Am Wochenende rief mich eine Jugendfreundin an, mit der ich über zwei Jahre nicht gesprochen habe. Wir kennen uns schon so lange, dass die alte Vertrautheit sofort wieder da ist. Sie ist ein Teil meiner freiwilligen Familie. Ich freute mich so!

Wir quatschten und lachten und erkannten, dass wir älter geworden sind, obwohl wir uns noch so jung fühlen. Ihr Mann, den ich auch sehr gut kenne, wird bald 70. Stell Dir mal vor! Siiiiiiebzig! Kaum vorstellbar. Und ich bin nächstes Jahr dran, sagte ich. Ach du Schreck. Er neckt sie damit, dass er mit dem Impfen noch vor ihr dran sein wird. Hahaha. Alter hat auch Vorteile! Und sonst so? Ja, sie macht jetzt wieder Sport. Also gerade nicht, denn sie hat zu schnell zu viel gewollt und jetzt tun ihre Knie so weh, dass sie sich kaum rühren kann und ich kann das sofort verstehen. Und man wird immer dicker! Aber sonst ist alles gut und man dümpelt so vor sich hin als Rentner!

Man dümpelt vor sich hin, ein besseres Wort gibt es gerade nicht für das, was wir tun. Alles ist soweit gut, wenn man mit dem Dümpeln zufrieden ist. Es sich zu Hause gemütlich machen, lange schlafen, Zeitung von vorn bis hinten lesen (einschließlich Werbung) und ja, ein wenig Wohnung putzen auch. Lesen und Fernsehen und sporteln. Aber das bitte nicht übertreiben. Denn wir sind nicht mehr so jung, wie wir mal waren. Was hatten wir für einen Spaß damals! Und dann erzählten wir von den Serien und Büchern, die wir in den letzten Wochen gesehen und gelesen haben. Man erlebt ja sonst so wenig. Und wir lachten und wurden ernst, denn wir haben auch Sorgen. Und unheimlich wird es uns auch. Und wenn sich die Situation ein wenig entspannt und es wieder wärmer wird, schnallen wir unsere Räder auf das Auto und treffen uns. Ja, das machen wir ganz bestimmt und schön, dass wir gequatscht haben. Tun wir bald wieder und bis dann! Bleib gesund!

Das Wochenende war gerettet und ich machte mich bereit, gemütlich weiter vor mich hin zu dümpeln. Die Zeit verging recht schnell und wenn der Tatort erst beginnt, ist auch der Sonntag bald erfolgreich gelaufen!

Und heute ist das Wetter so schlecht, dass ich drinnen bleibe und nichts tue, denn Essen ist fertig, einkaufen werde ich morgen oder übermorgen und auch sonst ist fast alles getan. Man muss sich die Aufgaben gut einteilen, damit man morgen auch noch welche hat. Pure Luxusprobleme, ich weiß! Mein Bauchgefühl grummelt und ich überlege, ob ich etwas angestellt habe. Nö, fällt mir nichts ein. Ich habe auch nichts vergessen oder kaputt gemacht. Obwohl mir vorhin mein Kugelkaktus von der Fensterbank gekugelt ist. Aber der Schaden ist schon längst behoben und Kugelkaktus wurde mitsamt seinen zahlreichen Kindern in einen neuen, großen Topf gepflanzt. Und warum müssen die Biester bloß so stachelig sein? Also, alles ist in Ordnung.

Wahrscheinlich grummelt mein Bauch nur, weil ich so wenig erlebe und draußen so viel Ungewisses passiert, was ich nicht beeinflussen kann. Ich kann mich verkriechen und hoffen, dass meine Lieben gesund bleiben. Es ist doof, sagt mein Sohn, aber was soll man machen? Meine Kinder müssen damit zurechtkommen, den ganzen Tag mit Mund-Nasenschutz zu arbeiten und mit anderen Menschen zusammenzukommen. Das sind wieder ganz andere Hausforderungen. Ich muss ja nur dümpeln und das tue eigentlich auch ganz gerne. Allerdings nicht monatelang.

Die Pandemie kostet Kraft. Das sollten wir nicht vergessen. Und wenn ich mein Spiegelbild betrachte sehe ich die Anstrengung. Meine Augenringe sind beträchtlich.

11 Gedanken zu “Dümpeln

      1. Das ist möglich. Du liest es so, wie es bei Dir ankommt. Das ist normal. Ich fühle mich nicht übermäßig ängstlich, traurig oder bedrückt. Alle Gefühle sind schon da, aber viele andere auch. Ich beschreibe Momentaufnahmen und es ist nicht so leicht, neue Themen zu finden. Und dümpeln ist nicht so schlecht!

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      1. So mache ich das auch: Schöndenken. Und im Moment habe ich ja auch noch nichts auszustehen: Rente kommt, Haus ist groß, Garten gedeiht, Farben und Pinsel liegen bereit, jede Menge Bücher und DVDs sind vorhanden, Fernseher ist neu, meine Lieben sind gesund, die Kinder kommen gut zurecht und Telefon verbindet mit der Außenwelt. Aber ich bin allein und das ist blöd. Aber eben auch nicht so furchtbar schlimm, solange ich mir noch zugestehen kann, ab und zu traurig sein zu dürfen. 💐 Liebe Grüße! Regine

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  1. „… man dümpelt so vor sich hin als Rentner!“
    Du bringst es auf den Punkt. Corona und bei mir die pflegebedürftige Mutter, Hausarbeit und Dümpeln – Erfüllung ist doch wahrlich anders, oder??????????????????????

    Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten!!!

    Liebe Grüße dir,
    Anna-Lena

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    1. Dümpeln kann durchaus auch kreative Momente haben! Die Gedanken werden „tiefer“. Kann sein, dass ich es so empfinde, weil ich alleine lebe und weder Eltern, Tiere noch Partner habe. Mir fehlen aber natürlich die Impulse von außen und die (körperliche) Nähe zu meinen Lieben sehr! Ist doof, aber was soll man machen? Das Beste, was geht! Liebe Grüße! Regine

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