Videokonferenz

16.00 Uhr: In zwei Stunden ist es soweit. Die erste Videokonferenz meines Lebens steht an. Ich freue mich. Ich weiß, wo ich sitzen will, mein Laptop steht bereit und funktioniert. Ich mache mich chic so gut es geht. Meine Wimperntusche ist fast eingetrocknet. Meine Haare ohne Frisur. Ich knote sie hinten einfach zusammen und schneide den Pony selbst. Sieht ja sowieso meist niemand. Obwohl gestern beim Einkaufen hatte ich schon Blickkontakt mit einem anderen Kunden: Wir trafen uns beim Gemüse und später beim Brot. Wir achteten auf Abstand und bleiben abrupt stehen oder machten einen Bogen umeinander. Oder gingen schnell vorwärts, wenn der andere ein Zeichen gab. War lustig und ich fand, es sei ja fast wie tanzen. Über diesen Einfall musste er lachen. Vergnüglich das Ganze.

17.00 Uhr: In einer halben Stunde kann ich mich zuschalten. Was ziehe ich an? Gefühlt werden sie alle gleich zu mir kommen. Dabei sind es nur die Bilder im Laptop. Auf diese freue ich mich tatsächlich. Sehnsucht nach Rudelbildung ist groß, und sei es nur der Lesebeirat. Mein Outfit steht nach einer halben Stunde, beziehungsweise ich habe es an, das Outfit. Sagt man das so? Egal. ich bin schon fünf Minuten zu spät. Beruhigend ist, dass ich alles so gut vorbereitet habe. Sogar Taschentücher, Schreibzeug, Notizen und ein Glas Wasser liegen und stehen bereit und dann ist es…….

17.35 Uhr: Laptop hochfahren und einloggen. Funktioniert!!!! Hurra! Auf Anhieb. Ich sehe schon einige Lesebeiratsmenschen, den Redakteur und mich auch. Das ist in Ordnung, denn die Bilder sind klein. Ich winke und einig winken zurück. Das Bild friert ein, der Ton ist weg und ich fliege raus aus der Gruppe und dem Internet. Einloggen, sich zurückmelden und raus fliegen. Prima. Was nun? Wahrscheinlich funktioniert mein WLAN am gewählten Ort nicht so richtig. Stimmt. Da war ja mal was. Ich nehme den ganzen Krempel und begebe mich in die „Abstellkammer“, in der sich mein Router befindet.

18.00 Uhr: Meine sorgfältigen Vorbereitungen sind obsolet. Der Hintergrund fatal, die Lichtverhältnisse auch und ich bin ein Schattenbild meiner selbst. Aber ich bin dabei! Ich hocke auf dem Stuhl und beuge mich zum Laptop runter. Das wollte ich vermeiden wegen Doppelkinnbildung. Aber egal, ich bin dabei und gebe meinen Senf dazu. Ich höre, wie es der Redaktion ergangen ist und welche Probleme die Zeitung hat. Wir bringen unsere Sicht der Dinge ein. Ab und zu fällt alles in sich zusammen und baut sich wieder auf. Aber das liegt nicht an meiner Verbindung. Manchmal schalte ich meine Kamera aus. Ich will den anderen die Einsicht in meine Nasenlöcher ersparen, wenn ich mich weit vorbeuge, um sie scharf zu sehen. Das geht mit meiner Lesebrille nur aus der Nähe. Aber egal, andere verschwinden auch hin und wieder.

19.30 Uhr: Konferenz beendet. Schade. Es war so schön sich in einer Gruppe zu treffen, sich auszutauschen, Gedanken laut werden zu lassen und zuzuhören, was andere zu sagen haben. Wie sehr mir das doch fehlt! Im Kalender steht jetzt der erste Termin des Jahres: 30. April, 18.00 Uhr. Ich bin gespannt auf den Bericht über diese Konferenz. Dann stehe ich mal wieder in der Zeitung. Mit Bild und Namen. Ich bin eine öffentliche Person! Für ein paar Minuten jedenfalls.

19.45 Uhr: Ich habe das gut gemacht, denke ich während ich Ordnung schaffe, mich abschminke und mich in die gute Stube auf das Sofa begebe. Dort taue ich allmählich wieder auf, denn in der Abstellkammer war es doch recht kühl. Schön, mal etwas anderes erlebt zu haben.

Und heute stelle ich fest, dass mein neuer Drucker den Geist aufgab. Er scannt und kopiert nicht mehr. Irgendwas ist immer! Auch wenn es gerade nichts zu scannen und kopieren gibt, macht es mich ganz wuschig, dass ich mich schon wieder um die blöde Technik kümmern muss.

Aber erst einmal ist Wochenende. Mir ist das egal, aber der arbeitenden Bevölkerung wünsche ich ein gutes!

7 Gedanken zu “Videokonferenz

      1. Drucker sind überbewertet. Ich habe in meiner kleinen Wohnung keinen Platz für einen Drucker und stelle fest: es geht auch ohne. 😉
        (Hätte zur Not aber Freundinnen, die aushelfen würden!)

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      2. Seit ich in Rente bin, nutze ich ihn auch immer weniger. Aber ab und zu eben doch. Und vorhin stellte ich fest, dass er seine Arbeit tut, wenn ich ihn ganz oft schnell an und aus schalte. Entdecke ich also meine strenge Seite mal wieder……

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      3. Ich habe entdeckt, dass bei einem Drucker, den man selten benutzt, die Druckerpatrone eintrocknet. Aus diesem Grund hab ich meinen nicht mehr angeschlossen, denn die Patronen sind ja teuer.

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