Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: Einladung zu den Zimmerreisen 03/2021 Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) und puzzleblume für die Anregung zum Phantasiereisen.

Ich nehme für den Beitrag nicht „Fenster“, wie ursprünglich geplant, sondern Fotoalben. Und weil das Wetter draußen gruselig und meine Stimmung nicht besonders gut ist, blättere ich schon seit Tagen in ihnen herum. Mein erstes Album ist fast so alt wie ich, also ziemlich betagt und das sieht man den Fotos an.

Ich fotografiere, seit ich denken kann. Diese Leidenschaft erbte ich vielleicht von meinem Vater. Das Fotografieren war damals ja viel komplizierter und teurer als heute. Das Einkleben der Fotos, Bebildern und Beschriften gehörte natürlich dazu. Heute staune ich selbst über die Arbeit, die ich mir machte. Digital ist klasse, aber Fotoalben sind Kult.

Anfangs hatte nicht viel Taschengeld zur Verfügung und darum fotografierte ich hauptsächlich auf Reisen. Auf diese in meiner Zeit als Jugendliche und junge Erwachsenen beschränke ich mich heute, weil es sonst ein Buch werden würde.

Die vielen Gruppenreisen fallen mir auf. Sportverein, Schule, Clique, Kindergruppenreisen (ich als Betreuerin) und mein Freundeskreis: Immer zusammen unterwegs. In dieser Zeit quälte mich ein mangelndes Selbstwertgefühl. Ich empfand mich als „falsch“, nicht der Norm entsprechend und „hässlich“. Ich fühlte mich nicht wirklich zugehörig. Das mag teilweise so gewesen sein, aber jetzt will ich nicht mehr daran denken. Ich will mich vielmehr an das halten, was mir die Bilder erzählen. Denn die zeigen mir, ich war mittendrin. Ich hatte Spaß! Ich war hübsch! Und fröhlich!

Hier nun ein paar Fotos von meinen Fotos aus den Fotoalben. Schlechte Qualität, aber das gehört so. Zuerst sehen wir Regine auf Klassenreisen. Auf vielen sehe ich uns Mädels einer Mädchenschule eng aneinander gekuschelt und oft zusammen liegend. Köpfe auf Bäuche gelagert, kichernd und gut aufgehoben miteinander. Während dieser Zeit machte ich auch mit ein paar Freundinnen in den Ferien eine Radtour von Hamburg aus an die Ostsee. Wir übernachteten in Jugendherbergen und waren wirklich guter Dinge und außerordentlich vergnügt.

Als Studentin reiste ich mit Kommilitonen nach Irland. Davon gibt es keine Fotos. Dafür etliche aus Frankreich. Damals konnte ich die Hitze noch gut vertragen. Und so braun gebrannt wie damals sah man mich nie wieder. Ich bin das „Mi“.

Mit meinem damaligen Freund reiste ich natürlich auch viel herum. Sehr häufig trafen wir uns mit unseren Freunden irgendwo am Strand, in Dänemark oder im Harz. Diese Reisen habe ja fast vergessen! So viele Wochenenden und Silvesterfeiern mit den unterschiedlichsten Leuten habe ich erlebt! Meine Fotoalben sind voll davon. Ich kann es kaum glauben. Einige von denen leben heute nicht mehr, daran sehe ich, wie viel Zeit seitdem vergangen ist.

Die aufregendste Reise aber führte mich 1980 das erste Mal nach Afrika. Drei Wochen waren geplant, es wurde fast ein halbes Jahr daraus. Vier Freunde kauften einen Bus und einen LKW und bauten diese in der Absicht um, mit einer Reisegruppe durch die Sahara zu fahren und später die Reise allein fortzusetzen, um dann die Fahrzeuge in Kamerun zu verkaufen. Sie taten sich unterwegs mit vier Frauen zusammen und ich war eine davon. Darum verlängerte sich meine Afrikatour. Diese Reise war aufregend, gefährlich und wunderbar. Ich war oft ängstlich, aber auch so naiv, dass ich dachte, wird schon alles gut gehen. Ging es ja auch. Heute bin ich froh, dass meine Söhne solche Reisen nicht unternehmen! Aber heute bin ich ja selbst die Mutter und meine Kinder sind viel vernünftiger, als ich es mit Ende Zwanzig war!

Meine Sehnsucht nach Reisen ist nie verschwunden. Und meine Sehnsucht nach Rudelbildung auch nicht. Ich sehe ein, dass sich vieles verändert hat. Nicht nur draußen in der Welt, sondern auch bei mir. Ich bin älter geworden und körperlich eingeschränkter. Ich reise noch immer gerne mit anderen Menschen zusammen, aber die Abenteuer sind viel gesitteter geworden. Machen trotzdem Spaß!

Diese Zimmerreise ist für mich noch nicht beendet. Für Euch aber schon! Vielleicht besitzt Ihr selbst Fotoalben und könnt Eure eigenen Zimmerreisen unternehmen! Mir hat es großen Spaß gemacht und meine Stimmung ist wieder im grünen Bereich. Ich habe so viel erlebt und gehabt! Mit dieser Erkenntnis lehne ich mich zufrieden zurück und freue mich über den Teil des Lebens, der in den Fotoalben festgehalten wurde.

22 Gedanken zu “Zimmerreisen 3: F wie Fotoalben

  1. Wow! Da hast du aber viele nicht nur persönliche, sondern auch zeitgeschichtliche Schätzchen herausgekramt! Fotos sind sowieso tolle Ausgangspunkte für geistige Reisen, Erinnerungs- und Zeitreisen, emotionale Stationen auch. Schön, wie du über dich schreibst und zugleich damit eine Möglichkeit anbietest, sich selbst daran zu vergleichen.

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  2. Liebe Regine, Deine Zimmerreise gefällt mir richtig gut. Sooo viele schöne Reisen und Erinnerungen. Da kann mir als gelernte DDR-Bügerin tatsächlich nur die Kinnlade herunter klappen, denn so richtig in die Ferne reisen ging ja in meiner Jugend überhaupt nicht, hat mich allerdings als sechtes Kind alter armer Eltern auch nicht wirklich gestört. Auc nach der Wende war ich nicht so der große Wegflieger.
    Liebe Grüße
    Hedwig

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      1. Ja, seit zwei Jahren genieße ich tatsächlich mein wiedergefundens Leben. So eine Trennung hat leider manchmal auch Vorteile. Glücklicherweise haben sich meine Schul- und Studienfreundin wieder gefunden, seit sie verwitwet ist. Uns verbinden ja immerhin acht gemeinsam verbrachte Jahre in unserer Jugend. Auch ihren Mann kannte ich ja recht gut…

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      1. Das kann ich mir vorstellen.
        Manches was man hier als selbstverständlich sieht, ist dort nicht einmal gegeben.
        Wieder mal eine interessante Zimmerreise bei dir Regine.

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  3. Wow, eine tolle Geschichte. Mir gefallen diese alten Bilder, manch eins erinnert mich an meine Jugend und Jugendherbergsreisen 🙂 Aber Afrika und dann ein halbes Jahr, daß ist schon beeindruckend. Und dann durch die Sahara! Du warst ja wirklich ganz schön abenteuerlich drauf. Es hat mir Spaß gemacht, mit dir auf Reisen zu gehen 🙂 Viele liebe Grüße von Almuth

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    1. Diese Reise war wirklich sehr abenteuerlich. Alleine hätte ich so etwas nie gemacht. manchmal war ich auch ganz schön überfordert. Es gab Zeiten, in denen ich nur noch nach Hause wollte, aber ich habe ich nicht getraut, mich alleine zum nächsten Flughafen durchzuschlagen. Ich bereute es trotzdem nicht, das gemacht zu haben. Eine zweite Tour durch die Sahara lief dann auch planmäßiger. Es freut mich, dass Dir die Fotos gefallen haben. Ich war selbst ganz begeistert von meiner Abenteuerlust von damals.
      Liebe Grüße und eine gute Woche wünscht Dir Regine!👋

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