Das passt so gut in diese Zeit: Der Himmel verdunkelt sich mitten am Tag und ein fürchterliches Gewitter steht über meiner kleinen Stadt. Es rührt sich nicht von der Stelle. Es blitzt und kracht. Ich schaue dem Treiben da draußen zu. Ich liebe Wetter, wenn ich drinnen bin. Und das bin ich ja. Gemütlich überlasse ich mich meinen Gedanken und der Regen prasselt so laut er kann.

Dann ist es vorbei mit dem Lärm. Es ist noch dunkel, aber am Horizont wird es heller. Es regnet, was gut ist. In der Ferne grummelt der Himmel. Ich koche mein Gemüse und denke an meinen gestrigen unerwarteten Besuch. Mein Sohn und seine Freundin fuhren ihre Motorräder spazieren und schauten kurz herein. So konnte ich mal wieder meine Stimme und mein Lachen nutzen. Wenn das Denken lauter wird als das Sprechen, wird es Zeit, mal wieder über Veränderungen nachzudenken.🤔

Abends drehte ich meine verspätete Runde mit dem Rad und erlebte einen magischen Moment, als die Abendsonne den Mohn am Straßenrand zum Leuchten brachte. Mir ging das Herz auf. Eine taugliche Erinnerung gegen trübe Stimmung! Also speicherte ich sie ab, während ich mir einbildete, im Urlaub zu sein.

Der Freitag war überhaupt ein herrlicher Tag. Die analoge Welt um mich herum scheute keine Mühen, mich lieb zu haben. Mein Leseplatz auf der Terrasse war bequem und der  Roman fesselnd. Blumen blühten, Insekten summten und mir gefiel sogar mein Vorgarten. Im letzten Jahr wurde er neu und ziemlich trist angelegt. Mein Vermieter spendierte ihn mir, um mich zu erfreuen. Ich pflanzte ein wenig Buntes ins Braun und der Mohn säte sich selber aus. Mein Vermieter ist sehr zufrieden.

Und hier ein paar Erinnerungsfotos von gestern:

Im kleinen Garten hinten lasse ich die Pflanzen frei. Die meisten säten sich vollkommen selbständig aus. Purer Luxus, so ein eigener Hausmohn und Co!

Hoffentlich überstehen die Pflanzen den heutigen Tag einigermaßen heil. Riesige Wassertropfen  platzen plötzlich aus allen Wolken. Kurz und bündig. Und dann tut das Wetter so, als sei nichts gewesen. Sogar der Wind ist still.

Angekündigt waren Unwetter den ganzen Samstag über. Aber im Moment ist kein schlimmes Wetter mehr in Sicht. Die dunklen Wolken haben sich verzogen und eine Hose voll blauer Himmel lässt ein paar Sonnenstrahlen durch.

Passt doch gut in diese Zeit, oder?

Nein, nicht wirklich, ich weiß. Weltweit gesehen nicht, aber in meiner kleinen privaten Welt schon!

12 Gedanken zu “Wetter

  1. Hallo Regine, hier herrscht eitel Sonnenschein, aber als ich vorhin mit meiner Tochter auf Fehmarn telefonierte, fing es da auch an zu Grummeln.
    Einen schönen Garten hast Du. Ich liebe es, wenn alles durcheinander blüht und wächst. Solche stero cleanen Gärten, wo möglichst zwischen den einzelnen Stauden geparkt wird, mag ich nicht. Mach Dir ein schönes Wochenende und freu Dich über den unverhofften Besuch.

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    1. Danke, liebe Hedwig! Du hast eine Tochter auf Fehmarn? Dort verbrachte ich eine wilde Zeit im Campingbus, als ich noch jung war! Noch so eine Erinnerung gegen trübe Stimmung! Liebe Grüße aus dem mittlerweile ziemlich sonnigen Wendland! Regine

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  2. Was für einen schönen Garten du hast! 🙂
    Geht es dir auch manchmal so, dass man sich in der eigenen kleinen Welt verkriechen will und doch weiß, dass es nicht funktioniert, dass man sich dem Draußen stellen muss? Ich glaube ich habe es ein bisschen verlernt in der langen Zeit zu Hause. Ich bin zwar gerne wieder im Büro, aber noch lieber zu Hause, bei den Blumen, in der selbstgemachten Abgeschiedenheit.
    Lieber Gruß, derzeit noch sonnig!

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    1. Ja, es geht mir genauso. Ich muss ja auch überhaupt nicht raus. Alle wichtigen Termine sind in den Herbst verschoben. Mir fehlt der Schwung, Verabredungen zu treffen. Reisen will ich noch nicht, meine Veranstaltungen und Gruppen finden nicht statt. Ab und zu eine Freundin, hin und wieder mein Sohn mit Anhang und die Telefonate, das ist mein soziales Leben im Moment. Es wird sich ändern, sobald ich weiß, wie. Und bis dahin genieße ich mein Zuhause und meine Umgebung. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende! Regine

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      1. Mir ging es wie dir, und ich hatte Angst vor dem Arbeiten. Jetzt merke ich aber, wie abwechslungsreich mein Leben wieder geworden ist seither, dabei sind es nur Kleinigkeiten. Ich denke mit Maske und Abstand einhalten kannst du durchaus wieder am Leben teilnehmen. Tu, was du vorher gemacht hast, nur vorsichtiger. 🙂
        Auch dir noch ein schönes Wochenende!

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      2. Ich kann wenig von dem tun, was ich gemacht habe, weil es die Gruppen und Veranstaltungen zur Zeit nicht gibt. Treffen mit mehreren Freunden geht nicht. Familientreffen auch nicht. Hallenbad wird geöffnet, aber ich will erst einmal sehen, wie ich als Langsamschwimmerin für mich sorgen kann. Rehasport mit Maske ist mir nicht möglich, gerade jetzt, wo es so warm ist. Reisen möchte ich noch nicht und Leute einladen auch nicht. Ich treffe mich, wie schon gesagt, mit einzelnen Freundinnen zum Spazieren gehen und Kaffee trinken. Dieses Vorsichtigsein draußen hängt mir gerade auch zum Hals raus, darum bleibe ich im Moment ganz gerne zu Hause. Ich kenne Menschen, die sich schon wieder ohne Vorsichtsmaßnahmen treffen, aber dort würde ich mich nicht wohl fühlen. Es muss sich alles erst einspielen und das wird es auch. Da habt Ihr Berufstätigen es vielleicht besser, Ihr werdet draußen gebraucht. Meine Hochachtung ist euch sicher! 🥂💐

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      3. Hochachtung braucht es nicht vor Menschen, die gezwungenermaßen den Mut aufbringen müssen, wieder nach draußen zu gehen. Hochachtung gebührt Menschen wie dir, die die Trennung von den Lieben und Bekannten weiterhin auf sich nehmen, bis die Luft wirklich wieder rein ist, im wahrsten Sinn des Wortes.
        Du machst es schon richtig, und da die Beschränkungen aus gutem Grund allmählich aufgehoben werden, wird es auch nciht mehr lange dauern, bis du deinen Freundeskreis wieder um dich hast. In Einzelfällen hast du ja Leute um dich herum.
        Gefährlich finde ich nur, wenn man sich an den Zustand der Zurückgezogenheit gewöhnt, so ging es mir nämlich. Ich traute mich nicht mehr raus, weil ich überall Gefahr sah. Nun stelle ich fest, dass ich mich bei der Arbeit schützen kann und die Fallzahlen sinken sowieso. Aber ohne diese „Zwangsmaßnahme weiß ich nicht, wann ich den Absprung geschafft hätte.
        Ich wünsch dir alles Liebe.

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      4. Diese Tendenz habe ich bei mir gemerkt und ich will ihr nicht nachgeben. Blöd ist nur, dass ich ganz alleine herausfinden muss, wie weit ich mich wieder in die Öffentlichkeit wagen will.
        Das stimmt schon, Berufstätigkeit kann helfen. Vor ein paar Tagen habe ich im Supermarkt einer Verkäuferin ihre Spannung und Ängstlichkeit angemerkt. Ich dachte daran, dass ich mich zurückziehen kann, wenn es mir zu viel wird, sie aber nicht. Sie muss damit zurechtkommen, unter vielen Menschen im geschlossenen Raum ihre Arbeit zu tun. Und ich habe eine Hochachtung vor allen Menschen, die das schaffen.
        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag! Der Dialog mit Dir unterstützt mein Gedankensortieren sehr! Danke dafür!

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      5. Liebe Frau Holle, danke für deinen netten Kommentar. Wir sind wahrscheinlich in ähnlichen Lebensumständen und auch ich profitiere von unserem Gedankenaustausch. 🙂 In einem sind wir uns aber einig: Menschen an der Supermarktkasse, in Arztpraxen und erst recht in Pflegeeinrichtungen und Kliniken verdienen Respekt und Bewunderung. Und ein höheres Gehalt. 😉

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