Sand im Getriebe

„Wer bin ich, dass ich euch, die Krone der Schöpfung herausfordere? Nur ein winziger Grenzgänger des Lebens bin ich, und doch habe ich eure schöne globalisierte Welt grenzenloser Freiheit zum Stillstand gebracht.“ Was uns das Virus sagen will, ist klar. Die weltweite Pandemie und die Kontaktbeschränkungen stellen Bürger, Unternehmen und Staaten vor Grundsatzentscheidungen.

Corona hat nicht nur die Schwachstellen unserer Gesundheitssysteme offengelegt, sondern vor allem gezeigt, wie anfällig unsere Demokratien geworden sind, nachdem vorangegangene Krisen sie bereits geschwächt haben und nun die Grundrechte ihrer Bürger immer wieder eingeschränkt werden. Das wirft Fragen von globaler Tragweite auf. Müssen wir ein Wirtschaftsmodell, das für die Entstehung von Corona mitverantwortlich ist und dem Klima weiter einheizt, endgültig aufgeben?

An unterschiedlichsten Drehorten weltweit wird Bilanz gezogen aus dem Pandemiejahr. Dabei kommen Soziologen, Wissenschaftler, Politiker, Philosophen und Strategieforscher zu Wort. Die Dokumentation informiert, erzählt und bewegt gleichzeitig. Ihre bildgewaltige Sprache entfaltet einen Zauber, der von der Wirklichkeit eingeholt wird. Sie ruft die Bürger zu Eigenverantwortung und Solidarität auf. Doch Zukunftsfähigkeit erfordert weit mehr als das.

Arte Mediathek, Text zum Film „Corona: Sand im Weltgetriebe

https://www.arte.tv/de/videos/097044-000-A/corona-sand-im-weltgetriebe/

Eine sehr interessante Dokumentation, die Herz und Verstand berührt und erklärt, warum es ein Zurück zum alten Leben nicht mehr geben darf. Aber ich weiß, wie schwer, ja fast unmöglich, ein Umdenken und Neuhandeln schon für mich alleine ist. Anders denken braucht so viel Zeit und dann fällt das Handeln unendlich schwer. Ich gebe mich zum Beispiel mit der Mülltrennung, dem Verzicht auf Fleisch und dem Reisen in ferne Länder zufrieden. Und weil ich davon überzeugt bin, dass unsere Mobilität zur Verbreitung der Pandemie immer wieder beiträgt, reise ich zur Zeit überhaupt nicht. Ich fühle mich mit meinem grünen Seelen-Anstrich auf der sicheren Seite. Dass es nicht reicht, weiß ich. Auf meinen Lebensstandart möchte ich trotzdem nicht verzichten.

Wie soll denn ein Umdenken und Andershandeln erst in der Gesellschaft funktionieren? Wir haben uns so gut eingerichtet im stetigen Wachstum, mit unseren Maschinen und der Technik. Freiwillig wird es wahrscheinlich kaum gelingen. „Ich bin nur eine kleine Welle im Vergleich zum Tsunami, der mit der Umweltzerstörung auf euch zukommt.“ Sinngemäß äußert sich so das Virus im Film. Mein Verstand stimmt dem zu und das Gefühl ist noch nicht so weit. Es beschwichtigt und der Verstand lässt sich darauf ein. Wird schon nicht so schlimm kommen…..

Dabei ist es schon ziemlich schlimm. Nur nicht hier.

10 Gedanken zu “Sand im Getriebe

  1. Hab`s auch gesehen – und meine Stimmung danach wurde hoffnungsloser, und ich dachte an die Aussage eines Profsohnes der Freundin, der meinte, wir sterben nicht am Virus, wir sterben durch die Auswirkungen der Klimakrise…:-(
    Aber fürs tägliche Leben muss man Hoffnung haben…
    Gruß von Sonja

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    1. Meine Stimmung hat sich nicht verschlechtert. Ich bin froh, das alles mal so gut zusammengefasst wurde und ich die Zusammenhänge richtig begriffen habe. Mein Wissen hat sich sozusagen vertieft. Ich weiß, dass ich das Ruder nicht herumreißen kann. Aber vielleicht fällt mir noch etwas ein, wie ich dazu beitragen kann.
      Dazu kommt natürlich die Sorge um die nächste und übernächste Generation. Die lasse ich noch nicht so richtig zu, denn, wie Du schon sagst, Hoffnung und Lebenslust wollen wir uns erhalten. 💝 Regine

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  2. Habe ich noch nicht gesehen, aber danke für den Hinweis.
    Es ist ja so, dass viele von uns schon so vieles „eigentlich“ wissen. Und doch haben wir uns alle mehr oder weniger eingerichtet und oft denkt der eine, dass sich erst der andere mit mehr Privilegien bewegen soll und der oder die wartet auf jemand drittes. Und so machen wir alle eben weiter wie gehabt. Du hast recht, Bewegung für einzelne Menschen ist schwierig, ungemein träger ist eine Gesellschaft als Ganzes.
    Und dennoch – in „starken“ Momenten versuche ich nicht in Hoffnungslosigkeit zu versinken, sondern mir immer wieder positive Beispiele für das Gelingen von Veränderung vor Augen zu halten und ein kleines Kieselsteinchen zu bleiben, das sich bewegt und andere damit anstubst.
    Liebe Grüße zu Dir auf Deinen Regenbogen
    Ines

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    1. Liebe Ines, Hoffnungslosigkeit bringt uns erst recht nicht weiter. Ich denke, es ist wichtig, wenn wir unsere Augen vor dem Wissen nicht verschließen. Erst so sind Veränderungen im Großen möglich. Zum Glück gibt es Menschen, die sich jetzt schon mutig für Veränderungen einsetzen. Das Bild vom Kieselsteinchen nehme ich mit in den heutigen Tag. Liebe Grüße vom🌈! Regine

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  3. Danke für den Tipp – diesmal wars mal einer, den auch ich sehen kann 😉
    Die Aufnahmen aus dem Altenheim waren hier in der Nähe, geht dann irgendwie nochmal ein Stückchen näher.
    Ich mag deine Liste der „das kann ich tun“, vielleicht kannst du da noch regionales und saisonales Einkaufen hinzufügen – auch damit kann geholfen werden 🙂
    Zusätzlich zu deiner Liste, bin ich schon seit einer Weile weg vom „immer mehr“, bei mir wirds immer weniger und das bekommt mir sehr gut.
    Jeder kann was tun, und du hast mit diesem Beitrag vielen das Thema nochmal ins Bewusstsein gerückt 🙂

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    1. Ich danke Dir für Deinen Kommentar. Als ich die Dokumentation sah, dachte ich tatsächlich ab und zu an Dich. Ist ja interessant, dass Du das Altenheim kennst.

      Ich lebe schon lange umweltbewusst und „Immer mehr“ war noch nie mein Ding. Dachte ich. Aber wenn ich mir mein Tun genauer anschaue, stelle ich fest, dass ich da, wo es mir richtig wehtun würde, nichts unternehme. Ein Beispiel: Ich wohne allein in einem Reihenhaus. Ich möchte das nicht ändern und genieße den Luxus. Obwohl ich es besser weiß. Und genau dieses Verhalten sehe ich bei allen Menschen, die ich kenne. Liebe Grüße! Regine

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