Ein Verwandter ist nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Wir verbrachten die Kindheit zusammen und hatten als Erwachsene wenig miteinander zu tun. Auf zwei Familientreffen der letzten Jahre war er dabei und wir haben uns gefreut, uns zu sehen. „Bis bald mal!“, verabschiedeten wir uns und haben unseren Vorsatz nicht in die Tat umgesetzt. Ich hörte von seiner Krankheit, rief ihn aber nicht an.

Und nun ist er tot. Nicht mehr da. Ich bin traurig. Er war einige Jahre jünger als ich. Mein kleiner Verwandter, der letzten Endes 2 Meter groß wurde und uns alle überragte. „Wie ist die Luft da oben?“, bekam er oft zu hören und ich konnte mir beim letzten Treffen ein „Was bist Du groß geworden!“, nicht verkneifen. Da war er immerhin schon Ende Fünfzig.

Mir fällt ein, dass ich die Älteste meiner Generation in der Familie bin. Mir wurde spaßeshalber prophezeit, dass ich als nächste mit dem Sterben dran sei, nachdem aus unserer Elterngeneration keine(r) mehr da war. Ich verbat mir diesen Witz.

Ich bin traurig und nachdenklich. Kann das noch lange gut gehen mit mir? Jedes Zipperlein beunruhigt mich, bis ich mich zur Ordnung rufe. Ich will keine Hypochondrie  entwickeln. Ich lenke mich ab und es gelingt mir ganz gut, die Unruhe unter Kontrolle zu bringen. Krankheit und Tot gehören zum Leben, schon klar. Aber im Moment macht mich diese Tatsache wütend. Und traurig. Und ein wenig ängstlich.

Ich zünde eine Kerze an und denke an den, der gestorben ist. Bei der Trauerfeier werde ich nicht dabei sein, meine Gedanken aber schon.

Tschüß, Großer! Ich vergesse Dich nicht!

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18 Gedanken zu “Abschied

      1. Klar ist das doof, aber wenn es so ist, dann ist es eben so. Das ist doch alles ganz natürlich und normal. Schlimm wäre es du würdest diese Gefühle nicht haben.

        Liebe Grüße
        Roswitha

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  1. Ja, es tut mir leid! Manchmal kommen wir einfach zu spät. Das kommt vor und du solltest dich nicht schuldig fühlen.

    Denk auch nicht ständig daran, dass du die Nächste sein müsstest. Freu dich, dass du noch lebst, wenn auch ab einem gewissen Alter mit Einschränkungen. Meine Eltern starben mit 54 und 57, ich kann mich damit trösten, dass ich so weit überlebt habe. Trotzdem – ich denke oft und gerne an sie.

    Lieben Gruß, Brigitte

    Nachtrag: Eine solche Seerose steht eben in meinem Teich.

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    1. Erst einmal herzlichen Dank für deine lieben Worte, Brigitte. Schuldig fühle ich mich nicht, wir hatten tatsächlich keinen persönlichen Kontakt außerhalb der wenigen Familientreffen. Und ich habe ihm geschrieben, das schon. Es ist gut so, wie es war und ist.
      Ich denke eigentlich nicht mehr an die dämlichen Sprüche von damals, die sind mir nur gerade eingefallen.
      Wenn jemand stirbt, den ich kenne, werde ich neben der Trauer auch mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert und das war früher einfacher. Jetzt wird der Gedanke an das eigene Sterben immer realer. Aber dadurch nehme ich das Leben viel intensiver wahr und es ist mir so wertvoll geworden. 💖 Regine

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  2. Immer, wenn ein Mensch aus unserer Welt durch Tod ausscheidet, stoßen wir uns an der Frage: was ist mit mir? Wielange noch? Wann? Wie? wer wird bei mir sein? das ist unausweichlich, so unausweichlich wie das Sterben selbst. Nun darfst du noch ein Weilchen in Gedanken und Gefühlen bei dem eben Verstorbenen sein – und auch das wird verblassen. Und das ist auch in Ordnung so, meine ich.

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  3. Liebe Regine,
    gern hätte ich mehr geschrieben, doch ich erlebe gerade, wie mir die passenden Worte fehlen.
    Der Tod von einem Menschen, den man kennt, egal wie gut oder schlecht, wie nah oder fern, löst meistens etwas in uns aus. Ein Zeichen von Vergänglichkeit. Ein Zeichen von „nie wieder“. Das schmerzt und dafür möchte ich Dir einfach ein wenig Kraft senden und Zuversicht.
    Und lass Dich nicht von – eventuell – so dahin gesagten Worten beirren. So etwas sagt man einfach nicht.
    Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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    1. Hallo Kaya, herzlichen Dank für Deine lieben Worte. Es ist, wie Du beschreibst und ich erlebte die endgültigen Abschiede mittlerweile mehrmals. Daran merke ich, dass ich tatsächlich älter werde. Am schmerzhaftesten spürte ich den Verlust und die Trauer, als mein Ex-Mann (Vater meiner Kinder) starb, das ist auch noch nicht vorbei. Diese Erfahrungen haben mich neben der Trauer aber auch positiv verändert und gestärkt. Mein Blick auf mein Leben ist ein anderer geworden.
      Diese blöden Sprüche waren eine Zeitlang ein Running Gag, bis ich ernsthaft böse wurde. Ich fand diese Witzelei höchst unpassend und bin froh, sie jetzt wieder vergessen zu können. Liebe Grüße 🌈! Regine

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  4. Mein herzliches Beileid. Der Abschied eines Bekannten löst wahrscheinlich immer Ängste aus, bei mir jedenfalls auch. Die Vergänglichkeit wird einem sehr roh gezeigt, das Ausweichen dieser Tatsache wird verunmöglicht… Sei virtuell herzlich umarmt. Priska

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    1. Deine Umarmung hält lange vor und ich danke Dir dafür. Du bringst es auf den Punkt: Dem Gedanken an die Vergänglichkeit kann und will ich nicht länger ausweichen. Und das schmerzhaft, aber nicht schlimm, im Gegenteil, ich ahne, was wirklich wichtig ist für mich. Dem komme ich immer näher…..

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