Zimmerreisen 3: G wie Glitzerschal und Gemeinschaft

Zimmerreisen 3: G wie Glitzerschal und Gemeinschaft

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021 Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Als ich mich trennte und eine eigene Wohnung bezog, dachte ich: Alleine zu wohnen ist völlig sinnlos. Ohne die Gemeinschaft der Familie zu leben schien mir auf Dauer unerträglich zu sein. Nun bin ich bald zehn Jahre hier für mich und seit einem Jahr nun auch weitgehend wirklich allein.

Sinnlos empfinde ich mein Leben nicht mehr, im Gegenteil, es hat an Tiefe gewonnen.

Aber Gemeinschaft fehlt mir natürlich sehr. Und jetzt will ich vom Glitzerschal erzählen, der mich gerne an ein wunderschönes Gemeinschaftserlebnis erinnert.

Ich meldete mich 2019 für eine Silvesterveranstaltung in der Nordseeakademie Leck an. Und weil ich immer noch mit leichten Panikattacken zu kämpfen hatte, war der Trip gefühlt fast so aufregend wie meine Afrikareise. Könnt Ihr gerne glauben! Gedanken an das Autofahren und an fremde Leute trieben mir die Schweißtropfen auf die Stirn. Ich war jedoch fest entschlossen und dachte lange über meine Garderobe nach. Es gab keinen Dresscode. Das war schlimm. Wer wird kommen? Wie ziehen die sich an? Werde ich mit meiner Kleidung negativ auffallen? Werde ich das alles überhaupt schaffen? Diese Fragen blieben unbeantwortet. Also entschied ich mich, am Silvesterabend und zum Neujahrskonzert vernünftig schick angezogen zu sein. Es sollte nicht zu festlich aber auch nicht zu leger ausfallen. Schwierig, schwierig. Damals schrieb ich folgenden Text, den ich dann auch tatsächlich auf der Silvesterfeier vortrug: Der Schlüssel zum Glück – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com)

Neues kaufen wollte ich nicht. Im Kleiderschrank sind ein paar Teile, die recht festlich tun, aber auch alltagstauglich sind. Für alle Fälle, also falls die anderen Abendgarderobe bevorzugen würden, kaufte ich mir einen Glitzerschal. Mit dem könnte ich mich verkleiden, dachte ich. Bling-Bling-Ohrringe würde ich auf alle Fälle anlegen. Und so war ich denn gut gerüstet und fiel kleidungsmäßig nicht aus dem Rahmen. Und das festliche Silvesteressen begann ich mit dem Glitzerschal. Den legte ich aber schnell ab, denn der kratzte ganz fürchterlich.

Es war eine andere Welt damals mit Problemen, die mir heute unwichtig scheinen. Dass es meine letzte gesellige Veranstaltung für ewig lange Zeit bleiben würde, auf die Idee kam ich damals nicht. Im Gegenteil, das Ganze hatte mich angefixt. Ich war mir sicher, dass ich im Laufe des Jahres noch viel mehr Abenteuer in Gesellschaft erleben werde. Dafür wollte ich schon sorgen. „Leben, ich komme!“, dachte ich.

Vielleicht wollt Ihr etwas über mein Silvester in Leck lesen. Dann klickt hier: Rüm haart, klar kiming – Regenbogen und Freudentränen (wordpress.com)

Mein Glitzerschal hängt übrigens an einer Schlafzimmerwand herum. Wenn ich mich für das Bett fertig mache, genieße ich ab und zu sein Funkeln und wünsche mir lebhafte Gemeinschaftsträume. Manchmal gelingt das ganz gut.

Kleine Selbst-Philosophie

Kleine Selbst-Philosophie

„Werd´ erwachsen“, sagt der innere Nörgler und der Antreiber ruft:“Benimm dich endlich altersgemäß!“ Nö, denke ich und stehe zu mir und meinen Nichtstatussymbolen. Ist doch alles nur ein Spiel, denke ich, und Selbstverantwortung ist in Wahrheit der Schlüssel zum Glück.

„Du lebst nicht richtig!“, sagen einige Leute. „Wie siehst du schon wieder aus?“, werte ich mich selber ab.

Von Leuten, die mich brauchen, um sich in ihrem eigenen Glück und Können zu sonnen, trennte ich mich im letzten Jahr. Mein scheinbar unscheinbares und verkehrtes Leben beflügelte diese zu sehr und ich wurde immer blasser.

„Es lohnt sich nicht, nach Orientierung zu suchen. Die musst du dir selbst schaffen“, sagt mein ICH. Und ich staune, wie gut das geht, wenn ich die anderen sein lasse, so wie sie sind.

Ich stelle mir die Frage, ob ich das, was ich in der langen Zeit der Fast-Isolation erkannte, mitnehmen kann in die Zukunft. „Warum nicht?“, fragt die Vernunft und das innere Kind freut sich über sein Leben im Spielzimmer des Lebens.

Fensterblick

Das windige, nasse Draußen gucke ich mir von drinnen an und denke, hätte ich vor ein paar Tagen nur nicht über die vermeintlich zu warmen Frühlingstemperaturen gemeckert. Nie wieder werde ich das Wetter kritisieren! Nie, nie, niemals wieder! Ich werde immer, immer zufrieden sein mit dem, was ich sowieso nicht ändern kann.

Wenn ich hübsch drinnen bleibe, scheint es draußen richtig schön gemütlich zu sein. Der Schein trügt! Und das ist kein Meckern! Ich stelle nur fest🤦‍♀️.

Und weil ich ab sofort mit allem zufrieden bin, was der März zu bieten hat, gestalte ich die Welt, wie sie mir gefällt!

Was für ein schöner Sonntag!💦

Zimmerreisen 3: F wie Fotoalben

Zimmerreisen 3: F wie Fotoalben

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021 Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Ich nehme für den Beitrag nicht „Fenster“, wie ursprünglich geplant, sondern Fotoalben. Und weil das Wetter draußen gruselig und meine Stimmung nicht besonders gut ist, blättere ich schon seit Tagen in ihnen herum. Mein erstes Album ist fast so alt wie ich, also ziemlich betagt und das sieht man den Fotos an.

Ich fotografiere, seit ich denken kann. Diese Leidenschaft erbte ich vielleicht von meinem Vater. Das Fotografieren war damals ja viel komplizierter und teurer als heute. Das Einkleben der Fotos, Bebildern und Beschriften gehörte natürlich dazu. Heute staune ich selbst über die Arbeit, die ich mir machte. Digital ist klasse, aber Fotoalben sind Kult.

Anfangs hatte nicht viel Taschengeld zur Verfügung und darum fotografierte ich hauptsächlich auf Reisen. Auf diese in meiner Zeit als Jugendliche und junge Erwachsenen beschränke ich mich heute, weil es sonst ein Buch werden würde.

Die vielen Gruppenreisen fallen mir auf. Sportverein, Schule, Clique, Kindergruppenreisen (ich als Betreuerin) und mein Freundeskreis: Immer zusammen unterwegs. In dieser Zeit quälte mich ein mangelndes Selbstwertgefühl. Ich empfand mich als „falsch“, nicht der Norm entsprechend und „hässlich“. Ich fühlte mich nicht wirklich zugehörig. Das mag teilweise so gewesen sein, aber jetzt will ich nicht mehr daran denken. Ich will mich vielmehr an das halten, was mir die Bilder erzählen. Denn die zeigen mir, ich war mittendrin. Ich hatte Spaß! Ich war hübsch! Und fröhlich!

Hier nun ein paar Fotos von meinen Fotos aus den Fotoalben. Schlechte Qualität, aber das gehört so. Zuerst sehen wir Regine auf Klassenreisen. Auf vielen sehe ich uns Mädels einer Mädchenschule eng aneinander gekuschelt und oft zusammen liegend. Köpfe auf Bäuche gelagert, kichernd und gut aufgehoben miteinander. Während dieser Zeit machte ich auch mit ein paar Freundinnen in den Ferien eine Radtour von Hamburg aus an die Ostsee. Wir übernachteten in Jugendherbergen und waren wirklich guter Dinge und außerordentlich vergnügt.

Als Studentin reiste ich mit Kommilitonen nach Irland. Davon gibt es keine Fotos. Dafür etliche aus Frankreich. Damals konnte ich die Hitze noch gut vertragen. Und so braun gebrannt wie damals sah man mich nie wieder. Ich bin das „Mi“.

Mit meinem damaligen Freund reiste ich natürlich auch viel herum. Sehr häufig trafen wir uns mit unseren Freunden irgendwo am Strand, in Dänemark oder im Harz. Diese Reisen habe ja fast vergessen! So viele Wochenenden und Silvesterfeiern mit den unterschiedlichsten Leuten habe ich erlebt! Meine Fotoalben sind voll davon. Ich kann es kaum glauben. Einige von denen leben heute nicht mehr, daran sehe ich, wie viel Zeit seitdem vergangen ist.

Die aufregendste Reise aber führte mich 1980 das erste Mal nach Afrika. Drei Wochen waren geplant, es wurde fast ein halbes Jahr daraus. Vier Freunde kauften einen Bus und einen LKW und bauten diese in der Absicht um, mit einer Reisegruppe durch die Sahara zu fahren und später die Reise allein fortzusetzen, um dann die Fahrzeuge in Kamerun zu verkaufen. Sie taten sich unterwegs mit vier Frauen zusammen und ich war eine davon. Darum verlängerte sich meine Afrikatour. Diese Reise war aufregend, gefährlich und wunderbar. Ich war oft ängstlich, aber auch so naiv, dass ich dachte, wird schon alles gut gehen. Ging es ja auch. Heute bin ich froh, dass meine Söhne solche Reisen nicht unternehmen! Aber heute bin ich ja selbst die Mutter und meine Kinder sind viel vernünftiger, als ich es mit Ende Zwanzig war!

Meine Sehnsucht nach Reisen ist nie verschwunden. Und meine Sehnsucht nach Rudelbildung auch nicht. Ich sehe ein, dass sich vieles verändert hat. Nicht nur draußen in der Welt, sondern auch bei mir. Ich bin älter geworden und körperlich eingeschränkter. Ich reise noch immer gerne mit anderen Menschen zusammen, aber die Abenteuer sind viel gesitteter geworden. Machen trotzdem Spaß!

Diese Zimmerreise ist für mich noch nicht beendet. Für Euch aber schon! Vielleicht besitzt Ihr selbst Fotoalben und könnt Eure eigenen Zimmerreisen unternehmen! Mir hat es großen Spaß gemacht und meine Stimmung ist wieder im grünen Bereich. Ich habe so viel erlebt und gehabt! Mit dieser Erkenntnis lehne ich mich zufrieden zurück und freue mich über den Teil des Lebens, der in den Fotoalben festgehalten wurde.

Schwung verloren

Schwung verloren

Schwung verloren

es fühlt sich an

wie Stillstand

zu Hause

allein

gedankenschwer

hin und her

zwischen Büchern, Filmen, Musik, PC

Garten und dem Malblock

bewegen und dehnen

putzen

kochen

einkaufen

Fahrrad fahren

ab und zu das Telefon

das war´s dann aber schon.

Ist o.k.

Erinnerungen beleben

die Seele

aber auch sie wird müde und träge.

Fühle mich abgeschnitten

vom Außen

Kontakt halten

fällt immer schwerer

und macht auch wenig Spaß

mit all dem Abstand

und der Vorsicht.

Ich warte ab

und hoffe

dass ich mich wieder einfädeln kann

ins Leben

sobald die Umstände es erlauben.

Nein, ich will nicht jammern

nur sagen

so ganz allmählich

wächst

die Kraftlosigkeit.

Ist ja auch kein Wunder

zu lange geht das schon so

und ich weiß

ich bin zwar allein

aber nicht allein

mit dieser Traurigkeit.

Wir sind aber auch verbunden

mit unserem Mut und der Zuversicht,

wir üben Geduld und hoffen.

Und schon geht es mir etwas besser

weil ich das weiß.

Was gibt es Neues?

Die Balearen gelten aktuell als ziemlich coronasicher- und rüsten sich für die ersten Touristen. Auch Griechenland macht sich bereit. Reiseveranstalter und Hoteliers scharren mit den Hufen, und viele sehnsuchtsvolle Deutsche auch.

Ja, super denke ich und gucke sehnsuchtsvoll ( Die Autokorrektur macht daraus: einsichtsvoll. Manchmal ist sie ziemlich schlau!😁) aus dem Fenster. Ist doch logisch, dass wir jetzt alle wieder verreisen. Schließlich ist bald Ostern!

Neu ist das, was ich heute in der Zeitung lese, nicht gerade. Ich konsumierte gestern nämlich etliche Nachrichtensendungen und Maischberger. Wenn ich mich richtig erinnere, sprach sich die Schriftstellerin Nele Pollatschek dafür aus, lieber die Realitäten von Frauen zu ändern, statt die Gleichberechtigung in der Sprache herstellen zu wollen. Frauen sollten besser arbeiten können. Also, ihnen sollte ein Verhalten möglich gemacht werden, so wie Männer mit Kindern sich sowieso schon verhalten. Und dann meinte sie, eine gute Lösung wäre es, nicht mehr DER oder DIE zu sagen, sondern das „DAS“ zu benutzen. Also „Das Bundeskanzler“ für alle (m,w,d). Das finde ich witzig. Das Professor, das Schriftsteller, das Erzieher, das Verkäufer, das Autohändler, das Lehrer. Ich lache und denke, Gendersternchen finde ich auch nicht gerade emanzipatorisch. Für mich als Schreibende ist die Idee ziemlich verunsichernd und störend, auch wenn es in den Nachrichten neuerdings mitgesprochen wird. Egal, es gibt dringendere Fragen, die beantwortet werden müssen. Aber was lese ich denn jetzt gerade? Ein Kommentator spricht von Spitzbübinnen-und buben, die es überall gibt. Spitzbübinnen! Wäre Spitzmädels nicht eher das richtige Wort?

Ich will mich lieber nicht lustig machen. Wie in der Rassismusdebatte glaube ich den Betroffenen, durch welche Wörter und Sprachregelungen sie sich diskriminiert fühlen. Die Frage der Geschlechtsidentität ist ein neuer Aspekt in meinem Leben. Ich informiere mich und halte fest: Es gibt viel mehr als nur zwei Geschlechtsidentitäten! Nicht alle Menschen sind Männer oder Frauen. Diese Personen bezeichnen sich zum Beispiel als nicht-binär oder genderqueer. Es gibt noch eine Menge zu lernen! Ich als (eindeutige) Frau habe mich nie diskriminiert gefühlt, wenn von Lehrern und Lehrerinnen die Rede war. Meinetwegen auch LehrerInnen oder Lehrer*innen. Aber es werden hier viele andere Menschen nicht mit angesprochen. Um das zu ändern, schlägt Frau Polatschek eben das „Das“ vor. Das würde alle einbeziehen. Irgendwie doch bedenkenswert, denke ich.

Weiter mit meiner Morgenzeitung. In der „Fundgrube“ wird unter der Rubrik Veranstaltungen eine sehr gut erhaltene Schlafcouch angeboten. Was für Veranstaltungen könnten denn auf einer Schlafcouch stattfinden?…..😳……..☺️ Ich lache mich schlapp und finde das gar nicht so verkehrt. Couch kann ja in Coronazeiten schon ziemlich spannend sein. Ich brauche aber keine neue Schlafcouch und lese weiter.

Kind hängt mit Kopf im Stuhl fest.

In Dresden ist ein Mädchen beim Spielen mit dem Kopf in einem Stuhl stecken geblieben und musste von der Feuerwehr gerettet werden. Die Siebenjährige hing zwischen Lehne und Sitzfläche fest und konnte sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien, wie die Feuerwehr gestern mitteilte. Die Einsatzkräfte beruhigten erst das Mädchen und griffen dann zur Bohrmaschine, um die Befestigung der Lehne aufzubohren. Das Kind blieb unverletzt.

Elbe-Jeetzel-Zeitung, 11.03.21, letzte Seite

Nun fühle ich mich über die vergangenen Dramen gut informiert und bin froh, dass in Dresden alles gut gegangen ist. Ich freue mich auf morgen! Dann gibt es wieder eine neue Zeitung.

Für heute wurde Sturm angesagt. Der Wind frischt auf. Noch ist es nicht so schlimm wie angekündigt. Kann aber noch werden. Allen Betroffenen wünsche ich: Kommt gut durch das Wetter heute!

Ein Kommentator spricht von Spitzbübinnen -und buben, die es überall gibt.

Lust auf mehr

Lust auf mehr

Im Katalog sehe ich mir die Kleider an und verspüre ein großes Bedürfnis, mir eins zu kaufen. Nanu, wo kommt das denn her? Ich treffe doch gar keine Leute mehr! „Es wird wieder Gelegenheiten geben“, flüstert mir ein leises Stimmchen zu. Und plötzlich bekomme ich Lust auf mehr.

Nicht teilbar

Als ich mein Rezept abholte, befand sich ein Zettelchen auf diesem. Mein Hausarzt erinnert mich daran, dass mir 2021 ein Gesundheitscheck zusteht und er rät mir, diesen auch in Anspruch zu nehmen. Ich soll mir morgens Blut abnehmen lassen und dann einen Termin für die umfassende Untersuchung absprechen.

Das ist blöd, weil ich jeden Morgen denke: Mache ich morgen! Und dann habe ich für kurze Zeit ein schlechtes Gewissen.

Zur Beruhigung verabrede ich erst einmal einen Zahnärztinnentermin (heute zum Frauentag muss dieses Wort jetzt sein😉). Ende März guckt sie mir in den Mund und mein Gewissen wendet sich anderen Dingen zu.

Ich habe noch mehr Baustellen. Fachärzt*innen sind nicht so mein Ding. Blut lasse ich mir wegen Faulheit auch heute nicht abnehmen. Schlechtes Gewissen bringt mich dazu, mit der Praxis meiner Frauenärztin zu telefonieren. „Meine Güte, Sie waren ja schon lange nicht mehr hier“, sagt die nette Sprechstundenmitarbeiterin. Ich frage nach und erfahre, dass ich zuletzt 2015 dort gewesen sei.

Mein Gewissen fällt in sich zusammen. Hat ja doch keinen Zweck. Ich erinnere mich noch so gut an die letzte Untersuchung und lebte ganz zufrieden mit dem Gedanken, dass alles in Ordnung sei. Leute, wie schnell doch die Zeit vergeht! Ich bin erschüttert. Furchtbar!

Eigentlich müsste ich auch noch zur Orthopädin und eine Terminabsprache beim Augenarzt brauche ich auch, damit ich ihn zum Herbst wahrnehmen kann. Irgendwie werde ich nie fertig mit der Gesundheit und es wird nicht besser. Die Dermatologin wäre auch dran und einen Rheumatologen haben wir hier nicht, aber der wäre wichtig. Oder die eben. Ich sollte meine Hände auch einmal von einem Fachmann oder einer Fachfrau ansehen lassen. Die soll es ja geben, habe ich mal gelesen. Nur eben nicht hier.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir einen Arzt oder eine Ärztin wünschen, der oder die alles kann. Ich bin eine ganze Frau und nicht teilbar.

Zimmerreisen 2: E wie Eis

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: puzzleblume.wordpress.com/2021/02/12/zimmerreisen-02-2021 Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Eigentlich hatte ich vor, meinen Esstisch reden zu lassen. Er hätte viel zu erzählen gehabt vom Familienleben, von Umzügen, von Scheidungsgesprächen, von Silvesterfeiern, von Geselligkeit und vom Alleinsein. Kürzlich wurde mein Esstisch zum Basteltisch umfunktioniert und damit wäre das ja sowieso der falsche Buchstabe gewesen.

Das Bild über dem Esstisch würde auch passen, wenn ich es „Ebbe“ nenne. Wäre eine schöne Zimmerreise geworden. Die heutige Reise führt mich aber woanders hin und nun erzähle ich Euch, wie ich ganz unerwartet zum „Eis“ kam:

Nachts ist es frostig und als ich meine Garten-Vogeltränke ausschütte und vom Eise befreie, was, wie man auf dem Foto sieht, gerade geschehen ist,…….

…….fällt mir mein heutiges Zimmerreisenthema direkt vor die Füße.

Der Eismond hat sich alleine so aufgestellt. Ich stelle fest: Kunst entsteht ab und zu ganz von selbst und völlig unbeabsichtigt. Naturkunst sozusagen. Schnell hole ich den Fotoapparat und halte den Eismond fest, denn das reale Objekt wird sich bald verdünnisieren. Dann bleibt zumindest noch das Foto als Artefakt verfügbar.

Und nun beginnt das Reisen. Einem Eismond bin ich noch nie begegnet, Eiskunst auch noch nicht. Eis schon.

Ich denke an die dänische Eisdiele auf Föhr, wo ich viele Jahre zu Hause war. Also, an dieser Eisdiele kamen wir auf unseren sonntäglichen Radrunden fast immer vorbei. Entweder zu Beginn oder am Ende, je nachdem, ob wir links herum fuhren oder rechts herum. Ihr versteht, auf einer Insel muss die Richtung festgelegt werden, bevor man los zieht. Links oder rechts herum, was ist heute dran? Egal. Hauptsache dänisches Eis!

Ich denke natürlich auch an das dänische Eis in Dänemark……

…..und damit an meine Reisen mit meinen Freundinnen. Und weil in Gesellschaft immer viel und genussvoll gegessen und getrunken wird, gab es auch fast täglich unser Eis.

Wie selbstverständlich wir uns doch noch während der Reise für das nächste Jahr verabredeten, unsere Ziele aussuchten und die Ferienhäuser buchten! Das fühlt sich heute fast wie ein Traum an. Seltsam, wie schnell ich mich umgewöhnt habe. Ich nehme die Gegebenheiten an, allerdings ab und zu unter Protest. Die Reisen mit meinen Lieben sind so wichtig. Diesen Ausgleich zum Alleinleben brauchte ich ab und zu. Nächstes Jahr werden wir hoffentlich wieder einen Urlaub am Meer verbringen können. Und dann wird das Eis uns wahrscheinlich doppelt so gut schmecken!

Und nun ist der Eismond geschmolzen und meine Zimmerreise ist zu Ende.