Eins ist sicher

Unsicherheiten aushalten. Gut, das übe ich gerade. Nicht so gut geht es mir im Moment damit. Aber immerhin weiß ich, warum ich mich so schwammig fühle. Und ich weiß, was dagegen hilft. Bewegung in der frischen Luft! Ich steige auf das Fahrrad und bewege mich heute einmal nicht durch die freie Natur, sondern durch mein kleines Städtchen. Mal sehen, wohin der Weg mich führt.

Na gut, das ist eher Stadtrand. Schon geht es mir ein wenig besser. Ich vermisse das erste Mal in diesem Jahr meine Handschuhe, als ich mich in die Innenstadt begebe. Es ist doch herbstlich kalt geworden.

Ohne Plan fahre ich irgendwie irgendwohin und lande am Friedhof. Das ist ja super und wird meine Stimmung gleich aufhellen. Zuletzt war ich mit meinem Mann vor vielen Jahren hier. Ich denke an ihn und irgend etwas treibt mich an, mein Fahrrad abzustellen und über den Friedhof zu schlendern. Nachdenklich stimmen mich die Geburts- und Todesdaten. Viele Menschen durften nicht so lange leben wie ich.

Ich entdecke bekannte Namen, natürlich, Kleinstadt eben. Mir wird ganz schwindelig vom Grabschmuck. Auf vielen Gräbern befinden sich Engel, Fotos, Spielzeug, Fußball-Fan-Artikel und anderes. Ich fotografiere das lieber nicht, denn ich will nicht zu sehr in das Private der anderen Leute eindringen.

Ich entdecke noch ein paar Schmetterlinge und so manche Kuriosität, die mich schmunzeln lässt. Ein paar Vögel zwitschern und mir scheint alles ziemlich lebendig hier. Mir wird wieder einmal bewusst, dass es niemals Sicherheit geben wird. Nur dass ich eines Tages sterben werde, daran führt kein Weg vorbei. Ich bin dankbar für meine Lebenszeit und alles, was mich so umtreibt, scheint mir gerade relativ geringfügig zu sein. Das ist gut.

Und jetzt Schluss mit den bedeutungsschweren Gedanken. Ich fahre auf dem Heimweg durch eine Straße der lebendigen Erinnerungen. Hier wohnten wir in zwei verschiedenen Häusern. Einmal zur Miete und dann im Eigenheim. Heute lebe ich am anderen Ende der Stadt.
Als ich zu Hause ankomme, sitzt dieser Riesenvogel auf dem Schornstein gegenüber. So etwas gab es hier auch noch nie. Alles ist ungewiss, aber etwas passiert immer. Spannend, oder? Mal sehen, wie es weitergeht.

9 Gedanken zu “Eins ist sicher

  1. Ein schöner bunter Ausflug war das, sehr schöne Bilder sind das wieder. Ich hoffe, dass die blöde Zeit bald vorbei ist. Nichts kann man planen. Buche ich mir für Weihnachten nun eine Unterkunft in der Hauptstadt, um mit meinen Kindern zu feiern oder lieber doch nicht, oder was. Jammern auf hohem Niveau eben…

    Gefällt 1 Person

    1. Mir geht es mit Silvester ähnlich. Langfristige Pläne sind nicht so sinnvoll. Mein Sohn aus Berlin hat für Weihnachten schon so gut wie abgesagt. Ist doof, wird aber nicht ewig so bleiben. Geht eben im Moment nicht. Wir machen das Beste draus!

      Liken

  2. Planen ist derzeit wirklich schwierig. Wir wollten die Tage nach Rheinland-Pfalz, 2 Übernachtungen. Und nun Beherbergungsverbot, das Tal der Wupper ist Risikogebiet. Fahren wir eben die Sippe besuchen, nach Berlin. Von einem Risikogebiet in das andere … dann isses auch wurscht.

    … auf dass wir klug werden…

    Wie war das mit der Hoffnung?

    Lieben Gruß dir 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Lüchow-Dannenberg verzeichnet wenig „Fälle“, darum reise ich nicht nach Berlin, um meinen Sohn zu besuchen. Er hat mir sehr davon abgeraten. Dir wünsche ich viel Spaß im Kreise Deiner Sippe! Ich finde die Zeiten schwierig, aber ich bin mir sehr sicher, dass es wieder besser wird. Liebe Grüße! Regine

      Gefällt 1 Person

    1. Danke! Mir sind Friedhöfe ein wenig fremd, weil meine Familie entweder anonym oder im Ruhe Forst begraben ist . Mein Vater wünschte sich eine Seebestattung und ich bevorzuge für später auch die Natur. Aber so ein Friedhof sagt viel über die Kultur aus, in der wir leben. Insofern werde ich die Tradition, die mein Mann und ich auf Reisen hatten, neu aufnehmen und unterwegs wieder Friedhöfe besuchen. Liebe Grüße! Regine

      Liken

      1. Eltern und Schwiegereltern lagen oder liegen noch auf dem Friedhof.
        Wir wollten in einem Forst bestattet werden, haben es uns aber anders überlegt.
        Mal schauen, wofür wir uns letztendlich entscheiden.
        LG Mathilda

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s