Manchmal ist es richtig, das Spiel zu kennen und die Regeln einzuhalten. Zum Beispiel im Straßenverkehr bin ich darauf angewiesen, dass wir alle das gleiche Spiel spielen. Wir müssen uns darauf verlassen können, sonst wird es gefährlich. Den Gedanken kannte ich schon, bevor ich mir das Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit – Wikipedia vornahm. Und gerade lese ich es ein zweites Mal und denke krause Gedanken. In meinem Hirn geht es in etwa so zu:

Alles nur erfunden. Geld gibt es nur in unserer Vorstellung, Aktien auch. Verkehrsregeln, Gesetze und sportliche Wettkämpfe sind Erfindungen. Genauso die Nationalstaaten und Religionen. Mode existiert nur, wenn wir mitspielen. Verliebt, verlobt, verheiratet: ein beliebtes Gesellschaftsspiel hierzulande. Wir spielen es mit, weil wir denken, es muss so sein, weil es eben so ist. Erziehung, Ordnung, Status, Sparbücher, Gesundheit, Geschlechterkampf, Kultur, Versicherungen, Menschenrechte: Erfindungen, die nicht gemeingültig sind, auch wenn wir das denken. Sie wirken nur, wenn wir daran glauben. Bei mir funktionieren zum Beispiel Statussymbole oft nicht, weil ich die Marken meist nicht kenne und ich gar nicht weiß, wie teuer die Kleidung, Reisen und Autos sind. Darum kann ich dieses Spiel mit den Reichen nicht mitspielen. Allerdings schließe ich mich anderen Menschen an, denen es auch egal ist. Und natürlich erfinden wir unsere eigenen Statussymbole, sonst würde wir uns ja gar nicht erkennen.

Worauf bauen wir unser Leben auf? Auf Mythen und Geschichten, die es nur gibt, weil wir sie uns mithilfe unseres Sprachvermögens ausdenken können und daran glauben, dass sie wahr sind. Neue entstehen, alte werden vergessen. Spielregeln werden angepasst. Ich entscheide, wo ich mitspiele und welche Regeln ich anerkenne, weil ich glaube, dass es die richtigen sind. Gesellschaft besteht also aus unterschiedlichen „Glaubensgemeinschaften“ mit ihren eigenen Spielregeln. Es gibt kein absolutes Richtig oder Falsch.

Manchmal treffe ich auf „fremden Glaubensgemeinschaften“. Sie erweitern meinen Horizont oder auch nicht. Sie machen zumindest mein Leben bunter. Allerdings bin ich verunsichert, wenn ich die entsprechenden Regeln nicht kenne und kann mich oft nicht adäquat benehmen. Das ist zwar peinlich, aber nicht so schlimm, wenn ich daran denke: Alles nur ein Spiel!

Es gibt „Glaubensgemeinschaften“, denen gehe ich aus dem Weg. Die sind mir so fremd, dass es keine Berührungspunkte gibt.

Ist ja irgendwie alles nichts Neues, auch für mich nicht. Wer denkt, dass mein Text heute aber doch sehr unausgegoren ist, hat wohl recht. Ich stelle also für heute das Denken ein und wünsche Euch lieber einen schönen Sonntag!

12 Gedanken zu “Krause Gedanken

  1. Ich finde deinen Beitrag keinesfalls unausgegoren, sondern voller Impulse zum Nachdenken! Seit ich nicht mehr berufstätig bin, haben sich die Spielregeln meines Lebens ja auch komplett verändert. Ich brauche keine Mode mehr z.B., hätte ich nie gedacht. Ich hab mich immer gerne hübsch angezogen und das tu ich noch, aber ich muss nichts Neues mehr kaufen. Hab ja das Geld gar nicht mehr und es ist auch nicht mehr notwendig. Sieht eh keiner.
    Wir halten uns tatsächlich an Regeln, jede Blase hat ihre eigenen. Wie vielschichtig diese sind, ist mir noch gar nicht bewusst geworden. Und vor allem: Es sind Regeln, die mal Sinn machen und mal nicht. Man kann sich auch rausziehen und anderen, passenderen Regeln zuwenden. Zum Glück gibt es so viele Optionen! 🙂

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    1. Ich danke Dir sehr für deine Rückmeldung. Ich bin noch nicht fertig mit dem Gedanken und möchte so gerne herausfinden, was und wie viel wir davon anwenden können, wenn sich, wie im Moment, eine ganze Gesellschaft möglichst schnell neu orientieren muss. Mir fehlen Leute, mit denen ich nach Herzenslust diskutieren und philosophieren kann. Das würde mir jetzt Spaß machen. Nächtelang! Mit Wein und Chips!

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      1. Mir fehlen die Gespräche auch sehr. Im Moment gibts halt nur Zoom, aber dazu musst du ja in die Abstellkammer sitzen, wenn ichs noch richtig weiß. Das wär ein bisschen ungemütlich. 😉

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      2. Die Abstellkammer erinnerst Du richtig😆. Mit meinen Söhnen telefoniere ich ab und zu über WhatsApp, da können wir uns auch sehen. Aber das ist ja alles nicht das Wahre. Nächstes Jahr um diese Zeit sind wir hoffentlich wieder besser dran! Bis dahin denke ich eben alleine vor mich hin……😁 Gut, dass wir uns zumindest im WP austauschen können! Liebe Grüße! Regine

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      3. Ich denke gerne mit dir! Deine Beträge sind so anregend, voller Impulse und toll geschrieben. Hoffentlich hörst du das nicht auf, wenn wieder Live-Gespräche möglich sind. 😉

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      4. ☺️ Herzlichen Dank für diese schöne Rückmeldung! Das Bloggen habe ich mit Rentenbeginn für mich entdeckt und ist mir als schönes Hobby wichtig geworden. Aufhören ist keine Option! Liebe Grüße! Regine

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