Ich setze mich nicht unter Druck. Ich gebe mir die Erlaubnis, entspannt zu bleiben.

Und plötzlich geht alles ganz einfach. Ich verstehe, dass ich mehr Zeit brauche, um mit einem guten Gefühl in die Lockerungen zu gehen. Ich weiß ja, wie ich mich in Krisen am besten verhalte: ich lasse mir Zeit, ich bleibe so gelassen wie möglich und höre auf mein Bauchgefühl. Ich informiere mich, ich höre unterschiedliche Meinungen und bilde mir meine eigene.

Eben erfuhr ich, dass der Rehasport wieder beginnt. Er findet draußen statt, aber trotzdem. Nein, ich möchte noch pausieren. Ich sage das und alles ist in Ordnung. Ich kann mich melden, wenn ich bereit bin.

Im Juli ist ein weiteres Familienaufstellungswochenende geplant. Falls es ohne die nötigen Sicherheitsmaßnahmen stattfinden sollte, werde ich darauf verzichten. So gerne ich die Gruppe wieder um mich haben möchte, mein Bauchgefühl rät mir davon ab. Den Gedanken, dass mich andere als zu ängstlich und vorsichtig einschätzen könnten, denke ich gar nicht erst zu Ende. Ist egal, ich denke ja auch, dass einige Leute zu risikofreudig sind und sie machen trotzdem weiter.

Ich möchte nur wenige Leute in meine Wohnung lassen. Drinnen will ich die größtmögliche Sicherheit. Wenn draußen schon alles so unsicher ist, bei mir Zuhause will ich mich sicher fühlen. Ich sage das, und alle finden es in Ordnung. Jedenfalls höre ich nichts Gegenteiliges. Was die Leute denken, kann ich nicht wissen. Muss ich auch nicht.

Ich gehe ab und zu mit der einen oder anderen Freundin spazieren. Dabei fühle ich mich gut. Ich habe ab und zu Kontakt mit einem Sohn, seiner Freundin und ihrer Familie (ein Haushalt). Wir sind meist draußen und halten Abstand. Trotzdem gehe ich ein gewisses Risiko ein, denn drei von ihnen haben berufsmäßig mit vielen Menschen zu tun. Ganz ohne geht es eben auch nicht auf Dauer. Ich bin ein soziales Wesen.

Mein Berliner Sohn rät mir von Besuchen ab, will sich aber im August wahrscheinlich ein Auto mieten und mit seiner Freundin ins Wendland kommen. Dann wird sich die Kernfamilie treffen, um auf alle Geburtstage anzustoßen. Mit Abstand und irgendwo im Grünen. Die meisten von uns haben nämlich demnächst Geburtstag. Wir werden uns nicht gegenseitig einladen. Sogar meine „Schwiegertöchter“, die beide 30 werden, halten die die Füße still. Ja, so ist das bei uns  in diesen Zeiten und es fühlt sich schon fast normal an.

Ich lasse mich nicht anstecken vom allgemeinen Aufbruch. Das ist mein Luxus: Ich habe die Zeit, die ich brauche, um mich mit den Lockerungen nicht zu überfordern. Und mit dieser Einsicht geht es mir gut. So allmählich ahne ich, wie eine neue Normalität für mich aussehen könnte.

 

 

 

9 Gedanken zu “Geht doch!

  1. Dein Bauchgefühl wird Dir schon das richtige sagen. Ich schaue jeden Abend gebannt auf dir Infektionszahlen, gestern zwei Neuinfektionen im Land, nicht in unserem Lankreis, zu dem Usedom gehört. Ich hoffe, das bleibt so.

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  2. Ich glaube, ein bisschen gewöhnt man sich an den Gedanken, zu Hause am sichersten zu sein, während draußen eine latente Gefahr vorhanden ist. Ich bin seit dieser Woche nach langer Kurzarbeit wieder stundenweise im Büro. Viele Menschen laufen herum (wir bieten Sprachkurse an), alle mit Maske. Manche kommen in mein Büro und nehmen dort die Maske ab, warum auch immer. Ich erlaube das nicht, jeder muss sich und mich schützen, wenn er mit mir reden will.
    Man muss sich (wieder einmal) an etwas Neues gewöhnen und sich zurechtfinden, das ist alles. Jeder macht es so, wie es geht bzw. gehen muss. In deinem Fall sagt dir dein Bauchgefühl sicher das Richtige. 🙂

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    1. Wäre ich noch berufstätig, würde ich wahrscheinlich etwas anders denken und fühlen. Dann wäre der Umgang mit vielen Menschen dann auch wieder Routine. Dir alles Gute! Regine

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  3. Raus muss ich, ob ich will oder nicht. Habe ich frei, zieht mich kaum etwas vor die Tür, derzeit. Das war mal anders … am schlimmsten ist das einkaufen. Aber auch das permanente hinterlassen von persönlichen Daten mache ich nicht mit, verzichte dann lieber, bis dieser unselige Zustand ein Ende hat.

    Lieben Gruß dir.

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  4. Zuhause fühle ich mich auch sicherer, trotzdem habe ich mich wieder nach draußen gewagt.
    Nicht das ich jetzt leichtsinnig werde, aber ich werde etwas mutiger. Das macht mich irgendwie frei, ich fühle mich besser.

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