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      2. Meine Stimmung fließt in Wellenbewegungen und das ist auch gut so, denn das Abstürzen in Depression und Angststörung brauche ich nicht noch einmal. Die Gefahr besteht zum Glück auch gar nicht. Ich genieße das Auf und Ab, denn ohne Ab würde man das Auf ja gar nicht bemerken. 😀

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  4. Schöne Fotos hast Du uns von Deiner Tour mitgebracht. So einen kleinen Coronablues haben wir wohl alle. Ich sehne mich sooo seht nach Normalität und hoffe vor allem, dass die Schlen offen bleiben. Bei uns geht es ja bereits am 2. August wieder los.
    Liebe Grüße von der sommerlichen Küste!

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    1. Ich fürchte ja, die „Normalität“, die wir kennen, kann es eigentlich nicht mehr geben. Nicht nur wegen der Pandemie müssen wir uns gründlich umstellen. Die Wissenschaft spricht von einer gesellschaftlichen Transformation (z.B.:https://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/forschung/systeme/ffu/forschung/steuerung/gesellschaftliche_transf/index.html ) und das ist das, was mich umtreibt. Wie kann das gelingen, wo die Zeit doch immer knapper wird?
      Kurzfristig gesehen drücke ich Dir und Deinen Lieben die Daumen, dass die Schulen offen bleiben und dass Du soviel Normalität wie möglich wiedererlangst. Immerhin hast Du das Meer in Deiner Nähe!🌊
      Unwetter sind angesagt. Hoffentlich trifft es unsere Regionen nicht allzu hart.
      Liebe Grüße aus dem Wendland! 💝 Regine

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  5. Ein interessanter Link, danke dafür. Klar vieles wird sich verändern, schon allein die Tatsache, dass jetzt viele im homeoffice arbeiten und dass vieles jetzt per Videokonferenz geregelt wird…
    Ich bin nur froh, dass ich selbst nicht mehr arbeiten muss und bei meinen Kindern soweit alles im grünen Bereich ist. Auf die Wahlergebnissw im September bin ich sehr gespannt..
    Liebe Grüße ins Wendland!

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  6. ja klar. nur umgekehrt. ich wäre furchtbar gerne mal allein. ich hab aber bedenken es mitzuteilen, weil ich niemanden verletzen will. ich kann gar nicht glauben, dass man so intensiv mit mir zusammensein will. Grrr……will man nicht immer das, was man nicht hat, aber dafür am liebsten nichts aufgeben. der preis des nicht-alleine-seins sind kompromisse….manchmal wünsche ich mir keine machen zu müssen…

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  7. Auch ich bin viel allein mit mir. Davor hatte ich in jungen Jahren immer Angst, nun fühlt es sich meist gut an. Gibt ja durchaus Menschen, die mir zugetan sind und umgekehrt. So wie auch in deinem Leben, liebe Regine. Es ist eine Entscheidung, allein sein zu wollen oder auch nicht. Und Gott sei Dank gibt es das Netz und Telefon, für den Mangel an Gelegenheit.

    Sei herzlich gegrüßt, Reiner

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    1. Hast ja recht,lieber Reiner. Für mich gibt es noch einen Unterschied zwischen Alleinsein mit Lebenspartner/in oder Alleinsein.
      Ich bin immer schon gerne für mich gewesen. Aber mit meiner Familie zusammen zu leben war eben auch meist wunderschön.

      Je länger ich alleine lebe, umso schwerer fällt es mir, realen Kontakt zu halten. Es wird anstrengender. Und meinen Kindern will ich nicht zu sehr auf die Pelle rücken. Zum Glück verstehen wir uns alle gut und dafür bin ich sehr dankbar.
      Veränderungen strebe ich an, aber ich weiß nicht, wohin meine Reise gehen soll. Darum nehme ich meine Ambivalenz in Kauf, warte ab, und bin eben meist allein mit PC, Telefon, Garten, Natur, Büchern, Haushalt und Fernseher! Oh, das ist ja schon eine ganze Menge……😂

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