Liebe

Liebe

Manchmal berühren mich Filme. Gestern hatte ich, als ich folgende Frage hörte, so einen Moment:

Wie konnten wir denn lernen zu lieben?

Meine Eltern und Großeltern hatten es aus nachvollziehbaren Gründen schwer mit der Liebe. Ich konnte bei ihnen nicht lernen zu lieben und verirrte mich im Spiegelkabinett der Scheingefühle.

Ich söhne mich mit meinem vermeintlichen Versagen aus. Ich sortiere meine Emotionen und komme der Liebe näher. Ich beginne zu verstehen. Ich sehe, was von der Liebe meiner Eltern übrig bleibt. Davon gibt es mehr als ich wusste. Und jetzt bin ich sicher: Meinen Mann habe ich geliebt, auch wenn wir so oft zu kämpfen schienen. Jetzt weiß ich, warum. Wir haben nicht gelernt die Liebe zu spüren und auszudrücken.

Meinen Kindern scheint das Lieben ein wenig besser zu gelingen. Darüber bin ich sehr froh. Und ich liebe sie sehr!

Dazu der Film: Leanders letzte Reise – Film in voller Länge | ARTE

Doch ganz schön

Als es dunkel wurde, begann der Schnee zu glitzern und zu funkeln. Ich wunderte mich sehr und war hingerissen von dieser Schönheit. Ein Sparziergang war nun fällig, denn das Winterwetter schien jetzt doch ganz schön zu sein. Ich zog mich warm an und stapfte los, nämlich hinten raus durch den Garten. Dort war ich schon lange nicht mehr. Schneegestöber hat mich weitgehend im Haus gehalten und Schneeschieben war nur vorne dran. Also ging ich hinten raus und ehe ich mich versah, versank ich im Carport in einer Schneewehe so hoch wie meine Beine lang sind. Also fast! Meine Güte, dachte ich, das muss weg, bevor es noch höher wird. Oder Tauwetter einsetzt, denn wenn das hier erst eishart geworden ist, komme ich wochenlang nicht weg mit dem Auto. Ich will nicht Autofahren, aber spätestens nächste Woche muss ich zum Einkaufen. Leider gibt es im Landkreis keinen Lieferdienst, so wie in Berlin. Mein Sohn erzählte mir von seinem Lieferdienst und ich dachte, das will ich auch. Kein Lieferdienst in der Provinz. Nur Paketdienst. Aber jetzt komme ich von der Glitzerwelt ab, von der ich ja eigentlich berichten wollte.

Vor der Arbeit aber wollte ich Vergnügen und so schlitterte ich meinen kleinen Rundweg entlang. Das Weihnachtshaus war noch voll beleuchtet, was im Schnee ja toll aussah, aber mir wurde trotzdem nicht weihnachtlich zumute, obwohl die Kirchenglocken bimmelten. Nein, Weihnachten ist vorbei! Aber Schnee ist trotzdem schön. Tausend Milliarden Diamanten schienen einfach nur so herumzuliegen. Damit wäre die Krise finanzierbar, dachte ich, wenn der Schein nur nicht trügen würde. Der zauberhafte Eindruck war trotzdem wahr.

Wieder zu Hause angekommen, schippte ich meine Schneewehe aus dem Carport und atmete heftig. Das ist auch Sport, dachte ich. Und zu guter Letzt versuchte ich im Garten das glitzernde Gefunkel festzuhalten, was natürlich nur unzureichend gelang. Schnell ging es wieder in die gute Stube und ich fand sie in diesem Augenblick besonders gemütlich.

Wer weiß?

Wer weiß?

Wetter findet statt. Nur ohne Schnee. Nicht so schlimm. Kommt vielleicht noch. Vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon? Zumindest weht ein kalter Wind. Ich werde hübsch zu Hause bleiben. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht gehe ich gleich wieder ins Bett und lese ein Buch. Oder ich koche mir etwas Schönes. Oder ich gucke die zwölfte Staffel von der Big Bang Theory. Die anderen elf sind erledigt und ich träume schon von denen. Aber vielleicht gucke ich auch nicht. Vielleicht höre ich Musik, vielleicht sortiere ich den Wäscheschrank. Und vielleicht kommt der angekündigte Schnee doch noch hier an. Wer weiß? Eine moderate Kälte ist ja schon da.

Die Zeit vergeht, das ist klar. Aber wie ich sie heute fülle, ist ungewiss. Neugierig begebe ich mich vielleicht in die Küche und suche nach Sensationen im Kühlschrank. Oder ich schmeiße mich auf das Sofa und verkrieche mich unter ein Kissen. Oder ich treibe Sport auf dem Crosstrainer. Nö, das wohl eher nicht. Vielleicht ein Tänzchen wagen? Kein Vergnügen mit den steifen Gelenken. Aber tanzen muss ja nicht vergnüglich sein, oder? Ist Sofasitzen schließlich auch nicht immer. Aber das hat alles keinen Nachrichtenwert. Oder doch? Wer weiß?

Ich wünsche Euch allen einen gemütlichen Sonntag! Und denen, die sich im wirklich schlimmen Wetter befinden, wünsche ich, dass alles gut geht und dass Ihr es schön gemütlich habt!💝

Wetter

Dieses Wochenende wird ein sportliches!

Das heißt

ich muss früh raus

aus dem warmen Bett

und den Weg freihalten

von Schnee und Eis

so ein Sch…..

Frust sagt

keine Lust

😫

Gerade fallen die Flocken

so dicht

und nehmen mir die Sicht

nun sag ich es genauer

das war nur ein Schauer.

😅

Aber wie auch immer

wahrscheinlich wird es schlimmer

auch Sturm ist angesagt

starke Nerven sind gefragt.

😬

Nein, nein, nein,

ich finde das nicht fein.

Aber so schrecklich wie 1978/79

wird es wohl nicht wieder werden

denn hier auf Erden

habe ich schon genug

Probleme!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

🌈

Na gut, was soll ich machen

denn bei solchen Sachen

habe ich kein

Mitspracherecht

das ist schlecht

😢

aber nicht zu ändern.

Zimmerreisen 1: C

Zimmerreisen“ ist ein spannendes Schreibprojekt. Genaueres findet Ihr hier: https://puzzleblume.wordpress.com/2021/01/08/zimmerreisen-01-2021/ Wie Ihr wisst, habe ich aus bekannten Gründen wenig zu tun außer zu wohnen. Also mache ich mit und danke Almuth (naturaufdembalkon – Für mehr Natur in der Stadt und auf dem Land ! (wordpress.com)) für den Tipp und puzzleblume für die Anregung.

C, der dritte Buchstabe im Alphabet, der nicht immer alleine für sich steht. Er Hilft dem H zum ch und dem K zum ck, ohne C kein Sch. Ein vielseitiger Buchstabe eben! Ich schaue mich im Zimmer um und gucke nach meinen persönlichen C-Sachen.

Mein kleines Corona fällt mir als erstes ins Auge. Er erinnert mich daran, warum alles so ist, wie es ist. Aber das taugt jetzt nicht zur Zimmerreise. Keine Lust. Ich suche mir etwas anderes und begebe mich in mein Arbeitszimmer. Na klar! Computer!!!!

Mein Computer ist mir ein guter Freund geworden. Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich ohne ihn, denn es gibt ihn noch längst nicht so lange wie mich. Mein Mann hatte schnell einen gekauft, sobald er erschwinglich wurde und meine Söhne waren begeistert. Ich wollte das nicht. Technik und so…..

Ich begann eines Tages eine Ausbildung zur Ehe-und Lebensberaterin. Lange Protokolle meiner Beratungsstunden mussten getippt werden, viele Seiten mit der elektrischen Schreibmaschine, die mir sehr fortschrittlich vorkam. Meine Männer legten mir das Schreibprogramm auf dem PC nahe. Vorsichtig tastete ich mich heran. Und siehe da! Protokolle und Seminararbeiten schrieben sich viel leichter. Und überhaupt wurde das Internet dann auch ganz interessant. Witzig war der Augenblick, als sich einer meiner Söhne abmühte, mir die Grundlagen zu erklären. Er tippte hier, er tippte da und ist doch leicht oder? Nein, vom Zusehen lernte ich nichts und verstand seine Wörter noch viel weniger. Er gab dann auf und verließ händeringend mein Zimmer mit den Worten: „Die weiß ja gar nichts!“😂 Er hatte recht. Und dazu passt folgende Geschichte ganz wunderbar!😂 Die Schreibmaschine – YouTube

Im Laufe der Jahre arbeitete ich mich ein. Unterrichtsvorbereitungen, Mails, digitale Fotografie wurden immer selbstverständlicher. Heute kann ich mir ein Leben ohne Computer nicht mehr vorstellen. Doch immer wieder staune ich über ihn. Ich verstehe nicht, wie er funktioniert. Was ein Computer alles kann, scheint mir zu den Wundern dieser Welt zu gehören.

Mit meinem Computer kann ich so viel unternehmen, ohne mich groß zu bewegen. Ich reise in fremde Welten, gucke Filme, sehe meine Lieben beim Telefonieren, besuche Museen und Seminare, kaufe ein, lerne Vokabeln🤦‍♀️ äh….ja, könnte ich jedenfalls machen, bearbeite meine Fotos, bin künstlerisch tätig und buche meine Reisen. Ich könnte mich sogar alle elf Minuten verlieben, wenn ich es könnte. Hat bis jetzt nicht geklappt. Bei mir werden es wohl alle elf Jahre…….😂

Am interessantesten aber ist das Bloggen, welches ich mit Rentenbeginn entdeckte. Hier kann ich meine überschüssige Kreativität loswerden, die sich während der Zeit ohne Beruf aufstaute. Ich kann Euch besuchen, wann immer es mir passt, ich könnte bei unendlich vielen Menschen vorbeischauen, wann immer ich wollte. Das ist natürlich kein Ersatz für reale Begegnungen, aber in Zeiten der Pandemie doch so wertvoll geworden. Ich liebe das Betreiben meines Blog sehr. Fotografieren und das Schreiben machen mehr Freude, wenn ich die Ergebnisse in die Welt schicken kann. Ich bin damit Teil einer Gruppe geworden, während ich ganz friedlich am Schreibtisch sitze.

Hier auf dem Regenbogen könnte ich tausend phantastische Abenteuer erfinden, wie ich es zum Beispiel mit meinem Frosch Misi tat. Mit ihm die Welt aus der Froschperspektive zu erleben war so lustig! Misi hat übrigens seine eigene Kategorie im Regenbogen!

Der Frosch ist mir leider während der Pandemie verloren gegangen. Aber beim Stöbern im Regenbogen begegne ich ihm wieder. Überhaupt kann ich im Blog hervorragend in meine eigene Vergangenheit reisen. Früher habe ich Tagebuch geschrieben, heute Blog!

Ich gehe fast jeden Tag mit meinem Computer auf eine mentale Reise. So ist meine reale Fast-Isolation gut zu ertragen, denn ich bin mit der Welt verbunden. Wie ist das schön!

Erledigt

Ich brauche demnächst ein neues Rezept für meine Medikamente. Was ich in jungen Jahren so nebenbei erledigte, wird jetzt sehr ausführlich geplant. Wann rufe ich an? Wann hole ich mir das Rezept aus der Praxis? Wie komme ich dahin? Und wenn ich es habe, geht es weiter mit der Logistik. Wann gehe ich zur Apotheke? Wie komme ich dahin? Wo ist überhaupt mein Mund-Nasenschutz, den ich noch anziehen darf? Und warum ist immer alles so kompliziert?

In stillen Zeiten wächst die Bedeutung der eigentlich alltäglichen Aufgabenbewältigung. Also das Abenteuer „Rechtzeitige Medikamentenbesorgung“ beginnt am Montagnachmittag.

  1. Wetterbericht checken: Oh je, Schnee und Eis und Wind und Wetter! Und es wird die nächsten Tage immer schlimmer. Also lieber früher als später…..
  2. Schnell in der Praxis anrufen. Der AB teilt mit, das aus organisatorischen Gründen das Telefon nur vormittags besetzt ist. Gut, dann eben nicht.
  3. Am nächsten Tag Anruf in der Praxis. Ich komme sofort durch und soll mir morgen das Rezept abholen.
  4. Am nächsten Tag Schneematsch und Nieselregen. Die Praxis liegt am anderen Ende der Stadt, nämlich da, wo ich früher wohnte. Also das Auto nehmen? Weiß nicht so recht. Fahrrad? Auf keinen Fall, es ist einfach zu rutschig. Zu Fuß gehen? Schaffe ich das noch? Ja, wahrscheinlich, wenn auch unter Schmerzen. Schaffe ich das im Schneematsch und mit Nieselregen? Jetzt ist aber mal gut! Wenn ich zu Fuß gehe, komme ich auf dem Rückweg an der Apotheke und der Sparkasse vorbei. Außerdem muss ich noch einen Brief einstecken. Das könnte ich auf dem Hinweg machen. Ich habe großes Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft.
  5. Was in jungen Jahren fast täglich gemacht wurde, nämlich meine kleine Stadt spaziergehenderweise zu durchqueren, wächst sich im Alter zu einem Abenteuer aus, das gut vorbereitet werden will. Schirm suchen, Handtasche packen, Schirm finden, Mund-Nasenschutz einstecken, noch mal zur Toilette gehen, Stiefel anziehen, ach du meine Güte, das wird auch immer komplizierter, muss ich mich doch neuerdings dabei hinsetzen, das war früher auch anders, Jacke an, Handschuh an, Haustür von außen zuschlagen und Schlüssel vergessen? Nein, ist in der Handtasche. Ich werde auch immer vergesslicher! Endlich ist es so weit und ich wackle los.
  6. Nieselregen hört auf. Vorsicht ist angesagt! Bloß nicht ausrutschen! Langsam, langsam! Straße überqueren und weiter gehts. Rechts rum, links rum, geradeaus. Oh, da ist ja schon der Briefkasten. Erste Aufgabe erledigt. Weiter zur Praxis. Straße überqueren, links rum, rechts rum, geradeaus.
  7. Rein in die Praxis. Hände desinfizieren und Maske auf. Ich schwitze sofort unter der geforderten FFP 2-Maske, sobald ich sie auf dem Gesicht habe. Ich trauere um meine wunderbare Livinguard (Vorsicht: Werbung!). Zum Glück komme ich gleich dran, schiebe meine Krankenversichertenkarte nicht tief genug in den Schlitz, was mir aber nicht verübelt wird. Sie wissen ja, wie alt ich bin und das Alte mit Technik oft nicht so gut zurechtkommen. Ich bekomme mein Rezept mit der Anmerkung, dass Herr Doktor mir rät, mich bald zur großen Untersuchen anzumelden. Ich bin mal wieder dran und finde das gut. Auch, dass Herr Doktor daran denkt, mich zu erinnern. Ich warte aber auf besseres Wetter, bevor ich mich groß untersuchen lasse.
  8. Auf dem Rückweg gleich rein in die Apotheke! Medikamente sind vorrätig und ich bin richtig glücklich!
  9. Auch die Sparkasse ist schnell erledigt. Wie schön! Mein Konto sieht gut aus. Eine kleine, aber feine Rückzahlung ist bei mir angekommen. Super! Dafür schicke ich meinen Kindern etwas Schönes.
  10. Langsam und stolz gehe ich nach Hause. Vier Aufgaben an einem Vormittag erledigt! Und dazu habe ich noch für ausreichende Bewegung gesorgt. Es beginnt zu regnen, sobald ich mein Haus betrete. Gut so, so soll es sein! Den Rest des Tages nehme ich mir frei!😂
  11. Ach nein, die Papiertonne muss noch raus gestellt werden. Aber dann ist wirklich Feierabend!

Anstrengend, aber machbar

Anstrengend, aber machbar

Jetzt ist es draußen so glatt, dass ich lieber Zuhause bleibe. Wenn ich stürze, breche ich mir vielleicht ein paar Knochen. Das will ich nicht.

Darum bin ich gerade genervt und zudem setzt sich der Gedanke, dass ich seit fast einem Jahr die meiste Zeit alleine bin, in mir fest. Das ist doof, weil es mir ja gut geht.

Vor Corona war ich auch alleine, klar, aber nicht so! Ich hatte Termine, ich traf Freundinnen und meine Kinder, ich ging schwimmen, ich besuchte selten, aber regelmäßig kulturelle Veranstaltungen. Ich unternahm Reisen mit Freundinnen, besuchte die Volkshochschule und Spieleabende und so weiter und so fort. War nicht jeden Tag etwas los, aber immerhin hatte ich immer etwas, worauf ich mich freuen konnte.

Ich entscheide mich, die Pandemie ernst zu nehmen. Vielleicht nehme ich sie auch zu ernst, denn hier sind die Fallzahlen nicht hoch. Vielleicht könnte ich doch mehr unternehmen, andere machen es ja auch. Nein, das Ganze locker zu nehmen, ist nicht mein Ding. Ich halte mich an die meisten Regeln, die ich vernünftig finde, weil mir nichts anderes einfällt. Daraus folgt eben die einjährige Fast-Isolation. Wenn ich mich mit Menschen treffe, ist das nie so richtig unbeschwert. Geht ja vielen von Euch ähnlich.

Manche Menschen, die ich kenne, haben es in dieser Beziehung vielleicht leichter. Sie leben mit ihren Familien oder Partnern zusammen. Die meisten arbeiten und sind mit den beruflichen Kontakten ausgelastet. Natürlich haben sie dann andere Probleme zu bewältigen.

Für einige ist die Vorsicht sowieso Quatsch und sie machen sich ihre eigenen Regeln. Wahrscheinlich geht es denen etwas besser, sofern sie sich und andere nicht anstecken.

Also, denke ich, was mache ich nun mit diesem Gedanken: Ich bin seit fast einem Jahr mehr oder weniger allein. Er beschwert mich, er nimmt mir die Lebensfreude. Ich will ihn ziehen lassen, sobald er auftaucht. Er soll sich gar nicht erst festsetzen. Ich stemme mich dagegen, ohne ihn zu verharmlosen.

Es wird wieder anders werden. Sobald es Schnelltests für alle in der Apotheke zu kaufen gibt, wird mich das ein wenig entlasten. Das soziale Leben wird sich wieder in die fühlbare Realität verlagern. Und bis dahin bin ich eben virtuell unterwegs und am Telefon. Das ist alles anstrengend, aber machbar, denn es geht mir (eigentlich) gut.

Und glatt wird es draußen ja auch nicht ewig bleiben.

Montag, 210201

Berührt mich sehr!

wupperpostille

1234, das war immer gut zu merken. Die Geburtsdaten meines Vaters, der heute 87 wird. Ein unvorstellbares Alter – für mich. Er, meine Mutter und alle aus dieser Generation haben als Kinder in Bombenkellern gesessen und sich beschissen vor Angst. Sie hatten mehr als dysfunktionale Familien, sie lebten größtenteils im puren Beziehungschaos. Sie haben gehungert und in zugigen Löchern zu sechst in winzigen Zimmern gehaust. Umgedrehte Tische dienten den Kindern als Bett, für die Nacht. Sie lebten tagtäglich mit der Angst. Zunächst die Angst, aufzufallen und irgendwann zu „verschwinden“, wie die Nachbarn, letztens. Dann die Angst vor dem Feuer, vor den Bomben, vor den Tieffliegern in den Straßen, die so tief flogen, dass die Gesichter ihrer Piloten zu erkennen waren, die auf alles schossen, was sich bewegte. Die Angst vor dem blanken Tod. Später dann die Angst, verhungern zu müssen.

Sie entwickelten ihre Strategien, mit alledem klar zu kommen, nachdem…

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