Wie klein die Welt für mich doch geworden ist. Ich komme nicht mehr herum und treffe wenige Menschen. Keine Termine, keine Erwerbstätigkeit, keine Reisen, aber viel FastNichts. Die Zeit fühlt sich anders an als vor ein paar Monaten, irgendwie verdichtet und doch zieht sie sich.

Und draußen überschlagen sich die Ereignisse.

Aber eben nicht bei mir. Hier herrscht reger Stillstand. Nachrichtenwert: Null. Ich könnte von meiner Wäsche erzählen, die auf der Leine im Freien trocknet, oder vom Auto mit den neuen Felgen. Oder vom Badezimmer, das gleich geputzt werden wird. Ich könnte erzählen von meinen täglichen Radtouren. Oder vom neuen Leseplatz hinten im Garten, weil die Terrasse im Juni zum Backofen mutiert, wenn die Sonne scheint.

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Ich könnte erzählen von seltenen Besuchen und vom ewigen Vorsatz, etwas Bauchumfang zu verlieren. Meine Biokiste wäre ein Thema und mein nicht vorhandener Sport. Von meinen Gebrechen könnte ich erzählen und es kommen immer neue dazu. Aber wen interessiert das denn wirklich, ob bei mir ein Sack Kartoffeln umfällt oder ob ich gar keinen habe?

Meine Gedanken hingegen arbeiten fleißig und scheinen sich immer mehr auszuweiten. Ich habe den Eindruck, sie verankern mich im Leben, auch wenn ich gerade nicht so viel erlebe. Und doch fühlt es sich so an, als ob ich in den letzten Monaten mehr durchmachte als üblich. Ja, was denn nun? Beides. Rein physisch trete ich ziemlich auf der Stelle, die Psyche macht hingegen richtig viel durch, ist lebendig bei der Sache und schenkt mir die Abwechslung, die ich mir sonst im Außen verschaffte. Und sie macht es sehr gut, finde ich.

Ich dachte heute morgen schon schlaue Gedanken. Ich dachte, dass jeder Mensch einen Geburtstag hat und irgendwann auch einen Todestag. Weil gestern mein geschiedener Mann Geburtstag hatte und eben auch sein Todestag naht. Ich philosophierte über den Lauf des Lebens. Und dachte darüber nach, was bleibt.

Und bevor ich jetzt anfange, mich über dieses Thema hier lang und breit auszulassen, berichte ich lieber kurz über die geplante Familienaufstellungs- Jahresgruppe! Das ist dann doch etwas Handfestes, vielleicht ohne wirklichen Nachrichtenwert, aber immerhin etwas, zu dem ich mich physisch hinbewegen werde. Im Juli wird es wahrscheinlich ein Treffen geben. Mit der halben Gruppe und das auch nur für einen Tag. Mit Abstand, viel Luft und häufiges Lüften und es wird ganz anders sein als sonst. Darauf freue ich mich. Es wird sich fremd anfühlen, nach so langer Zeit mit so vielen Menschen, die nicht zum Familien-und Freundeskreis gehören, zusammen zu sein. Obwohl mir ein wenig flau ist bei diesem Gedanken, werde ich  teilnehmen und mich vermutlich trotzdem sicher fühlen. Es kommt eine spannende gemeinsame Gedanken-und Gefühlsarbeit auf uns zu und dafür brauche ich mich nur zwei Kilometer weit weg zu bewegen.

Doch ja, meine kleine große Welt fühlt sich gerade richtig gut an.

 

 

 

13 Gedanken zu “Große kleine Welt

  1. Dein Leseplatz hinten im Garten, der gefällt mir richtig gut … und mir gefallen auch all Deine Gedanken über Dein Leben und wie Du es betrachtest und auch erlebst. Wieso nicht erzählen und berichten, es liest sich doch so schön.
    Liebe Grüße von Herzen, Kaya

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  2. Du sagtest vor kurzem, dass du nicht mehr weißt worüber du schreiben sollst und doch weitermachen willst, bis du die 100 Tage voll hast.
    Seither habe ich den Eindruck, dass deine Beiträge mangels äußerer Veränderungen immer mehr an die inneren Veränderungen geht. Sie gewinnen immer mehr an Tiefe.
    Gut, dass du nicht aufgehört hast zu schreiben! 😊👍

    Gefällt 2 Personen

    1. Oh, ich danke Dir ganz herzlich für Deinen Kommentar. Meine Themen haben sich zwangsläufig verändert. Über innere Vorgänge habe ich schon immer geschrieben, aber mit anderen Stilmitteln und es gab ab und zu noch anderes zu berichten. Das war heute der 98. Beitrag. Zwei noch und dann lockere ich meinen Schreibimpuls vielleicht wieder. Das lasse ich einfach auf mich zukommen. Feste Pläne sind zur Zeit ja auch sinnlos. Liebe Abendgrüße aus dem heißen Wendland!

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      1. Die Innenwelt gerät auch stärker in den Fokus, wenn die äußere Welt wenig Neues zu bieten hat. Das kann eine Chance sein. Auf jeden Fall ist es eine aufwühlende Zeit, auf die wir hoffentlich bald mit einem „Weißt-du-noch“-Lächeln zurückblicken werden. 😉
        Lieber Gruß aus dem gewittrigen Schwabenland!

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      2. Ja, so ist es. Ich werde durch nichts und niemanden abgelenkt und widme mich dem Lernen. Hat Vorteile. Aber auch Nachteile. So ist es ja immer. Manchmal vermisse ich die Lebendigkeit meines alten Familienlebens. Aber dann denke ich: Das habe ich gehabt!

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  3. Corona hat viel verändert, uns auch.
    Mir geht es genauso, oder zumindest so ähnlich.

    Meine Reha habe ich nach hinten verschoben, vielleicht im Herbst/Winter, oder sogar bis aufs nächste Jahr.
    Zum RehaSport gehe ich nicht mehr, auch wenn die jetzt dort weiter machen, mir ist das noch zu risikoreich, bei über 20 Leuten, kann man den geforderten Abstand gar nicht einhalten.

    Meine Freundinnen habe ich das letzte Mal im Januar gesehen.
    Wird vielleicht auch noch eine Weile dauern.
    Aber in 14 Tagen hat mein Schatz Geburtstag und ich habe mich entschlossen ihn mit seinen alten Freunde in ein Lokal, wo man draußen sitzen kann, zu überraschen.

    So langsam muss man ja mal wieder vor die Türe und am Leben teilnehmen, aber die Angst ist noch im Nacken, ob es wohl richtig ist. Ich werde es sehen.
    Wir können uns ja nicht ewig daheim einschließen, wo sollte das dann noch hinführen?

    Liebe Grüße
    Roswitha

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    1. Sehe ich genau so! Freitag feiert meine Schwiegertochter ihren 30. Geburtstag und ich bin eingeladen. Nun wird es wohl regnen und es werden sich 15 Leute in einem großen Raum aufhalten. Mir ist das eigentlich zu viel, aber sie hat es so verdient, gefeiert zu werden. Ich werde mit meinem Kartoffelsalat erst einmal hinfahren und wenn es mir zu voll wird, gehe ich halt wieder. Deine Überraschungsfeier wird sicher ein großer Erfolg werden! Du hast recht, wir müssen mit dem Virus leben und dazu gehören jetzt eben auch neue kleine Risiken. Wir wissen ja, worauf wir achten müssen! Liebe Grüße! Regine

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      1. Liebe Regine,
        ich danke dir für deine Antwort, die mich hoffen lässt. Auch du wagst dich raus und gehst zu einer Feier.
        Auch ich muss jetzt da durch, mein Schatz hat es auch verdient, dass ich ihn mit all seinen Freunden überrasche.
        Ich wünsche dir für Freitag alles Gute und ich hoffe alles wird gut, dein Kartoffelsalat, die Feier und auch dass ihr alle gesund bleibt.

        Liebe Grüße
        Roswitha

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