Ich war einmal eine berufstätige Frau mit Abitur und Staatsexamen und habe mehrere Weiterbildungen erfolgreich absolviert. Ich zog meine Kinder groß (über 1,85!), so dass sie heutzutage wohlwollend auf mich herabblicken. Beide stehen fest im Leben und in liebevollen Beziehungen. Und jetzt bin ich im Ruhestand. Unruhe hatte ich genug im Leben. Ich lebe also im Einklang mit mir und meinen Sachen.

Wenn nur diese dämliche Technik nicht wäre. Die bringt mich ab und zu aus dem mühsam erworbenen Gleichgewicht.😫 Vielleicht erinnert Ihr Euch: ich musste einmal einen neuen Router anschließen, meinen neuen PC in den Griff kriegen, meinen neuen Schreibtischstuhl aufbauen (trägt mich immer noch!), meinen neuen Rasenmäher montieren, meinen neue DVD-Player anschließen und einstellen, meinen neuen Fahrradträger nach einem Jahr Wartezeit nutzen (Fahrrad ist nicht abgefallen!) und zuletzt habe ich mir blitzschnell einen neuen Fernseher besorgt.

Und im Dezember muss mein Auto zum TÜV. Obwohl ich das schon einige Male durch und auch geschafft habe, ereilt mich doch gerade wieder eine innere Unruhe. Mein Auto muss durch den TÜV! Ich atme tief ein und aus. Ehrlich gesagt, ist es doch ein ziemliches Steh-Auto. Muss aber trotzdem zum TÜV. Im Dezember. Also bald.

Ich will es in der Werkstatt meines Vertrauens anmelden. Vielleicht erinnert Ihr Euch an mein Felgen-Drama. Das war auch so ein schwer zu bewältigendes Ding, bis ich eben diese Werkstatt mit den überaus freundlichen Mitarbeitern fand, die zudem fußläufig auch mit Kniebeschwerden gut zu erreichen ist. Und Ihr würdet Euch köstlich amüsieren, wenn Ihr wüsstet, was gerade in mir abgeht! Soll ich persönlich zur Werkstatt oder anrufen? Und was soll ich sagen? Ich habe doch keine Ahnung von Autotechnik. Und wieso denke ich, ich würde das nicht hinkriegen? Bescheuert.

Und dann nehme ich endlich das Telefon in die Hand und wähle die richtige Nummer und weiß das Autokennzeichen und bin in der Lage, mein Begehren freundlich zu formulieren. Lässig streue ich ein paar Fachbegriffe ein und der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung rückt einen Termin heraus. Nicht vor 10 Uhr und am 3. Dezember. Bis dahin werde ich die nötigen Papiere zurechtgelegt haben, Waschstraße locker hinkriegen und den Heidesand entsorgen. Kein Problem.

Aber das nächste wartet schon auf mich, hört das denn nie auf? Die Zeitungsredaktion will die Mitglieder*innen des Lesebeirats, der wir wissen warum in diesem Jahr noch nicht stattfand, per Videokonferenz wieder aufleben lassen. 😳Nun heißt es, den alten Laptop suchen und hoffen, dass er sich hochfahren lässt. Und dann weiß ich noch nicht, wie das mit der Videoschalte geht und wie ich das technisch handhaben soll und überhaupt sehe ich am Bildschirm nicht besonders gut aus und hoffentlich stelle ich mich nicht zu blöd an.

Ihr seht, mein Leben ist nicht langweilig und ständig nutze ich die Gelegenheit, mich zu beunruhigen. Das will ich gerne ändern. Ich will endlich die technischen Herausforderungen mit einem: „Ja, ich schaffe das!“ freudig begrüßen. Also aus dem Ruhemodus in den Ich-will-lernen-und-liebe-die-Abwechlung-Modus wechseln.

Och nö. Eigentlich liebe ich das beschauliche Leben!

6 Gedanken zu “Ich schaffe das sowieso!

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