Jemand sprach mit mir darüber, wie schnell die Zeit vergeht und wie alt wir schon sind. „Sterben wird realistisch. Darum muss man jede Minute genießen!“, wurde ich ermuntert. Ich sagte:“ Das ist aber furchtbar anstrengend!“ Wir lachten und verabschiedeten uns.

Genießen als Dauerzustand wäre mir tatsächlich zu anstrengend. Ich kenne das nicht. Ich empfinde ab und zu kleine und etwas größere Glücksgefühle. Ich freue mich auf oder über etwas. Mir schmeckt das Essen und mein Herz wird berührt, wenn ich mit anderen Menschen zusammen etwas erlebe. Ich liebe Bücher, Filme und Musik. Und mit dem neuen Kopfhörer werde ich von Tönen in einer Weise berührt, die ich so bisher nur in einer Oper oder einem Konzert erlebte. Ich halte mich in der Natur auf und Gefühle kommen an die Oberfläche: Dankbarkeit, Trauer, Freude, Sehnsucht, Erinnerungen, und ja, kurze Genussmomente, wenn ich realisiere, wie schön es hier draußen ist.

Ich kann nicht den ganzen über Tag genießen. Dann würde ich nichts anderes mehr schaffen. Aber ich entwickle ein anderes Bewusstsein. Wie habe ich es gut, das alles noch erleben zu dürfen. Je älter ich werde, umso mehr Menschen kenne ich, die schwer erkrankt oder auch schon gestorben sind. Der Tod ist real und damit lebe ich bewusster. Der Gedanke daran, dass mein Leben eines Tages zu Ende sein wird, erschreckt mich immer noch, aber immerhin lasse ich ihn zu. Und dann lasse ich ihn wieder ziehen.

Ich will meine Lebenszeit nicht nur genießen, ich will sie mit Gedanken und Taten füllen. Aber das auch nicht andauernd. Ich liebe es, mich einfach nur so hinzusetzen und zu gucken. Diese Momente genieße ich wirklich.

 

 

4 Gedanken zu “Leben genießen

  1. Ich finde, das hast Du wunderschön dargestellt und beschrieben. Und wenn Du Dich dabei gut- und wohlfühlst, dann ist es der genau der richtige Weg für Dich, so damit umzugehen.
    Für Dich noch einen herrlichen Sonntag – mit immer mal wieder genussvollen Augenblicken.

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  2. Wer sagt denn, dass man Gedanken und Taten nicht genießen kann? Ich kann gar nicht nachvollziehen, was für dich „genießen“ bedeutet. so wie du das beschreibst, genießt du dein Leben doch. Genießen ist doch nicht getrennt von dem was man tut. Würde mich wirklich interessieren, wie du das für dich definierst

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    1. Natürlich hast Du recht! Ich genieße ziemlich oft, aber nicht immerzu. Meine Gesprächspartnerin versteht unter „genießen“ etwas ganz anderes, als ich. Das hätte ich näher ausführen sollen. Für sie ist Genuss, wenn viel passiert. Für mich ist das eher Stress. Darum geht es eigentlich. Danke für den Denkanstoß!

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