Ich liebte das Familienleben.

Es fühlte sich gut an, verheiratet zu sein.

Nicht immer, aber meistens eben doch.

Und am schönsten war es mit den Kindern.

 

Hunde, Katzen, Hühner und die Puten.

Kaninchen, Meerschweinchen, Wüstenspringmäuse,

Wellensittiche und ein Aquarium .

Das Leben auf der Insel mitten im Meer.

Wattwandern und spielen am Strand.

Das Leben später auf dem Festland.

Im Dorf, mitten in der wunderbaren Natur.

Und ohne Touristen.

 

Die Grenzöffnung brachte uns einen Trabi Kombi.

Den konnten wir uns leisten.

Und der Schäferhund passte auch noch mit ins Auto,

wenn ich mich mit den Kindern auf die Rückbank zwängte.

Kinderlachen und Wochenendbesuche.

Freunde und Familie um mich herum.

Ich meistens mittendrin mit all meinen Sinnen.

Beruf, Volkshochschule und Ausbildung nebenher.

All das und noch viel mehr.

 

Samstags mit meinem Mann am Frühstückstisch

im Sommer draußen im Garten.

Zeitung geteilt und ein wenig Zucker in den Kaffee.

Kinder und Zelt ins Auto und ab in den Urlaub.

Unterwegs einkaufen in einer fremden Stadt.

Radfahren am Sonntag und lange Spaziergänge.

Und ab und zu alle zusammen in den Freizeitpark.

 

Ich war ein Familienmensch.

Ich dachte, so wird es immer bleiben.

Und wenn wir alt sind

teilen wir die gemeinsame Erinnerung.

Und fahren mit dem Wohnmobil in den Harz.

 

Niemals hätte ich gedacht,

dass ich einmal alleinstehend bin.

Ich hatte einen anderen Plan.

Ich dachte, so etwas würde ich nicht überleben.

Und dennoch ist es so gekommen.

Ich überlebte und heute ist es meist gut.

Und ich bin daran gewachsen,

Auch wenn es mir manchmal doch zu still ist,

besonders in diesen Corona-Zeiten.

 

Die Kinder sind längst aus dem Haus.

Vom Mann war ich vor seinem Tod schon lange getrennt.

Und mit Erstaunen stelle ich fest,

das erst jetzt,

nach so vielen Jahren,

die Trauer es wagt, sich zu zeigen.

Nicht ständig,

aber immer mal wieder und dann heftig.

So erkläre ich mir die vielen schönen Erinnerungen,

die seit ein paar Tagen auftauchen.

Sehnsucht kann das Gefühl nicht sein,

welches ich dabei spüre.

Das ist wohl die Trauer, die mir herzlich willkommen ist.

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17 Gedanken zu “All das

    1. Ja, daran dachte ich auch schon. Hat lange gedauert, bis ich diese empfinden kann. So ist etwas ins Fließen gekommen, und darüber freue ich mich, auch wenn es etwas weh tut! Liebe Grüße zurück!💖Regine

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  1. Vielleicht hast du im Moment einfach mehr Zeit zum Nachdenken und Erinnern. Das hat Vorteile. Ein Blick zurück kann Impulse geben für das, was vor einem liegt. Und wer weiß, ob eine solche Gelegenheit je wieder kommt.
    Alles Liebe!

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    1. Die Trennung und sein Tod standen bisher im Vordergrund meiner Verarbeitung. Sich an das Schöne zu erinnern, war bis jetzt zu schmerzhaft. Die Ruhe der letzten Wochen hat sicher zum Trauerprozess beigetragen. Wie lange so etwas dauern kann, oder? Auf jeden Fall bin ich froh, mit dem Thema weiterzukommen. Herzliche und fröhliche Grüße!!!

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    1. Natürlich gehört Trauer zum Leben, ich dachte nur, ich hätte schon ausreichend genug getrauert. Wahrscheinlich kommt die Trauer spiralförmig und dringt von Umdrehung zu Umdrehung immer weiter ins Innere.
      Vielleicht mache ich mit meinen Beiträgen anderen Mut zur „Gefühlsarbeit“. Nicht immer sind meine Beiträge eins zu eins in die Gegenwart umzusetzen, aber es sind eigene Erfahrungen, die ich beschreibe. Liebe Grüße, Roswitha, und einen schönen Mittwoch.

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      1. Liebe Regine, Trauer ist so unterschiedlich wie der Mensch. Ein jeder trauert anders und manches Mal braucht die Trauer ihre Zeit. Sie muss nicht immer gleich da sein, sie kann auch viele Jahre später kommen.

        Der Lockdown ist vielleicht so was wie eine Pilgerreise. Man ist alleine und da kommt vieles hoch, wo man gedacht hat, dass wäre doch schon längst vorbei.

        Mit sich sein, dass kann nicht jeder, viele laufen vor sich selber weg, sind auf der Flucht vor sich selbst. Diese Menschen rebellieren gegen den Lockdown, weil sie sich nicht mit sich auseinandersetzen wollen.

        Du machst das aber gerade und das finde ich gut. Mit sich sein, es zulassen und es ausleben.

        Alles Liebe für dich und noch einen schönen Abend.
        Roswitha

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